THEMA: Natur pur: Zwischen Aras und Affen in Costa Rica
17 Mai 2021 15:46 #616251
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Life's a Beach auf der Osa-Halbinsel

Erst mittags verlassen wir San Gerardo de Dota und die unberührt wirkende Schönheit des Tals, denn wir haben außer der Rückfahrt in Richtung San Jose an diesem Tag nichts vor. Das erste Mal fahren wir bei Tageslicht durch die Haupstadt - und sind froh, als wir sie wieder verlassen haben. In direkter Nachbarschaft liegt Alajuela mitsamt dem Flughafen und diversen Unterkünften. Darunter das Trapp Family Country Inn, ein familienbetriebenes Hotel, dessen lange Auffahrt wegführt vom hektischen Gewusel der Stadt und hinein in eine Oase der Ruhe mit großem Garten und alten Bäumen.

Am Abend holt ein Mitarbeiter der Mietwagenfirma das Auto ab, alles erfreulich unkompliziert, ein leckeres Essen auf der Veranda, dann sortieren wir in unserem großen Zimmer unsere Klamotten und fallen schließlich ins Bett. Am Morgen lassen wir den Großteil unseres Gepäcks da. Das Hotel bewahrt es für uns auf, weil wir jeweils nur 15 Kilo (inklusive Handgepäck) auf dem Inlandsflug mitnehmen dürfen und unser Hab und Gut zudem eine kleinere Strecke durch den Corcovado werden tragen müssen.

Ich hatte im Vorfeld nicht nur Gutes über die Inlandsflüge gelesen und offensichtlich falsche Vorstellungen, was uns erwarten würde. Das Sansa-Terminal direkt neben dem Hauptgebäude des internationalen Flughafens ist jedenfalls hochmodern und dermaßen schick, dass ich mich in meinem verknitterten Outdoor-Outfit nicht nur hoffnungslos underdressed fühle, sondern es garantiert auch bin.



Der Flug ist nicht nur überraschend ruhig, sondern auch der reinste Scenic Flight. Über die bewaldeten Berge und entlang der herrlichen Küste schweben wir gen Süden.



Zusehends weniger Orte und Siedlungen, und nach knapp einer Stunde landen wir auf einer Piste mitten im Grünen. Das wiederum hatte ich mir genauso in meinen schönsten Träumen ausgemalt.





Ein Jeep sammelt uns ein und verteilt uns auf die unterschiedlichen Unterkünfte, unsere Pirate Cove liegt direkt am Meer in der Drake Bay und nur einen kleinen Fußmarsch vom Dorf entfernt; was für den nächsten Morgen nicht unwichtig ist.

Die kleine Unterkunft mit ihren Hütten direkt am Meer, einem kleinen Pool und lässiger Atmosphäre gefällt uns auf Anhieb.

Unser Nachbar in der Pirate Cove.


Hat uns erst kritisch beäugt, aber am Ende offenbar als harmlos eingestuft.


Die schwüle Hitze des Regenwaldes hat uns wieder, wir kühlen uns im Pool leidlich ab. Life's a Beach! Hier hätten wir es auch länger ausgehalten.

Die Halbinsel ist die Heimat des Hellroten Aras,...





...wir machen lange Spaziergänge am einsamen Strand...







...und laufen begeistert einem ganzen Schwarm der bunten Papageien hinterher, die krächzend über unsere Köpfe hinwegfliegen und schließlich in den Mangroven landen.







Kaum zu glauben, was diese großen Vögel innerhalb kurzer Zeit so wegfuttern, es hagelt Schalen und angeknabberte Früchte und wir müssen aufpassen, nicht allzu heftig am Kopf getroffen zu werden.







Den Nachmittag verbringen wir am Pool und genießen schließlich die fantastische Abendstimmung.



Mit schönem Licht, Fischern aus dem nahen Dorf und einer friedlichen Stimmung am gefühlten Ende der Welt.





Glücklich schlüpfen wir unter unsere Moskitonetze, vor uns liegt eine kurze Nacht. Der nächste Tag wird uns mitten hineinbringen in den Nationalpark Corcovado.

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Die Sirena Ranger Station: Unser kleines Abenteuer

Noch vor dem Morgengrauen raffen wir in der Pirate Cove unsere Habseligkeiten zusammen, was schnell geht, weil wir ja nur wenig Gepäck auf die Osa-Halbinsel mitnehmen konnten. Beim Frühstück sind wir dennoch nicht alleine, denn in Costa Rica beginnt der Tag fast immer zeitig.



Unsere Agentur hat am Tag zuvor Kontakt zu uns aufgenommen und gefragt, ob alles läuft. Offenbar hat sie Sorge, dass der von uns privat über einen lokalen Anbieter gebuchte Overnight-Stay im Corcovado Schwierigkeiten bringen oder wir verloren gehen könnten, und ich finde diese Fürsorge sehr positiv. Sie ist allerdings glücklicherweise unnötig, denn auch besagter lokaler Veranstalter hat sich am Vorabend bei der Betreiberin der Pirate Cove gemeldet, die ihn zudem gut kennt, und Instruktionen hinterlassen. Und so harren wir also ziemlich entspannt der Dinge, die da wohl kommen mögen.

Sie kommen in Form eines jungen "Ticos" in der typischen Kluft eines Guides, sein suchender Blick verrät, wir sind wohl die Adressaten. Er stellt sich als "Chino" (=Chinese) vor, ein Spitzname wegen seiner leicht geschlitzten Augen. Sein echter Name bleibt uns unbekannt und spielt auch keine Rolle. Er hat die halbe Nacht im Bus gesessen, fragt in der Küche höflich nach einem kleinen Frühstück und freut sich glaubhaft auf die eineinhalb Tage mit uns - er ist uns auf Anhieb sympathisch.

Schließlich schultern wir unsere Rucksäcke, laufen die kleine Strecke am Strand entlang zum Dorf in der Bahia Drake und besteigen dort ein kleines Boot, das uns gemeinsam mit einigen Tagesausflüglern mitten im Nationalpark Corcovado absetzen wird. Die Morgenstimmung ist fantastisch und ich freue mich riesig auf dieses kleine Abenteuer mitsamt Übernachtung in der Sirena Station, das ich mir schon vor Jahren in den Kopf gesetzt hatte.



Etwas mehr als eine Stunde düsen wir entlang der herrlich grünen und wilden Küste. Dieser Nationalpark, so denke ich bei mir, hat diese Bezeichnung auch wirklich verdient.



Es kommt zu einer leichten Verzögerung, und das aus gutem Grund: Unterwegs kreuzt unverhofft ein Buckelwal nebst Nachwuchs unsere Wege.



Das Jungtier ist verspielt und lässt sich sogar zu großen Sprüngen hinreißen. Ein Spektakel, das wir noch nie beobachten konnten. Doch weil auch die Begeisterung der anderen Passagiere sprichwörtlich überbordend ist, gerät das Boot ziemlich ins Wanken und das mögliche Foto leider daneben. :pinch:



Schließlich sind wir da. Nach einer nassen Landung an einem einsamen, breiten Sandstrand schlagen wir zunächst den Weg zur Sirena Station ein, um unser Gepäck abzuladen. Die halbe Stunde dorthin wird gleich zur Pirsch - toll, was es alles zu sehen gibt, und die Geräuschkulisse tut ihr Übriges.





In diesem zentralen, aber auch gut erschlossenen Teil des Nationalparks ist man zumindest tagsüber nicht unbedingt alleine. Einige Besucher kommen für eine Stippvisite und sind nach wenigen Stunden wieder weg. Aber morgens und abends (und damit zur besten Zeit) ist die Atmosphäre inmitten der eindrucksvollen Natur zauberhaft.

Totenkopfäffchen




Um in diesen besonderen Genuss zu kommen, braucht es eine Übernachtung. Was innerhalb des Parks nur in der Sirena Station möglich ist. Quer über eine Lichtung laufen wir zur Ranger Station, wo reges Treiben herrscht. Die vorherigen Gäste brechen gerade auf, die neuen - darunter wir - kommen an. Die Sonne scheint, die Stimmung ist entspannt, vor allem junge "Ticos", wir heben den Altersschnitt merklich an.



Die Gegebenheiten sind schlicht, aber sauber. Gemeinsame Waschräume, ein Campingdeck sowie eine überdachte Plattform mit reihenweise doppelstöckigen Betten, eins davon ist unser Zuhause für eine Nacht. Keine Wertgegenstände offen liegenlassen, wird uns eingeschärft, das ist aber auch klar. Frische Bettwäsche und ein Handtuch kosten ganz kleines Geld, wir gönnen uns außerdem den Luxus von zwei Spindschränken zu je fünf Dollar, in denen wir unsere Habseligkeiten problemlos unterkriegen. Nur meine Schlafklamotten schiebe ich schon einmal unter das dichte und makellose Moskitonetz und auf meine schmale, aber feste (halleluja!) Matratze im oberen Bett. Wer die klaut, ist selber schuld.



Ich fühle mich sofort wohl in dieser ungewöhnlichen Open-Air-Jugendherberge, eine kleine Oase inmitten des grünen, üppigen Regenwaldes.



Thomas dagegen fremdelt ein wenig mit dem friedlichen Chaos um uns herum. Wo nur die Akkus laden? Wo ist die Sonnenbrille, wo das Klo und wo die Taschenlampe, um selbiges später auch zu finden? (Eine überflüssige Sorge, das Licht geht per Bewegungsmelder automatisch an). Im Zweifel ganz unten im Spind suchen, in dessen Untiefen Kappen, Sonnencreme und Zahnbürste ein merkwürdiges Eigenleben entwickeln und grundsätzlich in der hintersten Ecke verschwinden. Murphy will es so, man kennt das...

Schließlich sind wir leidlich sortiert und können los. Chino scharrt schon mit den Hufen.

Die Sirena Station ist vor allem von Sekundärwald umringt. Eigentlich traurig für die Natur, erweist sich das als Segen bei der Suche nach Tieren. Die Bäume sind deutlich niedriger als die uralten Riesen, die sich von Zeit zu Zeit vor uns aufbauen.



Einer der verbliebenen Urwald-Riesen im Umfeld der Sirena Station.


Baum mit eigener Wehranlage


Chino kennt jeden Grashalm und jedes Sandkorn, erklärt viel und schweigt oft - eine wohltuende Mischung. Wir entfernen uns ein ganzes Stück von der Ranger Station und werden mit großartiger Landschaft und Stille belohnt.



Eine Aubergine? Nicht ganz! Dieser gut getarnte und etwas unkooperative Tapir bleibt der einzige, den wir im Corcovado entdecken.


Zum Mittag kehren wir kurz zurück, lassen die schweren Wanderschuhe wie alle anderen unten an den Holzstufen stehen. Das Essen ist erwartungsgemäß nicht der Rede wert, aber völlig in Ordnung, wir trinken literweise kaltes Wasser, das tut gut!

Auch am Nachmittag lassen wir uns viel Zeit, die dennoch zu verfliegen scheint. Die einsamen Strände haben es mir angetan...,





(okay, fast einsamen...)


...doch auch der dichte, schattige Wald ist faszinierend. Seine nicht selten vielfarbigen Bewohnern hören wir oft weit früher, als wir sie sehen.





Wagemutiger Klammeraffe


Gerade noch im Hellen kehren wir zur Station zurück. Tauschen am Spind unser Fotoequipment gegen Duschhandtücher und Shampoo. Das Wasser ist eine Wohltat. Ich genieße das kurze Gefühl der Frische, bevor ich mich von oben bis unten mit Repellent einsprühe. Lange Klamotten an, ein selbstzufriedenes Grinsen im Spiegel, die Dämmerung kommt - und ich bin verloren.

In der langen Schlange an der Essensausgabe werden wir gnadenlos überfallen. Wohl dem, der mich bei Insektenattacken an seiner Seite hat, denn ich biete als Zielobjekt Nummer eins anderen einen gewissen Schutz.

Schon im Tortuguero hatten mich ein paar Sandfliegen (=Sandmücken) erwischt. Doch das hier ist die reinste Invasion, Gegenwehr zwecklos. Die winzigen Viecher beißen durch die langen Klamotten, gefühlt überall, da hilft kein Klagen und kein Schlagen, nur die Flucht. Im Schweinsgalopp verschlinge ich meinen Salat und ein paar Kartoffeln, bevor ich endgültig kapituliere und mit fliegenden Fahnen unter mein Moskitonetz sprinte. Ein sicherer Hafen in der äußersten Ecke der Plattform, in dem ich mich erstaunlich gut aufgehoben und auch ziemlich wohl fühle.

Während sich Thomas im unteren Bett noch häuslich einrichtet, lausche ich glücklich den Dschungelgeräuschen und dem fernen Rauschen des Meeres. Schließlich stopfe ich mir die eigens mitgebrachten Stöpsel in die Ohren und falle in einen tiefen Schlaf. Die Brüllaffen, so denke ich, werden am Morgen unser natürlicher Wecker sein. Doch es soll anders kommen...
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22 Jun 2021 21:50 #619317
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Frühstart im Paradies

Nachts um Vier wackelt das Bett. Ein Erdbeben?! Ich schrecke hoch und erkenne schemenhaft Thomas, der unten am Bettpfosten ruckelt - ich habe mich schon mal deutlich mehr gefreut, ihn zu sehen, als um diese unchristliche Uhrzeit.

Er redet flüsternd auf mich ein, doch ich verstehe kein Wort. Seufzend zerre ich an den Ohrstöpseln. "Was ist los?", zische ich. "Die stehen alle auf", sagt Thomas in etwas ratlosem Ton und zeigt ins Dunkle, an das sich meine Augen nach und nach gewöhnen. Tatsächlich huscht ein großer Teil der jungen Dinger schon geschäftig und dabei erstaunlich leise hin und her.

Thomas hat am Vorabend nach meiner überstürzten Flucht vor den Sandfliegen verabsäumt, mit Chino unsere Startzeit zu vereinbaren und wird nun offenbar von dem Gedanken geplagt, dass wir herrenlos in der Wildnis zurückgelassen werden könnten. Eine Sorge, die ich nicht teile, denn unser junger Guide schlummert bei näherer Betrachtung in stockfinsterer Tropennacht nur ein paar Meter weiter selig in seiner moskitonetzumhüllten Koje.

Thomas, der in der ungewohnten Kulisse ohnehin viel schlechter geschlafen hat als ich, ist dennoch wild entschlossen. Lieber kein Stress nachher, und nun sind wir doch schon mal wach, argumentiert er. Ich hätte andere Argumente, weiß aber auch, da ist nun nix zu machen, und schleppe mich relativ verstimmt in den fies neonbeleuchteten Waschraum. Keine marternden Insektenüberfälle, immerhin, vielleicht auch deshalb, weil sich die Leute um mich herum derart dick mit Repellent eindieseln, dass die Fliegen von den Fliesen kippen.

Weil ich schon abends um Acht im Bett lag, bin ich trotz der frühen Stunde ausgeschlafen. Allerdings auch immer noch mucksch, als sich die Wandergruppe - umweht von einer penetranten Repellent-Fahne - gegen Fünf auf ihren langen Weg quer durch den Corcovado macht. Kein Wunder, dass sie so früh aus den Federn gekrabbelt sind.



Ich beobachte von meinem Schaukelstuhl auf der Holzterrasse, wie sich die Lichtpunkte ihrer Stirnlampen langsam in der Tintenschwärze des Waldes verlieren und dann, wie es langsam dämmert. Es knackt und kracht in den Bäumen, die Brüllaffen kommen und machen Theater. So hatte ich es eigentlich bestellt, denke ich noch immer etwas muffig; muss aber doch zugeben, diese Morgenstimmung so ganz für uns allein, das hat schon was.

Thomas organisiert sich einen Kaffee, die Station erwacht zum Leben und auch der Wald um uns herum.



Die Totenkopfäffchen plündern die Sträucher vor uns, Chino hatte es vorausgesagt, den roten Blüten zum Frühstück können sie nicht widerstehen.



Wir sind schon mitten in unserem ersten Fotorausch des Tages, da stößt unser Guide zu uns: "Ihr seid aber früh dran!" Ich rolle mit den Augen. Na, wenn der wüsste...



Zusammen ziehen wir los, die morgendliche Atmosphäre am Pazifik ist grandios und friedlich nach dem etwas unruhigen Start in den Tag.







Dann plötzlich ist Chino wie vom Donner gerührt. Flüstert, wir sollen nicht weitergehen. Das hier, so sagt er, sei gefährlicher als jede Begegnung mit einem Puma. Aber was denn nur? Bullet Ants? Ich kann keine entdecken. Der Mann spricht in Rätseln.

Chino zeigt auf einen Strauch keine fünf Meter vor mir. Genauer gesagt auf das merkwürdige kleine Ufo an seinen Zweigen. "Milk wasp", wispert er, während wir uns dem kunstvollen Bau auf Zehenspitzen nähern. Die Natur, sie erstaunt mich immer wieder.



Auch eine kleine Echse hat mehr Tricks auf Lager, als wir zunächst denken. Kaum sind wir achtlos an ihr vorbeigegangen, fährt sie wie aus dem Nichts einen großen gelben Lappen (=Kelhfahne) aus. Wer hat, der hat!







Unser Star des Morgens ist ein Ameisenbär, der sich just in dem Moment aus dem dichten Blattwerk herausschält, als wir den schmalen Pfad längsspazieren. Noch leicht verpennt (er durfte wohl etwas länger schlafen als ich) klettert er in ziemlichem Schneckentempo aufwärts.



So ganz trittsicher wirkt er nicht... :pinch:


Was er dort eigentlich will, man weiß es nicht, denn oben angekommen, ist da - nichts.



Wildtiere wissen instinktiv, was für sie gut ist. Dachte ich jedenfalls. Möglicherweise ein Trugschluss. Wir werden jedenfalls ziemlich nervös, als der Tamandua da oben so freischwebend in der Luft hängt.



Ameisenbären können schlecht gucken, erklärt Chino. Das hilft nicht gerade. Ein paarmal droht das Tier nach vorne überzukippen und abzustürzen, bevor es endlich den Rückwärtsgang einlegt und umständlich wieder hinabklettert.



Erleichtert seufzen wir auf. Was in dem Tamandua vorgeht, bleibt sein Geheimnis. Doch er scheint von dieser scheinbar sinnlosen Aktion so erschöpft zu sein, dass er sich wieder zwischen den dichten Blättern verkriecht - und wie unter einem Tarnumhang verschwindet. It's magic!



Aguti, ziemlich in Eile (mitgezogen)


Zurück an der Sirena Station holen wir unsere Rucksäcke und laufen zum Strand, wo uns gegen Elf ein Boot einsammelt und in Richtung Drake Bay düst. Wir steigen allerdings nach einer Dreiviertelstunde um, von Boot zu Boot, eine ziemlich wackelige Angelegenheit, doch es klappt. Noch eine schnelle Verabschiedung von Chino, mit dem wir sehr gut ausgekommen sind, dann brausen die anderen weiter an der Küste entlang und wir darauf zu. Oberhalb der herrlichen Bucht, auf die wir zuschippern, liegt auf dem Hügel die Corcovado Jungle Lodge. Der Anblick ist atemberaubend.

Das 170 Hektar große private Gelände, das der Besitzer angeblich vor Jahrzehnten als Aussteiger entdeckt und für relativ kleines Geld gekauft hat, grenzt direkt an den Corcovado Nationalpark. Umfasst eigene Strände, eigene Wälder, riesige Gärten, zwei Pools, eine - wenn auch nach einem Beben nicht mehr wirklich zugängliche - Höhle voller Fledermäuse und, und, und...

Per Trecker werden wir vom Strand nach oben zur Lodge gebracht. Ein Service, den wir auch in den nächsten Tagen immer mal wieder in Anspruch nehmen, denn der eine Kilometer ist steil und die schwüle Hitze heftig.

Die Anlage ist ein Traum, geschmackvoll und naturnah, ...

Eine unserer ersten Entdeckungen im Garten neben unserer Cabana: Zwergboa. Mini, aber ausgewachsen.


.. nur beim Abendessen geht es für meinen Geschmack etwas zu gediegen zu. Der Sundowner in der in den Hang gebauten Open-Air-Bar mit Blick hinunter aufs Meer entschädigt für die angedeutete Steifheit beim Dinner, und unser riesiger, luxuriöser, keinesfalls aber protziger Bungalow sowieso.



Drei Nächte dürfen wir in diesem Paradies verbringen. Glücklich breiten wir uns aus, was für ein Unterschied zur vergangenen Nacht! Auch unsere neuen Nachbarn, die uns neugierig von oben betrachten, gefallen uns gut. Hier werden wir es wunderbar aushalten!



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Weiter, immer weiter im Corcovado

In der Corcovado Jungle Lodge gehen die hauseigenen Guides beim Abendessen von Tisch zu Tisch. Sind alle zufrieden? Wie sehen die Pläne für den nächsten Tag aus? Welche Tour ist geplant? Sollte etwas organisiert beziehungsweise reserviert werden?

Zu unserem gebuchten Paket zählt eine neuerliche Tour in den angrenzenden Corcovado Nationalpark; diesmal eine geführte Tageswanderung rund um die San Pedrillo Station, die inmitten des uns umgebenden Primärwaldes liegt. Ohne Guide ist der Zutritt zum Corcovado verboten, und wir melden Interesse an, den Voucher bereits am nächsten Tag einzulösen.



Der Guide, der an unseren Tisch tritt, ist Typ Schwiegermutters Liebling und erklärt strahlend den Ablauf: Wir treffen also die anderen - er deutet in Richtung einer Gruppe Amerikaner - nach dem Frühstück um 9.30 Uhr, spazieren zur Station und schließlich zu einem Wasserfall, in dem auch gebadet werden kann. "Bring your swimsuit and enjoy."

Äääääähhh, nein! Ich schüttle mit Nachdruck den Kopf. Erläutere, dass wir weniger auf einen Ausflug als vielmehr eine Exkursion aus sind und an einem frühen Start interessiert. Sein Lächeln gefriert. Schweigen. Doch Rettung naht. In Gestalt eines anderen Guides, die Klamotten ungeordnet, die Haare wirr, der komplette Gegenentwurf zu seinem Kollegen. Aber ein studierter Biologe und Ornithologe, der offensichtlich froh ist, dem üblichen Touristen-Tam-Tam zu entfliehen. Er übernimmt kurzerhand.



Treffen also um Sechs im Garten mit Birding-Tour, dann weiter in den Corcovado und latschen, soweit die Füße tragen. Wir sind maximal flexibel, weil seine einzige Kundschaft, er sorgt für eine Frühstücksbox und ein Lunchpaket, das klingt perfekt.

Die unverhoffte Exklusivtour startet im Morgengrauen. Der Guide ist engagiert und kundig. Scheucht uns kreuz und quer durch den Garten, beherrscht die Klaviatur der unterschiedlichen Rufe, ist völlig in seine Aufgabe versunken und wohl auch ein wenig verrückt. Positiv verrückt.

Rotstirnamazone, die Familie wachsam im Auge




Baumriese beim Corcovado


Hügelabwärts laufen wir in den Corcovado und bis zur San Pedrillo Station, die viel kleiner ist als die Sirena Station. Ein schnelles Frühstück, dann parken wir unsere Kühlbox und nehmen die Beine in die Hand.



Unser Guide ist klein, drahtig und wieselflink. Mit wehenden Zottelhaaren und flatterndem Hemd eilt er über Stock und Stein, durch hügeliges, teilweise steiles Gelände, es ist schwül und heiß und ich schnappe nach Luft.

Rote Passionsblume


Biblische Plage


Die Natur ist spektakulär, auch wenn wir alles in allem weniger Tiere sehen als erwartet. Der Wald ist allerdings auch dicht, die Bäume sind hoch. Die Richtung habe ich längst verloren und bin überrascht, als wir schließlich nach knapp drei schweißtreibenden Stunden wieder am Strand der Station angelangt sind.







Erst einmal die Füße abkühlen, dann plumpse ich in die Hängematte. Ich habe fertig!



Anders als unser Guide. Der steckt noch voller Tatendrang. Fragt, was wir als Nächstes tun wollen. Meine Antwort ist spontan und nicht verhandelbar: Nada de nada! Nichts! Wir müssen alle drei lachen, streunen noch ein bisschen am Strand herum und machen uns dann auf den Rückweg zur Lodge.



Die beiden Männer gehen voran und schwätzen, ich hänge ein bisschen hinterher. Höre im Gebüsch ein Rascheln. Ein Ameisenbär macht es sich in einer Astgabel gemütlich. Was für ein Fund! Ich bin platt - diesmal nicht körperlich.



Thomas fahndet nach mir und findet mich in bester Gesellschaft. Der Guide ist begeistert und wohl auch überrascht, dass ich den Tamandua so allein entdeckt habe. Ich bin ganz stolz und denke an Afrika. Vielleicht hab ich ja doch was gelernt. :)



Der Weg heraus aus dem Corcovado führt zum Strand der Lodge. In den Bäumen hocken die Aras, sie lieben diesen Ort. Wir auch.







Wieder sind wir beeindruckt von der Weitläufigkeit. Der schieren Größe des Geländes. Ganz hinten am Sandstrand eine kleine Bar.



Wie bedienen uns selbst, kalte Säfte und kalte Cola, wir sind im Himmel. Außerdem ein üppiges Lunch, per Trecker aus der Küche nach unten transportiert. Der Guide sagt good bye, er war ein großartiger Zufallstreffer. Wir picknicken im Schatten, kapern die Liegen am einsamen Strand und fühlen uns wie Robinson (wenn auch mit Kühlschrank).





Erst als mit einbrechender Dämmerung am späten Nachmittag die lästigen Sandfliegen kommen, fliehen wir hügelaufwärts. Die Rufe der Aras begleiten uns nach oben.



Eine Runde im Pool und ein Sundowner am oberen Aussichtsplatz, dann ist auch dieser herrliche Tag schon wieder vorbei. Ich wünschte, ich könnte die Zeit anhalten!

Cano Island, gut zum Schnorcheln. Haben wir leider nicht auch noch geschafft.
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26 Aug 2021 18:29 #624211
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Zeit zur freien Verfügung

Unser zweiter voller - und damit letzter Tag - in der Corcovado Jungle Lodge ist planlos. Also das, was Agenturen gerne mit "Zeit zur freien Verfügung" kennzeichnen. In den vergangenen Jahren haben solche Tage zunehmend an Bedeutung für uns gewonnen. Zu durchgeplant und vollgepackt ist unser Alltag mit Meetings, Dienstreisen und Wochenendschichten, all dem Firlefanz eben, den ein einigermaßen ausgefülltes Arbeitsleben mit sich bringt.



Was nicht heißt, dass wir auf der faulen Haut lägen. Haut ist dabei ein gutes Stichwort, denn die hat die Attacken der Sandfliegen zwei Tage zuvor alles andere als unbeschadet überstanden. Die Bisse jucken ohnehin erbärmlich, zwei haben nun aber auch noch zu allem Überfluss mit Lymphflüssigkeit gefüllte dicke Blasen gebildet. Mein erste große Tat des Tages ist somit eine kleine Selbst-OP.

Eine Blase sitzt nämlich genau an der Ferse, und weil ich kaum noch den Schuh darüber ziehen kann, tue ich etwas, was man natürlich nie tun sollte - und schon gar nicht in den Tropen: Ich helfe nach und steche sie auf. Die Erleichterung ist sofort spürbar. Im Falle einer Infektion, so überlege ich, wäre wohl immer noch genügend Zeit, um zu reagieren. Schließlich werde ich schon knapp drei Tage später Zuhause sein. Um es vorweg zu nehmen: Der kleine Eingriff blieb ohne Folgen.

Befreit, bepflastert und vor allem ohne Schmerzen nehmen wir den noch jungen Tag in Angriff. In den Corcovado Nationalpark darf man nicht ohne Guide, aber zum riesigen Lodge-Gelände gehört ein eigenes Stück Wald, durch den wir nun klettern und stapfen.



Die angeblich mögliche Begegnung mit einem Puma bleibt zu meinem Bedauern aus, was aber realistisch betrachtet bestimmt ein Glück ist. Zurück im Garten sind unsere farbenfrohen Nachbarn schon wieder eifrig bei der Nestpflege.







Nach dem Frühstück zieht es uns wieder hügelabwärts ans Meer, wo Aras, Tukane und Co. in den hohen Bäumen verlässlich ein- und ausfliegen.







Wir wandern bis ans Ende des Sandstrands, haben schon ein paar Kilometer in den Beinen, es ist heiß, tropisch, einsam und wunderschön.









Wir baden im Meer und auch später in einem der beiden Pools, der spektakulär mitten im Regenwald liegt. Die meisten Gäste sind auf Ausflügen unterwegs, wieder sind wir allein, bis auf die Affen, die schauen kurz vorbei.

Pool einen Stock tiefer mitten im Regenwald


Später laufen wir noch einmal den Hügel hinunter. Wieder Aras,...



... und schließlich auf halbem Weg zurück nach oben etwas versteckt ein Pavillon. Die Lodge überrascht uns immer wieder, mit ihren versteckten Juwelen, die überall entdeckt werden wollen.

Kein G&T an diesem Abend für uns auf dem Hügel an der Sundowner-Bar, dafür ein weiter Blick und eine herrliche Stimmung, wie schade, dass wir den Corcovado am nächsten Tag wieder verlassen.







Der Koch dagegen wird wohl frohlocken, mich los zu sein. Er bemüht sich redlich, doch vegetarisch, das ist nicht sein Ding, wir spüren es beide und kommen nicht wirklich zusammen. Anders als der dicke Froschkönig, der mir auf dem Weg zu unserer Cabana fast auf die Füße hopst. Mir fährt der Schreck in die Glieder, was für ein Riesenviech und wohl auch eher Kröte als Frosch, küssen will ich sie vorsorglich nicht.



Viel sympathischer ist mir die Nachtschwalbe, die wie schon in der Nacht zuvor durchdringend und ohne Unterlass ruft. Ob sie wohl Gehör findet? Und wie steht sie das eigentlich stundenlang durch? Frage ich mich, und bin schon kurz danach eingeschlafen.

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04 Okt 2021 11:56 #627414
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Abschied

Es ist unser letzter Morgen in der Corcovado Jungle Lodge, am späten Mittag geht es in Richtung San Jose - und damit auch im Grunde schon heimwärts. Ich hätte es länger am und im Corcovado ausgehalten, die Affen vertreiben meine trüben Gedanken auf dem Weg zum Frühstück.



Das Licht ist vor allem im Dickicht noch schwach, doch wir werden Zeugen einer anrührenden Begegnung. Die Klammeraffen bewegen sich von links nach rechts, die Kapuzineräffchen in die andere Richtung - so kommt es zu unverhofften Aufeinandertreffen. Sekundenlang verharren die Tiere, begutachten sich freundlich, fassen sich an den Händen und lassen sich dann gegenseitig höflich den Vortritt. Wir sind schwer beeindruckt von so viel Miteinander!



Später rollen wir per Trecker mitsamt Gepäck hügelabwärts und klettern etwas ungeschickt in die schwankende Nussschale, die uns zurück zur Drake Bay bringt. Die Papageien krächzen zum Abschied, der mir wirklich schwer fällt.





In der Drake Bay werden wir abgeholt und flugs zum Airstrip gebracht, schließlich heißt es bye bye Corcovado. Wie schön es hier war!





Die Abholung durch unsere letzte Unterkunft der Reise am Flughafen in Alajuela geht irgendwie in die Hose. Kein Auto kommt, nach Rücksprache mit dem Trapp Family Country Inn nehmen wir uns ein Taxi, die Kosten werden erstattet. Klappt reibungslos, und wir lassen den Tag mit guter Hausmannskost im Trapp ausklingen, wo unser zwischengelagertes Hauptgepäck auf uns wartet.

Der internationale Flug findet erst am nächsten Abend statt, wir haben also noch einen ganzen Tag Zeit, wissen aber nicht wirklich viel damit anzufangen. San Jose reizt uns nicht, das Wetter wäre vielversprechend für einen Besuch des Poas, doch wir haben den Vulkan Jahre zuvor schon ausgiebig und in aller Seelenruhe besucht - was jetzt nicht möglich wäre nach seiner Aktivität der vergangenen Monate. Ein Guide ist Pflicht, der Bewegungsradius eingeschränkt, die Zeit limitiert.



Auf eine geführte Tour im Schweinsgalopp haben wir keine Lust, und so bleiben wir einfach, wo wir sind. Packen unsere Siebensachen, lesen, hängen am Pool rum und unseren Gedanken nach, die vielen Eindrücke wollen verarbeitet werden.

Das Fazit

Am Abend heißt es endgültig Abschied nehmen von Costa Rica, das uns auch bei unserem zweiten Besuch begeistert hat.





Die beiden Reisen lassen sich kaum miteinander vergleichen, denn nicht nur war der erste Trip inhaltlich völlig anders gestaltet, auch haben sich die Gegebenheiten im Land im Laufe weniger Jahre ziemlich verändert.

Die Zeiten der herausfordernden Wasserdurchfahrten, der rumpeligen Pisten, kurzum des großen "Abenteuers" sind im Großen und Ganzen passé. Costa Rica weiß, wie Tourismus geht, die Infrastruktur mit intakten Straßen und zielführender Beschilderung freut die Einheimischen, nimmt den ganz Abenteuerlichen aber möglicherweise den Reiz. Auch das Preisniveau ist gestiegen, die Backpacker sind längst ins benachbarte Panama weitergezogen. Wie sich die Situation in Zeiten von Corona darstellt und wie die Auswirkungen sein werden, kann ich nicht einschätzen.

Mit zwei Reisen nach Costa Rica sind wir zumindest erst einmal gut bedient. Wir wollen sie allerdings keinesfalls missen. Das Land hat auf kleinstem Raum extrem viel zu bieten und ist (auch ohne Spanischkenntnisse) mit dem Mietwagen leicht zu erkunden. Zwei, drei Stunden Autofahrt, schon sieht die Welt wieder ganz anders aus. Anderes Klima, andere Vegetation, andere Tiere.







Wer das erste Mal nach Costa Rica reist, ist sicher mit einer Mischung aus Regenwald, Trockenwald, Nebelwald, Flusslandschaft und möglicherweise einigen entspannten Tagen am Strand gut bedient. Die Vielseitigkeit ist extrem reizvoll. Abseits der mittlerweile schon oft ausgetretenen Pfade finden sich überall noch Möglichkeiten, die Naturschätze mit der spannenden Tier- und vor allem Vogelwelt in relativer Abgeschiedenheit zu heben.









Für uns als Wiederholungstäter stand vor allem der Regenwald im Fokus. Die Geräusche, das satte Grün mit seinen vielen tierischen Bewohnern begeistert uns, das Wetter hat beide Male sehr gut mitgespielt. Die Luftfeuchtigkeit darf man dennoch nicht unterschätzen.





Der absolute Höhepunkt unserer zweiten Reise waren die Osa-Halbinsel, die Heimat des Hellroten Aras, und speziell der Corcovado. Dort wollen wir vielleicht irgendwann noch einmal hin; möglicherweise in Verbindung mit einer Reise nach Panama. Auch die Gegend um Boca Tapada hat uns einmal mehr begeistert.





Die wohl positivste Überraschung war das zauberhafte Orosi-Tal, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint und wir authentisches costa-ricanisches Leben beobachten durften. Wie gern hätte ich hier Spanisch mit den freundlichen "Ticos" gesprochen!

Euch wird es vermutlich so gehen wie uns: Nach einem Jahr "Entzug" steht Afrika ganz oben auf der Liste der möglichen Destinationen. Namibia, Botswana, Kenia und Co. bleiben die Nummer eins unserer Herzen. Wir waren gerade da und haben den ersten Durst erfolgreich gestillt, satt sind wir noch lange nicht. :) Doch wer einmal eine Abwechslung sucht, eine ganz andere Landschaft und ganz andere Tiere, wird in Costa Rica fündig werden - vor allem, wenn er sich um alternative Routen etwas abseits der üblichen Reiseprogramme bemüht.









Ich wünsch' euch und uns allen wieder fröhliches Reisen, eine hoffentlich Corona-freie Zukunft und viele tolle Abenteuer, in welchem Teil der Erde auch immer. Dieser Reisebericht hat sich gezogen, die Umstände waren teilweise auch durch Corona widrig, aber möglicherweise hat er irgendwann einen Nutzen für irgendwen. Ich für meinen Teil werde mich immer gern an die schöne Zeit in Costa Rice erinnern.

Liebe Grüße, vielen Dank für euer Interesse und bleibt gesund!
Betti

Reisebericht Kenia 2021
Reisebericht Namibia 2019

Reisebericht Kenia (Masai Mara) 2018

Reisebericht Südafrika (Krüger) 2017

Reisebericht Tansania Februar 2016

Reisebericht Namibia 2015

Unsere Afrika-Reisen: Tansania 2010, Namibia/Südafrika 2012, Madagaskar 2014, Botswana/Simbabwe 2014, Namibia 2015, Tansania 2016, Südafrika 2017, Kenia 2018, Namibia 2019, Kenia 2021, Kenia 2022
Letzte Änderung: 04 Okt 2021 21:43 von Beatnick.
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