Tag 6
Nachdem der Open-the-gate-Startschuß im Shingwedzi Restcamp gefallen war, bogen wir sodann gleich in Confluence Loop ein, um unsere Tagestrecke zur folgenden Nächtigungsstätte im Shimuwini Bushveld Camp zu beginnen. Außer ein paar zittrigen Impalas war dort nix los. Dafür umso mehr Getiergetummel gleich im Anschluß auf der Asphaltstraße. Ein Rudel Hyänen labte sich an einem Etwas hinten im Dickicht. Weiter südwärts in schönster Morgensonne sich graziös gebende Giraffen und einige Büffel. Nach zwei Stunden Trödelgamedrive war uns noch nicht nach Frühstückspause und somit entschlossen wir uns zu einem Debüt. Wir bogen links zum Mooiplaas-Wasserloch ab und fuhren weiter in die Nshawu-Marsch. Dieses Gebiet östlich Mopanis war für uns Neuland. Ach was war die Landschaft herrlich dort. Solitäre Elefantenteenagerknaben sowie deren, ebenfalls dem Einzelmüßigang sich hingebenden, Väter und Großväter streiften durchs Dickicht und die Marsch. Es war wie bei einem BBC-Dokumentarfilm. Klasse. Jetzt hatten sich aber der Hunger breitgemacht und wir machten einen Einkehrschwung im Mopani Restcamp. Mit dem Mopani ist das für uns immer so eine Sache… In der Vergangenheit würdigten wir diesem stets unsere Aufmerksamkeit lediglich in Form eines obligatorischen Frühstückstopps. Das rote Plüschsofachaiselongue im großen Foyer vor dem Eintritt ins Restaurant war für uns zu einem Eyecatcher mit Symbolcharakter geworden. Das Ding stand immer an der gleichen Stelle. Wie ein purpurner, flauschiger Fels in der Brandung, der jeglichen Widrigkeiten der KNP-Welt standhaft trotzte. Schnurstracks bahnten wir uns mit flotten Schritten den Weg zum Restaurant, bevor wir kurz vor dem Gebäudeeingang einen Schock bekamen: Das rote Lümmelsofa war weg! Oh je, das konnte nix Gutes verheißen. Und siehe da: Ohne übermäßig dem Aberglauben zu frönen, präsentierte sich uns das wenig Gute in Form des Restaurantpächters. Schon wieder ein Tindlovu Restaurant mit der gleichen kurzgehaltenen, langweiligen Speisekarte. Jetzt ist es ja so, daß wir uns im Vorfeld unseres KNP-Aufenthaltes mittels Internet hätten schlaumachen können, welcher Betreiber welches Restcamplokal unter den Fittichen hat. Haben wir jedoch nicht gemacht, weil 1. für uns das Angebot an zu erhaltenden Speisen weniger als eine Sekundärangelegenheit ist und 2. für uns zu einem Urlaub auch der Terminus „Überraschung“ gehört; sowohl im positiven als auch im weniger schönen Wortsinn. Wir sind halt keine hyperwissenshungrigen Internetjunkies, die im Netz auch noch das kleinste Etwas, was in einem Urlaub ansteht oder anstehen könnte, peinlichst genau verifizieren, um auch ja 100% für sämtliche Imponderabilien (grins, grins lilytrotter) gerüstet zu sein. Nachdem wir das übliche Toasted Sandwich mit lecker-fettigen Fritten gespachtelt hatten, kamen wir mit einem südafrikanischem Rentnerpärchen ins Gespräch, dessen Dame es sichtlich genoß, mit Ihrem NSA- oder BND-tauglichem Fotoobjektiv die Krähenfüße der sich hinter dem Pioneerdam befindlichen KNP-Gäste abzulichten. Dem netten Geplauder schloß sich ein adretter Endsechziger mit gepflegtem, silbrigem Vollbart an. Er tat zum Besten, daß ca. fünf „britische“ Meilen nördlich Mopanis ein großes Löwenrudel sich an einem direkt am Straßenrand befindlichen Riß labte. Na das war mal eine Nachricht. Ruckzuck hatten wir gezahlt und begaben uns auf den Weg. Nach Adam Riese und Eva Zwerg sollte also nach etwa acht Kilometern ein Augenschmaus auf uns warten. Die H1-6 war autofrei. Auch nach acht Kilometern. Ebenfalls nach zehn Kilometern. Kurz hinter dem Abzweig zur S144, selbstredend ohne auch nur ein Wagen gesichtet zu haben, hielten wir. Daß der smarte Senior gelispelt hatte und von preußischer Meile gesprochen haben sollte, wir aber britische aufgeschnappt hatten, schlossen wir kategorisch aus. Komisch – nun denn – macht ja nix. In genau diesem Augenblick, um 10.39 Uhr, kam ein stattlicher Leopard aus dem Gebüsch und auf unser Fahrzeug zu. Zunächst konnten wir unser Trostpflasterglück gar nicht wahrhaben. Der gepunktete Katzenmann hielt kurz an, beäugte uns lange und legte sich dann unter einen großen Busch direkt neben unserem Wagen. Wir beobachteten den Leo gute 20 Minuten, ohne daß auch nur ein einziges Automobil an uns vorbeifuhr. Kaum zu glauben… und das auf einer der Hauptstraßen des KNPs. Da sag doch noch einmal einer, der KNP ist immer rammelvoll und gleicht dem Oktoberfest am Tag der Eröffnung desselbigen.
Mit freudigen Augen verabschiedeten wir uns vom Punktekater und fuhren, nachdem wir beschlossen hatten bei unserem nächsten KNP-Aufenthalt Mopani übernachtungstechnisch auf alle Fälle mit zwei Nächten gebührend zu berücksichtigen, in südlicher Richtung zum Shipandani Hide; für uns stets ein Hippohighlight. So war es auch dieses Mal. An der Tsendze-Brücke beobachteten wir außerdem buntes Federtier, bevor wir nach zum Shimuwini Bushveld Camp aufbrachen.
Dort kamen wir Punkt 14 Uhr an und belegten unser GD4-Cottage. Das Häuschen mit Outdoor Kitchen-Eßzimmer war sehr geräumig und sehr sauber. Die mit einer Badewanne ausgestattete Naßzelle war so ziemlich abgerockt. Um sich unter dem Regenduschkopf naß machen zu können, bedurfte es für einen 1,92 m großen Kerl wie mich einer Mindestkompetenz in Rhythmischer Sportgymnastik. Wie kann man das Ding auf solch niederer Wandhöhe anbringen. Ich will jetzt nicht sagen, daß man in aufrechter Körperhaltung den Duschkopf als Bidet hätte verwenden können. Nein, so viel tiefergelegt war er nun auch nicht; aber quasi

. Naja, vielleicht war auch hier einer der Intelligenzbolzen aus der Shingwedzi-Architektentruppe am Werk. Den Nachmittag nutzen wir, um die Stille im Camp zu genießen. Da Shimuwini am Ende einer Sackgravelroad liegt und es keine Loops in unmittelbarer Nähe gibt, erübrigte sich somit das Gamedriven; es sei denn, man hätte sich auf eine etwas längere Fahrt gemacht, aber dazu hatten wir keine Lust. Bis Gateschluß haben wir keine weiteren Gäste auf dem Gelände angetroffen, und somit frönten wir der Mutter-Natur-Geräusche, freuten uns außerdem am großartigen Hippogetummel im Letaba River Dam und machten einen Spaziergang durchs Campgelände, welches sogar ein Boma vorzuweisen hatte. Diesem war ein klitzekleiner Swimming Pool (war sogar mit Wasser gefüllt und dieses war sauber und sah einladend aus) vorgelagert. Beides machte einen sehr ordentlichen und gepflegten Eindruck.
Dem allabendlichen Braai folgte etwas Lesen und ein frühes Zu-Bette-Gehen. Und das muß jetzt auch einmal hier gesagt werden: In dem Bett schliefen wir wirklich wie die Engel und wachten ausgeruht und ohne Kreuzschmerzen auf.