THEMA: RB: Boliviens Altiplano & die Pampa Uruguays
22 Sep 2024 20:54 #694218
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  • Sabine26 am 22 Sep 2024 20:54
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Tag 9
Die Entdeckung EINES endemischen Kaktus


Bis 18:00 Uhr haben wir heute Zeit, uns ein weiteres Mal die Gegend rund um Tupiza anzusehen. Gegen einen sehr geringen Aufpreis haben wir das Zimmer bereits bei der Buchung verlängert. Mein Mann muss leider aufgrund der Straßenverhältnisse in Tupiza bleiben, während wir drei auf Tour gehen.

Wir erfahren, dass wir einige der Streckenabschnitte fahren, auf denen die Dakar 2017 stattgefunden hat. Glücklicherweise müssen wir nicht durch diese faszinierende Gegend rasen und können – sicherlich im Gegensatz zu den Teilnehmenden der Dakar – uns ausgiebig Zeit für Besichtigungen nehmen.

Einige Schluchten, die sich entlang und in der Nähe des Río San Juan de Oro befinden, schauen wir uns an. Diese tragen Namen wie Quebrada Seca oder Quebrada Palala. Im Cañon Duende gibt es eine Engstelle zwischen zwei Felsen, durch die unser Fahrzeug gerade so durchpasst. Natürlich muss dies als Fotomotiv herhalten. Staub ist allgegenwärtig in dieser wunderbaren Felsenwelt, die mit ihren oftmals Rot- und Brauntönen, gespickt mit Kakteen, möglicherweise nicht nur mich, sondern auch Butch Cassidy und Sundance Kid an ihre Heimat erinnert haben mag. Gut, dass sie nicht mehr hier weilen, wird ihnen doch nachgesagt, sie wären alles andere als abgeneigt gewesen, den einen oder anderen Zug zu überfallen. So müssen wir uns später am Abend darüber keine Sorgen machen.






































Als Abschluss der Tour fahren wir zum Aussichtspunkt El Sillar, der sich knapp unterhalb der 4.000 Höhenmeter befindet. Unter uns tut sich der Wald aus Stein, der Bosque de Piedra, auf.








In keinem Reiseführer wurde jedoch der endemische Kaktus erwähnt, den wir hier – dank etwas Nachhilfe von M. – entdecken. Schon bei unserer Abfahrt war er dann auch wieder auf wundersame Weise verschwunden.





Die Piste zwischen Tupiza und Uyuni soll sich in einem mehr als erbärmlichen Zustand befinden. In naher Zukunft ist geplant, diese mit einer Asphaltdecke zu beglücken. Wir werden diesen Abschnitt mit dem Zug zurücklegen. Da diese Verbindung nur wenige Tage in der Woche von Zügen der Ferrocarril Occidental bedient wird, musste ich unter anderem unsere Route entsprechend des Fahrplanes ausarbeiten, immer in der Hoffnung, dass sich nicht noch die bolivianische FCA eine Änderung einfallen lassen würde. Zu unserer Freude blieb sie bei ihrem Fahrplan.

Gegen 18:00 Uhr werden wir zum Bahnhof von Tupiza gebracht. Hatten wir bereits während unserer heutigen Tour keine weiteren Touristen gesehen, so ist es auch am Bahnhof nicht anders.





Dann rollt auch schon der Expreso del Sur ein. Wir haben die 1. Klasse gebucht. An beiden Seiten des Wagons sorgen Ventilatoren für Luftwirbel. Für Unterhaltung hängt ein Bildschirm an der Wand, über den zwei spanischsprachige Filme mit spanischsprachigen Untertiteln flimmern. Beim ersten handelt es sich um die Neuerscheinung „Ein Sack voll Murmeln“. Leider ist die Fahrtzeit so ungünstig, dass wir die gesamte Strecke, die sicherlich hochinteressant ist, im Dunkeln fahren. Im Minenort Atocha legen wir einen Stopp ein, alles hier wirkt so trostlos und die Temperaturen sind gefallen. Es ist kalt, sehr kalt. Fast sechs Stunden dauert die Fahrt bis Uyuni und dennoch sind wir um ein Vielfaches schneller im Vergleich zur Variante mit dem Auto.

Als wir in Uyuni aussteigen, merken wir sofort, dass der Sauerstoffanteil ein weiteres Mal im Vergleich zu Tupiza gesunken ist, aber nicht nur dieser, auch die Temperaturen sind merklich gefallen.

Hinter einer unscheinbaren Tür verbirgt sich unsere süße Unterkunft mit nur vier Zimmern. Den Namen La Petite Porte hätte man nicht passender wählen können.

Todmüde fallen wir ins Bett und freuen uns auf den morgigen Tag. Wir fahren zum größten Salzsee unserer Erde, dem Salar de Uyuni.
Letzte Änderung: 22 Sep 2024 20:57 von Sabine26.
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23 Sep 2024 13:10 #694256
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Tupiza! Lange hatte ich versucht diesen Ort in unsere 2014 ner Tour einzubauen, leider ohne Erfolg, denn auf die Atacama wollten wir nicht verzichten. So ist es schön, bei Dir mit durch die Schluchten zu fahren und vielleicht den ein oder anderen Drehort von Latinowestern zu erkennen zu glauben.
Liebe Grüße,
Elisabeth
P.S. Übrigens wer Blackthorn nicht kennt, der Film lohnt sich schon aufgrund der Landschaftsaufnahmen. Danach will man sofort nach Bolivien reisen.
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23 Sep 2024 20:01 #694269
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Kiboko schrieb:
Ich hoffe, es gibt noch Platz für ein Nilpferd auf dem Dachgepäckträger.
Da kann Kiboko rechtzeitig runterspringen, wenn die Bremse nicht mehr geht.

Von einem Kurzbesuch aus Uruguay wurde der französische Blumenkübel wiedererkannt.

Hallo Bernd,

Asche auf mein Haupt. Du bist mir doch gestern glatt durchgerutscht :woohoo: . Wir haben wohl zeitgleich gepostet. Zum Glück habe ich Deinen Eintrag eben gesehen und schon mal das Dach von unnötigem Plunder freigeräumt. Für Dich gibt es doch immer ein Plätzchen. Deinen Satz „die Herren Appendix und Seasick werfe ich sofort über Bord“. Wie könnte ich Dir da keinen Platz anbieten?

Der „französische Blumenkübel“ lässt einen (also mich) sofort die Kamera ziehen..



Huhu Elisabeth,

Tupiza war für uns mit den diversen Einschränkungen die ideale Route. Mittlerweile sind einige Strecken, die zuvor grauenhaft gewesen sein müssen, asphaltiert, wie z. B. Tupizu - Uyuni oder Santa Cruz de la Sierra - Sucre. Wäre das damals der Fall gewesen, hätten wir wahrscheinlich in Santa Cruz begonnen.
Ihr hatte eine andere (wunderschöne) Route, da macht es nichts, dass Tupiza nicht dabei war.

Ich habe gerade noch einmal nach Blackthorn geschaut. Stimmt, den habe ich vor einigen Jahren mal gesehen. … als ich mir eben den Trailer anschaute, ritt Sam Shephard genau durch das ausgetrocknete Flussbett mit den roten gezackten Felsen im Hintergrund, wie ich hier ein Foto eingestellt habe - witzig. Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.

Gleich geht es auf den Salar.

Liebe Grüße

Sabine
Letzte Änderung: 23 Sep 2024 21:27 von Sabine26.
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23 Sep 2024 20:09 #694270
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Tag 10
Farbenwechsel: Aus Rot wird Weiß


Die Nacht war kurz, aber das Aufstehen fällt in Anbetracht des heutigen Zieles leicht. Im lichtdurchfluteten Innenhof des zauberhaften La Petite Porte frühstücken wir, bevor zwei Toyota Landcruiser vorfahren, die uns vier heute über den Salar de Uyuni fahren werden.

Unser erster Stopp gilt dem Ort Colchani, 22 Kilometer nördlich von Uyuni gelegen. Colchani ist das Eingangstor zum Salar. Entlang der Hauptstraße des kleinen Ortes bieten Händler ihre Waren für Touristen an. Hier steht auch der mobile Verkaufswagen einer Frau, deren kleines Kind, ein Mädchen, daneben sitzt.

Ich spreche die Frau und die Kleine an. So erfahre ich ihren Namen und dass sie drei Jahre alt ist. Sie sitzt hier den ganzen Tag, während ihre Mutter Geld verdient. Es muss furchtbar langweilig für das Kind sein. Wir schenken ihr ein Malbuch und ein Set Buntstifte. Die Mutter freut sich so sehr und die Kleine weiß tatsächlich nicht, was sie da in der Hand hält. Später werden wir sehen, wie die Mutter ihr gezeigt haben muss, was sie damit machen kann und so sitzt die Kleine nun auf ihrem Stein und ist tief versunken in ihrem Malbuch.

In Colchani wird noch immer das Salz vom Salar per Hand in Tüten verpackt. M. führt uns in ein Haus, wo ein Mann dieser Tätigkeit nachgeht. Wir erfahren, dass nur Familien, die aus dem Ort stammen, auf dem Salar Salz ernten dürfen.





Wie das bolivianische Salz in die Tüten gelangt, wissen wir jetzt, nun sehen wir mit eigenen Augen, woher dieses kommt. Wir fahren auf den Salzsee. Nur einige Monate im Jahr ist der Salar großflächig befahrbar. Während des bolivianischen Winters und der sich anschließenden Wochen steht eine mehrere Zentimeter hohe Wasserschicht auf dem weißen See.

Wir fahren zu den Ojos, die sich auch zu unserer Reisezeit noch am Rande des Sees halten. Unsere Fahrer wissen genau, wie weit sie fahren können, ohne das Risiko einzugehen, in dieser Wüste aus Salz einzubrechen. Aus diesen Augen sprudelt das Wasser in braunen Farbtönen und rundherum ist das Salz eingefärbt. Farblich erinnert mich diese Region ein wenig an den Salar de Atacama mit seinen Pastelltönen.





Je mehr wir uns in unseren Landcruisern von den Ojos entfernen, umso weißer wird der Salar. Längst haben die Bolivianer erkannt, welcher monetäre Schatz unter diesem Naturschatz verborgen liegt. Bolivien gilt als eines der Länder mit den größten Lithiumvorkommen weltweit.

Wir fahren in den Norden des Salzsees. Diese Region wird bisher noch wenig von Touristen besucht und bald sind wir ganz alleine unterwegs. Es ist eigentlich kaum zu fassen, dass es dennoch immer wieder zu tragischen Verkehrsunfällen auf dem Salar de Uyuni kommt. Wenige Jahre zuvor stießen zwei Touristenfahrzeuge frontal zusammen und es gab viele Todesopfer.





Wir fahren durch eine surreale Welt, aber eine so schöne und absolut beeindruckende. Es ist kaum zu fassen. 90 Kilometer von Colchani entfernt liegt der kleine Weiler Coqueza zu Füßen des 5.435 Meter hohen Vulkans Thunupa. Hier ist es wundervoll, das Weiß des Salars, das Tiefblau des Himmels, das Blau des Wassers am Rand der riesigen Salzfläche, in dem Flamingos nach Fressbarem suchen, das Grün, auf dem Lamas und Esel grasen, bis hin zu den Braun- und Rottönen des Vulkans Thunupa.

















Wir machen einen kleinen Spaziergang durch den sehr ärmlich wirkenden Ort und begegnen keinen weiteren Touristen. Ein kleines Mädchen kommt auf uns zu. Sie ist neugierig und erzählt und erzählt. Auch wenn ich längst nicht alles verstehe, so ist dies eine wundervolle Begegnung für, so hoffe ich, beide Seiten.
Letzte Änderung: 23 Sep 2024 20:11 von Sabine26.
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23 Sep 2024 20:27 #694271
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The place to be eat

Vier Kilometer führt uns eine Piste bis zu einem Parkplatz auf 3.982 Höhenmeter. Wer zum Gipfel des aktiven Vulkans Thunupa möchte, der muss ab hier zu Fuß weiter. Wir gehen nun auch per Pedes mehrere Hundert Meter, bewegen uns aber in etwa gleichbleibender Höhe. Unser Ziel ist eine Höhle, in der sich sieben Mumien befinden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Mumien seit etwa 900 Jahren in der Höhle sitzen/liegen sollen.

Die Aymara bringen in der Mitte des Höhlenraums, der nicht allzu groß ist und lediglich mit äußerst spärlichem Tageslicht aufwarten kann, nach wie vor ihre Opfergaben in Form von Zigaretten, Coca-Blättern und Münzen dar. Später werde ich beim Betrachten der Fotos eine Schlangenhaut, die ziemlich taufrisch ausschaut, im Schoß einer der Mumien entdecken.





Der Blick von den Hängen des Vulkans Thunupa auf den Salar de Uyuni ist spektakulär, aber auch die Strecke in der dünnen Luft ist sehr schön zu laufen entlang von blühenden Kakteen und Pflanzen, mit denen ich hier gar nicht gerechnet hatte. Auch Apachetas, kleine Türmchen aus Steinen, begegnen uns immer wieder.

















Wir fahren hinunter und laufen entlang der Ojos und kleinen Lagunen. Das Farbenspiel ist fantastisch. Je nach Sonneneinfall und – so nehme ich an – je nach Zusammensetzung der Mineralien im Nass schauen wir auf Rot-/Brauntöne, auf Blautöne und bisweilen milchig wirkende Grautöne. Einzig der Thunupa ändert sich nicht mit seinen Spiegelungen.












In der Zwischenzeit wird das Mittagessen für uns aufgebaut. Wir sind hin und weg von dieser Location auf dem endlosen Weiß unter dem roten Sonnenschirm. Das ist „The place to be eat“.


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23 Sep 2024 21:11 #694272
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Sabine26 schrieb:
Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.
na klar einen Robert Redford Film lasse ich mir nicht entgehen :blush:

so ein tolles Mittagessen hatten wir damals dort nicht - das ist ja Klasse.
Ach, es ist so schön Bilder von dieser einmaligen Landschaft zu sehen. Hab Dank fürs Berichten.
VG Elisabeth
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