Aber jetzt geht es los:
Fly away – die leicht chaotische Kunst des Reisens
Natürlich mussten wir uns wieder die große philosophische Frage stellen: Wem schenken wir diesmal unser Geld und unser Vertrauen? Und da ist unser Test-Sieger einfach die Qatar Airways, der elegante Vogel aus Doha, der uns bisher am zuverlässigsten durch die Lüfte getragen hat.
Reiserücktrittsversicherung? Nein Danke, dachten wir. Schließlich sind wir schon viel gereist, ohne dass je etwas war. Na gut, außer Corona. Aber das zählt nicht, das war ja quasi ein globales „Pech gehabt“. Und der Praxistest zeigte: Eine Versicherung ist wie ein alter Regenschirm – wenn`s wirklich schüttet, nicht zu gebrauchen. Also sparen wir uns diesen Lotterieschein.
Schließlich buchen wir am 3. Juni 2025 unseren Flug. Alles ist gut und entspannt. Bis zum 13. Juni. Die Medien sprechen von einer Eskalation zwischen Israel und dem Iran.
Na prima, wir sind begeistert – also… innerlich schreiend, äußerlich bemüht, normal weiterzuatmen.
Jetzt ist eine optimistische Haltung gefragt und die Hoffnung, dass sich die Lage bis Februar 2026 wieder beruhigt. Politisch interessierte Menschen würden das vermutlich „naiv“ nennen. Und das kann ich ihnen nicht verübeln. Aus meinem Selbstschutzbedürfnis heraus beschäftige mich nur in homöopathischen Dosen mit dem politischen Weltgeschehen. Mehr verkrafte ich einfach nicht. Uwe ist zwar „Otto-Normalo“ informiert, aber auch kein Experte. Seine Reaktion mir gegenüber: Jetzt haben wir die Tickets und hoffen, dass sich bis Februar alles wieder beruhigt hat.
Samstag 31. Januar - Wir sind dann mal weg!
Die Koffer stehen im Flur, die Katzen ahnen den Abschied bereits. Pünktlich auf die Minute klingelt es – unser Taxi ist da. Ein letzter Fellknutscher und tschüss: Wir sind dann mal weg.
Am Flughafen läuft alles entspannt.
Einziger Störfaktor im Flieger ist der üble Mundgeruch in meinem direkten Umfeld. Gekrönt wird das Ganze nur noch von einem heftigen Stinkstiefel-Mief der Kategorie Verwesungsduft, an dem uns ein Mitreisender großzügig teilhaben lässt. Seine oder ihre Füße dürfen Fischluft schnuppern – man gönnt sich ja sonst nix und ich werde auch gleich mitbeschenkt. Bei mir meldet sich wirklich mehrmals der Würgereflex. Hätten nicht mehrere Gäste die Schuhe ausgezogen, hätte ich den Übelriecher persönlich gebeten, seine Füße wieder zu verpacken - am Besten Vakuum.
Sonntag 1. Februar - Ankunft in Kapstadt
Erstmal tief durchatmen. Die Mother City begrüßt uns mit 27 Grad, und ich schäle mich sofort aus meinem Eisbärenkostüm. Endlich wieder Wohlfühltemperatur. Die Koffer sind schnell gefunden. Die Autoabholung verläuft zügig und gut.
Wir sind echte Landeier und schmeißen uns nicht erst ins Sightseeing, sondern suchen direkt das Weite. Rein ins Auto, raus aus der Stadt, nordwestlich Richtung Paternoster. Die Straße, das Meer in der Ferne und endlich Platz um uns herum – genau das, was wir wollten.
Tisch-Notstand am Melkbosstrand:
Sommer, Sonne, Wind, Meer – und Hunger. So könnte man unsere Situation beschreiben. Wir steuern das Damhuis Restaurant am Melkbosstrand an. Leider ist heute Sonntag, und offenbar will die halbe Provinz den letzten Tisch. Schon die Parkplatzsuche zieht sich, und wir laufen am Ende ein gutes Stück.
Im Damhuis dann das Schild: Fully booked. Weiter zum nächsten Restaurant: Fully booked. Noch eins: Fully booked.
Schließlich landen wir in einem kleinen Bistro, das uns ohne großes Aufheben einen Tisch anbietet. Burger, kaltes Getränk, freundliche Besitzerin, ein bisschen Smalltalk – genau richtig, um im Urlaubsmodus zu landen.
dieser sensationelle Burger wurde aber nicht am Melkbosstrand serviert, sondern ins Sweetfontein
Rückweg mit Anhang
Wir laufen die lange Strecke zurück, und schon in der ersten Straße wird ein Parkplatzwächter auf uns aufmerksam. Er folgt uns, obwohl er unseren Parkplatz unmöglich gesehen haben kann. Dafür hätte er einen Aussichtsturm gebraucht. Wir ignorieren ihn, er ignoriert unser Ignorieren. An der Fahrertür steht er schließlich in einer Haltung, die deutlich macht, dass er mit einer kleinen Anerkennung rechnet. Aber fürs Hinterherlaufen gibt es keinen Lohn. Auch wenn es uns nicht leichtfällt, bleibt es dabei – dreistes Auftreten findet bei uns keine finanzielle Anerkennung.
Müdigkeit breitet sich aus
Nach dem Essen fahren wir keine zehn Minuten, da klappt bei mir innerlich der Rollladen runter. Von jetzt auf gleich. Die Augen wollen zu, der Rest vom Körper ist derselben Meinung. Die lange Anreise fordert ihren Tribut. Ich halte trotzdem durch, weil ich die Langebaan-Lagune sehen will. Wir sind beide so müde, dass selbst einfache Überlegungen plötzlich zum Hochleistungs-Denksport ausarten.
Navigationsfehler im Halbschlaf
Ich hatte geplant, dass wir durch den Westcoast Nationalpark fahren. Jetzt zweifeln wir an allem. Dürfen wir den Park überhaupt als Transitstrecke benutzen? Oder stehen wir am Ende vor einer Schranke und müssen den Rückwärtsgang einlegen?
Wir fahren zum Eingang und fragen die Beamtin, ob wir nach Paternoster durch den Park fahren müssen. Zugegeben – saublöd formuliert! Müssen muss man schließlich gar nix – so hat sie unsere Frage interpretiert und uns direkt auf die R27 geschickt. Unser Zentralcomputer hatte wohl ein paar Gehirnwindungen blockiert. Erst kurz vor Paternoster realisieren wir, dass wir die Lagune weiträumig umfahren haben. Kurz geärgert, dafür schneller am Ziel – und am Ende sogar ganz froh drum.
da wollten wir eigentlich hin
Welcome im Farr Out Guest House
Marion begrüßt uns wie alte Bekannte und fragt, ob wir fürs Dinner schon etwas reserviert haben. Haben wir nicht. Und wir sind viel zu kaputt, um noch irgendwohin essen zu gehen. Der Burger war sowieso aus dem Regal für Nachhaltigkeit. Wir sind noch gut satt. Für heute passen wir, aber für morgen sehr gern. Marion greift zum Telefon und reserviert im Gaaitjie Strandrestaurant einen Tisch für uns.