THEMA: Tipps zu Tier und Naturfotografie
17 Apr 2021 15:23 #613014
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  • Monokelkobra am 17 Apr 2021 15:23
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Hi Sabina

Ich bin zwar nicht Bonebreaker, bin aber sicher er mag es mir nachsehen wenn ich mich hier ne Sekunde einklinke.

Fotografieren in der Dämmerung ist dann tatsächlich etwas, dass extremst von deiner Technik abhängig ist. Du kannst genau wissen was du machst, wenn es dein Kamerasystem nicht handeln kann, dann wird's nichts so sehr du dich auch anstrengst. VORALLEM dann, wenn sich dein Motiv charmanterweise auch noch bewegt :blink: Dann wird's richtig übel ..

Gerade in Afrika sind aus meiner Sicht und Erfahrung die frühen Morgen- oder späten Abendstunden die schönsten und fotografisch auch fruchtbarsten. Und genau hier trennt sich die günstige Kamera mit dem Kit-Objektiv vom von der Profikamera mit dem Profiobjektiv. Da ich nicht weiss mit welcher Kombi du arbeitest und nutzt, kann ich natürlich nicht im Detail darauf eingehen, aber es gibt einmal sicher 2-3 Spielregeln die man kennen & beachten muss.
  • Verschlusszeit musst du deinem Motiv und deiner Brennweite anpassen. Heisst je schneller es läuft und je länger deine Brennweite ist, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein. 1/1000 , 1/2000 oder sogar noch kürzer kann es schon mal brauchen.
  • Die Blende soweit als möglich öffnen, bedeutet die F-Zahl so klein als möglich wählen, F4 ist besser als F6.3 und F6.3 lässt mehr Licht rein als F11. Ideal sind hier natürlich Werte zwischen F1.8-max. F4, alles darüber wird kritisch. Was du wählen kannst hängt von deinem Objektiv ab, je teurer es ist desto tiefer F- oder Blendenwerte kannst du wählen.
  • ISO stellst du am besten auf ISO Automatik, Werte von ISO 6'400 oder gar 12'800 sind schnell mal realistisch. ABER Vorsicht, je höher der ISO Wert, desto mehr rauschen (quasi sichtbares Korn) hast du im Bild und die Details des Motivs werden immer schlechter erkennbar.

Die drei Werte stehen in direktem Zusammenhang und beeinflussen einander, hat man beispielsweise ein eher günstiges Objektiv mit F6.3 und kann nicht weiter öffnen, dann kann dies mittels ISO kompensiert werden. ABER eben, du wirst mehr Rauschen haben, vor allem wenn die Kamera auch eher aus dem unteren Preisrange ist.

Leider kann man nicht viel tricksen hier, wenn du Makro machst dann geht natürlich immer blitzen, aber bei Wildtieren etc. ist dies natürlich keine Option.

Hier ist es also wirklich so, du spürst jeden clever investierten Cent wenn du zu diesen tollen Tageszeiten fotografieren willst und einen "work-arround" gibt es leider nicht.

Du findest dazu aber auch auf Youtube jede Menge tolle Videos wo man es dir auch mit Beispielbildern und weniger trocken erklärt :P

LG Marco






Sabine26 schrieb:
Hallo Bonebreaker,

vielen herzlichen Dank für Deine verständlichen und ausführlichen Erklärungen.

Wenn es Dir nichts ausmacht, könntest Du noch einmal für jemanden aus "out of the box" noch ein paar Tipps geben zu Aufnahmen im Dunkeln/in der Dämmerung? Daran scheitere ich immer gnadenlos und bin schon bei der einen oder anderen Aufnahme ziemlich traurig gewesen, weil solch eine Situation wahrscheinlich nicht mehr wieder kommen wird. Deine Infos zu ISO habe ich gelesen, aber gibt es darüber hinaus noch Kniffe?

Ich finde es übrigens klasse, wie Du alles erklärt hast und nicht mit irgendwelchen Fachbegriffen um Dich geworfen hast! Auch dafür noch einmal ganz lieben Dank!

Außerdem bin ich froh, dass Du scheinbar nicht zu nahe an der Schlange warst und so noch die Tipps geben kannst :)

Viele Grüße
Sabine
Ich bin ein Wildlife-Fotograf & Photo-Coach aus der ländlichen Ostschweiz im Dreiländereck CH/AT/DE.
Mein Fokus liegt auf Wildtieren aus Afrika & dem südwesten der USA, mit dem Spezialgebiet Schlangen bzw. Reptilien
Letzte Änderung: 17 Apr 2021 15:26 von Monokelkobra.
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17 Apr 2021 16:31 #613020
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@Friederike
Du darfst gerne, wenn was unklar ist, nachfragen, vorallem wenn Fachchinesich dabei ist :-)

@loser
Ja, die digitale Fotografie sorgt für eine Fotoschlacht. In der analogen Fotografie, wo jedes Bild, sowohl beim Fotografieren als auch beim Abzug, Geld gekostet hat, hat man sich zweimal überlegt, ob man abdrückt, und hat im Vorfeld mehrfach geprüft, dass alles richtig eingestellt war. Das ist jetzt anders, man kann soviele Bilder machen, wie die Speicherkarte hergibt. Allerdings kann man viel leichter ausprobieren und dadurch geht die Lernkurve deutlich schneller nach oben.

@sabine26
Monokelkobra hat ja schon ein paar Sachen gesagt, vielen Dank dafür. Ich merke, er und ich denken auch ein bißchen anders, was für Euch Frager richtig gut ist, ihr bekommt verschiedene Lösungen präsentiert. Denn mein erster Gedanke für dein Problem war: ein Stativ. Bzw die Kamera auf einen festen Untergrund stellen bzw abstützen, von mir auch eine Tasche oder mit etwas Anderem improvisieren, sofern die Kamera dann wirklich längere Zeit stabil steht, ohne zuwackeln oder verrutschen. Mann kann mir der ISO runter, dafür geht die Belichtungszeit hoch, das geht in die Richtung mehrere Sekunden. Das hält niemand mehr in der freien Hand.
Aber: das geht nur mit statischen Motiven, eben Landschaft. Manchmal hat man Glück und ein Tier bleibt mal einige Sekunden wie eingefroren stehen.
Sofern das Motiv nicht statisch ist, oder du die Kamera nicht auflegen kannst, geht es eben nur über die Iso-Zahl und einer entsprechenden kurzen Verschlusszeit, wie Monokelkobra es beschrieben hat.

Was ich manchmal mache, bei absoluter Dunkelheit: Beim Erdferkel (was wir als Hyäne vermutet haben)
www.namibia-forum.ch...r-2020.html?start=24
habe ich so gemacht. Es war so dunkel, dass meine Belichtungsautomatik meinte: "Nö, mag net, such dir nen anderen Dummen". Ich habe manuell auf 1/40s gestellt. Natürlich war das Bild dadurch viel, viel zu dunkel, hatte aber noch genug Bildinformationen. Ich habe es dann am PC aufhellen können. Da eh kaum Farben vorhanden war, habe ich es in Schwarzweiß umgewandelt. Das Bild taugt allerdings nur zur Dokumentation, ist sicherlich keine elegante Lösung und du must das Bild bearbeiten, was für dich erstmal nichts ist.

Du kannst aber die ganzen Mittel kombinieren. Probiere eine nicht ganz so hoch ISO-Zahl, wo das Rauschen noch ok ist, leg die Kamera auf bzw leg die Arme auf eine festen Untergrund zur Stabilisierung, lass das Bild etwas unterbelichten, dafür eine kürzere Verschlusszeit. Hinterher hell das Foto mit der Kamerainternen Bildbearbeitung auf. Das ist natürlich Improvisiert, aber manchmal ist man echt überrascht was klappt.
Bitte nicht lachen. Auch die Atmung kann zum Verwackeln beitragen, machs wie die Scharfschützen. leicht ausatmen und die Luft anhalten und dann abdrücken (den Kameraauslöser natürlich :) ).

Wenn dein Problem die starken Kontraste sind: Schön belichteter Himmel, der Untergund aber düster schwarz, habe ich außer dem Thema "Tiefen und Lichter in der Kamera aktivieren" keinen besseren Vorschlag. Mein Foto, welches ich unter dem Tiel "Bildbearbeitung" gezeigt habe, zeigt das Problem. Und solche Dinge sind über die Bildbearbeitung sehr gut zu lösen. Du kannst natürlich auch einen Verlauffilter (Filter der oben dunkel ist und nach unten immer heller wird)

www.google.com/searc...QBA&biw=1542&bih=882

verwenden. Du dunkelst für die Kamera künstlich den Himmel ab. Aber du musst dann mit dem Filter rumrennen, ist auch nicht jedermans Sache. Ich habe irgendwann meine Verlauffilter in die Ecke gestellt, bzw unabsichtlich in der Socca versenkt. Seitdem gehe ich nur noch den Weg über die Bildbearbeitung.
Letzte Änderung: 17 Apr 2021 16:45 von Bonebreaker.
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17 Apr 2021 17:59 #613025
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  • Sabine26 am 17 Apr 2021 17:59
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Hallo Marco, hallo Bonebreaker,

vielen Dank für die Tipps - ich denke, es liegt nicht an der Kamera, sondern an mir :=)

Bei einem Motiv hat es mir besonders leid getan. Es war in der Dämmerung im Pantanal und neben dem Wagen tauchte ein großer Ameisenbär auf, ich raus, aber der Ameisenbär wollte weiter und hat leider auch nicht stillgehalten. Da kam halt alles zusammen, aber ich befürchte auch bei Stillhalten, hätte ich es nicht hin bekommen. Ich muss mir Eure Tipps noch mal in Ruhe durchlesen und versuchen, Sie zu verinnerlichen ... und wohl auch üben :whistle:

Ich weiß, ein Stativ ist oftmals viel wert, aber ich konnte mich zu dieser Schlepperei noch nicht durchringen. Gut, im obigen Fall hätte es nichts genutzt.

Viele Grüße
Sabine
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Lieber Bonebreaker,

danke für die tolle Zusammenfassung, eigentlich hast Du 280 Seiten "Wie benutze ich meine Kamera richtig" auf wenig Platz sehr gut dargestellt. Eine einzige Sache fehlt mir (die musste ich auch erst lernen), und zwar: Wenn die Kamera die Möglichkeit bietet, Bilder im RAW-Format aufzunehmen, dann UNBEDINGT auch in RAW fotografieren.
Selbst wenn einem ein Bild mangels Licht zu dunkel gerät oder mal eine Überbelichtung im Kasten ist - im RAW-Format gibt es immer noch die Chance, das Bild zu retten - im JPG-Format geht da nahezu nichts mehr.
Ansonsten: Cool, vielen Dank!
HeiVi
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17 Apr 2021 19:49 #613042
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Ein großes Lob und vielen Dank für diese aufwändige Zusammenstellung :) .

Sabine26 schrieb:
... und wohl auch üben :whistle:

Üben - meiner Meinung nach ein ganz wichtiges Stichwort.

Übt mit euren Kameras, macht Bilder, setzt euch mit euren Kameras auseinander, lernt sie und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen kennen.
Probiert verschiedene Einstellungen, vergleicht die Ergebnisse.
Denn oft ist nicht die Kamera, sondern ihr Benutzer der limitierende Faktor.

Gerade jetzt, wo das Reisen nur bedingt möglich ist, bietet sich doch die Gelegenheit zum Üben.
Landschaft und Wildlife gibt es ja auch hierzulande, auch unsere vierbeinigen Mitbewohner sind mehr oder weniger willige Motive. So könnt ihr euch auch ganz zwanglos mit dem Thema Bildgestaltung auseinandersetzen.

Eure so gemachten Erfahrungen helfen euch dann im "Ernstfall", euch selbst und die Kamera auf bestimmte Situationen einzustellen.
LG Stefan

Die Reise unseres Lebens: Antarktis 2018/19
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Letzte Änderung: 17 Apr 2021 19:51 von loeffel.
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17 Apr 2021 20:04 #613045
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loeffel schrieb:
Denn oft ist nicht die Kamera, sondern ihr Benutzer der limitierende Faktor.
.

Das ist so.
Ich kann mich noch an eine Fahrt unserer Betriebssportgemeinschaft erinnern.
Alle staunten über die Profikamera einer Kollegin. 20 andere hatten irgendwelche "Knipskisten". Aus der Profikamera war am Ende kein einziges Foto brauchbar. Bei einer Monate späteren Veranstaltung wiederholte sich das.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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