Hallo jekabemu, ich setze deine anderswo gestellte Frage betr. die Regenerierung der ständig neuen Wege hier fort, weil sie Seltenheitswert hat und die Region ein Anschauungsbeispiel dafür ist, wie ein nicht mehr zeitgemäßes Konzept seine Grenzen zum Schaden des Ganzen überschritten hat, ohne dass (bisher) adäquat darauf reagiert wird.
Pollux hat schon aufgezählt: Ständiges und beschleunigtes Wachstum bei Unterkünften aller Kategorien, entsprechend gesteigerter Verkehr, insbes. Versorgungs(=Schwer)verkehr, Verhaltensänderungen der Besucher …. zerstören die nie für sowas gedachten Wege, insbes. in der nassen Jahreszeit. Ich füge noch die gestiegenen Antriebsleistung der Fahrzeuge dazu und den oft nicht angepassten Umgang damit.
Ein Vergleich mit „früher“ zeigt den Beitrag des Verkehrsaufkommens deutlich. In Moremi gab es anfänglich nur die Nord/Süd-Durchfahrt über 3rd Bridge und ein paar große Schleifen, insgesamt vielleicht 200 km, praktisch alles auf „Festland“ bzw. dessen Ufern und an Pfannen. Dieser (lehmige) Boden ist in der trockenen Jahreszeit glatt und komfortabel befahrbar; ohne potholes, weil in der Nassen geschlossen war. Schlecht war nur die Zufahrt, bis zum Abzweig zu South Gate. Es gab kaum 4x4-Tiefsand bzw. nur dort, wo sich das Gras nicht mehr regeneriert hatte, alles wäre zu 95 % mit einem 2x4-Bakkie befahrbar gewesen. Allrad war natürlich besser, weil man mit Guide (war Pflicht) auch off-road durfte, aber bei der geringen Besucherzahl regenerierte sich das bis zur nächsten Saison; vielerorts war auf der Spur noch niedergefahrenes Gras.
Das später entstandene Wegelabyrinth mit x-facher Länge der ursprünglich „offiziellen“ Wege, wurde eigentlich „wild“ angelegt. Durch Abschneider, zu Sichtungen, Selbstfahrer sind den „konzessionierten Offroadern“ nachgefahren, durch Umfahrung von Hindernissen und Schäden, kaputten Brücken, Flutung usw. (was hier Seiten füllt), welche letztlich mit der heutigen Besucherfrequenz und -erwartungslage zusammenhängen.
Schon Ende der 90er-Jaher wurde das wild entstandene Wegelabyrinth lt. Roodt so
"…. The distance between Xakanaxa and Third Bridge (a distance of 25km) has over 600km of tracks and in Moremi Game Reserve there are over 1200km of illegal roads. Creation of illegal roads is one of the major environmental impacts of tourism development in the Okavango Delta… "
geschätzt (siehe PDF). Und, wenn einmal da, verselbständigt sich das und man kriegt es nicht mehr einfach weg, also multipliziert es sich und ist heute sicher noch mehr als o.a.
Wenn ich hier lese, was da noch alles in der pipeline ist und reflektiere, wie und wohin sich das in 50 Jahren verändert hat und nochmals 20 Jahre extrapoliere, sehe ich schwarz für dieses Konzept. Moremi und „Erweiterungen“ steht dann mE im Risiko „niedergefahren“ zu werden, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert. Was Elefanten nicht erledigen (ein eigenes Thema betr. Flurschäden), wird der Tourismus schaffen.
Die von Wegen und Kollateralschäden beeinträchtigte Fläche ist natürlich klein im Verhältnis zur Gesamtfläche der Parks (ein Argument derer, die nichts dabei finden), kann aber auch schon viel des Blickfeldes ausmachen und damit die „Naturästhetik“ für die stören, die auch das und nicht nur Tiere suchen. Darauf läuft es letztlich hinaus, wenn das ungebremst weiterwächst.
Obig ist kein exklusives Problem von Moremi und Botswana sondern weltweit. Wer sich dafür interessiert und Einschlägiges liest, weiß, wie andere Länder und Regionen damit umgegangen sind. Ich bin gespannt, wie BW und -Fans damit umgehen werden, ob und wie sie diesen Geist zurück in die Flasche kriegen.
Grüße