THEMA: Reisebericht Katzen und Mäuse unfenced in SA
31 Mär 2012 15:31 #230131
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5100 KM Katzen und Mäuse unfenced

Reisebericht unserer Südafrikatour vom 23.02. bis zum 19.03.2012


Route

Flug Frankfurt Capetown mit Lufthansa
1 Nacht Tulbagh Tulbagh Country Manor
3 Nächte Tankwa Karoo NP Elandsberg
1 Nacht Upington Le Must River Manor
2 Nächte Kgalagadi NP Kalahari Tented Camp / Honeymoon Tend
1 Nacht Kgalagadi NP Gharagab
1 Nacht Kgalagadi NP Bitterpan
2 Nächte Kgalagadi NP Urikaruus
2 Nächte Kgalagadi NP Killie Krankie
1 Nacht Kuruman Red Sands Country Lodge
1 Nacht Rustenburg Terra Casa B&B
3 Nächte Marakele NP Tlopi Tented Camp
3 Nächte Leshiba Wilderness Venda Village Camp
2 Nächte Kapama Private Game Reserve Kapama Buffalo
Flug Johannesburg Frankfurt mit Lufthansa






Das Hauptziel unserer achten Reise ins südliche Afrika sollte der Kgalagadi Transfrontier Park sein. In 2009 waren wir nur 2 Nächte in diesem wunderschönen Park, was natürlich viel zu kurz war.
Da es ausschließlich in Wilderness Camps gehen sollte, haben wir mit der Planung der Reise weit über ein Jahr vor unserer Abreise begonnen. Die Entscheidung für die restliche Route fiel uns dann wirklich schwer. Da es auch zu uns bisher unbekannten Zielen gehen sollte, haben wir uns zu dieser etwas ungewöhnlichen Reise entschlossen und es nicht bereut.

Vorab schon einmal. Bis auf eine letztendlich unbedeutende kleine Schwierigkeit mit der Buchung im Moonriver Guesthouse in Upington hatten wir eine wunderbare Reise mit tollen Naturerlebnissen, 14 Nächten Selbstversorgung, tollen Unterkünften und Begegnungen mit netten und witzigen Menschen, die wie wir naturverbunden sind. Unsere bisher eher spärlichen Offroaderfahrungen wurden im KTP und auf dem Leuberg 4x4 Trail wieder etwas ausgebaut.
Die reinen Fahrtage von Tankwa nach Upington, vom KTP nach Kuruman, von Kuruman nach Rustenburg und von Kapama nach JoBurg waren letztlich kein Problem. Die Wilderness Camps im KTP sind alle wunderschön. An allen Campwasserlöchern hatten wir Löwen oder Leoparden.
Endlich haben wir ohne Ranger Cheetahs in freier Wildbahn sehen dürfen.

Der Mietwagen von KEA war entgegen aller Bedenken OK und funktionierte bis auf einen Wackler am Kühlschrank einwandfrei. Er musste einiges aushalten und leistete uns treue Dienste. Allerdings blieben einige Schrauben des Frontbumpers auf den teilweise üblen Wellblechpisten im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Strecke“.

Wieder einmal hat uns das Forum bei der Planung unserer Reise toll unterstützt. Gerade bei den Fragen zur Route, dem Weinkaufen, dem Seednet und dem Braiien haben wir wertvolle Hilfe erhalten. Dafür noch einmal allen ein „herzliches Danke“

Ich fange jetzt doch schon am heutigen Samstag mit dem Bericht an, um bei einem bestimmten Forumsmitglied keine Langweile ab Sonntag 17:00 Uhr zu bescheren ;-))

Die weiteren Teile dauern sicher eine Weile. Auch deswegen, weil die meisten Bilder bisher noch im RAW-Format auf der Festplatte schlummern :
Letzte Änderung: 27 Jul 2013 15:09 von casimodo.
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31 Mär 2012 17:13 #230144
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Flug Frankfurt Capetown und erste Nacht im Tulbagh Country Manor

Nach 2 Jahren warten geht es heute endlich los ! Da wir nicht weit vom Airport entfernt wohnen, spare ich einen Urlaubstag und gehe noch arbeiten, während Kerstin frei hat. Mein Vater fährt uns zum Flughafen, wo wir Ruckzuck mit dem Checkin fertig sind. Die Sitze sind Gott sei Dank vorreserviert, denn die 747 ist bis auf den letzten Platz voll besetzt. Der Abflug ist pünktlich, in unserer Dreierreihe sitzt ein sehr netter südafrikanischer Helikopterpilot. Kerstin unterhält sich 2-3 Stunden prächtig, dann können wir auf dem ruhigen Flug einige Stunden Schlaf finden. Obwohl es in der Bretterklasse kein eigenes Boardentertainmentsystem gibt, ist der Service bei Lufthansa diesmal erstklassig, das Personal sympathisch.

Als ich ca. 2 Stunden vor der Ankunft wach werde und das Rollo hochziehe, sehe ich die endlosen Dünenmeere in Namibia. Wieder stehen mir die Tränen in den Augen. Es ist schwer zu erklären, aber an diesem Punkt werde ich jedesmal sentimental.

Im Anflug auf Kapstadt ist der Tafelberg schön zu sehen. Bei blauem Himmel landen wir kurz nach zehn Uhr relativ gut ausgeruht zum vierten Mal in Kapstadt. Da wir 2 Kilo Vollkornbrot und einige Lebensmittel im Gepäck haben, sind wir froh, daß die 8 Beamten gerade andere Koffer durchsuchen und wir ungeschoren durch die Kontrollen kommen. Sofort versorgen wir uns am ATM mit ausreichend Bargeld und versuchen den KEA-Schalter zu finden. Da es keinen gibt und auch kein Abholer da war, rufen wir an. Bei Thrifty sollen wir warten, wo uns kurze Zeit später ein netter Kea-Mann abholt. Nach kurzer Fahrt erhalten wir mit einem sehr netten und detaillierten Checkin einen gut in Schuss wirkenden Nissan-Doublecab der gerade neu Inspektion hatte mit nagelneuen Offroadreifen, einem optisch ordentlichen Zustand und wie vereinbart mit Kühlschrank, Kompressor und zweitem Ersatzrad.

Um halb zwölf fahren wir auf vertrauten Wegen und unter Leitung unseres mit Tracks 4 Africa bestückten Nüvis in Richtung Paarl. Da wir in Sachen Wein immer verwöhnter werden, wollen wir uns gleich am ersten Tag mit Wein versorgen und haben uns drei Weingüter rausgesucht.

Das erste Weingut Anura ist nach knapp einer halben Stunde Fahrt erreicht.





Im Restaurant ist außer uns niemand. In traumhafter Umgebung und mit sehr leckerem Sauvignon Blanc und Chardonnay essen wir einen gourmetwürdigen Lunch.







Der Nachtisch ist sogar unglaublich gut. Den Wineshop verlassen wir kurze Zeit später und bestens gelaunt mit 6 Flaschen Wein. Das ist doch mal ein phantastischer Reisebeginn. Wir sind richtig euphorisch :laugh:
Afrigaaaaah, wir kooooomeeeen ......





Kurze Zeit später biegen wir in die Zufahrt des Weingutes Glen Carlou ein.





Die Weine kennen wir gut aus Deutschland. Das Restaurant und der Shop liegen auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf die Berge bei Paarl.







Wir verzichten schweren Herzens auf eine Weinprobe, da wir noch einige Kilometer bis Tulbagh vor uns haben und verlassen auch diesen Shop mit 4 Flaschen Wein.

Diemersfontain ist das dritte Weingut. Unser netter Flugzeugnachbar hatte es uns empfohlen. Auch dort wechseln 4 Flaschen Wein den Besitzer.







Die restliche Strecke nach Tulbagh ist kein Problem.





Trotzdem freuen wir uns, als wir vor der Tür des schönen kapholländischen Hauses des Tulbagh Country Manor stehen.





Wir bekommen ein nettes und relativ großes Zimmer und beschließen, vor dem Dinner noch etwas zu ruhen.





Gut ausgeruht besuchen wir das Paddagang Restaurant schräg gegenüber. Im weinbelaubten Innenhof essen wir zwei ordentliche Steaks. Der weiße Hauswein aus dem eigenen Weingut schmeckt durchschnittlich, macht aber nix ! Satt und schon wieder müde geht’s zur afrikatypisch frühen Zeit schon wieder ins große, gemütliche Bett.

Nach einer gut durchschlafenen Nacht gibt’s ein gutes Frühstück an der großen Tafel im komplett historisch eingerichteten Manor House.







Wir wollen uns nicht zu lange aufhalten, denn heute ist der erste Großeinkauf geplant.Ein kurzer Blick noch in den Garten :







Im Sparmarkt ist die absolute Hölle los, denn Samstags gehen alle Farmarbeiter einkaufen. Das Obst- und Gemüseangebot ist reichhaltig. Es dauert doch einige Zeit, bis wir alle Gebrauchsartikel und Lebensmittel im Einkaufswagen haben. Wir sind mit die einzigen Weißen und stehen schließlich an einer unglaublich langen Schlange an der Kasse an. Irgendwie bekommen wir alles in Plastiktüten ins Auto geschleppt. Gegen 11.00 Uhr geht’s los in Richtung Tankwa Karoo NP. Endlich in die Einsamkeit.......
Letzte Änderung: 27 Jul 2013 15:10 von casimodo.
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01 Apr 2012 09:58 #230194
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Tankwa Karoo NP / Elandsberg Cottage

Distanz 225 KM

Wir sind schon gespannt, was uns Heute erwartet. Der erste Teil der Strecke führt uns durch bergige Landschaft in Richtung Ceres, Diese Strecke sind wir schon mehrfach gefahren. In Ceres finden wir einen netten Drankwinkel, in dem wir uns mit Windhoek, Sparkling Water und dem so geliebten Savannah versorgen. Auch hier ist jetzt am Samstag die Hölle los. Erleichtert stellen wir auf der Weiterfahrt fest, daß es mit jedem KM immer einsamer und auch dürrer wird. Bald erreichen wir die erste Pad in diesem Urlaub. Die Landschaft wird weitläufiger und immer wüstenähnlicher.
Irgendwie vergessen wir Fotos zu machen.

Und dann nach bestimmt 50 KM NICHTS auf einmal ein Padstal. Das gibt’s doch nicht ! Hier fährt doch fast kein Auto !?! Wer um Himmels Willen eröffnet hier einen Padstal ?





Die Eigentümer sind übrig gebliebene Hippies, die uns sehr freundlich empfangen. Er sieht aus wie ein totaler Freak (Der Blonde Mann hinter der Theke).





Begeistert über neue Kundschaft ruft er in den heißen Gastraum „An icecold beer ?“
Als wir wegen der irren Hitze ablehnen und nach Kaffee fragen, ist er irgendwie enttäuscht.

Auf der Veranda sitzt eine farbige Familie mit einem kleinen, total süssen Mädel. Ansonsten ist es total still.





Wir setzen uns draußen hin und finden es irgendwie supercool hier in the middle of nowhere bei der Familie Freak Instant-Kaffe zu trinken und wie die blöden zu schwitzen.





Doch was ist jetzt ? Plötzlich kommt ein Motorrad nach dem anderen an. Die Gang trainiert gerade für eine Charity Tour von Kairo nach Kapstadt. Die machen dem Cheffreak eine Freude und trinken
das eiskalte Bier in Massen. So langsam wird es skurril, die Rocker kaufen Hippie-Schlapphüte und sind hier in der Wüste richtig gut drauf.

Nach ca. 1 Stunde fahren wir weiter über die einsame Pad. So langsam tauchen am Horizont imposante Berge auf.





Im Office am Parkeingang checken wir bei der freundlichen aber wortkargen Dame ein. Sie gibt uns den Schlüssel für die Family Unit und einen DIN A4 Plan des Parks und verabschiedet uns. Hier gibt es übrigens keinen Shop, nur Feuerholz ist verfügbar.

Bisher war die Pad eigentlich ganz gut, im Park ändert sich das schlagartig.
Über heftiges Wellblech geht es die letzten KM immer parallel zur Gebirgskette bis nach Elandsberg.





Erst im letzten Moment kann man bei der Anfahrt erkennen, welch einen schönen Blick man in den nächsten drei Tagen haben wird.
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01 Apr 2012 10:13 #230196
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Fortsetzung Tankwa Karoo / Elandsberg

Das Cottage ist riesig und wunderschön eingerichtet.



Es gibt einen kleinen Plunge Pool eine überdachte und somit schattige Grill- und Sitzecke, eine große Wohnküche, einen Kamin, zwei Schlafzimmer und ein großes Bad mit einer Dusche, aus der man einen Blick ins Freie hat.









Das Klo lädt zum Verweilen ein :pinch: Gelle Annick, Gelle Conny !



Strom ist nicht vorhanden, Petroleum-Lampen gibt es genug. Das Wasser schmeckt auch abgekocht brackig, man muss genügend Trinkwasser mitnehmen. Zum Zähneputzen und Waschen ist es OK.

Wir sind sehr angetan, hier können wir erst einmal ausspannen und runterkommen. Wir räumen unsere Sachen aus dem Auto und installieren uns. Auf der Folie des abgedeckten Pools hat sich etwas Wasser angesammelt, das eine Reihe von Vögeln anzieht.


Der Bokmakirie ist wunderschön


Die Mäuse krabbeln geschickt im trockenen Gras rum



Wir genießen die Ruhe und den wunderschönen Ausblick und bereiten gegen Abend das erste Braii vor. Es gibt Boerewors, Lammsteak mit selbstgemachter Knobibutter, Tomate Mozarella und Gemsquash.





Zusätzlich muss natürlich die erste Flasche Wein, ein wunderbarer Anura Shiraz dran glauben. Nachdem die Sonne den wolkenlosen Himmel verlassen und die Berge rot gefärbt hat, tauchen langsam die ersten Sterne auf. Da kein Mond da ist , dürfen wir einen Hammer-Sternenhimmel erleben. Wer findet auf dem Bild das Kreuz des Südens ? ;)



Es ist einfach wunderschön und wir erinnern uns wieder, warum wir Afrika so lieben ! Die Temperatur sinkt nur ganz langsam, bei weit geöffneten Fenstern schlafen wir gute 10 Stunden, bis die Vögel mich kurz nach Sonnenaufgang wecken.

Mit einer Tasse Kaffe schaue zu, wie die Sonne über den Bergen erscheint. Kerstin schläft noch bis halb neun. Bis dahin habe ich abgewaschen, mit dem aus Deutschland mitgebrachten Kaffe und Reisefilter eine Thermoskanne Kaffee gebraut und die ersten Mäuseschäden festgestellt. Selbst daran Schuld, wenn man das Toastbrot und die Tomaten auf der Spüle liegen läßt. Die Maus hat ein schön symetrisches Loch in eine Tomate gefressen, es sieht fast schön aus. In der Toastpackung ist das Plastik angefressen und ein für eine Maus gigantisches Loch klafft Mitten im Brot. Dick und hässlich sollen sie werde, die elende Diebe ! Wir sehen aber von Strafverfolgungsmassnahmen ab und verhängen kein Todesurteil ! Die Mausefalle auf dem Fensterbrett bleibt unbenutzt. Mit dem Foto erwischen wir sie mit den Resten unseres O-Saftes :



Den Rest des Tages verbringen wir im Schatten, es hat sicher Ende 30 Grad. Zwischen unseren Beinen hüpft die ganze Zeit ein schneidiger, kleiner Vogel herum, der mit großem Erfolg Fliegen fängt. Er hat Null Angst vor uns und wir schließen ihn sofort ins Herz.

Um halb vier brechen wir zum Gannaga Pass auf.



Über Wellblech, einsame Landschaft und vorbei an meist verlassenen Farmhäusern geht es genau in das eine Tal, in das wir von unserem Haus aus sehen können. Langsam wird die enge Pad steiler und Kerstin immer stiller.



Sie sitzt auf der Talseite und fühlt sich sichtlich unwohl. Der Ausblick in die Ebene und ins Tal wird immer spektakulärer, die kleine Pad windet sich in Serpentinen den Berg hoch.



Wir erreichen ein Hochplateau und drehen an der verlassen wirkenden Gannaga Lodge um. An einem schönen Aussichtspunkt genießen wir bei völliger Stille die gigantische Aussicht, ein kühles Getränk und lecker Kekse.







Auf der Abfahrt steht ein kleiner Steenbok neben dem Auto am Berg, Kerstin ist jetzt auch etwas entspannter.

Im Tal angekommen, sitzt ein Southern Pale Chanting Goshawk direkt neben dem Weg auf einem Zaunpfosten. Stück für Stück pirschen wir uns mit dem Auto näher heran. Er bleibt tatsächlich sitzen, sogar als das Auto nur noch 5-10 Meter entfernt ist.



Da entdecken wir so in 50 Meter Entfernung einen Schakal. Er hat den Vogel fest im Blick. Das wäre sein perfektes Dinner !

Er pirscht sich gaaaanz langsam heran, hat aber keine Chance. Nach ca. 20 Minuten fahren wir weiter und sehen noch einen Oryx und einige Springböcke.



Die Temperatur wird langsam erträglicher und so vergeht der Abend mit Vogel- und Mäusebeobachtung am Pool. Inzwischen sind auch einige der angekündigten Bienen da, wir wussten bei der Buchung von der Problematik, die bisher keine war.



Relaxt wird während des Sonneunterganges das Essen vorbereitet, das Feuer angezündet und die ersten Schlücke eines leckeren Cuvees von Diemersfontain rinnen unsere Kehlen herunter.





Bei wieder gigantischem Sternenhimmel gibt’s Butternut, Speckwürste und Steaks. Gegen 22.00 Uhr siegt die Müdigkeit.

Vielleicht einmal eine Anmerkung zwischendurch:

Wir haben während des gesamten Urlaubes keine einzige Seite eines Buches gelesen. Früher hätten wir nie im Leben geglaubt, das es niemals langweilig wird, über Stunden gar nichts zu tun und nur die Stille und die Weite der Landschaft und die Kleintierwelt genießen zu dürfen. In Deutschland würde es uns nach wenigen Minuten langweilig, in Afrika nicht.
Anhang:
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01 Apr 2012 18:58 #230263
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Fortsetzung Tankwa Karoo Elandsberg / Leuberg 4x4 Trail

Nach einer sehr warmen Nacht ist Heute Morgen Frühstück im Häuschen angesagt. Der abgedeckte Pool wimmelt heute von Bienen und Mäusen. Sie tun uns nichts (die Bienen) und halten sich schwerpunktmäßig nur dort auf.



Den heißen Tag verbringen wir wieder mit Nichtstun. Gegen 14:00 Uhr starten wir dann in Richtung des heutigen Ziels, dem Leuberg 4x4 Trail. Die Beschreibung hörte sich bis auf eine angeblich sehr steile Abfahrt am Ende ganz easy an.

Zuerst geht es die altbekannt Rüttelpad in Richtung NP Office, dann biegen wir nach Rechts auf eine kleine Pad ab.

Die 50 KM von Elandsberg bis zum Beginn des Tracks führen uns durch absolut einsame, wunderschön gebirgige Wüstenlandschaft. Hier ist außer uns weit und breit niemand.
Der Weg ist gleichzeitig auch die Zufahrt zum Varschfontain Cottage, das kurz nach dem allerletzten Abzweig zum Leuberg 4x4 Trail liegt.

Auf dem Weg dorthin sehen wir ganz überraschend eine Herde Red Hardebeest, in weiter Entfernung rennt eine Herde Bergzebras vor uns weg. An einem Wasserloch sind Baboons und Springböcke. Mit Tieren hatten wir hier gar nicht gerechnet. Die Sandpad führt dann noch an einem weiteren rietbewachsenen Wasserloch vorbei, in dessen Nähe die Reste einiger alter Lehmhäuser stehen.


Dann erreichen wir den Abzweig zum 4x4 Trail.

Zuerst ein Kindergeburtstag, nach einer Biegung stehen wir dann aber plötzlich vor einem größeren Sandkasten. Er ist ziemlich tief ausgefahren und geht einige Meter bergauf. Das geht ja noch, aber an der oberen Kante sind mehrere ordentliche Felswacker freigefahren. Da wir nicht mit Sand gerechnet hatten und plötzlich etwas aufgeregt sind, denke ich natürlich nicht an den Reifendruck und schon gar nicht ans Fotografieren. Kerstin will direkt umkehren, weil es hier echt einsam ist. Verschiedene Südafrikaner hatten uns eh für etwas verrückt gehalten. Ein einigermaßen normaler Einheimischer würde wohl nicht Mitten im Sommer in die Wüste fahren.

OK, mit so einem Sandkasten habe ich bisher keine Erfahrung. Mit Anlauf bleibe ich zweimal stecken, kann das Auto aber im Geländegang locker wieder rückwärts herausfahren. Beim dritten Versuch klappt es dann. Ich nehme mehr Schwung und rausche zackig über die Felswacker.
Der treue Nissan hüpft mit ächzenden Blattfedern über die Felsen, ohne das ich irgendwas wichtiges zerstört habe. Uff, geschafft ! Nach einigen hundert Metern kommt dann eine Strecke mit übel spitzen Steinen. Als normaler Asphaltfahrer hält man das für unpassierbar, das Auto ruckelt mit äußerster Gelassenheit drüber. Unsere Wirbelsäulen werden hier etwas gelockert. Jetzt wird es spannend. Im Internet hatte ich die hügelige Auffahrt schon gesehen. Das sah harmlos aus.
Jetzt geht es beängstigend steil bergauf. Auf den Photos kommt das übrigens nicht annähernd rüber.

Vom Beifahrersitz kommt ein sehr eindringlicher Befehl:

Kerstin : „Hier werden wir NICHT hochfahren !
Carsten : „Willst Du zurück über die spitzen Steine und die felsige Sandgrube?“
Kerstin : „NEEEEIN !!!“
Carsten: „Wir fahren da jetzt hoch ! „

Also Geländeuntersetzung rein und schön gleichmäßig losfahren. Am Ende des ersten Hügels sehen wir nur noch Himmel ! Keine Ahnung wie die Pad weitergeht. Also Aussteigen und nachschauen. Ah, etwas Rechts und gerade runter.

Dann das Gleiche noch zwei oder dreimal und wir stehen auf dem höchsten Hügel. Eigentlich kein Problem, aber wir haben so etwas eben noch nie gemacht und fragen uns so langsam, was noch auf uns zukommen wird ! Warum tun wir überhaupt so etwas ??? Jetzt stehen wir erstmal vor einer seeeeehr steilen Abfahrt. Also erst einmal die schöne Aussicht geniessen, dann läuft Kerstin den Weg herunter. Sie möchte mich bei der Abfahrt filmen.

Ich entschließe mich für den zweiten Gang und die Geländeuntersetzung und merke schnell, das der zweite Gang einer zu viel ist. Ich erinnere mich an die 4x4 Tipps im Forum, bremse ganz vorsichtig und rausche tendenziell einige KM zu schnell an meiner bleichen Frau vorbei.

Auf dem Film ist hauptsächlich Himmel und Erde zu sehen. Über den Ruf von Kerstin „BREEEEEEEMS“ lachen wir uns inzwischen kaputt.

Der Rest der Strecke ist bequem zu fahren und führt in einem großen Bogen zurück zu dem Wasserloch und dem verlassenen Dorf.

Für Offroadfreaks ist der Trail sicher keine große Herausforderung, für uns war es wieder eine neue Erfahrung. Das nächste Mal würden wir da auch locker durchfahren. Etwas stolz über das Geschaffte geht’s weiter in Richtung der verlassenen Siedlung Nahe des Wasserloches. Dort halten wir an. In totaler Stille laufen wir einige Meter zu einem kleinen Gräberfeld.




Es ist sauheiß. Ohne Wasser hätte man hier keine große Lebenserwartung.Von was haben die Menschen hier wohl gelebt ? Im Fenster eines halb zerfallenen Hauses entdecke ich eine große Eule, die aber leider sofort das Weite sucht.

Nach kurzer Zeit geht es die 50 KM zurück nach Elandsberg. Die Fahrt auf den Elandsberg-Viewpoint brechen wir ab, da es wieder sehr ruckelig über zahlreiche spitze Steine geht. Das hatten wir Heute genug.
Nach dem kleinen Abenteuer schmeckt das Savannah besonders gut ! Unser kleiner gefiederter Freund ist auch wieder da und leistet uns Gesellschaft. Es gibt Heute Speckwürstchen, selbst eingelegtes Rindersteak, griechischen Salat und Gemsquash mit Knobibutter.

Beim Auspacken der garen Gemsquash merke ich, daß ich das Anstechen vergessen hatte. Angeblich können die Dinger dann explodieren. Also lasse ich beim Auspacken aus der Folie äußerste Vorsicht walten und steche das pralle Ding von der mir abgewandten Seite an.
Mit lautem Zischen verabschiedet sich ca. ein Drittel des Fruchtfleisches in einem lauten Zischen aus dem kleinen Kürbis. Echt lustig und Gott sei Dank ist auch dieses kleine Abenteuer gut ausgegangen ! Ich sah uns schon mit den heißen Kürbisbrocken im Gesicht schreiend durch die Wüste rennen. Der Diemersfontain Voignier ist ein würdiger Wein für unseren letzten Abend in Elandsberg.

Wir hatten hier genug Zeit, um in Afrika anzukommen. Ein wunderschöner, einsamer Platz.
Die Unterkünfte bewerte ich am Ende des Berichtes.
Letzte Änderung: 27 Jul 2013 15:12 von casimodo.
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02 Apr 2012 19:32 #230374
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Elandsberg nach Upington

Distanz 504 KM

Heute ist ein reiner Fahrtag und die längste Teiletappe unserer Reise. Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir schweren Herzens unsere Sachen. Hier hat es uns richtig gut gefallen ! Auf der anderen Seite freuen wir uns auf den Kgalagadi Transfrontier Park. Der erste Teil der Strecke führt über knapp 100 KM richtig üble Pad. Hier lässt unser Nissan die ersten Schrauben fallen.
Die Frontschürze wackelt jetzt seitlich etwas, die Metallbefestigung scheppert. Mit Panzerband
bekomme ich das Ding aber wieder ruhiggestellt.

Nach einer Abzweigung geht es auf Schotter weiter immer an imposanten Bergen entlang über einen Pass, von dem aus wir einen schönen Blick zurück haben.

In Calvinia wird getankt und im Calvinia Hotel gibt’s ein lecker Omelette und ein kurzes Gespräch mit einem Einheimischen. Im Drankwinkel gegenüber und im Sparmarkt nebenan werden die ersten Einkäufe für den KTP getätigt. Hier ist alles sehr relaxed, ein ganz nettes Städtchen.

Die restliche Strecke führt uns vorbei an den immer einmal vorhandenen Baustellenstops, die jeder Südafrikareisende kennt. Man wartet einige Minuten und darf irgendwann weiterfahren.

Dann geht’s auf guter Straße ewig immer nur geradeaus. Nach Calvinia hat es zuerst noch schöne Berge, dann wird es öde.

Dafür sitzt Kerstin plötzlich eine minikleine Gottesanbieterin auf dem Arm. Wie klein sie war, kann man an den Haaren auf dem Foto sehen. Sie sieht aber echt gefährlich aus. Wenn die 2 Meter groß wäre :woohoo:

Die Orte Brandvlei und Kenhardt sind nichtssagend.

Die Fahrt ist relativ unanstrengend. So ungefähr 100 KM vor Upington fahren wir in eine Wolkenwand herein. Und plötzlich regnet es.

Einige Kilometer weiter baut sich Rechts eine imposante Gewitterfront auf.

Die Landschaft wirkt fast etwas namibianisch. Köcherbäume und riesige Webervogelnester vor roten Dünen.







Schließlich erreichen wir den Oranje. Hier gibt es riesige Weinanbaugebiete und einige größere Brückenbaustellen.



Das Navi leitet uns durch die belebte Innenstadt von Upington in eine kleine Seitenstraße am Oranje River zum Moonriver Guesthouse.

Die hatten uns den Zimmerpreis pro Nacht lange vorab doppelt von der Mastercard abgebucht. Unsere Reklamation wurde zuerst gar nicht beantwortet und erst nach neuer Nachfrage teilte man uns mit, daß wir das zuviel gezahlte Geld bei Ankunft erstattet bekämen. Bei genau dieser Ankunft teilte der Eigentümer uns mit, sein Haus sei fully booked. Kerstin erwiderte: „we are the germans with the double payment“ ! Ahhh.... er hat uns erst nächste Woche erwartet ! Entschuuuldigung, das war sein Fehler....... und genug Bargeld hätte er jetzt auch nicht da..... wir könnten aber ins Le Must River Manor, er rufe schnell mal da an. Sie hätten was frei, das Geld würde er uns dann per Mastercard erstatten. Das ist bis jetzt noch nicht passiert. Wenigstens Le Must hat er für uns bezahlt. Wir werden der Sache noch nachgehen....

Le Must war sowieso unsere zweite Unkerkunftswahl und liegt ca 500 Meter weiter in einem noblen Wohngebiet direkt am Oranje inmitten eines tropischen Gartens mit schönem Pool.

Wir werden nett empfangen, bekommen ein Zimmer, das ganz OK ist. Das Haupthaus ist historisch eingerichtet und hat einen schönene Freisitz zum Garten hin.
Auf Empfehlung beschließen wir, zu Fuß zum Irish Pub zu laufen. Das sei hier in Upington OK, wir sollen uns keine Sorgen machen !

Der Pub liegt etliche hundert Meter entfernt an der Abends ausgestorbenen Haupteinkaufsstraße. Wir bekommen noch einen Platz auf der schönen Terrasse, werden sehr nett bedient und bekommen riesige Fleischportionen zu fairen Preisen mit einem kalten Bier.



Es ist sehr warm, am Horizont über dem Oranje gewittert es. Satt gegessen gehen wir mit einem unguten Gefühl im Bauch zurück zur Lodge. Warum laufen wir eigentlich ? Das nächste Mal werden wir wieder fahren, man fühlt sich einfach unwohl....

Zurück im Le Must landen wir noch mit einem sehr netten jüngeren Hausangestellten bei einem Windhoek auf der Terrasse. Wir verstehen uns gut, er berichtet uns viele interessante Sachen über das Leben in Upington. Für ihn sei es der beste Platz zum Leben. Zufrieden gehen wir ins Bett, wo ich noch einen Frosch fange und ins Freie setze.

Das leckere Frühstück am letzten Morgen nehmen wir am großen Fenster mit schönem Blick in den Garten ein und fahren danach zu Checkers um die Ecke.


Heute wird für 8 Tage Selbstversorgung im KTP eingekauft. Der Supermarkt ist riesig groß und in 1 1 /2 Stunden bekommen wir bis auf Savannah alles, was wir brauchen. Das Angebot an Lebensmitteln erschlägt einen förmlich. Da wohl gerade Erntezeit ist, bekommen wir sehr leckere Papayas, die fast jeden Tag unser Frühstück ergänzen werden.

Dann geht es endlich los in Richtung KTP !
Anhang:
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