3. Teil: Nun fehlen noch die Löwen…
Als wir wieder zurück in Skukuza sind, ist erstmal eine ausgiebige Siesta angesagt. Die Kinder lockt der nahe Pool und mich der ein oder andere tierische Campbewohner. Während der Mittagshitze ist diesbezüglich naturgemäß nicht allzu viel los, aber immerhin finde ich rund um unser Zuhause einige Grünmeerkatzen.
Auf der Wiese und in den Bäumen rund um den Pool lassen sich außerdem Baumagamen beobachten. Ich mag diese bunten Echsen sehr.
Und auch die Vogelwelt Skukuzas gibt sich ein kleines Stelldichein:
Zwischen den Hütten stolzieren einige Hagedasch-Ibisse herum.
Im dichten Geäst eines Baumes entdecke ich einen Hartlaubschnäpper (Ashy Flycatcher), der gar nicht scheu ist. Ich glaube, diese Art habe ich noch nie zuvor gesehen!
Bald darauf landet ein kleiner Schwarm Wellenastrilde (Common Waxbill) in meiner Nähe. Den winzigen Kerlchen ist es zu dieser Tageszeit auch etwas warm.
Und natürlich finden sich im dichteren Gebüsch einige Weißbrauenröteln (White browed Robin-Chat).
Als wir am Nachmittag die weitere Tagesgestaltung miteinander besprechen, wird schnell klar, dass die Kinder nach dem ausgedehnten Morning-Drive keine rechte Lust auf eine weitere Ausfahrt haben. Und so beschließen wir, den Nachwuchs im Camp zu lassen und eine Runde zu zweit zu drehen. Aber so ganz werden die Kinder heute nicht um eine weitere Safari herumkommen: Wir entscheiden uns dafür, als Abschluss unseres ersten Kruger-Tages einen gemeinsamen Night-Drive zu buchen.
Aber erstmal geht es für meine Frau und mich allein auf eine kleine Fahrt an den Ufern von Sabie und Sand entlang, während der Nachwuchs in der Hütte chillt. Als Paar waren wir ewig nicht mehr gemeinsam auf Gamedrive. Wir starten zwar recht spät und so bleiben uns nur knapp zwei Stunden, bis die Camptore sich für den heutigen Tag schließen. Aber hey: Ein Hoch auf die temporär zurückgewonnene Zweisamkeit!
Auf den Brücken über die Flüsse gibt es eigentlich immer etwas zu sehen: Im schönen Licht des späten Nachmittags können wir am Sabie heute einige Kormorane und einen Silberreiher ablichten. Auch Graufischer sind unterwegs, wollen aber nicht so recht in gute Fotodistanz kommen.
Auf der anderen Seite des Flusses müssen wir nur wenige Kilometer fahren, bis wir eine Handvoll Autos am Straßenrand stehen sehen. Hier muss es also etwas zu sehen geben.

Alles schaut herunter ins Flussbett und wir finden eine gute Lücke um mitzuschauen, was bei der teilweise dichten Ufervegetation gar keine Selbstverständlichkeit ist. Schnell entdecken wir zwei Löwen, die zielstrebig im trockenen Sand des Sabie unterwegs sind.
Am anderen Ufer sind weitere Löwinnen zu sehen, die alsbald den seichten Fluss queren und durch das Riedgras auf uns zukommen. Wie die Katzen zögerlich den Fluss durchwaten, ist wirklich sehr nett anzusehen. Und überhaupt freuen wir uns darüber, zu dieser Tageszeit Löwen in Aktion zu erleben.
Zu unserer Freude kommt das kleine Rudel die Uferböschung herauf und kreuzt kurz vor uns die Straße.
Noch ein Blick zurück und schon verschwinden die Katzen auf Nimmerwiedersehen im dichten Busch.
Eine schöne erste Löwensichtung, die sich nahtlos in den bislang tollen Safaritag einreiht.
Wir fahren weiter bis zur nächsten Brücke über den Sabie und halten kurz an einem Lieblingsort meiner Frau. Auch ohne tierische Motive lädt die Landschaft zu dieser Tageszeit hier zum Seufzen ein.
Nach dem ein oder anderen genießenden Flussblick steuern wir wieder auf das Camp zu und unterbrechen die Fahrt am Flussufer nur kurz, um einige Elefanten bei der Querung zu beobachten.
Und auch einige Büffel lassen sich noch entdecken.
Unser letztes Ziel ist einmal mehr der Hyänenbau.
Auf die Tiere ist Verlass: Auch heute Abend ist hier wieder einiges los. Die kleinen Hyänen tollen wild herum und versuchen, die unwilligen Alttiere mit ins Spiel hineinzuziehen. Als müde und geforderte Eltern reagieren diese zunehmend gereizt.
Und so spielen die Hyänenkinder am Ende doch lieber mit ihren Geschwistern und bilden dabei richtige Hyänen-Haufen. Das ist ziemlich niedlich.
Und dann werden auch die Autos mit in das neugierige Spiel einbezogen.
Einmal mehr sind wir von dem Hyänenclan begeistert und können uns nur schwer losreißen.
Kurz nach Sonnenuntergang fahren wir in Skukuza ein und holen vom Cattle-Baron-Take-Away ein schnelles Abendessen für die Familie: Pizza und Burger gehen immer.
Um 20 Uhr beginnt unser erster Night-Drive dieser Reise. Es ist stockdunkel, als wir den Parkplatz an der Rezeption des Camps erreichen. Hier wartet bereits ein großer Truck auf uns. Eigentlich finden wir diese Fahrzeuge ja zu groß und auch die Zusammensetzung der Gäste ist nicht immer unproblematisch im Hinblick auf Bedürfnisse und Erwartungen. Aber immer wieder überwiegt am Ende die Lust, durch den dunklen Busch zu rumpeln und mit Spotlights die faszinierende nachtaktive Tierwelt zu entdecken.
Während wir uns zum Einsteigen bereitmachen, sind noch Passagiere des zurückgekehrten Sunset-Drives anwesend, die uns von einem Löwenrudel erzählen, das unlängst einen Büffel direkt auf der Teerstraße gerissen habe. Das müsste doch genau die Straße sein, auf der wir vor wenigen Stunden noch unterwegs waren, denken wir uns. Nun sind wir natürlich gespannt und relativ sicher, dass auch unsere Ausfahrt uns in diese Richtung führen wird.
Als unser Fahrer nach einer kurzen Begrüßung dann tatsächlich kräftig aufs Gas tritt und für eine Nachtausfahrt eigentlich viel zu schnell unterwegs ist, sind wir uns sicher, dass der Riss unser Ziel sein wird. Auf dem Weg dorthin entdecken wir (wohl auch wegen der hohen Geschwindigkeit) kaum ein Tier. Wir kreuzen zügig Sabie und Sand. Einzig eine Ginsterkatze können wir irgendwann nahe der Straße beobachten.
Schließlich erreichen wir kurz nach der Abzweigung in Richtung großer Sabie-Brücke den Ort des Geschehens. Mitten auf der Straße liegt ein toter Büffel. Rund um den Kadaver gruppieren sich neun Löwen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Der Großteil des Rudels ist emsig mit dem Vertilgen der Beute beschäftigt. Einzig der prächtige Löwenkater scheint vorerst satt zu sein und lagert etwas abseits des Trubels. Der Geruch, der den Büffelinnereien entströmt, ist alles andere als betörend und die Kinder mögen gar nicht so richtig Zeuge dieser Fressorgie werden.
Es knackt, wenn kleine Knochen und Sehnen bersten. Das Reißen von Haut und Muskeln durchdringt die Stille der Nacht. Die großen Katzen grunzen und knurren. Ihre Gesichter sind blutverschmiert. Und das alles in wenigen Metern Entfernung. Für Auge, Ohr und Nase ist diese Beobachtung wirklich intensiv.
Nach einer Viertelstunde müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen, denn der Riss liegt doch ein ganzes Stück von Skukuza entfernt und so fahren wir erneut mit recht hohem Tempo durch die Dunkelheit des Kruger.
Müde und zufrieden fallen wir nach unserer Rückkehr in die Betten. Da es heute so spät geworden ist, werde ich morgen früh allein eine Runde drehen. Mein Ziel kenne ich ja nun bereits.