Sonntag 8. Februar
Achtung Landeanflug
Das Beste an diesem Hotel ist bis jetzt eindeutig die Klimaanlage. Wir schlafen richtig gut. Aber wie immer bin ich schon vor der Dämmerung wach. Im Schlafi setze ich mich auf den Balkon und genieße die angenehme, lauschige Luft. Nach einer Weile löst das Morgengrauen die Nacht ab. Die ersten Vögel pfeifen. Dann geht es zu wie auf dem Flughafen. Die Piepmätze nutzen unseren Balkon als Einflugschneise und landen im Sekundentakt. Sie sind sichtlich auf Futtersuche...
Der friedliche Morgen bekommt im Badezimmer allerdings einen herben Dämpfer: Als ich ein frisches Handtuch benutzen möchte, ist dieses übersät mit ekligen Flecken. Ein weiterer Punkt der mir bestätigt, dass das Haus mit dem Begriff „Kundenzufriedenheit“ nicht viel anfangen kann.
Ich überlege:
Soll ich dem Management eine Rückmeldung geben? Ist bei der Motivation, die ich hier durchweg sehe, eine Kritik überhaupt wirksam? Ganz ehrlich: Ich habe keine Lust, mich weiter mit den Defiziten hier zu befassen, und behalte lieber den schönen Park und den Wasserfall in Erinnerung. Immerhin kann ich über die Unterkunft sagen, dass die Klima funktioniert, das Wasser abläuft und das Abendessen besser war als erwartet. Ich denke, dabei belasse ich es.
Frühstück mit viel Tellerrand
Wir sind die ersten Frühstücksgäste – und ich Depp habe natürlich nicht an den Folterstuhl gedacht und wieder kurze Hosen an. Die Quittung folgt sofort in Form des bekannten Karomusters auf meinen Oberschenkeln- blau unterlaufen wie Originaltattootinte.
Eine Karte? Fehlanzeige. Ein Buffet? Träum weiter. Der Service pflegt weiterhin seine stoische ‚Bitte nicht stören‘- Attitüde vom Vorabend und serviert ein Frühstück, das unverschämt überschaubar bleibt und strikt darauf achtet, viel vom Tellerrand zu zeigen. Wie ich das finde? Kein Kommentar.“
Unser Fazit zur Augrabies Falls Lodge
Einmal reicht uns völlig. Bis auf die Klimaanlage hat uns wenig überzeugt – außer vielleicht der Tatsache, dass Pfeffersoßenpudding besser schmecken kann als erwartet. Naja, wir haben keinen Schaden genommen, dafür an Erfahrung dazugewonnen.
Memo an mich: Von SANParks gibt es die Oranjekom-Schlucht Cottages. Fürs nächste Mal wähle lieber die Eine-Million-Dollar-Aussicht über der Schlucht und verzichte gleich auf nichtvorhandenen Service – Selbst ist die Frau!
Bandscheiben-Härtetest
Nächstes Ziel: Upington – River Place Manor. Die Route: Schotterpisten mit Umweg… mal wieder.
Wir rollen auf die Pad. Manche Abschnitte haben ihre besten Zeiten bereits hinter sich und besitzen die Qualitäten einer kräftigen Thai-Massage – ganz für umsonst. Wer braucht schon ein Spa, wenn das Fahrwerk die Lymphdrainage übernimmt? Während unsere Wirbel wieder eingerenkt werden, genießen wir das exklusive Landschaftskino: Seen, Flüsse, kleine Bäche und hier und da ein paar Buschbewohner, die unseren Slalom beobachten.
Supermarktrally: Zwischen Wunschzettel und Pfeif drauf!
Wir liegen gut in der Zeit und stellen uns noch vor dem Check-in der Herausforderung in der Kalahari Mall. Zwar ist der Supermarkt gut sortiert, aber scheinbar haben wir Wünsche, für die der afrikanische Gaumen kein Verständnis hat. Pfeif drauf, dann ist eben Improvisationstheater angesagt, wenn ich im KTP die Töpfe zum Küchentango herausfordern werde.
Nichtsdestotrotz läuft der Einkauf deutlich entspannter ab, als ich mir vorgestellt hatte. Das vorbestellte Fleisch holen wir ohnehin erst morgen früh in der Slaghuis-Metzgerei ab.
Für das kulinarische Überleben unterwegs tun es Kekse, Kräcker und Schokolade – viiiiel Schokolade. Letztere wird mit chirurgischer Präzision in die allerletzten Lücken unseres Coolers operiert. Passt, wackelt und hat Luft.
Einmal VIP-Gefühl bitte? Kommt sofort!
Zum Hotel ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Im River Place Manor erwartet uns herausragender Service – schon die herzliche Begrüßung und der lockere Smalltalk geben uns sofort das Gefühl, willkommene Gäste zu sein. Wir werden direkt zu unserem Zimmer Nr. 1 begleitet: ein wunderbar privat gelegenes Eckzimmer mit direktem Flussblick. Die freundliche Mitarbeiterin erklärt uns kurz die Technik und überlässt uns dann unserer Zweisamkeit.
Hygienephobie…?
Mich plagt aber noch ein Problemchen: Die Unterwäsche, die ich vor ein paar Tagen mit homöopathischen Wassermengen von Hand gewaschen habe, fühlt sich mehr nach „gut gemeint“ an als nach hygienisch sauber. Ich finde, die Fuhre braucht dringend das Werk einer echten Maschine. Wir sind aber nur für eine Nacht hier. Jetzt ist es schon 14.00 Uhr. Ich mache mich skeptisch auf den Weg zur Rezeption, um nach einer Expresswäsche zu fragen – mehr mit dem Gedanken: „Ich habe es wenigstens versucht“, als mit echtem Glauben an ein Wunder.
Die Antwort lautet: „Absolut kein Problem.“ Ich kann mir einen kleinen Luftsprung nicht verkneifen und jauchze unterdrückt. Das Personal ist über meinen Freudentanz sichtlich amüsiert. Wer hätte gedacht, dass saubere Unterbuxen so ein Hochgefühl auslösen können? I feel good!
Füße hoch und Vogelkino
Nach der vierstündigen Slalom-Fahrt und der obligatorischen Einkaufsralley in der Mall haben wir uns den Nachmittag auf dem Balkon mehr als verdient – finden wir. Der Kaffee dampft, der Portwein auf unserem Tisch will gekostet werden – und die erste Tafel Schokolade wird skalpiert.
Unser Logenplatz liegt im kühlen Schatten, mit freiem Blick auf Fluss und Garten. Kein Mensch weit und breit. Nur wir und die Vögel. Da mutieren wir kurzerhand zu Hobby-Ornithologen und beobachten, was uns da so um die Nase flattert. Gehirnakrobatik zur Vogelbestimmung? Das wird nichts werden – aber wozu gibt es schließlich Apps? Die ist dann auch schuld, wenn wir Schmarrn erzählen.
sogar ohne App erkannt, African Hoopoe (laut Tinkers KTP)
Wir kommen so langsam in die Tiefenentspannung, vielleicht liegt’s auch am Portwein. Jedenfalls verspüren wir den Wunsch, uns noch ein wenig Wellness zu gönnen. Es wird königlich geduscht, die Schwarte mit wohlriechender Lotion der Marke „Geht aufs Haus“ einbalsamiert und dann weiter gechillt, bis es Zeit ist fürs Dinner.
Gaumenfreude mit Aussicht
Im Restaurant ist ein Tisch direkt am Fenster mit wunderbarem Blick ins Grüne eingedeckt. Das Drei-Gänge-Menü lässt keine Wünsche offen – allein die Quiche zur Vorspeise hätte locker als Hauptmahlzeit durchgehen können und sprengt meine Aufnahmefähigkeiten.
Die Hauptspeise wird dann fast ein bisschen zu flott serviert, da habe ich erst die Hälfte der Quiche geschafft. Den Rest lasse ich mir aber kurzerhand einpacken. Für dieses Schmankerl braucht es keine Plastiktüte.

Er schmeckt mir am nächsten Tag mindestens genauso gut! Das Personal freut sich sichtlich darüber, dass nichts zurückgehen muss, und ich spare nicht mit Lob für Küche und Service. Ein rundum gelungener Abschluss.
Wird’s was oder wird’s nix?
Mit dem leicht mulmigen Gefühl, ob unsere Wäsche morgen Früh um 9.00 Uhr tatsächlich schon abfahrbereit ist, lassen wir den Abend noch auf unserem Balkönchen ausklingen.
Denk nie, du bist allein
Ich wache mitten in der Nacht auf und bin hellwach. Also setze ich mich ziemlich sparsam bekleidet und nicht gerade Lady-Like auf unseren schnuckeligen Balkon, betrachte Mond und Sterne und hänge meinen Gedanken nach. Es ist so ein schöner Moment, allein und in dieser herrlichen Ruhe hier zu sitzen.
Plötzlich: der Schein einer Taschenlampe – daran hängt die Hand des Nachtwächters und der grüßt mich sehr aufmerksam und freundlich. Huch, da sitze ich im vermeintlichen Schutz der Dunkelheit und fühle mich ein wenig unrühmlich ertappt. Wer hätte gedacht, dass meine Sternguckerei noch Publikum bekommt?
Montag 9. Februar
Auf ins Abenteuer
Guten Morgen Afrika – Auf zur Schlacht am Frühstücksbuffet. Ein prüfender Blick: Alles da, was das Herz begehrt.
Anschließend nur noch an der Rezeption vorbei und nach unserer Wäsche gefragt: Yapp, ist fertig und liegt bereit zur Abholung. Der Preis: Kein Schnapper, aber dafür porentief rein und wohlig duftend. Da legen wir gern noch ein bisschen Trinkgeld obendrauf, diese Turboleistung verdient schließlich Anerkennung.
KTP wir kommen! Heute natürlich auf direktem Weg. Ach Nee, wir müssen ja noch am Slaghuis vorbei. Wäre ja ein Desaster wenn wir den Grill anschmeißen und nur Brot rösten könnten. Aber das ist ja kein Umweg.
Wir parken direkt vor der Tür und sind noch nicht drin, schallt es durch den Laden: Silvia? Jawoll die bin ich. Und schon kommt unser vorbestelltes Fleisch tiefgefroren anmarschiert. Na, das nenne ich Service. Schnell noch ein Glas Nudelsalat geschnappt, an der Kasse mit den Scheinen gewedelt und schon kanns losgehen. Wir hören ihn schon, den Ruf der Kalahari.