THEMA: Der kürzeste Weg vom Kilimanjaro nach Tortola
10 Apr 2020 21:38 #585945
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Es gibt wirklich nur einen adäquaten Anfang für diesen Bericht und der lässt sich wunderbar im folgenden Zitat der bislang immer noch unübertroffenen „Kommödientruppe“ Monty Python zusammenfassen:

„…..and now, for something completely different!“

Als ich Heute Morgen aus dem Fenster schaute und den Gedanken freien Lauf liess, fielen mir die Eichhörnchen auf die sich, typisch für die Jahreszeit, an der grossen Kiefer wilde Duelle und haarsträubende Wettrennen in schwindelerregender Höhe lieferten. Bei aller Geschicklichkeit müsste das doch ab und zu zum Absturz führen! Warum aber sieht man nur selten Eichhörnchen mit gebrochenem Bein, oder schlimmer?
Die Antwort liegt natürlich, zumindest teilweise in der relativen Grösse eines Eichhörnchens begründet! Wenn ein Mensch aus einer Höhe von 2 Meter fällt, überlebt er dies in der Regel, oftmals sogar unbeschadet. Fällt er aus 3 Meter Höhe, sieht dies bereits anders aus und ein unglücklicher Sturz aus 5 Meter Höhe auf harten Untergrund geht oftmals sogar tödlich aus!
Eine Ameise könnte hingegen ohne grössere Probleme vom Burj Khalifa fallen, sich umdrehen, abstauben und friedlich ungeschoren mit dem Leben weiter machen. Das Eichhörnchen liegt nun grössenmässig irgendwo dazwischen und, mit dem buschigen Schwanz, gespreizten Extremitäten und gesträubten Haaren ist ein Fall, auch aus grösserer Höhe durchaus kein Todesurteil.
Vermutlich haben Ameise und sogar Eichhörnchen keine Höhenangst, ganz einfach weil diese zum Überleben nicht gross beitragen würde! Beim Menschen sieht dies ganz anders aus so, dass eine ausgeprägte Höhenangst eigentlich eine normale, gesunde und lebenserhaltende Reaktion ist.

Manch ein Leser fragt sich bestimmt bereits: „Was hat dies nun bitte mit dem Thema zu tun?“
Ganz einfach…..ALLES!

Wir, als begeisterte Bergsteiger in der Jugend, während der Studienzeit und noch danach hatten unsere Liebe zu den Bergen in vollen Zügen ausgelebt, schwierige Routen in den Magaliesbergen (Bergkette zwischen Pretoria und Rustenberg), Drakensbergen und anderswo begangen…..ja, richtig mit Seil, Karabiner, Haken usw. Irgendwann kam dann die Familie, der Bauch und die grauen Haare und man hat sich bewusst (vom Eichhörnchen zum Menschen mutiert und) von diesem Extremsport distanziert. Geblieben ist jedoch die Liebe zur Natur und zu den Bergen!

Bei einem lauschigen braai mit besten südafrikanischen Freunden im sonnigen Süden schwelgten wir in Erinnerungen und, überkommen von der „Midlife crisis“ (alle damals mittlerweile um die 50 und…..das kanns doch noch nicht gewesen sein?!), sinnierten wir über Möglichkeiten dem Ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen. Was machen? Nochmal eine Drakensberge-Extremtour im Winter? Vielleicht doch lieber erneut in den Himalaya? Alles schön, aber irgendwie nicht der Reisser! Dann, aus den tänzelnden Flammen und, sicherlich nicht unwesentlich, aus den „Prozenten“ des Sedgwicks Old brown Sherry, keimte irgendwie der Gedanke auf, doch mal auf den höchsten Berg Afrikas, dem Kilimanjaro (Kibo) zu gehen! Der Gedanke war geboren, lies uns nicht mehr los und, nach ein Jahr Training und Vorbereitungen war es dann soweit.






Wir hatten uns aus 2 Gründen für die Machame-Route entschieden:

1. Es ist eine lange Route, die sich um den halben Berg windet, in der Regel in 5-7 Tagen begangen wird und somit eine möglichst lange Akklimatisierung erlaubt - der Uhuru Gipfel ist immerhin 5895 m hoch!
2. Man hat viel Zeit um die wunderbare Welt ums sich herum, die Klimazonen, Pflanzen und (besonders für mich) die Geologie dieses gewaltigen Vulkans (der höchste weltweit von der umgebenden Ebene aus gemessen) zu geniessen.

In der Woche vor Weihnachten 2005 starten wir - Flug mit KLM nach Amsterdam; weiter nach Nairobi, dann mit einer alten „Propellermöhre“ zum Kilimanjaro international airport südlich von Arusha mit anschliessender weiterfahrt nach Moshi. Es folgt ein sehr herzliches Wiedersehen mit unseren Freunden die aus Südafrika dazukommen sind. Wir akklimatisieren, unternehmen Streifzüge durch das quirlige Moshi, saugen die Gerüche, Farben, Geräusche und Eindrücke durstig in uns auf, uns überkommt ein unbeschreibliches Heimatsgefühl…..ja…..einfach wieder „back to Africa!“



Kilimanjaro.....und das aus der Dose!


"The first time, ever I saw your face...."











Geheimnisvoll, unnahbar und fast unendlich hoch!








Kanalisierung im "downtown" Moshi





Quirlig bunt.....wie eigentlich überall in Afrika


Lekker!!!


.....und ihr dachtet MIT ist in Boston!


DAS ist Afrika!
Letzte Änderung: 30 Apr 2020 09:03 von busko.
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11 Apr 2020 19:05 #586027
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Wir denken viel an Hemingway und Blixen, einige lesen „Snows of Kilimanjaro“ bzw. „Out of Africa“. Andere (auch busko) lesen Leakey, da unser Weg auch noch nach Olduvai führen wird, Wir diskutieren das Gelesene angeregt im Zusammenhang mit den Ansätzen von Darwin und der Neo-Darwinisten, insbesondere auch Dawkins, der (in Kenya geboren wurde und) die Darwinistischen Ideen hinsichtlich der neuesten Erkenntnisse (Genetik usw.) konsequent weiter entwickelt hat. Immer wieder zeigt sich der Kili, mal klar und deutlich, mal teilweise in Wolken verhüllt, immer geheimnisvoll, unnahbar, unglaublich hoch und sehr weit entfernt.

Dann wird’s ernst; wir packen und fahren mit einem Kleinbus zum Machame gate, auf etwa 1800 m Höhe und etwas südwestlich vom Kibo gelegen. Wir schultern unsere Rucksäcke die eigentlich nur Foto-Equipment, eine Windjacke, Notkleidung, persönliche Gegenstände, viel Wasser und ein Lunchpaket enthalten. Alle anderen Dinge wie Lebensmittel, Kleidung, Zelte, Schlafsäcke usw. werden von den zwangsläufig vorgeschriebenen (man darf nicht ohne!) Trägern getragen. [Eigentlich ein sehr eleganter Ausweg, denn so kann man ja immer sagen: „Ich wollte ja, durfte aber nicht!“]



Die Träger organisieren die Lasten, die in Plastiksäcke verpackt sind und einfach geschultert werden!








Das tägliche Lunchpaket; eigentlich ganz gut zu essen, wird aber nach 5 Tagen schon langweilig

Es geht auf gutem Pfad durch dichten tropischen Bilderbuch-Urwald mit Urwaldriesen, Farnen, Blumen, Vögel und viele Moose und Flechten. Wir lassen uns Zeit, gehen es langsam an; immerhin kommen wir ja vom Niederrhein auf ganze 50 m oder so ü.n.N! Nach einigen Stunden sind wir dann an unserer ersten Übernachtungsstelle, dem Machame-Hütten Camp, auf ca. 3000 m. Wir geniessen die kurze Dämmerung mit teilweise sehr schöner Abendstimmung am Kili.



Träger mit ihren "Rucksäcken"!











Das erste Camp ist geschafft! Der Kili zeigt sich im Abendlicht


Geschafft!.....und wie!


Was aussieht wie Chaos.....ist auch Chaos! Es braucht etwas Routine bis, dass das besser funktioniert!



Das Machame Camp liegt an der Baumgrenze so, dass der Weg nun durch Savanne führt. Wir sehen erste Lobelien und andere „gigantomane“ Pflanzen, allerdings noch vereinzelt.
Der Weg wird schmaler und deutlich schroffer, es geht auf und ab über schwarzem, teilweise scharfkantigem Vulkangestein. Die Temperatur fällt, es wird richtig kalt und wir sind nicht gut darauf vorbereitet; wir haben zu wenig warme Kleidung im Tagesrucksack und die Träger sind nicht in der Nähe. Einige in unserer Gruppe bekommen Unterkühlungserscheinungen, müssen in Thermaldecken eingewickelt und gewärmt werden. Irgendwann geht es wieder und wir kommen zum zweiten Camp auf dem Shira Plateau auf etwas über 3800 m. Die Luft ist dünn, Anstrengungen werden umgehend mit Atemnot bestraft, leichte Kopfschmerzen stellen sich ein, aber wir zwingen uns zu essen und, vor allem, viel zu trinken. Die erhoffte Sicht auf den Meru zerschlägt sich in Wolken und diesigem Gegenlicht, ansonsten zaubert die kurze Dämmerung, vor allem auch wegen der Höhe eine magische Atmosphäre hervor.



Über der Baumzone.....die Sicht auf die Ebene ist berauschend


Alpin anmutende Stäucher


Nicht gut vorbereitet! Wir haben nicht genug warme Kleidung dabei, einige sind ziemlich unterkühlt!


Passt zur heutigen Diskussion.....so sieht Klopapier aus wenn es in der Tasche nass geworden ist!


Dämmerung am Shira Plateau.....wunderbare Stimmung!


Sonnenaufgang am Shira Plateau; das Wetter ist deutlich besser geworden

Nach einer zweiten Nacht in der wir nicht gut schlafen geht es weiter, über die auf ca. 4600 m hoch gelegener Lava Tower, an der berühmten (berüchtigten) Barranco Wand entlang und wieder runter zu den Barranco Hütten auf ca. 4000 m. Dieses „hoch aufsteigen und wieder runter gehen“ hilft wirklich! Wir verbringen, nicht zuletzt deswegen, eine deutlich ruhigere Nacht und erleben einen spektakulären Sonnenunter- sowie -aufgang. An diesem Tag erleben wir den berühmten Pflanzengigantismus am Kili hautnah…..es geht immer wieder durch wundersame Landschaften, teilweise mit zauberhaften Nebelschwaden durchzogen. Irgendwer meint: „Eine tolle Kulisse für eine Neuverfilmung von „Herr der Ringe“ oder gruselklassiker wie „The Fog“!“



Trägerkarawane mehrerer Treckinggruppen


Sehr ungemütliches Mittagessen! Nebelschwaden ziehen immer wieder auf, es trieft richtig, alles ist permanent matschig, dann hat man wieder Sicht!.....es muss ein Grund geben weswegen die Lobelien so gut und groooooss wachsen!
Letzte Änderung: 12 Apr 2020 12:28 von busko.
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12 Apr 2020 13:56 #586078
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Wir diskutieren viel über die Evolution, sind erstaunt über den weitestgehend identischen Bauplan grösserer Lebewesen im Tierreich; nehmen wir mal eine Eidechse, einen Vogel, ein Mensch, ein Delphin und eine Fledermaus. Spezies die stellvertretend alle Lebensräume, Land, Luft und Wasser abdecken. Solch diverse Tierarten! Doch, sieht man sich die Skelette dieser Spezies mal genauer an, so muss einem auffallen, dass sie, abgesehen von „verlängertes dies, oder verkürztes das“, ziemlich baugleich sind! Weiterhin interessant erscheint uns die konvergente Evolution von z.B. Vogel und Fledermaus – beide haben sich auf den gleichen Lebensraum spezialisiert, aber, auf so grund unterschiedlicher Weise! Während die Vögel aus Ur-Reptilien vor Urzeiten hervorgegangen sind, ist die Entwicklung der Fledermaus relativ rezent aus kleine, mausähnliche Säugetiere hervor gegangen. Wir mutmassen weiterhin, dass die Ur-Fledermäuse den Konkurrenzkampf mit den damals schon sehr effektiven Vögeln mit denen sie die „Evolutionäre-Nische“ teilen, vielleicht nur überleben konnten, indem sie nachtaktiv geworden sind?



Pflanzengigantismus in allen Formen!





Wundersame, übermannsgrosse Geschöpfe


Die Entdeckertruppe - allesamt warm eingemummelt!


Die berüchtigte Barranco-Wand an der manch ein (auch sehr guter) Bergsteiger gescheitert ist





Wie aus einem dunkleren Kapitel der Herr der Ringe.....Bilbo und die Lobelien-Ents!


.....das Gleiche in "freundlicher"!



Am hellichten Tag!.....am Äquator!!!


Abendstimmung im Barranco Camp


Aufbruch in einen schweren Tag

Wir sind nun gut eingelaufen und dies ist auch gut so, denn der nächste Tag hat es schon etwas in sich! Es wird deutlich steiler und schroffer, an einigen Stellen muss man sich durchaus auch mit den Händen weiterhelfen, aber (und diejenigen die dies öfter gemacht haben werden es wissen), irgendwann geht man in ein Modus über in dem eine gewisse „Automatik“ übernimmt und die Beine ohne nachzudenken einen nach vorne bringen. Das Ziel, das Barafu Hütten Camp, liegt auf über 4600 m auf einem Bergrücken, mit wunderbarer Sicht auf die unendliche Ebene im Süden, Mawenzi im Osten und dem wunderbar (damals noch!) mit Gletschern durchzogenen Kibo im Nordwesten. Was für eine Sicht! Schade nur, dass inzwischen die Kopfschmerzen deutlich zugenommen haben und man bei jeder Bewegung überlegt; muss ich das wirklich jetzt tun?! Wir hängen rum, fotografieren, trinken viel und versuchen uns geistig auf das vorzubereiten was Morgen kommen wird!



Es geht gleich am Camp los.....rauf und runter über Stock (aber nur sprichwörtlich!) und Stein (sehr viel davon!)


Wieder mal "so eine" Passage!


Der Kili, Nachmittags vom Barafu-Camp aus


Wo gehts lang?.....gibts denn oben auch ne Pommesbude?


Wunderbare Abendstimmung im Barafu-Camp.....die Wolken Branden aus der Ebene an den Kili an; der wehrt sich.....noch! Im Hintergrund links, der 5148 m hohe Mawenzi, eine anspruchsvolle Kletterpartie!

Es wird sehr früh gegessen und direkt nach Sonnenuntergang ab in die Zelte. Es ist nämlich so, dass wir um 23.00 los müssen!!!
Letzte Änderung: 12 Apr 2020 14:21 von busko.
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13 Apr 2020 12:10 #586149
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Nach einer durch vieles, nur nicht Schlaf, geprägten (Halb)Nacht werden wir geweckt! Nein, eigentlich nur aufgefordert aufzustehen. Ich glaube nicht, dass irgendeiner von uns wirklich geschlafen hat. Wir ziehen alles an was wir haben, es ist klirrend kalt, schalten die Stirnlampen an und gehen, stumm, mechanisch die Geröllhalde hoch. Fast wie bei der Düne 45 - 2 Schritte nach vorne, einen zurück! Die Kopfschmerzen nehmen zu, die ersten kehren um, wir beissen die Zähne zusammen und gehen weiter, immer weiter, bis schliesslich der Kraterrand bei Gilmans (Stella) point erreicht ist. Zunächst Euphorie, dann die Erkenntniss, dass es noch gut 130 Höhenmeter und ganze 6 km zum „Freiheitsgipfel“ sind! Die nächsten streichen die Segel und gehen, mit tränen überströmten Wangen wieder nach unten!
Wir fragen uns: „Ja, was in Himmels Namen wollte der Leopard hier oben???
Weiter geht’s, die Sonne geht auf und erleuchtet die Gletscher mit einem, auch durch die Höhe bedingtem, nicht von dieser Welt erscheinendem Licht. Es ist einfach überwältigend, wir können nicht anders, uns kommen die Tränen; eine Mischung von Bewegung und Freude. Wir haben die Kälte (gemessene -18 Grad, und das ziemlich genau am Äquator!!), die Kopfschmerzen und die Müdigkeit vergessen und gehen, fast im Laufschritt auf den Gipfel zu. Es ist Weihnachtstag (25.12) und was für ein Geschenk! Wir wollen gar nicht mehr weg von hier, verbringen eine, vielleicht zwei Stunden dort oben; können uns nicht satt sehen, fühlen, spüren!



Magische Stimmung kurz vor Sonnenaufgang in der Nähe von Gilmans point; uns fällt hier bereits auf, dass die Gletscher abrupt, mit einer hohen Wand enden, nicht almählich auslaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten!


Die Kolonne der müden "Übriggebliebenen"!


Die Sonne steht am Horizont, die teilweise über 30 m hohen Gletscherwände werden von der tropischen, afrikanischen Sonne wunderbar in Szene gesetzt!


Gletscher, Wolken und Ebene.....filigran und, ach so prekär! Wir wissen, dass dies nur "auf Zeit" ist, saugen es in uns auf!








Die letzten Bastionen des Gletschers trotzen der afrikanischen Sonne


Schemenhaft im Hintergrund, der 4560 m hohe Meru. Der Arusha Nationalpark liegt am Hang des Berges, wunderbar, idyllisch auf dem Hügelrücken zwischen Meru und Kilimanjaro


Der Blick in den Krater ist atemberaubend.....überall sind noch zeichen der vulkanischen Aktivität zu sehen.....kleine Dampf- und Gaswolken entweichen der Erde. Durch die sehr intensive Sonneneinstrahlung, vor allem bei dieser Höhe sind die Kontraste zwischen dem weissen Eis und der schwarzen Lava besonders extrem


Das Gipfel"kreuz" mit einigen mehr oder weniger interessanten Angaben





Es ist geschafft! Wir stehen auf dem höchsten Punkt Afrikas!


[An dieser Stelle muss ich einfach mal folgende Anmerkung zu einer der (vor Corona) aktuellen Diskussionen in DE loswerden: Wir haben am 25.12.2005 vom Gipfel des Kibo mit dem Mobiltelefon einwandfrei mit unseren Kindern in DE, inklusive Fotos verschicken, kommunizieren können!!! Wo ist nun die „dritte Welt“? Im ach so „primitiven“ Afrika, oder vielleicht doch genau hier, bei uns, wo obiges auch Heute noch, nach mittlerweile 15 Jahren mancherorts nicht gelingt?!]

Der Guide drängt, wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es geht zurück; die „Düne-45-ähnliche Verhältnisse“ sind hierbei durchaus hilfreich! Zunächst zurück zum Barafu Camp wo wir deftig essen, uns 2 Stunden ausruhen und dann eine weitere Höllentour, immer den elend langen Grad hinunter, bis zum Mweka Hütten Camp auf 3100 m! Die gesammte Tagestour ist also 1300 m hoch und dann 2800 m runter und das bei der Meereshöhe - das ist ein Wort! Wir sind euphorisch, atmen kräftig durch, Kopfschmerzen sind weg und (fast) vergessen; es bleibt pure Freude am Erlebten!



Die gleiche Gletscherzunge wie beim Aufstieg, nur 2 Stunden später im grellen Sonnenschein.....welch ein Unterschied!


Unser Lager in Mweka.....Todmüde, aber was für eine Freude am erlebten!


Der Kili verabschiedet sich in Stil.....zarter Wolkenschleier bei Sonnenuntergang.....wir staunen mit offenem Mund und feuchten Augen!







Wir fahren zurück nach Moshi, geniessen die Stadt noch ein wenig und fahren anschliessend noch 3 Wochen auf Safari, wobei wir die Nationalparks; Lake Manyara, Ngorongoro, Serengeti, Arusha und Tarangire besuchen. Dies ist aber ein anderes Kapitel und hat nur wenig mit dieser Geschichte zu tun, daher werde ich hier auch nicht zu diesem Abschnitt berichten.
Abschliessend hierzu vielleicht noch die Bemerkung, dass diese Gesamttour in die top 3 unserer „Allzeit-Bestenliste“ gehört!



Katalysator? Staubfilter? Was ist das?.....auch die "Handbremse" war richtig gut!


.....und TSCHÜSS, AFRIKA!
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So, wie kommt man also nun vom Kilimanjaro nach Tortola?
Letzte Änderung: 13 Apr 2020 14:30 von busko.
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15 Apr 2020 10:31 #586355
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In midestens zwei Hinsichten ist die Insel, ja, die die demnächst nicht mehr „dem Verein“ angehört, uns meilenweit überlegen. Nein, nicht die Esskultur! Obwohl diese bei weitem nicht so schlecht ist wie oftmals, vor allem von denen die weiterhin im Verein verbleiben, behauptet wird! Hierbei denke ich z.B. an Beef Wellington, die riesige Auswahl an teilweise sehr guten „Pies“ und, nicht zuletzt, gibt es vielerorts durchaus auch sehr schmackhafte „Fish & Chips“, vor allem wenn ordentlich mit gutem Essig beträufelt!
Die Insel ist hinsichtlich der populären (pop) Musik weit, weit vorne; hierbei denke ich z.B. an Beatles, Stones, Deep Purple, Black Sabbath, Who, Led Zeppelin, Cream, Yes, Genesis, Pink Floyd, Queen….usw……usw…..usw…. Die Liste liesse sich fast unendlich weiterführen.
Weiterhin wäre da die Kommödie…..Rowan Atkinson (z.B. Blackadder), Peter Sellers (Pink Panther), Douglas Adams (Hitchhikers Guide, Dirk Gentlys Holistic Detective Agency.....)…..und natürlich die bereits erwähnten „Könige der Kommödie“…..Monty Python, dessen Zitat ich jetzt, an dieser Stelle, weil genau hier so gut passend, nochmal bemühen werde…..

„…..and now, for something completely different“

So, wie kommt man also nun vom Kilimanjaro nach Tortola?
Das ist eine einfache, fast logische Geschichte. Wir waren von der Tanzania-Reise, insbesondere von der Kili-Expedition, so „high“, dass wir in eine Art Leere gefallen sind und verzweifelt nach weitere Abenteuer gesucht haben. So kam es, dass wir im folgenden Februar auf der Bootsmesse in Düsseldorf auf einem Mal die verrückte Idee bekamen ein hochseetaugliches Segelboot zu chartern und einen Segeltörn zu unternehmen! Pech nur, dass keiner von uns irgendwelche Erfahrung, geschweige denn einen Segelschein hatte! Was tun? Klar doch, wir suchen einfach eine Charterfirma die (blöd genug ist!) solche Boote auch an Amateure wie uns zu vermieten. Gesagt, getan. Es war nicht einfach und wir haben viele Versuche gestartet, aber letztendlich hat sich „The Moorings“ auf meine Aussage, dass ich als 10 jähriger mal eine Jolle gesegelt hätte, bereit erklärt uns ein Boot im Stützpunkt Roadtown auf der Insel Tortola in den Britischen Jungferninseln zu überlassen…..
und so kommt man, fast zwangsläfig, auf kürzestem Wege vom Kili nach Tortola!
Letzte Änderung: 15 Apr 2020 10:56 von busko.
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16 Apr 2020 14:23 #586455
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Bootsmesse, Düsseldorf, 2006; die "Deutschlandfarben" sind rein zufällig!

Mitte 2007 geht es also los. Wir fliegen mit KLM nach Amsterdam, dann weiter nach Sankt Martin; von dort mit einer klitzekleinen Propellermaschine (8 Sitze; keine Abtrennung zwischen Piloten und Passagieren) in der man noch richtig das Gefühl des Fliegens Hautnah mitbekommt, nach Tortola (Beef island). Wir werden von einer Taxi abgeholt, die uns zunächst etwas merkwürdig vorkommt, dann merken wir, dass der Wagen Linkssteuer hat und Linksverkehr herscht. Wir sehen uns um und merken, dass fast alle Wagen Linkssteuer haben! Später erfahren wir, dass dies daran liegt, dass fast alle Autos aus den USA stammen. Weiterhin merkwürdig ist, dass die offizielle Währung US$ ist, obwohl die Inselgruppe ja noch eine Übersee-Dependence Grossbritanniens ist!
Es herscht absolute Karibik Atmosphäre, überall „Bob Marleys“ in allen möglichen Alters- und „Leibesumfangs“ –klassen, fröhlich farbenfroh. Alles irgendwie sympathisch, attraktiv leicht modrig, schummerig, vernachlässigt! Jetzt mal Hand aufs Herz – das ist doch mit ein Hauptgrund weswegen wir alle in solche Gegenden fahren! Es ist eben NICHT alles mit Braas XYZ, genau abgestimmtes Einheistschwarz bedeckt, schön verputzt und mit Hellweiss ABC auf Hochglanz gestrichen!


Britische Jungferninseln mit den Hauptinseln; Tortola, Virgin Gorda, Anegada und Jost van Dyke


Jumbies (mehr dazu später) Bar im Flughafen von Sint Martin


Diese Maschine zu "hijacken" wäre kein Problem gewesen.....allerdings wäre die nicht nach Manhattan gekommen, sondern bereits, wahrscheinlich nach 3 Tagen Flug, schon vor Florida ohne Sprit abgestürzt!


Die Landepiste auf Beef Island, eine kleine Insel, die mittlerweile per Brücke mit Tortola verbunden ist

Wir kommen im Moorings-Stützpunkt an, werden freundlich empfangen und zum Boot geführt (32 Fuss Beneteau; ca. 5 Tonnen „Lebendgewicht“). Mit einer oberflächlichen Einführung und einem freundlichen „hier sind die Schlüssel“ und „wir sehen uns dann in 2 Wochen wieder“ sitzen wir nun da! Keine Ahnung von nichts! Wie geht noch mal der Motor an? Wie bekommt man das Grosssegel vom Baum an die Mastspitze?.....und überhaupt, wo ist hier die Handbremse?.....im Kopfkino kommt die Kaimauer auf einem zu und wie bitte jetzt anhalten? Wir verdrängen diese Gedanken erst einmal indem wir einkaufen gehen. Der Supermarkt ist gut bestückt, wir wundern uns, dass es eine grosse Auswahl (durchaus guter) südafrikanischer Weine gibt? Auch Trockenobst und andere, nicht verderbliche Waren aus SA sind zu haben? Später erfahren wir, dass diese Güter als „Ballast“ bei der Überführung der sehr populären Robertson & Caine Katamarane, die in Kapstadt gebaut werden, quasi als „Kostenverdünnungsmassnahme“ mitgebracht werden!



Die "Moorings Marina" im Hafen von Roadtown auf Tortola…..alles sehr gut in Schuss!


…..und, was machen wir jetzt mit diesen 5 Tonnen ohne Bremse.....?
So sieht ein ängstlicher, ahnungsloser "Skipper" aus!

Am nächsten Morgen hilft alle Prokrastination nicht mehr; wir müssen los! Wir werfen den Motor an und versuchen rückwärts vom Liegeplatz in den Kanal „auszuparken“. [Dabei merken wir erstmals, dass das Steuerruder fast nutzlos ist und, dass ein Segelboot, zumindest bei niedriger Geschwindigkeit, nicht gerade nach hinten fährt, sondern sich eher, fast Krebsmässig seitlich nach hinten bewegt! Wie wir mittlerweile wissen, steht dieses Phänomen als „prop-walk“ bekannt und rührt daher, dass der Propeller, drehrichtungsbedingt entweder links oder rechts der Mitte des Rumpfes Wasser nach oben drückt. Durch die keilförmige Form des Rumpfes wird das Boot dadurch nach links oder nach rechts bewegt.]
Irgendwann schaffen wir es dann doch, kommen mehr schlecht als recht aus dem Hafen, denken drann, dass in diesen (amerikanischen) Gewässern - „Red, Right, Returning“ - herscht, also die rote Tonne an Steuerbord, die grüne zu Backbord wenn man in den Hafen einläuft, also genau anders herum wenn man ausläuft!


Beiboot viel zu eng angebunden.....aber das lernen wir schnell!


Rote Tonne an Backbord, grüne an Steuerbord beim Verlassen des Hafens
Letzte Änderung: 16 Apr 2020 14:57 von busko.
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