4. Teil: Heute ist Löwentag
Pünktlich zur Öffnung des Camptors mache ich mich auf den Weg. Die restliche Familie bleibt nach dem späten Nightdrive heute früh in der Hütte und ich habe eine klare Mission: Ich bin mir sicher, dass das Löwenrudel von letzter Nacht noch nicht fertig sein wird mit dem jüngst erlegten Büffel. Und so fahre ich so schnell es die Geschwindigkeitsbegrenzung erlaubt zum Ort des Geschehens. Nach kurzer Zeit haben sich glücklicherweise alle anderen Autos in der Vielzahl der Abbiegemöglichkeiten verloren und ich bin allein unterwegs. Dass ich auf dem Weg zum Riss bis auf eine entfernte Tüpfelhyäne im Flussbett des Sand keine nennenswerten Sichtungen habe, versteht sich bei meinem Fahrtempo fast von selbst. Die Eile zahlt sich am Ende aber unbedingt aus. Als ich den Riss erreiche, sind erst zwei andere Fahrzeuge anwesend und so kann ich mir entspannt eine Premiumposition am Straßenrand aussuchen, die ich in der nächsten Stunde nicht verlassen muss.
Die Kunde vom Büffelriss hat sich anscheinend noch nicht sehr weit verbreitet und so dauert es tatsächlich eine lange Zeit, bis sich andere Fahrzeuge aus Richtung Lower Sabie oder Skukuza hier einfinden. Bis dahin erlebe ich bestes Löwen-Kino.
Der Riss liegt noch immer auf der Straße. Und noch immer ist ein Großteil des Rudels mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Es wird gezerrt und gegnault, gegrunzt und gefaucht.
Das stattliche Rudel-Oberhaupt thront auch jetzt lässig etwas abseits der hungrigen Meute.
Die zehn anderen Löwen sorgen für beste – wenn auch etwas blutige – Unterhaltung. Bereits im Rahmen unserer letzten Kruger-Tour hatten wir riesiges Glück mit Löwen an Büffelrissen. Dass sich diese Glückssträhne bis in die aktuelle Reise hinüberzieht, freut mich ungemein.
Die anwesenden Beobachter sind allesamt ganz leise und konzentriert und so stört kein Motorbrummen die beeindruckende Szenerie, die sich besser durch Bilder als durch Worte transportieren lässt.
Nach einiger Zeit im Safari-Himmel wird es naturgemäß doch immer voller rund um das Löwenrudel. Bevor sich die Szenerie also in Richtung schwer entwirrbares Autoknäuel entwickelt, beschließe ich, mich von den Löwen zu verabschieden, um das bisher Erlebte in bester Erinnerung zu behalten.
Das ist gar nicht so einfach, denn die Fahrbahn ist einerseits durch eine wachsende Anzahl von Fahrzeugen verengt und außerdem liegt breit und träge der Löwenkater mitten auf der Straße. Ich taste mich also langsam vor und bin erleichtert, als ich unser großes Fahrzeug irgendwann vorsichtig um den Mähnenlöwen herummanövriert habe. In Punkto Coolness (bzw. Dickfelligkeit) ist ein ruhender Löwe wohl kaum zu übertreffen.
Ich quere ein paar Minuten später den Sabie und halte kurz an einigen Flusspferden, die träge auf den kleinen Inseln liegen.
Nach einigen Kilometern in Richtung Skukuza erblicke ich eine Handvoll Autos am Straßenrand und bald darauf ein weiteres Löwenrudel. Eine Löwin liegt nicht weit entfernt auf der Flussböschung.
Weitere Tiere – darunter zwei stattliche Löwenmännchen, von denen eines auffällig humpelt, sind im Flussbett unterwegs.
Hier bieten sich vegetations- und entfernungsbedingt keine besonders guten Fotogelegenheiten. Aber hey: Zwei Löwenrudel vor dem Frühstück – das ist eine Bilanz, mit der ich rundum zufrieden bin.
Es folgt ein kurzer Stopp bei einigen Büffeln, die am Straßenrand vor sich hin kauen.
Sehr zufrieden mit der Ausbeute dieser Rundfahrt kehre ich nach Skukuza zurück. Nach einem gemütlichen Frühstück steht die gemeinsame Transferfahrt nach Satara an: Der Büffelriss liegt quasi auf dem Weg.