THEMA: Natur pur: Zwischen Aras und Affen in Costa Rica
11 Apr 2021 10:14 #612233
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Wie alles begann: Costa Rica zum Ersten, Teil II

2012 fiel uns der Abschied von der Laguna del Lagarto Lodge nach zwei erfüllten, intensiven und dennoch so ruhigen Tagen im Regenwald - zumal ganz ohne Regen - unerwartet schwer.

Zurück in der Zivilisation, blieben wir zwei Nächte im grünen Rücken des Volcan Arenal. Ein Klassiker, den wohl fast jeder macht. Schöne Natur, Wandermöglichkeiten, Hängebrücken über Regenwald, alles sehr hübsch.







Auf der "grauen" Seite des Arenal floss noch bis vor zehn Jahren am Abend sichtbar die Lava über die Flanke, sehr spektakulär. Als wir dort waren, war es damit leider vorbei. Er schlummert, der Berg.



Besonders in Erinnerung geblieben ist uns der Besuch des La Fortuna Waterfalls, in dessen natürlichem Becken man baden kann. Vorher gilt es allerdings 480 Stufen hinabzuklettern - und natürlich später auch wieder rauf :pinch:. Wir haben uns beide alle Mühe gegeben, bis ganz an das mit großem Getöse fallende Wasser heranzuschwimmen. Ohne Erfolg. Die natürliche "Gegenstromanlage" funktioniert einwandfrei. Wer das herrliche Bad allein erleben will, muss sehr früh dran sein. Es ist ziemlich beliebt.





Der nächste Klassiker: Monteverde im bergigen Nordwesten steht bei fast allen Costa-Rica-Reisenden ganz oben auf der Liste. Nebelwald, wieder alles ganz anders, aber wieder viel Natur.

Thomas bahnt sich nach einer stürmischen Nacht den Weg durch den dichten Wald von Monteverde.


Jaguar und Ozelot gibt es dort, doch sehen wird man sie nicht. Anders als den sagenumwobenen Quetzal, dem man mit Glück begegnet. Wir leider nicht. Zumindest nicht dort.



Farne, Orchideen und Kolibris, über hohe Hängebrücken wandert man über dem Kronendach des Waldes.





Bei einer Nachtwanderung sahen wir phosphoreszierende Pilze und blinkende Käfer. Das ist schon alles sehr, sehr schön und besonders, aber als absoluter Höhepunkt hat sich uns Monteverde nicht ins Gedächtnis gebrannt. Statt vieler Tiere gab es viel Regen. Und ziemlich kalt war es auch.

Dass wir die verhangenen Berge nach zwei Nächten etwas vorzeitig verließen, bescherte uns unverhofften Freiraum. Andere Reisende hatten uns einen Tipp gegeben, Cano Negro, eins der wichtigsten Feuchtgebiet der Welt. Ein sehr spezielles Ziel, weil ziemlich abgelegen und nur über eine holprige Piste erreichbar, aber gerade das gefiel uns wieder so richtig gut.





2012 hatten wir noch kaum Erfahrung mit Vogel-Beobachtungstouren - und waren begeistert. Bei den Bootsfahrten auf dem Rio Frio bis zur Grenze Nicaraguas sahen wir Wasservögel, riesige Störche, Leguane, Wasserschildkröten, Kingfisher und Kaimane en masse.







Unsere Begeisterung war (dauerhaft) geweckt und es war der Beginn einer großen Liebe; wenn auch nicht einer glühenden Leidenschaft. Denn gleichzeitig taten sich uns in Cano Negro Grenzen auf: Eine Gruppe außerordentlich netter Ornithologen aus den USA nahm uns sprichwörtlich unter ihre Fittiche, wir durften abends an einem Vortrag teilnehmen und im Morgengrauen mit auf die Pirsch. Das war eine tolle Erfahrung, doch als wir um 4 Uhr morgens nach dunkelgrauen Vögeln mit hellgrauer Brust fahndeten, wussten wir beide: In dieser Detailversessenheit erreicht uns das nicht.



Heitere Begegnung mit "Ticos" auf dem Fluss




Von der vogellreichen Flusslandschaft fuhren wir für zwei Nächte zum Nationalpark Rincon de la Vieja. Nur 140 Kilometer weiter westwärts trug die Natur schon wieder ein neues Kleid. Tolle Wanderwege führen am Fuße des gleichnamigen Vulkans durch tropische Wälder und einen Trockenwald, dessen Bäume - wie während unserer Reisezeit - in der Trockenzeit das Laub abwerfen.





Wir wanderten durch das geothermische Gebiet, vorbei an blubberndem Schlamm und heißen Quellen. Wer schon einmal in Island oder Neuseeland war, wird möglicherweise nicht sehr beeindruckt sein, für uns war das damals neu. So oder so sind die Wanderungen sehr schön und führen bei Bedarf auch zu Wasserfällen, in deren Naturpools man baden kann. Ebenso wie in manchen der heißen (dann eher warmen) Quellen.





Randvoll mit Eindrücken und von der Vielseitigkeit des kleinen Landes begeistert, rundeten wir die Reise mit einigen Tagen am Strand ab. Wir hatten uns immer näher an die Westküste herangepirscht, und das bewusst. Denn nicht nur gibt es in dieser Jahreszeit am Pazifik Sonnengarantie, während auf der Karibikseite noch Regenzeit herrscht, auch kann der Begriff "Karibik" irreführend sein. Natürlich hat auch die Karibikküste in Costa Rica ihren ganz besonderen Reiz und vor allem eigene "Vibes", doch wer tropischen, von Kokospalmen gesäumten weißen Sandstrand sucht, wird am Pazifik fündig.

Traumstrand in Samara


Die Nicoya Halbinsel hat eine ganze Menge dieser Traumstrände zu bieten. Teilweise sehr abgelegen, aber teilweise auch 2012 schon sehr gut erreichbar und damit fest in touristischer Hand.

Wir verbrachten ein paar relaxte, unbeschwerte Tage unter Kokospalmen. Erst an der vor allem bei Einheimischen beliebten Playa Carrillo, wo wir uns dem Rhythmus der "Ticos" anpassten.

Blick vom Hotelzimmer zur Playa Carrillo


Früh rein in die Federn und auch früh wieder raus, wir joggten um 6 Uhr morgens in der gerade noch erträglichen Hitze am einsamen Strand und kühlten uns im herrlichen Pazifikwasser ab, frühstückten mit Blick aufs Meer und kehrten dann in den Schatten der Palmen zurück.

Sprangen natürlich auch immer wieder ins Wasser, wenn auch weit weg von einer kleinen Flussmündung auf dem Weg zu unserem Hotel. Ein in Costa Rica oft erteilter Rat, den es zu beherzigen gilt: niemals in der Nähe einer Flussmündung baden! Wir haben tatsächlich an mehreren Stellen erlebt, dass sich dort Krokodile tummelten, und im Nationalpark Manuel Antonio konnten uns die deswegen patrouillierenden Ranger an einem bestimmten Strandabschnitt gerade noch davor bewahren, ins Wasser zu rennen, bevor wir die Reptilien schemenhaft selbst ausmachten.



In Samara, das mittlerweile ein rummeliger Touristenort sein dürfte, mischten wir uns unter das lässige Surfervolk, genossen das sorglose Beachlife und die leckeren Drinks, die wir aus Kokosnüssen schlürften. Ziemlich klischeehaft, aber auch ziemlich schön.



Wir hatte also eine wunderbare, abwechslungsreiche Zeit, und wir wollten wiederkommen. Mit anderen Zielen, anderen Schwerpunkten. Sieben Jahre später verwirklichten wir diesen Plan, und die zweite Reise wurde eine völlig andere als es die erste gewesen war.

Reisebericht Namibia 2019

Reisebericht Kenia (Masai Mara) 2018

Reisebericht Südafrika (Krüger) 2017

Reisebericht Tansania Februar 2016

Reisebericht Namibia 2015

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Letzte Änderung: 13 Apr 2021 22:43 von Beatnick.
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12 Apr 2021 21:19 #612398
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Hallo Betti!
Ich muss unbedingt nochmal schreiben.... unglaublich schön - ihr könntet glatt Geld mit euren Fotos verdienen - Riesenkompliment an euch beide und danke, dass du uns teilhaben lässt!
Viele Grüße,
Kathrin
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13 Apr 2021 07:47 #612432
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Hallo Kathrin,

vielen lieben Dank!!!

Katma1722 schrieb:
Ich muss unbedingt nochmal schreiben.... unglaublich schön. Riesenkompliment an euch beide.

Davon kann man ja ehrlicherweise nie genug bekommen uns es ist das Salz in der Suppe beim RB-Schreiben. Ich bin jetzt aber auch ganz froh, dass es mit 2019 weitergeht. Da sind die Erinnerungen noch frischer und die Fotos offen gestanden auch von besserer Qualität. Das macht die Auswahl leichter. Heute oder morgen geht es weiter und ich freue mich, wenn du weiter dabei bist!

Einen schönen Tag,
Betti

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13 Apr 2021 20:43 #612550
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"Die grüne Schatzkammer Costa Ricas"

Ich bin immer wieder erstaunt, auf was für phantasievolle - wenn auch nicht immer zutreffende - Titel Agenturen für ihre Reisen kommen. Da ist man auf den Spuren von irgendwas, entdeckt die Wunder versunkener Welten oder erlebt Auge in Auge mit Löwen und Tigern das Abenteuer seines Lebens.

Im Fall von Costa Rica haben diese Überschriften meistens etwas mit "Pura Vida" zu tun. Als ich unsere zweite, erneut dreiwöchige Tour in das kleine mittelamerikanische Land plante, lag der Fokus ganz besonders auf Tieren und Natur. Regenwald und Tropenkulisse - mehr hatten wir nicht im Sinn, aber auch nicht weniger. Vor allem der Corcovado, den wir beim ersten Mal nicht sinnvoll einplanen konnten, rangierte weit oben auf der Bucket-List. Außerdem Boca Tapada, weil es uns beim ersten Mal so außerordentlich gut gefallen hatte und wir diesmal auch die Königsgeier sehen wollten.





Ursprünglich stand auch die südliche Karibikküste als Hangout auf dem Zettel, doch die Agentur mahnte erneut wegen der Regenzeit im Osten. Zumindest den Tortuguero nahmen wir dann trotzdem mit rein, wohl wissend, dass wir keine Eiablage der Meeresschildkröten würden erleben können. Es war nicht die richtige Zeit dafür. Wir hatten so etwas allerdings schon einmal im Oman beobachtet und waren bereits damals zur Einsicht gelangt, dass die Schildkröten bei ihrem mühsamen Geschäft wohl ohne uns besser dran wären. Insofern war das kein Verlust.

Grimmiger Nachbar vor unserer Hütte im Tortuguero - hat uns im ersten Moment einen Riesenschreck eingejagt...


Wir wollten uns - wie zuletzt fast immer auf unseren Reisen - ausreichend Zeit lassen an den einzelnen Stationen. Die Agentur brachte noch San Gerardo de Dota ins Spiel, auch Wald, aber Nebelwald und damit eine gewisse Abwechslung. Hintenraus dann jede Menge Corcovado mit drei unterschiedlichen Unterkünften.



Die in jeder Hinsicht größte Herausforderung war eine Übernachtung in der Sirena Ranger Station innerhalb des Parks, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Die Agentur bot das nicht an und wusste auch nicht wirklich Rat, am Ende buchten wir die Übernachtung mitsamt Guide im Internet über einen lokalen Anbieter mit Sitz in der Drake Bay - und hofften, dass auch alles klappen würde.





Blieben noch zwei Tage mittendrin. Ich hatte von einem Bekannten vom Orosi-Tal unweit von San Jose gehört. Er hatte es sehr schön dort gefunden und nur Gutes zu berichten. Mal zwei Tage kein Regen- (oder Nebel-)wald, das hörte sich nach einem guten Plan an. Es war eine weise Entscheidung.

Blick auf den Turrialba Vulkan


Weil wir einige Tage im erklärten Höhepunkt Corcovado verbringen wollten, überlegten wir noch hin und her, wie wir eigentlich dorthin gelangen könnten. Schließlich ergab es kaum Sinn, mit dem Wagen dort hinunterzufahren, nur um ihn dann dort dauerzuparken.

Die Lösung waren Inlandsflüge, San Jose nach Drake Bay und wieder zurück. Die Erfahrungen im Netz zu Sansa fielen höchst unterschiedlich aus, doch unsere Agentur beruhigte: wenn mit einer Airline in Costa Rica fliegen, dann mit dieser. Und so folgten wir dem guten Rat.





Die Mitarbeiterin, die fleißig an der Gestaltung dieser Route mitwerkelte, schien am Telefon ehrlich begeistert von der Aufgabe zu sein, diese alles in allem doch eher vom Normalprogramm abweichende Tour in trockene Tücher zu bringen. Beim von ihr kreierten Titel des fertigen Reiseablaufs, der schließlich als PDF in meinem Postfach landete, hatte sie jedenfalls noch einmal alles gegeben: "Die grüne Schatzkammer Costa Ricas - Naturhighlights". Jetzt musste er nur noch halten, was er versprach.




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Letzte Änderung: 13 Apr 2021 21:54 von Beatnick.
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13 Apr 2021 21:05 #612552
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Hallo Betti,

wieder so tolle Fotos!!!

Die Königsgeier sehen ja sehr interessant aus, fast schon schön. Wenn ich es richtig verstanden habe, habt Ihr die während Eures Aufenthaltes in der Laguna del Lagarto Lodge aufgenommen?

Wir haben auch einmal im Oman Schildkröten bei der Eiablage beobachtet und auch wir waren nicht begeistert davon. Die Tiere haben uns leid getan, weil ich das Gefühl hatte, sie werden durch uns gestört. Es war auch alles andere als professionell organisiert.

Zur Rangerstation im Corvovado ist es weit zu laufen, oder? Wie weit ist es? Bin gespannt, was Du zu berichten hast, auf jeden Fall habt Ihr schon mal einen Tamandua gesehen, toll! Wir haben mal einen im Pantanal gesehen. Im Corcovado soll es auch noch den großen Ameisenbär geben, hattet Ihr da auch Glück?

Danke noch einmal für den Bericht, gerade in der jetzigen Zeit tut das besonders gut!

Liebe Grüße
Sabine
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13 Apr 2021 21:23 #612554
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  • Gabi-Muc am 13 Apr 2021 21:23
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Hallo Bettina,

Deine Reiseberichte gepaart mit den Fotos von Thomas könnte ich stundenlang anschauen und lesen. Mein Mann ist sehr darauf bedacht, möglichst die beste Fotoausrüstung zu haben, aber solch tolle Fotos haben wir dann leider nicht.

Schade, dass Ihr soweit von München weg wohnt, sonst würde ich Deinen Mann mal ein paar Stunden buchen. ;)

LG

Gabi
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