2. Teil: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Für unseren ersten Morgen im Kruger haben wir beschlossen, gemeinsam zu einer frühen Ausfahrt aufzubrechen. Es kostet zwar dann doch etwas Überzeugungskraft im Kinderzimmer, aber es gelingt: Zur Campöffnung um 5:30 Uhr sind wir bereit. Die Eltern haben das Auto vorsorglich mit allerlei Snacks gespickt – so steht einem gemütlichen Unterwegsfrühstück nichts im Wege.
Zuerst steuern wir natürlich den Hyänenbau von gestern Abend an und bereuen diese Entscheidung nicht. Im zuerst fahlen, aber bald immer wärmeren Licht der frühen Morgensonne können wir einige Clanmitglieder ausgiebig beobachten. Auch zu früher Stunde ist hier wieder eine Menge los. Der Nachwuchs spielt ausgelassen mit den großen Hyänen. Es wird gefiept, gewimmert und hyänentypisch schaurig gelacht. Das ist bereits auf der Audiospur eine tolle Beobachtung.
Auch wenn sich der Beleuchter die größte Mühe gibt, sind Tüpfelhyänen ja eher beeindruckende Erscheinungen als wahre Schönheiten im engeren Sinne.
Der Nachwuchs jedoch gewinnt ganz klar jeden Niedlichkeitspreis.
Zufrieden mit dieser ersten Sichtung des Tages machen wir kehrt und fahren in Richtung Süden. Das Ziel für unseren ausgedehnten Morningdrive soll Berg-en-Dal sein, das Camp, in dem wir seit 2013 traditionell Fotos von unseren Kindern machen, während sie über die Bänke des Open-Air-Auditoriums hüpfen. Auch wenn wir dieses Jahr nicht im Camp übernachten werden, muss daher trotzdem wenigstens ein Kurzbesuch sein.
Und diese Entscheidung stellt sich am heutigen Morgen als goldrichtig heraus. Denn nur wenige Kilometer nach dem Abzweig gen Süden steht ein einsames Auto am Straßenrand. Was die Insassen wohl entdeckt haben? Wir nähern uns langsam und trauen unseren Augen kaum: Gar nicht weit entfernt sitzt ein Leopard ganz ohne störende Zweige im trockenen Busch!

Was für eine grazile Katze. Und quasi auf dem Präsentierteller! Begeistert fotografiert die ganze Familie.
Und der Leopard ist nicht allein. Neben ihm lagert noch eine zweite Raubkatze, die sich jedoch nicht so recht aus ihrer Deckung wagen mag. Wir können uns gar nicht satt sehen. Es sind Momente wie diese, die uns immer wieder hierher zurückkehren lassen.
Lange dauert es nicht, bis sich beide Leoparden schließlich in Bewegung setzen. Leider laufen sie in die „falsche Richtung“, verziehen sich in den dichten Busch und verschwinden damit bald aus unseren Blickfeld. Und so können wir nun dazukommenden Fahrzeugen nur bedauernd mitteilen, dass hier bis vor wenigen Momenten Leoparden unterwegs waren. Ein klarer Fall von „right time, right place“.
Mit einem breiten Lächeln im Gesicht setzen wir die Fahrt fort und treffen wenig später erneut auf einige Hyänen, die wir aber nur kurz beobachten, weil unser Hyänen-Soll für heute bereits gut gefüllt ist.
Nachdem es eine ganze Zeit durch den ausgedörrten Busch geht und sich weitere Sichtungen – abgesehen von Impalas und Steinböckchen – eher rarmachen, sehen wir drei Autos an einer Lichtung stehen. Als wir näherkommen, rufe ich beglückt aus: „Wilddogs!“

(Übrigens einer meiner Lieblingsausrufe auf einer Safari.)
Wildhunde! Wie cool! Und zwar ein ganzes Rudel! Am ersten vollen Kruger-Tag!

Vielleicht fünfzig Meter von der Straße entfernt lagert eine gute Handvoll erwachsener Wilddogs.
Einige Halbwüchsige sind wesentlich wacher und stromern lebhaft durch die Gegend.
Besonders freuen wir uns, als die jungen Hunde einen kleinen Felsen erklimmen und richtig schön posieren.
Nach einiger Zeit kehrt auch das Leben in die schlummernden Wilddogs zurück. Zügig steht einer nach dem anderen auf und es folgt ein begeistert schnupperndes und winselndes Begrüßungsritual. Die Hunde machen ihren Morgenkreis. Solch soziale Tiere zu beobachten, ist immer wieder eine besondere Freude.
Nachdem das Socialising erledigt ist, klettern auch die großen Hunde auf die Felsen und sondieren die Umgebung.
Die Halbwüchsigen beäugen ihre Vorbilder dabei interessiert.
Alsbald ruft einer der Hunde zum Aufbruch auf und die ganze Meute setzt sich im Laufschritt in Bewegung. Das Rudel hält ziemlich genau auf unseren Wagen zu und ist bald nur noch in Portraitnähe.
In Windeseile kreuzen die Hunde vor uns die Straße, um bald darauf von dichtem Buschwerk verschluckt zu werden. Die Szenerie bleibt leer zurück, so als wäre hier nie etwas zu sehen gewesen.
Mit einem noch breiteren Lächeln als zuvor setzen wir die Fahrt fort.
Bis wir in Berg-en-Dal ankommen, entdecken wir u.a. noch zwei Pantherschildkröten. Auch über diese kleinen Begegnungen freuen wir uns sehr.
(übrigens gibt es im Kruger auf den Hauptpisten seit einiger Zeit fest installierte Radarfallen...)
Im Rastlager machen wir eine ausgedehnte Pause, kaufen ein wenig ein und veranstalten vor allem die traditionelle Foto-Session. Haben wir 2013 unsere erste Tochter noch von Stufe zu Stufe heben müssen, so können die Kinder im Jahr 2025 ganz selbständig herumhüpfen. Es ist unglaublich! Wir werden alt.
Als wir uns auf den Rückweg machen, ist es schon richtig heiß. Die Sonne brennt von einem wolkenlosen Himmel herab – das Thermometer zeigt 36 Grad an. Die Rückfahrt verläuft entsprechend sichtungsarm und fotofrei. Aber das ist in Anbetracht der Begegnungen des Morgens gar nicht schlimm. Mit dieser ersten Ausfahrt sind wir rundum zufrieden: So starrt die Familie gern in den Busch.