THEMA: Botswanas Beasts & Beauty im April
20 Apr 2018 16:19 #519206
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  • Rehema am 20 Apr 2018 16:19
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Sonntag, 01.04.2018 – Von Livingstone über den Zambezi nach Botswana ins Senyati:
Es ist zwar 1. April, aber dieser Tag wird KEIN April-Scherz, sondern Wirklichkeit: heute setzten wir endlich Fuß auf Botswana!

Nachdem mein Wecker klingelt (in der Regel zwischen 5:30 und 6) husche ich schnell raus und setze meine 4 Schokoladenhasen noch unter die Vorzelte (Tabea schläft bei uns, die Jungs im anderen Zelt). Da es hier freche Meerkatzen gibt, war mir das nämlich die Nacht über nicht geheuer, diese hilflosen Schoko- Tierchen so unbeschützt zu lassen, und so durften sie ein letztes Mal in der Kühlbox schlafen!
(Ja, ich habe am Ende doch noch im Shoprite in Blantyre ganz preiswerte Schokohasen gefunden! Und sie haben die Fahrt bis hier hin sogar ohne Dellen überstanden!)


Komisch, das ist wie an Nikolaus: da schaffen es die Kinder auch immer sehr schnell aus den Betten! Die Freude ist natürlich groß, und das meiste ist verzehrt, bis die morgendliche Routine von „Alles wieder im Auto verstauen“ dran ist.


Irgendwie drehen alle nochmal richtig auf - die Vorfreude auf Botswana nach diesen langen Fahrtagen bricht sich Bahn und es wird reichlich geblödelt!








Doch dann müssen wir uns losreißen, denn um kurz vor 9 wollen wir bei „Ankufa“ sein wegen der Gasflasche. Das klappt auch, und tatsächlich haben die geöffnet! Ein netter Inder sagt uns, dass diese Flasche von einer kenyanischen Firma ist, und dass er keine passenden Adapter hat, um sie aufzufüllen…... KOBIL-Tankstellen wären die einzigen, die diese Sorte in Zambia vertreiben. Wir sagen ihm, da hätten wir es schon versucht, aber die hätten keine vollen da. Da schüttelt er nur verständnislos den Kopf und meint: „Die sind doch dumm! Man weiß doch, dass hier in Livingstone am Wochenende Kunden kommen werden, da muss man doch rechtzeitig für Nachschub sorgen!“
Wir überlegen hin und her – wir können doch nicht NOCH eine solche Gasflasche kaufen! Aber kochen müssen wir doch die nächsten 2 Wochen irgendwie! Volker einigt sich dann mit ihm, dass wir eine neue Flasche von ihm „geliehen“ bekommen (sie ist von AFROX), wir den Neupreis zahlen, und wenn wir auf dem Rückweg wieder vorbei kommen und die Flasche in ordentlichem Zustand ist, er sie uns wieder abnimmt und 80 % des Geldes zurückerstattet. Unsere fast leere Flasche dürfen wir so lange bei ihm stehen lassen.
Wir sind ganz glücklich, dass sich das jetzt, am Ostersonntag (!), noch so schnell und gut lösen ließ, und diese neue AFROX-Gasflasche tut uns in den nächsten 2 Wochen unendlich gute Dienste!



Nun lassen wir Livingstone hinter uns, und da wir für die Rückfahrt 2 Nächte hier eingeplant haben, tut es nicht so weh, jetzt nicht mehr Zeit an diesem schönen Ort zu haben.



Und tatsächlich: das Wetter ist uns nun freundlich gesinnt, und ich verrate schon mal: es wird auch so für den Rest der Reise bleiben!

Nach einer knappen Stunde Fahrt nähern wir uns der Grenze: ewig lange Warteschlangen von Lastern (an denen wir glücklicherweise vorbei fahren dürfen)! Es wird wohl doch Zeit, dass diese Brücke fertig gestellt wird!?

Letzte Änderung: 20 Apr 2018 16:39 von Rehema.
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20 Apr 2018 16:36 #519207
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  • kitty191 am 20 Apr 2018 16:36
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Hallo Antje,
vielen Dank für diesen sehr besonderen und etwas anderen Reisebericht. Es ist sehr spannend diese Reise aus Eurer Perspektive mitzuverfolgen und Dabeisein zu dürfen.
6 Leute mit Camping Equipment in einem Landrover ist schon eine echte Herausforderung. Respekt!
Dein Schreibstil ist großartig. Eine gelungene Mischung aus klarenFakten, persönlichen Einblicken und einer nicht unerheblichen Priese Humor (manchmal wahrscheinlich einfach auch Galgenhumor)
Eure Gelassenheit ist grandios und ist sicher das Ergebnis vieler Jahre in Afrika.
Ich freue mich sehr auf Fortsetzungen.

LG
Kitty
Letzte Änderung: 20 Apr 2018 20:19 von kitty191.
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20 Apr 2018 18:15 #519215
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Hallo Antje,
Kitty hat das so schön ausgedrückt, dass ich mich einfach anschließe. Ich melde mich bald wieder.

Ein schönes Wochenende wünscht freshy
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21 Apr 2018 17:00 #519265
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  • Rehema am 20 Apr 2018 16:19
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Heute gibt's leider keine Fortsetzung - es gibt zu viel zu tun: die "Botswana-Nachwehen" bearbeiten.
Von daher hier mal aktuelle Bilder aus Blantyre von heute:





Die Kinder wollten, dass das Auto noch eine Weile ungewaschen bleibt, weil es "so viel cooler aussieht"! :laugh:
Aber irgendwann muß es eben doch sein, und so geht das letzte bisschen Botswana mit dem Waschwasser dahin.... :(





Und da es heute auch mal wieder vernünftigen Strom gibt, will auch die Waschmaschine wieder bedient werden....
Fortsetzung folgt so bald als möglich!
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21 Apr 2018 22:59 #519283
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Fortsetzung Sonntag 01.04. über die Grenze nach Botswana:



Lorries, lorries. lorries….Mindestens 50 bis zur Grenze vorne, eher mehr. Da gehen wir mit unseren Landcruiser fast unter! Ziemlich guten Mutes gehen wir die Grenze an – sie wird dann aber doch etwas nerviger als gedacht. Immerhin hat man zwischen den beiden Länder-Abfertigungen die Fahrt mit der Fähre, was für etwas Aufmunterung sorgt!

Extrem auf den Keks gehen einem auch hier wieder die Geldwechsler und solche, die sich einem förmlich aufdrängen, die Abfertigung für einen zu erledigen. Dann würden wir “in 10 minutes through“ sein, statt den halben Tag warten zu müssen…. Blablabla…. Wir machen mehrfach klar, dass wir das gerne ohne Hilfe alleine machen würden, aber die Dreistigkeit dieser Jungs hier ist schon unübertrefflich!
Im zambischen Office, wo die Beamten sehr freundlich sind, hängen Zettel „Do not engage third parties…“. Also war es, wie meist, richtig, sich nicht darauf einzulassen. Manchmal weiß man allerdings nicht, ob das eine oder andere, was die Kerle sagen, nicht doch was Wahres dran hat – v.a. wenn man die Grenze und ihre Gepflogenheiten eben nicht kennt. Als ich mit dem Auto zur Fähre rolle (Volker und die Kinder laufen), wechselt Volker doch noch bei einem dieser schmierigen Kerle Geld, da alle behaupten, dass es auf der anderen Seite keine ATM gäbe.



Wir wissen es ja nicht, wissen aber, dass wir ziemlich sicher Pula für das Auto brauche, und deshalb lassen wir uns auf diesen sehr unwirtschaftlichen Deal ein. Volker ärgert sich noch Stunden später über den schlechten Wechselkurs, aber: es war dennoch richtig gewesen, denn auf der botswanischen Seite gibt es wirklich keinen ATM – erst in Kasane, aber da kommt man ja erst hin, wenn man durch die Grenzabfertigung durch ist….

Dann, nach insgesamt ca 45 min. Papierkram klären, befinden wir uns auf dem Zambezi, und am anderen Ufer wartet Botswana! Das hebt unsere Stimmung!







Die Fähren sind viel kleiner, als ich erwartet hatte – ich hatte gedacht, dass sie mindestens die Ausmaße der Mombasa-Fähren haben würden (drei Spuren). Aber es ist eine Spur, und demnach passen meist ein LKW und 1 oder 2 andere Autos drauf. Noch heute wundere ich darüber, wieso diese beiden Länder das nicht schon längst mal geändert haben??? Es scheinen noch die selben Fähren zu sein, die vor mehreren Jahrzenten von der südrhodesische Armee angegriffen und von denen auch eine versenkt wurde.



Für uns ist es aber eine willkommene Abwechslung, die Spaß macht, und die Kinder sind so glücklich! V.a. Joel ist ganz begeistert, auch den Brückenbau nun mit eigenen Augen sehen zu können, über den er doch ausführlich in seiner Arbeit geschrieben hat, und bittet mich unablässig, Fotos davon zu schießen!







Der „African Quadripoint“ – der einzige Ort auf der Welt, wo sich 4 Länder treffen. Besser gesagt: nachdem der Jahrzehnte lange Streit über die Grenzverhältnisse hier im Zambezi dann endlich 2014 so geregelt wurde, dass Botswana und Zambia eine gemeinsame Grenze von ca. 250 m zugestanden wurde, durch die sie ihre gemeinsame Brücke bauen könne, ist es ja streng genommen nun kein Quadripoint mehr, sondern es sind zwei getrennte „TriPoints“.



Und nun steht sie neben uns, die zukünftige Rail-and-Road bridge, ein 300 Mio-Dollar-Projekt! Ich verstehe ja einfach zu wenig von Politik, und so begreife ich auch immer noch nicht, warum Zimbabwe nicht einen kleinen Teil seines Hoheitsgebietes im Wasser an Botswana abtreten kann – dann hätte man die Brücke auch gerade bauen können. So aber führt sie in umständlichem Bogen – denn da, wo die Fähren verkehren, ist strenggenommen eigentlich Zimbabwe, und deshalb darf die Brücke dort nicht verlaufen!



Auf botswanischem Boden angekommen, müssen wir auch hier wieder durch die Grenzformalitäten. Und sie machen einfach keinen Spaß!
„Botswana – an African Success story!“ hat Joel seine Arbeit überschrieben. Und das scheint es ja auch – mit seiner unblutigen Geschichte, ohne brutaler Despoten, und dem außergewöhnlich stabilen wirtschaftlichen Aufschwung seit der Unabhängigkeit. Botswanans per capita BSP liegt inzwischen bei über 19.000 Dollar – zum Vergleich: Südafrika kommt gerade mal auf ca.13.000, Kenya und TZ ca. 3500, Malawi bietet müde1200. Deutschland liegt bei 52.000, und die Schweiz und USA bei 62.000. Spitzenreiter ist Luxemburg mit 113.000. Gleichzeitig ist das ein vergleichsweise „dünner“ Wert, der meiner Ansicht nach am Ende ja doch wenig Aussage hat über das Leben vieler Menschen in dem Land. Was also ist das für ein Land?
Mit diesen Fragen treten wir von der Fähre, gleichzeitig wissend, dass unsere kurzen und „selektiven“ 2 Wochen hierauf sicherlich keine Antwort geben werden.



Der erste Eindruck ist sehr ernüchternd: die Grenzbeamten sind äußerst unfreundlich und haben eher ein malawisches Tempo und auch eine malawische Art an sich. Ich halte alle 6 Pässe hin, und brauche eine Weile bis ich kapiere, dass sie mich fragt „Birth certificates?“. Jetzt rutscht mir kurzfristig das Herz in die Hose, denn die liegen gut verwahrt in Blantyre in einer Schublade! :ohmy:
Die brauchen wir nämlich nie, in all den Ländern, in denen wir sonst so unterwegs sind (Malawi, Zambia, Tanzania, Kenya). Ich habe sie nur, weil wir sie für einen Flug über Johannesburg mal brauchten. Und so ganz blass im letzten Kämmerchen meiner Erinnerung meldet sich irgendetwas, dass ich gelesen hatte, dass wir sie für Botswana dabei haben sollten, und ich das eigentlich vor gehabt hatte! Mist! Über Schokokuchen backen, ChickenCurry kochen und Auto packen völlig ausgeblendet! Ich sehe uns schon zurück auf die Fähre laufen, und den ganzen Traum von Botswana mit den Wassern des Zambezi davon schwimmen…. :pinch:
Volker überbrückt diese Zeit mit Gefasel wie „But they all have their own passports“, was natürlich null Argument ist, und sie sagt nur emotionslos: „But it is a requirement!“. Da bin ich wieder ganz bei mir, und setzte meine afrikanisch dumme Unschuldsmiene auf, immer mit der nötigen Dosis bedauernder Unterwürfigkeit: „Oh, I’m so sorry! They are in Blantyre”. Sie erneut ohne sonderliche Regung: „But it is a requirement…“ Ich nochmal, äußerlich völlig gelassen und ohne meine Angst zu zeigen :whistle: B) :blush: : “I got all the information I could, and we didn’t know about this. I’m very sorry. But I will for sure remember for next time!! I will NOT forget them next time!” Und während ich noch rede, stempelt sie schon wortlos einen Pass nach dem anderen ab…... Gerettet!
:woohoo: :woohoo: :woohoo: :woohoo: :woohoo: :woohoo:
Anhang:
Letzte Änderung: 24 Apr 2018 12:44 von Rehema.
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21 Apr 2018 23:26 #519284
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Jetzt brauch ich aber doch mal Hilfe:
wie krieg ich denn meine Hochkant-Bilder hier im Bericht auch hochkant gestellt??? Ich habe schon überall gesucht...
Kann mir mal einer auf die Sprünge helfen bitte?
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