THEMA: Zwölf Wochen durch das südliche Afrika
16 Feb 2015 17:10 #373643
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Zwölf Wochen durch das südliche Afrika
– (k)ein Urlaub mit dem Landrover
(Südafrika – Botswana – Simbabwe - Sambia)

Vorwort

Zwölf Wochen im südlichen Afrika – wie kommt man auf so einen Gedanken?
Am Anfang steht wie bei fast allem ein Fingerzeig, eine Begegnung, ein Tipp. So war das auch bei uns. Wir waren im Juli 2011 für vier Wochen in Südafrika. Dort haben wir ein Schweizer Pärchen kennengelernt, die zu dem damaligen Zeitpunkt fast schon ein Jahr unterwegs waren. Wir unterhielten uns lange und stellten so manche Gemeinsamkeit fest. Aus einer Erzählung wurde ein Gedanke. Aus einem Gedanken wurde ein Wunsch. So wurde ein Samenkorn ausgesät. Das Samenkorn fiel auf fruchtbaren Boden. Ein zartes Pflänzchen gedieh und wurde größer. Zuerst war die fixe Idee, ein halbes Jahr auf die Reise zu gehen. Nach einigen überschlägigen Berechnungen und Recherchen stellte sich schnell heraus, dass dies für uns schwer umsetzbar ist. So haben wir uns für ein Vierteljahr entschieden ...

Nun ging es an die Umsetzung des Vorhabens. Der Arbeitgeber muss mitspielen, die Wohnung gehütet, die Post umgeleitet werden usw.. Eine Vielzahl von Dingen mussten wir beachten, im Voraus erledigen, Urlaub ansparen, Überstunden machen, Vertretungen einplanen und und und. Hätten wir das vorher geahnt, was für ein Wust von „Arbeit“ und Anstrengung auf uns zukommt, vielleicht hätten wir uns anders entschieden. Dann stand die große Frage im Raum, ob wir ein „4x4“ mieten oder kaufen sollen? Vorneweg war es eine Frage der Finanzen und des zeitlichen Aufwandes. So entschieden wir uns dafür, einen „4x4“ zu mieten. Im Namibia Forum tummeln sich verschiedene Anbieter. So wurden wir auf unseren Vermieter aufmerksam gemacht. Im Preis war die gesamte Ausstattung, sogar ein Satellitentelefon war dabei... Drei Jahre waren es vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung, wobei wir die ersten beiden Jahre fast ausschließlich mit Recherchen befasst waren. Im Sommer 2013 ging es dann in die heiße Phase. Die Streckenplanung für die einzelnen Länder sowie das Buchen einiger notwendiger Unterkünfte, wie Campingplätze in den Nationalparks (Botswana) mussten getätigt werden, die Flüge waren zu buchen und ein Landrover wurde gemietet (was sich als sehr zeitraubend herausstellte). Die Zeit verging sehr schnell und plötzlich war es soweit. Es geht los.



08.07.2014 Berlin – Frankfurt - Johannesburg
Heute geht es los, der erste freie Tag. Bis gestern haben wir gearbeitet und wir können noch gar nicht fassen, dass es jetzt wirklich losgeht. Der Kopf ist noch voll mit den Dingen der Vorbereitung. Die nervöse Aufregung, die sich im Laufe der letzten Tage eingestellt hat, steigt und steigt. Die Sachen, die wir mitnehmen wollen sind hergerichtet, gewogen, nur um anschließend wieder eini
ges auszusortieren ...


Das alles soll in die Rucksäcke passen?


Siehe da, es passt alles.

Ein letzter Blick geht durch die Wohnung, ist auch alles in Ordnung? Wir sind für zwölf Wochen weg, unglaublich. Plötzlich trifft uns mit voller Wucht die Erkenntnis, wir sind ein Vierteljahr nicht zu Hause. Ist denn das auch alles richtig, was wir hier tun? Was ist, wenn ...? Wir schieben die Zweifel beiseite. Es klingelt an der Türe, unser Taxi ist da und es geht zum Flughafen. Das Haupt-Gepäck wiegt fast bis auf das Gramm genau 23 kg. Das Handgepäck wurde zum Glück nicht gewogen… Der Zubringerflug von Berlin nach Frankfurt verläuft problemlos, trotz einer Verspätung, die durch ein Gewitter bedingt ist. Dennoch haben wir keinen Stress, da wir genügend Zeit zwischen den Flügen eingeplant haben. Mit dem A380 ging es dann von Frankfurt nach Johannesburg. Es ist ein sehr ruhiger und angenehmer Flug, wir können später sogar etwas schlafen. Während des Fluges können wir zwar das Halbfinalspiel Brasilien – Deutschland nicht sehen, aber das Bordpersonal hält uns auf dem Laufenden.


unser erster Flug im A380

09.07.2014 Johannesburg
Bei der Ankunft in Johannesburg haben wir 2°C und Sonne satt. Die Einreise wird zum Gedulds-spiel, bedingt durch einen sehr großen Andrang bei der Imigration. Im Auftrag des Vermieters holt uns N. vom Flughafen ab und fährt uns zu sich nach Hause, wo die Übergabe des Landrovers erfolgt.


unser Zuhause für die nächsten Wochen

Bei Kaffee und Gebäck studieren wir die Unterlagen für das Mietfahrzeug. Im Verlauf der Reise sollte sich herausstellen, dass die Fahrzeugpapiere unvollständig waren und uns somit einige Probleme bei den Grenzübergängen bereiteten (später mehr dazu). N. will die Übergabe schnell erledigen und wird ungeduldig, als wir anfingen unsere eigene Checkliste herauszuholen. Der Landrover hat über 265.000 km laut Tacho runter. Später stellte sich heraus, dass davor eine 1 gehörte. Das „Beste“ ist, als er uns den High Lift Jack zeigt, der in Papier und Klebeband eingewickelt ist. Eine Einweisung gibt es nicht, nur den Hinweis auf ein Handbuch im Landrover. Das Fahrzeug hat ein Steinschlag in der Windschutzscheibe. Dazu bemerkt er: „Im Falle eines Schadens müsst ihr nur die Hälfte bezahlen...“. Die Lampe vorne links ist halb blind und wir sollen diese wechseln lassen. Die Rechnung wird uns ersetzt werden. Die Seilwinde können wir aus Zeitgründen auch nicht ausprobieren. Eine Bemerkung von N. soll uns die nächsten Wochen begleiten: „Die Motorleuchte leuchtet ab und zu mal auf. Bei fortwährender Fehlermeldung sollten wir uns mit dem Vermieter in Verbindung setzen und eine Werkstatt aufsuchen.“ Unser Gesicht wird lang und länger. Dabei heißt es im Internet auf der Seite des Vermieters „Unsere Fahrzeuge werden professionell gewartet…“. Die Überlegung steht im Raum, den „4x4“ nicht zu nehmen, aber was dann? Der Traum von zwölf Wochen im südlichen Afrika wäre geplatzt. Also haben wir den Wagen mit der Hoffnung übernommen, es wird schon gutgehen … was sich einige Wochen später als fataler Irrtum herausstellt.
Beim Blocken der Kautionssumme mit der Kreditkarte macht N. einen Fehler, sie wird abgebucht. Wir bemerken dieses erst etwa vier Wochen später, leider...
Nun geht es von Benoni nach Midrand zur gebuchten Unterkunft. Nach kurzem Ausruhen brechen wir zu unserer ersten Einkaufstour auf.

10.07.2014 Johannesburg
Heute ist der Großeinkauf dran. Nach langem Suchen finden wir endlich einen Potje. Der Tag vergeht sehr schnell mit dem Einkaufen und Sortieren der Dinge. Eine Angestellte von unserer Unterkunft, der wir voller Stolz unseren Potje zeigen, sagt uns, der ist was für`s ganze Leben.
Hoffentlich bekommen wir morgen auch alles in unserem Auto untergebracht.


Einkaufsmarathon Johannesburg

11.07.2014 Johannesburg – Mokolodi Nature Reserve

Am frühen Morgen haben wir angefangen, alles in den „4x4“ einzuladen. Wir staunen nicht schlecht, als alle Dinge doch noch ihren Platz finden. Dann geht es los in Richtung Botswana. Die Fahrt geht über Pretoria, Rustenburg und Zerust bis zur Grenze bei Lobatse. Die Strecke können wir schneller als erwartet bewältigen, so dass wir noch die Grenze passieren können.



Pause auf dem Weg nach Botswana

Der Grenzübertritt verläuft problemlos, nur der Geldwechsel in Pula ist nicht möglich, denn der „Wechselcontainer“ hat geschlossen. Die Grenzübertrittgebühren können wir in Rand bezahlen. Weiter geht es in Richtung Gabarone. Unterwegs halten wir Ausschau nach einer Unterkunft. Die eine oder andere, die wir ansteuern, wollen nur Barzahlung in Pula haben. Bei der Suche nach einer Unterkunft werden wir im Reiseführer fündig und fahren zum Mokolodi Nature Reserve. Dort können wir mit Kreditkarte bezahlen. Nach der Rezeption fahren wir noch 3,5 km in Park hinein und erreichen das Chalet „Hartebeest“.



unsere erste Übernachtung in Botswana im Chalet

Wir genießen die Abgeschiedenheit, Ruhe und herannahende Dämmerung.



der Blick vom Chalet in der Abenddämmung über das Wasserloch

In der leicht hügeligen und mit Buschwerk bewachsenen Gegend können wir noch Fischreiher und ein paar Meerkatzen beobachten.

12.07.2014 Mokolodi Nature Reserve – Masama Lodge
Am Morgen begrüßt uns eine Horde Paviane und einige Löffler am gegenüberliegenden Ufer des Sees. Es ist ein sonniger, aber kalter Morgen. Über unsere feste Unterkunft sind wir froh.
Wir lassen den Blick schweifen und stellen fest, wir sind in Afrika angekommen!






Paviane und Löffler am Wasserloch

Unsere Fahrt geht weiter in Richtung Khama Rhino Sanctuary. Unterwegs in Gabarone besorgen wir uns erst einmal das Nötigste. Alsbald merken wir, dass die Strecke zu lang ist, um an einem Tag in das Khama Rhino Sanctuary zu kommen und wir suchen uns eine Unterkunft. Die Masame Lodge liegt etwas südlich von Serowe. Als wir dort ankommen, stellen wir fest, dass wir die einzigen Gäste sind. Zuerst schauen wir uns die Chalets an, alles ist niegelnagelneu … aber es riecht extrem nach Holzschutzanstrich. So entscheiden wir uns für den Campingplatz. Es ist die erste Nacht in unserem Dachzelt, wir sind beide sehr gespannt.


Campsite mit Beleuchtung und Steckdose

Der Ablution Block ist in einem sehr rudimentären Zustand und stark vernachlässigt. Für eine Nacht geht das aber. Abends kommen die Hunde der Besitzer und lassen sich am Feuer nieder, während wir den grillen. Als wir die Stühle auspacken stellen wir fest, dass der Zustand der Stühle zu wünschen übrig lässt. Hoffentlich halten diese bis zum Ende der Reise.


praktische Feuerstelle auf einer ausgedienten Motorhaube

Heute haben wir zum ersten Mal auf der Reise Gegenstände suchen müssen, die wir verlegt haben. Das Suchen wird zu einem ständigen Begleiter während der zwölf Wochen. Auf so engen Raum und mit so vielen Dingen muss man schon seine Ordnung halten, sonst findet man nichts mehr.

13.07.2014 Masama Lodge – Khama Rhino Sanctuary
Die erste Dachzeltnacht ist etwas ungewohnt. Die beengten Verhältnisse und die vielen Laute bei Nacht haben uns dann und wann aufgeweckt. Das Frühstück in der Sonne tut gut. Der Sohn des Besitzer kommt vorbei, um Smalltalk zu halten. Als wir zur Abreise bereit sind, zeigt er uns eine Alternative-Route durch den Busch. Sie führt über ein Felsplateau und steile Passagen, um in Richtung der A14 zu gelangen. So können wir die Geländegängigkeit des Landrovers das erste Mal antesten.
In der kleinen Stadt Serowe angelangt, biegen wir in Richtung Makgadikgadi Pan ab. Kurz bevor wir die Stadtgrenze passieren, sehen wir zur Linken eine Kirche, wo schon einiges los ist. Kurz entschlossen fahren wir auf den Parkplatz der Kirche und werden auch schon begrüßt.
Der Gottesdienst verläuft wie immer in Afrika mit viel und lauter Musik sowie großem Enthusiasmus. Der Pastor hält seine Predigt in Englisch, ein Anderer übersetzt sie in die Stammessprache. Danach werden wir mit viel Herzlichkeit und unter vielen Fragen zu unserem Aufenthalt und unserer Herkunft verabschiedet. Der Pastor betet zum Abschluss für uns, dass wir eine sichere Fahrt haben.



bei der Verabschiedung vor der Kirche

Nach ca. 1 ½ Stunden geht es weiter in Richtung Khama Rhino Sanctuary. Das Schild zum Abzweig verpassen wir und so müssen wir ca. 20 km zurückfahren. An der Rezeption angekommen, ist eine Campsite schnell gebucht und bezahlt. Die Leute sind hier wie immer sehr freundlich. Auf dem Weg zur Campsite haben wir viele Tiersichtungen, wie Springböcke, Kudus, Zebras, Gnus, Strauße, Warzenschweine und immer wieder Nashörner.










Die Campsite ist schön gelegen und der Ablution Block ist ein ganzes Stück entfernt, was uns aber nicht stört. Zuerst sind wir ganz alleine auf weiter Flur, aber am Abend kommen einige Südafrikaner mit Ihren Geländewagen und Anhängern auf die benachbarte Campsite. Später erhalten wir Besuch und man tauscht sich über die Tiersichtungen aus.
Viele Grüße

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Hallo Reisender,

das hört sich ja aufregend an. Bin schon gespannt, wie es weiter geht! Ich quetsche mich mal frech mit auf den Beifahrersitz zum mitreisen ;) .

Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)

1x Togo+Benin (mit TUI), 1x Ruanda+Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 17 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe,Sambia, Südafrika mit dem Dachzelt)
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16 Feb 2015 17:31 #373648
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  • Der Reisende am 16 Feb 2015 17:10
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Hallo Jambotessy,

ja es war eine spannende Zeit.
Afrika ist wie immer schön und aufregend ....
Viele Grüße

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16 Feb 2015 17:34 #373649
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Hallo Reisender,

ich bin dabei und freue mich schon sehr auf Euren Bericht! Geht ja schon mal gut los. :whistle:
Liebe Grüße,

Moose.
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16 Feb 2015 17:58 #373653
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  • Topobär am 16 Feb 2015 17:58
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Hallo Reisender,

da dachte ich, wir wären mit unseren 5 1/2 Wochen lange unterwegs gewesen und dann lese ich hier was von 12 Wochen. Ein Traum und der Bericht fängt auch sehr interessant an. Da bleibe ich auf jeden Fall dabei.
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16 Feb 2015 18:04 #373656
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  • Fleur-de-Cap am 16 Feb 2015 18:04
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Hallo Reisender,

bin auch mit aufgesprungen......wann geht's weiter? :whistle:

LG
Fleur
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