Skotch schrieb:
Hallo Elena,
vielen Dank für den tollen Bericht und die wirklich fantastischen Bilder! Die Bilder sind wirklich einsame spitze

Du hast die Belichtung echt gut getroffen. Welche Einstellungen hast du -vorallem bei den Löwencups beim Elefanten- im Gegenlicht benutzt?
Kannst du noch was zu euren Sichtungen und den Fotoverhältnissen im Mai berichten? Wir waren 2023 im Oktober in Botswana und sind bei regelmäßig über 40 Grad fast eingegangen.
Im Mai 2026 fliegen wir wieder nach Botswana und mich interessiert, wie zu der Jahreszeit die Sichtungen sind (bzw. bei dir waren)
Vielen Dank und liebe Grüße
Marcel
Lieber Marcel,
vielen Dank für deine tolle Bewertung!
Die Löwenkinder habe ich mit der
Nikon Z9 und dem
100–400/4.5–5.6 fotografiert. Diese Kombination nutze ich meistens zum Filmen. Das Foto entstand mit
400 mm, f/5.6, 1/1000 s und ISO 3200.
Ich arbeite fast immer mit
Auto-ISO, während ich Blende und Zeit manuell einstelle. Die Blende ist bei mir fast immer offen (in dem Fall f/5.6). Oft gebe ich noch eine
Belichtungskompensation von +0.3 bis +0.7 EV, da man sagt, dass der Autofokus etwas zuverlässiger arbeitet, wenn mehr Licht vorhanden ist.
Wichtig: Bilder werden unscharf, wenn entweder der Fotograf oder das Motiv sich bewegt.
➡️Es gibt die
2×-Brennweiten-Regel: bei 400 mm →
1/800s als minimale Verschlusszeit.
➡️Durch die gute Stabilisierung moderner Kameras kann man aber auch mit
1×-Brennweite (1/400s) arbeiten oder sogar noch langsamer bis
1/200s oder 1/80s, wenn man sauber auflegt (Beanbag, Motor aus).
Ich fotografiere immer in Serien. Moderne Kameras schaffen im RAW-Format bis zu
20 Bilder pro Sekunde – diese schnelle Serie kann kleine Verwacklungen des Fotografen „ausgleichen“. Ein paar Bilder sind dann trotz leichter Bewegung scharf.
Zur Orientierung: menschliche Reaktions- und Bewegungszeit liegt bei etwa
140–180 ms (schnellste 10–80 ms). Das entspricht ungefähr
1/7–1/6s (schnellste 1/50 s). Theoretisch kann man also mit Verschlusszeiten bis
1/50s noch scharfe Bilder bekommen, wenn man sehr ruhig hält und in Serie fotografiert. Aber: das braucht viel Übung – und funktioniert nur, wenn das Tier selbst still sitzt.
Denn die
Bewegung des Tieres ist die zweite, oft viel wichtigere Variable! Meistens entsteht die Unschärfe nicht durch die eigene Hand, sondern durch die Bewegung des Motivs.
Darum habe ich eine kleine
Tabelle mit empfohlenen Verschlusszeiten zusammengestellt:
| Situation / Tierbewegung | Empfohlene minimale Shutter-Speed | Sicherer Bereich (wenn möglich) | Bemerkungen |
| Großkatzen (Löwe, Leopard, Hyäne) – langsamer Schritt | 1/500 s | 1/640–1/800 s | Kopf & Beine bewegen sich schneller als man denkt. |
| Großkatzen – normales Gehen / Trab | 1/800 s | 1/1000–1/1250 s | Bei 600–800 mm lieber kürzere Zeiten wählen. |
| Großkatzen – Sprint / Jagd | 1/1600 s | 1/2000–1/2500 s | Action-Szenen – hier keine Kompromisse. |
| Elefant, Nashorn, Giraffe – Gehen | 1/320 s | 1/400–1/500 s | Große Tiere bewegen sich relativ langsam. |
| Antilopen, Zebras – Gehen | 1/500 s | 1/640–1/800 s | Kopfbewegungen beachten. |
| Antilopen, Zebras – Rennen / Flucht | 1/1600 s | 1/2000–1/2500 s | Sehr schnelle, unregelmäßige Bewegungen. |
| Vögel – sitzend / ruhig | 1/250 s | 1/320–1/400 s | Nur bei absolut stillen Vögeln und stabiler Haltung. |
| Vögel – Gehen / pickend | 1/800 s | 1/1000–1/1250 s | Kopfbewegungen sind extrem schnell. |
| Vögel – Abflug / langsamer Flug (Adler, Geier) | 1/1250 s | 1/1600–1/2000 s | Große Flügel schlagen relativ langsam. |
| Vögel – schneller Flug (Enten, kleine Vögel, Greif stoßt) | 1/2000 s | 1/2500–1/3200 s | Sehr kurze Zeiten nötig, um Flügelbewegung einzufrieren. |
| Wild Dogs / Hyänen – Rennen | 1/1600 s | 1/2000 s | Wild Dogs sind sehr schnell und unruhig. |
🐾 Merke dir 3 Stufen:
•
Ruhig / langsam → 1/500s
(z. B. stehender Elefant, gehender Löwe, Vogel auf Ast)
•
In Bewegung → 1/1000s
(z. B. Löwe oder Zebra im Schritt/Trab, Vogel pickend, Antilope gehend)
•
Action / schnell → 1/2000s
(z. B. Jagd, rennende Wild Dogs, Vogel im Flug)
💡
Tipps zur Praxis:
• Lieber Auto-ISO aktivieren und die gewünschte Mindestzeit fixieren (z. B. 1/800 s bei Löwen im Schritt).
• Falls Licht knapp: zuerst ISO hoch, dann Blende öffnen – Shutter sollte als letztes verlängert werden.
• Mit modernen Vollformatkameras kannst du ISO 3200–6400 problemlos nutzen, um bei 1/800–1/1600 s zu bleiben.
Zur Reisezeit:
Ich wollte eigentlich auch ein paar Videos über unsere Reise im Mai 2025 zusammenstellen, aber hier ein kurzes Fazit:
Im
Mai ist es in Botswana kühl und sehr grün – ganz anders als im Oktober. Die Nachttemperaturen können bis auf +5 °C fallen, in Hwange hatten wir sogar einmal nur
+2,9 °C. Die Tiere sind morgens noch träge, starten später in den Tag – dadurch kann man selbst auch etwas später losfahren und den ganzen Tag auf Pirschfahrt gehen.
Raubtiere sind territorial, sie verlassen ihre Gebiete also nicht. Allerdings sind sie durch die Vegetation schwerer zu finden – oft verstecken sie sich hinter Gras und Blättern. Außerdem gibt es mehr natürliche Wasserstellen, an denen sich die Beutetiere (und damit auch die Räuber) verteilen. Dadurch sind die Tiere weniger konzentriert. Trotzdem hat jede Katze ihre Lieblingsplätze und muss ihr Revier patrouillieren – die Chancen, sie zu sehen, sind also auch im Mai groß.
Das Gras steht hoch, was das Scharfstellen schwieriger macht. Gelingt es, hat man aber fantastische Ergebnisse.
Zu den Gebieten:
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Moremi ist im Mai atemberaubend. Die Flut ist noch nicht da, und manche Guides sagen sogar, April–Mai sei die trockenste Zeit in Moremi. Unsere Sightings waren top, kein Unterschied zu September – vielleicht sogar besser. Wenn das Wasser kommt, sammeln sich die Tiere auf dem trockenen Land. Katzen mögen es nicht, nasse Pfoten zu bekommen, außer es ist notwendig. Aquatische Tiere wie Hippos oder Lechwes natürlich ausgenommen. Wenn das Wasser zurückgeht, verstreuen sich die Tiere wieder. Wir als Selbstfahrer haben Löwen, Leoparden und Wild Dogs gesehen. Andere Gäste sogar Geparden.
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Khwai war im Mai etwas schwächer als im Oktober. Leoparden haben wir dort leider verpasst. Aber wir hatten Löwen mit sieben Jungen und Wild Dogs – also auch sehr gute Sichtungen, dazu überwältigende Landschaften und Himmel.
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Savute war ebenfalls stark. Am Wasserloch nahe des Camps sahen wir Löwen – ganz klassisch auf ihrer Revier-Patrouille. Dazu ein Honeymoon-Pärchen und eine Löwin bei der Jagd, die wir zufällig trafen – pures Glück.
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Chobe Riverfront ist immer beeindruckend, allerdings mit sehr vielen Autos.
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Hwange National Park würde ich im Mai nicht empfehlen. Es gab überall viel Wasser, sogar Elefanten waren schwer zu finden. Wir hatten zwar Glück mit einem Wild-Dog-Kill und Löwen, aber insgesamt haben wir sehr viel Zeit investieren müssen für nur wenige gute Sichtungen.
Fazit:
Botswana im Mai – absolut empfehlenswert.
Hwange im Mai – eher nicht.