THEMA: Schmierestehen für ein Steak – Südafrika im Feb.
03 Apr 2026 11:19 #723333
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03 Apr 2026 11:41 #723336
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Das Geheimnis um den heiligen Wisch

Wir passieren das Tor nach Twee Rivieren und stellen uns direkt den ersten Herausforderungen für KTP-Neulinge. Die Anmeldung verläuft noch einigermaßen verständlich, aber beim Thema „Laufzettel“ stoßen wir an unsere kommunikativen Grenzen. Es folgt ein Ganzkörpereinsatz mit Händen und Füßen – das sieht zwar sportlich aus, bringt aber wenig Licht ins Dunkel.
Das Permit für den 4x4 Trail, den wir heute noch fahren möchten, wandert allerdings erfolgreich in die Tasche.

Wenn der Laufzettel zum Zettellauf wird

Wir nehmen das gute Stück also erst mal mit und versuchen unser Glück beim Torwächter. Dieser nimmt uns das Papier prompt ab, was uns stutzig macht: Sollten wir diesen heiligen Gral nicht immer bei uns haben? Also im Rückwärtsgang zurück zur Rezeption, Klärungsbedarf anmelden. Ergebnis: Ja, wir brauchen den Wisch. Also wieder zum Wächter und unseren Freifahrtschein zurückerobert.

Luxus-Eis und Holzbeschaffung

Die Schönheitskür unseres Chalets ist leider noch nicht vollendet. Es braucht noch ein paar Streicheleinheiten vom Reinigungstrupp.- Soll es haben. Wir warten! Die Zeit nutzen wir für eine Inspektion des Shops. Die Auswahl? Erstaunlich gut! Mein Blick bleibt an der Tiefkühltruhe hängen: Ein Eis! Das ist jetzt genau das Richtige.

Neben dem Feuerholz landet also eine Portion gefrorenes Glück auf dem Tresen. Huiii – der Preis ist allerdings eine echte Ansage. Ich suche nach einer einleuchtenden Rechtfertigung. Dafür habe ich nur eine Erklärung: Es wurde vermutlich durch den Panamakanal und anschließend per Esel-Express hierher befördert und musste mehrmals neu tiefgefroren werden. Das wäre natürlich eine logistische Herausforderung, die den Preis nachvollziehbar machen würde. Aber das macht mir gleichzeitig wieder bewusst, wo ich gerade bin, und das trocknet die Tränen, die mir in die Augen steigen, während ich mein Geld über den Tresen hinweg verabschiede. Dafür schmeckt meine kleine Glückseligkeit..naja, sagen wir interessant.

Paradies am Ende der Straße

Das Eis – Geschmack hin oder her – war erfrischend, und das halbe Stündlein Wartezeit, bis uns der rote Teppich auf dem Weg in unsere Residenz ausgerollt wird, ist angenehm kurzweilig. Wir halten den Schlüssel zum Glück in den Händen und rollen bis fast ans Ende des Weges. Unsere Unterkunft ist ein Doppelhaus-Chalet; die andere Seite ist nicht belegt und das nächste Nachbarhaus in angenehmer Distanz.

Auto abgestellt. Einmal ums Haus – schon stehen wir auf unserer großzügigen Terrasse. Der Blick in die Landschaft? Schlichtweg super! Von außen betrachtet gefällt uns sehr, was wir sehen. Jetzt steigt die Neugier, was uns im Inneren erwartet. Wir drehen den Schlüssel, öffnen die Tür und stellen fest: Deutlich schicker, als es der Ruf des Camps und befürchten ließ.



Die Küchenzeile und den Kühlschrank sehe ich zuerst und bin zufrieden. Ein Blick in die Schränke: Alles da, was ich brauche. Zwar schlafen wir heute Nacht wohl in getrennten Betten, aber davon gibt es immerhin vier. Uns reichen zwei – die anderen beiden werden praktischerweise als Kofferablage missbraucht.



Auch der prüfende Blick in Dusche und WC besteht den Skepsis-Test.



Ja mei, was soll ich sagen? Wir sind happy!

Projekt Busch-Bäcker

Zum ersten Mal als Selbstversorger unterwegs, lege ich gleich am ersten Tag die Prüfung zum Busch-Bäcker ab. Im Supermarkt haben wir Brotbackmehl mit Triebmittel gefunden – praktisch, das verwende ich zu Hause auch. Wasser und Salz rein, kneten, ruhen lassen, so der Plan. Doch schon beim Kneten merke ich: Irgendwie werden wir heute keine Freunde. Der Teig verhält sich widerspenstig, die Haptik fühlt sich anders an als in der heimischen Küche. Hartnäckig erzwinge ich eine einigermaßen homogene Masse, Deckel drauf und ab in die Ruhephase.

Ich gönne meinem Body derweil eine schöne Brause. Danach sitzen wir vor unserer Hütte und genießen die Stille und unsere unverbaute Aussicht.
Nach einer halben Stunde der erste Kontrollblick: Okay, absoluter Phlegmatismus in der Schüssel. Da rührt sich nichts. Mein Verdacht: Womöglich ist die Klimaanlage zu effektiv und schockfrostet die Hefebakterien. Also wird nicht lang gefackelt und die Schüssel kurzerhand nach draußen gestellt. Die Sonne Afrikas wird’s richten. Der Teig muss jetzt aber einen Zahn zulegen, wir wollen in 30 Minuten los. Die Schonfrist verstreicht: Wieder ein prüfender Blick, und der Mehlklumpen hat sich immer noch keinen Millimeter bewegt. Was bitte kann man bei der Zugabe von Wasser und Salz falsch machen? Ratlos verfrachte ich die Schüssel zurück in die Küche. Das erste Abenteuer ruft – um das Brot-Rätsel kümmere ich mich später.

Rush Hour auf den Straßen

Wir nehmen Kurs Richtung Rooiputs. Kaum fünf Minuten auf der Pad, da liegen sie schon: Eine Gruppe Gnus samt Kindergarten, direkt am Wegesrand. Von Scheu keine Spur – unser Erscheinen wird mit stoischer Gelassenheit ignoriert. Ja, gibt’s denn sowas? Unsere Herzen schlagen Purzelbäume. Doch das ist erst das Vorspiel. Nur ein paar Meter weiter taucht die nächste Gruppe auf, und plötzlich füllt sich die Bühne: Oryxe erscheinen auf der Bildfläche. Meine Güte, das ist ja gleich die volle Dröhnung!









Wir stellen den Motor ab und genießen die Vorstellung. Es ist ein Kommen und Gehen: Eine Herde nach der anderen zieht vorbei – Oryxe, Gnus und mehr Springböcke, als wir zählen könnten. Was für ein Auftakt!















Kurz bevor wir am Wasserloch Leeuwdril auf die 4x4-Piste abbiegen, erwartet uns der nächste Hochkaräter: Ein Kampfadler hockt tiefenentspannt im Baum, fast auf Augenhöhe. Was für ein gewaltiges Exemplar! Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so einen Brocken von Federvieh so nah gesehen zu haben. Er schaut mich an, als wolle er sagen: Na mach schon dein Foto und blockier mir nicht die freie Sicht.





Achtung Gegenverkehr!

Dann biegen wir auf die 4x4-Piste ab. Wir lieben die grüne Saison – nur wenn es um die Kalahari geht, finden wir es doch recht schade, dass wir vor lauter Gras die rote Erde kaum sehen. Der Trail selbst gibt sich anfangs eher bescheiden, vielleicht gerade, weil sich die Wüste unter ihrem grünen Teppich versteckt. Doch die ersten höheren Dünen erinnern uns daran, dass wir nichts als weichen Sand unter den Rädern haben.







Uwe freut sich, die Technik im Auto einsetzen zu können. Mühelos arbeiten wir uns damit über die Kämme. Gerade in dem Moment, als wir einen „Gipfel“ erklimmen und uns fragen, wie es dahinter weitergeht – steil bergab oder direkt in eine Kurve? –, schreckt ein Oryx auf. Das Tier hat wohl nicht mit Gegenverkehr gerechnet und schießt los wie der geölte Blitz, um Sekunden später hinter dem nächsten Sandhaufen zu verschwinden.
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03 Apr 2026 12:02 #723337
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An einer kleinen Wasserstelle treffen wir auf zwei Sekretäre, die offenbar Lust auf eine Runde „Such mich doch“ haben. Egal, wie wir den Wagen positionieren oder wohin wir lenken, um eine bessere Perspektive zu finden: Die beiden Stelzenläufer fühlen sich in ihrer Privatsphäre gestört. Ein Katz-und-Maus-Spiel im Zeitlupentempo!



Zum Ausgleich bescheren uns einige Erdhörnchen einen echten Genussmoment. Geschäftig gehen sie ihren Erledigungen nach und beleben possierlich das sonstige Stillleben in diesem riesigen Sandkasten.



Landschaftskino im Abendlicht

Der Loop endet schließlich auf der Auob-Piste. Von hier aus wäre es eigentlich nur noch ein Steinwurf zurück ins Camp, aber die Landschaft leuchtet jetzt im tiefen Abendlicht so verführerisch, dass uns der Sinn noch längst nicht nach Feierabend steht. Selbst wenn sich kein einziges Tier mehr zeigen sollte – dieser Anblick ist es wert, eine weitere Runde zu drehen.

Wir beschließen, noch bis Auchterlonie weiterzufahren. Es bleibt tatsächlich fast ausschließlich bei einer reinen Landschaftsfahrt, was der Magie der Atmosphäre aber keinen Abbruch tut. Wir wurden ja bereits mit der vollen Dröhnung der „üblichen Verdächtigen“ beschenkt. Und falls die Wunschfee uns jetzt noch eine Hyäne oder einen Löwen vor den Kühler schieben wollte – wir wären bereit. Aber die Gute hat wohl schon Feierabend.





Vor einem Kameldornbaum geben ein paar Giraffen ein fotogenes Motiv ab.



Ansonsten… liegt da nur ein langer schwarzer Stock weit vor uns auf der Pad – bis er plötzlich zum Leben erwacht und blitzschnell im hohen Gras verschwindet. Was auch immer das war, für eine nähere Bestimmung sind wir schlichtweg zu langsam. Aber ehrlich gesagt: Selbst wenn wir dem geheimnisvollen Besucher tief in die Augen hätten schauen können, würde unsere Expertise sicher zu wünschen übriglassen.

Surprise, Surprise!

Glücklich kommen wir zurück ins Camp. Meine erste Amtshandlung: Ein Blick in die Schüssel. Doch dieser Mistkerl von Teigklumpen verweigert tatsächlich die Kooperation und ist an der Oberfläche auch schon recht angetrocknet. Eigentlich war das „Stockbrot“ als Basis für das morgige Frühstück gedacht, denn für unser heutiges Candle-Light-Dinner reicht uns Salat. Aber morgen früh Brotaufstrich ganz ohne Unterlage? Das wird selbst für Nutella-König Uwe eine Herausforderung.

Egal, jetzt hauen wir den Bregel einfach auf den Grill! Entweder das Ding wird was oder eben nicht – zur Not holen wir morgen im Shop Toast. Während Grillmeister Uwe gewissenhaft die Pattys wendet und behutsam meine Mehlklumpen auf dem Rost platziert, geschieht das Unfassbare. Nach ein paar Minuten ruft er: „Schatz, jetzt tut sich was!“

Tatsächlich: Die Dinger entwickeln plötzlich Eigenleben und nehmen Volumen an. Sie gehen auf wie Brötchen! In diesem Moment dämmert es mir: Auf der Packung steht Self-raising flour. Tja, wer Englisch beherrscht, ist klar im Vorteil. Mit meiner Interpretation „Hefe“ statt „Backpulver“ lag ich ein kleines bisschen daneben. Die erste Kostprobe? Naja, hat Ähnlichkeit mit einem Gummiball. Ob das morgen noch genießbar ist? Ich wage es zu bezweifeln. Spoiler: Die Dinger entfalten über Nacht ihr volles Potenzial und taugen durchaus als Nutellaträger.

Noch bevor wir die Teller leer haben, bekommen wir unerwarteten Besuch. Uwe flüstert: „Schau mal, dort steht ein Erdmännchen!“ In der Dämmerung, ein Stück entfernt, streckt sich eine schlanke Silhouette in die Höh und scannt die Umgebung – genau die typische Erdmännchen-Statur. Doch als sich das Tier auf alle Viere begibt, erkenne ich eine andere Körperform und vor allem einen deutlich buschigeren Schwanz. Wir beobachten die kleinen Hausbesucher voller Freude. Nach einer Weile kommt sogar ein zweites Tier dazu. Die sind einfach nur goldig.







Wenn sie nicht so hell wären und wie magersüchtige Miniatur-Füchse aussehen würden, wäre meine Vermutung, dass es Mangusten sind. Ein Blick ins schlaue Buch bestätigt: Es sind tatsächlich welche und zwar gelbe Mangusten. Eine Erstsichtung – und das direkt auf unserer Terrasse! Im Laufe des Abends verlieren sie jegliche Scheu und kommen bis auf drei Meter heran. Wie süß ist das denn bitte?

Und mit solchen fantastischen Farben verabschiedet sich dieser wunderbare Tag voller Eindrücke und Glücksmomente

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03 Apr 2026 12:05 #723338
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Viele Grüße!
:woohoo: :woohoo: :woohoo: - vielleicht sind wir gleichschnell und stoßen dann gemeinsam auf unser Glück an
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05 Apr 2026 17:34 #723401
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Dienstag 10. Februar

Haben die Löwen verschlafen?

Aufstehen geht heute ganz leicht. Es ist noch dunkel und wir brauchen keine Zehn Minuten, um startklar zu sein. Auf zum Tor: Den heiligen Wisch in der Tasche.
Ein paar andere waren sogar noch schneller als wir. Aber die Abfertigung dauert nicht lang, dann haben wir grünes Licht und rollen gemächlich Richtung Kij,Kij. Einige Fahrzeuge überholen uns direkt, sie sind aber so flott unterwegs, dass auch der Staub, den sie aufwirbeln schnell verpufft.
Unsere erste Entdeckung sind Red Hartebeests. Nicht an den Wasserlöchern – das überrascht uns nicht, sondern neben der Pad.





Auch heute sind wieder jede Menge Gnus unterwegs. Man könnte fast meinen, das wäre die Gnu-Wanderung in der Serengeti – nur queren sie hier nicht den Mara, sondern die Pad direkt vor unserer Kühlerhaube. Das ist ein tolles Gefühl. Wir sind ja sonst eher in Privatreservaten unterwegs gewesen.



Das hier fühlt sich ganz anders an; man kommt sich fast wie ein Oberkäpsele vor, wenn man ein Gnu entdeckt – auch wenn eigentlich das Gnu uns zuerst entdeckt und sich ganz frech das Vorfahrtsrecht genehmigt hat. Aber wollen wir mal nicht so kleinlich sein und den unverdienten Stolz des Entdeckers zulassen.



Gefühlt ist jeder Schattenplatz belegt. Großzügig wird zusammengerückt oder geschoben, was noch nicht mit Körperkontakt den Platz im Schatten beansprucht.
Was unser Herz wirklich höherschlagen lässt, sind die vielen Jungtiere. Egal ob Gnus, Oryx oder Springbock. Alle freuen sich über Nachwuchs.



Da sollten doch die Löwen nicht allzu weit weg sein, wenn der Tisch so reich gedeckt ist. Aber wo sind sie nur? Also wirklich, wir sind mindestens schon zwanzig Minuten unterwegs und haben immer noch keine Samtpfote gesehen. Nach so langer Zeit darf man doch wohl die Begegnung mit einer Katze erwarten. Ich erinnere mich an Fotos im Forum mit einem wahren Überangebot an Löwen. Wir sind extra früh aufgestanden, dann zeigt euch jetzt gefälligst mal!

Lektion: Nimm, was du kriegst!

Tja, die Löwen haben wohl heute verschlafen. Aber wir sind leicht zu trösten. Unser Timer zeigt Minute 23, als wir vier Schakale beim „Joggen“ sehen. Leider sehr weit weg – zu weit fürs Handy. Einige ihrer Kollegen sind etwas später geselliger und genehmigen uns einen Schnappschuss.









Die Glücksfee schnallt’s und liefert ab

Noch bevor wir Kij Kij erreichen, treffen wir auf eine Blech-Armada. Die Pad ist dicht. Das erste Fahrzeug in der Reihe hat sich direkt quer über die Piste gelegt und sich ohne Rücksicht auf Verluste die perfekte Perspektive gesichert. Ob der Rest der Welt auch was sehen möchte? Wen juckt's!



Wir stehen auf dem billigsten Platz in der Reihe, ganz hinten, und spielen das frustrierende Spiel des Sichtungs-Lottos: Sekunde 1: Die verstaubte Stoßstange des Vordermanns. Sekunde 2: Ein flüchtiger Blick auf ein zartes, gepunktetes Popöchen. Sekunde 3: Der Hinterkopf eines passionierten Fotografen inklusive seines „Ofenrohrs“ von Objektiv. Sekunde 4: Wowww, da laufen vier Cheetahs! Bingo! Sekunde 5 wieder nur Blech vor der Linse.

Die Fotos mögen täuschen, ich hab natürlich die Blechkisten-Fotos weggelassen.








Das Kleeblatt

Möchte man dem Begriff „Ästhetik“ ein Bild geben, passt nichts besser als eine Cheetah. Vier dieser bildhübschen Katzen schreiten anmutig im Gänsemarsch über die Schotterpiste. Was soll ich sagen? Seeehr skinny, Beine bis zum Hals, gertenschlank und ein eleganter Gang wie auf dem Laufsteg. Es sind wahre Schönheiten und sie wirken vollkommen tiefenentspannt. Wir dagegen: Schnappatmung, Puls am Anschlag, Aufregung pur!



Magischer Abgang

Die Cheetah-Mama und ihre Teenager entscheiden schließlich, dass die Straße genug Aufmerksamkeit bekommen hat. Der „Querparker“ an der Spitze scheint erfahren genug zu sein, um zu ahnen, wohin sie ihren Weg einschlagen werden. Er rangiert sein Gefährt endlich um und macht – man glaubt es kaum – den Blick frei für ein paar Sekunden Fotoglück ohne fremdes Blech im Bild.





Zwischen dem ersten und zweiten Fahrzeug biegt das Quartett ab in die Pampa. Im hohen Gras setzen sie sich noch einmal für einen Moment hin. Mit erhobenem Haupt wird die Umgebung gescannt – Alles Bestens.



Gemütlich spazieren sie weiter und vergrößern mit jedem Schritt die Distanz zwischen uns, bis sie vom hohen Gras verschluckt werden und sich ihre Silhouetten auflösen. Wo vor einer Sekunde noch vier majestätische Raubkatzen saßen, sehen wir nur noch ein goldenes Landschaftsbild.



Wir brauchen noch einen Augenblick, um diesen magischen Moment sacken zu lassen.
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05 Apr 2026 18:10 #723403
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Auf zu neuen Abenteuern

Ein Blick auf die Uhr sagt uns: Es ist Zeit ins Camp zurückzufahren. Wir möchten ja noch frühstücken bevor wir Twee Rivieren verlassen.
Unser Gummiball-Frühstück schmeckt besser als erwartet. Wir sitzen bei herrlichen Temperaturen in der Sonne und schwärmen von unserem fantastischen Sichtungsglück.

Um 10.00 Uhr checken wir aus und machen uns auf den Weg nach Urikaruus.
Wir haben also viel Zeit und viel ungünstiges Licht – bin gespannt, ob wir nur Staub aufwirbeln oder auch etwas Interessantes entdecken werden.



Straußeninvasion

Eine Straußenfarm muss heute den kompletten Verlust ihres Federviehs erlitten haben, denn auf der Höhe von Dikeith sehen wir so unglaublich viele Strauße auf einem Haufen, dass wir unseren Augen kaum trauen. Das sind weit mehr als 20 erwachsene Tiere und dazu ein ganzes Kinderdorf.

Tut Liebe weh?

Kaum ein paar Minuten später stehen zwei Giraffen im Acker und scheinen eine Auseinandersetzung auszutragen. Aber irgendwie sieht das seltsam aus. Fast als würde jemand zum Schlag ausholen, um denn nur die Wange seines Kontrahenten zu streicheln. Wir sehen uns das mal mit dem Fernglas an und erkennen jetzt, dass es Männlein und Weiblein sind. Scheint so eine Art Liebestanz zu sein. Balzende Giraffen haben wir auch noch nie gesehen.





Stau am Wasserloch


Amtsträger in der Mittagspause

Am Wasserloch landet ein Sekretär, aber er scheint nervös zu uns rüberzuschielen und kann sich nicht überwinden, seinen Schnabel ins Wasser zu tauchen. Während er uns fixiert, flattert ein zweiter an, stellt sich auf den „Tellerrand“ und lüftet ausgiebig sein Gefieder – vielleicht hat er Sand im Getriebe. Und dann noch ein dritter – er fackelt nicht lange und steigt direkt in den „Whirlpool“.





Löwen gesichtet – Glücksfee doch noch nicht im Mittagsschlaf

Noch während wir die drei Sekretäre beobachten, kommt uns ein Fahrzeug entgegen. Der Fahrer lässt die Scheibe runter und erzählt uns, dass er auf Höhe der Abzweigung nach Nossob unter einem Baum einige Löwen gesehen habe.

Wow – und tschüss, ihr drei schrägen Vögel! Wir beeilen uns, die besagte Stelle zu erreichen, und würdigen die Landschaft um uns herum keines Blickes mehr. Doch vor Ort angekommen, ist guter Rat teuer: Bäume gibt es viele, und die „Stellenbeschreibung“ war dann doch recht vage. Wir fahren mehrmals hin und her, erkennen aber absolut nichts.

Ein anderes Fahrzeug hält neben uns: „Wo sind die Löwen?“ – „Keine Ahnung, wir suchen auch!“ Wir fahren zurück bis nach Kamqua. Dann… da vorne steht doch jemand. Wir versuchen unser Glück und stellen uns daneben. Hier gibt es für mehrere Fahrzeuge gute Sicht.

Uwe erspäht sie sogar ohne Feldstecher! Vier stattliche Damen liegen flach wie eine Flunder im tiefen Schatten auf der faulen Haut. Sie rühren sich nicht. Mit bloßem Auge sind sie kaum von einem Erdhaufen zu unterscheiden.



Für mich persönlich zählt das nicht als echte Sichtung. Wir warten zwanzig Minuten, aber vor dem frühen Abend werden die Damen kaum mit der Wimper zucken. Schlafende Löwen sind jetzt auch nicht das Spannendste auf der Welt. Wir belassen es dabei, ihre Anwesenheit zur Kenntnis genommen zu haben, und fahren jetzt weiter nach Urikaruus.

Unterwegs




Camp mit Wow-Effekt

Vorsichtig steigen wir aus dem Wagen – das hier ist schließlich ein echtes Wilderness Camp, und wir sind echte Frischlinge bezüglich angemessenem Sicherheitsverhalten. Wir machen auf uns aufmerksam, und schon kommt Chack, der Attendant, und begrüßt uns mit dem typisch sympathisch- afrikanischen Smalltalk.





Er begleitet uns zu unserem Chalet und zeigt uns alles. Ich bin restlos begeistert, wie gepflegt und durchdacht hier alles ist. Das Ambiente vermittelt sofort das passende Abenteuer-Gefühl: Schlafzimmer mit Bad oben, Küche und Balkon unten – quasi Wohnen auf zwei Etagen mitten in der Wildnis. Hach, das gefällt mir schon saugut!









Draußen hat es 38 Grad im Schatten. Wir kommen direkt ins Schwitzen und flüchten uns vielleicht einen Ticken zu früh für die Abend-Pirsch ins klimatisierte Auto. Im Großen und Ganzen bleibt unser Ausflug leider eine reine Naturfahrt – wie schade. Gerade hier hätte ich fest mit Löwen gerechnet oder mir gewünscht – mit ganz viel Glück- einen Leo zu sehen, oder eine Hyäne. Doch die Glücksfee liefert heute nicht mehr ab; außer einigen einsamen Gesellen der üblichen Verdächtigen begegnen wir keinem Tier.





Gegen 18:00 Uhr fahren wir noch einmal zurück zum nachmittäglichen Löwen-Spot. Die Damen liegen allerdings immer noch wie gemalt und festgeklebt auf ihrem Siesta-Platz. Wir warten… und warten… nix, nada. Sie rühren keine Pfote. Da die Uhr tickt, wird es für uns Zeit, ins Camp zurückzufahren.
Vielleicht tut sich ja am hauseigenen Wasserloch noch was? Die Hoffnung habe ich durchaus. Unsere Sicht vom Balkon ist allerdings nicht die beste, und für Handyaufnahmen ist es schlicht zu weit weg. Macht aber nichts, denn das Wasserloch bleibt an diesem Abend ohnehin verwaist.

Wir feuern den Grill an, schmeißen einen ordentlichen Bollern Fleisch drauf und genießen dieses absolut herrliche Wilderness-Gefühl. Heute weiß ich ja zum Glück, wie das mit dem Brotbacken funktioniert, und so liegt bald der Duft von frisch gegrilltem Teig in der Luft.



Tut sich was am Wasserloch?

Wir sitzen draußen, bis uns die ersten Mücken anvisieren. Bevor wir hier noch zu unfreiwilligen Blutspendern werden, bringen wir uns in die Sicherheit der geschlossenen Räume.

Die Bettenlotterie ist schnell entschieden: Ich darf am Fenster liegen. Allerdings haben sich lästige Tierchen zum Tanz in der Nacht an meinem Kopfende verabredet. Sie schwirren mir ums Gesicht. Ich versuche auszuweichen und lege mich verkehrt herum ins Bett. Ein bisschen hilfts. So kann ich auch das Wasserloch besser im Blick behalten, falls sich in der Nacht doch noch etwas tut – vorausgesetzt, ich wache rechtzeitig auf.

Unser Schlafgemach fühlt sich an wie ein Brutkasten. Es wirkt, als hätte sich die Hitze des Tages zum Warmhalten in unsere Behausung geschlichen, um uns im eigenen Saft schmoren zu lassen. Da hilft auch der „Venti“ nichts. Es ist kaum auszuhalten. Ich greife schließlich zum nassen Handtuch – und empfehle Uwe, sich auch einen erfrischenden Überwurf zu gönnen. Aber er ist ein stolzer Macker und braucht so etwas natürlich nicht.

Kurz nach Mitternacht wachen wir beide auf und jammern gemeinsam über die Hitze. Jetzt ist auch er „weichgekocht“ genug, um zuzugeben, dass meine Erfrischungs-Idee doch nicht so verkehrt ist.
Ich werfe noch einen prüfenden Blick aus dem Fenster: Wasserloch weiterhin verwaist! Wir schlafen wieder ein – ich gleite allerdings nur in den Dämmerschlaf, denn ich möchte es auf gar keinen Fall verpassen, falls draußen ein Löwe brüllt oder eine Hyäne am Wasserloch vorbeischaut.

Ich träume, ich höre Kojoten heulen oder Hunde, die sich kabbeln. Ich schrecke auf – nein, das war kein Traum! Da draußen tut sich was. Im Dunkeln erkenne ich erst einmal nichts. Ich taste nach meiner Brille und werfe dabei die Wasserflasche um, die polternd auf den Boden fällt. Aber Uwe schläft den Schlaf des Gerechten. Ich muss kurz prüfen, ob er überhaupt noch atmet – er tut es.



Selbst mit Brille ist die Sicht bescheiden. Ich brauche das Fernglas. Wieder poltert es: Uwe träumt weiter. Ich starre durch den Feldstecher und erkenne nur ein unscharfes Schwarz-Weiß-Bild. Ja, was ist das? Schakale? Wildhunde? Oder Löffelhunde? Wildhunde schließe ich aus, ich tippe auf Löffelhunde – vermutlich, weil hier der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Es sind: Eins, zwei, drei, vier.. sage und schreibe fünf Tiere, die kann ich Uwe nicht vorenthalten. Ganz aufgeregt wecke ich ihn. Er erschrickt heftig. Grummelig schaut er wenig interessiert für drei Sekunden aus dem Fenster und lässt sich dann wieder zurück ins Kissen fallen – Zack – pennt er wieder weg. Gibt’s denn sowas? Wie kann der so desinteressiert sein? Das grenzt ja fast schon an Safari-Hochverrat. Die sehen aus wie Löffelhunde …LÖFFELHUNDE!!! Hallo???



Wasserloch-Krimi im Mondschein

Seis drum! Ich bin jetzt auf „Speed“. Rumpelnd und polternd bahne ich mir den Weg zur Balkontür und tappe hinaus. Barfuß – hier oben rechne ich nicht mit Skorpionen oder Schlangen. Aber mein Sichtungsglück bleibt bescheiden. Ich kann beim besten Willen nicht sicher sagen, was sich da unten am Wasserloch tummelt. Es sieht aus, als würden die „Was-auch-immer“ hüpfen, um etwas zu fangen. Das spricht meiner Meinung nach sehr für Löffelhunde auf Insektenjagd. Aber wer weiß das schon so genau…?
Hier draußen ist die Luft deutlich angenehmer als in der Hütte. Ich beobachte das Treiben. Es sieht so lustig aus wie die „Was auch immer“ hin und her hüpfen. Dann sehe ich, wie sich ziemlich sicher ein Schakal nähert. Er will zum Wasser, schleicht sich Schritt für Schritt vorsichtig an, nur um von einem der fünf wieder verjagt zu werden. Er gibt nach, zieht sich zurück. Der Arme scheint aber echt Durst zu haben und versucht erneut sein Glück – wieder wird er vom heiligen Wasserloch verbannt. Hach – das ist spannend wie ein Krimi, so interessant, das zu beobachten! Mir tut der Schakal echt leid. Einer gegen fünf. Dabei interessieren sich die anderen gar nicht fürs Wasser, die sind voll im Jagdmodus.
Beim dritten Anlauf ignorieren ihn die Foxes – wenn es denn welche sind. Endlich erreicht er die Saftbar und trinkt eilig ein paar Schluck, bevor er wieder das Weite sucht.



Ich weiß nicht, wie lange ich die Tiere schon beobachte. Aber die scheinen so schnell nicht satt zu werden, wie ich müde. Na, denn Gute Nacht Freunde, weiterhin viel Erfolg. Ich widme mich jetzt wieder dem Matratzen-Horch-Dienst. Und Zack – bin ich auch weg.
Letzte Änderung: 05 Apr 2026 18:13 von Nacho.
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