THEMA: Mein größtes Abenteuer - South Nahanni Expedition
16 Nov 2020 15:56 #598884
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Die Idee

Ich muss leider gleich zu Beginn zugeben, dass die Idee für diese Reise nicht von mir stammte, sondern von Joachim. Mit Joachim haben wir im Laufe der Jahre viel zusammen unternommen, waren gemeinsam klettern und in Afrika. Joachim war auch bei der Sahara-Durchquerung mit dabei, hat aber deutlich länger durchgehalten als ich. Er hat sich erst 3 Tage vor Ankunft in Dakar das Bein gebrochen. B)

Im Frühjahr 2000 waren wir somit beide fleißig bei der Reha und überlegten was wir machen wollen, wenn wir wieder fit sind. Da Joachim seit seinem Studium begeisterter Wildwasserpaddler war und wusste, dass auch Kathrin und ich gern mit dem Kanu unterwegs sind, schlug er als Kontrast zur Wüste mal ein wenig Wassersport vor. Er hätte da von einem sehr interessanten Fluss gehört, dem South Nahanni River. Wir waren der Idee gegenüber aufgeschlossen und Joachim versuchte an weitere Informationen zu gelangen. Das war zu Beginn des Internet-Zeitalters längst nicht so einfach wie heutzutage.

Ein paar Wochen später hatte er genug Informationen zusammen.

- 600km vom Quellsee bis zur Mündung in den Liard River.
- Wildwasser bis Schwierigkeitsgrad III+.
- Keine Versorgungsmöglichkeiten.
- Kontakt zur Außenwelt nur an 2 Rangerstationen.
- Spektakuläre Landschaften und Tierwelt.

Das hörte sich doch sehr vielversprechend an. Die Befahrung des South Nahanni Rivers sollte unsere nächste große Reise werden. Wir begannen mit der konkreten Planung.

Letzte Änderung: 23 Nov 2020 17:09 von Topobär.
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23 Nov 2020 17:09 #599465
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Planung & Vorbereitung

Als erstes mussten wir herausbekommen, wo wir vor Ort Boote ausleihen können und wie wir zum Startpunkt der Tour, den Moose Ponds kommen. Die Lösung für beides fanden wir in Fort Simpson, wo es mehrere Bootsverleiher und Air Charter Companys gab. Wie so häufig steckt der Teufel aber im Detail, denn es stellte sich heraus, dass der Startpunkt unserer Tour, die Moose Ponds nur mit den kleinen 4-Sitzern oder den großen zweimotorigen Flugzeugen zu erreichen ist. Da der Preis für eine Twin Otter ein Vielfaches betrug, war klar, dass wir zeitversetzt anreisen müssen. Joachim und Wolfgang hatten mehr Urlaub als wir und würden deshalb einen Tag vor uns anreisen.

Damit waren wir auch schon beim nächsten Thema. Wie lange wollen/können wir unterwegs sein? Letztendlich kamen wir auf 22 Tage auf Tour, zuzüglich jeweils 2 Tage für An- und Abreise. Start würde Mitte Juli 2001 sein.

Damit war das planerisch das Wichtigste erledigt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was uns erwartet, machten wir aber noch im Spätsommer 2000 eine Probetour in Nordschweden.

Über den Winter ruhte die Planung aber je näher die Expedition kam, umso mehr mussten wir uns mit den Details beschäftigen. Am anspruchsvollsten war dabei die Planung der Ausrüstung und Verpflegung. Aufgrund des maximalen Startgewichts und der Reichweite des Flugzeugs standen uns pro Person gerade einmal 20kg für Gepäck zur Verfügung. Wir reduzierten unsere Ausrüstung daraufhin schon auf das Nötigste, trotzdem blieben pro Person gerade einmal etwas über 10kg für Proviant übrig. Da wir dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzten, organisierten die beiden Bootsbesatzungen die Verpflegung jeweils für sich allein, wären wir uns bei der restlichen Ausrüstung natürlich abstimmten, damit wir nichts doppelt dabei hatten.

Kathrin und ich stellten für uns einen strengen Verpflegungsplan auf. Oberste Maxime war soviel Kalorien wie möglich. Pro Tag würde es für jeden von uns geben:

 selbstgebackenes Brot aus 125g Mehl
 50g Wurst/Käse
 100g Schokolade
 100g Fruchtriegel
 ein gefriergetrocknetes Fertiggericht
 25g Erdnüsse

Damit war unser Gewichtslimit eigentlich erreicht. Durch umverpacken in vakuumverschweißte Plastikbeutel schaffte ich es aber 2kg Verpackungsgewicht einzusparen, welche ich in einen Liter Olivenöl sowie Kartoffelpüreepulver und Pemikan investierte. Aus den beiden letztgenannten Zutaten kann man eine Art extrem kalorienhaltiges Lapskaus zubereiten, und war als Notfallration geplant.

Darüber hinaus packten wir noch einen kleinen Beutel mit 5kg zusätzlichen Leckereien, wie Thunfisch, Speck, Wurst, Käse, Milch- und Puddingpulver. Wir hofften, dass man es mit dem Gewicht nicht so ganz genau nehmen würde und wenn doch würden wir einfach diesen Beutel in Fort Simpson zurücklassen.

Die notwendige Ausrüstung bekamen wir also mit. Die Fotoausrüstung war bislang noch nicht dabei. Der einzige Ausweg der mir blieb, war das Gewicht der Fotoausrüstung bei mir einzusparen, d.h. ich musste bis zum Abflug noch 3kg abnehmen.

Ab dem nächsten Kapitel gibt es dann auch Fotos. Allerdings wieder nur eingescannte Dias.
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26 Nov 2020 16:33 #599752
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Anreise

Ab diesem Kapitel geht es mit den Fotos los. Damit auch Kathrin & ich hin und wieder auftauchen, werde ich in dem Bericht auch Fotos zeigen, die Joachim gemacht hat.

Die Organisation der Anreise war schon eine logistische Herausforderung. Um von Hannover zu den Moose Ponds zu kommen bedurfte es insgesamt 6 Flüge:

Hannover – Frankfurt – Calgary – Edmonton – Yellowknife – Fort Simpson – Moose Ponds



Über Buchungssysteme in Deutschland konnten wir lediglich die Flüge bis Edmonton buchen. Für die Inlandsflüge bis Fort Simpson mussten wir erst einmal herausfinden, welche Airlines diese Regionalverbindungen bedienen und haben dann direkt bei First Air gebucht. Für die letzte Etappe hatten wir dann privat eine kleine Cessna gechartert. Da die Cessna nur 2 Passagiere aufnehmen konnte, reisten wir um einen Tag zeitversetzt an. Joachim und Wolfgang starteten bereits einen Tag vor uns. Somit mussten 12 Flüge reibungslos aufeinander abgestimmt funktionieren, damit wir uns am wie geplant am Startpunkt unserer Tour treffen konnten.

Insgesamt waren wir 2 Tage unterwegs. Am ersten Tag flogen wir mit Air Canada bis Edmonton, wo wir in der Nähe des Flughafens in einen Hotel übernachteten. Etwas nervig war, dass wir in Calgary unser Gepäck in Empfang nehmen mussten, da dies der offizielle Einreiseort nach Kanada war. Nach dem Zoll konnten wir es gleich wieder aufgeben, um es nach einer Stunde Flug in Edmonton erneut in Empfang zu nehmen.

Am nächsten Tag ging es mit einer uralten 737 weiter nach Yellowknife. In Yellowknife stellen wir dann fest, dass wir damit noch in recht modernem Equipment unterwegs waren. Es gibt andere Airlines im Norden Kanadas, die noch immer DC-3 im Einsatz haben. Selbst heutzutage noch: Buffalo Airways

Die Maschinen wurden immer kleiner. Für den Flug nach Fort Simpson sitzen wir in einer zweimotorigen Propellermaschine. Die Stewardess trägt hier auch kein schickes Kostüm, sondern einen Mechanikeroverall und ist nicht nur für das Wohl der Passagiere, sondern auch für die Gepäckverladung zuständig.

Gegen den Flughafen von Fort Simpson ist Maun ein internationaler Großflughafen.

Am Flughafen werden wir schon von unserem Bootverleiher erwartet. Die Ausrüstung hat er schon dabei und so geht es gleich zum Mackenzie River, wo die gecharterte Cessna bereits auf uns wartet.



Der Pilot ist gerade am auftanken. Die Tanks werden bis auf den letzten Liter gefüllt, denn unser Ziel liegt am äußersten Rand der Reichweite.

Unser Gepäck ist schnell verstaut. Das Kanu wird einfach auf einen Schwimmer gebunden. Unser kleines zusätzliches Fresspaket wird zum Glück nicht beanstandet.

Um 18:00Uhr wird der Motor gestartet. Da flussaufwärts gleich eine Biegung kommt, versucht der Pilot erst einmal mit der Strömung zu starten. Da wir aber das maximale Startgewicht erreicht, wenn nicht gar überschritten haben, schlägt dieser Versuch fehl. Wir erreichen nicht genug Geschwindigkeit, damit die Schwimmer ins gleiten kommen und dass wiederum ist die Voraussetzung um die Startgeschwindigkeit zu erreichen. Erst gegen die Strömung und mit kräftigem Aufschaukeln kommen wir ins gleiten. Beim Start gewinnen wir dann so langsam an Höhe, dass ich das Gefühl habe, wir steigen gar nicht aktiv, sondern einzig die Erdkrümmung sorgt dafür, dass sich die Entfernung zum Boden erhöht, während wir geradeaus fliegen.

Die nächsten 3,5h fliegen wir über grandiose unberührte Natur. Auf dem letzten Teil des Fluges bekommen wir schon einen Eindruck von den nächsten Tagen, denn es geht entlang des Oberlaufs des South Nahanni River. Kathrin bekommt von alldem nichts mit. Die letzten beiden Tage fordern Tribut und Sie schafft es einfach nicht die Augen offen zu halten; verschläft den gesamten Flug.






Sanft setzt die Cessna auf den Moose Ponds auf und der Pilot legt direkt bei den Zelten von Joachim und Wolfgang an. Schnell ist das Gepäck entladen und dann macht sich der Pilot auch schon auf den Rückflug. Zum Abschied fragt er uns noch, ob es uns hier gefällt. Als wir dies bejahen, mein er nur, dass wäre gut für uns, denn mitnehmen könne er uns sowieso nicht. Der Flieger hätte nur im komplett leeren Zustand ausreichend Reichweite für den Rückflug.







In der Tat ist es hier ausgesprochen schön. Wir befinden uns knapp oberhalb der Baumgrenze, hier wachsen nur noch Büsche und Sträucher. Am gegenüber liegenden Seeufer überragt der Mount Wilson eindrucksvoll die Moose Ponds



Freudig begrüßen wir Joachim und Wolfgang. Wir können noch gar nicht fassen, dass letztendlich alle 12 Flüge reibungslos funktioniert haben. Aus heutiger Sicht bin ich erst recht erstaunt darüber, oder waren die Flugverbindungen vor 20 Jahren noch zuverlässiger.

Joachim und Wolfgang haben einen sehr schönen Platz direkt am Ufer gefunden. Schnell steht auch unser Zelt. Für diese Tour haben wir extra in ein Hilleberg „Saivo“ investiert. Wie sich im Laufe der Tour noch zeigen wird, war diese Investition Gold wert.

Danach beginnen wir mit der allabendlichen Routine, die uns für die kommenden 3 Wochen begleiten wird. Als erstes gibt es eine warme Mahlzeit in Form eines gefriergetrockneten Fertiggerichts und danach wird das Brot für das Frühstück am nächsten morgen gebacken.

Joachim und Wolfgang berichten von Ihrem vergeblichen Versuch den Mount Wilson zu besteigen. Sie sind schlicht und einfach am dichten Bewuchs der Hänge gescheitert. Durch das Gebüsch war einfach kein durchkommen.

Problematisch ist bei diesem ersten Camp, dass wir mangels Bäumen kein bärensicheres Foodcache errichten können. Es wäre der absolute Worst Case, wenn uns ein Bär die Nahrungsmittel auffrisst. Deshalb verteilen wir die Lebensmittelsäcke in verschiedenen Depots im dichten Gebüsch um zumindest einen Totalverlust zu verhindern.

Als wir in die Schlafsäcke kriechen ist es gegen 2:00Uhr morgens. Stirnlampen haben wir trotzdem nichtbenötigt, da es so hoch im Norden zu dieser Jahreszeit nicht richtig dunkel wird.


Letzte Änderung: 30 Nov 2020 09:31 von Topobär.
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30 Nov 2020 16:24 #600121
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Lockeres Einpaddeln am ersten Tag




Der Tag beginnt mit klarem Himmel und Sonnenschein. Während wir frühstücken steigt dichter Nebel vom See auf, der sich aber nach kurzer Zeit schon wieder verflüchtigt hat. Das war ein ganz zauberhafter Anblick.









Für heute haben wir nur eine kurze Etappe vor uns und lassen uns dem entsprechend Zeit. Während wir die Stille des Morgens genießen, sind wir uns auch sehr deutlich bewusst, wie weit entfernt von jeglicher Zivilisation wir uns befinden. Die nächste Möglichkeit Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen ist der Nationalpark-Ranger am Rabbitkettle Lake, welchen wir aber erst in rund einer Woche erreichen werden.

Wichtigste Maxime ist deshalb bei dieser Tour jedes unnötige Risiko zu vermeiden. Für Leichtsinn ist hier kein Platz. Für den Fall der Fälle ist aber natürlich vorgesorgt. Von einem gut befreundeten Arzt habe ich das stärkste Schmerzmittel und das stärkste Breitbandantibiotikum mitbekommen, welche in Deutschland zugelassen sind. Nach seinen Angaben steht man damit selbst einen offenen Knochenbruch oder einen Blinddarmdurchbruch für eine Woche durch. Beides Vorstellungen, die ich mir gar nicht näher ausmalen will.

Wir packen ein und beladen die Boote. Heute wird der Fluss keine großen Anforderungen an uns stellen, so dass wir uns keine großen Gedanken um die Beladung machen müssen und uns auch nicht umziehen müssen.

Als wir in See stechen, deuten nur noch ein paar Fußspuren darauf hin, dass wir hier übernachtet haben.

Wir starten auf dem nordwestlichen See der Moose Ponds und müssen diesen ganz überqueren, um den Ausfluss zu erreichen. Hier entspringt der South Nahanni River. Entgegen unserer Erwartung verbindet der South Nahanni aber nicht die einzelnen Seen der Moose Ponds sondern fließt an diesen vorbei.




Bald stoßen wir auf ein erstes Hindernis. Bieber haben mit einem soliden Damm den Fluss aufgestaut und wir müssen die Boote drum herum tragen. Eigentlich hatten wir nur eine einzige Portage auf dieser Tour eingeplant. ;)
Von den Erbauern des Damms ist leider nichts zu sehen.





Danach schlängelt sich der Bach gemütlich durch eine weite Wiesenlandschaft. Den gesamten Tag dominiert noch der Mount Wilson den Ausblick. Von den Anforderungen erinnert der South Nahanni hier an einem norddeutschen Heidefluss. Die Strömung ist zügig und die größte Herausforderung ist, mit den langen Booten durch die engen Kurven zu kommen.





Durch die vielen kleinen Zuflüsse aus den anderen Seen ist der South Nahanni beim Verlassen der Moose Ponds bereits doppelt so breit, wie an seinem Ursprung. Wir haben jetzt ein weites Tal erreicht und der Fluss weist erste kleine Schwalle auf. Alles noch ganz easy, wie auf einem deutschen Mittelgebirgsfluss.

Am ersten größeren Nebenfluss, der von Norden in den South Nahanni mündet, beenden wir die heutige Etappe. Zum einen müssen wir ab hier ganz anders ausgerüstet weiterpaddeln und zum anderen bietet die Kiesbank an der Mündung perfekte Bedingungen für ein Camp.





Da man beim paddeln die ganze Zeit sitzt, kommen die Beine immer etwas zu kurz. Am gegenüber liegendem Ufer erhebt sich ein kleiner Hügel und nachdem das Camp eingerichtet ist, mache ich mich auf den Weg dort hinauf. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf unser Camp und den weiteren Verlauf des South Nahanni.




Der Magen knurrt, und so bleibe ich nicht lange. Joachim und Wolfgang sind bereits am Kochen und ich geselle mich auch schnell dazu. Aufgrund unseres limitierten Gepäcks kochen und backen wir auf der Tour ausschließlich auf offenem Holzfeuer.



Es hat bislang sehr angenehme Temperaturen, die ich so weit im Norden und in dieser Höhe niemals erwartet hätte. Bis zum schlafen gehen kann man im T-Shirt am Lagerfeuer sitzen.



Mit ein paar Schmetterlingen im Bauch schlafe ich ein, denn morgen wird es schon deutlich anspruchsvoller auf dem Fluss.
Letzte Änderung: 08 Dez 2020 10:54 von Topobär.
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03 Dez 2020 16:30 #600413
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Rock Gardens, Teil 1 – erstes Wildwasser




Für den gestrigen Tag hatte es ausgereicht einfach das Gepäck ins Boot zu schmeißen und los zu paddeln. Heute kamen wir erst relativ spät los, denn so konnten wir nicht weiterfahren. Wir mussten uns und die Boote wildwassertauglich herrichten.

An den Booten wurde vorne und hinten je eine 20m Wurfleine befestigt. Das Besondere an diesen Seilen ist, dass sie Schwimmen. Benötigt werden Sie in erster Linie zum Bergen und Retten. Alle Gepäckstücke wurden mit Reepschnur fest am Boot vertäut, damit sie im Fall einer Kenterung im Boot bleiben und nicht verloren gehen.

Abschließend montierten wir die Persenning am Boot. Diese verschließt bis auf die beiden Sitzluken das eigentlich offene Kanu, so dass es bei größeren Wellen nicht vollläuft. Die Persenning besteht aus zweit Teilen, die mittel Riemen und Klettverschluss miteinander verbunden werden. Bei der Montage erleben wir eine sehr unangenehme Überraschung. Anscheinend ist es nicht genormt, auf welcher Seite sich der Klett und auf welcher Seite sich der Stoff befindet. Wir hatten zwar ein Vorder- und ein Hinterteil, aber beide mit Stoff und kein Klett, so dass wir sie lediglich mit den Riemen zusammenzurren konnten, die Überlappung aber nicht wasserdicht verschließen konnten. Damit hatten wir eine weitere Öffnung, durch die Wasser ins Boot kommen konnte. Mal sehen, was dieser Umstand für die Tour bedeuten wird. Der Schöpfbecher kommt auf jeden Fall in unser Boot.

Wir selbst quetschten uns in unsere Neopren-Anzüge und auch die Neoprenschuhe kamen zum Einsatz. Das Wasser des South Nahanni ist eiskalt – ca. 4°C. Für die schwierigsten Passagen legten wir Helme und Rettungswesten griffbereit.

Wir hatten unser Camp an dieser Stelle gewählt, da hier die Rock Gardens beginnen; 90km fast durchgehendes Wildwasser bis hin zum Schwierigkeitsgrad III+. Zum Glück steigern sich die Anforderungen und die schwersten Passagen kommen erst an den beiden folgenden Tagen.

Zu Beginn war die Strömung noch sehr gemächlich. Es gab nur wenige leichte Stromschnellen und die größte Herausforderung war, zwischen den vielen Felsen im Wasser, eine mit den großen Booten fahrbare Passage zu finden. Immer wieder musste ich aufstehen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen.








Hier hatten wir auch die erste besondere tierische Begegnung. Am Ufer tauchte ein einzelnes Karibu auf und lief über eine Kiesbank. Tierfotografie ist aus einem schwankendem treibenden Boot eine ganz andere Herausforderung als aus einem Auto. Man kann z.B. längst nicht so nah heranzoomen, wie man eigentlich möchte, da das Bild sonst unter Garantie verwackelt ist.



Zur Mittagspause teilten sich Kathrin und ich wie immer eine 200g Tafel Aldi-Schokolade. Lediglich die Sorten wechselten.



Das Wetter zeigte sich an diesem Tag sehr wechselhaft. Mal schien die Sonne und kurze Zeit später war es wieder stark bewölkt. Regen fiel zum Glück nicht.

Ab hier sollten auch die Stromschnellen langsam heftiger werden und so fuhren wir für den Rest des Tages mit Helm und Rettungsweste.



In einer der Stromschnellen übersahen wir dann leider einen unter der Wasseroberfläche liegenden Stein und saßen in Bootsmitte auf. Sie Strömung drehte uns quer und drückte das Wasser über den Bootsrand, so dass es an der nicht dichten Verbindung unserer Persenning ins Boot lief. Wir konnten uns zwar noch von dem Fels befreien, waren dann aber aufgrund des vielen Wassers im Boot vollkommen manövrierunfähig und kenterten. Zum Glück war das Wasser nicht ganz hüfttief und so war ich mit einer Wurfleine schnell am Ufer, wo ich die Leine festbinden konnte und so ein abtreiben des Bootes verhindern konnte.
Kathrin war auch schon am Ufer. Wir hatten vereinbart, dass Sie sich im Fall einer Kenterung lediglich um Ihr Paddel kümmert und ansonsten zusieht, so schnell wie möglich aus dem Wasser zu kommen.
Die größte Anstrengung war, dass schwere vollgelaufene Boot ans Ufer zu ziehen. Als das geschafft war, musste das Boot nur kurz umgedreht werden und schon konnte es weitergehen. Das Gepäck war gut verzurrt; alles noch an Ort und Stelle.

Wir beendeten die Fahrt bevor die wirklich anspruchsvollen Passagen losgingen. Zum einen hatten wir einen sehr schönen Übernachtungsplatz auf einer Kiesbank gefunden und zum anderen wollten wir uns lieber ausgeruht am nächsten Tag der Herausforderung stellen.






Nach dem Abendessen war wie immer Brot backen angesagt. Das gelang uns immer sehr gut. Wir hatten uns für diese Tour für Topfbrot aus Hefeteig entschieden. Ist ganz leicht zu machen. 250g Mehl mit Hefe, Salz, 40ml Olivenöl und Wasser zu einem zähen festen Teig verarbeiten und dann 40min. gehen lassen. Dafür stellte ich den Topf in die Nähe des Feuers und drehte ihn alle 10min. um 90°. Dann bei nur mäßiger Hitze sanft für 30min. backen. Erst 20min. von der einen Seite, dann noch 10min. von der anderen Seite.



Wie Ihr seht, gab es am nächsten Morgen Kräuterbrot.

Insgesamt beanspruchte das Campleben einiges an Zeit. Nach der Ankunft am Übernachtungsplatz waren wir immer noch für min. 4h voll beschäftigt. Wie gut, dass die Tage so lang waren.

An diesem Abend konnten wir erstmals ein bärensicheres Foodcache installieren.

Gute Nacht

Letzte Änderung: 03 Dez 2020 16:42 von Topobär.
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08 Dez 2020 11:04 #600777
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Rock Gardens, Teil 2 – jetzt geht’s rund




Heute sind wir den ganzen Tag über durchgehend in anspruchsvollem Wildwasser unterwegs. Es gibt keine Verschnaufpausen in Form ruhiger Flussabschnitte, in denen man sich auch mal ein paar Minuten treiben lassen kann. Nur vor extrem schweren oder unübersichtlichen Passagen landen wir an, um die sicherste Strecke zu erkunden. Das kostet aber immer viel Zeit und so fahren wir meist auf Sicht, um voranzukommen.

Mit Walzen, hohen Wellen und tiefen Löchern kommen die großen Kanus gut zurecht. Die Schwierigkeit besteht aus den vielen Felsen im Wasser. Am tückischsten sind die knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Felsen. Die Dickschiffe sind nicht gerade sehr wendig und so ist der ständige Slalom zwischen den Felsen hindurch nur möglich, wenn beide Paddler perfekt harmonieren. Dabei kommen die Steuerkommandos immer von der hinteren Person. Kathrin und ich paddeln schon seit Jahren zusammen und so sind dafür nicht mehr viele Worte nötig: „Ziehen“, „Vollgas“, „Bogen“, „zurück“ und „Abstoßen“, kombiniert mit rechts oder links. Viel mehr bedarf es nicht, um gut durchzukommen.









Einmal erwischt es uns aber doch. Ein unter der Wasseroberfläche liegender Fels trifft uns rechts in Bootsmitte. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade links aufgekantet hatte, werden wir augenblicklich ausgehebelt und nehmen ein unfreiwilliges Bad. Glücklicherweise ist auch an dieser Stelle das Wasser so flach, dass ich noch stehen kann, und so sind wir nach kurzer Zeit schon wieder startbereit.

Unsere 3 Verpflegungspausen haben wir heute nicht zeitlich über den Tag verteilt, sondern die Anlandungen zum Erkunden der schwersten Abschnitte dafür genutzt.

Als sich erste Anzeichen von Erschöpfung bemerkbar machen, beenden wir die Fahrt am ersten ruhigen Flussabschnitt des Tages. Jetzt nichts mehr riskieren.




Die lichten Hänge über unserem Lager erstrahlen in den Farben der Heideblüte. In der Sonne ein herrlicher Anblick.



Leider schien die Sonne den ganzen Tag nur sehr selten. Auch am Abend sieht es nach Regen aus und so bauen wir vorsichtshalber erstmals das Tarp auf.



Letzte Änderung: 17 Dez 2020 15:39 von Topobär.
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