THEMA: Die Eulenmuckels auf Extratour im Okavango-Delta
02 Jan 2020 17:47 #576352
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Am Nachmittag gingen wir zu den Ablutions, um Wäsche zu waschen. Zwei der vier Elefanten standen unmittelbar vor dem Eingang für Frauen. So erledigten wir die Wäsche im Herrenwaschraum, während die Elefanten um uns herum mal hier, mal dort ein paar Blättchen oder Äste abzupften. Als wir uns auf den Rückweg machen wollten, sahen wir, dass einer der Elefanten auf einer Campsite bei vier jungen Leuten stand. Die Männer saßen noch auf ihren Stühlen, während der Elefant sich bereits bis auf zwei Meter genähert hatte. Es wurde gelacht und gewunken. Dann rückten sie ihre Stühle zurecht, während einer von ihnen mit dem Handy Selfies machte. Wir hielten die Luft an bei so viel Dummheit und hofften, dass nichts Schlimmes passieren würde. Nachdem der Elefant sich wieder entfernt hatte, gingen wir zu den Leuten und versuchten ihnen klar zu machen, dass ihr Verhalten sehr gefährlich gewesen war. Es ist kein Spaß, so ein Risiko einzugehen, das ungeahnte Konsequenzen für alle Beteiligten haben kann.
Inzwischen war ein Camper von Site Nummer 10 zu uns gekommen und hatte gefragt, ob wir etwas über das kaputte Dachzelt wüssten, das dort herumläge. Er war sehr verunsichert und wollte sein Zelt nicht aufschlagen, falls aggressive Elefanten in der Nähe seien. Wir hatten nichts mitbekommen. Es stellte sich später heraus, dass während unserer Pirschfahrt am Morgen andere Camper ihr Auto verlassen hatten, um zu duschen und ihren Wagen offen gelassen hatten, also wohl nicht nur nicht abgeschlossen, sondern mit geöffneten Fenstern und Türen. Ob sie Lebensmittel im Zelt gelagert hatten, konnten die Ranger nicht beurteilen. Während ihrer Abwesenheit hatten Elefanten versucht, an irgendetwas im Wagen heranzukommen und dabei das Dachzelt völlig demoliert. Es war kaum noch als solches zu erkennen. Wir sahen es uns später an, da es als Schrott einfach zurückgelassen worden war.



Verständlich, dass man bei einem solchen Anblick Angst bekommen kann.
Am Nachmittag drehten wir eine weitere Runde durch die Gegend um Xakanaxa. Vorbei an Luigis Pool und durch Dead Tree Island entdeckten wir wieder viele Vögel.

Rotschnabelmadenhacker







Afrikanischer Wiedehopf



Grünschwanz-Glanzstar



Ein Wasserwaran schlängelte sich durch das Gras auf der Suche nach Beute.



Die Pools waren weitgehend ausgetrocknet. Es gab viel Schlamm und trockenen Matsch und nur in der Mitte einige übrig gebliebene Tümpelchen. Vereinzelt lagen Krokodile reglos am Ufer, und ein großer Reiher versuchte sein Glück im Fischen.





Silberreiher







Immer wieder passierten wir Herden von Impalas oder Zebras, beobachteten Meerkatzen und schlängelten uns dabei langsam wieder die gewundenen Wege in Richtung und durch die Paradise Pools.





Und noch ein Wiedehopf





Gabelracke



Bei den Paradise Pools waren wir schließlich ganz alleine. Obwohl keine Tiere anwesend waren, blieben wir eine knappe halbe Stunde und sahen fast andächtig dabei zu, wie sich Licht und Schatten auf Gräsern, Bäumen und im Himmel änderten und die Landschaft in die unterschiedlichsten Pastelltöne getaucht wurde. Mal wieder der absolute Luxus.









Auf dem Weg zur Campsite begegnete uns noch eine kleine Elefantenfamilie. Ein Elefantenkind hatte eine Verletzung am Rüssel, die aber schon recht gut verheilt war. Wenn der Kleine größer wird, wird er es sicherlich nicht leicht haben.











Zurück auf der Campsite hatten Helga und Michael bereits Feuer gemacht und Kartoffelscheiben mit Speck gedünstet. Wir grillten dazu Wildfleisch, und Ruth machte noch einen Rote Beete Salat. Nach dem Spülen saßen wir ein wenig draußen, als eine Scops Owl rief und eine Hyäne im Gras auftauchte. Hippos grunzten, Elefanten grollten, und wir fühlten uns rundum wohl.





Kilometer: 61
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06 Jan 2020 20:48 #576705
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Tag 9 – 21. Oktober 2018 – Ein großes Donnerwetter

Xakanaxa – Khwai Concession

Kurz vor halb sechs standen wir bei etwa 18 Grad auf und fuhren ohne Frühstück mit einem kurzen Halt bei den Ablutions los.





Der erste Weg führte uns wie üblich in die Paradise Pools, wo wir im Morgenlicht einige Vögel entdeckten.







Grünschenkel



Stelzenläufer





Kampfläufer



Nilgänse



Bruchwasserläufer



Auf einem Baum saßen einige Karminspinte, für eine gute Fotoperspektive jedoch zu hoch. Sie spähten nach Insekten und flogen in großen Schleifen von einem Aussichtsast zum nächsten.



Ein Grünschwanz-Glanzstar sammelte Nistmaterial.



Auf direktem Weg



fuhren wir schon bald nach Osten und machten beim Dombo Hippo Pool eine lange Frühstückspause am Tisch unterhalb des Hides.





Im Wasser lagen einige Flusspferde, die ab und an zufrieden grunzten und sich hin und her rollten, und im Gras saßen wieder viele Libellen.







Einige Enten hockten im seichten Uferwasser, darunter auch die hübschen Witwenenten.



Hagedasch-Ibis



Wir ließen uns viel Zeit, beobachteten während des Frühstücks Graufischer, Gänse, Hammerkopf und Blatthühnchen und freuten uns an den warmen Sonnenstrahlen. Danach stiegen wir noch auf den Hide, dessen Treppe mit den Jahren auch immer wackeliger wird.
Als es wieder heißer und schwüler wurde, fuhren wir auf dem Hauptweg weiter zum Khwai North Gate und verließen für heute den Moremi über die Holzbrücke.





In Khwai Village hielten wir am „Colgate“-Shop und kauften Feuerholz. Helga und Michael stockten ihre Wasservorräte auf. Was für ein gut sortierter Laden! Sie fanden sogar den so lang vermissten Topfschwamm. ;)



Als wir auf dem Weg zur Khwai Concession auf der Brücke über den Fluss anhielten, verließ ein Hippo das Wasser und kam nach oben ein Stück in unsere Richtung. Nähere Bekanntschaft wollten wir dann aber einvernehmlich nicht machen, und der grimmige Geselle verschwand in den angrenzenden Büschen.

Blaustirnblatthühnchen









Auch im Gebiet der Concession war es abseits des Flusses sehr trocken. Viele Bäume hatten kein einziges grünes Blatt mehr.



Je näher wir dem Fluss kamen, umso mehr Laub besaßen die Bäume. Endlich stießen wir auch auf die ersten Elefanten, die den Schatten nutzten und sich mit ihren Ohren ein wenig Luft zufächelten, denn es war wieder sehr schwül.





Auf dem Weg zu unserer Campsite sahen wir einige unfertige Hütten, die – wenn sie eines Tages erwachsen sind – ein paar neue Ablutions werden könnten.

Letzte Änderung: 06 Jan 2020 20:51 von Eulenmuckel.
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06 Jan 2020 20:52 #576707
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Noch vor unserer Campsite trafen wir am Khwai auf eine Elefantenherde mit ein paar Jungtieren, die in den feuchten Flussauen stand und fraß. Die Kleinen spielten miteinander, rupften Gras wie die Erwachsenen und tranken zwischendurch etwas Milch bei ihrer Mutter.



















Auf der Suche nach unserem Stellplatz fuhren wir am Fluss entlang und kamen an anderen Campsites vorbei. Die Nummer 4 war von vier Leuten besetzt. Als wir um ein Gebüsch bogen, trauten wir unseren Augen nicht. Drei von ihnen saßen mit Badeanzügen zwischen Campsite und Fluss in einem aufblasbaren Planschbecken und kühlten sich ab. Wir waren so perplex, dass wir ihnen lediglich zuwinkten und weiterfuhren. Erst ein paar Sekunden später realisierten wir, was wir gerade gesehen hatten: Ein Planschbecken am Khwai. Im Nachhinein bedauern wir zutiefst, die Leute nicht um die Erlaubnis für ein Foto gefragt zu haben. Das glaubt uns doch kein Mensch! So etwas werden wir dort wohl nie wieder zu Gesicht bekommen.
Wir brauchten ein bisschen, bis wir unseren Stellplatz Nummer 2 gefunden hatten. Der große, staubige Platz lag nicht am Fluss, sondern etwas abseits unter großen Akazien. Das Toiletten-Gebäude auf der Wiese war ebenfalls noch nicht fertiggestellt, und so hob Michael ganz motiviert neben einem umgestürzten Baumstamm ein Loch für unseren Toilettengang aus. Etwas enttäuscht war er dann, als niemand von uns diesen Donnerbalken auf dem Präsentierteller benutzen wollte. War die Stelle doch von allen Seiten, außer von unserer Site ziemlich einsehbar. Stattdessen verschwand Ruth hinter einem Busch und trat sich dabei einen Dorn durch ihre Crocs in den Fuß, der beim Herausziehen abbrach. Na wunderbar! Same procedure as every year: Sie humpelte zurück zum Auto und war in den nächsten zehn Minuten leider nur mit mäßigem Erfolg damit beschäftigt, den Holzsplitter aus ihrem Fuß herauszupopeln.
Wir richteten uns provisorisch auf dem Stellplatz ein und klappten die Dachzelte auf, da wir uns nach einer kurzen Brotzeit eigentlich zu einer verspäteten Mittagspause etwas hinlegen wollten.



Mit der Zeit zog sich der Himmel immer weiter zu, und es wurde dunkler.



Wir beeilten uns, aus Camembert, Brie, Butter, Zwiebeln und Gewürzen Obatzda zu knetschen. Dieser war gerade fertig, als die ersten Tropfen vom Himmel fielen. Obwohl wir gewettet hätten, dass die Wolken an uns vorbei ziehen, ging schließlich doch ein kurzer Schauer nieder. Schnell räumten wir alles ins Auto und klappten auch das Zelt wieder ein. Danach saßen wir im Wagen, aßen Schwarzbrot mit Obatzda und beobachteten das für uns so ungewohnte Wetter in Botswana. Während nicht viele, dafür aber dicke Tropfen auf unsere Scheibe klopften, operierte sich Ruth in einer langwierigen Aktion mit einer Splitterpinzette und feuchten Händen den abgebrochenen Dorn aus dem Fuß. Die Dame stellt sich da immer ein wenig an.
Nach der Pause brachen wir – immer noch von dunklen Wolken begleitet – zu einer Nachmittagspirsch entlang des Flusses auf.







Außer ein paar Elefanten und Wasserböcken waren dort aber nicht mehr viele Tiere zu entdecken.





Graufischer



Wir waren noch nicht weit gekommen, als wir an einer Stelle zwei offene Safari-Autos fernab des Weges sahen. Wir näherten uns vorsichtig und konnten bald erkennen, warum sie dort standen: Ein Rudel Wildhunde lag verteilt um ein Gebüsch herum. Wir stellten uns dazu und beobachteten die Hunde. Es war ein großes Rudel mit einigen Jungtieren.







Anfangs waren sie noch träge, wurden dann aber langsam munter, gähnten und sprangen umeinander.













Immer mehr Safari-Wagen trafen ein und rangierten wild umher. Die meisten waren dabei sehr rücksichtsvoll und versuchten, weder Hunde, noch andere Autos zu bedrängen. Ein wenig Mitleid hatten wir mit einem Guide, der seinen Gästen die Lebensweise der Hunde näherbringen wollte. Diese waren aber augenscheinlich gelangweilt und mehr an Chips, Erdnüssen und Getränken interessiert, die sie sich unter lautem Palaver von ihrem Fahrer reichen ließen.
Die Hunde wurden zusehends unruhiger und liefen schließlich in einer langen Reihe hintereinander zur nahegelegenen Wasserstelle um zu trinken. Auch der Autokorso setzte sich in Bewegung und folgte ihnen.



Durch die Wolken war das Licht bereits eine Stunde vor Sonnenuntergang sehr trüb. So verzichteten wir darauf, uns der Schlange am Wasserloch anzuschließen, wünschten den Hunden eine erfolgreiche Jagd/ Nacht und machten uns schon recht früh auf den Rückweg. Dieser frühe Rückzug sollte sich später noch als Glücksfall herausstellen.
Zurück an den Campsites sahen wir, dass der Stellplatz Nummer eins noch frei war. Dieser gefiel uns viel besser als unserer und lag auch näher am Wasser. Da wir davon ausgingen, dass heute keine weiteren Camper mehr eintreffen würden, zogen wir um und schlugen dort unser Lager auf. Besonders freuten wir uns über einsetzendes Löwengebrüll auf der anderen Flussseite.
In der Mitte des großen Platzes starteten wir die Vorbereitungen für das Abendessen: Wir machten Feuer, wickelten Kartoffeln in Folie, rührten Quark und Joghurt mit Knoblauch und Kräutern an. Helga und Michael schnitten Gemüse und dünsteten es in der Pfanne. Wieder zog der Himmel zu, und wir beobachteten sorgenvoll das Wetter. Wie nachmittags hofften wir, dass es kein Unwetter geben würde, als plötzlich von einem Moment auf den nächsten der Wind deutlich zunahm. Wir wussten gar nicht, wie uns geschah, als der aufkommende Sturm unsere Sachen vom Tisch wehte, Stühle umfielen und schließlich die volle Gemüsepfanne von Helgas Gaskocher kippte. Alles landete im Sand, und wir versuchten, möglichst schnell die Einzelteile an uns zu raffen und im Auto in Sicherheit zu bringen. Der Sturm wirbelte uns den Staub in die Augen, und die Funken unseres Feuers wurden weit in die Grasebene gepustet, so dass wir schon befürchteten, das ganze Veld in Brand zu stecken. Es war gar nicht so einfach, die Flammen zu ersticken. Wir zogen zwar die brennenden Scheite auseinander, der Sand, den wir darauf schaufeln wollten, wehte aber in alle Richtungen davon.
Zusammen mit dem Wind setzte auch wieder Regen ein. Diesmal fielen aber keine einzelnen Tropfen, sondern wahre Sturzbäche ergossen sich vom Himmel, und wir flüchteten ins Fahrzeuginnere, nachdem wir alles Schützenswerte ebenfalls irgendwo ins Auto geschmissen hatten. Da saßen wir nun im Dunkeln und spürten, wie der Sturm den Wagen hin- und herschaukelte. Um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten, stieg Uwe nochmal aus, um das Dachzelt herunterzuklappen. Die wenigen Handgriffe, die normalerweise in einer Minute erledigt sind, erwiesen sich an diesem Abend als unmöglich. Da der Wind von hinten kam, gelang es Uwe selbst unter Aufbietung aller Kräfte und unter Einsatz seines Körpergewichts nicht, das Zelt an dem langen Band herunterzuziehen. Erst als Ruth zu Hilfe kam und zusätzlich mit anpackte, konnten wir den Buschcamper schließen.
So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Das Unwetter hatte etwas von einem Hexentanz. Windzerzaust, staubig und nass begann für uns zurück in der Fahrerkabine ein langer Abend. Dass es mit einem Abendessen nichts mehr würde, war ziemlich schnell klar. Das Gemüse lag im Sand, das Fleisch lag ungegrillt in einer Schüssel. Zwar stand der lecker angerührte Quark hinter uns auf dem Kühlschrank und verströmte einen zunehmenden Knoblauch-Geruch, aber unser Brot lag für uns unerreichbar hinten im Aufbau. Nun gut, ein verpasstes Abendessen würde uns nicht umbringen. Wir angelten uns stattdessen ein paar Getränke aus dem Kühlschrank und tauschten uns mit Helga und Michael per Funk aus, die ebenfalls in ihrem Auto gefangen waren.
Zu Regen und Wind gesellten sich bald die ersten Blitze. Zusammen mit dem Donner konnten wir gut beobachten, wie das Gewitter stetig näher kam. Hier am Khwai gefiel es ihm aber offensichtlich genau so gut wie uns, denn es wollte einfach nicht weiterziehen. Dies war auch der Grund, warum wir uns nicht einfach ins Zelt legten. Einen möglichen Blitzeinschlag in den Dachcamper wollten wir nicht unmittelbar unterhalb des Metalldaches erleben.
Während wir ein wenig ratlos im schaukelnden Auto verharrten, mäanderten die Scheinwerfer der letzten heimkehrenden Gamedrives in einiger Entfernung durch die dunklen Regenschwaden. Die Lichter zwischen den Bäumen hatten etwas Gespenstisches. Wir konnten uns gut vorstellen, wie es den armen Menschen auf den offenen Fahrzeugen erging und wie wohl die Stellplätze der anderen Camper aussahen, die nicht rechtzeitig zurück gewesen waren, um ihre Sachen in Sicherheit zu bringen. Während wir zumindest im Trockenen saßen, sahen wir auf den Nachbarcampsites Taschenlampenkegel durch den Regenguss wabern. Auch hier wurden in aller Hektik die Sachen geschnappt, die noch zu retten waren.
Wir starrten gebannt auf die immer näher kommenden Blitze, die in wildem Zickzack die Dunkelheit durchschnitten, und Michael gelang es sogar, ein paar von ihnen mit der Kamera einzufangen.





Mit der Zeit wurde uns kalt, und wir vermissten unsere warmen Schlafsäcke. Zum Glück hatten wir zum Schutz unseres Fotoapparates eine Decke untergelegt, die wir nun hervorzogen.



So dösten wir nach einigen Stunden des Blitze-Guckens immer wieder ein, bis uns der Knall eines besonders lauten Donners aufschreckte. Zwischendurch unterhielten wir uns mit Helga und Michael. Uwe bemerkte einen Balken Empfang auf dem Handy und schrieb eine SMS an die liebe Bele nach Deutschland, um sich nach der aktuellen Wettersituation zu erkundigen.



Als weit nach Mitternacht das Gewitter endlich ein Stück weitergezogen war und wir uns sicher genug fühlten, klappten wir die Zelte auf und krochen müde und erleichtert in die Schlafsäcke.

Kilometer: 100
Letzte Änderung: 07 Jan 2020 21:10 von Eulenmuckel.
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12 Jan 2020 14:27 #577143
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Tag 10 – 22. Oktober 2018 – Khwai at its best

Khwai Concession – North Gate, Moremi

Was für eine Nacht! Nach dem Abzug des Gewitters hatten wir noch bei Regen das Zelt aufgeklappt und uns endlich in unsere warmen Schlafsäcke gekuschelt. Draußen prasselten die Tropfen auf das Dach des Bushcampers. Da wir todmüde waren, dauerte es trotzdem nicht lange, bis wir eingeschlafen waren. Mit Sonnenaufgang standen wir auf. Der Regen hatte aufgehört, aber der Himmel war weiterhin wolkenverhangen, und die Sonne hatte ihre liebe Mühe, sich hindurch zu kämpfen, was für eine dramatische Färbung sorgte.







Von unserer überhasteten Flucht in den Camper war an diesem Morgen nicht mehr viel zu sehen. Unsere Feuerstelle war nicht mehr erkennbar, lediglich Stühle und Tisch lagen zusammengeklappt draußen im Staub oder im Gras. Wir hatten wirklich Glück gehabt, zu Beginn des Unwetters bereits in unserem Camp gewesen zu sein. Beim Aufklappen von Ruths Stuhl entdeckten wir einen kleinen, gutgelaunten Frosch, der hier Unterschlupf gesucht hatte.





Wir räumten alle Sachen auf und ordneten die Dinge im Auto. Uwe kochte Kaffee und Tee, und Ruth putzte die Scheiben. Die Luft war frisch und klar, der Himmel vollständig bewölkt.



Wir fuhren am Khwai entlang Richtung Südwesten. Im Gegensatz zu gestern Nachmittag sahen wir keine Elefanten. Als von rechts ein Gamedrive-Fahrzeug aus dem Gebüsch kam, deutete der Fahrer in die Richtung, aus der er gekommen war. Wir folgten seinem Tipp und schlugen die Fahrspur ein. Bereits nach hundert Metern sahen wir noch andere Autos im Dickicht stehen. Dort lag ein Elefantenkadaver und müffelte vor sich hin. Lebendig sind sie uns eindeutig lieber!



Im Gebüsch schlief ein großes Löwenmännchen und bewachte mehr oder weniger motiviert seine Beute. Meist hielt es die Augen geschlossen und bewegte sich kaum. Weißrücken- und Kappengeier saßen auf den Bäumen bzw. machten sich an dem Aas zu schaffen.

Kappengeier





Hatten sich die Vögel endlich vorsichtig bis zum Kadaver vorgepirscht, musste der Löwe sichtlich widerwillig seiner Arbeit nachkommen, aufspringen und die Futterkonkurrenten verscheuchen.



Nach zwei halbherzigen Attacken auf die Geier entschied er schließlich, dass die Vögel seine Anstrengungen nicht wert waren und legte sich erschöpft unter einen Busch. Zuvor scharrte er allerdings mehrfach verärgert Sand über den Elefanten und kratzte auch an verschiedenen Stellen den umliegenden Boden auf. Wir haben keine Ahnung, ob er wirklich verärgert war. Vielleicht weiß jemand sein Verhalten besser zu erklären.



Schmarotzermilan



Auch Helga und Michael trafen bald ein, und obwohl der Löwe ziemlich inaktiv war und meist nur herumlag, blieben wir doch fast eineinhalb Stunden vor Ort.





Der Elefant war aus naheliegenden Gründen ebenfalls sehr träge und stank bestialisch nach Verwesung. Regelmäßig wehte eine süßlich-moderige Schwade durch unser Auto. Es war widerlich. Wir rangierten ein wenig herum. Aus einer anderen Perspektive war der Gestank ein wenig besser zu ertragen, und so nutzten wir die Wartezeit, um den restlichen Obazda von gestern mit Schwarzbrot zu verspeisen. Als wir schließlich selbst nicht mehr so genau wussten, auf was wir eigentlich warteten, tat uns der Kater den Gefallen, noch einmal seinen Kopf zu heben, und wir verabschiedeten uns.





Weiter ging es durch die Khwai Concession. Eigentlich wollten wir immer am Fluss entlang fahren. Es gab jedoch noch ein paar Seitenarme, die wir uns nicht trauten zu durchqueren. An einer Stelle hatten wir schon andere Fahrzeuge bei der Wasserdurchfahrt gesehen. So konnten wir ebenfalls erfolgreich einen Wasserarm überwinden. Michael zeigte uns eine Giant Eagle Owl (Milchuhu) in einem Baum.





An einer Stelle standen mehrere Autos in der Nähe eines Baumes. Schon von weitem war der Grund hierfür schnell ausgemacht: Wir sahen einen Leoparden auf einem Ast liegen.





„Leopard im Baum“ – so sehen Safariträume aus. Mit Leoparden waren wir in unseren Urlauben bisher nicht so reich gesegnet, mit solchen im Baum erst recht nicht. Daher freuten wir uns sehr über diese Sichtung. Das schöne Tier lag zunächst entspannt, gähnte von Zeit zu Zeit und besah sich den Trubel unter ihm.



Mittlerweile hatten sich mit uns bereits sieben Autos unter seinem Ausguck versammelt. Das war ihm dann wohl doch ein wenig viel. Der Leopard erhob sich,



besah sich die Lage erst von der einen,



dann von der anderen Seite



und sprang vom Baum. Für einen kurzen Moment entschwand er unserem Blickfeld, lief um die Autos herum und kam direkt vor uns wieder aus dem Gras heraus. Das war wirklich ausgesprochen kooperativ von ihm.





Er lief ein Stück entlang der hohen Gräser parallel zu unserer Spur, leckte sich hin und wieder seine Schnauze, auf welcher sich ein kleiner blutiger Kratzer befand und überquerte schließlich vor uns die Pad, bevor er im Gebüsch verschwand.







Außer uns suchten noch drei Guides nach dem Leo. Bisher waren wir rückwärts vor ihm her gefahren. Nun wendeten wir und konnten ihn tatsächlich noch einmal zwischen den Büschen und ein kurzes Stück dahinter auf dem Weg entdecken.







Seine Verfolger zerstreuten sich, und wir wogen unsere Möglichkeiten ab. Würde der Leo seine Richtung beibehalten, so würde er irgendwann den Fluss erreichen. Bis dahin war es jedoch noch ein ziemliches Stück. Trotzdem beschlossen wir, es zu versuchen und auf seinen Durst zu setzen.
Um die von uns auf der Karte auserwählte Stelle zu erreichen, mussten wir einen ziemlichen Umweg auf uns nehmen, aber unsere Hartnäckigkeit wurde belohnt. Nach einigem Warten und Suchen, entdeckten wir das Fleckentier erneut. Der Leopard saß etwas erhöht neben einem Baum auf einem Termitenhügel und beobachtete die Umgebung.



Als er sich niederlegte, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter. Wieder einmal verloren wir uns im verwirrenden Wegenetz. Bis wir einen gewünschten Abzweig realisiert hatten, waren wir auch schon daran vorbei gefahren. Nicht schlimm – alle Wege führen zum Khwai!
Wir begegneten noch einem Trupp Elefanten, der ebenfalls am Fluss seinen Durst löschte



und mussten noch eine etwas tiefere Furt überwinden,





bevor wir irgendwann die Hauptstraße Richtung Khwai erreichten. Auf allen Straßen standen kleine und große Pfützen vom gestrigen Regen.



Letzte Änderung: 12 Jan 2020 15:32 von Eulenmuckel.
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12 Jan 2020 14:33 #577144
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Am North Gate checkten wir wieder in den Moremi ein, als gerade zwei südafrikanische Gespanne mit Wohnanhänger und völlig entnervten Insassen den Park verließen. Sie seien heute von Third Bridge gekommen und hatten mehrfach aus dem Matsch geborgen werden müssen. Die Strecke sei im Moment für sie nicht passierbar.
Auch um das North Gate herum sahen die Wege lustig aus. Alleine zum Camp mussten wir tiefe Matschlöcher und schlammige Spurrillen umkurven. Es war gar nicht so einfach, unseren Stellplatz zu erreichen. Dort machten wir eine Mittagspause und aßen Apfel- oder Nutella-Pfannkuchen und Nudeln von Helga und Michael.



Mit uns speiste auch ein Meves Glanzstar, der um uns herum Fluginsekten fing.





Eine Schar Braundrosslinge veranstaltete in der nahegelegenen Pfütze ihren Badetag. Die geschwätzigen Gesellen haben im Trupp ohnehin ein keckes Auftreten, sahen in nassem Zustand aber noch verwegener aus.









Michael musste zwischenzeitlich ein paar zu aufdringliche Meerkatzen in ihre Schranken weisen, und wir passten höllisch auf, dass uns nicht irgendein flinker Affe den Pfannkuchen vom Teller stahl, während wir von den Vögeln abgelenkt wurden.



Rotschnabeldrossel



Meckergrasmücke



Bennettspecht auf der Suche nach Ameisen.



Dann spülten und duschten wir und machten uns allein auf in Richtung Osten. Entlang des Flusses war alles sehr grün und von hohem Gras bewachsen.

Junger Sattelstorch



Wir sahen einige Hippos und Wasserböcke, wenige Zebras. Es war wirklich nicht viel los, aber wir genossen die Abendstimmung.





Blaustirnblatthühnchen



Besonders schön waren zwei Elefanten, die vor der untergehenden Sonne durch den Fluss liefen.









Zum Abendessen grillten wir das Fleisch von gestern und machten Kartfoffeln mit unserem Tsatsiki. Es schmeckte sehr gut, war aber auch recht viel. Beim Abspülen passierten die ersten Elefanten unseren Campingplatz. Als wir schon im Zelt waren, liefen noch ein paar weitere Elefanten in unmittelbarer Nähe an uns vorbei. Die ganze Nacht über raschelte und knusperte es um unser Zelt herum.

Kilometer: 54
Letzte Änderung: 12 Jan 2020 14:34 von Eulenmuckel.
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18 Jan 2020 19:21 #577703
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Tag 11 – 23. Oktober 2018 – Nicht viel los am Northgate

North Gate, Moremi

Wir verbrachten einen ganzen Tag am North Gate. Nach dem Aufstehen bei Sonnenaufgang fuhren wir bald schon los nach Osten. Entlang des Khwai war es ähnlich ruhig wie am Vorabend. Ein paar Hippos lagen im Fluss, Wasservögel standen am Ufer, und Letschwes, Wasserböcke und Zebras liefen über die Flutebenen.













Alle Tiere wirkten ruhig und entspannt, so dass auch nicht davon auszugehen war, dass sich etwas im Gebüsch versteckte. Kein angestrengtes Schauen in eine bestimmte Richtung, kein Alarmschnauben. Womöglich waren alle Grasfresser genauso blind wie wir, die Beuteschleicher besonders gut verborgen, auf Urlaub oder einfach nur satt. Mit der Löwen- und Leopardensichtung von gestern konnte der heutige Tag diesbezüglich also nicht mithalten. Ein paar Vögel ließen sich aber überall entdecken.

Graufischer



wieder mal ein Coucal



Waffenkiebitz



Mangrovenreiher



Wir fuhren sehr weit nach Osten am Fluss entlang und anschließend auf einem weiter vom Wasser entfernten Weg wieder zurück zum Camp. Nach dem Regen waren viele Löcher auf der Pad noch mit Wasser und Schlamm gefüllt. Uwe versuchte, sie so gut wie möglich zu umfahren. Wo es nicht ging, steuerte er den Wagen mittig hindurch – nicht zu langsam, um nicht in einer matschigen Untiefe stecken zu bleiben. Dies führte zwangsläufig dazu, dass das schwarze Modderwasser am Auto hochspritzte. So sah der Wagen hinterher nach deutlich mehr Abenteuer aus, als es tatsächlich war.

Mohrenmeise



Büffelweber



Schneeballwürger







Am Ende des Vormittagsdrives fuhren wir auch noch ein Stück nach Westen. Aber auch hier war es sehr ruhig. Ein Schabrackenschakal stand auf der Ebene, und am Fluss beobachteten wir einen Ibis, der sich mit einem erbeuteten Frosch abmühte. Da er ihn im Ganzen nicht schlucken konnte, versuchte er, Teile herauszupicken. Erschwert wurde sein Tun durch einen weiteren Ibis sowie einen Reiher, die ihm auf den Fersen waren. Immer wieder nahm er seine Beute auf und lief ein Stück weiter, bis plötzlich alle drei Vögel abhoben und den Frosch zurückließen. Ein Schreiseeadler war gestartet und hatte für den Alarm gesorgt.



Auf dem Rückweg ins Camp sahen wir noch ein paar Brachschwalben



und einen kleinen Trupp Wasserböcke.







Wir machten eine lange Mittagspause und frühstückten Spiegeleier – drei Eier hatten die letzte Fahrt überlebt, der Rest war zerdeppert – die letzte Scheibe Vollkornbrot, Möhren mit Kräuterfrischkäse, Rauchfleisch, Müsli und Camembert. Obwohl das Picknick ausschließlich aus Resten bestand, schmeckte es sehr gut. Dazu gab es Kaffee und Saft.



Da wir nur noch zwei Portionen Fleisch hatten, stellten wir das Gefrierfach auf Normaltemperatur und konnten es nun auch für Getränke nutzen.
Wir bestellten bei einer Campangestellten Brennholz. Für eine halbe Schubkarre bezahlten wir 50 Pula. Auf der Campsite kamen immer wieder ein paar Vögel vorbei, insbesondere zwei Spechte, die auf dem Boden nach Termiten pickten.



Bronzeflecktaube



Bennettspecht



Weiblicher Büffelweber



Braundrossling





Im Himmel beobachteten wir ein für uns besonderes Phänomen, eine sogenannte Halo. Rund um die Sonne war ein kreisförmiger Bogen zu sehen, einem Regenbogen ähnlich. Innerhalb des Kreises war es etwas dunkler. Es sah äußerst faszinierend aus. Wir hatten so etwas bisher noch nicht gesehen.









Ruth hielt ein Mittagsschläfchen, und später gingen wir zum Duschen. Erst danach brachen wir zur Nachmittagsrunde auf. Wieder fuhren wir am Fluss entlang nach Osten, aber nicht einmal die Wasservögel konnten uns heute so richtig begeistern.
Nach einer Woche Moremi ist irgendwie der Elan dahin. Wir waren nicht unzufrieden, uns fehlte nur ein wenig die Motivation, neue Wege zu erkunden. So beschlossen wir, uns mit unserem kleinen Safari-Burnout nicht allzu weit vom Camp zu entfernen, sahen den Hippos eine ganze Weile beim Baden zu und beobachteten einen Waran.















Auf dem Weg zurück ins Camp sahen wir die Tiere vom Vormittag. Sie hatten sich ähnlich wie wir nicht sonderlich weit fortbewegt.









Als wir North Gate erreichten, hatten Helga und Michael bereits Feuer gemacht. Heute gab es Folienkartoffeln mit dem restlichen Tsatziki, Eland-Steaks und Bohnensalat. Es war wieder besonders lecker. Viele große Falter umschwärmten uns und hatten es in erster Linie auf unsere Weinbecher abgesehen. Wir spülten, packten alles zusammen und saßen noch ein wenig am Feuer. Morgen steht eine sehr lange Fahretappe bis Shakawe auf dem Plan.

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