THEMA: Moremi Fahrspaß mit Kollateralschäden
09 Dez 2025 14:01 #717366
  • tacitus
  • tacituss Avatar
  • Beiträge: 997
  • Dank erhalten: 1228
  • tacitus am 09 Dez 2025 14:01
  • tacituss Avatar
Hallo jekabemu, ich setze deine anderswo gestellte Frage betr. die Regenerierung der ständig neuen Wege hier fort, weil sie Seltenheitswert hat und die Region ein Anschauungsbeispiel dafür ist, wie ein nicht mehr zeitgemäßes Konzept seine Grenzen zum Schaden des Ganzen überschritten hat, ohne dass (bisher) adäquat darauf reagiert wird.

Pollux hat schon aufgezählt: Ständiges und beschleunigtes Wachstum bei Unterkünften aller Kategorien, entsprechend gesteigerter Verkehr, insbes. Versorgungs(=Schwer)verkehr, Verhaltensänderungen der Besucher …. zerstören die nie für sowas gedachten Wege, insbes. in der nassen Jahreszeit. Ich füge noch die gestiegenen Antriebsleistung der Fahrzeuge dazu und den oft nicht angepassten Umgang damit.

Ein Vergleich mit „früher“ zeigt den Beitrag des Verkehrsaufkommens deutlich. In Moremi gab es anfänglich nur die Nord/Süd-Durchfahrt über 3rd Bridge und ein paar große Schleifen, insgesamt vielleicht 200 km, praktisch alles auf „Festland“ bzw. dessen Ufern und an Pfannen. Dieser (lehmige) Boden ist in der trockenen Jahreszeit glatt und komfortabel befahrbar; ohne potholes, weil in der Nassen geschlossen war. Schlecht war nur die Zufahrt, bis zum Abzweig zu South Gate. Es gab kaum 4x4-Tiefsand bzw. nur dort, wo sich das Gras nicht mehr regeneriert hatte, alles wäre zu 95 % mit einem 2x4-Bakkie befahrbar gewesen. Allrad war natürlich besser, weil man mit Guide (war Pflicht) auch off-road durfte, aber bei der geringen Besucherzahl regenerierte sich das bis zur nächsten Saison; vielerorts war auf der Spur noch niedergefahrenes Gras.

Das später entstandene Wegelabyrinth mit x-facher Länge der ursprünglich „offiziellen“ Wege, wurde eigentlich „wild“ angelegt. Durch Abschneider, zu Sichtungen, Selbstfahrer sind den „konzessionierten Offroadern“ nachgefahren, durch Umfahrung von Hindernissen und Schäden, kaputten Brücken, Flutung usw. (was hier Seiten füllt), welche letztlich mit der heutigen Besucherfrequenz und -erwartungslage zusammenhängen.

Schon Ende der 90er-Jaher wurde das wild entstandene Wegelabyrinth lt. Roodt so

"…. The distance between Xakanaxa and Third Bridge (a distance of 25km) has over 600km of tracks and in Moremi Game Reserve there are over 1200km of illegal roads. Creation of illegal roads is one of the major environmental impacts of tourism development in the Okavango Delta… "

geschätzt (siehe PDF). Und, wenn einmal da, verselbständigt sich das und man kriegt es nicht mehr einfach weg, also multipliziert es sich und ist heute sicher noch mehr als o.a.

Wenn ich hier lese, was da noch alles in der pipeline ist und reflektiere, wie und wohin sich das in 50 Jahren verändert hat und nochmals 20 Jahre extrapoliere, sehe ich schwarz für dieses Konzept. Moremi und „Erweiterungen“ steht dann mE im Risiko „niedergefahren“ zu werden, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert. Was Elefanten nicht erledigen (ein eigenes Thema betr. Flurschäden), wird der Tourismus schaffen.

Die von Wegen und Kollateralschäden beeinträchtigte Fläche ist natürlich klein im Verhältnis zur Gesamtfläche der Parks (ein Argument derer, die nichts dabei finden), kann aber auch schon viel des Blickfeldes ausmachen und damit die „Naturästhetik“ für die stören, die auch das und nicht nur Tiere suchen. Darauf läuft es letztlich hinaus, wenn das ungebremst weiterwächst.

Obig ist kein exklusives Problem von Moremi und Botswana sondern weltweit. Wer sich dafür interessiert und Einschlägiges liest, weiß, wie andere Länder und Regionen damit umgegangen sind. Ich bin gespannt, wie BW und -Fans damit umgehen werden, ob und wie sie diesen Geist zurück in die Flasche kriegen.


Grüße

Dateianhang:

Dateiname: Mbaiwa10.1...1.13.pdf
Dateigröße:1,201 KB
Letzte Änderung: 11 Dez 2025 19:15 von tacitus.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, Burschi, freshy, mika1606, GinaChris, jekabemu
09 Dez 2025 15:27 #717369
  • pollux
  • polluxs Avatar
  • Beiträge: 1555
  • Dank erhalten: 1286
  • pollux am 09 Dez 2025 15:27
  • polluxs Avatar
Hallo tacitus, danke für den neuen Thread, nachdem jemand im Flut-Thread davon "genervt" war. Vielleicht können weitere "alte Hasen" noch was beitragen.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: jekabemu, tacitus
09 Dez 2025 15:46 #717371
  • pollux
  • polluxs Avatar
  • Beiträge: 1555
  • Dank erhalten: 1286
  • pollux am 09 Dez 2025 15:27
  • polluxs Avatar
Noch ein paar Bilder aus Nov 25. Vet Gate-Sankuyo, Transit Route und im Moremi.
(Bilder drehen war mir jetzt zu aufwändig)









Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
Letzte Änderung: 09 Dez 2025 15:48 von pollux.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, Graskop, GinaChris, jekabemu, tacitus, Makalani
09 Dez 2025 15:53 #717372
  • GinaChris
  • GinaChriss Avatar
  • Beiträge: 4975
  • Dank erhalten: 10462
  • GinaChris am 09 Dez 2025 15:53
  • GinaChriss Avatar
Hi tacitus,

ich fürchte dieser Geist ist nicht mehr zurück in die Flasche zu bringen!

Viel zu angesagt die Gegend.
Alle die ihre ersten 4x4-Versuche erfolgreich im KNP absolviert haben,
wagen sich an die nächste Stufe Namibia, dicht gefolgt von Moremi und Chobe.

Dass neue Unterkünfte, egal ob Lodges oder Campingplätze, wie die Schwammerln aus dem Boden schießen,
und so für die Konzessionsinhaber erst so richtig lukrativ werden,
wurde hier schon ausführlich beschrieben.
Zur Zeit diskutiert man im Parlament, ob eine Präsidentenlodge errichtet werden soll...
Gleichzeitig, und in regelmäßigen Abständen, werden Anfragen eingebracht,
die das Selbstfahren grundsätzlich verbieten wollen,
und man die Touristen dann nurmehr, chauffiert von lokalen Fahrern, durch beide Parks kutschieren sollte.

Derzeit läuft ein Feldversuch einer zentralen Online-Buchungsplattform,
die das jetzige, völlig veralterte System der Unterkunftsbuchung in NPs ablösen soll.

Gruß Gina
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, Logi, Graskop, mika1606, jekabemu, tacitus
10 Dez 2025 10:51 #717421
  • tacitus
  • tacituss Avatar
  • Beiträge: 997
  • Dank erhalten: 1228
  • tacitus am 09 Dez 2025 14:01
  • tacituss Avatar
ME werden solche Schäden, wie die großen „Wannen“, meistens vom Schwerverkehr initiiert. Das ist bei befestigten Straßen so (potholes) und bei unbefestigten erst recht. Und wenn diese nicht „gebaut“ sind, sondern nur planierter Untergrund, ganz besonders.
Ich habe schon live gesehen, wie schnell ein LKW mit durchdrehenden Rädern so eine Badewanne aushebt. Einmal ein Overlander am Campingplatz bei Northgate.
Natur- und Schotterstraßen halten sich ohne Schwerverkehr unvergleichlich besser als mit, da können sie in der nassen Jahreszeit rasch zum Schlachtfeld werden.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
10 Dez 2025 12:14 #717431
  • pollux
  • polluxs Avatar
  • Beiträge: 1555
  • Dank erhalten: 1286
  • pollux am 09 Dez 2025 15:27
  • polluxs Avatar
Wobei die Piste Shorobe-South Gate sogar eine gebaute Schotterpiste war. Man kann sie in Google Street View mit Stand 2012 auf der ganzen Länge verfolgen. Nur jetzt ist sie keine solche Piste mehr, sondern nur noch ab und zu neu geschoben, wenn überhaupt.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: tacitus