Fs
Als ich die Hauptwege auf diese Weise einmal abgegangen war, traf ich zwei Frauen, die ich beim Frühstück im Hotel gesehen und gesprochen hatte. Gemeinsam aßen wir einen kleinen Lunch – und da war ich echt über den Preis schockiert. Für einen Thunfischsalat (also ein paar grüne Salatblätter mit Zwiebeln und Thunfischstückchen), der nur mittelmäßig schmeckte und meiner Meinung nach aus der Dose kam, zwei Toastscheiben, zwei kleine Bier und einen Crepes mit Eis , der mit etwas Takamaka-Rum bespritzt war, zahlte ich umgerechnet 50 Euro. Irre. Nun gut. Die beiden Hotelbekannten fuhren mit ihrem Mietauto weiter und boten an, mich ein Stückchen mitzunehmen. Nettes Angebot, aber ich wollte nochmals durch den Garten wandern. Dieses Mal mit dem normalen Objektiv.
Nach dieser zweiten Runde kehrte ich im Souvenirshop ein und kaufte etliche Gewürze; auch hier war es unheimlich teuer. Da ich aber sonst keine Gelegenheit hatte, Mitbringsel einzukaufen, musste ich die teure Kröte schlucken.
Nun war mein Plan, den Garten hinten zu verlassen und über die Berge zur Baie Lazare zu wandern. In der Karte war ein entsprechender Weg eingezeichnet. Ich fragte nochmals an der Kasse nach und ließ mir den Weg erklären.
Es war ein schöner Waldpfad, teils sehr steil, aber wirklich schön. Oben am „Pass“ kommt man auf eine Lichtung und hat freien Blick aufs Meer. Nun ging es wieder steil bergab. Blöderweise rutschte ich einmal aus und griff instinktiv an eine Pflanze am Wegesrand, um mich festzuhalten. Das war echt sehr blöd, denn ich griff in Stacheln bzw. dünne Dornen, was wenig angenehm war. So gut es ging, versuchte ich, die Stacheln herauszuziehen und sprühte Desinfektionsspray drauf. Ein paar saßen etwas tiefer, die ich nur mühsam herausholen konnte. Dann ging es weiter, vorsichtiger und bedächtiger.
Je tiefer ich kam, umso lauter vernahm ich Musik. Mehrmals gabelte sich der Weg, einmal ging ich falsch und kam auf ein Feld, wo Früchte angebaut wurden. Also kehrte ich um und folgte weiter der Musik, bis ich auf einmal hinter dicht stehenden Hütten und Baracken stand. Das sah alles sehr privat aus, irgendwie wollte ich nicht durch den Hinterhof fremder Leute trampeln. Aber umkehren kam nun auch nicht mehr in Frage. Zwischen Blechwänden und Mauern zwängte ich mich beinahe schon durch und stand plötzlich einer Frau gegenüber, die in einem kleinen Hinterhof Wäsche aufhing. Ich grüßte und fragte, ob das der Weg nach Baie Lazare sei. Sie war sehr freundlich und bejahte dies und zeigte mir, wo ich weitergehen musste. Ich traf noch auf eine Gruppe von Männern, die quasi im Stuhlkreis auf einem freien Platz saßen, und kam auf eine asphaltierte Straße. Hier sah ich auch ein sehr modernes, großes Haus, aus dem diese irrsinnig laute Partymusik tönte. Welch ein Gegensatz zu der ärmlichen Siedlung, die ich gerade passiert hatte.
Nun musste man nur noch der Straße folgen, die sich gemächlich den Berg hinabwand. Rechts und links gab es immer wieder Häuser. Fußgänger und Autos begegneten mir, ich war nicht mehr allein. Am Straßenrand fand ich ein wunderschönes Palmblatt, das sich schon gelb verfärbt hatte. Ich schleppt es eine Zeitlang mit, bis ich es auf einem passenden Stein ablegte.
In einem kleinen Shop, der von Indern geführt wurde, kaufte ich mir noch 3 Seybrew (die 3 kosteten zusammen weniger als 1 im Hotel) und war dann gerade rechtzeitig zu Dämmerung wieder am Hotel, ziemlich erschöpft, aber sehr glücklich, weil ich so viel Schönes gesehen hatte.