THEMA: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis
07 Jun 2020 23:08 #590016
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Ein Ganztagesausflug zur Estancia Cristina, Teil 2

Gestern hatten wir gelernt, dass der Gletscher Perito Moreno einer der wenigen Gletscher dieser Erde ist, der sich noch nicht zurückzieht, sondern sogar stetig an Größe zunimmt. Zumindest da muss man sich z.Z. noch keine Sorgen machen, dieser Gletscher befindet sich noch in einem stabilen Gleichgewicht. Auf unserer Tour über das Gelände der Estancia sollten wir nun leider auch in sehr anschaulicher Weise das Gegenteil kennenlernen und zwar das, was mit fast allen Gletschern dieser Erde aktuell passiert: durch die globale Erwärmung schmilzt die weiße Pracht dahin.

Die Gletscher Patagoniens in Chile und Argentinien sind die am schnellsten schmelzenden Eismassen der Erde. Sie haben zwischen 1997 und 2004 jedes Jahr rund 42 Kubikkilometer Eis verloren, was in etwa der Wassermenge des Bodensees entspricht. Der argentinische Upsala-Gletscher hat neuen Daten zufolge in den vergangenen 30 Jahren knapp zehn Kilometer Länge eingebüßt. Jedes Jahr zieht er sich um gut 300 Meter zurück und schmilzt gut 20 Meter in der Höhe ab.
Die patagonischen Gletscher erstrecken sich über eine Fläche von insgesamt 17.200 Quadratkilometern. Das Schmelzwasser fließt auf der westlichen Seite ins Meer und im Osten in verschiedene Seen. Es trägt weltweit überproportional zur Erhöhung des Meeresspiegels bei. Unmittelbare Folge der Gletscherschmelze sind Überschwemmungen, verbunden mit Erdrutschen, Schlamm- und Gesteinslawinen. Langfristig droht Trinkwasserknappheit, denn drei Viertel aller Süßwasserreserven sind im Gletschereis gebunden.

Das sollte man wissen, wenn man einen solchen Ausflug unternimmt, und manches begeisterte „Ach, wie schön“ meiner Mitreisenden konnte ich nicht so ganz teilen, denn es ist erst der Anfang, es wird noch schlimmer kommen, und auch die Estancia wird nicht davon verschont bleiben :( . Diesen wunderbaren Ort wird es wohl, ich denke in gar nicht ferner Zukunft, nicht mehr geben :angry: .

Tip:
In der Arte-Mediathek gibt es eine interessante Reportage „Argentinien: Gletscher in Gefahr“: www.arte.tv/de/video...gletscher-in-gefahr/

Bei der Estancia angekommen wurden wir in Gruppen eingeteilt, und dann ging es mit einem Allradfahrzeug durch wunderschöne Landschaft hoch in die Berge. Die Fotos sind während der Fahrt entstanden, anhalten und aussteigen, wie wir es sonst sicherlich alle 5 Minuten gemacht hätten :whistle: , ging ja nicht, da wir in einer Gruppe unterwegs waren!











Die Piste war nur etwas für Könner, und die deutsche Dame hinter mir kreischte die ganze Zeit vor Entsetzen :dry: (für einen Gamedrive in der afrikanischen Wildnis war sie definitiv nicht geeignet, da würde man kein einziges Tier zu Gesicht bekommen :whistle: :angry: ). Auch ich war irgendwann froh, als wir am Parkplatz angekommen waren, denn mir war nicht entgangen, dass wir an einem Abhang kurz vor dem Ziel einen Reifenplatzer hatten.
Während der Fahrer den Reifen wechselte, begann unsere Gruppe mit einer knapp 30 minütigen einfachen Wanderung über ein Gelände, welches noch im letzten Jahrhundert vollständig vom Eis des Upsala-Gletschers bedeckt war. Die folgende Schautafel, die unser Guide uns zeigte, verdeutlicht das anschaulich.



Keine Frage, eine eindrucksvolle Landschaft, faszinierende Farben, und immer wieder gab es etwas zu entdecken.























Wir wurden auf die große Konzentration von marinen fossilen Elementen an diesem Ort aufmerksam gemacht, und mir gelang es sogar, ein Element, einen Ammoniten (Meeresschnecke), ausfindig zu machen.



Gleich geht es zum Aussichtspunkt.....
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07 Jun 2020 23:27 #590017
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Und hier geht es weiter.....

Am Ende der Wanderung wurde unsere Gruppe dann mit einem atemberaubenden Panorama belohnt. Und wieder waren es die Farben, die begeisterten, einzigartig, wunderschön!















Ich war sehr traurig, als es nach gut 45 Minuten schon wieder zurück ging. Warm eingepackt in Winterjacke. Schal, Wollmütze und Handschuhe hätte ich stundenlang bleiben können, aber, so ist das auf organisierten Ausflügen: gerade, wenn es am schönsten ist, geht es zurück und zwar..... :whistle: immer ins Restaurant zum Essen.
Darauf haben wir verzichtet, uns lediglich ein paar Heißgetränke geholt und uns dann mit unserem üppigen Lunchpaket abseits auf eine Brücke gesetzt und die Ruhe dieser abgeschiedenen Estancia genossen. In der Ferne ein paar einsame Reiter auf ihren Pferden. In ein paar Stunden, wenn die Tagesgäste abgereist waren, würden sie ihr Paradies wieder für sich alleine haben. Sehr exklusiv, und die Übernachtungspreise sind dementsprechend, aber es ist auch ohne Frage ein ganz besonderer Ort.



Der anschließende Besuch eines kleinen Museums, das sich mit der Geschichte der Estancia beschäftigt und ein paar anschauliche Objekte aus der Pionierzeit ausstellt, war noch ganz nett, den Rest des Programms, eine kleine Führung über einen Friedhof etc., haben wir uns geschenkt.
Zurück nimmt der Katamaran leider eine andere Route, und man bekommt die Eisberge nicht mehr zu sehen. Dafür geht es dann aber auch wesentlich schneller.

Erst gegen 20.30 Uhr waren wir wieder zurück in unserer Unterkunft. Eine schnelle Dusche, und dann wieder in gemütlicher Atmosphäre ein köstliches Dinner. Es war kalt geworden, und Susanna hatte Schaffelle auf unsere Sessel gelegt, damit wir nicht frieren mussten. Schon nach kurzer Zeit hatten wir mollig warme Füße, und uns ging es richtig gut :woohoo: .

Ein toller Tag war zu Ende, und wie ich an Hand der Fotos schon vermutet hatte, war jeder Dollar gut investiert gewesen.

Gute Nacht!
Beate
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16 Jun 2020 18:31 #590477
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Auf dem Weg in den Nationalpark Torres del Paine

18.2.2020

Für den heutigen Tag habe ich kaum Fotos, denn an diesem Tag ging irgendwie alles schief :angry: .

Unser Plan war eigentlich, noch einmal am frühen Morgen den Perito Moreno zu besuchen. Die Eintrittskarten waren ja noch gültig, und die Bustouristen würden das Areal zu dieser frühen Stunde noch nicht komplett in Beschlag genommen haben. Auch wäre es sicherlich sehr reizvoll, den Gletscher einmal im Morgenlicht zu sehen.

Na ja, zu der frühen Stunde war es noch komplett bedeckt, es nieselte ein wenig, und wer konnte schon sagen, ob überhaupt die Sonne herauskommen würde :unsure: .
So schön die Gletscher sind, wir hatten in den zwei Tagen erst einmal genug Eis gesehen, und im Nationalpark Torres del Paine würden wir ja auch noch den Grey-Gletscher besuchen, also entschieden wir uns, direkt nach dem Frühstück unser nächstes Ziel, den Nationalpark Torres del Paine, anzufahren. So wären wir am frühen Nachmittag da und könnten direkt zu unserer 1. Wanderung aufbrechen. Das ist der Vorteil, wenn man als Individualreisender unterwegs ist, da können Pläne auch einmal spontan umgeworfen werden :whistle: .

An diesem Tag war unsere Entscheidung goldrichtig, und ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn wir erst gegen 14.00 Uhr, so wie ursprünglich geplant, losgefahren wären. Normalerweise eigentlich kein Problem, denn unser Navi gab uns 4.30 Std. als Fahrzeit an. Für den Grenzübergang plante ich großzügig eine Stunde, also sollten wir gegen 20.00 Uhr eigentlich am Ziel angekommen sein. Diese Zeitrechnung ist auch völlig realistisch, denn einige Leute, die wir im Nationalpark kennengelernt haben, bestätigten uns das.

Aber erst einmal der Reihe nach…….

Gegen 9.00 Uhr verabschiedeten wir uns mit einer kleinen Träne im Auge von Susanna. In ihrer kleinen Herberge hatten wir uns pudelwohl gefühlt.
Ein kleiner Stopp in einem der örtlichen Supermärkte, und unsere restlichen argentinischen Peso waren aufgebraucht. Hier ist eigentlich die letzte Möglichkeit, sich mit dem Nötigsten einzudecken, danach gibt es nur noch an den Tankstellen und direkt hinter der Grenze in einem kleinen Supermarkt ein doch mehr wie überschaubares Sortiment. So deckten wir uns mit allem ein, was wir bis zum Ende des Urlaubs über Tag gebrauchen würden, also vornehmlich mit Snacks und Getränken.

Es ging recht gut vorwärts, die Straße war in sehr gutem Zustand, und wir hatten sie fast für uns alleine.
Mittlerweile hatte es auch die Sonne geschafft. Interessante Wolkengebilde kurz hinter El Calafate. Schön waren die!



Ein fast menschenleerer Ort, und trotzdem waren wir aufs Neue begeistert von dieser Landschaft. Immer mal wieder hübsche Aussichtspunkte.













Am Wegesrand eine dieser typischen argentinischen Haciendas. Wir hielten an und schauten den Gauchos bei ihrer Arbeit zu.







Den Grenzübergang Paso Río Don Guillermo erreichten wir gegen 14.00 Uhr, die Fotostopps hatten doch ein wenig Zeit gekostet.



Info:
Beim Grenzübergang nach Chile wird das Auto untersucht. Die Einfuhr von jeglichen unbearbeiteten tierischen und pflanzlichen Produkten ist untersagt: Eier, Gemüse, Obst, Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Honig etc. darf man nicht einführen. Verarbeitete Lebensmittel, also Konserven, Müsliriegel, Kekse etc. sind kein Problem. Finden die Grenzbeamten nur irgendetwas davon im Auto, gibt es wohl eine saftige Geldstrafe. Ob einem dann sogar die Einreise verwehrt wird, kann ich nicht sagen.

Die Grenzformalitäten waren recht zügig erledigt und ein Grenzbeamter ging mit uns, um unser Auto zu inspizieren. Nebenan waren Leute damit beschäftigt, das komplette Gepäck abzuladen, damit der Grenzbeamte es untersuchen konnte :ohmy: . Oh, je, damit hatten wir ja nun gar nicht gerechnet, aber wieder hatten wir großes Glück, denn unser Beamter hatte seinen Hund, der auf das Aufspüren von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln abgerichtet war, dabei und fragte uns, ob wir etwas dagegen hätten, den Hund in unser Auto zu lassen. Nein, hatten wir natürlich nicht, denn unser Auto war „sauber“, dafür hatte ich schon gesorgt. 5 Minuten später waren wir durch, und Chile hatte uns wieder.

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16 Jun 2020 18:57 #590478
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Weit kamen wir aber nicht, nur ein paar Kilometer, denn der direkte Weg zum „Rio Serrano-Gate“, in dessen Nähe wir wohnen würden, war wegen Bauarbeiten gesperrt. Da ging an diesem Nachmittag gar nichts mehr. Da standen wir nun, die Lastwagen vor und hinter uns brummten um die Wette, und es war fürchterlich staubig :angry: . Über eine Stunde tat sich nichts. Irgendwann setzte sich einer der Bauarbeiter in Bewegung, hielt ein Schild mit der Aufschrift „Torres del Paine“ in die Höhe :dry: und winkte alle Wagen rechts raus.
Immerhin fuhren wir wieder. Gegen 17.00 Uhr (!) kamen wir an der „Portería Lago Sarmiento“ (was für ein Umweg!! :dry: ) an. Der Ranger hatte wohl schon von der Straßensperre gehört, ließ sich von uns unsere Hotel-Buchung zeigen und winkte uns durch.
An diesem Spätnachmittag hatte ich kein Auge mehr für die, wie wir am nächsten Tag feststellen sollten, grandiose Landschaft des Torres del Paine. Mir war mittlerweile alles egal, ich wollte nur noch mein Ziel erreichen. So sind auch leider keine Fotos entstanden :( , auf die müsst ihr noch einen Tag warten :whistle: .

Gegen 18.30 Uhr erreichten wir dann endlich unser Quartier für die nächsten 4 Nächte, die Pampa Lodge: pampalodgepatagonia.com/ . Idyllisch am Río Serrano gelegen, mit nur wenigen, sehr großen und sehr gut ausgestatteten Zimmern ein ausgezeichnete Wahl. Die Preise in den Unterkünften im und am Park sind gepfeffert, die Lage bestimmt das Preisniveau, und häufig werden diese Unterkünfte von Reisegruppen gebucht. Da geht viel Atmosphäre verloren. In der Pampa Lodge sitzt man abends mit einer Handvoll anderer Gäste vor einem gemütlichen Kaminfeuer und kann den Tag in Ruhe bei einem (oder auch mehreren) Glas (Gläsern) Wein ausklingen lassen. Hier hatte ich es tatsächlich geschafft, ein Jahr im Voraus vier zusammenhängende Nächte zu ergattern. Somit mussten wir nicht umziehen, denn durch unsere beiden Reservekanister hatten wir genügend Benzin um z.B. die jeweils ca. 20 km-Anfahrt zum Lago Grey oder zum Lago Pehoé, wo wir sonst gewohnt hätten, zu meistern. Das war für uns sehr komfortabel!

Hier ein paar Schnappschüsse vom Dorf Río Serrano und von der Außenanlage der Pampa Lodge (die Fotos sind alle vom nächsten oder übernächsten Tag. Die Lage der Lodge habe ich mit einem Pfeil markiert).





Von der Terrasse des Gemeinschaftsraumes hat man einen herrlichen Blick auf die Flusslandschaft.



Um hier trockene Füße zu behalten, sind überall Stege angelegt.





Pferde laufen überall frei herum. Man kann sie mieten und Ausritte machen.



Blick in den gemütlichen Gemeinschaftsraum. Nur dort gibt es WIFI.



An diesem Tag haben wir nicht mehr viel gemacht. Wir richteten uns ein, gingen ins angeschlossene Restaurant zum Abendessen (leider ist die Karte sehr überschaubar: viel Fleisch, für Vegetarier Pasta mit Gemüse) und saßen danach noch eine Weile mit einem sehr netten britischen Paar zusammen und lästerten gemeinsam über Brexit-Boris, für mich wieder einmal eine gute Übung, meine Englisch-Kenntnisse zu verbessern :whistle: .

Herzliche Grüße!
Beate
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16 Jun 2020 21:22 #590483
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Unterwegs im Nationalpark Torres del Paine, Tag 1

19.2.2020

Teil 1

Wir hatten ganz wunderbar in unserem ruhigen Zimmer geschlafen. Dadurch, dass wir 4 Nächte en bloque gebucht hatten, hatte man uns ein Zimmer in der 1. Etage am Ende des Flures zugewiesen, und da bekam man absolut rein gar nichts mit vom Abreiselärm anderer Gäste.

Nach einem für chilenische Verhältnisse recht üppigen Frühstück ging es dann auch schon gleich los. Das Wetter war ganz gut, die Sonne mühte sich nach Kräften, die dichten Wolken zu durchbrechen, nur der patagonische Wind, der hatte es an diesem Tag in sich. Das merkten wir schon beim Verlassen unserer Unterkunft, denn die Haustür ließ sich nur mit vereinten Kräften öffnen. Vorsichtshalber ging ich noch einmal aufs Zimmer und holte unsere Motorrad-Sturmhauben, denn die würden den Wind aushalten. Wir waren übrigens nicht die einzigen Wanderer an dem Tag, die in Sturmhauben liefen, und das war auch eine ganz praktische Lösung, denn wir sahen viele hübsche Hüte und Caps sprichwörtlich vom „Winde verwehen“ :dry: , nicht gerade gut für Fauna und Flora.

Nach gut 5 Minuten standen wir bereits vor dem Eingangstor zum Nationalpark, vor der „Portería Río Serrano“, und zahlten unsere Eintrittsgebühr.

Info:
Die Porteria Rio Serrano hat in den Sommermonaten von 7.00-22.00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis kostet pro Person 21000 Pesos und ist gültig für drei volle Tage. Den Eintrittspreis kann man nur bar in Peso, Dollar oder Euro bezahlen.
Dort bekommt man auch eine Parkkarte, auf der alle Straßen und Wanderwege samt Länge und benötigter Zeit eingezeichnet sind.

Tip:
Dieser Park ist so vielseitig und bietet neben mehrtägigen recht schwierigen Wanderungen eine Vielzahl von Tageswanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsstufe. Auch andere Aktivitäten wie z. B. die Fahrt mit einem Katamaran vor die Abbruchkante des Grey-Gletschers sind möglich. Die meisten Touristen haben zu wenig Zeit, die Schönheit dieses Parks in Ruhe zu erkunden, und daher sollte man sich gründlich vorbereiten und sich im Vorfeld schon ein paar Wanderungen bzw. andere Aktivitäten heraussuchen bzw. vorbuchen.
Wir hatten bei vier gebuchten Nächten genau drei ganze Tage im Park zur Verfügung, definitiv viel zu wenig :( , und damit fielen die großen Mehrtageswanderungen schon einmal flach.
Eine gute Übersicht für den „Durchschnitts-Touristen“ B) bietet der Reiseführer „Iwanowski´s Chile mit Osterinsel“. Zugegeben, nur ein Allrounder, aber für den Torres del Paine bietet er relativ kompakte Informationen, mit guter Wanderkarte und Beschreibung eigentlich aller wichtigen Wanderungen.
Daneben natürlich wie immer die Seite der staatlichen Parkverwaltung www.parquetorresdelp.../planifique-su-viaje, in die man bei der Vorbereitung immer mal wieder reinschauen sollte, denn dort gibt es auch Informationen zu möglichen Sperrungen einzelner Wanderwege.

Aktivität des Tages:

1. Salto Grande und Sendero Mirador Cuernos
Offizielle Infos: 10 km, 2 Std. (vom Wasserfall aus), Schwierigkeitsgrad: leicht

Wie begannen die Wanderung bei der „Guardería Pudeto", wo wir problemlos einen Parkplatz fanden. Schon bei der Anfahrt hatten wir einen tollen Blick auf den Lago Pehoé, unbeschreiblich schön!



Bereits nach kurzer Zeit erreichten wir das 1. Highlight dieser Wanderung, den „Salto Grande“ (übersetzt: großer Wasserfall).





Bis hierhin spazieren auch die Teilnehmer von organisierten Busreisen (häufig sind diese Reisen ja in ihrem Programm sehr kompakt, nur auf die Highlights reduziert), und dementsprechend voll war es dort :ohmy: . Selfie-Sticks wurden in die Höhe gehalten (der eine oder andere posierte wohl für seinen Social Media Account, und wir wurden Zeugen von manch seltsamen Verrenkungen und unfreiwillig komischer Gesichtsakrobatik), und ständig wurde man gebeten, irgendwelche Fotos von uns völlig wildfremden Menschen zu machen. Nach 15 Minuten hatte ich gefühlt die Kameras aller aktuellen Smartphones bedient und war nur noch genervt :S . Das also sollte der einzigartige Nationalpark Torres del Paine sein. Die Landschaft war schön, keine Frage, nur genießen konnte man sie nicht, denn hier war es lauter als auf einem Rummelplatz :angry: .

Der Wind hatte noch an Heftigkeit zugenommen, zumindest empfand ich das so. Als gebürtiges Nordlicht bin ich natürlich einiges in dieser Hinsicht gewohnt, aber diese Windböen waren ein ganz anderes Kaliber. Wenn man sich hier irgendwo hätte festhalten können, dann wäre es vielleicht noch gegangen, aber so spürte ich plötzlich nur noch Hände, die sich um meine Taille legten, und danach ging ich zu Boden :dry: . Passiert war mir zum Glück nichts, nur der Mann, der auf mir lag, der gehörte definitiv nicht dahin :whistle: . Wir nahmen es beide mit Humor, denn scheinbar war der Wind an dieser Stelle häufig so heftig. Eine Schautafel erklärte, warum der Wind gerade an dieser Stelle so stark war, und das ließ zumindest hoffen, dass der Wind nachlassen würde, denn wir hatten schon überlegt, umzukehren.


(Leider nur ein sehr schlechtes Handyfoto, aber man kann ja etwas darauf erkennen)

Zum Glück setzten wir die Wanderung fort, denn ab da hatten wir diese grandiose Landschaft fast komplett für uns alleine. Auch der Wind wurde deutlich weniger, und endlich konnten wir diese Tour in vollen Zügen genießen.

Fast nahezu ohne Steigung ging es ganz gemütlich am Ufer des Lago Nordenskjöld entlang. Dieser See speist den wilden Wasserfall Salto Grande, der sich wiederum in den ruhigen Lago Pehoé ergießt. Wir gingen die paar Meter zum Strand hinunter. Was für ein wunderschöner Ort, hier hätte ich wieder Stunden verbringen können.









Leider wurden wir hier Zeugen der Schäden eines verheerenden Waldbrandes, den im Jahre 2011 ein unachtsamer Tourist verursacht hatte. Spätestens bei diesem Anblick sollte jedem klar werden, dass man niemals ein offenes Feuer in der freien Natur machen sollte.















Mit ein bisschen Fantasie könnte man glauben, dass sich knochige Finger flehentlich aus der Erde emporstrecken.



Später geht es hier noch weiter.....
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Unterwegs begegneten wir immer mal wieder einigen Guanakos, die wohl an Touristen gewöhnt waren, denn sie ließen uns erstaunlich nah kommen. Diese Tiere sehen immer ein bisschen dämlich aus :whistle: !









Das Wetter wurde immer besser, und langsam konnten wir die Form der Bergkuppen gut erkennen.





Am „Mirador Los Cuernos“ ein unvergleichlicher Blick auf die berühmten „Hörner“ des Torres del Paine. Hier machten wir Mittagspause, gut geschützt hinter einem riesigen Felsbrocken. Die Sonne hatte es fast geschafft, es war warm geworden, uns konnte es nicht besser gehen :woohoo: .





Zurück ließen wir uns wiederum viel Zeit, wir hatten es nicht eilig. Die Sonne schien mittlerweile dauerhaft, und die Farben der Landschaft hatten sich verändert: das Wasser des Sees war nun viel blauer, die verbrannten Büsche glitzerten wie mit Silberspray angesprüht, und die Sicht auf die Berggipfel war nun völlig frei. Licht verändert alles, nicht immer war es auf dieser Reise perfekt gewesen, aber heute konnten wir nicht meckern, denn die dicken, dunklen Wolken zu Beginn unserer Wanderung passten ebenso zu dieser rauen Landschaft wie der strahlende Sonnenschein.















Am Ende bekamen wir also doch noch am Wasserfall unseren Regenbogen :laugh: .




Morgen geht es hier weiter…..

Gute Nacht!
Beate
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