THEMA: Ohne Herrn Appendix auf Sir E. Shackletons Spuren
05 Aug 2021 22:31 #622544
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  • Sabine26 am 05 Aug 2021 22:31
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Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
- Reisebericht Südgeorgien & Antarktika -



Prolog

Irgendwann in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sah ich die erste Dokumentation über Südgeorgien. Diese Dokumentation, insbesondere die dort gezeigte unglaublich große Population von Königspinguinen, weckte ihn mir die große Sehnsucht, einmal diese Gegend der Erde mit eigenen Augen zu sehen. So stand für mich fest, falls ich mir jemals eine Reise in die Antarktis erfüllen könnte, dann wäre Südgeorgien ein absolutes Muss auf der Route.

In den vergangenen Jahren ließ ich des Öfteren mal bei meinem Mann diesen Reisewunsch fallen, aber aufgrund der Preise und des Wissens um meinen nicht gerade als seetauglich zu bezeichnenden Gleichgewichtssinn, haben wir dieses Ziel dann nie richtig ernsthaft verfolgt.

Vor wenigen Jahren stolperte ich dann mal eher zufällig über eine Reise mit der MS Delphin. Die Preise waren um einiges niedriger als bei anderen Schiffen, die ich mir bisher so angeschaut hatte. Dafür wurde dann mit einer höheren Zahl an Passagieren gefahren, aber irgendwo muss der Preisunterschied begründet sein.

Dann erfuhr ich, dass die MS Delphin nicht mehr unter Hansakreuzfahrten fuhr, somit schob ich diese Wunschreise ein weiteres Mal nach hinten, ohne es jedoch in meiner Wunschreiseliste von einem der vordersten Plätze zu streichen. Irgendwann würde sich hoffentlich die Möglichkeit ergeben und ich hoffte sehr, wenn es dann soweit wäre, dass uns auch der Gesundheitszustand meines Mann und mir keinen Strich durch die Pläne machen würde. Denn jeder, der in die Antarktis reist, muss vorab einen medizinischen Fragebogen ausfüllen, aufgrund dessen dann entschieden wird, ob man reisetauglich für dieses Zielgebiet ist. Eine medizinische Hilfe in diesem abgelegenen Gebiet ist nicht so einfach möglich, so kann z. B. kein Helikopter die Strecke vom südamerikanischen Festland in die Antarktis zurücklegen. Gerade dieser Punkt, den ich aber bis vor einiger Zeit zur Kenntnis genommen, aber nicht besonders tief bedacht hatte, wird wohl aufgrund unserer persönlichen Erfahrung auf der vorhergehenden Namibiareise zukünftig leider noch mehr in unsere Reisevorbereitungen einfließen.

Nun hatten wir schon ein gutes Jahr im Voraus unsere Reise ins südliche Afrika für den Herbst gebucht und als ich dann die Reiseroute der MS Delphin, die wieder ihre Reisetätigkeit - nun unter Passatkreuzfahrten - aufgenommen hatte, Ende des vorletzten Jahres in den Händen hielt, fragte ich meinen Mann. Eigentlich dachte ich nicht, dass er zustimmen würde, da nur wenige Wochen zwischen beiden Reisen lag, aber er schaute sich alles an und sagte „Ja, okay, lass‘ es uns machen, aber vergiss‘ nicht, dass Du Probleme mit Mr. Seasick bekommen könntest.“ Die Erfahrungen mit Reisen auf dem Wasser, die wir bisher gemacht haben, egal für wie lange und auf welchem Boot oder Schiff jeglicher Größe, haben gezeigt, dass sich Mr. Seasick immer hat blicken lassen. Ich war jedoch wild entschlossen, den Kampf mit Mr. Seasick für mein Wunschziel aufzunehmen.

Daraufhin buchte ich sofort; allerdings die Kreuzfahrt und noch eine kurze Verlängerung am Ende in Ushuaia und in Buenos Aires sowie auch die Flüge separat. Wir wollten nicht direkt vom Schiff in den Flieger nach Buenos Aires steigen, der schon fast 4 Stunden nur für die Strecke Ushuaia – Buenos Aires benötigt, dort den Flughafen wechseln und anschließend weiter nach Hause. So hängten wir noch wenige Tage dran, mehr wollten wir zu Jahresanfang auch nicht gleich von unseren Urlaubstagen verplanen. Darüber hinaus entschieden wir uns auch nach einigem Überlegen für eine bessere Kabinenkategorie. Schließlich sollte dies auch unser Zuhause für mehr als zwei Wochen sein und diese Reise würde wohl auch eher unter die Kategorie „einmal im Leben“ fallen. Diese Entscheidung sollten wir auch nicht bereuen.

Dann kam aber leider Herr Appendix dazwischen, sodass wir uns noch bis wenige Wochen vorher, genauer gesagt, bis zur nächsten Stornokostenstufe offen gelassen haben, ob wir die Reise nicht noch möglicherweise absagen müssen. Aber zum Glück ging es mir dann wieder gut und nach Rücksprache mit meinem Arzt und auch insbesondere im Hinblick darauf, dass die Erholung im südlichen Afrika gleich Null war, entschieden wir dann Anfang Dezember, dass wir die Reise machen werden.

Die Vorfreude, die nach dem Verlust von Herrn Appendix eine Weile nicht vorhanden war, kam dann auch wieder ganz schnell und genauso stark zurück, wie wir es kannten, als wir noch gemeinsam mit Herrn A. reisten.

Ein bisschen Skepsis begleitete uns jedoch, da wir nicht richtig einschätzen konnten, wie uns eine Kreuzfahrt, auch wenn es eine „Expeditionskreuzfahrt“ ohne Kleidungszwang bei Essen u. ä. und mit interessanten, wissenschaftlichen Vorträgen statt vieler Unterhaltungsprogramme werden sollte, gefallen würde. Na ja, ganz ohne Kleidungszwang ist wohl falsch beschrieben, Gummistiefel, die auch für diese Temperaturen beschaffen sein sollten sowie dicke, wasserdichte Hosen hatten wir schon vor Monaten angeschafft. Wir waren also gerüstet und zumindest mit unseren Gummistiefeln besser ausgestattet als zu seiner Zeit Sir Shackleton für unsere Reise auf den 6. Kontinent.
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05 Aug 2021 22:37 #622545
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Hallo zusammen,

das war der Prolog zu unserer Reise nach Südgeorgien und zur antarktischen Halbinsel. Vielleicht habt Ihr Lust, mich auch bei diesem Reisebericht zu begleiten. Die ersten Tage habe ich auf meiner Seite online gestellt. Vielleicht ist es viel Text für den einen oder anderen, gerade im ersten Teil, beim zweiten Teil gibt es dann wesentlich mehr Bilder.

Ich habe versucht, auch ein paar Hintergrundinfos zu liefern, wie solch eine Reise ablaufen kann und zudem immer mal wieder einfließen lassen, wie es der Mannschaft der Endurance-Expedition ergangen ist.

Dass auch in diesem Bericht zwei Herren mit Namen Herr Appendix und Mr. Seasick ebenfalls eine Rolle spielen, sollte Euch nicht abschrecken, auch wenn beide im Prolog doch einen gewissen Anteil für sich beanspruchen. Im folgenden Bericht wird Herr A. nur eine absolut zu vernachlässigende Randnotiz sein (mehr hat er auch nicht verdient). Für mich aber bei der Beschreibung im Prolog sehr wichtig, da er im Vorfeld dafür sorgte, dass unsere Reise auf den 6. Kontinent zeitweise in Frage gestellt war. Mr. Seasick wird ebenfalls keine Hauptrolle spielen, zumindest nicht für den Leser.

Die ersten Tage berichten kurz von Buenos Aires, den Seetagen, da es eine sehr lange Reise nach Südgeorgien ist, Beschreibungen, welche Anforderungen an Landgänge in diesen Regionen es gilt zu berücksichtigen sowie Beschreibungen unserer ersten beiden Landgänge auf Südgeorgien, wobei bisher nur Bilder (Pinguine satt) vom ersten Landgang eingespielt sind.

Ich würde mich freuen, wenn auch dieser Bericht bei Euch auf Interesse stoßen würde. In diesem Fall würde ich dann einfach immer posten, wenn es weitergeht …

Zur Appendix-Trilogie gibt bzw. wird es dann möglicherweise zu gegebener Zeit ebenfalls Reiseberichte geben, beide spielen hauptsächlich in Namibia.

Zur Einstimmung hier noch ein paar Bilder der ersten Tage:






































Viele Grüße
Sabine
Letzte Änderung: 07 Aug 2021 23:19 von Sabine26.
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06 Aug 2021 18:27 #622627
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Ich habe heute dann noch den nicht ganz fertig gestellten Beitrag finalisiert und die Bilder vom Landgang in der Stromness Bay eingespielt.

Bei vorhandener Pinguin-Allergie rate ich jedoch dringend vom Konsum ab :whistle:






















Der nächste Reisetag führt uns dann zur quirligen Tierwelt in Grytviken, zum Grab von Sir Shackleton, in die grausige Welt des Walfangs sowie bei Windstärke 11 in den Drygalski Fjord.
Letzte Änderung: 07 Aug 2021 23:20 von Sabine26.
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07 Aug 2021 22:39 #622717
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"Die Nacht haben wir auf Reede in der King Edward Bucht vor Grytviken verbracht. Für den Landgang im größten – und zugegebenermaßen einzigen – Ort auf Südgeorgien war unsere Gruppe heute die erste, die an Land durfte. Wir wurden vorgewarnt, dass sich die Tiere bei der ersten Gruppe hier möglicherweise etwas aggressiv verhalten könnten. Uns wurden einige Vorsichts- und Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben. Es könne auch durchaus vorkommen, dass manche Robben sich nur mit uns paaren wollen … eine Aussicht, die ich jetzt nicht so prickelnd fand. Das Interesse der Tiere lässt dann aber meist schon bei der zweiten Gruppe nach. Prima, heute erste Gruppe und dann solche Verlockungen."


So beginne ich die Beschreibung unseres Landgangs in Grytviken. Dieser Tag ist jetzt mit Bildern online. Begleitet mich zu Pinguinen, Robben & Seeelefanten, seht, wo Sir Shackleton seine letzte Ruhe gefunden hat, erfahrt, dass der Falklandkrieg auch hier ein Opfer forderte, staunt mit mir über die unglaubliche Leistung, die in einem winzigen Boot vollbracht wurde und seid möglicherweise ebenfalls so schockiert wie wir, zu sehen, wo Wale beinahe ausgerottet wurden.

... darüber hinaus könnt Ihr erfahren, wie es mir auf den Seetagen Richtung antarktische Halbinsel ergangen ist.

























Als nächstes könnt Ihr dann lesen, warum unser erster, geplanter Landgang auf der antarktischen Halbinsel ausfallen musste und was wir dann auf dem Landgang auf Deception Island erlebt haben, nachdem wir Neptuns Blasebalg erfolgreich passiert hatten.

Habt alle einen schönen Sonntag!

Viele Grüße
Sabine
Letzte Änderung: 07 Aug 2021 23:23 von Sabine26.
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