THEMA: April 2015 - Unterwegs in Südafrikas Norden
27 Mai 2015 18:29 #386159
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  • Lotusblume am 27 Mai 2015 18:29
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Hallo Walter,
das sind ja mal chice Unterkünfte.

Habe heute beim Einkaufen gleich mehrere Tüten gekauft
und nun müssen wir uns nur noch in Geduld üben.... :blush:

Sehr schöner Reisebericht und tolle Bilder.

Nun freue ich mich auf deine weiteren Erlebnisse.
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28 Mai 2015 07:15 #386182
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@topobär
Hi Topo,
Danke für die Info.
Klingt nach einer guten Idee die hoffentlich auch gut Ergebnisse bringt

@lotusblume
Hallo Lotusblume,
ich hoffe Du hast mit der "Gummibärchen-Währung' genauso viel
Erfolg wie ich :laugh:
Liebe Grüsse
Walter
Letzte Änderung: 28 Mai 2015 07:16 von leofant.
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28 Mai 2015 16:05 #386216
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Liebe Fomis,

dieser Teil des Berichts hat keine Fotos. Es sind einfach nur ein paar Situationen, die ich hier beschreibe und
die halt zum RB gehören. Vielleicht ist es trotzdem interessant :)

Sonntag 19.04.2015- am Nachmittag

Der Flug zurück nach Joburg ist etwas unruhiger als der Hinflug. Ganze Wolkengebirge türmen sich vor uns auf und das Flugzeug hüpft auf und ab. Manchmal geht es im Blindflug mitten durch die Wolken, das mag ich überhaupt nicht, denn ich sehe gerne wohin wir fliegen.

Mir fällt sofort die Anekdote aus einem Buch ein das ich erst kürzlich gelesen habe. Da war eine Familie in einem kleinen Buschflieger in der Nähe des Krügerparks unterwegs. Unglücklicherweise knallte ein Storch durch die Frontscheibe und betäubte den Piloten. Der Familienvater (er sass auch vorne) musste die Maschine solange in der Luft halten, bis der Pilot wieder zur Besinnung kam :S

Jetzt tauchen sogar dunkle, schwarze Wolken auf, die werden aber umflogen. Aus diesem Grund dauert der Rückflug auch etwa fünfzehn Minuten länger. Endlich kommt der Flughafen in Sicht. Wir fliegen noch eine Schleife, dann setzt die Maschine sanft auf der Landebahn auf und rollt zum Hangar der Federal Air. Schnell ist unser Gepäck entladen und ein paar Minuten später stehen wir vor der Lounge. Hier wartet bereits ein Minibus auf uns, das Hotel hat meine Anfrage also tatsächlich berücksichtigt. Unser Fahrer ist sehr aufgeschlossen. Als er hört dass wir aus Deutschland sind, packt er sofort seinen gesamten deutschen Wortschatz aus. Sein Name ist Khutzo (ist hoffentlich richtig geschrieben), ich übersetze ihn mit „gut so“. Das gefällt ihm sehr, er lacht und wiederholt seinen „deutschen“ Namen immer wieder.

Um 16:00 sind wir im Safari Club Hotel angekommen. Die Unterkunft ist zweckmässig, das Preis-Leistungsverhältnis ist gut. Für eine Nacht kann man es hier durchaus aushalten. Da wir noch zum Flughafen müssen vereinbare ich mit Khutzo, dass er uns in einer halben Stunde abholt. In der Zwischenzeit bringen wir unsere Sachen ins Zimmer. Gegen 17:00 taucht unser Fahrer wieder auf. Dann geht es ab zum Airport. Ich vereinbare mit Khutzo, dass er uns in ca. einer Stunde wieder abholt.
Wir tauschen unsere Telefonnummern aus, dann steigen wir aus und betreten die Ankunftsebene. Um diese Zeit ist eine Menge Betrieb auf dem O.R. Tambo Airport, überall wuseln frisch angekommene Fluggäste herum. Zunächst suche ich einen ATM. Leider weigert er sich – wie schon vor einer Woche - die erste EC Karte zu akzeptieren. Zum Glück bin ich mit der zweiten Karte erfolgreicher. Diesmal ziehe ich 2.000 Rand.
Dann laufen wir zur ABSA Bank. Die ist nicht besonders voll, ich finde tatsächlich sofort eine Bankangestellte. Ich schildere ihr meinen Wunsch, via Western Union Geld abzuheben. Die Dame schüttelt den Kopf. „Das machen wir hier nicht. Da müssen sie zu unserer Geschäftsstelle in Joburg Downtown.“ Ich frage: „Und die haben heute am Sonntag offen?“ Sie schüttelt wieder den Kopf: „Nein, nur Montag bis Freitag zu den normalen Geschäftsstunden.“ Na toll! Ich brauche das Geld aber heute! Morgen Vormittag fliegen wir bereits nach Polokwane, ich habe keine Zeit für Stadtrundfahrten. Ich versuche es noch einmal: „Aber ich habe eine Info per SMS, dass ich das Geld hier am Airport bekomme!“. Die Dame hat keine Lust mehr, sich mit mir zu unterhalten. „Nein, das ist nicht möglich“ sagt sie und dreht sich von mir weg. :evil:

Genervt verlasse ich die Bank. Was jetzt? Ich brauche unbedingt das Geld, sonst können wir unsere weitere Reise vergessen! Ich lasse meine Frau an einer Ecke stehen und laufe einfach planlos durch die Gegend – was kann ich bloss tun? Ich fühle mich gerade sehr hilflos.
Hinter der nächsten Ecke entdecke ich plötzlich ein Schild: Amex / Western Union. Ich komme mir vor wie ein Ertrinkender, der einen Strohhalm in seiner Nähe entdeckt. Sollte ich etwa Glück haben? Ich sehe vier Bankschalter, drei davon sind besetzt. Hinter dem freien Schalter sehe ich eine junge Frau, die gerade Euroscheine zählt. Ich schaue sie mit meinem höflichsten Lächeln an, tatsächlich, sie unterbricht ihre Arbeit und blickt auf.
„Eine Frage, ich habe das Western Union Schild gesehen, kann ich bei ihnen mit einem Transaktionscode und dem Passwort Geld bekommen?“ Sie lächelt mich an und nickt. „No Problem“. Ich kann es gar nicht glauben und zeige ihr das Display meines Smartphones. „Schauen sie, man hat mir diesen Code und dieses Passwort geschickt. Sie können mir das Geld auszahlen? Ich bräuchte es aber in Rand.“ Wieder nickt sie und sagt: „Ich brauche nur ihren Pass und sie müssen ein Formular ausfüllen.“ Inzwischen stehen hinter mir zwei weitere Kunden. Ich bin hin und hergerissen. Meine arme Frau wartet auf mich, wird garantiert immer nervöser und hat keine Ahnung, dass ich mich in ihrer Nähe befinde. Ich würde sie gerne zu mir holen. Aber ich kann jetzt unmöglich hier weg, ich muss meine Chance nutzen! :woohoo:

Nachdem ich das Formular ausgefüllt habe und mein Pass kopiert ist holt die Bankangestellte tatsächlich ein Bündel Südafrikanische Rand aus einer Schublade. Dann bekomme ich die Summe vorgezählt. Ich versuche, das Sichtfeld meiner Hintermänner einzuschränken, es muss ja nicht jeder mitbekommen, dass ich mir gerade die Taschen mit Bargeld vollstopfe. Dann habe ich alles verstaut. Ich bedanke mich noch einmal bei ihr und wünsche einen Supersonntag! Dann renne ich zurück zu meiner Frau. Die steht noch brav an der Stelle, an der ich sie verlassen habe. Allerdings hat sie jetzt ziemliches Herzklopfen und ist heilfroh, mich zu sehen. Ich umarme sie, entschuldige mich und erkläre ihr die Situation. Jetzt ist sie natürlich auch happy, dass es wieder weitergeht.
Erst telefonieren wir mit unserer Retterin in Deutschland um zu sagen, dass die Transaktion geklappt hat, dann rufen wir Khutzo an. Eine Viertelstunde später klingelt unser Telefon, er steht genau vor dem Ausgang und wartet. Also, nichts wie raus aus dem hektischen Airport und hinein in den gemütlichen Minibus!
Kurze Zeit später werden wir bei unserer Unterkunft abgesetzt. Wir wünschen unserem Fahrer einen schönen Abend, dann beschliessen wir, erst einmal einen Wein auf die ganze Aufregung zu trinken. Getränke kann man sich an der Bar in der ersten Etage selbst holen. Wir sehen eine Preisliste, notieren unsere Zimmernummer und öffnen den Kühlschrank. Hmmmm… richtige Weinkenner scheint es hier nicht zu geben. Weisswein und Rotwein liegen einträchtig nebeneinander, die Temperatur ist für den Weissen zu warm, für den Roten zu kalt :unsure:
Egal, wir wollen unseren „Reichtum“ feiern und prosten uns trotzdem zu. Gegen 19:00 gehen wir ins hoteleigene Restaurant. Ausser uns sind noch zwei Gäste anwesend. Angeboten wird ein einziges Gericht, aber das ist uns heute wirklich total egal. Zu unserer Überraschung schmeckt das Essen gar nicht so übel. Später kommt der Koch um zu fragen, ob wir zufrieden sind. Ich bekomme schnell heraus, dass er aus Botswana kommt. Als ich mich auf Setswana bedanke und ihm sage, das Essen war gut, da fällt er mir beinahe um den Hals vor Freude. So oft passiert ihm das garantiert nicht, dass Touristen aus Europa sich mit ihm in seiner Muttersprache unterhalten! Kleine Anmerkung: Ich kenne eigentlich nur ca. zwanzig Worte auf Setswana, kann die aber durchaus geschickt einsetzen :whistle:

Nach dem Dinner ziehen wir uns ins Zimmer zurück. Ich zappe mich durch die fünf TV Programme, bin aber nicht wirklich zufrieden mit dem Angebot. Also sortiere ich lieber noch ein paar Fotos.

Montag 20.04.2015

Heute früh sind wir nicht im Stress, also stehen wir erst um 07:00 auf, dann wird geduscht, gepackt und gefrühstückt. Pünktlich um 09:00 kommt der Shuttle Service, der ist übrigens im Hotelpreis inbegriffen. Am Airport herrscht schon wieder grosse Hektik, diesmal ist die Halle „Domestic Departures“ unser Ziel. Wir geben unsere Seesäcke auf, dann reihen wir uns in die Schlange vor der Personenkontrolle ein. Am Gate angekommen stellen wir fest, dass unser Flug etwas Verspätung hat. Irgendwann steht der Bus bereit zum Einsteigen. Ein paar Minuten später halten wir vor unserem Airlink-Jet.

Der Flug dauert noch nicht einmal eine Stunde, kurz nach 13:00 landen wir in Polokwane und rollen fast bis zum Eingang des Terminals. Wir müssen nicht lange warten, dann haben wir unser Gepäck auf dem Rollwagen verstaut und verlassen das Gebäude. Die Autovermietungen sind nur ein paar Schritte weiter, schnell ist der Europcar Schalter gefunden. Wir werden freundlich begrüsst, Pass und Führerschein wird vorgelegt, der Mietvertrag wird ausgefüllt, dann ruft die Dame irgendwo an. Das Gespräch lautet in etwa: „Könnt ihr den Double Cab vorfahren? Wie ? Der ist noch nicht fertig? Nein! Ich hatte 13:00 gesagt, nicht 15:00! Bitte beeilt Euch, die Kunden warten!“. Sie legt auf und lächelt genervt. „Sorry, es dauert noch einen Moment.“ Ich antworte ihr: „Wir würden uns freuen, wenn es schnell gehen könnte denn wir haben noch eine längere Fahrt vor uns.“
Etwas später kommt ihr ein Gedanke. Sie gibt mir den Autoschlüssel. „Bitte gehen sie doch schon mal mit dem Gepäck zum Wagen, der sollte jetzt fertig sein. Ich komme auch gleich.“ Wir laufen zum Parkplatz, tatsächlich steht da „unser“ Nissan Double Cab. Er kommt gerade aus der Wäsche und ist noch tropfnass. Ich zücke meine Checkliste und gehe mit dem Mechaniker die einzelnen Punkte durch. Sind die Lichter ok? Funktionieren Blinker und Scheibenwischer? Wie sieht das Ersatzrad aus? so arbeiten wir uns durch meine Liste.

Dann packen wir unsere Sachen ein und sind startbereit. Ich stecke das Duplikat des Übergabeprotokolls ein, merke aber nicht, dass mir die Kopie des Mietvertrages noch fehlt. Dann erscheint die Angestellte, fragt ob alles ok ist und verabschiedet sich. Auch sie denkt nicht mehr daran, dass die Kopie noch bei ihr auf dem Schreibtisch liegt. Das sollte uns ein paar Tage später noch Kopfschmerzen bereiten. :S

Gut gelaunt steigen wir ins Auto und fahren los. Ich brauche nicht sehr lange, um mich an die Rechtslenkung und den Blinker auf der „falschen“ Seite zu gewöhnen. Es dauert nicht lange und wir fahren bereits auf der Nationalstrasse 1 Richtung Norden.

... wird fortgesetzt ...
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09 Jun 2015 12:26 #387487
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  • leofant am 28 Mai 2015 07:15
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Mannomannomann !
Jetzt hatte ich einiges auf dem Schreibtisch, wir hatten viel Besuch und schon sind wieder 10 Tage vorbei :evil:

Aber jetzt geht es weiter:

Montag 20.04.2015

Wir kommen zügig voran auf der N1, es ist nicht viel Verkehr. Einige Kilometer von Polokwane entfernt wird gebaut, das heisst die Fahrbahn wird etwas enger und es gibt Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ziemlich schnell fällt mir auf, dass ich der einzige bin, der sich an die Begrenzungen hält. Selbst die schweren LKW, die ich bereits überholt hatte, nähern sich in der 80er Zone ziemlich schnell unserem Heck. Die Baustellen ziehen sich über ungefähr 30 Kilometer. Mal sind 120 erlaubt, mal sind es 80 oder sogar 60. An den Stellen an denen man Bauarbeiter sehen kann stehen Männer und schwenken Flaggen. Das soll wohl der Hinweis darauf sein, dass man jetzt bitte WIRKLICH mal etwas langsamer fahren soll :whistle:

Dann erreichen wir Louis Trichard. Etwa zwei Kilometer nach dem Ortseingang biegen wir links ab und folgen der R522. Jetzt passieren wir viele Kreuzungen mit Stoppschildern. Der Verkehr ist ziemlich dicht, das heisst an fast jeder Kreuzung treffen Autos aus verschiedenen Richtungen zusammen. Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich normalerweise nicht als Selbstfahrer unterwegs bin. Deshalb muss ich mich hier viel mehr konzentrieren als zum Beispiel im Städtchen Kasane (Botswana). Wenn ich dort die 5 km von der Lodge unserer Freundin zu ihrem Privathaus fahre, dann ist alles immer so übersichtlich :)

Ich halte brav an jeder Kreuzung an oder orientiere mich an den „Kollegen“ auf der zweiten Spur. Das funktioniert prima. Mir fällt auf, dass die Autos mit der höchsten Geschwindigkeit die Polizeiautos sind. Ja, ja, die Gesetzeshüter sind halt immer in Eile um die Bösen Jungs zu fangen :laugh:

Kaum haben wir Louis Trichard hinter uns gelassen, wird es merklich ruhiger auf der Strasse. Jetzt geht es bergauf und bergab, denn wir fahren am Rand des Soutpansbergs entlang. Der Name ist verwirrend, denn eigentlich ist es kein Berg sondern ein Gebirgszug. Die höchsten Gipfel sind immerhin über 1.700 m hoch.
Es ist jetzt 15:30. Nach ziemlich genau 2 Stunden und 140 km sehen wir das Hinweisschild zur Sigurwana Lodge, wir haben unser Tagesziel fast erreicht. Wir biegen rechts auf den Weg ab und halten neben einem Land Rover. Peter, der Manager der Lodge, erwartet uns bereits. Nach einer kurzen Begrüssung folgen wir seinem Fahrzeug etwa 5 km, halten an einem Parkplatz und packen unsere Sachen in Peters Wagen. Unser Nissan wird die nächsten zwei Tage hier stehen bleiben. Weiter geht es über einen steinigen, schmalen Weg bergauf. Jetzt sind wir ziemlich froh in Peters Landrover zu sitzen, denn mit unserem langen Nissan hätten wir bei einigen Kehren unsere Schwierigkeiten gehabt. Ab und zu halten wir an und Peter schliesst ein Gatter auf, irgendwann treffen wir auf einige Einheimische, die den Weg reparieren, denn das Wasser hat während der letzten Regenzeit einiges zerstört. Nach 1 ½ Stunden Fahrt taucht die Lodge auf, jetzt sind wir endgültig angekommen!

Die Besitzer der Lodge, Liesel und Neil sowie die Staff stehen in einer Reihe auf der Wiese. Man begrüsst uns herzlich und Tiny (ein Mitglied der Staff) heftet uns einen kleinen Engel an die Kleidung, denn wir sind jetzt dem Himmel ganz nah ;)

Wir fühlen uns sofort gut aufgehoben. Besonders Liesel erinnert uns vom Aussehen und von ihrer Art extrem an eine Jugendfreundin meiner Frau, sie könnte tatsächlich deren Schwester sein – einfach unglaublich. Während unser Gepäck weggetragen wird erhalten wir noch eine kurze Einweisung. Dann bringt man uns zu unserem Häuschen. Nach den grossen Chalets der Lodges auf Madikwe ist diese Unterkunft viel kleiner, aber auch viel heimeliger. Es gibt vier kleine Häuschen, also sind hier nie mehr als maximal 8 Gäste anzutreffen. Wir beschliessen, erst einmal die Dusche im Aussenbereich zu benutzen, denn es ist schon Abend, das heisst hier oben auf fast 1.300 Metern Höhe kühlt es schon merklich ab. Nachdem wir uns umgezogen und unsere Sachen eingeräumt haben laufen wir zum Haupthaus. Dort werden wir von Liesel und Neil erwartet. Wir sind die einzigen Gäste, deshalb kommt es uns vor, als würden wir die Eigentümer privat besuchen. Bei einem Gläschen Wein sitzen wir auf der Veranda und unterhalten uns in unserer Muttersprache, denn Liesel ist in Deutschland geboren und aufgewachsen.


Sigurwana


Sigurwana - Haupthaus


Sigurwana - Veranda


Sigurwana - Chalet


Sigurwana - Chalet

Soutpansberg bzw. Sigurwana stand eigentlich überhaupt nicht auf meiner persönlichen „to do“ Liste. Als die Eckpunkte unserer Reise – nämlich Madikwe, Tuli Block und Krüger – feststanden, beschloss unsere Organisatorin Petra, Sigurwana einzubauen. Die Lodge liegt ja auf unserer Route und bei meinen Recherchen vor dem Trip wurde mir schnell klar, dass diese Region ein ganz anderes landschaftliches Bild von Afrika zeigt, als wir es gewohnt waren. Jetzt sitzen wir hier irgendwo an einer Stelle des „Forgotten Mountain“ oder auch „Magic Mountain“ und fühlen uns richtig wohl und entspannt. Wir merken sehr schnell dass die Priorität der beiden Besitzer nicht darin liegt, soviel Geld wie möglich zu verdienen, sondern sie lieben diese Berge und sie können sich keinen besseren Platz für ihre Lodge vorstellen. Sie leben zwar (noch) in Durban, kommen aber so oft es geht hierher. Wir hören die Geschichte, wie sie hier angefangen haben und wie das Projekt immer grösser und grösser wurde. Selbst jetzt liebäugeln die beiden damit, noch mehr Land anzukaufen und zu renaturieren, um ihren Traum von der wilden, ursprünglichen Bergwelt weiter zu leben.
Speziell Liesel und meine Frau Ruth verstehen sich blendend, so vergeht der Abend wie im Flug. Zwischendurch erscheinen die Bushbabies (Riesengalagos) um sich ihren Anteil vom Abendessen zu holen. Irgendwann siegt die Müdigkeit und wir werden zu unserer Unterkunft gebracht. Auf dem Weg dorthin können wir einige Impalas erkennen, die sich anscheinend in der Nähe der Lodge sicherer fühlen und keinerlei Angst vor uns haben.

Dienstag 21.04.2015

Nach einer ruhigen Nacht werden wir gegen 07:00 geweckt, die Vögel hier sind einfach zu laut :laugh:
Heute gibt es keinen „Early Morning Game Drive“, das haben wir gestern Abend so ausgemacht. Grundsätzlich richten sich Liesel und Neil nach den Wünschen der Gäste, und wir wollten einen langsamen Start in den Tag. Gegen 08:00 erscheinen wir zum Frühstück auf der Veranda. Nach dem Frühstück macht Liesel mit uns noch einen Rundgang über das Gelände und zeigt uns die restlichen Unterkünfte bzw. Einrichtungen der Lodge.
Gegen 09:00 starten wir die Besichtigungsfahrt. Ich hätte nicht gedacht dass es in dieser Gegend auch Giraffen gibt, aber genau von denen werden wir zuerst begrüsst. Allerdings ist deren Zahl nicht besonders gross und deshalb hat jede einzelne einen Namen.

Heute früh hängen dunkle Wolken über dem Berg und es dauert eine ganze Weile, bevor die Sonne genug Kraft hat, um die Wolkendecke wenigstens teilweise aufzureissen. Wir fahren einen steinigen, zerfurchten Pfad entlang, „klettern“ mit dem Landrover einen Abhang hinauf und halten an. Vor uns hat sich ein Bach den Weg durch die Felsen gegraben und einen natürlichen Pool gebildet. Hierher fahren die Besitzer gerne mit Gästen, die sich im Wasser abkühlen und herumschwimmen möchten. Leider haben wir für solche Unterbrechungen nicht genug Zeit, denn wir wollen ja die Gegend erkunden und müssen am nächsten Tag schon wieder aufbrechen. Also mache ich ein paar Bilder von der Landschaft und von wilden Tieren (Eidechsen) und wir fahren weiter. Es geht bergauf und bergab, wir kommen an kämpfenden Impalas vorbei, dann öffnen sich die Berge und wir haben einen weiten Blick auf eine Ebene. Irgendwo am Horizont befindet sich die Grenze zu Botswana bzw. Zimbabwe.


Unterwegs in den Bergen


Naturpool für die Gäste

Wir ändern die Richtung und schon verändert sich auch die Umgebung. Um uns herum ist jetzt dichter Busch mit hohem Grasbewuchs auf den Lichtungen. Alles sieht irgendwie verwunschen aus. Ein paar Gnus kreuzen unseren Weg, dann stöbern wir eine Gruppe von Wasserböcken auf, die Tiere scheinen sehr entspannt zu sein. Das kann man von einer Rappenantilope mit Nachwuchs nicht behaupten. Kaum hat die kleine Familie uns entdeckt, rennen sie auch schon in gestrecktem Galopp davon. Wir folgen ihnen vorsichtig und es gelingt uns tatsächlich, relativ nah heranzufahren. Liesel ist entzückt, denn so eine Begegnung ist auch für sie eher eine Ausnahme. Allerdings ist sie – was die Zukunft des Kleinen anbetrifft – ziemlich skeptisch. Es gibt hier relativ viele Leoparden und die warten nur auf einen günstigen Moment, um zuzuschlagen. Die Sable-Mama hat inzwischen ihre Angst vor uns verloren und frisst. Ab und zu schaut sie in unsere Richtung. Dabei hat sie mit ihren Hörnern ein Grasbüschel ausgerissen, das jetzt dekorativ über Kopf und Nase hängt.


Giraffen auf Sigurwana


Dekorierte Sable-Mama mit Kind

Noch ein Stück weiter erreichen wir eine Gegend, die von urigen Bäumen beherrscht wird. Überall hängen Flechten von den Ästen. Das erinnert mich stark an die Hänge des Ngorongoro-Kraters oder auch an die Sümpfe Floridas, auf jeden Fall hat es mit der klassischen afrikanischen Landschaft, die wir gewohnt sind, überhaupt nichts mehr zu tun. Hier kann ich den Namen „Magic Mountain“ jedenfalls sehr gut nachvollziehen!

Es ist jetzt kurz nach 12:00. Wir stoppen vor einer Felswand und steigen aus. Wir klettern ein Stück nach oben und erreichen eine Höhle. Am Eingang der Höhle sind Bushman-Paintings zu bewundern. Nach einer Kaffeepause durchfahren wir verwunschene Wälder, sehen da einen Wasserbock, dort einige Gnus oder Impalas, passieren einen geschichtsträchtigen Ort und sind gegen 13:30 zurück in der Lodge. Wir machen uns kurz frisch und treffen uns um 14:00 zum Lunch. Nach einem leckeren Essen sitzen wir noch auf der Veranda und Neil erzählt uns die Geschichte des Robey Leibbrandt, der während des 2. Weltkriegs Terrorakte der Nazis organisieren und den südafrikanischen Regierungschef Jan Smuts töten sollte. Leibbrandt versteckte sich für einen kurzen Zeitraum auf dem Gebiet von Sigurwana, noch heute gibt es ein paar Hinweise auf seine damalige Anwesenheit. Neil erzählt uns diese Geschichte sehr anschaulich, er schreibt übrigens hauptberuflich Bücher.


Verwunschene Bergwelt (1)


Verwunschene Bergwelt (2)


Kaffeepause am "Magic Mountain"

Gegen 16:00 starten wir unsere nächste Ausfahrt. Bis auf ein paar Schäfchenwolken präsentiert sich der Himmel blau und klar. Auch am Nachmittag begrüssen uns die Giraffen. Als wir ein Tal durchqueren lassen Liesel und ich unsere Blicke über einige Felsbrocken oberhalb streifen. Genau in diesem Moment taucht der Kopf eines jungen Leoparden auf, der uns neugierig beobachtet. Wir schauen uns an und müssen lachen. Das nenne ich Sichtungsglück! Liesel möchte aussteigen um näher an das Leopardenkind zu kommen, ich bin natürlich sofort dabei. Aber leider verbieten uns Neil und Ruth diese Aktion mit der Begründung: Wo das Baby ist, da ist bestimmt die Mutter nicht weit! Mit leisem Protest fügen Liesel und ich uns den „Befehlen“ unserer Partner. Aber ehrlich! Ich hätte gerne ein paar schöne Nahaufnahmen gemacht :whistle:


Neugieriger Leo


Neugieriger Wasserbock

Gegen 17:30 erreichen wir eine Stelle mit tollem Ausblick. Inzwischen sind wieder einige Wolken aufgetaucht, die sich rosa verfärben. Blickt man über die Ebene, kann man am Horizont eine rosa Bergkette erkennen. Unser Fahrer Peter hat inzwischen einen Tisch aufgebaut und mixt unsere Sundowner-Getränke. Dann legt er eine Erdnuss auf den Felsbrocken in unserer Nähe und wir treten einen Schritt zurück. Es dauert nicht lang, und ein Rüsselspringer (Elephant Shrew) erscheint. Er hebt die Nase hoch, schnüffelt, und schon hat er die Position der Erdnuss erkannt. In blitzartiger Geschwindigkeit packt er die Nuss und verschwindet. Kurz darauf kommt ein zweites Tier und peilt die nächste Erdnuss an. Es ist unglaublich, wie schnell sich diese kleinen mausartigen Tiere bewegen können. Dann wird es Zeit, sich umzudrehen und den phantastischen Ausblick bei untergehender Sonne zu genießen. Jetzt ist der Feuerball hinter dem Horizont verschwunden, Zeit für uns, weiterzufahren. Auf dem Rückweg zur Lodge stoppt Peter plötzlich, steigt aus und „pflückt“ ein Chamäleon von einem Zweig. Wie konnte er es im Dunkeln erkennen? Liesel hat zwar einen Scheinwerfer in der Hand, aber wir hätten trotzdem nicht den Hauch einer Chance gehabt, das grüngefärbte Tier zwischen den Blättern des Busches ausfindig zu machen.

Zurück in der Lodge bringen wir unsere Sachen zum Chalet, dann setzen wir uns ans Feuer und beobachten die Riesengalagos, die vorsichtig einen Baum herunterklettern, um sich einige ausgelegte Fruchtstücke zu holen. Später sitzen wir mit unseren Gastgebern, sowie mit Manager Peter und Frau beim Dinner zusammen und verleben einen schönen, unterhaltsamen Abend. Leider müssen wir am nächsten Vormittag wieder aufbrechen. Meine Frau ist sehr traurig, denn sie versteht sich mit Liesel wirklich blendend und möchte eigentlich noch zwei, drei Tage dranhängen. Das klappt leider nicht, denn wir sind ja „auf Arbeit“ und müssen noch einige Unterkünfte checken.


Elephant Shrew


Fotosession beim Sundowner


Stimmungsvoller Sunset

Mittwoch 22.04.2015

Auch heute früh lassen wir es ruhig angehen. Die Atmosphäre in diesem abgelegenen Winkel irgendwo in den Bergen lässt einfach keine Hektik zu. Gegen 07:00 stehen wir auf, duschen, packen unsere Sachen zusammen und frühstücken gemütlich. Um 10:00 verabschieden wir uns von Liesel und Neil mit einem tiefen Seufzer. Wir hätten wirklich gerne mit ihr zu Fuss die Bergwelt erkundet, aber bei unserem straffen Zeitplan war daran nicht zu denken. Sollten wir noch einmal zurück nach Sigurwana kommen, dann werden wir mindestens vier Nächte einplanen, soviel steht fest.

Wir steigen in den Landrover und holpern die schmale Bergstrasse hinab. Um uns herum ist es ziemlich neblig, das ändert sich jedoch, als wir nach etwa 1 Stunde unser Auto erreichen. Peter überrascht uns mit dem Kommentar: „Oh, ihr habt ja gar keinen Platten! Das passiert den Gästen öfter mal, wenn das Auto drei oder vier Tage hier steht.“ Ich bin happy, denn auf einen Reifenwechsel hätte ich heute früh wirklich keine Lust gehabt!

Wir packen unsere Sachen um, sagen Peter „Good bye“, dann fahren wir auf der Pad ca. 5 km zur Hauptstrasse R522 zurück. Wir biegen in westliche Richtung ab und rollen auf der Teerstrasse unserem nächsten Ziel, dem Mapungubwe Nationalpark, entgegen.

... wird fortgesetzt ...
Letzte Änderung: 09 Jun 2015 12:41 von leofant.
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11 Jun 2015 08:04 #387764
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Mittwoch 22.04.2015

Von Sigurwana (Parkplatz) nach Mapungubwe (Leokwe Camp) 172 km

Es ist nicht viel los auf der R522, hin und wieder werden wir von einem Auto überholt. Ich möchte nicht zu schnell fahren, denn das Gras auf beiden Seiten der Teerstrasse ist ziemlich hoch und kleinere Tiere, die vielleicht die Strasse überqueren möchten, bleiben bis zum letzten Moment unsichtbar. 45 Minuten später erreichen wir den Ort Vivo, jetzt folgen wir der R521 in Richtung Alldays. Dort fahren wir nicht weiter auf der R521, sondern biegen auf die R572 ab. Hier finden wir auf den nächsten 500 Metern alles was wir brauchen, nämlich einen Metzger, zwei Supermärkte, zwei Tankstellen und ein kleines Restaurant.

Zunächst treibt uns der Hunger ins Restaurant. Die Karte ist sehr übersichtlich, es dauert seine Zeit bis das Essen kommt, aber es schmeckt gar nicht schlecht. Wir sitzen im schattigen Innenhof, mein Windhoek Lager ist gut gekühlt, wir schreiben ein paar SMS nach Deutschland, dann wird es Zeit, die Geschäfte abzuklappern und zu tanken. Ruth bekommt in der Metzgerei das gewünschte Fleisch, die Auswahl an frischen Lebensmitteln in den Supermärkten ist allerdings sehr bescheiden. An einem Stand direkt an der Strasse kauft meine Frau einen grossen Beutel Tomaten für 10 Rand, da kann man nicht meckern.

Gegen 13:30 haben wir alles, was wir benötigen und verlassen Alldays auf der R521 in nördlicher Richtung. Etwa 3 km ziehen sich die Hütten an der Strasse entlang und es herrscht Betriebsamkeit, dann sind wir wieder ganz für uns. Etwa 45 km später kommen wir an eine Gabelung. Geradeaus geht es nach Pont Drift (Grenzstation), wir biegen allerdings auf die R572 ab. Gegen 14:30 taucht die Einfahrt zum Nationalpark vor uns auf. Es ist nicht viel los um diese Zeit, schnell sind die Formalitäten erledigt und wir können die letzten 12 Kilometer zum Leokwe Camp in Angriff nehmen.

Eine Gravelroad verläuft zunächst fast parallel zum Zaun in westliche Richtung, dann führt sie Richtung Limpopo in den Nationalpark hinein. Was uns sofort auffällt: Auch hier scheint es in letzter Zeit noch einige Regenfälle gegeben zu haben, denn der Busch leuchtet sattgrün, das ist ein schöner Kontrast zu den roten Felsformationen, die überall zu sehen sind. Es ist ziemlich heiss am Nachmittag, vermutlich deshalb halten sich die Tiersichtungen stark in Grenzen. Zwei Giraffen am Wegrand, ein Klippspringer, der uns erstaunlich nahe herankommen lässt, ein paar Vögel, das war es dann auch schon. Um 15:20 erreichen wir das Leokwe Camp. Unser Haus steht am Rand des Camps, auf der Fahrt dahin sehen wir schon, dass fast alle Unterkünfte unbewohnt sind, wir müssen uns also keine Gedanken über lärmende Nachbarn machen.

Wir betreten unser Heim für die nächsten zwei Nächte und sind positiv überrascht. Es ist wirklich schön hier, ein heller, geräumiger Wohnbereich mit TV (haben wir aber nicht benutzt), eine gut ausgestattete Küche mit Mikrowelle, ein separater Schlafraum, ein sauberes Badezimmer, eine Aussendusche und eine schöne Terrasse – natürlich mit Grill.


Leokwe Camp


Leokwe Camp


Leokwe Camp


Leokwe Camp


Leokwe Camp


Leokwe Camp

Wir laden unsere Sachen aus, räumen das nötigste ein und starten direkt mit einer Rundfahrt. Die Strasse zum Fluss windet sich durch rote Felswände. Überall stehen mächtige Baobabs, manche sind dicht belaubt, manche fast kahl. Die Tierwelt übt sich in vornehmer Zurückhaltung, ein White-Fronted Bee-eater, ein Lilac Brested Roller, einige Glanzstare, ein paar Impalas, das war dann auch schon die gesamte Ausbeute. Wir kommen an einen Parkplatz. Hier kann man aussteigen und einen Holzsteg benutzen, der bis zum Fluss führt. Allerdings muss man aufpassen wo man hintritt, denn der Steg ist mit den zahlreichen Hinterlassenschaften der Affen „geschmückt“. Die Aussicht auf den Limpopo ist sehr schön, ein Stück des Stegs ist allerdings weggebrochen, deshalb müssen wir auf einen Teil des Ausflugs verzichten.


Unterwegs in Mapungubwe


Klippspringer


Lilac Brested Roller

Wir kurven in langsamer Fahrt durch die Gegend, die roten Felsen leuchten in der Nachmittagssonne. Mit etwas Phantasie haben einige Steinformationen die Form von Tieren. Die lebendigen Tiere jedoch haben heute scheinbar Pause. Nur einige Impalas und ein paar Perlhühner sind im Dienst :S

Auf der Rückfahrt zum Camp fällt uns ein Klippspringer auf, der auf der Spitze einer Felsformation steht. Eigentlich ein nettes Bild. Blauer Himmel, roter Fels und als Deko der Klippspringer. Leider schaut er die ganze Zeit in die falsche Richtung, ich möchte aber, dass er uns anschaut. Also parken wir und warten und warten. Mein Motiv schaut mal nach links, mal nach rechts, dreht uns aber immer den Rücken zu. Nach etwa zehn Minuten taucht plötzlich ein Rock Dassie auf und klettert ein Stück den Felsen hoch. Dabei fällt ein Stein herunter und verursacht ein Geräusch. Jetzt endlich dreht sich der Klippspringer herum und schaut in unsere Richtung. Zack! Kann ich mein Wunschfoto machen. Manchmal zahlt sich Geduld tatsächlich aus :)


Suchbild mit zwei Tieren

Um 18:00 sind wir wieder im Camp. Unser ursprünglicher Plan war es, das in Alldays gekaufte Fleisch in der Pfanne zu braten, denn für die zwei Nächte als Selbstversorger wollten wir nicht extra Grillkohle, Anzünder etc kaufen. Als meine Frau jedoch bei unserer Ankunft den Rest Grillkohle entdeckte, den andere Gäste dagelassen hatten, fing sie an, unseren Brennvorrat mit (trockenem) Elefantendung aufzustocken. Dieses Experiment geht jetzt aber gründlich schief, denn der Elidung will einfach nicht richtig brennen. Also kehrt sie zum ursprünglichen Plan zurück und es gibt Beef aus der Pfanne mit Tomaten und Toast. Dazu eine Flasche Rotwein und die Welt ist für uns absolut in Ordnung. Wir sitzen entspannt auf unserer Terrasse, geniessen die absolute Ruhe um uns herum, beobachten die Sterne am Nachthimmel und fühlen uns einfach nur sauwohl. Irgendwann sind wir müde und gehen ins bequeme Bett.

Donnerstag 23.04.2015

Um 06:15 stehen wir auf. Ich gehe nach draussen und kann ein Foto von der aufgehenden Sonne machen, die sich über die Hügelkette schiebt. Ein kurzes Frühstück, dann geht es raus in den Busch. Wir nehmen den gleichen Weg wie gestern Nachmittag, passieren einige Giraffen, Zebras und eine Klippspringer-Familie, erreichen den Parkplatz am Fluss, dann fahren wir bergauf bis zur Spitze eines Hügels. Hier stehen ein paar Hütten und es sind Grillplätze angelegt. Ausserdem führt ein Fussweg zu vier Aussichtspunkten, alle mit einem phantastischen Blick auf den Limpopo bzw. Shashe River und weit hinein ins Buschland von Zimbabwe.


Blick über den Limpopo nach Zimbabwe




Weiter geht es auf der Schotterstrasse, die jetzt wieder bergab führt. Entlang an schönen Felsformationen nähern wir uns dem Fluss. Der Weg führt in östliche Richtung, an beiden Seiten wächst dichter Busch. Wir schaukeln durch immer mehr Schlammlöcher, inzwischen habe ich den Allradantrieb zugeschaltet. Unser ehemals weisses Auto hat jetzt ein schlammfarbenes Makeup bekommen :blush:

Irgendwann halte ich an, denn vor uns steht der gesamte Weg unter Wasser und es gibt keine Möglichkeit, am Rand entlang zu fahren. Der Busch ist einfach zu dicht. Seitdem wir unterwegs sind, haben wir kein einziges Auto getroffen. Meine Motivation, auf dieser verschlammten Strecke weiterzufahren, ist extrem gering. Ich habe einfach keine Lust mich festzufahren und dann vielleicht stundenlang auf Hilfe zu warten, denn wir haben keinen Telefonempfang, können also auch keine Ranger anrufen. Ich entscheide mich, ein ganzes Stück im Rückwärtsgang zu fahren und bei der ersten Möglichkeit zu wenden. Dann geht es die gleiche Strecke, die wir gekommen sind, wieder zurück. Wir biegen allerdings nicht zum Camp ab, sondern nehmen die Strecke zum Main Gate und weiter zum Museum.

Dort parken wir um 10:30. Wir sind die ersten Gäste; als die Lady am Ticketschalter erfährt, dass wir aus Deutschland kommen, ist sie hoch erfreut. Sie findet es toll, dass Gäste aus Europa das Museum besuchen, um etwas über die alten Zivilisationen im Dreiländereck Südafrika / Zimbabwe / Botswana zu erfahren. Zunächst schauen wir uns einen Infofilm an, dann können wir noch zahlreiche Ausstellungsstücke aus einer längst vergangenen Epoche bewundern.

Eine gute Stunde später geht es für uns weiter. Wir wollen den Rundweg, den wir wegen des Schlamms abgebrochen haben, von der anderen Seite her erreichen. Allerdings ist die Strasse zwischen dem Main Gate und Rundweg wegen Bauarbeiten gesperrt. Also verlassen wir den Park durch das Main Gate, fahren etwa 3 Kilometer in östliche Richtung und kommen an einen Nebeneingang, der normalerweise nicht in Betrieb ist. Dort wird uns das Tor sofort geöffnet und wir sind wieder auf dem Weg zum Fluss. Vor uns überquert eine Herde Elis mit Jungtieren die Gravelroad und verschwindet im Busch. Ich halte einen Respektabstand, denn die Leitkuh dreht sich in unsere Richtung, schnaubt, stellt die Ohren auf und schüttelt den Kopf. Ein deutliches Zeichen, dass wir nicht erwünscht sind.

Ein Ranger am Main Gate hat uns einen Tipp gegeben, wo wir vielleicht Löwen aufspüren könnten. Ich bin skeptisch, denn es ist jetzt 12:00 mittags und die Sonne brennt auf uns herab. Bei diesen Temperaturen haben sich die Katzen garantiert schon längst ins dichte, schattige Buschwerk zurück gezogen. Wir biegen aber trotzdem beim angegebenen Punkt – einem mächtigen Baobab – nach Osten ab. Der Sandweg wird schmaler und das dichte Buschwerk behindert die Sicht. Bei der nächsten Abzweigung wenden wir uns nach Süden, folgen dem kurvigen Weg ein Stück und können bald ein Wasserloch sehen. Dann muss ich allerdings anhalten, denn unser Weg wird durch drei Elefantenbullen blockiert, die ganz entspannt an ein paar Mopanebüschen herumknabbern. Eigentlich könnte ich zwischen ihnen durchfahren, aber das ist mir dann doch zu riskant. Es gibt hier keine Ausweichmöglichkeit und ich müsste – im Falle einer Attacke – den Weg im Rückwärtsgang zurück fahren. Ein genervter Eli könnte uns dann innerhalb von Sekunden den Weg abschneiden und ein paar Manieren beibringen :whistle:

Eine Viertelstunde später ziehen die Bullen weiter und wir können uns auf Löwensuche begeben. Wir umrunden das Wasserloch und checken die Büsche, aber kein einziger Löwe lässt sich blicken. Also kehren wir wieder um und fahren zum Ausgangspunkt zurück. Weiter geht es Richtung Fluss. Auf der rechten Seite sehen wir einen kleinen Stausee, dann folgen wir einem „4x4 Only“ Trail. Obwohl wir in der Nähe des Limpopo sind ist das Areal sehr trocken und der Trail stellt keine wirkliche Herausforderung dar. Allerdings braucht man schon ein Auto mit Bodenfreiheit, denn die Fahrspuren sind teilweise tief ausgewaschen und ich kratze auch mit dem Nissan hin und wieder den Boden auf.
Danach fahren wir den Uferweg entlang, bis wir wieder zu dem verschlammten Abschnitt kommen. Diesmal können wir den Weg von der anderen Seite begutachten. Es hat sich nichts Wesentliches geändert, deshalb kehren wir wieder um, nehmen aber einen anderen Weg der uns an einem verlassenen Camp des südafrikanischen Militärs vorbeiführt.

Um 13:30 sind wir wieder im Camp, essen eine Kleinigkeit und relaxen. Gegen 15:30 starten wir zum Nachmittags-Gamedrive. Wieder sind wir fast alleine unterwegs. Bis auf die gewohnten Klippspringer und ein Kudu gibt es keine Vierbeiner zu sehen, dafür sind zahlreiche Vögel unterwegs. Immerhin etwas :(
Auf dem Hügel mit den vier Aussichtspunkten angekommen laufen wir noch einmal den Fussweg ab. Die Nachmittagssonne taucht die grossartige Landschaft in ein weiches Licht, wir können uns gar nicht sattsehen.


Balanceakt in Mapungubwe


Der Frosch


Der Vogel

Gegen 18:00 ist der Ausflug beendet. Auch heute wird nicht gegrillt, sondern die Würste werden in der Pfanne gebraten. Mir schmeckt es trotzdem gut, eine Flasche Rotwein rundet das rustikale Dinner ab. Später packen wir unsere Sachen zusammen, schauen uns noch ein paar Bilder an, dann geht es ins Bett.


Abendstimmung im Leokwe Camp



Freitag 24.04.2015

Wir stehen um kurz vor 07:00 auf, die morgendliche Dusche fällt leider aus, denn es gibt im ganzen Camp kein Wasser. Schön, dass es während unseres Aufenthaltes kein Problem gab :)

Heute wollen wir nach Pont Drift fahren, um die nächsten drei Tage im Tuli Block zu verbringen. Man stellt das Auto im Niemandsland zwischen Botswana und Südafrika ab und wird von einem Wagen der Tuli Safari Lodge an der Grenze abgeholt. Eigentlich ganz easy, denke ich mir. Ich hole das Voucher für die Lodge raus. Darauf steht die Kontaktnummer und ein extra Hinweis:
Bitte sorgen sie dafür, dass sie die Wagenpapiere dabei haben. Da sie mit dem Wagen Südafrika verlassen, kann es sonst am Grenzposten zu erheblichen Problemen kommen
Ich suche die Papiere, finde sie aber nicht. Das einzige was ich habe ist das Übergabeprotokoll, in dem der Zustand des Mietwagens festgehalten wurde. Jetzt heisst es für mich: Finden sie den Fehler!
Also grübele ich und grübele, dann ist die Sache klar. Unser Mietvertrag liegt noch bei der Station in Polokwane und Wagenpapiere habe ich sowieso nicht! :S
Was jetzt? Es kann doch nicht sein, dass wir auf drei Tage Tuli Block verzichten müssen weil ich einfach gepennt habe!!! Dann kommt mir ein rettender Gedanke. Ich rufe unsere Reiseorganisatorin an. Die wiederum soll mit unserer Kontaktfrau in Südafrika sprechen. Die ruft bei Europcar an und sorgt dafür, dass die erforderlichen Papiere zur Tuli Safari Lodge gefaxt werden. Dann kommt jemand mit den Papieren und holt uns am Grenzposten ab. Hmmm… keine schlechte Idee, ob das hier in Afrika so problemlos funktioniert? Ich teile meiner Frau meine neuesten Gedanken mit. Ihre Gegenfrage: „Und wenn das Fax in der Tuli Lodge nicht funktioniert?“ Grrrr! :evil: DAS WAR DIE FALSCHE ANTWORT! Etwas gereizt antworte ich ihr, dass uns auch der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Dann gehe ich raus und schalte mein Telefon an.

Ich warte und warte, es gibt kein Netz. Also packen wir alles zusammen und fahren zum Main Gate. Immer wieder stoppen wir auf dem Weg, aber weder ich, noch meine Frau mit einer SA SIM Card bekommen eine Verbindung. Am Main Gate versuchen wir es wieder. Kurze Hoffnung: Das Telefon zeigt zwei Balken, bevor wir richtig wählen können, ist die Verbindung allerdings wieder weg.

Mit zwiespältigen Gefühlen verlassen wir Mapungubwe und fahren auf der Teerstrasse Richtung Pont Drift.

... wird fortgesetzt ...
Letzte Änderung: 11 Jun 2015 08:28 von leofant.
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11 Jun 2015 08:11 #387765
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  • lionfight am 11 Jun 2015 08:11
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Schöne Hütte. Gefällt.


Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela

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