THEMA: Mit dem Reisebus zum Nordkap.
13 Jun 2020 17:12 #590324
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Nachdem uns Sören nun mit den wichtigsten Informationen versorgt hatte, händigte er uns die Bordkarten aus. Diese wiederum dienten auch als Zimmerschlüssel.





Wir begaben uns an Bord der M/S Gabriella, die uns nach Helsinki bringen sollte. Meine Kabine mit der Nummer 5124 war klein und kein Vergleich zu der der Color Magic. Es erinnerte mich eher an ein Schlafwagenabteil der DB aus den 70er Jahren. Insgesamt waren in meiner Kabine vier Klappbetten vorhanden, wovon eins frisch bezogen war. Für die eine Nacht war das trotzdem voll in Ordnung. Immerhin war es erneut eine Außenkabine mit kleinem Fenster.

Die MS Gabriella legte um 16 Uhr ab. Unsere Gruppe war fast vollzählig am Oberdeck, um die Ausfahrt aus dem Stockholmer Hafen zu sehen. Die Weiterfahrt durch die Schärenwelt war sehr interessant und landschaftlich ein Traum.











Hin und wieder fragten einige Mitreisenden:

„Weißt du noch, wann es Abendessen gibt? Und wo?“

Hier kamen die kuriosesten Kombinationen und Gerüchte auf. Abendessen um 7 Uhr auf Deck sieben. Um 8 Uhr auf acht. Um 7 Uhr auf Deck sechs.

So ist das, wenn keiner vernünftig zuhört, wenn die Reiseleitung etwas sagt.

Letztendlich gab es das Abendessen um 19 Uhr auf Deck acht.

Als Letzte kam Hille in den Speisesaal. Da es immer 4er oder 6er Tische waren, waren diese natürlich schon belegt. Hille war ein wenig pikiert, setzte sich danach allein ein einen freien Tisch. Sören und Jürgen leisteten ihr doch noch Gesellschaft.

Heute waren die Getränke inkludiert. An unseren Tisch hatten sich zwischenzeitlich noch Steffi und Harald gesellt. ‚Der in der roten Jacke‘ und seine Freundin. Beides richtig nette und sympathische Leute. Uns Kerlen machte besonders das Bierzapfen Spaß. Zumal es gratis war.

Jetzt erfuhren wir auch von Harald, warum er einen Schuh und einen Badeschlappen trug. Sah schon lustig aus.

„Bin nicht gestochen worden. Bin nirgendwo in etwas getreten und habe mich auch nicht gestoßen. Der Fuß wurde einfach nur dick. Und zwar so dick, dass er in keinen Schuh mehr passte. Da habe ich eben einen Schlappen angezogen.“

So gegen 22 Uhr gab es kein Bier mehr (das lag nicht nur an uns) und das Personal begann mit den Vorbereitungen für das morgige Frühstück.

Wie auf ein Kommando stellten alle ihre Uhren eine Stunde vor. Und passten genau auf, dass Hermann seine Uhr auch stellte. Dann erklärten wir ihm, dass der Ausgang auf der Ebene ist, wo unsere die Kabinen sind. Also auf Deck fünf. Vorher solle er sich aber hier im Speisesaal ab 7 Uhr zum Frühstück einfinden.

Wir schauten noch mal ganz kurz auf dem Oberdeck vorbei. Weil es inzwischen lausig kalt war, hat es uns doch postwendend in unsere Kabinen verschlagen.
Letzte Änderung: 13 Jun 2020 17:20 von Papa Kenia.
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14 Jun 2020 17:03 #590358
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Tag 5

Es war eine ruhige Nacht und ich hatte geschlafen wie ein Stein. Die See war ruhig; es gab keine Schaukelei. Um 6 Uhr finnischer Zeit war ich schon auf dem Außendeck. Es war kalt und sehr windig. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel. Das wird ein schöner Tag.

Um 7 Uhr öffneten sich die Türen zum Speisesaal. Am Buffet fehlte es an nichts. Es war wirklich super.

Die Einfahrt durch die Schären wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und war daher wieder zeitig auf dem Promenadendeck.

Um 9.15 legte die Fähre in Helsinki an. Bereits geraume Zeit vor dem Einlaufen in den Hafen staute sich am Ausgang die Menschenmenge. Vermutlich stiegen hier alle Passa-giere aus. Ziemlich weit vorne sah ich Hermann. Später wurde erzählt, dass Hermann bereits seit 8 Uhr mit seinem Koffer hier am Ausgang wartete. Gefrühstückt hatte er nicht. Er wollte auf keinen Fall den Ausstieg verpassen.

Immerhin hatten nun doch schon einige Mitreisende ein Auge auf Hermann und so ging das Ausschiffen reibungslos über die Bühne.

Genauso wie wir es Hermann mehrmals eingetrichtert hatten, wartete er vor dem Gebäude auf uns. Und er war sichtlich froh, einige seiner Mitreisenden zu erkennen. Bis Jürgen mit unserer Luxuskutsche vom unteren Parkdeck rausgefahren kam, dauerte es eine gewisse Zeit. Nachdem alle ihren Platz im Bus eingenommen hatten ging es bereits los zur Stadtrundfahrt.





Hille war glücklich. Sie hatte WLAN-Empfang und konnte nun endlich auch telefonieren. Der Mann in der roten Jacke, nämlich Harald, hatte ihr die Einstellungen für ihr Gerät gezeigt. Und nun fing sie an zu telefonieren?

„Hallo. Hier ist Hille.

- Ja, soweit ganz gut.

- Im Bus.

- Ich mache eine Rundreise.

- Irgendwo in Skandinavien. Ich glaube in Finnland.

- Nee, so was mache ich nie wieder.

- Noch über zwei Wochen.

- Mach’s gut! Bis bald!“

Hille hatte sich wenigstens kurz gefasst und sehr leise geredet. Wenn jeder Reisende während der Fahrt telefonieren würde, wäre hier wohl die Hölle los. Schließlich hatte man doch bei jedem Stopp Gelegenheit zu telefonieren, wenn man wollte.

Hille unterließ das Telefonieren nun auch. Es war ein einmaliger Ausrutscher.

Zunächst besuchten wir eines der Wahrzeichen von Helsinki, den Dom. Danach Weiterfahrt zum Sibeliuspark (benannt nach Jean Sibelius, einem Komponisten). Hier steht unter anderem ein aus mehreren Hundert Metallröhren zusammengesetztes, orgelförmges Gebilde.





Als nächstes fuhren wir zur Felsenkirche (Temppeliaukio-Kirche). Angeblich ist dies eine der Attraktionen in Helsinki. Wie der Name schon sagt, ist dies keine Stein auf Stein gebaute Kirche, sondern sie wurde direkt in einen Felsen gesprengt. Die Kirche bietet eine wunderschöne Akustik.



Zum Schluss der insgesamt fast zweistündigen Stadtrundfahrt parkte unser Bus am Fuße der Uspenski-Kathedrale. Die Kirche liegt auf einem Hügel außerhalb der Stadt ganz in der Nähe des Hafens.





Weil ich Claudia und Peter erst mal wieder ablichten musste, waren wir drei die Letzten. So schlenderten wir langsam auf die Kirche zu. Immerhin galt es auch, von der imposanten Kathedrale das ein oder andere Foto zu schießen. Innen soll die Kirche sehr geschmackvoll und prunkvoll sein. Das können wir aber nicht bestätigen, denn genau in dem Moment als wir die Kirche betreten wollten, wurde die Kirchentür aus unerklärlichen Gründen geschlossen. Offiziell war noch Öffnungszeit. Na ja, von außen ist die Kirche ebenso schön.

Da hier oben nicht nur unsere Reisegruppe die Kathedrale bestaunen wollte, sondern noch gefühlt 200 andere Leute, hatte ich irgendwann alle aus den Augen verloren. Um 15 Uhr war wieder Treff am Bus. Bis dahin waren noch mal 2,5 Stunden zur freien Verfügung. Die Zeit würde ich wohl sinnvoll nutzen können. Der Weg bis zur Innenstadt war nicht weit. Sehenswert waren auf dem Weg dahin auf jeden Fall das Rathaus sowie die im Gebäude befindlichen öffentlichen Toiletten.





Nur das Blastergedröhne, das aus weiter Ferne an meine Ohren drang, war nicht so prickelnd. Genau heute war nämlich Lesben- und Schwulentag. Christopher-Street-Day. Und Sören meinte, dass gefühlt eine halbe Million mehr Menschen in der Stadt sind als sonst. Das Meiste spielte sich auf dem Senatsplatz und auf den Stufen am Dom ab. Da waren wir ja heute Vormittag. Irgendwann startete dann der große Umzug. Gott sei Dank bewegte er sich am Rand der Stadt.



Auf meinem Rundgang kam ich an einer Haltestelle vorbei, wo eine historische Straßenbahn stand. Leider war für eine Fahrt keine Zeit. So entschloss ich mich, der Markthalle einen Besuch abzustatten. Hier herrschte ein reges Treiben und es gab allerlei kulinarische Genüsse, Souvenirs und sonstigen Krimskrams. Einige Mitreisende waren auch in dieser Halle unterwegs.



Auf dem Rückweg zum Bus und schlenderte ich über den Marktplatz. Zig Händler boten ihre Waren an. Waffelduft drang in meine Nase. Diesem Duft konnte ich nicht widerstehen. Ich bestellte mir frische Waffeln sowie einen Kaffee, setzte mich an einen freien Tisch und genoss die Atmosphäre auf dem Marktplatz. Die Sonne tat ihr übriges bei fast wolkenlosem Himmel. Die Temperatur lag bei gefühlten von 25 Grad Celsius. Urlaub kann verdammt schön sein.





Als um 15 Uhr alle pünktlich am Bus waren ging es auf die letzte Etappe des Tages. Wir hatten nun gut drei Stunden Fahrt vor der Brust. Unser Ziel war Lappeenranta.

Während der Fahrt fielen die ersten Regentropfen dieses Urlaubs. Bereits fünf Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei. Nach einem Zwischenstopp kamen wir um 18.30 Uhr beim Hotel in Lappeenranta an.

Das Hotel ist ein ziemlicher Klotz und hat 133 Zimmer. Innen ist es sehr nobel eingerichtet. Ich bekam ein Doppelbettzimmer. Das war nicht schlecht!

Bereits um 19 Uhr konnte man zu Abend essen.

Die Zeit war während der gesamten Reise so knapp getaktet, dass man ständig unter ‚Strom‘ stand. In dieser halben Stunde, die uns zwischen Ankunft und Abendessen zur Verfügung stand, mussten wir immerhin die Zimmer beziehen und uns stylen, um danach die Schlacht am Buffet mitzumachen.

Das Abendessen war reichhaltig, optisch sehr ansprechend aufgebaut und sehr lecker.
Letzte Änderung: 14 Jun 2020 17:18 von Papa Kenia.
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16 Jun 2020 17:02 #590473
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Tag 6

Nach einer ruhigen Nacht gab es ab 7 Uhr Frühstück. Ausschlafen ist was für Weicheier. Wer war als erster im Speisesaal? Hermann! Ich setzte mich zu ihm und wir unterhielten uns ein wenig. Er hatte bereits seinen Koffer und seine Jacke im Foyer stehen.

Gegen 8 Uhr wurden die Koffer wieder in den Bus gehievt. Beim Kofferverladen setzte sich Jürgen heute endlich durch. Er ignorierte unseren Kleinsten. Der, wie immer wartend, in der ersten Reihe am Bus stand und Jürgen erklären wollte, wie er die Koffer zu verladen hat. Seiner müsste ganz zum Schluss rein. Damit er ihn als ersten wiederbekäme, um auch bloß der Erste am Fahrstuhl zu sein. Diese Typen sterben leider nie aus. Aber Jürgen nahm seine Koffer und schob sie ganz nach hinten. Super!!

Diesen Morgen durchfuhren wir zunächst das riesige Saimaa-Seengebiet und kamen gegen 9.15 Uhr in Savonnlinna an, um dort einen Ausflugskutter zu besteigen. Es fand eine einstündige Rundfahrt über die Seenplatte statt. Anfangs war es sehr schön und inter-essant. Je länger die Fahrt dauerte, umso windiger und kälter wurde es. Es gab zwei kleine Kajüten mit Sitzgelegenheit wohin man sich zurückziehen konnte, um bei einem Kaffee oder Bier windgeschützt zu sein.

Die Meisten waren froh, dass die Fahrt nach einer Stunde vorbei war.













Bei der Weiterfahrt kam im Bus so langsam Bewegung in die Reisegruppe. Die Alleinrei-senden, die bisher nebeneinandergesessen hatten, verteilten sich im Bus auf die freien Sitzplätze.

Hermann verzog sich in die Reihe hinter mir. Von vorne kam jemand und setzte sich auf einen der hinteren Sitzplätze. Und aus der Reihe schräg mir gegenüber zog dann auch noch eine Frau um. So dass letztendlich fast alle Alleinreisenden zwei Sitze zur Verfügung hatten. Das war richtig relaxt, so viel Platz zu haben.

Diese Situation nutzte Hille, die auf der gegenüberliegenden Gangseite saß. Sie kam zu mir herüber und versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln. Sie gab auch einiges von sich preis. Sie war schon mehrfach verheiratet und hatte alle Ehemänner überlebt. Allmählich gewann ich den Eindruck, dass sie nun das nächste Opfer suchte.

„Komm mich mal besuchen. Du sollst es gut bei mir haben.“

Das sind ja Aussichten!

„Nee, Hille, lass mal gut sein. Ich bin mit meinem momentanen Dasein ganz zufrieden.“

So ganz passte ihr meine Antwort nicht. Ein wenig pikiert verzog sie sich wieder auf ihren Sitzplatz.

Kerimäki war unser nächstes Ziel. Kerimäki ist die größte Holzkirche der Welt. Die Kirche verfügt über 3000 Sitzplätze und wurde 1847 gebaut.

Nach der Kirchenbesichtigung öffnete Jürgen seine Busküche. Erstmals gab es Brüh-würstchen mit Brot. Für den kleinen Hunger zwischendurch. Der Kaffee war bei der kompletten Tour gratis. Ebenso wie Wasser und Saft. Die Würstchen mussten am Ende der Reise bezahlt werden.





Der Besuch der Olavinlinna Burg stand als nächstes auf dem Programm. Die imposante Burg stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bei unserer Kutterfahrt waren wir bereits relativ nah an ihr vorbeigekommen. Sören hatte vorher gewarnt, dass man gut zu Fuß sein muss. Er wies darauf hin, dass es im Innenhof viele enge und steile Treppen zu steigen gibt.



„Peter geht nicht mit. Das ist ihm zu anstrengend. Der steht da hinten!“ meinte Claudia so im Vorbeigehen.

Peter zeigte auf das Café und zog fragend die Schultern hoch. Und ich nickte nur. Männer verstehen sich auch ohne Worte. Wir blieben lieber auf ein Bier in dem kleinen Café direkt am See zurück. Die Sonne knallte mittlerweile wieder von einem fast wolkenlosen Himmel. Bettina setzte sich auch noch dazu und es entwickelte sich eine nette Gesprächsrunde.

Kurz vor 15 Uhr kamen die anderen Reiseteilnehmer an unserem Lokal vorbei.

„Das war heftig anstrengend. Ihr habt das richtig gemacht! So ein Bierchen hätte ich auch gerne noch gehabt“, meinte Harald. Doch dafür war jetzt keine Zeit mehr.

Punkt 15 Uhr setzte sich der Bus Richtung Kuopio in Bewegung. Ein letzter Halt war heute am Puijo Aussichtsturm, der auf einem Hügel vor der Stadt liegt. Per Fahrstuhl ging es rund 75 Meter nach oben von wo aus man wirkliche eine krasse Rundumsicht hatte.






18.45 Uhr trafen wir endlich im Hotel in Kuopio ein. Das übliche Procedere. Sören holte von der Rezeption alle Zimmerschlüssel und verteilte diese. An den Fahrstühlen gab es wie immer Gedränge und Warterei. Panische Gesichter. Denn ab 19.15 gab es bereits wieder Abendessen.

Erneut hatte ich ein Doppelbettzimmer für mich allein. Dementsprechend geräumig war es. Bei der Ausstattung hatte man an nichts gespart. Sogar ein Bügelbrett mit Bügeleisen war vorhanden. Für mich doch wohl nicht? Ich habe Urlaub!!

Wer kam wieder als Letzte in den Speisesaal? Richtig! Hille! Auch heute Abend waren bereits alle 4er und 6er Tisch besetzt. Sie verzog sich an einen freien Tisch. Hier blieb sie heute allein, denn Jürgen kümmerte sich noch um den Bus und Sören hatte anderweitig zu tun. Hille konnte einem schon fast leidtun.

Das Essen war vorzüglich.

Dieses Hotel war für mich bisher das Beste dieser Reise. Hier fehlt es an nichts im Zimmer. Die Lage des Hotels war auch richtig romantisch. Sehr ruhig und direkt am Kallavesi – See gelegen.

Auch der Barbereich war großräumig und sehr geschmackvoll eingerichtet. Im hinteren Bereich lief im TV – Kroatien gegen Dänemark. Das war das erste WM-Spiel während der Reise das ich mir angesehen habe.

Nach dem Spiel saß ich noch mit Bernhardine und Heidi zusammen und wir unterhielten uns über Gott und die Welt.

Das Hotel hatte sogar unten in einer stillen Ecke der Lobby einen stationären Promilletester an der Wand hängen. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Kurz vor Mitternacht überkam mich dann doch die Müdigkeit.
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17 Jun 2020 17:18 #590518
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Tag 7

Da das Hotel außerhalb der Stadt liegt, konnte ich heute Morgen ein wenig länger schlafen. Denn es gab in der näheren Umgebung nicht viel zu fotografieren. Das hatte ich bereits gestern Abend gecheckt.

Einer fehlte zum Frühstück. Hermann. Mittlerweile achteten alle Reisenden darauf, ob er anwesend war. Hille wusste, welche Zimmernummer Hermann hatte. „Ich geh‘ mal zu ihm. Wahrscheinlich ist er noch auf dem Zimmer.“

Im Grunde war Hille eine richtig gute Seele. Nur ihre Meckerei konnte manchmal ganz schön nerven.

Ein paar Minuten später kamen Hille und Hermann in den Speisesaal. Hille entschuldigte Hermann.

„Er hat den Fahrstuhl nicht gefunden.“

Als alle gefrühstückt hatten, starteten wir zu unserer ersten Tagesetappe.

Ab jetzt war nichts mehr mit WLAN im Bus. Wir fuhren durch eine traumhafte Landschaft. Aber Funkmasten gab es hier nicht. Daher resignierte nicht nur Hille, sondern auch ein oder zwei andere. Empfang gab es in den nächsten Tagen nur noch in unseren Unterkünften.

Unser Sitzfleisch wurde heute zum ersten Mal so richtig getestet.

Insgesamt lagen heute über 500 km vor uns. Unser erstes Ziel war die Hafenstadt Oulu. Dort kamen wir gegen 11 Uhr an und hatten nunmehr eine gute Stunde Zeit, uns das Markttreiben und das Örtchen ein wenig anzuschauen. Die überwiegend dunkelrot gestrichenen Holzhäuser waren die beliebtesten Fotomotive. In der Markthalle gab es eben-falls Motive in Hülle und Fülle. Der kleine Markt, die Oper am Hafen und die belebten Seitengässchen waren nicht weniger interessant.













Wie so oft waren Claudia, Peter, Hermann und ich zusammen. Hermann wurde immer lockerer. Man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Es hat in seinem langen Leben einiges erlebt und er erzählte auch bereitwillig davon.

Wahrscheinlich war er froh, hin und wieder geduldige Zuhörer zu finden. Nachdem er nun wusste, dass unsere Übernachtungen bis zum vorletzten Tag nur noch in Hotels stattfinden würden, blühte er so richtig auf. Er gab auch offen zu, dass seine größte Angst darin bestand, sich erneut zu verlaufen. „Aber jetzt brauche ich morgens ja nur noch auf euch in der Hotelhalle warten. Wenn ich den Fahrstuhl finde!“ Seinen Humor hatte er nicht verloren.

Die nächste Station war in Muurola mit Besuch der Gletschermühlen, die mitten im Wald liegen. Auf finnisch heißen diese Hiidenkirnut (Hexenlöcher). Während der letzten Eiszeit wurden riesige Löcher in Felsen „geschmirgelt“. Und so konnte man hier glattgeschliffene Trichter in Felsen bewundern.





Diesen Programmpunkt hätte man sich meiner Meinung nach sparen können. Zumal die ersten Reisenden, sobald sie aus dem Bus waren, riefen: “Scheiß Mücken!“ Diese Killermücken hatten nur auf uns gewartet.

Der Programmpunkt war auch relativ schnell abgehakt. Die Leute, die nicht gut zu Fuß waren, scheuten sich, über Stock und Stein kleine Steilhänge oder Treppen nach oben zu klettern, um dann nach unten zu gucken. Es war ganz schön glatt und rutschig.

Nach 30 Minuten saßen alle wohlbehalten wieder im Bus.

Nun gab es eine Programmänderung. Das, was eigentlich für morgen früh geplant war, stand nun schon für heute Nachmittag an. Als Sören uns den Plan erklärt hatte und alle mit der Änderung einverstanden waren, rollte unser Bus Richtung Rovaniemi. Rund 10 Kilometer davon entfernt liegt das „Weihnachtsmann-Dorf“.

Bei wolkenlosem Himmel und 30 Grad Celsius kamen wir also dort an.

Dieses Dorf heißt so, weil Rovaniemi die offizielle Heimat des Weihnachtsmanns ist. Hier im Dorf ist an 365 Tagen im Jahr Weihnachten. Zusätzlich markiert eine weiße Linie den Polarkreis, der mitten durch dieses Dorf verläuft.

Wir stiegen also aus. Ich fragte unseren kleinen Wichtigtuer: „Ist das nicht ein bisschen zu warm?“

Er trug nämlich eine neongrüne Jacke und einen neckisch um seinen Hals geschlungenen Schal (bei 30 Grad?).

„Die Jacke war schon mit in den Tropen!“

„O.K.!“

Das war zwar nicht die Antwort auf meine Frage, aber genau so hatte ich ihn eingeschätzt. Klein und angeberisch. Er war also schon mal in den Tropen. Was soll’s?

Zunächst stellten sich alle Fahrgäste nebeneinander auf und fassten sich gegenseitig an den Händen. Sören wollte das so. Nun standen alle Reiseteilnehmer südlich vor der weißen Linie. Darauf stand ‚Arctic Circle‘, also ‚Polarkreis‘. Auf Kommando von Sören machte die Gruppe einen Schritt nach vorne und alle standen nun auf der nördlichen Seite des Polarkreises. Wir hatten erfolgreich den Polarkreis überquert. Es folgte der interessantere Teil.

Jürgen hatte bereits einige Flaschen Sekt geöffnet. Jetzt gab es für jeden Polarkreisüberschreiter ganz stilvoll Sekt aus Pappbechern. Sören erklärte uns noch, dass alle eine Urkunde bekommen würden, die er uns aber erst am letzten Reisetag aushändigen würde. Das war allen Teilnehmern auch ganz lieb. So konnten die Urkunden bis zum letzten Tag knitterfrei bleiben.

Nun gab es kein Halten mehr. Jeder wollte allein oder mit Partner vor und hinter der weißen Polarkreismarkierung fotografiert werden. Die Kameras und Smartphones wurden hin und hergereicht.

„Kannste mal ‘nen Foto von uns machen?“

Als nächstes Lieblingsmotiv erwies sich die Säule mit der Temperaturanzeige. Das Thermometer zeigte 30 Grad an. Nördlicher Polarkreis und 30 Grad? Irgendwie passte das meiner Meinung nach nicht ganz zusammen. Polarkreis verbinde ich immer mit ‚kalt‘.












Wir hatten noch gut eine Stunde zur Verfügung, schwitzend das Gelände und die Gebäude zu besichtigen. Auf Schritt und Tritt verfolgten uns über Außenlautsprecher Weihnachtslieder. Die Shops sind voll auf Tourismus eingestellt. Selbst die Angestellten laufen mit Nikolausmützen durch die Gegend. In einem dieser Shops sitzt der Weihnachtsmann höchstpersönlich (das habe ich nicht gesehen – das hat man mir erzählt). Und dort kann man sich mit Nikolaus ablichten lassen. Bei 30 Grad. Für schlappe 10 Euro.







Im Weihnachtsmanndorf gibt es außerdem ein Postamt. Hier hat man die Möglichkeit eine Sondermarke kaufen. Wer will, kann diese dann mit einem Sonderstempel versehen lassen. Folgedessen gibt es hier auch einen Weihnachtsmannbriefkasten. Es besteht die Möglichkeit, dass die hier eingeworfene Post so weitergeleitet wird, dass der Nikolaus sie weltweit in der Weihnachtswoche zustellt.






Abschließend fuhren wir weiter nach Rovaniemi. Ankunft im Hotel um 18.30 Uhr. Abend-essen bereits 30 Minuten später. Ich bekam mal wieder ein Doppelbettzimmer. Die Ausstattung war top.

Das Essen ziemlich sparsam und nicht ganz so lecker.
Letzte Änderung: 17 Jun 2020 17:25 von Papa Kenia.
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18 Jun 2020 16:07 #590582
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Hallo,

normalerweise sind Reiseberichte nicht so sehr mein Ding, vor allem, da viele Urlauber gerade für Namibia-Reisen ihre Unterkunftstipps austauschen und die Berichte daher auch fast schon austauschbar sind, weil „alle“ fast die gleichen Routen fahren und die gleichen Unterkünfte ansteuern. Ich lese auch schon lange Zeit kaum noch mal einen.

Dieser Bericht hier (und auch der aktuelle von Topobär über Algerien) sind für mich persönlich wohltuende Ausnahmen und manche Leute haben das Zeug, zu schreiben. Andere haben nur das Schreibzeug. ;-)
Du gehörst definitiv zur ersten Sorte.
Der Bericht zeigt, dass man selbst über eine geführte Gruppenreise einen sehr lesenswerten und unterhaltsamen Bericht schreiben kann.

Meine erste Flugreise habe ich übrigens auch als Gruppenreise gemacht und viele Dinge kommen mir bereits bekannt vor. Manche Leute haben sich immer vorgedrängelt, wussten alles besser und man konnte sich manchmal schämen, dass man zu dieser Gruppe gehörte. Andere kamen nie pünktlich oder haben keine Gelegenheit ausgelassen, sich daneben zu benehmen. Manche hatten sich auch zuvor keine Sekunde über die Reise oder die Gegebenheiten im Land informiert (kommt gerade auch alles in Deinem Bericht genauso vor). Bei meiner Reise war es zudem ein islamisches Land und es war gerade Ramadan.
Das ganze Problem wurde in meinem Fall wohl noch dadurch verschärft, dass es eine Reise im Billigsektor war und die entsprechende Kundschaft anzog. Nun weiß ich, wie es da zugehen kann und bin seitdem lieber alleine unterwegs. Sollte ich auch einmal an Demenz leiden wie Dein einer Reisekumpel, wäre es natürlich wieder eine Option. Dann findet sich in der Gruppe vielleicht jemand, der auf mich aufpasst. ;-)

Mir tut der etwas desorientierte ältere Herr ein bisschen leid. So richtig viel wird er von der Reise nicht gehabt haben außer vielleicht angenehme Gesellschaft, die ihm im Alltag möglicherweise (oder eher wahrscheinlich) fehlt. Jedenfalls schien der ja alleine kaum noch etwas auf die Reihe zu bekommen.
Wenn man in einem solchen Alter Anzeichen von Demenz zeigt und dann ständig anderswo in unbekanntem Umfeld ist, dann ist klar, dass man bald den Überblick verliert und sich nicht orientieren kann.
Auf der anderen Seite ist es natürlich schön, dass er das in diesem Alter und mit diesem Problem überhaupt noch wagt.


Zu der Analogkamera der Mitreisenden habe ich noch eine Frage. Hatten die wirklich noch Rollfilme mit oder einfach die Kleinbildpatronen (bei denen das Filmmaterial ja auch aufgerollt ist). Richtige Rollfilme wurden ja in Mittelformatkameras (Rollei, Mamiya, Hasselblad und Co.) verwendet. Die waren ja ohnehin schon immer eher selten, aber sind nun ja echte Exoten geworden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand heute noch so 'ne Kamera mit auf Reisen nimmt.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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18 Jun 2020 18:23 #590592
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@BikeAfrica

Hallo Wolfgang,
zunächst vielen Dank für Deine netten Worte und für die „Blumen“. Danke.

man konnte sich manchmal schämen, dass man zu dieser Gruppe gehörte.

So weit war es Gott sei Dank nicht. Unterm Strich ging es eigentlich. Ich hatte vor der Buchung auch die allerschlimmsten Befürchtungen.
Andere kamen nie pünktlich oder haben keine Gelegenheit ausgelassen,
Das hat sich eine Frau ein einziges Mal erlaubt. Daraufhin wurde sie vom Fahrer zusammengefaltet. Ob sie denn verantworten könnte, wenn wir die nächste Fähre nicht kriegen und ihretwegen 3 Stunden warten müssen. Das muss wohl gesessen haben.
dass es eine Reise im Billigsektor war und die entsprechende Kundschaft anzog.
Das war bei uns nicht der Fall. Im Gegenteil, Aber gerade die, die meinen etwas Besseres zu sein, sind manchmal die Schlimmsten.
Mir tut der etwas desorientierte ältere Herr ein bisschen leid. So richtig viel wird er von der Reise nicht gehabt haben
Ich glaube, dass er ganz bewusst die Dinge und die Personen wahrgenommen hat. Und auch unter dem Strich die Reise genossen hat. Zumal sich ab dem 3. oder 4. Tag fast alle Grüppchen um ihn gekümmert haben und ihn zum Mitgehen animierten. Auch abends hatte er immer Gesellschaft. Entweder beim Essen oder Spaziergang.
Außer vielleicht angenehme Gesellschaft, die ihm im Alltag möglicherweise (oder eher wahrscheinlich) fehlt.
Da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Er hat uns viel aus seinem Privatleben erzählt.

Zu der Analogkamera der Mitreisenden habe ich noch eine Frage. Hatten die wirklich noch Rollfilme mit oder einfach die Kleinbildpatronen (bei denen das Filmmaterial ja auch aufgerollt ist
Es waren die „Kleinbildpatronen“. Das habe ich falsch formuliert. Aber eine ganze Reisetasche voll?? Das sah schon drollig aus :lol:

Alles Gute und liebe Grüße
Dieter
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