THEMA: Was tut Frau alleine in Botswana?
05 Mai 2019 11:19 #555492
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Der nachfolgende Reisebericht entstand 2012 nach meiner letzten langen Reise nach Südafrika und Botswana. Ursprünglich schrieb ich ihn für ein kleines Reisemagazin, welches ihn aber nie veröffentlichte. Seither schlummert er ungelesen auf meiner Festplatte. Nun möchte ich den Bericht euch gerne zum Lesen zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt deswegen, weil ich viele Ideen und Entscheidungen diesem Forum verdanke! An dieser Stelle, vielen Dank dafür!
Lediglich die erste Hotelnacht, einen Kurs und den Mietwagen hatte ich damals vorgebucht. Einzig das Delta und einige Offroadstrecken standen als Reiseziel fest. Der restliche Reiseverlauf entstand erst während der Reise.

Ich wünsche euch viel Spass und Freude beim Lesen!
Herzlichst Madeleine






Was tut Frau alleine in Botswana?
Eine Offroadtour mit dem Land Rover


Einmal im Leben ins Okavango Delta, ein Traum der sich schon vor langer Zeit in meinem Kopf festgesetzt hat. Endlich soll dieser Traum nun in die Realität umgesetzt werden. Obwohl ich schon mehrere Male im südlichen Afrika unterwegs war, hätte ich diese grosse Reise gerne mit einer Partnerin oder einem Partner unternommen. Doch es kam alles ganz anders und ich machte mich, trotz allen Unkenrufen von Freunden und Familie, alleine auf den Weg. Drei wunderschöne Monate verbrachte ich dabei im südafrikanischen Busch zwischen Wildtieren und Gleichgesinnten.

Nach einer schlaflosen Nacht im Flugzeug, wegen der Abschiedsgefühle und der Vorfreude, lande ich in Johannesburg. In der Ankunftshalle werde ich bereits von Liza erwartet, die mich ins Hotel bringt, welches ich für die erste Nacht gebucht habe. Im Hotel angekommen, lerne ich die ersten Personen kennen, die zusammen mit mir einen Field Guide Kurs besuchen.
Das Hauptziel meiner diesjährigen Afrikareise ist eigentlich das Okavango Delta. Doch schon seit ich das erste Mal in Südafrika war und die Ausschreibung für diesen Kurs entdeckt habe, träume ich davon daran teilzunehmen. Der Kurs dient mir aber auch als Vorbereitung auf meine bevorstehende Reise durch Botswana, denn gerade die Fahrausbildung mit dem 4x4 wird mir sicher von Nutzen sein.

Der Wecker klingelt, es ist 5.30 Uhr, vor uns liegt nun eine 7-stündige Fahrt im Minibus. Es ist beinahe die ganze Fahrt über auffallend still. Man kennt einander nicht und hat ausser ein wenig Smalltalk noch nichts, worüber man sprechen könnte.
Die Busfahrt führt uns in die Makuleke Concession, eingebettet zwischen den beiden Flüssen Limpopo und Levhuvu, dem nördlichsten Teil des Krüger Nationalparks. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Denn als ich vor vier Jahren das erste Mal im Krüger Nationalpark war, bin ich nicht so weit in den Norden gereist.

Lagerleben.
Ich bin überwältigt! Ich komme mir vor, als wäre ich mitten im Urwald. Die grossen Bäume, die vielen Vögel und der Geruch der Wildnis lassen mich den Alltagsstress von zuhause nun endgültig vergessen. Wie in einem Märchenfilm bewege ich mich durch das Camp und bestaune mein neues Zuhause auf Zeit.
Während dem Abendessen sitze ich neben drei Mosambikanern, die den Kurs besuchen, um in ihrer Heimat den Naturtourismus zu fördern. Im Gespräch mit Mussa erfahre ich viel über ihr Projekt, das von einem kanadischen Investor unterstützt wird und viele neue Arbeitsplätze schaffen soll. Die Hälfte seines Dorfes konnte dank des Projekts bereits eine Ausbildung absolvieren. Fasziniert schaue ich mir die Fotos auf seinem Handy an, auf denen ich Menschen sehe, die mit sehr viel Freude ein Schulhaus errichten. Alle helfen mit, Frauen, Männer, Alte und sogar die Kinder. Das ist noch Gemeinschaft! Etwas traurig denke ich an unsere Schweizer Gesellschaft zurück. Geht uns dieses Gefühl von Gemeinschaft langsam verloren? Neben den drei jungen Männern fühle ich mich mehr und mehr wie ein Greenhorn. Ich merke, dass ich trotz aller Vorbereitung und früherer Reisen genau keine Ahnung habe, wie die Menschen hier wirklich leben und denken.





Der tranceähnliche Zustand, in dem ich mich befinde, lässt mich kaum schlafen. Ich bin aufgeregt und lausche den Hyänen bis tief in die Nacht hinein. So erwache ich dann am nächsten Morgen, bevor der Wecker klingelt. Im Dunkeln taste ich nach meiner Stirnlampe, denn Strom gibt es keinen im Camp. Es ist 4.15 Uhr. Ich ziehe mich an und gehe zum Gemeinschaftsdeck. Ausser dem Campleiter und mir ist noch niemand dort. Erst nach und nach bewegen sich einzelne Stirnlampenlichter zum Deck, die wie Glühwürmchen durch die noch dunklen Morgenstunden schweben. Alle stehen wir um die Feuerstelle mit einem Kaffee in der Hand. Die Stirnlampen haben wir ausgemacht, damit wir uns nicht gegenseitig blenden. Noch bevor die Sonne aufgegangen ist, erklärt uns der Instruktor die wichtigste Verhaltensregel für den afrikanischen Busch „What ever you do, don’t run!“ Denn alles, was davonrennt, wird von den Raubtieren als potenzielles Futter angesehen.
In den ersten Tagen geht es erst mal darum, sich neues Wissen anzueignen, denn so gut wie alles ist Neuland. Doch bald pendelt sich der Alltag ein, schlafen, essen, hinausgehen, lernen und wieder hinausgehen. Abwechslung bieten besondere Begegnungen und Beobachtungen mit den Wildtieren. Wir haben öfter mal Besuch von Elefanten im Camp und können einmal richtig lange einem jungen Leoparden-Weibchen folgen.

Die Zeit im Kurs ist anstrengend. Der Aufwand lohnt sich jedoch in jeder Hinsicht. Noch nie war ich so weit weg von jeglicher Zivilisation, kein Internet, kein Handyempfang, nur die Weiten Afrikas. Ich bin überrascht über den meditativen Effekt, der diese Situation auslösen kann und beschliesse darum auch nach der Reise, mehr Zeit in der Natur zu verbringen.
Meinem Ziel, mit dem Land Rover durch Botswana zu reisen, komme ich nun immer näher. Der Kurs ist bald zu Ende und damit auch meine fachliche Vorbereitung für die Reise. Mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge, nehme ich Abschied von den Menschen, die in den vergangenen Wochen sehr wichtig für mich geworden sind. Wir tauschen Telefonnummern aus und versprechen uns gegenseitig zu besuchen.



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Letzte Änderung: 05 Mai 2019 11:46 von osprey.
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05 Mai 2019 11:34 #555494
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Willkommen in Botswana!
Der Mietwagen ist schnell gefasst, ein Land Rover TD5. Doch die Fahrt zur Grenze zieht sich in die Länge. Unendlich viele Baustellen befinden sich ausgerechnet auf meiner Strecke. Nach gefühlten 100 Stunden komme ich erschöpft in Polokwane an. Nach der intensiven Zeit im südafrikanischen Busch, sitzt mir der Kulturschock in den Knochen. Der Verkehr und die vielen Menschen überfordern mich. Trotzdem raffe ich mich auf und gönne mir an der Hostelbar ein gutes Abendessen. Es dauert nicht lange, da werde ich von Peter angesprochen. Ich erzähle ihm von meinen Reiseplänen durch Botswana und er hört mir gespannt zu. Auf einmal springt er von seinem Stuhl auf und verschwindet für kurze Zeit in seinem Zimmer. Zurück kommt er mit vielen Strassen- und Landkarten. Er erklärt mir, dass er geschäftlich auch schon öfter in Botswana unterwegs war und zeigt mir die Strassen, die gut befahrbar sind und diejenigen, die ich aus Sicherheitsgründen besser meiden sollte. Zum Abschied steckt er mir seine Visitenkarte zu. „Falls du irgendwann mal Hilfe brauchen solltest, dann ruf mich an!“. Erstaunt über diese Geste bedanke ich mich und gehe ins Bett. Was ich jetzt noch nicht weiss, am Ende meiner Reise werde ich im Besitz von 12 Visitenkarten sein.

„Willkommen in Botswana. Besuchen Sie zum ersten Mal unser Land?“ begrüsst mich die Zöllnerin freundlich, als ich das letzte Gate vom Grenzübergang Martin’s Drift passiere. Ja, es ist tatsächlich mein erster Besuch in Botswana und ich bin gespannt was mich erwartet. Mit neuem Elan fahre ich ohne einmal anzuhalten, bis nach Serowe. Mir fallen sofort die Menschen auf, die entlang der Strasse sauber machen und die Büsche und das Gras schneiden. Ein Bild, das man im Nachbarland Südafrika nur selten antrifft. Auch später auf meiner Reise werde ich immer wieder feststellen, dass Botswana zu den saubersten und organisiertesten Ländern Afrikas gehört.
In Serowe steht ein neues Einkaufzentrum. Ein guter Ort um endlich meine Vorräte aufzustocken und die Reservekanister vollzutanken. Etwas verloren, stehe ich vor einem grossen Gestell und suche Reis. 20kg-Gebinde werden hier zum Kauf angeboten. Eine Menge, die ich wohl kaum brauche. Da lächelt mich plötzlich ein uniformierter Mann an: „Kann ich Ihnen helfen?“. Sein Name ist Albert, er arbeitet als Ranger im Khama Rhino Sanctuary. Heute schaut er aber nicht zu den Tieren, sondern kauft Vorräte für die Kantinenküche ein. Dank ihm finde auch ich endlich Reis in einer Packungsgrösse, die offensichtlich nur für die Touristen ins Ladensortiment aufgenommen wurde.

Albert nimmt mich am nächsten Morgen zu Fuss mit auf ein Rhino Tracking. Er führt mich zu einer Gruppe Breitmaulnashörnern, die er bestens kennt. Eine der Kühe hat sogar ein Kalb, was die Begegnung für mich perfekt macht. Durch den dichten Busch sehen wir zwar immer nur einzelne Nashörner, doch noch nie fühlte ich mich diesen besonderen Tieren so nah wie jetzt.



Abseits der Strassen.
Lekhubu Island, eine Insel mitten in der Salzpfanne. Das tönt nach Abenteuer und nach Robinson Crusoe, dort möchte ich hin. Der Reiseführer, den ich dabei habe, rät aber in Sommermonaten ab, die Strecke dorthin zu befahren. Zu gefährlich sei es, wegen der vielen nassen Stellen. Doch diese Saison hat es erst wenig bis gar nicht geregnet und die Ranger haben mir bestätigt, dass auch die Salzpfannen für diese Jahreszeit sehr trocken und bestimmt befahrbar seien. Die Route zur Insel wird im Reiseführer eigentlich sehr genau beschrieben, aber nach dem Dorf Mmatshumo ist die Strasse plötzlich zu Ende. Mehrere Tracks zweigen ab. Doch welchen muss ich nehmen? Ich fühle mich wie in einem riesigen Labyrinth und verlasse mich nun voll und ganz auf mein Navi, das die Route zu kennen scheint. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt, denn seit dem letzten Dorf habe ich Niemanden mehr gesehen, nicht einmal Kühe oder Ziegen. Was ist, wenn mir jetzt etwas passiert? Ich schaue aufs Handy, kein Empfang! Umdrehen oder weiterfahren? Doch bevor ich mir eine Antwort überlegen kann, stehe ich am Rande der Sua Pan und blicke hinaus auf die weissen Weiten der Salzwüste. Meine Abenteuerlust wird mit neuem Adrenalin gefüttert, so überwältigend habe ich mir diese karge Landschaft nicht vorgestellt! Der Track liegt nun gut sichtbar vor mir und ebenfalls ein rostiger Wegweiser mit der Aufschrift „Lekhubu“.
Noch vor der Mittagszeit bin ich da und stelle den Landy sofort in den Schatten des grossen Chapman Baboab. Die hügelige Insel ist von bizarrer Schönheit. Die vielen Felsbrocken und die knorrigen Affenbrotbäume wirken wie eine Traumlandschaft.
Zuerst glaube ich, es ist niemand auf der Insel. Doch bald finde ich die beiden Männer, welche die Registrationen verwalten und das Geld für den Campingplatz kassieren. Die Blütezeit dieses Ortes muss lange her sein. Nur die Nummern am Wegrand erinnern an einen Campingplatz und der letzte Besucher war vor über einer Woche hier, wie ich aus dem Registrationsbuch lesen kann. Umso erstaunter bin ich, als einige Stunden später ein Fahrzeug mit Deutschem Nummernschild den Platz neben mir bezieht. Bei einem Glas Wein erfahre ich, dass Gabi und Uwe schon seit über einem Jahrzehnt zwischen dem Allgäu und Kapstadt pendeln und immer wieder ausgedehnte Reisen im südlichen Afrika unternehmen. Da sich ihre Route mit der meinen in etwa deckt, beschliessen wir ein Stück zusammen zu fahren.





Botswana ist bekannt für gute Offroad-Touren und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass einzelne Strecken wortwörtlich von Touristenströmen überrollt werden. Doch trotz dem verhältnismässig kleinen Strassennetz in Botswana, ist es möglich, abseits ausgetretener Pfade, von A nach B zu gelangen. Das Navi reklamiert dann meist mit den Worten „Muddy Road. Dead End!“
Doch heute hat das gute Gerät für einmal Pause. Kurz vor dem Grenzübergang Pandamatenga biegen wir links auf die bekannte Hunter’s Road ab, eine der ältesten Strassen des Landes. Die geschichtsträchtige Strasse, die ihren Namen durch den Elfenbeinhandel während der Kolonialzeit erhalten hat, befindet sich genau auf der Grenze zu Zimbabwe. Die wildreiche Strecke entpuppt sich als Offroader-Paradies. Es macht riesigen Spass, auf dem tiefsandigen Track zu fahren! Für die hundert Kilometer benötigen wir den ganzen Tag. Zu müde um zu kochen, beschliessen wir, nicht wie geplant am Ende der Strecke zu campen, sondern die letzten Kilometer nach Kasane unter die Räder zu nehmen und bestellen unser Abendessen im Restaurant.

Es gibt im Chobe Nationalpark nicht viele Möglichkeiten, von Kasane nach Maun zu fahren. Wir wählen eine wenig befahrene Strecke entlang des Ngwezumba River. Die Strecke ist abwechslungsreich und einfach zu befahren. Ich entdecke etwa alle fünf Kilometer eine Vogelart, die ich noch nicht kenne und ab und zu auch eine Zwergantilope im hohen Gras. Die berühmten und zahlreichen Elefanten, die es hier geben soll, haben sich allerdings vor uns versteckt.
Es scheint, als könnten wir die Strecke bis zum Savuti Camp in einem Tag bewältigen. Doch dann liegt ein Baum vor uns, mitten auf dem Track. Mit dem Landy können wir das gute Stück etwas zur Seite ziehen, so dass wir – wenn auch mit ein paar neuen Lackkratzern versehen - passieren können. Die Fahrt führt uns durch einen dichten Mopane-Wald, der links und rechts eine Art Wand bildet. So unattraktiv und eintönig das Gestrüpp auf uns wirkt, muss es wohl auch für die Tiere sein. Wir sehen nicht einmal mehr Vögel und hoffen, die nötigen Kilometer bald hinter uns zu haben.
„Hier ist wohl schon lange keiner mehr durchgefahren!“, meint Uwe, als wir schon zum dritten Mal einen Baum aus dem Weg räumen! Die Aktionen sind zeitraubend und schnell ist klar, wir werden heute Nacht ohne Campingplatz klarkommen müssen. Nur wenige Kilometer nach dem dichten Wald, bereits am eindunkeln, entdecken wir ein Wasserloch. Wir stellen unsere Autos so hin, dass wir vom Dachzelt einen guten Ausblick auf den Uferbereich haben. Die Kamera und den Feldstecher lege ich vorsichtshalber in greifbare Nähe, dann bin ich bereit für die Tiere, die in der Dämmerung ans Wasser kommen. Allerdings sind auf der anderen Seite des Wasserlochs keine Tiere. Drei bewaffnete Männer steuern geradewegs auf uns zu! Wilderer? Parkranger? Räuber? Doch bevor wir uns ein Horrorszenario ausmalen können, stellen sie sich uns vor. Sie sind Angehörige der Armee und überwachen das Gebiet gegen die Wilderei. Mehrere Male entschuldigt sich der Mann, welcher der Chef der Gruppe zu sein scheint, weil er sich nicht ausweisen kann. „Ich habe nicht gedacht, dass ich auf Touristen treffe. Hier fährt sonst nie jemand durch.“, meint er weiter. Dass wir hier weit weg von einem Campingplatz übernachten wollen, stört ihn zum Glück nicht weiter.



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05 Mai 2019 11:38 #555495
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Märchenwelt in der Wüste.
Kurz vor Maun trennen sich die Wege von Gabi, Uwe und mir wieder, da ich meinen grossen Reisetraum nun endlich wahrmachen möchte, einmal das Okavango Delta sehen. In der nicht besonders hübschen, dafür charmanten Stadt, muss ich mich erst noch zurechtfinden. Doch „das Tor zum Delta“, wie Maun auch genannt wird, macht ihrem Namen alle Ehre. Reiseveranstalter und Lodgebetreiber buhlen beinahe an jeder Ecke um die Gunst der Touristen.
Ich fliege in einer kleinen Chessna zusammen mit zwei Angestellten der Lodge in die Jao Concession, die im Herz des Deltas liegt. Obwohl dieser Trip der teuerste der ganzen Reise wird, haben sich die Ausgaben jetzt schon gelohnt. Der Ausblick ist einfach unbezahlbar! Auf einer Fläche, halb so gross wie die Schweiz, reihen sich Tausende von kleinen Inseln aneinander. Das Wasser ist so klar, dass man sogar aus dem Flugzeug die Wasserpfade der Nilpferde sehen kann.



Das Jacana Camp ist glücklicherweise keine protzige und überdimensionierte Luxuslodge. Trotzdem fühle ich mich gerade wie „die Prinzessin auf der Erbse“, da ich als alleiniger Gast sehr aufmerksam umsorgt werde.
Der Ausflug im Mokoro (Einbaum) fällt unerwartet spannend aus. Man ist nahe am Wasser und hat Zeit für die kleinen Dinge, wie bunte Frösche oder Libellen auf den Seerosenblättern. Jonas der Poler (so werden hier die Einbaum-Steuermänner genannt) legt sich richtig ins Zeug für mich. Er klappert alle erdenklichen Plätze ab, um die seltenen Sitatunga-Antilopen zu finden, doch leider ohne Erfolg. Trotzdem fühle ich mich zufrieden und erholt, als Jonas mich zurück auf die Lodge bringt. Unendlich viele Vögel und eine Landschaft, wie ich sie sonst nur aus Filmen kenne, machen den Tag für mich perfekt.
Beim Abendessen lerne ich Thabang und Teetee kennen. Die beiden arbeiten für Botswana-Tourismus und bewerten gerade die Lodge. Botswana-Tourismus hat sich das hohe Ziel gesetzt ein Hotelranking nach internationalem Standard herauszugeben. Gar nicht so einfach in einem Land, in dem die Hotelbesitzer oft die Sterne an sich selbst verteilen.
In den kommenden Tagen lässt die hohe Tierdichte im Delta meine Kamera hunderte von Fotos schiessen. Erst nach Monaten werden die wohl fertig sortiert sein, doch das kümmert mich wenig, denn der einzige männliche Löwe auf der Hauptinsel sorgt gerade für Furore. Seine Weibchen haben vergangene Nacht das drittletzte Zebra der Insel gerissen und der Pascha verteidigt es nun, wo er nur kann. Nicht einmal seine eigenen Jungen lässt er davon fressen.





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05 Mai 2019 11:42 #555497
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Zurück in der Realität.
Es stellt sich eine Art Taubheit ein. Gemischt mit einer gehörigen Portion Reisemüdigkeit habe ich keine Ahnung, wie meine Reise weitergehen soll. Doch ich möchte die wenigen Tage, die mir noch bleiben, nicht einfach nur absitzen. Eine Entscheidung muss her! Der Zeitdruck lässt keine grossen Sprünge mehr zu und so entscheide ich mich das Central Kalahari Game Reserve zu besuchen, welches auf meiner Rückwegroute liegt.
Die trockenen Landschaften der Wüste mögen mich jedoch trotz ihrer Schönheit nicht richtig bezaubern. Nach der üppigen Vegetation und dem Tierreichtum im Okavango Delta kommt mir hier alles irgendwie verkümmert vor. Ich geniesse zwar die Abgeschiedenheit und freue mich über die vielen Oryx-Antilopen, doch so richtig dafür begeistern kann ich mich nicht. Der spärliche Regen in dieser Saison hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Eigentlich müsste das Gras um diese Jahreszeit grün und saftig sein, doch stattdessen begegnet mir das berühmte Deception Valley trocken und trostlos. Auch die vielen Vögel, die es hier im Sommer geben soll, sind verschwunden.
Gerne wäre ich durch den Park nach Gaborone gefahren. Doch alle Ranger, die ich frage, schütteln heftig mit dem Kopf und erklären mich für verrückt. Zu viel Tiefsand, man sollte die Strecke besser nur im Konvoi befahren. So lasse ich dieses Vorhaben bleiben und plane eine kleine Rundstrecke im Norden des Parks.
Nach zwei Tagen bin ich immer noch etwas enttäuscht und gelangweilt von der kargen Wüstenlandschaft und so verlasse ich den Park früher als geplant.
Irgendwie muss ich wohl eine Vorahnung gehabt haben oder einfach nur Glück, denn nach dem Check-Out am Gate springt der Landy nicht mehr an! Der Anlasser ist kaputt, wie der nette und hilfsbereite Ranger sofort herausfindet. Innert kürzester Zeit stehen fünf Männer um die offene Motorhaube und diskutieren, wie sie mir helfen könnten. Nach drei Stunden und unzähligen Kaffees sieht es nun so aus, als könne ich endlich weiterfahren. „Stopp Madam, stopp!“ ruft plötzlich einer der Ranger, als ich den Motor starte. Als ob der kaputte Anlasser nicht schon genug gewesen wäre, habe ich nun auch noch einen platten Reifen. Dank der Hilfe der Männer ist das Rad aber schnell gewechselt und ich kann endlich weiterfahren. Geschmeichelt über die Hilfsbereitschaft der Männer – ich durfte nicht mal den Schraubenzieher berühren – fällt mir auf, dass ich Zuhause noch nie eine solche Hilfsbereitschaft erlebt habe.







Auch wenn der Motor wieder läuft, der Landy muss in eine Werkstatt und das bedeutet, dass ich wieder zurück nach Maun fahren muss. Der Weg von der Autowerkstatt ins Hotel mache ich zu Fuss und versuche meinen Ärger zu verdauen, dass ich in der Stadt festsitze. Plötzlich wie aus dem Nichts ruft mir eine Stimme zu: „Was machst du denn hier?“. Thabang und Teetee, die beiden Männer von Botswana-Tourismus, strahlen mich aus ihrem grünen Pickup an. Bei einem Bier reden wir über Gott und die grosse Welt oder besser gesagt über das Leben in der Schweiz und in Botswana. Endlich kann ich jemandem all die Fragen stellen, die sich im Laufe der letzten Wochen bei mir angesammelt haben. Warum fühle ich mich in Botswana viel sicherer, als im Nachbarland Südafrika? Warum sind die Menschen so freundlich? Weswegen kann sich auch ein Bauer einen neuen Pickup leisten und einen Traktor? Immer bekomme ich dieselbe Antwort: „Unsere Regierung schaut eben zu uns!“. Besonders stolz sind sie aber auf ihren ersten Staatspräsidenten Sir Seretse Khama. Er habe das Land zu dem gemacht, was es heute sei, eine eigene Nation.
Die Nacht wird lang und endet schliesslich in einer Bar, wo sich normalerweise keine Touristen aufhalten. Etwas exotisch fühle ich mich als einziger Mensch mit weisser Hautfarbe und werde auch dementsprechend genau beobachtet. Doch die Begleitung von Thabang und Teetee lassen mich sicher fühlen. Die beiden umsorgen mich, als wäre ich eine edle Dame aus ritterlichen Zeiten. Für mich als junge, selbstsichere Frau etwas ungewohnt. Ich fühle mich gleichzeitig entmündigt und geschmeichelt.

Afrika zum Abschied!
Ich möchte noch einmal Elefanten sehen, bevor ich in knapp einer Woche wieder in den Flieger steige. Mit diesem Ziel mache ich mich auf den Weg Richtung Südosten, ins Northern Tuli Game Reserve. Auf dem Weg dorthin merke ich bald, dass sich Individualtouristen, wie ich, nur selten dorthin verirren. Keiner kann mir sagen, ob es sich lohnt, dorthin zu fahren und ob es bezahlbare Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Doch ich lasse mich von meinem Vorhaben nicht abbringen und werde dafür mit dem Blick auf eine rote Mondlandschaft belohnt. Da das Reservat unter privater Leitung steht, ist campieren verboten und ich richte mich in einem kleinen aber feinen Selbstversoger-Camp ein. Die Lage am Limpopo River lassen Erinnerungen an den Kurs wachwerden, den ich zu Beginn meiner Reise besucht habe. Der Kreis schliesst sich und bald wird meine Reise zu Ende sein.



Es scheint, als wären die Elefanten extra gekommen, um sich von mir zu verabschieden. Eine Herde mit über hundert Tieren kreuzt mein Weg, als ich das Reservat verlasse. Doch obwohl ich diesen faszinierenden Tieren stundenlang zuschauen könnte, muss ich jetzt wirklich Abschied nehmen. In gut dreissig Stunden muss ich nämlich den liebgewonnen Land Rover wieder abgeben.
Doch das ist einfacher gesagt als getan! Am Grenzposten Martin’s Drift reiht sich eine über hundert Meter lange Menschenschlange, die nur darauf wartet, einen Stempel in den Pass zu erhalten. „Willkommen in Afrika!“ spricht mich der Mann hinter mir in gebrochenem Deutsch an. Ich muss lachen! Einerseits finde ich diese Begrüssung etwas ironisch an meinem letzten Tag und andererseits weiss ich ja, wie kompliziert Beamte im südlichen Afrika sein können. „Wissen Sie denn nicht das heute ein Feiertag ist, Madam? Alle wollen nach Polokwane in die Kirche“, klärt mich der Mann weiter auf. Und tatsächlich, es fällt mir wieder ein, heute ist Gründonnerstag! Kalender, Wochentage, Termine, Uhrzeit, das alles wurde für mich in den letzten Monaten unwichtig. Ich habe mich aufs Wesentliche beschränkt und trotzdem das Gefühl gehabt, im Luxus zu leben.
Ein plötzlicher Tumult lässt mich aus meinen Gedanken hochschrecken! Es werden neue Schalter aufgemacht, die Menschen möchten endlich weiter. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass auch ich eigentlich langsam weiterfahren sollte. Drei Stunden warte ich nun schon in der Schlange, genau die drei Stunden, die ich als Zeitpuffer eingeplant habe. Ich habe Glück, bevor der Schalter wieder zugeht, kriege ich endlich den langersehnten Stempel. Wieder in Deutsch, schenkt mir der Mann zum Abschied die wohl schönsten Worte: „Der Geist Afrikas möge dich beschützen!“



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05 Mai 2019 14:08 #555517
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Hallo Madeleine

Schön, deinen Bericht zu lesen und deine tollen Fotos zu sehen. Das macht Lust auf mehr ;) Die Field Guide Ausbildung fasziniert mich auch schon seit langem, hat sich bisher aber nicht ergeben :blush:

Liebe Grüsse
Stefanie
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05 Mai 2019 14:33 #555522
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@Zugvogel schrieb:
Die Field Guide Ausbildung fasziniert mich auch schon seit langem, hat sich bisher aber nicht ergeben :blush:

Liebe Stefanie
Vielen Dank für deine Worte :) Ja die Field Guide Ausbildung ist mitunter das Beste was ich im südlichen Afrika bis jetzt gemacht habe, man lernt einfach unglaublich viel! Aber vorsicht, es hat Suchtcharakter ;) :silly:
Herzliche Grüsse
Madeleine
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Letzte Änderung: 05 Mai 2019 20:28 von osprey.
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