THEMA: Mit dem Reisebus zum Nordkap.
09 Jun 2020 19:23 #590100
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Urlaub! Endlich wieder Urlaub!

Aber etwas ist in diesem Jahr anders. Normalerweise verbringe ich meinen Sommerurlaub immer da, wo das Thermometer mindestens 30 Grad Celsius anzeigt. Auf der Flucht vor dem Massentourismus lande ich daher meistens auf kleinen griechischen Inseln in noch kleineren Hotels oder Apartments. Außerdem war es mir gegönnt, in den letzten Jahren während der Weihnachtszeit in Kenia zu sein.

Und nun sitze ich in einem Bus der augenscheinlich in die falsche Richtung fährt.

Nach Norden. Kurs Skandinavien. Da ist es doch kalt, oder?

Manchmal wird man zu etwas Neuem gezwungen. Etwas machen müssen, das außerplanmäßig ist. Nämlich dann, wenn einem das Leben unverhofft einen Streich spielt, sodass man nicht mehr das machen kann, was man gerne machen möchte.

Diese Situation war jetzt bei mir eingetreten. Aus gesundheitlichen Gründen erteilte mir mein Arzt Flugverbot. Das war’s dann mit Griechenland und Afrika! Plötzlich stand ich vor der Qual der Wahl, wie mein nächster Urlaub wohl aussehen würde.

Durch eine Zeitungsbeilage war ich auf einen Reiseveranstalter gestoßen, der eine 21tägige Skandinavien Rundreise mit dem Bus anbot.

Busreisen hatten mich eigentlich noch nie interessiert. Aber diese Route hörte sich vielversprechend an: Norwegen, Schweden und Finnland. Außerdem waren drei Fahrten mit Fähren und Übernachtung an Bord dabei.

Polarkreis und Lofoten, Nordkap und Mitternachtssonne, das waren so die Schlagworte, die mich veranlasst hatten, über Skandinavien als Urlaubsziel nachzudenken. Sobald ich Reisedokumentationen oder Werbesports von Norwegen sah, bekam ich schon mal Glanz in den Augen. Bilder von Fjorden und Kreuzfahrtschiffen, eingerahmt von hohen Bergen mit riesigen Wasserfällen faszinierten mich schon seit Jahren. Wenn dann noch Polarlichter gezeigt wurden, löste das bei mir positive Herzrhythmusstörungen aus. Ich verspürte eine ungebändigte Lust, einmal Norwegen zu bereisen. Trotzdem hatte ich mich stets für wärmere Regionen entschieden. Da weiß man, was man hat.

Ich beschäftigte mich ausgiebig mit der Reisebeschreibung und der Route. Bereits jetzt konnte man nachlesen, wann man wo in welchem Hotel schläft. Also besuchte ich die Homepage der jeweiligen Hotels und durchforstete ebenfalls die einschlägigen Bewertungsportale. Schlussendlich kam ich zu dem Ergebnis, dass die Hotelauswahl sehr gut war.

Unterm Strich hörte sich eigentlich alles vielversprechend an. Bis auf den Reisepreis. Der war jenseits von Gut und Böse. Da ich Alleinreisender bin, benötigte ich ein Einzelzimmer. Sowohl in den Hotels auf dem Festland als auch auf den drei Fähren. Und eben dieser Einzelzimmerzuschlag war nicht von schlechten Eltern. Hinzu kommt noch, dass Skandinavien sowieso eines der teuersten Pflaster auf diesem Planeten ist.

Nach reiflichen Überlegungen kam ich trotzdem zu dem Ergebnis, dass der Reisepreis zwar heftig, aber für die gebotenen Leistungen gerechtfertigt war. Die Unterkünfte versprachen Gutes. Frühstück und Abendessen sowie alle Eintrittsgelder waren im Reisepreis enthalten. Die Tour wurde außerdem von einem Reiseleiter begleitet. Man will ja nicht nur gucken, sondern auch ein wenig über Land und Leute erfahren.

Wenn nicht jetzt – wann dann? Also buchte ich diese Reise und war einige Wochen voller Vorfreude. Dass ich keine Polarlichter sehen würde, war mir klar. Die sind ausschließlich in der dunklen Jahreszeit zu sehen. Wenn man Glück hat. Aber vielleicht sehen wir wenigstens die Mitternachtssonne.

Die Informationen vor Reiseantritt sowie die Zusammenstellung der Reiseunterlagen waren top! Das Unternehmen bietet ‚Abholung von zu Hause‘ an. Das heißt, man muss nicht zum Firmensitz des Veranstalters oder zu irgendeinem Treffpunkt fahren, um dort in den Bus zu steigen. Man wird tatsächlich von einem Zubringerfahrzeug zu Hause abgeholt und an einen Zusteigepunkt gebracht.

So war es dann auch.
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10 Jun 2020 16:31 #590148
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Tag 1

Morgens um 5.30 Uhr bog ein Shuttlefahrzeug in unsere Hofeinfahrt. Ich stand bereits abmarschbereit vor der Tür. Der Fahrer begrüßte mich freundlich. Er nahm meine Reisetasche sowie die Fototasche und verfrachtete beides in den Kofferraum. Dann wies er mir den Platz neben einem Ehepaar zu, das bereits auf der Rückbank saß. Vorne neben dem Fahrer war noch ein weiterer Reiseteilnehmer.

Wir stellten uns einander kurz vor. Bei ein wenig Smalltalk brachte uns unser Fahrer rund 30 Minuten zur nächsten Autobahnraststätte an der A43. Nach und nach trafen dort noch drei oder vier Shuttlefahrzeuge ein. Wenig später kam auch unser 5-Sterne-Luxus-Reisebus auf den Parkplatz der Raststätte gefahren. Hierin saßen bereits ein paar Urlauber. Einige waren am Heimatort des Busunternehmens eingestiegen. Diese hatten bereits eine Fahrt von zirka 90 Minuten hinter sich.

Andere waren irgendwo in der Gegend von Düsseldorf zugestiegen. Während die Warten-den darauf achteten, dass alle Koffer und Reisetaschen vernünftig verstaut wurden, nutzten manche Mitreisenden diesen Stopp als Zigarettenpause.

Endlich war alles in den Bus geladen. Kurze Zeit später hieß es: „Bitte einsteigen. Wir müssen los.“

Jeder kannte bereits durch die Reiseunterlagen seinen Sitzplatz. Daher gab es keine Rangelei um die vermeintlich besten Plätze. Zudem lag auf jedem Sitz ein Begrüßungszettel mit dem Namen des jeweiligen Reiseteilnehmers. Schon bei der Buchung der Reise bestand die Möglichkeit, einen für seine Belange strategisch wichtigen Sitzplatz zu buchen. Diesen Platz behielt man für die Dauer der gesamten Reise. Hier galt, wer zuerst bucht, der hat die größte Auswahl.

So sitze ich also hier im Bus. Zusammen mit 29 anderen Teilnehmern, die dieselbe Tour gebucht haben. Urlaubsfreude, aber auch eine gewisse Skepsis machten sich in mir breit. Wer weiß, was alles auf mich zukommt? Hoffentlich war diese Bustour die richtige Entscheidung.

Der Bus verfügte über 46 Sitzplätze. Die Sitze waren bequem und boten viel Beinfreiheit. Es gab ein musikalisches Bordprogramm. Toilette und Kühlschrank waren ebenfalls vorhanden. In jeder Sitzreihe gab es Steckdosen. So konnte man während der Fahrt die Akku von Kameras oder Handy aufladen. Außerdem gab es auch noch WLAN-Zugang an Bord.

Ich hatte bei der Buchung einen Fensterplatz gewählt und der ältere Herr, der bereits bei meiner Abholung im Shuttlebus vor mir saß, wurde mein Sitznachbar. Wir stellten uns einander noch mal vor.

„So, da sind wir ja wieder zusammen, was? Also noch mal: Ich bin der Hermann.“

„Und ich der Dieter. Dann mal auf gute Nachbarschaft. Schon mal in Norwegen gewesen? Oder sonst wo in Skandinavien?“

„Nein, noch nicht.“

„Ich auch nicht. Das ist meine erste Tour zum Norden. - Ich will dir ja nicht zu nahetreten. Wie alt bist du eigentlich?“

„86.“

„Wow, danach siehst du aber nicht aus.“

Hermann sah gut aus. Groß und kräftig. Sein Alter sah man ihm wirklich nicht an. Bei ein wenig Plauderei harrten wir der Dinge, die da kommen würden.

Rechts von uns saß eine ältere Frau. Nur der Mittelgang trennte sie von Hermann. Sie hatte wohl mitbekommen, dass Hermann und ich uns einander vorgestellt hatten.

„Ich bin Hildegard“ rief sie gedämpft zu uns herüber. „Ihr könnt aber ruhig ‚Hille‘ zu mir sagen. Das sagen alle.“ Hille hatte es sich richtig gemütlich gemacht. Sie hatte Reihe acht für sich allein.

Es folgten ein paar Sätze des Abtastens. Und dann war das Thema vorerst auch erledigt. Schließlich wollten wir nicht den ganzen Bus unterhalten.

Bevor wir endgültig losfuhren, stellte sich unser Fahrer über die Bordanlage als Jürgen vor. Er gab uns einige Informationen über den Bus und über die Verhaltensweise im unwahrscheinlichen Falle eines Unfalles. Daran mochte nun wirklich niemand denken. Außer Hille. Sie war ganz aufgelöst als Jürgen erklärte, wo man einen Nothammer findet, um damit im Fall der Fälle die Scheiben einzuschlagen. „Das ist ja schlimmer als im Flugzeug. Und anschnallen muss man sich auch?“

Um 6.30 Uhr setzte sich der Bus Richtung Kiel in Bewegung.

Nun lagen rund 7600 Buskilometer sowie drei Fahrten mit Fähren vor uns. Diese Angabe hatten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht auf dem Plan.

Es wurde diesig und einsetzender Nieselregen dämpfte meine Laune ein wenig. In Griechenland ist das Wetter bestimmt besser. Bis Kiel waren es aber doch noch ein paar Kilometer. Vielleicht hört es bald auf zu regnen.

Kurz vor Bremen hielt Jürgen noch mal an einer Autobahnraststätte. Hier nahmen wir die letzten beiden Mitreisenden an Bord. Die Raucher nutzten diese Gelegenheit und stürzten aus dem Bus, um sich die Lungen noch mal voll zu hauen.

Jetzt waren wir einschließlich Fahrer 33 Personen. Wie wir später erfuhren, hätten es eigentlich zwei Personen mehr sein sollen. Ein Ehepaar hatte in allerletzter Minute die Reise abgesagt. Normalerweise sind diese Skandinavien Touren fast immer ausgebucht. Dieses Mal haben wegen der Fußballweltmeisterschaft wohl doch einige Leute ihren Urlaub anders geplant. Daher gab es einige freie Sitzplätze im Bus.

Die Autobahnen waren voll und die Baustellen waren wahrscheinlich nur eingerichtet worden, um uns zu ärgern. Es machte keinen Spaß sich durch diesen Verkehr zu quälen. Unser Fahrer fuhr zweimal von der Autobahn ab, um über Landstraßen den Stau bzw. zähen Verkehr zu umgehen. Mit dem Ergebnis, dass bei der nächsten Auffahrt die Fahr-zeuge erneut vor uns waren, die wir vorher auch vor uns hatten. Das brachte also gar nichts. Die Zeit lief uns davon. Mehr als einmal kam mir der Gedanke, dass wir unsere Fähre in Kiel nicht rechtzeitig erreichen würden.

Meine Bedenken waren grundlos. Um 12.15 Uhr hielt unser Bus in Kiel am Norwegenkai. Genau neben der Color Magic.





Petrus meinte es gut mit uns. Je näher wir Kiel gekommen waren, desto besser wurde das Wetter. Es hatte aufgehört zu regnen. Alle Reisenden kletterten bei herrlichstem Sonnenschein aus dem Bus. Die Ersten hielten sofort ihre Kameras im Anschlag. Die Fähre sah aber auch wirklich beeindruckend aus. Auf so einem Teil bin ich noch nie mitgefahren. Die Color Magic hat Ausmaße wie ein Kreuzfahrtschiff.

Jürgen ging kurz zum Terminal der Color Line, um unsere Tickets zu holen. Danach erklärte er uns, wo der Check-in-Schalter ist. Jeder Mitreisende erhielt nun sein Schiffsticket von ihm, das gleichzeitig auch als Schlüssel für die Kabine diente. Dann bekamen wir die Info, dass sich alle zum gemeinsamen Abendessen um 17.30 Uhr vor dem Restaurant ‚Grand Buffet‘ auf Deck sechs einfinden sollten. Er würde den Bus jetzt auf die Fähre fahren und uns irgendwann an Bord wieder treffen. Spätestens zum Abendessen.

Bereits in den Reiseunterlagen, die die Teilnehmer rund eine Woche vor Reiseantritt bekommen hatten, wurde darauf hingewiesen, nach Möglichkeit nur mit kleinem Gepäck an Bord zu gehen. Also wirklich nur die Sachen mitnehmen, die man für eine Nacht benötigt. Die Koffer konnten im Bus bleiben. Wer sich an diesen Ratschlag gehalten hatte, brauchte jetzt nur noch ein Täschchen oder einen Rucksack zu tragen. Es gab allerdings auch Ehepaare, die schoben mit jeweils zwei Koffern pro Person zum Color Line Terminal.

Nach ein wenig Warterei im Gebäude wurde der Check-in-Schalter geöffnet und die Menschenmasse setzte sich in Bewegung. Hallo? Wieviel Leute wollen denn hier mitfahren? Wie wir später erfuhren, war die Color Magic restlos ausgebucht. Demnach müssen 2700 Passagiere an Bord gewesen sein.

An Bord der Fähre erklärte uns eine Mitarbeiterin den Weg zu unseren Kabinen. Zunächst war ich von der Atmosphäre völlig geplättet. Man kennt zwar jede Menge Filme oder Reiseberichte über Kreuzfahrtschiffe. Aber jetzt mitten drin zu sein? Das hatte etwas. Trotz der riesigen Menschenmenge ging alles recht gesittet zu. Kein Gedränge, kein Geschubse. Eigentlich sah man nur fröhliche und erwartungsvolle Gesichter.

Ich benutzte einen der großen, gläsernen Fahrstühle und machte mich an Deck 11 auf die Suche nach meiner Kabine. Das war gar nicht so einfach und ich bekam sofort einen Eindruck von der Größe der Fähre. Da war sie endlich: Kabine Nummer 11936.





Die Kabine war ausreichend groß, alles schien sauber und ordentlich zu sein. Sie machte einen guten Eindruck. Auch das Bad war in Ordnung. Zwar klein, aber fein. So weit, so gut. Das passte! Kurz ein Blick durch das Bullauge. An der gegenüberliegenden Kaimauer lag eine Fähre der Stena Line.



Ich machte mich Richtung Deck 13 auf den Weg. Ein strahlend blauer Himmel und wohl-tuende Wärme empfingen mich hier auf dem Sonnendeck. Der Blick über die Stadt und den Hafen war großartig. Eine leichte Brise wehte mir um die Ohren. Viele Passagiere lümmelten sich in Liegestühlen oder hielten an der Reling ein Schwätzchen. Einige hielten ihre Kamera in der Hand und filmten oder fotografierten. Immer wieder hielt ich Ausschau nach vermeintlichen Mitreisenden. Aber während der paar Stunden Busfahrt hatte ich mir noch keine Gesichter einprägen können. Die meiste Zeit hatte ich sowieso nur die Hinterköpfe der Reisenden gesehen. Und bei weit über 2000 Passagieren wäre es auch ein Wunder gewesen, hier an Deck jemanden zu finden. Auch von Hille und Hermann keine Spur.





Pünktlich um 14 Uhr lief die Color Magic mit Kurs Oslo aus. 370 Seemeilen lagen nun vor uns. Nach 20 Stunden Fahrt sollte die Color Magic morgen früh in Oslo ankommen.

Kurz vor halb sechs traf sich unsere Gruppe wie vereinbart vor dem ‚Grand Buffet‘. Jürgen wartete bereits auf uns. Als endlich vermeintlich alle Reiseteilnehmer anwesend waren, gingen wir hinein.

Ich war beeindruckt. Das Restaurant war groß und stilvoll eingerichtet. Holz und Messing dominierten. Ein wenig erinnerte mich die Einrichtung an Filme, die von den goldenen 50er Jahren handelten. Kurz hinter dem Eingang spielte eine Pianospielerin in dezenter Lautstärke ‚Fernando‘ von ABBA.





Im vorderen Bereich standen 2er, 4er und 6er Tische. Teilweise geschickt durch Raumteiler abgetrennt. Im hinteren Bereich waren für Reisegruppen einige Tische reserviert. Uns wurden drei größere Tische zugewiesen. Nachdem jeder seinen Platz gefunden hatte, ging das gegenseitige ‚Beschnuppern‘ los. Man wurde in ein paar Einzelgespräche verwickelt.

„Ich bin der….“.

„Und ich bin die.…“.

„Kannst ruhig…..zu mir sagen.“

Nach ein paar Minuten hatte man die Namen sowieso wieder vergessen. Es waren zu viel neue Gesichter und zu viel Eindrücke, die auf einen niederprasselten. Nur mit meinen direkten Tischnachbarn war ich schnell per ‚Du‘. Wir lagen sofort auf einer Wellenlänge.

Das Essen gab es vom Buffet. Das waren schon einige Meter, die man abschreiten musste, um sich die lukullischen Leckerchen zu holen. Die Auswahl war reichlich und es schien allen ausgezeichnet zu schmecken. Die Getränke wurden am Tisch bestellt und mussten auch sofort bezahlt werden. Hier bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf die Alkoholpreise in Norwegen. Mehr als fünf Euro für 0,4 Liter Bier?! Heftig. Bereits morgen sollte uns aber klar werden, dass das hier noch ein Schnäppchen war.

Kurz nach 18 Uhr passierte unsere Fähre die Storebæltbrücke. Das ist die Brücke, die zwischen Seeland und Fünen über den Großen Belt führt. Schlagartig wurde es an den Fenstern des Restaurants voll. Viele wollte dieses imposante Bauwerk sehen und fotografieren.



Nach dem Abendessen ging so ziemlich jeder seiner Wege. Mich zog es noch mal nach draußen. Wenn man eine windstille Ecke erwischt hatte, war es sehr angenehm an Deck. Nach und nach traf man doch einige Mitreisenden hier oben. Noch kannten wir uns ja gar nicht so richtig. Sich 31 neue Gesichter seiner Mitreisenden zu merken, das ist wahrlich nicht so einfach.

Zu vorgerückter Zeit wurde es doch ziemlich frisch und ich begab mich auf Ebene sieben. Vor der ‚Monkey Bar‘ saßen die beiden, die mir heute beim Abendessen gegenüber gesessen hatten.

„Komm, setz dich zu uns.“

Gerne folgte ich der Aufforderung und gesellte mich zu ihnen. Wir hatten uns ja bereits beim Abendessen schon gut unterhalten. Die beiden waren Claudia und Peter.

Wir hatten einen schönen Blick auf die Promenade und die anderen Gäste, die an unserem Tisch vorbeischlenderten. Hier war ein Betrieb wie auf der KÖ in Düsseldorf.

Kurz darauf kam mein Sitznachbar Hermann auf uns zu.

„Komm zu uns und setz dich. Oder hast du etwas Besseres vor?!“

Erst jetzt fiel mir auf, dass er gar nicht beim Abendessen gewesen war.

„Wo warst du denn heute Abend? Warst du nicht beim Abendessen? Ich hab‘ dich gar nicht gesehen.“

Er stellte sich den beiden anderen als Hermann vor.

„Ich habe das Restaurant nicht gefunden und bin planlos durchs Schiff gelaufen. Gefragt habe ich niemanden, die sprechen ja doch nur englisch. Aber jetzt habe ich euch ja entdeckt.“

Hermann erkundigte sich, wie er morgen zum Ausgang kommt.

„Wo steigen wir denn morgen aus?“

„Immer nur der Menschenmenge hinterher! Die steigen morgen alle in Oslo aus!“, meinte Claudia.

„Und wo wird gefrühstückt? Ich weiß immer noch nicht wo das Restaurant ist.“ Hermann guckte fragend in die Runde.

„Komm, ich zeige es dir“ meinte Claudia. „Es sind nur ein paar Meter“.

Die beiden gingen zum Restaurant und waren nach wenigen Minuten wieder zurück. Hermann schien nun beruhigt zu sein.

Danach entwickelte sich ein nettes Gespräch. Eine Zwei-Mann-Band spielte Oldies. Der Song ‚Have you ever seen the rain?‘ von Creedence Clearwater Revival animierte uns zum leisen Mitsingen. Irgendwann holte uns die Müdigkeit ein. Da wir vier allesamt auf Deck 11 untergebracht waren, konnten wir Hermann bis zu seiner Kabine begleiten. Er hatte keinerlei Orientierungssinn mehr. Es war ein gelungener Abend.

Ab in die Koje. Der Tag war lang genug.
Letzte Änderung: 10 Jun 2020 16:58 von Papa Kenia.
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11 Jun 2020 13:42 #590186
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Tag 2

Teil 1

Der nächste Morgen. Auch ohne Wecker war ich bereits um 4.30 Uhr wach. Verschlafen sah ich durch das Bullauge. Der Himmel war wolkenlos. Die aufgehende Sonne tauchte den Himmel in goldgelbes Licht. Ich wälzte mich noch einige Male hin und her, um dann doch aufzustehen. Bereits um kurz vor 6 Uhr inspizierte ich das Schiff. Außer mir waren um diese Uhrzeit doch schon ein paar andere Frühaufsteher unterwegs.

Die 160 Meter lange Shoppingmall herunterzugehen, ohne dass man angerempelt wurde, das hatte was. Aus den Lautsprecherboxen ertönte leise Vogelgezwitscher. Wie dekadent ist das denn? In aller Seelenruhe konnte ich einige Fotos machen. Sogar ohne Touristen.





Ich ging ich auf das Oberdeck. Die Sonne schien. Es war nicht nur frisch, es war sogar richtig kalt. Daher begab ich mich recht schnell wieder unter Deck, zumal die Crew auch begann, das Deck abzuspritzen und zu säubern.

Ab sieben Uhr gab es Frühstück.



Nach und nach füllte sich der Speisesaal. Einige unserer Gruppe setzten sich an meinen Tisch; andere wollten lieber allein sein und verzogen sich an einen Zweiertisch. Das Frühstück war ausgezeichnet. Aber mit solchen Dingen halte ich mich nicht lange auf.

Die Einfahrt in den Oslofjord zu genießen war mir doch wichtiger als noch ein dritter Kaffee. Also schnell wieder hinauf auf das Sonnendeck. Zu beiden Seiten der Fähre gab es jede Menge Fotomotive.





Ich blieb noch geraume Zeit hier oben und genoss den Anblick der vorbeiziehenden Landschaft. Die kleinen Inseln. Die bunten Häuser. Es war herrlich.

Um 10.15 Uhr legte die Color Magic im Hafen von Oslo an.



2700 Passagiere setzten sich in Bewegung. Man schwamm förmlich mit im Strom der Massen. Alle Mitreisenden unserer Reisegruppe sollten sich am Parkplatz sammeln. Mittlerweile kannte man den ein oder anderen Mitreisenden doch schon ein wenig besser. Nach und nach trafen alle Teilnehmer am Treffpunkt ein. Bis auf einen. Hermann. Wo war der denn? Peter lief suchend durch die Menschenmenge, in der Hoffnung, irgendwo Hermann zu finden. Anschließend gingen wir zu zweit los. Nachdem mehreren Runden vergeblichen Suchens gaben wir auf. Da kam unser Bus. Hinter dem Bus lief ein Mann auf uns zu, den niemand kannte. Und hinter diesem lief – Hermann. Und zog seinen Koffer hinter sich her.

Jürgen parkte den Bus schräg vor uns. Der Fremde und Jürgen begrüßten sich herzlich. Die schienen sich schon länger zu kennen. Der Fremde wurde uns nun als Sören vorgestellt. Unser Reiseleiter für die nächsten drei Wochen. Sören ist Norweger und arbeitet im Laufe eines Jahres mehrfach für unseren Reiseveranstalter.

Als endlich alle Koffer und Reisetaschen im Bus verstaut waren, stiegen die Mitreisenden ein.

Jürgen hatte mitbekommen, dass Hermann und ich nebeneinander sitzen. Daher winkte mich noch kurz zu sich: „Können Sie bitte soweit wie möglich ein Auge auf Herrn König halten?“

„Warum?“

„Herr König hat einen totalen Blackout“, meinte Sören. Der ist vom Schiff runter. Allerdings nicht mit dem Menschenstrom links runter Richtung Ausgang, sondern auf seltsame Weise ist er in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Und stand plötzlich da hinten am anderen Ende vom Gebäude“, sagte Sören. „Der war völlig verstört.“

‚Im Bus soll das ja kein Problem sein. Ansonsten wollte ich wie alle anderen auch urlauben.‘

Das waren so meine Gedanken. Die Rundreise ging jedoch reibungsloser über die Bühne als wir zu diesem Zeitpunkt dachten.

Die Schilderung von Sören wurde noch schlimmer.

„Ich war zufälligerweise vor dem Gebäude und habe ihn angesprochen. Zumal Herr König einen Kofferanhänger von unserem Veranstalter an seinem Koffer hat. Der ist total durch den Wind. Er wollte nur noch nach Hause. Der weiß noch nicht einmal, dass wir hier in Norwegen sind und wie er hierhergekommen ist. Ich habe ihm gesagt, dass er mit uns jetzt diese Rundreise machen muss. Ich vermute mal, das sind die ersten Anzeichen von Alzheimer. Herr König hatte letztes Jahr schon solche Aussetzer gehabt“, schilderte Sören.

Häää? Wie, letztes Jahr? Ich denke, der war noch nie in Skandinavien? Das hat er mir doch gestern im Bus erzählt. Nun wusste ich gar nichts mehr. Hielt aber im Moment meine Klappe. Und wurde auch langsam von Jürgen in den Bus bugsiert.

Die Gruppe war reisefertig. Jürgen fuhr los. Sören übernahm das Mikrofon. Er stellt sich noch mal kurz vor und gab ein paar persönliche Infos über sich preis. Die Tour begann sofort mit der Stadtrundfahrt.



Aus Sören sprudelten die Informationen nur so heraus. Daher bot sich keine Gelegenheit, Hermann zu fragen, wie er denn abhandengekommen sei. Schließlich wollte ich die Durchsagen nicht stören.

Um die Mittagszeit hielten wir am Wikingermuseum. Für die Besichtigung wurde uns eine Stunde Zeit eingeräumt. Zunächst wurden jedoch an alle Mitreisenden Empfangsgeräte von sog. Personenführungsanlagen ausgehändigt. Diese Teile kann man sich um den Hals hängen oder in der Hand halten. Der Vorteil dieser Dinger ist, dass man sich ruhig einige Meter vom Reiseführer entfernen kann. Man hört ihn trotzdem über dieses Empfangs-gerät. Vorausgesetzt, man hat den Kopfhörer auch eingestöpselt und das Mikro des Rei-seführers funktioniert.

Sören gab uns noch einige Informationen zum Museum. Wer wollte, konnte sich in einem Nebenraum einen ca. 10minütigen Film über das Leben der Wikinger ansehen.









Nach 40 Minuten war ich mit meinem Rundgang durch und traf am Eingang auf Hermann. Nun konnte ich mich erstmals mit ihm unterhalten.

„Was war denn los?“

„Keine Ahnung. Ich weiß nichts mehr. Ich weiß nicht wo ich bin. Ich weiß nicht was wir machen.“

„Weißt du noch, was gestern Abend war? Dass du mit Claudia und Peter und mir zu-sammen warst?“

„Absolut nicht!“

„Kannst Du dich denn erinnern, dass ihr mich gestern mit einem Shuttlebus zu Hause abgeholt habt und dass wir dann alle Mann mit dem Bus nach Kiel gefahren sind?“

Er schaute mich verständnislos an.

„Nein.“

„Weißt du denn wo wir sind?“

„Nein“.

Behutsam erklärte ich ihm, dass wir uns auf einer Rundreise durch Norwegen, Schweden und Finnland befinden. Dass unsere Reise erst soeben erst begonnen hat und dass die Rundreise noch fast drei Wochen dauern würde.

„Wir sind in Norwegen?“

„Ja, in Oslo. Warst du schon mal in Norwegen oder überhaupt in Skandinavien?“

„Nein.“

Hmm. Fängt Alzheimer so an? Sören hatte vorhin etwas anderes behauptet. Ich war einigermaßen ratlos.

„Ich verstehe das alles nicht mehr. Das ist mir noch nie passiert, dass ich irgendwo stehe und nicht mehr weiß, was los ist. Ich war vorher auch noch beim Arzt und habe gefragt, ob ich denn so eine lange Rundreise wohl machen könnte. Der meinte, dass wäre überhaupt kein Problem.

Kann ich mich denn die nächsten Tage an dich halten? Ich kenne doch außer dir noch niemanden. Ich habe Panik, dass ich mich noch mal verlaufe.“

Als ich ihm sagte, dass ich so weit als möglich auf ihn aufpassen würde, war er ein wenig beruhigt.

Die Stunde war rum. Wir stiegen in den Bus und fuhren zum Vigelandpark.

Wie bereits erwähnt, war Hille auf der anderen Seite des Mittelganges Hermanns direkte Nachbarin. Irgendwie war sie unentwegt am prömmeln.

„Ich habe gedacht, wir gehen auch mal in die Stadt. Stattdessen geht es nun zu so einem blöden Park?! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Parks ich in meinem Leben schon gesehen habe. Die sehen doch sowieso alle gleich aus. Ich bleibe sitzen und fahre mit Jürgen rüber zum Parkplatz. Das habe ich mit dem schon klar gemacht.“

Unser Bus hielt an der Nordwestseite des Parks. Im Park stehen rund 200 Skulpturen, viele davon aus Granit. Diese wurden von dem Bildhauer Gustav Vigeland (1869-1943) entworfen. Nach ihm wurde der 32 Hektar große Park benannt.






Der Rundgang lief so richtig reisegruppenmäßig ab. Wie man es aus dem Fernsehen kennt. Sören voran. Und alle anderen hinterher. Sören gab laufend lautstark Erklärungen zum Park und zu den Figuren. Er beantwortete jede Frage, die aus der Gruppe kam. Wir ließen uns durch den Park treiben. Dieser Park mit seinen Skulpturen ist ein Touristenmagnet und ich hoffte, dass nicht allzu viele Reisegruppen aus Japan oder Korea da waren. Unsere Gruppe reichte mir schon. Einige Leute blieben vor fast jeder Skulptur stehen, damit man vom Partner mit dieser wunderschönen Figur fotografiert werden konnte. Immer das gleiche Bild. Linker Arm hoch. Foto. Rechter Arm hoch. Foto. Linkes Bein hoch. Foto. Beide Beine hoch. Foto.

Ich bevorzuge es, stets Fotos ohne Touristen zu knipsen. Schließlich möchte ich auch nicht in irgendwelchen Foren oder bei Facebook zur Schau gestellt werden. Dieses touristenlose Bildermachen ist schon fast eine Marotte von mir und spornt mich zu Höchstleistungen an. Oft musste ich geduldig warten, bis sich alle Mitreisenden gegenseitig fotografiert hatten.



Irgendwann gelang es mir dann doch, nur Figuren, also die aus Stein, aufs Foto zu bekommen. Anschließend hatte ich genug damit zu tun, wieder rechtzeitig zur Reisegruppe aufzuschließen.





Bittere Wahrheit! Oder: Finde die 37 Fehler!


Letzte Änderung: 11 Jun 2020 14:02 von Papa Kenia.
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Kurz vor Ende der Stadtrundfahrt stoppte der Bus noch am Hafen. Wir stiegen aus und hatten rund 30 Minuten für einen kleinen Rundgang Zeit.





Gegen 16 Uhr war endlich Endstation am Hotel. Sören holte an der Barception unsere Zimmerschlüssel ab. Barception deshalb, weil Rezeption und Bar eins waren. Hier konnte man ein- und auschecken und gleichzeitig Drinks bekommen.

Vor dem Hotel wuchtete Jürgen die Koffer aus dem Bus. Bis jeder seinen Zimmerschlüssel von Sören in Empfang genommen hatte verging doch so einige Zeit. Und da jeder der Erste sein wollte, der den Fahrstuhl erwischt, gab es davor ein ganz schönes Gedränge. Alle wollten auf ihre Zimmer und Fußball schauen. Heute lief Deutschland gegen Südkorea.

Ich bekam noch mit, dass Hille Hermann erklärte, dass er kurz vor 19 Uhr wieder hier unten im Foyer sein sollte.

Lass die anderen ruhig laufen! Gerdi, Lisbeth und ich strebten zur Theke und machten uns erst einmal miteinander bekannt. Ob die beiden Schwestern waren, Freundinnen oder ein Pärchen, das erschloss sich mir nicht. Unterhalten konnte man sich mit ihnen gut. Und nett waren sie auch. Dann bestellte sich jeder ein Willkommensbier.

„99 NOK (norwegische Kronen)“, sagte der Mann hinterm Tresen.

„Für alle drei?“

„Nein, für eins!“

Ein 0,5-l-Glas gezapftes Bier für umgerechnet rund 9,30 Euro? Willkommen in Norwegen!

Nachdem unsere Gläser leer waren und wir uns nett unterhalten hatten gab es auch kein Gedränge mehr am Fahrstuhl. Jetzt konnten wir also die Zimmer in Beschlag nehmen.

Meins lag im dritten Stock. Es war schlicht und zweckmäßig eingerichtet. Das Bett war sehr breit und wie sich später herausstellte - auch bequem. Hier kann man es gut eine Nacht aushalten. Ich fackelte nicht lange, stellte meine Reisetasche in die Ecke, nahm meine Kamera und ging zum Hafen.

Das Hotel liegt direkt gegenüber der alten Börse und ist nur durch eine Straße vom Hafen entfernt. Kurz dahinter befindet sich eine der Sehenswürdigkeiten von Oslo. Die Oper. Die hatten wir vorhin beim letzten Halt ja schon aus größerer Entfernung bewundern können. Das Gebäude ist schon sehr beeindruckend. Von innen und außen. Für die Besichtigung brauchte ich gut eine Stunde.







Nach dem Opernbesuch war mein nächstes Ziel die Festung Akershus. Die erreichte ich kurz vor 18 Uhr. Schnell noch ein paar Bilder auf den Speicherchip bannen und dann zurück zum Hotel.





Mittlerweile zeigte das Thermometer 29 Grad Celsius an. Ziemlich platt von Hitze und vom vielen Laufen ging ich zum Hotel zurück. Was mir in dieser ersten Stunde positiv auffiel, war, dass Oslo eine sehr saubere Stadt ist. Kein Müll in den Straßen. Keine Plastiktüten. Keine Schmierereien an den Hauswänden. Auch die skandinavischen Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll und halten tatsächlich sofort an, sobald ein Fußgänger oder Radfahrer Anstalten macht, die Straße zu überqueren.

In Deutschland eigentlich unvorstellbar. Da wird höchstens Gas gegeben und gehupt, damit der Passant auch schneller läuft. Norwegen – da hast du uns einiges voraus! Hochachtung! Da können die Deutschen noch einiges lernen.

Das Hotel war schon fast in Sichtweite. Da sah ich einige Männer, die hier an der Promenade herumlungerten. Einer von ihnen hatte ein Smartphone. Ich bekam mit, dass er die Fußballergebnisse abrief. Kurzerhand sagte ich „Hallo“ und fragte nach dem Ergebnis des Deutschlandspiels. Sie grinsten mich hämisch an:

„Deutschland ist raus. Hat 2:0 verloren.“

Blödmann!

Sie lachten hinter mir her als ich weiterlief. Das ärgerte mich aber nicht sonderlich. So konnte ich nunmehr den restlichen Urlaub genießen, ohne auf Spielpläne zu achten und unterwegs nach eventuell vorhandenen Fernsehgeräten Ausschau zu halten. Also rein in den Fahrstuhl und ab aufs Zimmer. Ganz schnell noch unter die Dusche und dann wieder mit dem Fahrstuhl runter in die Lobby. Um rechtzeitig mit den anderen um 19 Uhr zum Abendessen zu gehen. Welch ein Stress.

Sören hatte uns unterwegs informiert, dass für unsere Gruppe in einem Lokal Tische für ein gemeinsames Abendessen reserviert wären. Der Weg dahin würde ca. 20 Minuten dauern.

„Wenn einer von ihnen nicht gut zu Fuß ist, kann ich gerne ein Taxi für ein paar Leute bestellen.“

Natürlich gab sich kaum einer die Blöße, dass man diese läppischen 20 Minuten nicht durchstehen könnte. Außer einigen relativ gesunden Leuten hatten wir in unserer Gruppe Leute mit ‚Rücken‘, Leute mit ‚Meniskus‘ oder ‚Hüfte‘ und mit ‚Ganzkörper‘. Und Hille.

Eigentlich hätte das die komplette orthopädische Station 3b aus dem Elisabeth Hospital sein können.

Sören bestellte ein Taxi, welches einige Minuten später eintraf. In das Taxi kletterten nun: 2x Hüfte, 1x Rücken und Hille. Was Hille so richtig hatte wusste keiner. Hille war halt nur zu faul zu laufen. Irgendwie schien es, als ob sie auch ein wenig gehbehindert wäre, aber wenn sie mal lief, dann war sie nicht mehr zu halten. Sie lief eben nicht gerne. Sie maulte lieber.

Laufen ist ja sowieso doof.

Sören gab dem Taxifahrer die Adresse unseres Lokals und danach für die restlichen Urlauber den Startschuss. Sören spurtete los. Und alle hinterher.

Norwegen ist anscheinend auch eines der Länder, wo Maßeinheiten weit von der Norm abweichen. In Griechenland ist es beispielsweise so, dass Kilometer mindestens doppelt so lang sind als in Deutschland. Einen griechischen Kilometer zu Fuß zurückzulegen, dauert knappe 30 Minuten! Das sind meine eigenen Erfahrungswerte.

Eine kenianische Minute – und das wird generell für Afrika gelten – kann bis zu einer Stunde dauern.

Norwegen ist eine Mischung von beidem. Entweder sind hier die Minuten kürzer oder die Strecke länger oder umgekehrt?!

Jedenfalls kann man in 20 norwegischen Minuten viel weiter laufen als in deutschen. Erst recht, wenn man einen Sören als Reiseführer hat. Das hatte nichts von Abendbummel. Es erinnerte mich eher an Geländeritt ohne Pferd.

Sören lotste uns durch die Fußgängerzone. Alle Lokale und Restaurants waren rappelvoll. Die Außenbestuhlung der Lokale war komplett besetzt. Wir wären gerne ein wenig langsamer gegangen und hätten die Atmosphäre genossen. Aber Sören hielt nichts von langsam. So trafen die Beschwerdefreien als erste am Lokal ein. Die restlichen fuß-, lungen- oder hüftkranken kamen nach und nach röchelnd am Ziel an.

Das Restaurant war nett. Es strahlte eine gemütliche Atmosphäre aus. Das Mobiliar war ziemlich rustikal.

Hille war dank Taxi natürlich schon vor uns da und musste erst mal vor dem Restaurant Nikotin inhalieren bevor sie zu uns aufschloss. Da sie nun als Letzte ins Lokal kam, hatte sie irgendwie den Anschluss verpasst und saß auf einmal allein an einem Tisch. Alle übrigen Plätze waren bereits belegt. Gott sei Dank setzte sich Jürgen zu Hille. Sören stieß später auch noch zu den beiden.

Ein Einheitsessen war für uns bestellt und es wurde es ein schöner Abend. Claudia, Peter, Hermann und ich saßen an einem Tisch und ließen es uns gutgehen. Hier hinterfragten Claudia und Peter, warum Hermann heute Morgen einen Blackout hatte. Hermann stand, soweit es ging, Rede und Antwort. Man merkte, dass ihm das peinlich war und dass ihm immer noch der Durchblick fehlte.

Zu vorgerückter Stunde mahnte Sören doch zum Aufbruch und bezahlte für alle. Die Meisten von uns wollten mit vollem Magen diese Rennerei kein zweites Mal mitmachen. Wir meldeten uns bei Sören ab, ließen ihn laufen und schlenderten wie auch noch drei oder vier andere Grüppchen in Ruhe Richtung Hotel hinterher.

Wann wir zur Ruhe gekommen sind, weiß ich nicht. Jedenfalls war es ganz schön spät. Und noch ganz schön hell.

Gute Nacht!
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12 Jun 2020 17:08 #590255
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  • Papa Kenia am 09 Jun 2020 19:23
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Tag 3

Ab 6.30 Uhr gab es bereits Frühstück. Meine Fotos dokumentieren, dass ich die ersten Bilder mit meiner Kamera bereits um 6 Uhr gemacht habe.

Brauchen alte Leute nicht mehr so viel Schlaf? Vielleicht war ich aber auch so früh wach, weil es bereits seit 5 Uhr taghell war. Während der ganzen Rundreise ließ ich mich gern vom Morgenlicht wecken und verdunkelte nachts die Zimmer nicht. Außerdem hatten wir Vollmond. Und Vollmond bringt mich immer um meinen Schlaf.

Noch weniger Schlaf als ich benötigt anscheinend Bernhardine. Wie sie mir gestanden hat, ist sie schlafgestört. Sie bleibt jede Nacht bis ein oder zwei Uhr wach, weil sie nicht schlafen kann. Legt sich dann hin. Und ist bereits um sechs Uhr wieder munter.

„Das ist ganz großer Mist. Man weiß nachts nicht, was man noch machen soll! Den ganzen Schwachsinn im Fernsehen kann man sich nachts doch nicht angucken. Und morgens würde ich viel lieber pennen als sechs Uhr aufstehen. Ich möchte mal einmal im Leben wieder acht Stunden am Stück durchschlafen können.“

Und so traf ich fast jeden Morgen bei meinen Rundgängen auf Bernhardine. Die ebenfalls so früh die Umgebung inspizierte.

Allerdings war Bernhardine immer schnell fertig mit ihrem Rundgang. Sie eilte im Sturm-schritt 300 m geradeaus, 300 m nach links, 300 m nach rechts und wieder zurück. Fertig!! Alles gesehen!

Nach meinem etwas intensiveren Rundgang ging ich direkt zum Speisesaal und setzte ich mich zu Claudia und Peter. Kurz nach mir kam Hermann. Er schien sich einigermaßen berappelt zu haben. Wir frühstückten in aller Ruhe.

Der Speisesaal machte auf mich einen leblosen Eindruck und erinnerte mich wegen der gelben Tische und Stühle an eine Eisdiele. Das Frühstücksbuffet war jedoch reichhaltig und es schmeckte uns sehr gut.

Kurz vor 8 Uhr hatte Jürgen seinen morgendlichen Einsatz und hievte alle Koffer und Reisetaschen in den Bus. Die Männer schoben ihm die Koffer hin.

Einer war ganz vorne mit dabei. Er hieß nicht nur „Klein“. Er war es auch. Der Kleinste aus unserer Gruppe. Er fiel mir in den nächsten Tagen noch mehrfach negativ auf. Egal wann und wo, er musste immer der Erste sein. Und er gab Jürgen ständig Anweisungen, wo seine Koffer zu stehen hatten.

Kurz nach 8 Uhr verließen wir Oslo mit Ziel Stockholm.

Die Sonne schien. Es wurde wärmer. Gegen 9.45 Uhr zeigte die Digitalanzeige im Bus eine Außentemperatur von 27 Grad Celsius an. So ganz nach meinem Geschmack.

Hille war neben uns wieder am prömmeln:

„Können wir nicht noch ein bisschen hierbleiben? Es ist doch so schönes Wetter. Wohin fahren wir jetzt eigentlich?“

„Nach Schweden“, rief ich ihr rüber.

„Was machen wir denn da?“

„Schloss besichtigen.“

„Warum denn?“

„Steht so im Programm. Wir tun was für die Bildung.“

„Und dann?“

„Kennst Du das Programm denn nicht?“

„Nö.“

„Wie, nö? Du wirst doch wohl wissen, was uns alles so bevorsteht? Hast du dich nicht mit der Rundreise beschäftigt?“

„Nein, hab‘ ich nicht. Ich habe ganz kurzfristig gebucht. Im Reisebüro hat man mir diese Reise angeboten. Woher sollte ich denn wissen, dass wir so lange im Bus sitzen? Und was wir alles so machen, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.“

„Pass auf, wir fahren jetzt nach Schweden. Morgen geht es per Fähre wei¬ter nach Helsinki und anschließend in einem großen Bogen durch Finnland über Lappland zurück nach Norwegen.“

„Dann können wir doch sofort hierbleiben.“

Das kann ja heiter werden.

Da Sören heute Morgen noch nicht so gesprächig war wie gestern, meldete sich mein Nachbar Hermann hin und wieder zu Wort:

„Wo sind wir? In Norwegen?“

„Ja. Und wir sind jetzt auf dem Weg nach Schweden.“

„Wir sind mit einem Schiff gefahren?“

„Ja. Von Kiel bis Oslo.“

„Und wir machen noch eine lange Rundreise?“

„Ja.“

„Wie lange denn noch?“

„Wir sind gerade erst gestartet. Wir haben noch knapp drei Wochen vor uns.“

Ich sah, dass Hermann schon wieder ganz schön zu knacken hatte und ließ ihn mit seinen Gedanken erst mal allein. Haute mir die Stöpsel vom Ipod in die Ohren und hörte Musik.

Während der Fahrt meinte Sören, dass es nur noch neun Meilen bis zum Ziel wären. Um uns kurze Zeit danach darüber aufzuklären, dass eine norwegische Meile aber ungefähr 11 Kilometer lang ist. Und die Fahrt daher noch gut drei Stunden dauern würde.

Sören, du Witzbold!

Neben uns quälte Hille ihr Smartphone.

„Wie komme ich denn ins Internet?“

Hermann guckte nur fragend und ich wiederholte nochmal, dass ich da leider nicht helfen konnte. Dieser ganze technische Krimskrams ist nicht unbedingt meine Welt. Obwohl ich auch ein Tablet habe. Mit dem ich auch ins Internet komme. Aber das hatte ich mir eigentlich nur zugelegt, um die geschossenen Fotos mal in größerer Auflösung zu sehen als am Kameradisplay. Internet ist absolut zweitrangig.

Gegen 11 Uhr hielten wir zur ersten Rast am Vänersee. Das ist der größte See Schwedens. Die Raucher freuten sich und die restlichen Urlauber vertraten sich die Beine. Zu sehen gab es hier nicht viel. Einen kleinen Kiosk. Sanitäranlagen. Viel See und viel Grün. Das war’s. Eben Natur pur.

Insgesamt zog sich die heutige Tagesstrecke wie Kaugummi. Trotzdem war es erträglich. Sören mutierte zum Alleinunterhalter und gab nun eine Gesangseinlage, in der er die Heimat von Selma Lagerlöf besang. Und auch zwei Strophen der norwegischen Nationalhymne. Man merkte, dass er stolz war, Norweger zu sein. Seine Stimme klang richtig gut. Für DSDS hätte es wahrscheinlich doch nicht gereicht.

Unser Luxus-Bus hatte auch 3 Klappmonitore. Diese wurden heute erstmalig in Betrieb genommen. Die Frontkamera des Busses wurde eingeschaltet, sodass alle Insassen über die Monitore den gleichen Ausblick wie der Fahrer hatten. Das war ein wenig Abwechslung, auch mal in Fahrtrichtung blicken zu können. Immer nur nach links aus dem Fenster rausschauen verursacht Genickschmerzen.

Während der Fahrt bekamen wir von Sören noch jede Menge Informationen über Schloss Gripsholm.

Um 13.30 trafen wir in Mariefred am Mälarsee ein. Hier liegt das Wasserschloss Gripsholm.



Nun konnten wir an einer Führung im Schloss teilnehmen. Unser Reiseveranstalter hatte wiederum einen Führer engagiert, der nur für unsere Gruppe zuständig war.





Das war schon sehr informativ und beeindruckend. Es folgte wieder die übliche Fotosession außerhalb des Gebäudes. Mit Kanone im Vordergrund. Mit Torbogen im Hintergrund. Abschließend durften wir noch die Außenanlagen bewundern.





Ich war schon auf dem Rückweg zum Bus, als ich Hille auf einer Bank sitzen sah.

„Warst du nicht mit?“

„Nee, ich hab‘ keinen Bock. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wieviel Schlösser und Burgen ich schon gesehen hab‘. Die kenne ich doch alle auswendig.“

„Hille, hör auf zu nödeln. Du hast die Reise gebucht und jetzt musst du da durch. Genieß das Wetter!“

Bettina kam und gesellte sich zu uns. Es entwickelte sich ein lockeres Gespräch bis wir schließlich zum Bus zurückmarschierten.

Ich lief schon mal voraus, denn ich hatte bei der Ankunft ein Hinweisschild ‚Eisenbahnmuseum‘ gesehen. Als ehemaliger Modelleisenbahner musste ich der Sache auf den Grund gehen. Keine drei Minuten vom Parkplatz entfernt gibt tatsächlich es ein Eisenbahnmuseum. Betrieben wird das Ganze von der ‚Museumsvereinigung Östra Söderman-lands Järnvä‘. Eisenbahnfreunde pflegen hier privat eine Schmalspurbahn und bieten in den Sommermonaten für Touristen Nostalgiefahrten an. Der Bahnhof Mariefred sowie Güterwaggons waren schöne Fotomotive.







Nun musste ich mich aber sputen und schloss zu den anderen auf. Einige genehmigten sich kurz vor der Abfahrt noch einen Snack oder Getränk an dem kleinen Kiosk am Busparkplatz.

Zu guter Letzt hieß es um 16.30 Uhr erneut rein in den Bus und Endspurt mit Ziel Stockholm.

Unterwegs nahm Jürgen die Videoanlage des Busses in Betrieb. Wir sahen einen rund 20minütigen Film über die Vasa (Kriegsschiff) und bekamen Hintergrundinformationen über das Schiff an sich und Informationen darüber, warum es überhaupt gesunken ist.

Der eigentliche Kern des Filmes drehte sich um die Bergung des Schiffes. Der Film war eine gelungene Abwechselung während der Fahrt. So waren wir schon mal mit einigen Informationen versorgt. Denn morgen stand der Besuch des Vasa-Museums auf dem Programm.

Hille neben uns war hartnäckig. Immer und immer wieder hackte sie auf ihr Smartphone ein.

„Hille“, rief ich leise zu ihr herüber. „Frag nachher mal da vorne den in der roten Jacke und den Badeschlappen. Ich glaube, der ist die ganze Zeit am Surfen. Vielleicht kann der dir dein Smartphone einstellen.“

„Wer hat denn hier Badeschlappen an?“

„Der mit der roten Jacke!“

Um halb sieben erreichten wir ziemlich kaputt vom vielen Sitzen Stockholm. Jürgen parkte den Bus vor dem Hotel. Nachdem Sören von der Rezeption unsere Zimmerschlüssel geholt und uns diese wiederum ausgehändigt hatte, stürmten wir die Aufzüge.

Dafür, dass es ein Einzelzimmer war, fand ich mein Zimmer ganz schön groß. Das Bett war riesig und mit vier Kissen dekoriert. Es fehlte zwar ein Schrank, aber das störte mich gar nicht. Für diesen Urlaub war sowieso ein Leben aus dem Koffer angesagt. Ansonsten war alles zweckmäßig. Auch dem Bad gab ich eine gute Note.

Die Zeit reichte gerade noch, dass man sich kurz frisch machen konnte. Denn bereits eine halbe Stunde später war Treffpunkt vor dem Hotel.

Das ging bei mir ziemlich flott und so trat ich kurze Zeit später vor die Tür. Schräg gegenüber stand Hermann und hantierte mit seinem Schlüssel an seiner Zimmertür.

„Kannst du mir mal helfen? Ich komme nicht ins Zimmer.“

„Warst du noch nicht drin?“

„Nein, ich kriege die Tür nicht auf.“

Ich zog meine Zimmertür zu und eilte hinüber. Dann erklärte ich ihm, wie das mit dem digitalen Schlüssel zu handhaben war.

Hermann bedankte sich und fragte noch, wann wir uns unten treffen.

„Du musst dich schon beeilen. Wir haben nur noch zehn Minuten.“

Als ich im Fahrtstuhl war ging mir ein Licht auf. Toll! Welche Zimmernummer habe ich eigentlich? Durch Hermann abgelenkt, hatte ich einfach die Tür zugezogen und war zu ihm gegangen. Nun kamen mir auf dem Weg nach unten Zweifel, welche Zimmernummer ich denn hatte. 201? 203? 205? Auf der Chipkarte war keine Nummer vermerkt. Und die Hülle mit der Nummer lag im Zimmer.

Leicht grinsend ging ich zur Rezeption und fragte, in welchem Zimmer ich denn wohnen würde. Etwas verstört und schmunzelnd wollte die Rezeptionistin meinen Schlüssel haben und fragte meine Personalien ab, um sicher zu gehen, dass ich wirklich Inhaber dieses Schlüssels war. Alles passte. Dankend nahm ich die Magnetkarte wieder entgegen und fuhr noch mal kurz hoch.

Hermann irrte über den Flur und fand den Fahrstuhl nicht. Da kam ich kam ja gerade passend. Trotzdem prüfte ich nochmal kurz, ob meine Karte zu dem Zimmer passte, dessen Nummer mir unten angegeben wurde. Sie passte. Anschließend fuhren wir beide mit dem Fahrstuhl nach unten.

Es war mittlerweile 19 Uhr und mit dem Bus ging es zu dem Restaurant Sjöpaviljongen, welches direkt am Wasser liegt. Hier war ein Abendessen für uns vorbestellt. Es gab ein Einheitsessen mit Vorspeise und Nachtisch. Das Ambiente in diesem Lokal mit seiner großen Terrasse war richtig nett. Nachdem wir uns gestärkt hatten, machte Jürgen auf der Rückfahrt zum Hotel einen kleinen Schlenker zum Aussichtspunkt Fjällgatan. Hier bekamen wir Gelegenheit noch mal kurz auszusteigen und die Sicht auf Stockholm zu genießen.

Auf der anderen Seite des Wassers sah man den Freizeit- und Vergnügungspark Gröna Lund. Irgendwo dahinter liegt das ABBA Museum.



21.15 Uhr waren wir fix und fertig endlich zurück im Hotel. Das Hotel war sehr gut! Da gibt’s nichts zu beanstanden.

Einen Absacker genehmigten wir uns trotzdem noch. Wer braucht denn bei der Helligkeit Schlaf?

Allmählich ging der Urlaub seinem Ende entgegen. O.K. Ich glaube, ich übertreibe ein wenig. Aber man wundert sich wie schnell drei Wochen vorbei sind.
Letzte Änderung: 12 Jun 2020 17:17 von Papa Kenia.
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13 Jun 2020 16:53 #590319
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Tag 4

Der Tag begann mit einem Frühstück ab 6.30 Uhr. Da heute sowieso eine ausgiebige Stadtrundfahrt anstand, verzichtete ich auf meinen morgendlichen Rundgang. Um 8 Uhr hieß es Koffer verladen und eine Viertelstunde später starteten wir. Es war frisch heute Morgen. Um nicht zu sagen – es war kalt. Und zwar richtig kalt. Rund 10 Grad kälter als gestern. Dazu wehte ein heftiger Wind.

Die erste Sehenswürdigkeit am heutigen Tage war das Stockholmer Stadthaus. Jürgen ließ uns hier gegen 9 Uhr für eine Besichtigung ausstiegen.







Zunächst nahmen wir wieder unsere Empfangsgeräte entgegen, um die Erklärungen von Sören drahtlos hören zu können. Dann zahlte Sören die Eintrittsgelder für unsere Gruppe. Wir waren angemeldet und bekamen einen Stadthausführer, der uns beim Rundgang durch das Gebäude recht kurzweilig allerlei Wissenswertes erklärte. Hier im Stadthaus werden jährlich am 10. Dezember die Nobelpreisträger bekanntgegeben und die Preise verliehen. Die Führung dauerte rund 45 Minuten.

Wir fuhren zur nächsten Sehenswürdigkeit. Gegen halb 11 Uhr erreichten wir das Vasa-Museum. Einen Film über die Bergung des Schiffes hatten wir ja bereits gestern im Bus anschauen können. Sören besorgte an der Kasse erneut Eintrittskarten für uns und verteilte diese.

In einem Nebenraum des Museums konnte man einen zwanzigminütigen Film über die Vasa anschauen, der inhaltlich zwar in vielen Dingen dem Film von gestern ähnelte, der aber auch einige interessante Neuigkeiten bot.

1625 gab König Gustav II. Adolf den Auftrag zum Bau dieses Schiffes. Die Vasa sank bereits bei Ihrer Jungfernfahrt am 10.8.1628, weil sie angeblich durch die Last der Kanonen und der Besatzung schlichtweg zu schwer war.

333 Jahre später (für die, die nicht rechnen wollen – 1961!) wurde das Schiffswrack geborgen und restauriert und kann nunmehr im Vasa-Museum besichtigt werden.

Laut Eigenwerbung des Museums ist die Vasa eine der größten Touristenattraktionen der Welt.
Letzte Änderung: 13 Jun 2020 17:15 von Papa Kenia.
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