THEMA: In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007
17 Aug 2011 19:40 #201000
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  • Mariechen am 17 Aug 2011 19:40
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Hallo zusammen,

ich habe lange gegrübelt, wie ich etwas nettes zu dieser unfassbar tollen Community beitragen kann - sowohl die Hilfestellung als auch die Reiseberichte verblüffen mich immer wieder aufs neue.

Ursprünglich wollte ich (mehrfach angekündigt :whistle: ) einen Bericht zu unserer Namibia-Selbstfahrertour vom letzten September schreiben. Aber es gibt schon soooo viele tolle Berichte über ähnliche Routen und ähnliche Unterkünfte, dass ich nie die Motivation gefunden habe.

Deshalb gehe ich die Sache jetzt anders an: 2007 war ich alleine in SA und Namibia unterwegs, erst auf einer Overlander Tour, dann mit einer namibischen Freundin. Insbesondere Ersteres ist ja in diesem Forum bislang etwas zu kurz gekommen, aus gutem Grund. Aber vielleicht kann ich ja das ein oder andere Klischee widerlegen. :O

Kurz die Eckdaten:

Reisezeit - 13. Mai bis 13. Juni 2007

Johannesburg
KNP
Durban
Drakensberge
Karoo
Garden Route
Kapstadt
Stellenbosch
Windhoek
Oshakati
Etosha
Windhoek

Viel Spaß! ;)
Marie
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17 Aug 2011 19:41 #201001
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  • Sanne am 17 Aug 2011 19:41
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oh, das ist toll. Overlander-Touren gibts hier als Berichte ja sehr selten - freu mich drauf!

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
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17 Aug 2011 19:42 #201002
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13. Mai 2007 – Hannover/Frankfurt

Ich bin 19 Jahre alt und habe vor genau 7 Tagen halbwegs glamurös meine schulische Karriere beendet – mündliches Abitur in Politik. Während meine Schulfreunde und Nichtfreunde zum grandiosen Besäufnis in den Center Park nach Holland fahren rolle ich im ICE von Hannover nach Frankfurt und von dort aus weiter nach Südafrika - vielen Nachmittagen als Aushilfe im Copyshop und vom Auto überfahren werden (Schmerzensgeld!) sei Dank. Ich bin alleine, mein damaliger Freund (inzwischen Verlobter, Namibiareisepartner und Seelenverwandter) muss Zuhause Diplomarbeit schreiben.

Die Reise soll DAS Ding für mich werden, das Highlights meines jungen Lebens und auch der nächsten Jahre. Meine Eltern lassen mich zu meinen großen Erstaunen fahren und schlucken ihre Bedenken ziemlich kommentarlos herunter. Dass sie in Wahrheit Todesängste ausgestanden haben, kommt erst sehr viel später heraus. Gebucht sind 18 Tage Südafrika Explorer mit Drifters via Iwanowski in rustikalen, aber festen Unterkünften. Eine der berüchtigen Overlander Touren, um genau zu sein. ;) Das ist damals aber noch ein Fremdwort für mich, ich hatte eigentlich gar keine so genau Vorstellung, was ich da eigentlich gebucht hatte. Danach soll ich meine langjährige Ovambo-Brieffreundin Vicky in Stellenbosch treffen, wo sie zur dieser Zeit studiert. Gemeinsam soll die Reise dann weiter zu ihrer Familie nach Namibia gehen. Einen genauen Plan für diesen Abschnitt der Fahrt gibt es zur Abreise noch nicht, da ungeklärt ist, ob sie Anfang Juni noch Prüfungen schreiben muss.

Nach herzzerreißenden ( ;) ) Abschiedsszenen am Mittag am Hannoveraner Bahnhof verläuft die Zugfahrt so, wie die meisten Zugfahrten verlaufen: Unspektakulär. Ich versuche zu lesen, bin aber eigentlich viel zu aufgeregt und kann nicht fassen, dass es endlich losgehen soll. Das geheime große Ziel: Meine Lieblinge, die Geparde, endlich in freier Wildbahn sehen. Dass mir dies tatsächlich erst 3 1/2 Jahre später auf meiner nächsten Tour gelingen wird, sei an dieser Stelle schon einmal verraten. Aber ich war jung und naiv und hoffnungsvoll (eigentlich immer noch, um genau zu sein).

Am Flughafen brauche ich ziemlich ewig, bis endlich der South African Airways-Schalter gefunden ist. Mein erster Interkontinentalflug, übrigens. Oh Schreck: Am Schalter nur Menschen jenseits der 60. Von denen wird doch hoffentlich keiner in meiner Gruppe sein? (Ältere Mitleser mögen einem Teenager diesen Gedanken verzeihen). Gefühlt endlose Zeit später genieße ich im Flieger die Annehmlichkeiten von SSA (eigener Fernseher, okayes Essen, toller Service, Zahnbürste!). All die Dinge, die ich beim nächsten Trip mit Air Namibia vermissen werde... Mein Sitznachbar ist ein Mittfünfziger Geschäftsmann, der mir erst einmal Schauermärchen von überfallenen Reisenbussen in Südafrika erzählt und berichtet, er würde niemals in dieses böse Land fahren. Na, das sind ja tolle Aussichten.

P.S. Die Vorteile eines Fensterplatzes werden zunichte gemacht wenn man eine typische Mädchenblase hat und der Sitznachbar durchschläft, während man selbst die ganze Nacht wach ist. ABER dieser Sonnenaufgang!
Letzte Änderung: 17 Aug 2011 19:46 von Mariechen.
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17 Aug 2011 19:48 #201005
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Hallo Mariechen (passt denn ein solcher Name zu dir???),

schön geschrieben und mal was anderes! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
Mach weiter so!

LG, Goldmull
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17 Aug 2011 20:22 #201015
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14. Mai 2007 – Johannesburg

Pünktlich um sieben Uhr morgens verlasse ich – todmüde und ziemlich zerknautscht, aber völlig überdreht – das Flugzeug. Gepäck einsammeln und ab damit auf den Wagen. Mein Transferservice zum Drifters Joburg Inn soll erst um zehn gehen. Drei Stunden Wartezeit und ich habe keine Ahnung, wie ich sie verbringen soll. Ich bin alleine und muss mein Gepäck bewachen. In der Wartehalle sitze ich ziemlich verloren auf meinem Wagen herum und beobachte, wie die 60 Jährigen das Gebäude verlassen. Glück gehabt. ;) Ein attraktiver junger Mann fällt mir ins Auge. Allerdings ist er wohl keiner der Mitreisenden, denn er hat eine Gitarre bei sich. Er bemerkt meinen Blick, bietet mit seinen Platz an und wir kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er südafrikanischer Popmusiker ist. Ich bekomme eine CD geschenkt und erfahre, dass er auf dem Weg zu Konzerten in Australien ist. Meiner Frage, ob er berühmt sei, weicht er aus. Auf dem Rückflug vier Wochen später erfahre ich, wie berühmt er in SA ist: Die südafrikanische Cosmopolitan – als seichte Reiselektüre gekauft – kürt den netten Herren auf Platz 24 der Sexiest Men Alive. :)

Nachdem er mich verlassen hat, lerne ich schließlich einen Teil meiner Mitreisenden kennen: Angeline und Adam aus Vancouver und den deutschen Peter. Erstere Mitte 20, letzterer geschätzte 35. Obwohl wir die beiden einzigen Deutschen auf der Tour bleiben sollen, ist er der einzige aus der Gruppe, dem ich in den nächsten Wochen nicht näher komme, was wohl hauptsächlich an meiner ablehnenden Haltung liegt. Er spricht kaum Englisch - warum er eine rein englischsprachige Tour gebucht hat, erschließt sich mir bis heute nicht. Das kanadische Pärchen ist mir hingegen von Anfang an sympathisch. Die Sorte Leute, bei denen man nach fünf Minuten das Gefühl hat, man würde sie schon ewig kennen.

Schließlich werden wir eingesammelt und zur Unterkunft gebracht, einem riesigen, wunderschönen, grünen Anwesen im Stadtteil Northcliff. Zu meinem Erstaunen bekomme ich ein Einzelzimmer zugewiesen – ich war vorab von Iwanowski informiert werden, dass mehrere Einzelreisende eventuell in einem Zimmer untergebracht werden. Nach einer ausgiebigen Dusche könnte ich den Tag für Erholung am Pool nutzen, bin aber noch viel zu aufgedreht und buche stattdessen die kombinierte Soweto/City-Tour.



Wie sich heraus stellt, bin ich an diesem Tag die einzige Teilnehmerin. Mein Guide, der mich im weißen Bus durch die Stadt kutschiert, mutiert innerhalb von fünf Minuten zu meinem großen, schwarzen Beschützer und klärt mich über die vorhandenen und übertriebenen Gefahren von Joburg auf. Wir absolvieren das volle Touriprogramm: Fahrt durch Soweto, Besuch im Apartheitsmuseum (großartig!), Regina Mundi Church, Nelson-Mandelas-Geburtshaus, Mittagessen im Shebeen und Besuch einer Wellblechhüttensiedlung. Hier übernimmt ein lokaler Guide die Führung. Ich werde in eine Hütte geführt, deren Bewohner zuhause sind. Ein einziger Raum, de Wände sind mit Zeitungen tapeziert, der Mann nur in Unterhose auf dem Bett liegend. Die Frau blickt mich emotionslos an. Mir wird gesagt, ich könne Fotos machen, aber ich wünsche mich nur ganz weit weg. Wieder im Freien ermuntert mich der Guide sehr eindringlich, zu spenden. Armutstourismus: Once and never again. Auf der anderen Seite hat mich die Tour begeistert, Soweto und seine Geschichte fasziniert.



Anschließend machen wir noch eine Tour durch die Innenstadt und einem kleinen Abstecher nach Hillbrow („You shouldn't get out here“). Das Museum Africa hat an diesem Tag leider geschlossen. Sollte es mich irgendwann (zum Beispiel nächstes Jahr zur Hochzeitsreise :)) wieder nach Johannesburg verschlagen, möchte ich mir mehr Zeit nehmen, diese sehr extreme Stadt kennenzulernen.



Zurück im Drifters Inn treffe ich beim Abendessen (lecker Salat mit Hähnchen) auf eine weitere Mitreisende. Karen, ebenfalls Kanadierin. Ich halte sie für Mitte Zwanzig, es stellt sich jedoch heraus, dass sie bereits Mitte 30 ist, im hohen Management gearbeitet und schließlich alles hingeschmissen hat, um auf Weltreise zu gehen und ihr Leben neu zu gestalten.. Sie wirkt etwas unzugänglich und ich weiß nicht recht, ob sie nur müde ist oder mich unangenehm findet. Später wird unsere Reisegruppe zu einer ersten Besprechung einberufen. Wir sind acht Leute: Adam und Angeline, das junge kanadische Pärchen, Karen, Peter, der Deutsche, Dean und Deirdre, Australier Mitte fünfzig und ich, das Küken. Unser Guide heißt Erasmus und ist ein bäriger Bure, der einen etwas strengen Eindruck macht. Morgen geht es Richtung Krüger, wir sollen brav beginnen, unsere Prophylaxe zu nehmen. Ich habe Doxycilin dabei und werde im Laufe der nächsten Tage noch viel Freude damit haben.
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18 Aug 2011 07:19 #201035
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  • Topobär am 18 Aug 2011 07:19
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Mal wieder eine neue Perspektive (jung im Overlander). Dazu noch sehr kurzweilig geschrieben - was will man mehr? Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen.
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