11.11.2023
Twee Rivieren - Nossob
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Eigentlich wollten wir heute Morgen packen und zur pünktlich zur Toröffnung um
05:30 Uhr losfahren.
Der Handy-Alarm reißt uns aus dem Tiefschlaf. Jetzt nur wegen des Packens, früher aufzustehen war gestern Abend keine so gute Idee.
Wir stellen den Wecker erneut und schlummern noch ein Stündchen friedlich weiter.
Räumen wir unseren Kram halt später zusammen. Wir werden schon vor 10:00 Uhr rechtzeitig zum Check-out wieder zurück sein.
Eine Stunde später rappelt erneut das Handy.
Etwas ausgeruhter und nach kurzer Katzenwäsche starten wir dann zu unserem morgendlichen Gamedrive.
Wir fahren erst ein Stück bis zur Rezeption, die abseits vom Camp liegt, um unseren Laufzettel abzuholen.
Gegen 05:40 Uhr sind wir die Einzigen, welche noch das Permit abholen. Die kleine Verspätung erweist sich jedoch später als ein Glücksfall.
Die anderen Fahrzeuge sind alle bereits losgefahren.
Morgens bildet sich in den großen Camps Mata Mata, Nossob und hier in Twee Rivieren immer eine kleine Menschenschlange bei der Ausgabe der Permits. Jetzt ist keiner mehr hier und wir erhalten den Zettel schnell, ohne anstehen zu müssen.
In den Wilderness Camps ist das logischerweise anders. Es gibt nur wenige Chalets bzw. Gäste und man erhält den Laufzettel nach einem kurzen aber herzlichen Guten Morgen ganz ohne Wartezeit. Die Campmanager sind immer pünktlich zur Stelle und nicht alle Bewohner brechen schon um 05:30 Uhr zum Gamedrive auf.
Wir wollen jedenfalls ca. 35 Kilometer bis Kij Kij fahren und dabei die dazwischen liegenden Wasserstellen Samevloeiing, Leeuwdrill und Rooiputs ansteuern.
Nach drei Kilometern Strecke erreichen wir das erste Wasserloch.
Samevloeiing liegt unweit der Abzweigung Auobtal/Nossobtal.
Von der Straße hat man keine direkte Sicht darauf. Wir biegen in den kurzen Zufahrtsweg ein und was sehen wir? Nichts. Nur ein stilles, verwaistes Wasserloch in der Landschaft.
Hier warten wollen wir nicht und fahren gleich weiter.
Nach elf Kilometern Strecke erreichen wir Leeuwdrill.
Etwas Besonderes können wir nicht sehen. Nur ein Oryx steht am Wasser.
Wir wollen gerade weiter fahren, da entdecken wir fast gleichzeitig auf der anderen Straßenseite im Gestrüpp zwei junge Löwinnen.
Tief geduckt und lautlos schleichen sie sich an.
Glücklicherweise stehen wir mit unserem Auto so, dass wir ihnen die Sicht auf ihre vermeintliche Beute nicht nehmen und haben dabei selbst einen genialen Blick auf die schönen Tiere.
Angst, dass wir nun unsere erste ernsthafte Jagd erleben müssen, haben wir nicht, denn zwischen dem Wasserloch und den Löwen liegt die offene Straße.
Langsam, Pfote um Pfote, pirschen sie sich näher an den Oryx heran.
Es ist schon toll zu sehen, wie sich die Katzen bewegen, die Beute dabei immer fest im Blick.
Umgekehrt haben wir sie als Fotobeute genauso fest im Visier.
Sie beachten uns überhaupt nicht, also stören wir sie auch nicht.
Wie schon von uns vermutet erkennt der Gemsbok die Gefahr, die ihm droht, und sprintet plötzlich davon.
Genauso abrupt beenden die Löwinnen ihren Jagdmodus und laufen dann nach Katzenart völlig gemächlich und entspannt über die Straße zum Wasserloch. Ein dritter halbwüchsiger Löwenmann folgt ihnen. Er hatte sich gut getarnt, denn erst jetzt bemerken wir ihn.
Die drei trinken nun am Wasserloch. Ihre Mäuler sind teilweisen blutverschmiert und ihre Bäuche sind voll gefressen. Da war der Jagdversuch von eben nur halbherzig und gehörte in die Kategorie Übungsstunde.
Unsere Vermutung bestätigt sich auch gleich.
Eine starke und große Löwin ergänzt jetzt das Trio.
Sie ist auch blutverschmiert und die Jungtiere laufen ihr freudig entgegen.
Diese vier Löwen sind uns schon im April bei Kij Kij begegnet.
Die drei Jungtiere sind seither prächtig gewachsen und wir sind froh, die komplette Familie wiederzusehen.
Die Löwenmutter wird unter den Gamedrivern gerne als „Super-Mom“ bezeichnet. Diesen Namen hat sie erhalten, weil sie ihren Nachwuchs trotz schwieriger Umstände und den damaligen Verletzungen des männlichen Jungtiers gut durchgebracht hat.
Wie man sieht, sind sie jetzt schon fast selbstständig.
Zu viert gehen sie über die Straße zurück zum Wasserloch.
Anschließend schmusen die beiden weiblichen Jungtiere, im Schatten eines Baumes, mit der Mutter.
Der Halbwüchsige scheint darauf aber keine Lust mehr zu haben.
Jungs schmusen ab einem bestimmten Alter halt nicht mehr so gerne mit der Mama, zumindest nicht in der Öffentlichkeit.
Das war jetzt ein schönes Erlebnis, wären wir heute Morgen, wie alle anderen zehn Minuten früher losgefahren, dann hätten wir diese Szenen alle verpasst und könnten Euch davon auch nichts erzählen.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, so muss eine Safari sein.
Es ist nun Zeit, unsere Fahrt fortzusetzen. Bis Kij Kij sind es noch weitere 23 Kilometer. Nach neun Kilometern passieren wir die verlassen wirkende Wasserstelle von Roiiputs und erreichen unser vormittags Ziel.
Am Wasserloch fliegen nur ein paar Tauben und einige Gnus löschen ihren Durst.
Kij Kij ist schön in die Landschaft eingebettet. Die untere Dünenstraße beginnt hier und bildet eine Abwechslung zu den mehr frequentierten Straßen im Nossob- und Auobtal.
Sie bildet auch die direkte Verbindung nach Kieliekrankie. Die Straße endet beim Rastplatz von Auchterlonie. Sie führt einen quer durch die Dünenlandschaft. Garantiert sieht man auf der Strecke kleine Steinböckchen. Auf anderen Reisen sind uns auch Honigdachse begegnet. Am Ende dieser Reise werden wir auch nicht von der Strecke enttäuscht. Die Zeit ist aber heute zu kurz, um diese Richtung für die Rückfahrt nach Twee Rivieren einzuschlagen. Bei uns steht ja noch das Packen und Auschecken an.
Es hat sich dennoch gelohnt, bis hierher zu fahren.
Hoch oben auf den Dünen entdecken wir in großer Entfernung einen jungen Mähnenlöwen. Was für eine schöne Aussicht auf Kij Kij die er doch hat.
Der Ort ist vergleichbar mit einem Logenplatz im Theater, die Bühne ist das Tal mit dem Wasserloch. Schauspieler sind die Tiere, die sich in dieser Kulisse bewegen.
Das Publikum, in diesem Fall der Löwe, verfolgen diese Vorstellung aus privilegierter Position
So langsam wird es Zeit für uns, zurückzufahren.
Etwas vom Wasserloch entfernt liegen die Überreste einer Hyäne. Sie ist Opfer von Löwen geworden, und sie war nicht die einzige Braune, die es in dieser Gegend erwischt hat.
Im Netz existiert ein Video, wo man die Löwen sehen kann, wie sie spielend die Braune Hyäne bei Kij Kij attackieren.
Der Ausgang auf diesem Videoclip ist ungewiss, es fließt kein Blut und man erfährt auch nicht, ob die Braune das überlebt hat. Jetzt wissen wir, wie das Spiel endete.
Wir sind froh, dass wir nicht bei dem Kill dabei waren.
Der Hinweis …. Not for sensitive people…, , den man oft vor dem Betrachten von Clips mit solchen Jagdszenen liest, wäre für uns zutreffend.
Wir fahren weiter.
Wieder bei Leuwdrill angekommen, sehen wir einige Spätaufsteher, die von Twee Rivieren her gekommen sind. An der Straße stehen insgesamt vier Fahrzeuge entlang der Wasserstelle.
Wir halten kurz in zweiter Reihe an und kommen dabei mit einer Südafrikanerin ins Gespräch.
Voller Begeisterung erzählt sie uns, dass hier vier Löwen hinten beim Wasserbehälter liegen.
Ganz aufgeregt deutet sie auf „Super-Mom“ und ihre Kinder.
Jetzt sehen wir sie auch. Sie dösen im Schatten so vor sich hin.
Wir bedanken uns bei der Frau ganz herzlich für den Hinweis, erzählen allerdings nichts von unseren Erlebnissen, die wir heute Morgen an gleicher Stelle hatten. Da waren wir schließlich ganz allein bei der Löwenfamilie. Sie waren noch aktiv und nicht so verschlafen wie jetzt. Eigentlich ist nichts langweiliger als schlafende Löwen zu beobachten.
Wir wollen ihr die Begeisterung über die Löwen jedoch nicht verderben, sie ist so zufrieden mit der Sichtung.
Auf der Weiterfahrt haben wir wieder allein für uns eine schöne Sichtung.,
Eine kleine Gruppe Erdmännchen wuselt ganz nahe an einer Straßenseite herum.
Leider ist der Lichteinfall an dieser Stelle nicht so gut. Wir fotografieren gegen die Sonne.
Dabei entstehen bedauerlicherweise nur recht farblose Aufnahmen, die wir jetzt beim Auswählen der Bilder aber recht schön finden. Die Motive bereiten uns jetzt noch Freude.
Das Blatt wendet sich, als eine kleine Gruppe blitzschnell die Sandstraße überquert. Glücklicherweise verschwinden sie nicht sofort im Gebüsch, sondern erlauben uns noch ein paar Fotos von ihnen zu machen.
Bei den verschiedenen Aufnahmesituationen kann man ganz genau erkennen, welch wichtige Rolle das richtige Licht in der Fotografie spielt.