THEMA: Drei Monate in den USA während COVID
18 Feb 2021 07:36 #607528
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Planung und Organisation

Liebe Formis,

ein kurzer Satz vorweg: Wir fangen mit dem Bericht an, während wir noch vor Ort in San Diego sind. Planmäßig geht unser Aufenthalt hier noch bis Ende März. Von daher seht es uns nach, wenn wir keinen Plan hier posten können, was wir alles noch machen werden, da sich dies gegebenenfalls kurzfristig ändert. Außerdem sind wir nicht (nur :blush: ) zum Urlaub machen hier, deshalb werden wir nur über ein paar Highlights berichten.
Wir hoffen dennoch, dass wir ein paar von euch, die zusätzlich zu einem anderen Kontinent als Afrika Fernweh haben, etwas zum Träumen bieten können B)

Jetzt fragt ihr Euch bestimmt wer „wir“ sind. Wir sind Susann und Nic und verbringen ein Auslandssemester in Kalifornien. Wir beide lieben Reisen und verbinden deswegen in diesem Zusammenhang zwei Träume – im Ausland studieren und gleichzeitig die wunderschöne Region erkunden. Ganz neu ist die USA für uns beide nicht. Ich habe Familie in Texas, die wir schon mehrfach besucht haben und Susann war bereits für ein Praktikum schon einmal drei Monate in New York City B)
Kalifornien haben wir im Jahr 2017 auch schon einmal bereist. Damals hatten wir jedoch nicht viel Zeit. Das soll diesmal natürlich ganz anders sein.

Ende Dezember ging es endlich los. Die Einreise in die Vereinigten Staaten ist wegen COVID noch immer nur einem geringen Personenkreis möglich. Die Einreise mit einem ESTA (Touristenvisum) ist zurzeit kaum möglich und sollte bis zur Aufhebung der Restriktionen auch nicht versucht werden. Schon mit unserem Studentenvisum war es nicht ganz so einfach mit der Einreise :unsure:

Wie ihr euch vorstellen könnt, war die Planung für uns durch die aktuelle Corona-Lage nicht unbedingt einfach und einige Male standen wir doch vor der Frage, ob es überhaupt so funktionieren wird :S Wir haben uns dann doch für die Durchführung entschieden, da wir der Meinung waren, dass wir hier keinem deutlich höheren Risiko ausgesetzt wären als in Deutschland. Insbesondere, da hier unsere Kontakte zu anderen Personen noch beschränkter sein werden. Um das einmal vorweg zu nehmen: Bisher haben wir beide das Gefühl, dass wir hier vor Corona sogar eher sicherer sind. Die Menschen hier (zumindest in Süd-Kalifornien) halten sich erstaunlich strikt an die Regeln :huh: Auch das Tragen der Maske im Freien ist weit verbreitet, obwohl nicht vorgeschrieben. Und Susann wird von ihrer Universität sogar jede Woche kostenfrei auf COVID getestet. Das hätten wir uns mal in Deutschland gewünscht :woohoo:

Im Vorfeld für die Reise, insbesondere unter den aktuellen Umständen, haben wir doch erheblich in die Planung investiert - sowohl Zeit als auch Geld. Wir haben uns bei Airbnb ein Zimmer im Haus bei einer Privatperson gemietet. Der Wohnungsmarkt in San Diego ist vermutlich noch schlimmer als in München. Zimmer die mit Mühe auf 10-12m² kommen, gehen ohne Probleme für über 1500$ den Monat weg :ohmy:

Zudem kann man sich ohne ein Auto in San Diego leider kaum bewegen. Dementsprechend war uns klar, dass wir noch einen Mietwagen für die Zeit bräuchten. Wir haben uns für ein normales Mid-Size car entschieden und das würde ich auch jedem Europäer raten in den USA, der nicht unbedingt ein riesiges Auto will. Auch wenn die größeren Autos preislich kaum teurer sind, sollte man trotzdem auf die Angabe für Miles per Galone (wir nutzen l/100km) achten. Zwar ist Benzin hier mit umgerechnet unter 1€ pro Liter deutlich günstiger, aber durch die weiten Entfernungen geht ein hoher Spritverbrauch trotzdem ins Geld.
Eine Auslandskrankenversicherung war für uns selbstverständlich auch Pflicht. Zwar wird dies zur Einreise (selbst aktuell) nicht vorausgesetzt, aber ohne würden wir keinen Fuß auf US-Boden setzen. Die medizinische Versorgung in den USA ist sicherlich fast so gut wie in Deutschland, aber dafür auch eine der teuersten. Ganz wichtig ist aktuell darauf zu achten, dass Reisewarnungen und Corona nicht ausgenommen sowie im schlimmsten Fall der Rücktransport abgesichert sind. Wer ein bisschen Zeit investiert, der findet schnell ein paar große deutsche Anbieter, die auch eine Reise in die USA bei der aktuellen Lage mit absichern.

Als zwei letzte große Punkte bleiben noch die Flüge und die Visa. Die Visa-Beantragung lief eigentlich wie normal. Mit den benötigten Unterlagen kann man einen Termin bei der US-Botschaft (in Berlin, Frankfurt oder München) machen. Das klingt zwar erstmal einfach, aber durch Corona wurden zwischenzeitlich keine Termine mehr vergeben. Im Sommer 2020 waren dann wieder welche verfügbar. Wie es zurzeit aussieht, können wir leider nicht sagen. Allerdings sind die Websites der Botschaft sehr informativ und soweit wir das beurteilen konnten auch aktuell. Als deutsche Staatsbürger erhielten wir ein Visum mit dem Zusatz „national interest exception“ :woohoo: Mit diesem Zusatz, der mit auf die Visumsseite im Pass gedruckt ist, wird die Einreise trotz der aktuellen Beschränkungen ermöglicht. Zu den anspruchsberechtigten Gruppen zählen unter anderem bestimmte Arbeitsaufenthalte, angehörige bestimmter Berufsgruppen und eben Studenten. Die Ausstellung des Visums in Deutschland ging dann innerhalb weniger Tage. Den Pass kann man gegen eine Gebühr nach Hause liefern lassen oder kostenfrei an eine der drei Abholstationen (in Berlin, Frankfurt oder München). Da wir vergleichsweise nah an einer dieser Stationen wohnen, haben wir uns für diese Option entschieden. Wir bekamen eine Benachrichtigung per E-Mail, dass die Dokumente abholbereit sind und mit einem Personalausweis abgeholt werden können. Entsprechend sollte man auch über einen gültigen Personalausweis verfügen :blush:

Den Flug haben wir vor vielen Monaten bei Lufthansa gebucht. Ich bin immer sehr begeistert vom Fliegen und es macht mir super viel Spaß nach den besten Flugangeboten zu suchen. Das hatte zur Folge, dass ich ein Schnäppchen für einen Business Class Flug ab Sofia gefunden habe. Doch COVID hätte uns fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier möchten wir ein großes Lob an Lufthansa aussprechen. Wir wurden auf Kulanz kostenfrei (obwohl sie das nach aktueller Regelung nicht hätten machen müssen) auf Deutschland umgebucht – Glück gehabt :) Auch wenn das hieß, dass wir zwei Zubringerflüge brauchten. Von Berlin soll es nach Frankfurt gehen, von dort nach München und schließlich weiter nach Los Angeles. Unser ökologischer Fußabdruck lässt grüßen :blush: So wird das nichts mit dem Pariser Klimaabkommen, aber das galt in dem Ankunftsland ja sowieso zu der Zeit nicht… Aber zu unserer Verteidigung – einen direkten Zubringerflug gab es zu der Zeit nicht :whistle:
Letzte Änderung: 19 Feb 2021 06:50 von DankeJack.
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18 Feb 2021 07:42 #607529
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Hallo Dankejack,

Da bin ich dabei! B)

Bin echt gespannt was ihr so erlebt habt. :)

Alles Gute noch
Annick
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19 Feb 2021 06:43 #607637
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Flug und Ankunft

Am 30.12.2020 ging es dann endlich los. Tage zuvor haben wir noch gebibbert, ob es auf Grund der Virusmutationen aus Großbritannien überhaupt so reibungslos funktionieren würde. Doch ein weiteres Mal haben wir Glück gehabt – und das soll nicht das letzte Mal an diesem Tag gewesen sein.

Los ging es zu einer recht unchristlichen Zeit. Der Wecker hat bereits 03:45 Uhr geklingelt. Noch schnell die letzten Sachen zusammengepackt und dann nichts wie los. Mit vier Koffern bewaffnet, brauchten wir schon eine Ewigkeit bis wir überhaupt am Flughafen waren. Stellt Euch vor: Es ging sogar vom BER los :woohoo: Der erste Flug nach Frankfurt war einfach toll. Für mich war es der erste Business Class Flug überhaupt und ich war vom Service am Board wirklich überrascht. Für einen 45-Minuten Flug war das Frühstück einfach top! Frische, warme Brötchen und dazu Aufschnitt, Marmelade, Obst und Joghurt. Ein frischgepresster Orangensaft hat auch nicht gefehlt. In Frankfurt ging es dann gleich weiter nach München. Auch auf diesem Flug haben wir nochmal Frühstück abgestaubt B)

In München musste ich dann nochmal durch eine längere Sicherheitskontrolle. Ich hatte ein SSSS auf meine Boardkarte gedruckt (dadurch war auch das Abrufen meiner Online-Boardkarte nicht möglich). Jackpot – ich wurde ich nochmal extra gefilzt. Während Susann nur ihren Pass vorzeigen musste, musste ich nochmal das gesamte Sicherheitsprocedere durchlaufen :pinch: Selbstverständlich hatte die Person vor mir etwas unerlaubtes dabei und fing eine Diskussion an… :angry:
Und dann saßen wir endlich im Flugzeug. Auf Grund von COVID war es fast leer. Das kann einem schon wirklich leidtun. Auch hier war der Service hervorragend. Das Essen war sehr lecker und wir wurden sogar persönlich mit Namen angesprochen. Sowas kennen wir doch bisher gar nicht… :blush:








Nicht nur das Boardprogramm sondern auch die Aussicht aus dem Flugzeug hatte einiges zu bieten. Nach etwa der Hälfte der Zeit haben wir Grönland überflogen. Für 20 Minuten hat man nichts weiter gesehen, als die volle Schönheit des Schnee & Eises.








Nach 12 Stunden ging es dann endlich in den Landeanflug auf LA. Auch dieser war äußert beeindruckend. Es geht über hohe Berggipfel, wilde Täler und endlose Vorstätte bis man schließlich am Horizont das Meer erblickt.








Vor der Einreise hatten wir etwas Bammel. Schließlich weiß man unter Corona ja nicht, was da alles gefragt wird. Bei Susann ging es schnell. Nach etwa 5 Minuten hatte sie ihren Einreisestempel im Pass. Bei mir leider nicht. Bei mir hatte es einen Fehler gegeben, wodurch im System von Homeland Security ein wichtiges Dokument zur Einreise gefehlt hat. Vor meinem inneren Auge habe ich mich schon auf dem Rückflug gesehen, als ich dem Officer in ein separates Büro folgen musste. NEEEEEIIIIINNNN… Dort musste ich dann aber vor allem eins – warten. Ganze 2 Stunden hat es gedauert, bis mein Fall schließlich bearbeitet wurde. In der Zeit gab es nichts zu tun, außer anderen zuzuschauen. Was die ganze Aktion nicht angenehmer gemacht hat :dry: Aus der Lufthansa-Maschine waren einige mit mir in dem Büro gelandet. Alle haben am Ende die Einreise genehmigt bekommen, vielleicht auch wegen der deutschen Staatsbürgerschaft. Warum auch immer war ich der Letzte aus unserer Maschine. Als ich aufgerufen worden bin, wurde ich erst mal nach meinen Englischkenntnissen gefragt. Normalerweise kein Problem, aber nach einem 12 Stunden Flug, 9 Stunden Zeitverschiebung und dementsprechend deutscher Zeit mitten in der Nacht mit dem Gedanken an eine mögliche direkte Rückkehr war mein Englisch nicht überragend :whistle: Der Officer war dennoch sehr höflich und was ich mitbekam, reicht den Officern rudimentäres Englisch und Höflichkeit, damit sie nicht genervt sind. Es herrschte dann einige Verwirrung, wie das Dokument fehlen konnte, aber schlussendlich erhielt auch ich den ersehnten Einreisestempel. Nochmal Glück gehabt. Bereits ein zweites Mal heute :woohoo:

Die Nacht haben wir dann im Hilton am Flughafen verbracht – das vorerst teuerste Hotel und doch das enttäuschenste. Besonders war jedoch der direkte Ausblick auf das Rollfeld. Ich als Flugzeug-Fan war ganz begeistert.




Obwohl es bereits dunkel war, sind wir dann noch zu Fuß!!! – wir wurden häufiger seltsam beäugt - zu einem Telekom-Shop gelaufen, um uns Sim-Karten zu besorgen. Schließlich soll es morgen dann gleich losgehen ins Death Valley.
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19 Feb 2021 07:02 #607639
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Hallo Annick,

wie schön, dass du mit dabei bist!
Wir hoffen, die Erwartungen zu erfüllen :silly:
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23 Feb 2021 08:29 #608018
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Death Valley National Park

Als ich aufwache, ist es noch dunkel um mich herum. Reflexartig greife ich zum Handy und weiß in dem Moment, wo der Bildschirm aufleuchtet und 4 Uhr anzeigt, dass ich einen Fehler gemacht habe. In meinem Kopf fängt aber schon die Kaskade an. 4 Uhr hier plus 9 Stunden, das heißt 13 Uhr. Das ist doch eigentlich gar nicht so schlecht für die erste Nacht. Ich weiß, dass ich verloren habe und versuche gar nicht erneut einzuschlafen. Obwohl wir nur ein paar Stunden geschlafen haben, fühle ich mich trügerisch ausgeschlafen. Aber spätestens ab Nachmittag merken wir, dass 9 Stunden Zeitverschiebung auch für uns ein harter Brocken ist :unsure:

Bevor unser Semester startet, wollten wir die Zeit noch nutzen und schon mal den ersten NP auf unserer Reise besuchen. Das Ziel für diesen Roadtrip war der Death Valley NP, auch bekannt als der heißeste Punkt der Erde – allerdings nicht im Winter. Der Park liegt vergleichsweise nahe an Los Angeles mit gerade einmal 3:30 Fahrtzeit. Für amerikanische Verhältnisse ist das ein Katzensprung. Ausgewählt haben wir den Park eigentlich nur, weil er so „halbwegs auf dem Weg“ liegt :whistle:

Zum Frühstück schnappen wir uns aus dem Hotelshop noch ein fertiges Sandwich sowie einen Kaffee und einen Tee. Dafür zahlten wir knapp $25. Wir waren noch an deutsche Preise gewöhnt und mussten ordentlich schlucken. Das heute Silvester ist, kriegen wir nur durch die Leute mit, die uns bereits fröhlich ein schönes neues Jahr wünschen, ansonsten ist alles wie an anderen Tagen im Jahr :blink:
Den Mietwagen haben wir im Hotel übernommen, was erheblich günstiger war, als direkt am Airport, obwohl es der gleiche Anbieter war. Also ab ins Auto und los auf die Straße. Unser erster Roadtrip kann kommen.
Die Navigation haben wir vollständig in die Hände von Google-Maps gegeben, da wir davon ausgingen, dass in den USA dies wunderbar funktioniert. Tut es auch, nur manchmal findet der Algorithmus eine 2 Minuten „schnellere“ Verbindung über teils abenteuerliche Straßen. Wer aus LA ins Death Valley fährt, sollte möglichst auf den großen Highways (Landstraßen) 395 und dann 178 bleiben. Google hat uns eine Route entlang geschickt, die von der Landschaft her auch hätte in Namibia sein können. Eine karge Wüste begleitete uns für mehrere Stunden. Andere Autos haben wir eher selten zu Gesicht bekommen. Handyempfang gab es schon gar nicht. Willkommen in dem ach so gelobten Land der Zukunft :huh:

Trotz der kreativen Routenführung kamen wir gegen Mittag im Death Valley an. Unsere Erwartungen für diesen Park hielten sich in Grenzen. Um ehrlich zu sein, haben wir uns im Vorfeld wenig dazu informiert. Wir erwarteten nur eine heiße Wüste und ein Thermometer. Tatsächlich hat der Park aber erheblich mehr zu bieten und bisher hat er uns mit am besten gefallen.

Am Eingang muss man sein Permit erwerben bzw. eine Fee entrichten. Das Ticket kostet pro Auto meist um die $30 für 7 Tage. Da wir über die nächsten Monate mehrere Besuche in verschiedenen Nationalpark geplant haben, kauften wir uns die Jahreskarte für $80 die den Eintritt in alle NP in den USA abdeckt. Gezahlt wird wie im Übrigen alles in den USA mit Kreditkarte. Neben dem Ticket erhielten wir noch eine ausführliche Karte mit Informationen zu den verschiedenen Attraktionen im Park. In dieser wurde noch einmal daran erinnert, sich an die Regeln wie Speedlimits und Streckenbegrenzungen zu halten. Das sollte man auch tatsächlich tun, denn die Ranger kontrollieren sehr viel in den Parks und man kann sich nicht immer als Tourist rausreden.
Zuerst haben wir den tiefsten (und auch heißesten) Punkt Nordamerikas - Badwater Basin - angesteuert. Eine riesige Salzwüste lag vor uns. Das hatten wir schon einmal nicht erwartet. Ein Wanderweg erlaubt an einer Stelle das Betreten der Fläche und wir sind dem Weg etwa eine halbe Meile gefolgt, was bei angenehmen 20 Grad im Dezember ohne große Vorbereitungen möglich war. Es sieht aus, als ob es geschneit hätte. Wir sind fasziniert, stellen uns aber vor, wie es hier im Sommer sein muss. Laut der Parkzeitschrift ist im Sommer die Tiefstemperatur (nachts) über 30 Grad Celsius :blink:







Wir haben auch die Größe des Parks unterschätzt. Nach dem Spaziergang sind wir nur noch schnell zum nächsten Highlight, dem Artis Drive, gefahren, bevor die Sonne untergeht. Diese wenige Meilen lange Straße führt an einigen einmaligen Aussichtspunkten vorbei, an denen Gestein in verschiedenen bunten Farben wie türkis betrachtet werden kann. Wir sind echt beeindruckt von dem Naturspektakel :woohoo:





Unsere Übernachtung haben wir zum Glück im Bundesstaat Nevada gebucht, welcher direkt an den Park angrenzt. Zu der Zeit waren Hotelübernachtungen in Kalifornien für Tourismus noch untersagt, in Nevada hingegen hatten sogar Restaurants offen. Gebucht hatten wir ein Zimmer im Death Valley Inn & RV Park in Beatty. Das Motel war deutlich besser als erwartet und wir konnten zwei Nächte unseren Jetlag auskurieren. Während das Abendessen in dem lokalen BBQ-Restaurant sehr lecker war und auch Auswahl bot, sollte man einen Plan B für das Frühstück haben. Der „Supermarkt“ im Ort hatte weder (Toast-)Brot, noch Milch oder Jogurt, geschweige denn frisches Obst oder Gemüse :pinch: Im Hotel teilte man uns mit, der nächste richtige Supermarkt wäre in Las Vegas, etwa 2 Autostunden entfernt :ohmy:

Als wir vom Abendessen zurück im Motel angekommen sind, ist es kurz vor 20 Uhr. Eigentlich hatten wir geplant, bis 0 Uhr wachzubleiben und auf das Neue Jahr anzustoßen. Allerdings war uns schon über den Tag hinweg klar, dass wir das nicht schaffen würden. Auch die meisten Amerikaner scheinen kein so großes Ding daraus zu machen, wie wir in Europa. Bis 21 Uhr halten wir aber noch durch und auf CNN läuft die „Silvester Party“ vom Times Square in New York. Dann fallen uns die Augen zu.

Die zweite Nacht schlafen wir deutlich besser. Bis auf einmal ein schrilles Piepen die Nacht unterbricht. Wir schauen uns schlaftrunken um. Auf dem Regal piept und blinkt ein Wecker. Scheinbar hatte der Gast vor uns sich einen Wecker gestellt und vergessen ihn auszuschalten. Er hatte den Wecker auf kurz nach 5 gestellt… :pinch: Immerhin konnten wir bis dahin durchschlafen, das verbuchten wir als Pluspunkt.

Der zweite Tag im Park war vollständig durchgeplant. Wir haben eine Wanderung am frühen Morgen unternommen, sind zu zwei Aussichtspunkten gefahren, sind auf Sanddünen geklettert und haben die Aussicht an einem Meteroitenkrater genossen. Es gibt also deutlich mehr als nur einen heißen Punkt in der Wüste. Hierbei haben wir wieder die Entfernungen im Park unterschätzt. Von den Sanddünen, die sehr zentral liegen, bis zum Krater war es knapp eine Stunde Fahrt. Auf der Rückfahrt vom Krater zum Hotel wurde es bereits dunkel. Wir fuhren an einem Radfahrer vorbei, der wohl ähnlich wie wir die Zeit falsch eingeschätzt hatte. Wir überlegen kurz, ihm anzubieten ihn mitzunehmen, er könnte sein Fahrrad dann ja mit seinem Auto abholen. Aber wir wollen auch wegen Covid keine Fremden in einem geschlossenen Auto mitnehmen. Schließlich entscheiden wir uns, mit schlechten Gewissen ihn nicht zu fragen, sind uns aber auch sicher, dass ihn zeitnah ein Ranger ansprechen wird. Gelohnt haben sich übrigens alle Stationen im Park. Wir werden den Park definitiv wieder (im Winter!) besuchen.













Völlig geschafft und noch immer mit heftigen Jetlag kamen wir wieder in unserem Motel an. Morgen geht es nach San Diego und unser Kurzurlaub ist wieder vorbei.
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23 Feb 2021 16:49 #608053
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Schön, euren Bericht hier zu lesen! Spannend ist es vor allem wie Reisen in Covid-Zeiten funktionieren kann. Ich freue mich auf eure weiteren Erlebnisse.
Noch eine Frage zum Studium hätte ich: Finden in Kalifornien nicht alle Vorlesungen online statt? Gibt es Präsenzunterricht und wie schaut das praktisch aus? Erzählt doch mal! ;)
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