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Tag 9
Die Entdeckung EINES endemischen Kaktus Bis 18:00 Uhr haben wir heute Zeit, uns ein weiteres Mal die Gegend rund um Tupiza anzusehen. Gegen einen sehr geringen Aufpreis haben wir das Zimmer bereits bei der Buchung verlängert. Mein Mann muss leider aufgrund der Straßenverhältnisse in Tupiza bleiben, während wir drei auf Tour gehen. Wir erfahren, dass wir einige der Streckenabschnitte fahren, auf denen die Dakar 2017 stattgefunden hat. Glücklicherweise müssen wir nicht durch diese faszinierende Gegend rasen und können – sicherlich im Gegensatz zu den Teilnehmenden der Dakar – uns ausgiebig Zeit für Besichtigungen nehmen. Einige Schluchten, die sich entlang und in der Nähe des Río San Juan de Oro befinden, schauen wir uns an. Diese tragen Namen wie Quebrada Seca oder Quebrada Palala. Im Cañon Duende gibt es eine Engstelle zwischen zwei Felsen, durch die unser Fahrzeug gerade so durchpasst. Natürlich muss dies als Fotomotiv herhalten. Staub ist allgegenwärtig in dieser wunderbaren Felsenwelt, die mit ihren oftmals Rot- und Brauntönen, gespickt mit Kakteen, möglicherweise nicht nur mich, sondern auch Butch Cassidy und Sundance Kid an ihre Heimat erinnert haben mag. Gut, dass sie nicht mehr hier weilen, wird ihnen doch nachgesagt, sie wären alles andere als abgeneigt gewesen, den einen oder anderen Zug zu überfallen. So müssen wir uns später am Abend darüber keine Sorgen machen. Als Abschluss der Tour fahren wir zum Aussichtspunkt El Sillar, der sich knapp unterhalb der 4.000 Höhenmeter befindet. Unter uns tut sich der Wald aus Stein, der Bosque de Piedra, auf. In keinem Reiseführer wurde jedoch der endemische Kaktus erwähnt, den wir hier – dank etwas Nachhilfe von M. – entdecken. Schon bei unserer Abfahrt war er dann auch wieder auf wundersame Weise verschwunden. Die Piste zwischen Tupiza und Uyuni soll sich in einem mehr als erbärmlichen Zustand befinden. In naher Zukunft ist geplant, diese mit einer Asphaltdecke zu beglücken. Wir werden diesen Abschnitt mit dem Zug zurücklegen. Da diese Verbindung nur wenige Tage in der Woche von Zügen der Ferrocarril Occidental bedient wird, musste ich unter anderem unsere Route entsprechend des Fahrplanes ausarbeiten, immer in der Hoffnung, dass sich nicht noch die bolivianische FCA eine Änderung einfallen lassen würde. Zu unserer Freude blieb sie bei ihrem Fahrplan. Gegen 18:00 Uhr werden wir zum Bahnhof von Tupiza gebracht. Hatten wir bereits während unserer heutigen Tour keine weiteren Touristen gesehen, so ist es auch am Bahnhof nicht anders. Dann rollt auch schon der Expreso del Sur ein. Wir haben die 1. Klasse gebucht. An beiden Seiten des Wagons sorgen Ventilatoren für Luftwirbel. Für Unterhaltung hängt ein Bildschirm an der Wand, über den zwei spanischsprachige Filme mit spanischsprachigen Untertiteln flimmern. Beim ersten handelt es sich um die Neuerscheinung „Ein Sack voll Murmeln“. Leider ist die Fahrtzeit so ungünstig, dass wir die gesamte Strecke, die sicherlich hochinteressant ist, im Dunkeln fahren. Im Minenort Atocha legen wir einen Stopp ein, alles hier wirkt so trostlos und die Temperaturen sind gefallen. Es ist kalt, sehr kalt. Fast sechs Stunden dauert die Fahrt bis Uyuni und dennoch sind wir um ein Vielfaches schneller im Vergleich zur Variante mit dem Auto. Als wir in Uyuni aussteigen, merken wir sofort, dass der Sauerstoffanteil ein weiteres Mal im Vergleich zu Tupiza gesunken ist, aber nicht nur dieser, auch die Temperaturen sind merklich gefallen. Hinter einer unscheinbaren Tür verbirgt sich unsere süße Unterkunft mit nur vier Zimmern. Den Namen La Petite Porte hätte man nicht passender wählen können. Todmüde fallen wir ins Bett und freuen uns auf den morgigen Tag. Wir fahren zum größten Salzsee unserer Erde, dem Salar de Uyuni. |
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Letzte Änderung: 22 Sep 2024 20:57 von Sabine26.
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Tag 10
Farbenwechsel: Aus Rot wird Weiß Die Nacht war kurz, aber das Aufstehen fällt in Anbetracht des heutigen Zieles leicht. Im lichtdurchfluteten Innenhof des zauberhaften La Petite Porte frühstücken wir, bevor zwei Toyota Landcruiser vorfahren, die uns vier heute über den Salar de Uyuni fahren werden. Unser erster Stopp gilt dem Ort Colchani, 22 Kilometer nördlich von Uyuni gelegen. Colchani ist das Eingangstor zum Salar. Entlang der Hauptstraße des kleinen Ortes bieten Händler ihre Waren für Touristen an. Hier steht auch der mobile Verkaufswagen einer Frau, deren kleines Kind, ein Mädchen, daneben sitzt. Ich spreche die Frau und die Kleine an. So erfahre ich ihren Namen und dass sie drei Jahre alt ist. Sie sitzt hier den ganzen Tag, während ihre Mutter Geld verdient. Es muss furchtbar langweilig für das Kind sein. Wir schenken ihr ein Malbuch und ein Set Buntstifte. Die Mutter freut sich so sehr und die Kleine weiß tatsächlich nicht, was sie da in der Hand hält. Später werden wir sehen, wie die Mutter ihr gezeigt haben muss, was sie damit machen kann und so sitzt die Kleine nun auf ihrem Stein und ist tief versunken in ihrem Malbuch. In Colchani wird noch immer das Salz vom Salar per Hand in Tüten verpackt. M. führt uns in ein Haus, wo ein Mann dieser Tätigkeit nachgeht. Wir erfahren, dass nur Familien, die aus dem Ort stammen, auf dem Salar Salz ernten dürfen. Wie das bolivianische Salz in die Tüten gelangt, wissen wir jetzt, nun sehen wir mit eigenen Augen, woher dieses kommt. Wir fahren auf den Salzsee. Nur einige Monate im Jahr ist der Salar großflächig befahrbar. Während des bolivianischen Winters und der sich anschließenden Wochen steht eine mehrere Zentimeter hohe Wasserschicht auf dem weißen See. Wir fahren zu den Ojos, die sich auch zu unserer Reisezeit noch am Rande des Sees halten. Unsere Fahrer wissen genau, wie weit sie fahren können, ohne das Risiko einzugehen, in dieser Wüste aus Salz einzubrechen. Aus diesen Augen sprudelt das Wasser in braunen Farbtönen und rundherum ist das Salz eingefärbt. Farblich erinnert mich diese Region ein wenig an den Salar de Atacama mit seinen Pastelltönen. Je mehr wir uns in unseren Landcruisern von den Ojos entfernen, umso weißer wird der Salar. Längst haben die Bolivianer erkannt, welcher monetäre Schatz unter diesem Naturschatz verborgen liegt. Bolivien gilt als eines der Länder mit den größten Lithiumvorkommen weltweit. Wir fahren in den Norden des Salzsees. Diese Region wird bisher noch wenig von Touristen besucht und bald sind wir ganz alleine unterwegs. Es ist eigentlich kaum zu fassen, dass es dennoch immer wieder zu tragischen Verkehrsunfällen auf dem Salar de Uyuni kommt. Wenige Jahre zuvor stießen zwei Touristenfahrzeuge frontal zusammen und es gab viele Todesopfer. Wir fahren durch eine surreale Welt, aber eine so schöne und absolut beeindruckende. Es ist kaum zu fassen. 90 Kilometer von Colchani entfernt liegt der kleine Weiler Coqueza zu Füßen des 5.435 Meter hohen Vulkans Thunupa. Hier ist es wundervoll, das Weiß des Salars, das Tiefblau des Himmels, das Blau des Wassers am Rand der riesigen Salzfläche, in dem Flamingos nach Fressbarem suchen, das Grün, auf dem Lamas und Esel grasen, bis hin zu den Braun- und Rottönen des Vulkans Thunupa. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch den sehr ärmlich wirkenden Ort und begegnen keinen weiteren Touristen. Ein kleines Mädchen kommt auf uns zu. Sie ist neugierig und erzählt und erzählt. Auch wenn ich längst nicht alles verstehe, so ist dies eine wundervolle Begegnung für, so hoffe ich, beide Seiten. |
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Letzte Änderung: 23 Sep 2024 20:11 von Sabine26.
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The place to
Vier Kilometer führt uns eine Piste bis zu einem Parkplatz auf 3.982 Höhenmeter. Wer zum Gipfel des aktiven Vulkans Thunupa möchte, der muss ab hier zu Fuß weiter. Wir gehen nun auch per Pedes mehrere Hundert Meter, bewegen uns aber in etwa gleichbleibender Höhe. Unser Ziel ist eine Höhle, in der sich sieben Mumien befinden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Mumien seit etwa 900 Jahren in der Höhle sitzen/liegen sollen. Die Aymara bringen in der Mitte des Höhlenraums, der nicht allzu groß ist und lediglich mit äußerst spärlichem Tageslicht aufwarten kann, nach wie vor ihre Opfergaben in Form von Zigaretten, Coca-Blättern und Münzen dar. Später werde ich beim Betrachten der Fotos eine Schlangenhaut, die ziemlich taufrisch ausschaut, im Schoß einer der Mumien entdecken. Der Blick von den Hängen des Vulkans Thunupa auf den Salar de Uyuni ist spektakulär, aber auch die Strecke in der dünnen Luft ist sehr schön zu laufen entlang von blühenden Kakteen und Pflanzen, mit denen ich hier gar nicht gerechnet hatte. Auch Apachetas, kleine Türmchen aus Steinen, begegnen uns immer wieder. Wir fahren hinunter und laufen entlang der Ojos und kleinen Lagunen. Das Farbenspiel ist fantastisch. Je nach Sonneneinfall und – so nehme ich an – je nach Zusammensetzung der Mineralien im Nass schauen wir auf Rot-/Brauntöne, auf Blautöne und bisweilen milchig wirkende Grautöne. Einzig der Thunupa ändert sich nicht mit seinen Spiegelungen. In der Zwischenzeit wird das Mittagessen für uns aufgebaut. Wir sind hin und weg von dieser Location auf dem endlosen Weiß unter dem roten Sonnenschirm. Das ist „The place to |
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Hallo liebe freshy,
oh, Du erinnerst Dich noch an meinen RB aus dem Pantanal. Das freut mich sehr Es ist sehr bedauerlich mit den Bränden, die Menschen und die Tierwelt haben in den letzten Jahren immer wieder unter schrecklichen Bränden gelitten. Ich schreibe gleich weiter. LG Sabine |
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Letzte Änderung: 04 Okt 2024 14:13 von Sabine26.
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Haus des Inka und ein Palast aus Salz
Nach diesem irgendwie doch ein wenig dekadent anmutenden Mahl geht es südwärts über den Salar auf 3.653 Metern Höhe. Das Ziel für den späten Nachmittag ist eine Felseninsel und trägt den Namen Isla Incahuasi, was übersetzt so viel wie Haus des Inka bedeutet. Mitten aus dem unwirklichen, endlosen Weiß ragen mehrere dieser Felsinseln empor. Die Isla Incahuasi ist wahrscheinlich die meistbesuchte von allen. Die Geländewagen zu Füßen der Insel können wir bereits aus der Entfernung erspähen, ein krasser Gegensatz zum nördlichen Bereich des Salzsees, von dem wir gerade kommen. Nichtsdestotrotz hat dieser Ort etwas Wundervolles. Auf der Insel stehen unzählige, bis zu 10 Meter hohe Kakteen der Gattung Trichocereus, die pro Jahr maximal 1 cm wachsen. Daher geht man davon aus, dass manche dieser Kakteen bereits 1.000 Jahre alt sein könnten. Über die Insel aus Granit führt ein felsiger Pfad, der mit 40 Minuten Dauer angegeben ist. Wir benötigen natürlich länger, die Aussicht ist ein ums andere Mal atem(be)raubend, dazu trägt das Nachmittagslicht mit den länger werdenden Schatten seinen Teil bei. In der Ferne ragt der Thunupa über das Weiß und die Erdkrümmung ist von hier oben nicht zu übersehen. Trotz doch einer beachtlichen Anzahl Touristen, von denen die meisten schnell den Rundweg hinter sich bringen, nachdem ein paar Selfies geknipst wurden, genießen wir jeden Augenblick. Die Rückfahrt führt uns an einem ehemaligen Salzhotel vorbei. Dieses wurde vor einiger Zeit geschlossen, da das Abwasser ein Problem mitten auf dem Salar darstellte. Heute zieht es dennoch weiterhin Touristen - wie uns - für einen Fotostopp an. Am Rand des Salars gibt es mittlerweile einige wenige weitere Salzhotels. Wir haben ein Zimmer im wohl komfortabelsten gebucht, im Palacio de Sal. Zugegeben hatte ich dennoch keine großen Erwartungen an diese Unterkunft, aber als wir das von außen so unscheinbar wirkende Gebäude betreten, bleibt mir fast die Luft weg und der Grund liegt nicht an der Höhe, auf dem sich der Palast aus Salz befindet. Das Hotel ist von Reisegruppen gebucht und so erhalten wir als einzige Individualreisende des heutigen Tages zu unserer großen Freude Upgrades in die beiden einzigen Suiten. Das Abendessen lässt später keine Wünsche offen. Wir sind hellauf begeistert von dieser Unterkunft. Morgen werden wir diese unwirkliche Welt verlassen und fahren in die weiße Stadt, nach Sucre, Boliviens Hauptstadt. |
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Letzte Änderung: 04 Okt 2024 14:26 von Sabine26.
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Tag 11 – Salar de Uyuni - Sucre
Züge, die nicht mehr fahren … und einmal mehr Butch Cassidy und Sundance Kid Mit Wehmut verlassen wir den Salar de Uyuni und „unseren“ Salzpalast. Hier hätten wir es definitiv noch eine Nacht länger ausgehalten. Die Wehmut ist jedoch schnell verflogen, sie weicht Ungläubigkeit, als wir vor die Tür treten und das Gefährt sehen, das uns heute nach Sucre bringen soll. Wir hatten zwei Wagen gebucht, aber nur einer steht vor der Tür, in den wir, unsere neue, ebenfalls sehr freundliche Begleitung L. und unser Gepäck nur mit allergrößter Mühe hinein passen. Der Beifahrersitz, auf dem mein Mann Platz genommen hat, lässt sich in keiner Weise verstellen, er sitzt dermaßen unbequem, dass mir schon vom Zusehen ein Kribbeln in die Beine zieht. Wir anderen sitzen auf den verbleibenden Plätzen eingequetscht mit angezogenen Beinen, die wir kaum bewegen können. Sieben Stunden reine Fahrtzeit bis zur Hauptstadt Boliviens liegen heute vor uns. Nein, so werden wir keinesfalls bis Sucre fahren. Da sind wir uns alle sehr schnell einig. Wir müssen ohnehin noch einen kleinen Stopp in Uyuni bei der Niederlassung der Agentur einlegen, da gestern eine Tasche von unseren Freunden im Wagen vergessen wurde und wir diese abholen müssen. Dort angekommen zücke ich unsere Reisebestätigung. Nach mehreren Telefonaten und Diskussionen ist dann auch dem letzten Verantwortlichen klar, ein weiteres Fahrzeug oder zumindest ein größeres Vehikel muss schnellstmöglich her. Während dieses Problem gelöst wird, stapeln wir uns erneut im Wagen und legen eine kurze Strecke zum nächsten Besichtigungspunkt ein. Unweit von Uyuni gibt es einen skurrilen Friedhof, den Cementerio de los Trenes. Dieser Eisenbahnfriedhof gilt als der größte seiner Art. Eine fast dreistellige Anzahl an Lokomotiven und Wagen sollen hier ihr Dasein fristen, manche davon waren bereits vor mehr als 100 Jahren im Einsatz. Aufgrund des Klimas sind zahlreiche Exemplare noch recht gut erhalten, zumindest die äußere Hülle, denn vieles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde bereits entwendet. Der Transport über Schienen war damals ungemein wichtig für Bolivien, um all die Rohstoffe, über die das Land verfügt, zu den Seehäfen im heutigen Norden Chiles zu transportieren. Mit der Aufgabe vieler Minen vor etwa acht Jahrzehnten war aber auch das Schicksal vieler Bahntrassen und der darauf verkehrenden Fahrzeuge mit der ausbleibenden Fracht besiegelt. Zurück bei der Agentur stellen wir erfreut fest, dass zwischenzeitlich ein zweites Fahrzeug mit Fahrer für uns bereit steht. So können wir – zwar mit einiger Verzögerung – unsere heutige Fahrtstrecke in Angriff nehmen. Mit einem letzten Blick hinunter zum Salar steuern wir Sucre an. Gehört der Cementerio de los Trenes in Uyuni mehr oder weniger zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen, der den Salar de Uyuni besucht, verhält es sich mit dem Museo de los Trenes in Pulacayo anders. Hätte ich nicht die Folge Eisenbahnromantik über die Bahnstrecken Boliviens vor einiger Zeit gesehen, wären wir wohl heute unwissend an diesem an der Strecke liegenden Minenort vorbeigefahren. So aber habe ich diesen Ort auf 4.111 Metern Höhe auf unsere Reiseroute gesetzt. Hier stehen weniger Lokomotiven als auf dem Eisenbahnfriedhof von Uyuni, diese sind aber viel besser erhalten. Um in den Ort zu kommen, müssen wir zuerst eine Kontrolle passieren. Wir lassen die Autos stehen und recht schnell haben wir das kleine Museo im Freien erreicht. Die hier stehende Lok mit Namen La Unión hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Während einer ihrer Einsätze soll der Zug im Jahr 1908 von Butch Cassidy und Sundance Kid überfallen worden sein. Pulacayo wurde am 16.12.1883 gegründet und ist als Patrimonio Cultural Industrial deklariert. Wir laufen weiter in den Ort hinein. Alle Einwohner, die uns begegnen, freuen sich sichtlich über unseren Besuch und grüßen sehr freundlich. In der Nähe des Hauptplatzes kommen wir mit zwei Männern, die als Ingenieure für die Mine arbeiten, ins Gespräch. Wir erfahren, wie selten Touristen sich hierher verirren und als sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, beginnt einer von beiden zu schwärmen von den alten deutschen Maschinen, die hier immer noch im Einsatz wären, ebenso von den deutschen Mechanikern, die seien seiner Meinung nach die Besten. Er erzählt uns, dass einige der Häuser im Ort von Deutschen erbaut wurden und im zweiten Weltkrieg drei Piloten hierher desertiert seien. Im Ort leben derzeit ca. 1.500 Menschen. Nachdem die Population nach Schließung der Mine von staatlicher Stelle kontinuierlich sank, hat sie über die letzten Jahre wieder zugenommen. Eine Kooperative bewirtschaftet nun die Mine. Ich kann mich kaum losreißen von dieser Begegnung und diesem so interessanten Gespräch, bei dem L. immer mal wieder hilft, wenn mein Spanisch nicht ausreicht, aber vor uns liegen noch viele Kilometer, die es heute noch zurückzulegen gilt. Wir machen ein Erinnerungsfoto, bedanken uns und verlassen diesen Ort, der so viel Geschichte mit sich bringt, mir aber einmal mehr das Leben in dieser lebensfeindlichen Höhe in diesem nicht gerade von Reichtum gesegneten Land vor Augen führt. Die Strecke nach Sucre sieht etwas anders aus, als ich es von Gegenden in ähnlichen Höhen aus dem Altiplano kenne, dennoch ist sie sehr interessant und versüßt die lange Fahrtzeit. Wir passieren Potosí, hier werden wir im Anschluss unseres Aufenthaltes in Sucre zwei Nächte in der Nähe verbringen, um die Stadt kennenzulernen. Wir sind heilfroh, als wir gegen 19:00 Uhr endlich Sucre erreichen, denn die Fahrweise der Bolivianer, insbesondere wegen der äußerst riskanten Überholmanöver, hat uns ein ums andere Mal die Luft anhalten lassen. Drei Nächte haben wir im Parador Santa Maria Real gebucht. In unseren Junior Suiten fühlen wir uns sofort wohl. Es gibt eine Dachterrasse, von der man über die weiße Stadt blicken kann. |
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