THEMA: Route planen? Einen Sch... muß ich!!!!
07 Dez 2015 19:33 #410069
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  • Graskop am 07 Dez 2015 19:33
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26.10.15

Gestern hatte ich mit Lodge-Manager Patrick versucht abzusprechen,
dass wir heute einfach nur mal ausruhen wollen und unser Fahrer Didier frei hat.
Er riet uns aber zu einer Bootstour auf dem See, bei der wir eine unbewohnte ehemalige Gefangeneninsel und die einzige bewohnte Insel des Sees
besuchen werden.
Heute noch sind wir froh, auf diesen Rat gehört zu haben!

Heut werden wir das erste Mal von ein paar Sonnenstrahlen geweckt.
Ich nutze das gleich Mal für ein Foto von unserem Bungalow, denn das Wetter wechselt hier alle 10 Minuten.



Gegen 9.30 Uhr beginnt unsere Bootsfahrt.



Vorbei an einem Pelikanbaum





Fischerbooten



Bienenstöcken



geht es zur Punishment island







Auf diese Insel wurden in vergangenen Jahrhunderten zum Tod Verurteilte gebracht.
Dort gab es keine Nahrung. Man überließ sie einfach ihrem Schicksal.
Irgendwann fuhr man dann wieder hin und schleppte ihre toten Körper in eine Höhle.
Hier der Eingang



Die Höhle hat sehr salzhaltige Wände und so sind die Leichen teilweise mumifiziert.






Dann geht es weiter nach Mutanda island, die einzige bewohnte Insel des Sees.
Unterwegs kommen uns einige Boote entgegen.







Je näher wir der Insel kommen, desto mehr beschleicht uns ein mulmiges Gefühl.
Wir haben nämlich außer unserer Fotoausrüstung nichts dabei. Als wir heute Morgen in das Boot stiegen, hab ich unserem Guide Spencer gefragt, ob ich noch mal zurück gehen kann und Geld holen. Er sagte aber das ist nicht nötig.
Kaum auf der Insel angekommen, stehen wir den ersten Kindern gegenüber.
Keines der Kinder bettelt. Sie stehen einfach nur vor uns und schauen uns mit ihren großen Kinderaugen an.



Wir sind mit dieser Situation ein wenig überfordert, Kontakt zu Einheimischen
war für uns bis jetzt eher die Ausnahme.
Ramona verteilt erstmal ihre Pfefferminzbonbons an die Kinder.



Dann wandern wir Richtung Dorf und die Menschen um uns herum werden immer mehr.







Zu diesem Haus dort oben soll unsere Wanderung gehen. Es ist die Kirche.




Spencer erklärt mir das Dorfleben.



Immer wieder werden wir von Kindern umringt. Sie wollen fotografiert werden und anschließend das Foto sehen.












In der Kirche angekommen, stößt auch der Dorfälteste zu uns.



Gemeinsam mit Spencer erklären sie uns, das dieses Gebäude unter der Woche als Schule genutzt wird und am Sonntag als Kirche. Das Gebäude ist in keinem guten Zustand.
Aber die Dorfgemeinde ist dabei, eine neue Kirche zu bauen. Immer - wenn sie etwas Geld zusammen haben - wird weiter gebaut.



Vor den Grundmauern des neuen Gebäudes unterhalten wir uns eine Zeit lang
über das Leben auf der Insel. Am Ende sollen wir uns noch in eine Art Besucherliste eintragen.







Dann machen wir uns auf den Rückweg.





Dieser Besuch auf der Insel beschäftigt uns bis heute.
Ich könnte jetzt viele meiner Gedanken hier niederschreiben.
Statt dessen zeig ich noch ein Foto.



Nachmittags gehe ich dann zum Manager der Lodge, Patrick, und habe mit ihm ein sehr nettes längeres Gespräch.
Ich erzähle ihm, dass wir die ganze Zeit auf der Insel Schuldgefühle hatten.
Dafür, dass es uns in unserer Welt viel besser geht. Dafür, dass wir auf ihre Insel gehen und sie begaffen wie eine Touri- Attraktion. Und dafür, dass wir ihnen nichts geben konnten.
Er erzählt uns, dass er sich seit Jahren für die Inselbewohner und vor allem für die Kinder einsetzt. Er sammelt Geld und kauft davon Schulmaterial und Arzneimittel.
Sein Traum ist es, auf der Insel eine kleine Arzt-Praxis und einen Laden für die nötigsten Dinge einzurichten.
Und dann sagt er einen bemerkenswerten Satz:
Meine Frau und ich sind alt, wir brauchen doch nicht mehr viel, aber den Kindern muss man helfen, die wollen doch leben.
Und Patrick hat noch mehr Baustellen. Er besorgt Kondome und versucht den jungen Menschen, nicht nur auf der Insel, begreiflich zu machen, dass 5 und mehr Kinder pro Familie zu viel sind.
Er wird nicht müde den Leuten zu erklären, dass sie das Wasser aus den Quellen abkochen und filtern müssen.
Und er sagt mir, dass es richtig war, kein Geld auf der Insel zu lassen.
Patrick verspricht mir, wenn wir etwas übrig haben, egal ob Geld oder Sachen, sollen wir es ihm geben, es wird bei nächster Gelegenheit auf der Insel ankommen.
Ich verabschiede mich und gehe zurück zu unserem Bungalow.
Gemeinsam packen Ramona und ich unsere Koffer aus und wieder ein.
Das Zeug, welches den Weg zurück in den Koffer nicht gefunden hat und einen
Kuvert übergeben wir beim Abendessen an Patrick.
Er verspricht uns Bilder von den Sachen zu schicken die er besorgt.
Und 14 Tage später hatte ich die Fotos im Postfach.









Unser vorletzter Tag in Uganda geht zu Ende.
Ein Tag, den wir nie vergessen werden.
Letzte Änderung: 07 Dez 2015 19:44 von Graskop.
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08 Dez 2015 07:51 #410101
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Hoi Silvio

Genau so hilft man den Leuten nachhaltig!!!
Bravo!
Geld verteilen bringt nichts...das muss schon spezifisch eingesetzt werden, wie er es für Euch getan hat!
Und das Bild, welches Du statt Deiner Gedanken gepostet hast, zeigt genau das was ich schon so viel gesehen habe!
Keiner zu klein mitzuhelfen damit die Familie überleben kann!
Das können wir uns hier gar nicht vorstellen!!!

Hab übrigens den Link in der Reiseberichtzusammenstellung Uganda gesetzt.
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08 Dez 2015 15:06 #410143
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picco schrieb:
Hoi Silvio

Genau so hilft man den Leuten nachhaltig!!!
Bravo!

Das Lob schmeichelt, aber hätte ich auf der Insel Geld dabei gehabt, hätt ich wohl welches gegeben. Man will einfach helfen und denkt erst später drüber nach.

picco schrieb:
Und das Bild, welches Du statt Deiner Gedanken gepostet hast, zeigt genau das was ich schon so viel gesehen habe!
Keiner zu klein mitzuhelfen damit die Familie überleben kann!
Das können wir uns hier gar nicht vorstellen!!!

Für mich hat das Bild noch `ne andere Symbolik.
Im Vordergrund arbeitet ein Kind und hinten spielen wir Touris mit anderen Kids...

Gruß
Silvio
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10 Dez 2015 21:13 #410497
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Heute Morgen werden wir wach und trauen unseren Augen kaum.
Strahlend blauer Himmel!
Didier sagte uns gestern beim Dinner, dass wir erst um 10.30 Uhr abreisen.
Da bleibt nach dem Frühstück genügend Zeit für ein paar Fotos.

die Aussicht





unser Bungalow



die Terrasse mit meinem neuen Freund



alle Bungalows vom Restaurant aus



Häuser in den umliegenden Bergen




und eine Echse


Nachdem wir dann von den Angestellten der Lodge nett verabschiedet wurden,
geht es zurück nach Kigali.









Nach guten 2 Stunden Fahrt erreichen wir den Grenzübergang. Wieder müssen wir
zu Fuß über die Grenze. Auf Uganda-Seite bekommen wir bei der Passkontrolle einen Zettel, der uns den Grenzübertritt ermöglicht. Dieser Zettel ist zirka 2x2cm groß.
Unglaublich.
Auf Ruanda-Seite wird unser Auto gefilzt. Wir müssen unsere Koffer öffnen und teilweise auspacken. Selbst die Kultur-Beutel werden begutachtet.

Grenzübergang Ruanda


Nach 30 min fahren wir weiter.
Inzwischen ist es wieder bewölkt und es regnet ab und zu.









In Kigali angekommen, fährt Didier mit uns essen. Ein nettes Lokal, indem die
Besserverdiener der Stadt verkehren. Anschließend gibt es noch eine Stadtrundfahrt
durch die ruandische Hauptstadt.

das neue Kigali







das alte Kigali










Zum Schluss besichtigen wir das Genocide Memorial Centre.









Dann liefert uns Didier am Flughafen ab.
Wir waren ja das erste Mal mit einem Guide/Fahrer unterwegs. Wir hatten vorher Bedenken, ob wir damit klar kommen, ständig jemand an unserer Seite zu haben. Didier war ein Glücksfall für uns. Er erklärte uns die Geschichte von Uganda und Ruanda, die Wirtschaft, die Tier- und Pflanzenwelt, immer mit einem witzigen Spruch auf den Lippen. Unsere Fragen beantwortete er immer mit einfachen klaren Worten. Dabei war er nie aufdringlich, ließ uns immer unseren Freiraum.
Er hat mit 7 Jahren den Genozid erlebt, Vater und Geschwister verloren.
In stillen Momenten war er manchmal wie abwesend. Da konnte man erahnen,
dass er Schlimmes erlebt haben muss.

Ich glaub, er war auch mit uns zufrieden. Irgendwie war es am Ende ein fast freundschaftliches Verhältnis.
Beim Abschied tauschten wir unsere Telefonnummern aus und er sagte, dass er uns
crazy german people nie vergessen wird.




Ein wenig wehmütig marschieren wir ins Flughafengebäude.



Pünktlich startet unser Flug. Er dauert... genau 35 Minuten.
Dann landen wir in Entebbe. Es steigen ein paar Leute aus und ein paar Leute ein.
Dann geht's über Amsterdam nach Berlin.
Zu Hause werden wir dieses Mal nicht nur die afrikanischen
Landschaften und Tiere vermissen, sondern auch und vor allem die
wundervollen Menschen....

Tja, das war's.
Vielen, vielen Dank an Alle die mitgelesen haben. Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spaß und ich konnte Euch ein paar brauchbare Infos zu den bereisten Ländern geben.

LG
Silvio
Letzte Änderung: 10 Dez 2015 21:28 von Graskop.
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11 Dez 2015 07:18 #410522
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  • Botswanadreams am 11 Dez 2015 07:18
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Hallo Silvio

Besten Danke für das Mitnehmen auf Eure Reise.

Es freut mich ganz besonders, dass Euch der letzte Teil als gefürter Tour-Abschnitt so tief beeindruckt hat. Die Gorilla-Bilder erinnern uns an einen athemberaubenden Tag vor zwei Jahren. Die Begegnungen mit den Menschen sind immer von grossem bleibenden Wert in den Herzen. Die Informationen, die man von einem Guide auf der Tour erhält, sind goldwert, wenn man sich für das Land interessiert.

LG
Christa
www.botswanadreams.de

"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway
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11 Dez 2015 16:41 #410617
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Danke Silvio - vor allem für den letzten Teil der Reise, den du so einfühlsam beschrieben hast!

Deeply impressed

Bele
Letzte Änderung: 11 Dez 2015 16:44 von Champagner.
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