THEMA: Botswana April 2017 – Mixed Emotions
12 Jun 2017 08:25 #477847
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  • Champagner am 12 Jun 2017 08:25
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leofant schrieb:


.

Hallo Walter, lustig, dass dieses Schild immer noch existiert - wenn auch in einer neueren Version. So sah es vor 5 Jahren aus:




Den Marabuo-Pan-Stretchpoint fand ich übrigens auch sehr, sehr schön! Und es war sehr interessant zu lesen und zu sehen, wie es mit dem toten Elefanten weiter gegangen ist (Diteko hatte schon gesagt, dass die Ranger bald kommen und die Stoßzähne entfernen werden, aber dass er dann verbrannt wurde, bzw. werden sollte, wusste ich nicht...).

Vielen Dank für die Infos! :kiss:

LG Bele
Letzte Änderung: 12 Jun 2017 08:25 von Champagner.
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13 Jun 2017 08:47 #477993
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  • Applegreen am 13 Jun 2017 08:47
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Hallo Walter,

ich bin auch noch mit aufgesprungen :)

Dein mit wunderbaren Fotos und Stimmungen gespickter Bericht kommt mir gerade Recht, um mir gaaanz viel Vorfreude auf unsere bevorstehende Reise zu holen :)

Vielen Dank!

Liebe Grüße
Sabine
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13 Jun 2017 14:18 #478021
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@ Bele:
Hmmm … das Schild ist mir letztes Jahr gar nicht aufgefallen. Eigentlich war ich doch gar nicht luftkrank als ich ausgestiegen bin. Meine neue Idee: beim nächsten Mal stelle ich mich an das Schild und kassiere für jeden Passagier USD 30 Einreisegebühren :laugh:

@ Strelitzie
Doch, doch, ich kann mich an Kleinigkeiten und kleineren Tieren erfreuen wie du auch. Ich denke da z.B. an Schmetterlinge. Die einzigen „Kleinigkeiten“ an denen ich mich nicht besonders erfreue, das sind z.B. Moskitos, Sandflöhe und Ndebele Ants :whistle:

@ Applegreen
Hallo Sabine, schön, dass du dabei bist und ich bei dir Vorfreude auslösen kann. Das kenne ich sehr gut. Obwohl ich ja jetzt noch die Vergangenheit aufarbeite, stellt sich bei mir leise Vorfreude auf den November ein. (Ich zähle gerade die Tage) ;)

Liebe Grüsse an alle Kommentatoren, "Danke" Klicker und sonstige Mitleser
von
Walter
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14 Jun 2017 16:22 #478117
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Samstag 22.04.17

Nach dem Aufwachen bleiben wir noch einen Moment liegen. Heute treibt uns auch keine Sonne aus dem Bett, denn der Himmel ist grau und regnerisch. Es sieht eher aus, wie ein Novembertag in der Heimat. Dann wird gepackt. Das Frühstück nehmen wir gemeinsam mit Familie Kader und einem Techniker ein, der sich in einer neuen Lodge der Kaders um die Stromversorgung kümmern soll. Dann wird es Zeit Abschied von den Besitzern zu nehmen, wir werden sie vermutlich im November wieder sehen. Ruth und ich haben noch etwas Zeit, bevor Rhan uns zum Airstrip bringen wird. Also kann meine Frau noch ein wenig mit Nanette plaudern und den kleinen Humphrey streicheln. Abram informiert mich über den Wetterbericht für die nächsten Tage. „Im Linyanti Gebiet hat es heftig geregnet und es ist mit weiteren ergiebigen Regenfällen zu rechnen, ich denke mal, mit den Tiersichtungen wird es schwierig werden. Die einzigen Tiere, die wirklich zahlreich vorhanden sein werden, sind die Moskitos. Es tut mir leid, das zu sagen, Walter.“ Ich bin nur ein bisschen traurig, denn die letzten Tage waren ja durchaus abwechslungsreich, insgesamt hatten wir wirklich schöne Sichtungen, da kann man auch mal einige Tage mit Ruhepausen einkalkulieren. Wenn alle Stricke reissen, dann kann ich schon mal die Fotos zu sortieren.

Gegen 10:00 wird es auch für uns Zeit, diesen schönen Ort zu verlassen. Ich habe Ruth sehr gut zugehört und weiss, dass ich sie sich in der Zukunft noch einmal einen Aufenthalt in den Goha Hills wünscht, aber das wird vermutlich mindestens noch drei, vier Jahre dauern, denn da stehen noch andere Orte auf meiner Wunschliste. Wir bedanken uns bei unseren Gastgebern für die schöne Zeit, dann werden wir zum Auto begleitet. Es fällt uns wirklich schwer, „good bye“ zu sagen, denn hier hat alles gepasst. Ein letztes Mal winken, Nanette ruft uns zu: „Lasst euch nicht von den Moskitos auffressen!“, dann rumpeln wir den steinigen Pfad ins Tal. Wir ziehen die Jacken etwas enger um den Körper, es ist ganz schön kühl heute Vormittag! Links und rechts der Piste zeigt sich niemand, etwa 45 Minuten später steht unser Fahrzeug bereits am Rand der Landebahn. Es regnet zwar immer noch, aber zum Glück ist es nicht stürmisch, das fände ich in einem kleinen Buschflugzeug nämlich nicht so prickelnd. Nach 20 Minuten taucht der Flieger aus dem grauen Himmel auf und rollt wenig später aus. Der Pilot wird begrüsst, das Gepäck eingeladen, dann verabschieden wir uns von Rhan. Auch wenn der Beginn unserer Bekanntschaft eher etwas zurückhaltend war, in den letzten zwei Tagen haben wir Rhan (besonders seit unserem gemeinsamen Dinner) wirklich zu schätzen gelernt und wir möchten die Zeit mit ihm nicht missen.

Bei leichtem Nieselregen startet die Maschine und wir fliegen weiter in nördliche Richtung. Nur 15 Minuten später haben wir unser Ziel, den Saille Airstrip, erreicht. Der Himmel ist zwar immer noch grau in grau, aber zumindest hat es aufgehört, zu regnen. Rund um die Bahn können wir zahlreiche kleine Wasserstellen sehen. Ein bisschen mehr Regen in diesem Gebiet und dieser Airstrip wäre wohl auch geschlossen worden, da haben wir noch Glück gehabt.







Als wir auf dem Landestreifen aufsetzen, können wir ein Fahrzeug am Rand sehen, wir werden also erwartet. Die Prozedur ist die gleiche wie immer. Das Gepäck wird umgeladen, der Pilot verabschiedet sich und der Fahrer begrüsst uns. Ich stelle mich vor. Der Fahrer schüttelt mir die Hand. „Hallo Walter, schön dich wieder zu sehen, ich habe dich gleich erkannt, daran siehst du, dass du dich nicht viel verändert hast.“ Ich lächele ihn an und wir steigen ins Fahrzeug. Ich schaue kurz meine Frau an. In unseren Augen stehen drei grosse Fragezeichen. Wieso kennt er uns? Wir haben vor 6 Jahren das Linyanti Bushcamp besucht, scheinbar war er zu dieser Zeit schon im Camp. Leider können wir uns nicht an ihn erinnern. Oder doch? Sein Name ist Esse. Irgendwie kommt er uns bekannt vor. Na, wir werden es sicher noch herausfinden.
Zunächst einmal warten wir noch etwa 15 Minuten, dann landet ein weiteres Buschflugzeug. Vier Gäste aus Österreich steigen aus, die werden mit uns zum Camp fahren. Nachdem alles verstaut ist, können wir losfahren. Wie ich mir es schon gedacht habe, ist auch hier der Busch überall grün und scheinbar undurchdringlich. Das Problem hatten wir schon vor 6 Jahren. Links und rechts der Sandpiste ist alles mit Mopanebüschen zugewachsen, man fährt wie in einem Kanal und sieht eigentlich nur dann ein Tier, wenn es die Piste quert. Jetzt erreichen wir zumindest einen Teich, der zur Hälfte mit grüner „Entengrütze“ bedeckt ist. Tatsächlich schwimmen einige Pfeifenten mit ihren Küken herum, mehr gibt es nicht zu sehen. An der nächsten Wasserstelle ist eine Hippoherde zuhause. Misstrauisch werden wird gemustert.



Eine Stunde später sind wir am Ziel, dem Linyanti Bushcamp, angelangt und werden von der Staff begrüsst. Hier sehen wir auch wieder ein bekanntes Gesicht, den netten Herrn haben wir doch schon in Khwai getroffen! Nach der Begrüssung spreche ich ihn an. Er nennt mir seinen Namen, jetzt kann ich ihn zuordnen. Es ist Wheena, er war damals einer unserer Guides im Camp. Ich erzähle ihm gleich ein Erlebnis, an das ich mich noch gut erinnern kann:
Wir waren zusammen mit Wheena und zwei Ladies aus Australien (woher auch sonst) unterwegs auf einem Afternoon Gamedrive. Die Ladies hatten die hintere Sitzbank belegt. Wir erfreuten uns an einem schönen Sonnenuntergang, es war bereits dunkel geworden und Wheena steuerte Richtung Camp. Langsam fuhren wir durch eine Passage mit tiefem Sand, die Piste war links und rechts von undurchdringlichen Mopanebäumen gesäumt. Plötzlich stoppte Wheena. „Schaut mal, seht ihr die Tropfen in der Mitte der Piste?“ fragte er uns. „Die stammen von einem Elefantenbullen in der Musth.“ Wir fuhren ein Stück weiter. „Riecht mal, könnt ihr den strengen Geruch wahrnehmen? Der stammt von genau diesem Elefanten.“ Kaum hatte er fertig erklärt, da hörten wir ein lautes Trompeten neben uns im Busch. Dann barsten Äste und Zweige, Wheena gab sofort Gas und beschleunigte das Fahrzeug. Hinter uns tauchte ein wildgewordener Eli auf und verfolgte uns. Unser Guide versuchte, noch schneller zu fahren, das aber war im tiefen Sand gar nicht so einfach. Der Elefant kam näher und näher, die eine Lady aus Australien fing an, ängstlich zu schreien. Als uns der Bulle bedrohlich nahe auf die Pelle gerückt war und sich die Mädels in der hinteren Reihe schon duckten, erreichten wir festen Boden. Jetzt konnte Wheena die Geschwindigkeit steigern und in einem wilden Ritt über die Piste den Abstand wieder vergrössern. Der graue Riese trompetete noch einmal ärgerlich, dann gab auf und drehte ab. Wir schauten Wheena an und mussten lachen. Ich gebe zu, das Lachen war damals etwas hysterisch. Aber so mit Abstand betrachtet ist es natürlich ein Abenteuer, das man gerne mal erzählt und das uns vor 6 Jahren einen richtig intensiven Adrenalinstoss beschert hatte.

Als ich meine Geschichte beende, grinst Wheena mich an. „Walter, ich finde es toll, dass du dich noch an diese Situation erinnern kannst, ich habe sie auch nicht vergessen.“ Ich stelle fest: Es ist schön, wenn man mit einem Guide so etwas erlebt hat, das verbindet irgendwie :whistle:
Er schüttelt den Kopf als ich ihn frage, ob er immer noch als Guide tätig ist. „Nein, ich bin jetzt für VIP Gäste wie euch zuständig und besuche in unregelmässigen Abständen unsere Camps in Botswana. Mein Hauptarbeitsplatz ist aber unser Büro in Maun.“ Ja, ja, VIP Gäste wie uns, na da schleimt doch jemand mächtig, ich glaub dir kein Wort, Wheena :whistle:
Dann sagt er „Aber Esse müsstet ihr doch noch kennen, den hattet ihr doch auch als Guide, wenn ich mich richtig erinnere?“ Mir kommt ein Verdacht.

Als wir vor 6 Jahren ankamen, starteten wir mit einem Gamedrive am Nachmittag. Mit dabei war ein älteres Paar aus England. Die beiden waren schon öfter in Afrika unterwegs, hatten also bereits Erfahrung. Der Guide, mit dem wir unterwegs sein sollten, war noch sehr jung. Als er sich vorstellte, machte er nicht gerade den besten Eindruck auf uns. Er trug eine verspiegelte Sonnenbrille und eine auffällige goldene Gürtelschnalle von der Modefirma Dolce & Gabbana. Das waren bereits zwei Details, die bei einem Guide mitten in der Wildnis eigentlich verboten sein sollten. Das passt einfach nicht zur Umgebung! Während unserer Tour war er nicht wirklich gesprächig und beschränkte seine Infos auf abgehackte Wörter oder er deutet auf ein Tier ohne irgendwelche Erklärungen. Ruth und ich waren „not amused“ und auch die zwei Engländer regten sich furchtbar auf. Wir waren uns einig: So etwas hatten wir noch nie erlebt! Da wir keine Lust hatten, die nächsten Tage mit diesem unmöglichen Jüngling zu verbringen, probten wir den Aufstand. Am gleichen Abend ging ich zum Manager des Camps und verlangte einen neuen Guide für die restliche Zeit. Esse wurde also abgesetzt. Am nächsten Morgen wurde uns Wheena zugeteilt. Jetzt waren alle (vielleicht bis auf Esse) zufrieden und wir hatten viel Spass zusammen. Und genau dieser Esse war also jetzt wieder unser Guide. Deshalb hatte er mich vermutlich auch wieder erkannt, denn so eine Meuterei ist ihm höchstwahrscheinlich nicht mehr passiert. Hmmm… soll ich ihn auf die alten Zeiten ansprechen? Ich beschliesse, erst einmal abzuwarten, immerhin ist er jetzt 6 Jahre älter geworden und trägt aktuell weder Spiegelbrille noch goldene Gürtelschnalle.

Die Küchencrew hat uns in der Zwischenzeit ein Lunch serviert und wir haben alle Infos bekommen, die wir benötigen, es wird Zeit, das Zelt zu beziehen. Unsere Unterkunft liegt nur ein paar Meter von der Main Area entfernt, genau die richtige Strecke für alte Leute :laugh:
Das Linyanti Bush Camp bietet in 6 Zelten insgesamt 12 Gästen eine Unterkunft. Man trifft sich zu den Mahlzeiten in der Main Area, ausserdem gibt es noch einen Pool und eine kleine Boutique. Angeboten werden Gamedrives, Bushwalks und manchmal Bootsfahrten, nicht zu vergessen der Heli-Rundflug in der Trockenzeit. Gleich nebenan befindet sich das Linyanti Ebony Camp. Es ist mit seinen vier Zelten für maximal 10 Gäste ausgelegt und speziell für Familien gut geeignet.







Unser Zelt ist relativ geräumig, in der Mitte steht ein grosses Doppelbett, eine Kommode, ein Schreibtisch, ein Sessel, eine Fussbank, eine Truhe, ein Schrank, mehr brauchen wir auch nicht. Man betritt das Zelt durch eine Tür, das gilt auch, wenn man von der privaten Veranda kommt. Im hinteren Bereich findet man Waschbecken, Dusche und Toilette, draussen auf der Veranda steht eine Badewanne. Der Aussenbereich ist durch dichte Büsche vor neugierigen Blicken geschützt. Was ich witzig finde: Die mobile Trennwand zwischen Toilette und Waschbecken ist mit einer alten deutschen Afrikakarte bedruckt. Ich möchte mal wissen, wo die herkommt. Nachdem wir unsere Sachen eingeräumt haben, setze ich mich raus. Es dauert nicht lange und der Hausspecht erscheint. Er lässt sich auch nicht stören, als ich mich bewege.



















Um 16:00 treffen wir uns in der Main Area, eine halbe Stunde später sind wir „on the road.“ Natürlich steht Esse unter besonderer Beobachtung, und siehe da! Obwohl es nicht viel zu sehen gibt, bemüht er sich, uns auch mit allgemeinen Informationen über die Landschaft und die Tiere zu füttern. Da hat einer wohl dazu gelernt :)

Die Sichtungen an diesem Nachmittag sind schnell aufgelistet: Impalas, Spechte, Frankolins, Tokos, mehr geht nicht. Unten am Linyantisumpf sind immerhin ein paar Hippos im Wasser zu sehen, eines davon reisst sogar das Maul auf. Allerdings lassen die Lichtverhältnisse stark zu wünschen übrig. „Terrible Light“ wie mein Bekannter Tony, ein Fotograf, sagen würde.



Wir fahren noch eine Weile durch dichtes Buschwerk, gegen 18:00 sind wir wieder an der Stelle mit den Flusspferden. Diesmal hat sich einiges verändert. Am Ufer stehen einige Stühle, rundherum sind Öllampen platziert und es wurden ein paar Räucherspiralen aufgestellt. Das ist auch gut so, denn die helfen ein bisschen gegen die aufdringlichen Moskitos. Ausserdem ist ein Tisch aufgebaut und eine Trittleiter wurde zur Flaschentheke umfunktioniert. Eine gute Idee, wie meine Frau findet. Wheena und Collen fungieren als Barmänner. Wir finden, das ist ein netter Platz für den Sundowner, auch wenn es, wegen des immer noch bedeckten Himmels, keine untergehende Sonne gibt. Das ist schade, denn wir wissen, dass sie genau auf der anderen Seite des Linyanti in Namibia untergeht, kein einziger Busch stört hier unseren Blick bis zum Horizont. Naja, wir machen das Beste draus und bleiben entspannt. Unsere Mitfahrer aus Österreich beeindrucken uns. Die sind scheinbar der Meinung, wenn sie statt Blut reinen Alkohol in den Adern haben, dann hält das die Mücken fern, also arbeiten sie ganz intensiv daran ;-) Aber ich muss sagen, die vier sind nette Leute und ganz gut drauf.





Inzwischen wird es dunkel, wir steigen ins Auto und fahren weiter. Es gibt noch einen Milchuhu am Boden zu sehen, dann haben wir unser Sichtungsglück aufgebraucht.





Jetzt fängt es an zu regnen. Erst sind es nur ein paar schwere Tropfen, aber innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich ein heftiger tropischer Regenguss. Als wir wieder ins Camp kommen, werden wir mit Regenschirmen erwartet. Wir bringen schnell das Fotoequipment ins Zelt, dann verkürzen wir die Wartezeit auf das Dinner mit einem Rotwein. Der Tisch ist für 9 Personen gedeckt, 6 Gäste und 3 Betreuer, das macht die Sache ziemlich übersichtlich. Allerdings achten unsere Gastgeber trotzdem darauf, dass sie gut verteilt zwischen uns sitzen. So hat kein Gast das Gefühl, „abgeschoben“ zu sein. Neben mir sitzt auf der einen Seite Ruth, auf der anderen Seite Wheena, ich muss gestehen, bessere Nachbarn hätte ich mir an diesem Abend nicht wünschen können.
Um 21:30 ist für meine Frau und mich Feierabend. Wir werden zum Zelt gebracht, schlüpfen schon bald unter die Decke und lauschen noch ein paar Minuten dem eintönigen Rauschen des Regens. Wir kennen die relativ kurzen, heftigen Regenfälle im südlichen Afrika, aber diesmal ist es anders. Das Wasser rauscht und plätschert und es will kein Ende nehmen. Wir sind gespannt, ob die Hippos am nächsten Morgen bis zu unserem Zelt waten können :S

Sonntag 23.04.17

Erst am frühen Morgen beruhigt sich das Wetter, nach dem Aufstehen schauen wir vorsichtig aus den Fensterluken. Unser Zelt scheint tatsächlich noch an der gleichen Stelle zu stehen, auch die Badewanne auf der Veranda ist noch nicht fortgeschwommen, das ist eigentlich ein Wunder!

Von der Main Area hat man normalerweise einen Blick über die Sümpfe des Linyanti bis auf die andere Seite nach Namibia, heute ist der Sumpf in dichten Nebel gehüllt. So etwas haben wir hier noch nie gesehen. Es hat schon eine gewisse Stimmung wie ein trüber Novembertag in Deutschland. Wir schnappen uns die Ponchos, klettern ins Auto und sind gespannt, ob unser Guide Esse irgendetwas aufspüren kann. Esse nimmt zunächst die Piste in Richtung Linyanti Gate. Wir besuchen den vorderen Teil des Parks. Kurz nach dem Gate kommt man an einem Campingplatz vorbei. Es sind nur wenige Gäste da. Sie tun mir wirklich leid, nach so einem heftigen Regen ist es bestimmt kein Vergnügen, in dieser nassen und kühlen Umgebung das Frühstück vorzubereiten. Im Park ist genauso wenig los, wie auf der anderen Seite. Ein einziger Elefant sorgt für etwas Abwechslung.

Die Wolkendecke reisst kurzzeitig etwas auf, als wir einen Hornraben im Baum entdecken. Das Licht ist leider unterirdisch, ich versuche trotzdem, einige Bilder zu machen und fluche leise vor mich hin. Bei Sonnenschein wären es vermutlich richtig schöne und vor allen Dingen ungewöhnliche Bilder geworden. Grrrrr … ich habe mal wieder „mixed emotions“. Eine schöne Sichtung, aber leider keine Möglichkeit, sie angemessen zu dokumentieren :S







Esse gibt auf. Wir verlassen den Park und fahren stattdessen in Richtung Airstrip. Der Himmel hat sich wieder zugezogen, es tröpfelt ab und zu. Irgendwann kreuzen Löwenspuren unseren Weg, aber es ist absolut unmöglich, ihnen im dichten Busch zu folgen. Knapp daneben ist auch vorbei :evil: Wir kommen an die Wasserstelle mit den Gänsen und Hippos, hier halten wir für die Kaffeepause. Am Ufer findet man relativ frische Spuren von Wilddogs, aber die Verursacher dieser Spuren haben sich irgendwo im undurchdringlichen Busch versteckt. Nur die Hippos im Wasser sind an uns interessiert und lassen uns nicht aus den Augen. Wir unterhalten uns mit den Gästen aus Österreich. Es gibt da eine Sache, bei der müssen Ruth und ich immer grinsen. Auch diesmal bezeichnen die Ösis einen Reiseführer als „Führer“. Das klingt dann so: „Soag amol, hoast du den Führer dabei?“ Also wir ganz sicher nicht, denn der „Führer“ wurde in Deutschland seit 1945 abgeschafft :whistle:
(Sorry, liebe Österreicher, ich will mich nicht über euch lustig machen, schliesslich ist meine Mutter in Wien geboren! Aber die Sache mit dem "Führer" bringt uns jedes Mal zum Grinsen. Und nicht nur uns, auch andere deutsche Gäste - äääährlich)





Nach der Pause tuckern wir die Pisten rauf und runter, das einzige Highlight sind zwei Wasserböcke, die schnell im hohen Gras verschwinden. Esse sieht ziemlich zerknirscht aus, wir können ihm keinen Vorwurf machen, denn wo nichts ist, da kann er auch nichts zeigen und erklären. Ab und zu versucht er, uns einige Infos über die Pflanzenwelt zu geben, das ist ja auch ganz interessant, aber so richtig glücklich sind wir an diesem Vormittag nicht.

Gegen 13:00 sind wir wieder im Camp. Ein heisser Grog wäre jetzt angenehm ;-) Nach dem Lunch suchen wir unser Zelt auf und schlafen, etwas anderes ist bei dem trüben Wetter nicht möglich. Die Highlights am Nachmittag bzw. Abend sind schnell aufgezählt. Zwei Kudubullen, eine Horde Paviane in den Bäumen, eine Gabelracke ziemlich nah am Auto. Mehr gibt es nicht zu berichten. Der arme Esse schaut inzwischen richtig sorgenvoll aus, jetzt versuchen die Gäste, den Guide etwas aufzumuntern – verkehrte Welt. Wir beschliessen, den Sundowner im Busch ausfallen zu lassen und möchten ihn lieber im Camp zelebrieren. Eine untergehende Sonne, die man bewundern könnte, ist sowieso nicht zu sehen. Ausserdem tröpfelt es schon wieder, da sind wir im Camp besser aufgehoben.







Trotzdem lassen wir uns das Dinner nicht vermiesen, erzählen uns gegenseitig ein paar lustige Geschichten und so haben wir – trotz miesem Wetter – doch noch etwas zu lachen. Wheena informiert uns, dass am nächsten Tag – wenn das Wetter es dann zulässt – unser Helikopterflug stattfinden soll. Wenn man mindestens drei Nächte im Linyanti Bushcamp übernachtet, dann gibt es einen halbstündigen Rundflug als Bonus. Als ich das erste Mal davon hörte, war ich absolut nicht begeistert. Was bitte hat ein Helikopter mitten im Busch zu suchen? Der Lärm würde doch bestimmt die Tiere verscheuchen und diese Riesenhornisse am Himmel passt doch garantiert nicht in diese Gegend. Auf der anderen Seite: Wenn ich jetzt schon mal die Gelegenheit habe, dann will ich es auch ausprobieren. Ich habe eigentlich eine gewisse Höhenangst. Buschflieger machen mir nichts aus, aber wir sind mal in einem Helikopter mit Glasboden geflogen, das fand ich nicht wirklich amüsant. Und der Heli hier in Linyanti würde ohne Seitentür fliegen, damit man bessere Fotos machen kann, werde ich das gut finden? Ich bin mir unsicher, möchte es – wie gesagt – aber testen. Schaun wir mal, ob das Wetter überhaupt mitspielt...

... wird fortgesetzt ...
Letzte Änderung: 14 Jun 2017 16:47 von leofant.
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17 Jun 2017 12:27 #478327
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Montag 24.04.17

Der Tag beginnt mit gemischten Gefühlen. Der Himmel ist immer noch zugezogen, nur der Nebel über dem Sumpfgebiet hat sich etwas gelichtet. Es ist wieder ratsam, eine dicke Jacke anzuziehen. Heute früh sehen wir ein weiteres bekanntes Gesicht beim Frühstück. Es ist der Elektriker, den wir bereits in der Goha Hills Lodge getroffen haben und der sich um die Installationen in der neuen Lodge kümmern soll. Er ist auch für die African Bushcamps in Botswana zuständig. Ich gehe also davon aus, dass er zuverlässig ist und gute Arbeit abliefert, denn er ist ja ein gefragter Mann.
Am gestrigen Abend haben wir uns mit unseren Mitfahrern aus Österreich geeinigt, den Tag etwas später anzufangen, weil es bei diesen Wetter- und Lichtverhältnissen nicht wirklich spannend ist, da draussen herumzukurven. Gestern ist mir diese Entscheidung noch etwas schwerer gefallen, heute ist klar, dass wir garantiert nichts versäumen werden.

Um 07:00 fahren wir los. Zunächst sehen wir eine Giant Eagle Owl im Baum, umringt von Glanzstaren und Gelbschnabeltokos. Die machen richtig Lärm, sie wollen den ungebetenen Gast wohl verscheuchen.



Vor uns queren einige kleine Frösche die Piste. Jetzt landet ein Glanzstar und zack! hat er einen Frosch aufgepickt. Der arme Kerl zappelt noch etwas, dann hängt er leblos im Schnabel. Am Rand einer Wasserstelle stehen einige Waffenkiebitze. Zwei rennen mit ihrem charakteristischem „pink, pink“ Ruf am Wasser entlang und scheinen sehr aufgeregt zu sein. Dann sehen wir den Grund der Hektik. Einige Küken tauchen auf und verstecken sich gleich wieder in den Grasbüscheln am Ufer. Erst als Esse den Motor stoppt und es ganz still ist, kommen sie wieder zum Vorschein. Das ist für uns eine Sichtung, die wir bisher noch nie hatten. Leider ist das Licht zu schlecht für akzeptable Fotos. Ein Stück weiter sucht ein Hammerkop in einer Pfütze nach etwas Fressbarem, Rotschnabelfrankoline durchwühlen frischen Elefantendung und lassen sich nur ungern von unserem Fahrzeug vertreiben. Ein Gaukler auf der Spitze eines Baums wäre ein schönes Motiv, aber nicht bei diesem miserablen Licht. Das gleiche gilt für drei Hornraben in den Ästen eines toten Baumes.





. Also müssen an einer anderen Wasserstelle zumindest einige Sporengänse als Models herhalten. Ein Reiher mitten in grüner Entengrütze gibt ein zufriedenstellendes Bild ab, zwei Bienenfresser auf einem Zweig, die nehme ich auch mit.







„Im Oktober, als es hier richtig trocken war, da hatten wir ein Löwenrudel am Wasserloch. Wir konnten fast jeden Tag dorthin fahren und einfach abwarten, die Katzen waren regelmässig auf der Jagd. Besonders der Kampf mit einer Büffelherde war richtig spannend!“ erzählt uns Esse. Vielen Dank lieber Esse, dass du uns gerade den Mund wässrig machst, leider haben wir jetzt nicht Oktober und leider müssen wir uns aktuell mit ein paar Mangusten und der lieben Vogelwelt zufrieden geben :dry:
Gegen 11:00 gibt es für mich das Highlight am Vormittag. Ich darf aussteigen und einen fleissigen Dungbeetle aus der Nähe aufnehmen. Na das ist doch ein aufregender Gamedrive :whistle:





Auf dem Weg zurück zum Camp geschieht etwas Unerwartetes. Der Himmel reisst auf! Immer mehr Wolken ziehen ab und geben der Sonne eine Chance. Mensch, wenn das so weitergeht, dann können wir ja tatsächlich mit dem Heli fliegen! Als wir zum Brunch ins Camp zurückkommen, erhalten wir die Info: Ab 13:00 beginnen die Rundflüge. Mit Einverständnis der anderen werden Ruth und ich beginnen. Um 12:45 steigen wir zu Esse ins Auto, der Weg zum „Airport“ ist nicht wirklich lang. Den Heli konnten wir bereits kurz vorher am Camp vorbei fliegen sehen. Um 13:00 sind wir am Ziel. Ein kleiner blauer Helikopter steht auf einer Lichtung und Rudolf, der Pilot, hat bereits auf einer Seite die Tür ausgebaut. Jetzt hat er eine grosse Öltonne herangewuchtet. Darin befindet sich allerdings kein Öl, sondern Flugbenzin.



Nach erfolgreicher Betankung können wir einsteigen. Inzwischen ist es richtig heiss geworden, wir werden also „da oben“ nicht frieren. Der Heli bietet 4 Personen Platz. Vorne sitzen der Pilot und ich, hinten sitzt Ruth. Wir bekommen Kopfhörer aufgesetzt, so können wir trotz des Motorenlärms kommunizieren. Womit ich nicht 100%ig zufrieden bin: Es gibt nur einen Sicherheitsgurt, wie er im Auto verwendet wird. Gerade weil die Tür ausgehängt ist, hätte ich mir einen Gurt gewünscht, der auch über beide Schultern angelegt wird. Wenn der Pilot etwas zur Seite kippt, ich mich beim Fotografieren hinauslehne und eventuell der Gurt aufgeht, dann war´s das für mich. Und Tschüs!

Na gut, es ist halt so, wie es ist, ich werde damit klar kommen müssen. Ich höre die Stimme des Piloten im Kopfhörer. „Alles klar?“ Ja, es kann losgehen. Fünf Sekunden später hebt der Heli ab und gewinnt sofort an Höhe. Ich schaue links hinaus und merke, dass ich keine Probleme habe. Ja fein! Das läuft ja besser als gedacht! Zunächst fliegen wir eine Kurve über den Linyanti und dann landeinwärts. Ich bin überrascht, denn ich hätte mir viel mehr Wasser im Flussbett vorgestellt, aber da unten ist eine Menge Sumpfgras, unterbrochen durch kleinere Wasserflächen. Während wir über das Land fliegen wird klar, warum Tiersichtungen zurzeit so schwierig sind. Wir sehen üppiges Grün, gespickt mit kleinen Wasserstellen.Die Tiere haben also überall Gelegenheit, ihren Durst zu stillen und müssen nicht bestimmte Plätze ansteuern. Immerhin können wir eine kleine Elefantenherde zwischen den Bäumen ausmachen. Sie scheinen auch nicht sonderlich beunruhigt über den lauten grossen Vogel im Himmel zu sein, denn sie fressen entspannt weiter, als wir ihren Standort überqueren. Die nächste Wasserstelle kennen wir. Dort sind die Hippos zuhause und dort haben wir bereits eine Kaffeepause gemacht. Wir fliegen weiter bis zum Saille Airstrip. Wofür wir am Boden eine gute Stunde benötigen, das wird jetzt inklusive Rundflug um die Wasserlöcher in ca. 15 Minuten abgespult. Der Pilot ist sehr engagiert, macht mich immer wieder auf etwas Interessantes aufmerksam und versucht alles, damit ich eine gute Fotoposition habe. Noch einmal überfliegen wir einige Elis, dann steuern wir wieder die Linyantisümpfe an.











Jetzt geht es in den Sinkflug, bis wir vielleicht noch 20 Meter über dem Gras sind, dann rauschen wir parallel zum Ufer entlang. Ein Hippo erschrickt und taucht unter, drüben am Ufer liegt ein Wasserbock, lässt sich aber durch uns überhaupt nicht stören. Einige Kudus schauen uns mit grossen Augen an, flüchten jedoch nicht. Ein weiterer Wasserbock steht am Wasser und trinkt. Auch scheint keine Angst zu haben.











Bald darauf taucht schon wieder das Camp auf, drei Minuten später sind wir gelandet. Ruth und ich sind uns einig: Der Flug war toll aber leider, leider viel zu schnell vorbei. Besonders der Flug dicht über den Boden hat einen Riesenspass gemacht. Wir hätten nichts dagegen, noch einmal in die Luft zu steigen, aber beim Anflug haben wir bereits gesehen, dass Esse mit den nächsten zwei Gästen im Anmarsch war. Wir bedanken uns bei Rudolf, Ruth versucht die zwei Österreicher davon zu überzeugen, dass der Flug überhaupt keinen Spass macht und das wir uns gerne für sie „opfern“, aber irgendwie glauben sie uns nicht :whistle:





Mein abschliessender Kommentar: Man kann sich sicherlich lange über Sinn und Unsinn eines Helikopterrundflugs im Busch streiten. Es ist auch nicht so, dass ich ab jetzt ein glühender Fan von solchen Angeboten bin, aber es war trotzdem interessant, diese Gegend etwas intensiver aus der Vogelperspektive zu erleben. Mixed Emotions also.

Wenig später sind wir schon wieder zurück im Camp. Die Mittagszeit verbringen wir auf der Terrasse, um 16:00 sind wir pünktlich in der Main Area. Nachdem sich das Wetter zum Positiven gewandelt hat, sind wir etwas hoffnungsfroher, was den Gamedrive am Nachmittag betrifft. Allerdings sehen die Tiere das anders. Und wieder sind die Sichtungen ziemlich überschaubar: Ein Baumhörnchen räkelt sich in der Sonne, einige Paviane und sogar Elefanten in einem Wäldchen, ein Graukopfliest im Geäst. Einige Zwergmanusten zeigen sich malerisch auf einem Termitenhügel, bei der Fahrt durchs dichte Buschwerk flattern sogar noch einige Bienenfresser um uns herum, aber sie sind zu unruhig für akzeptable Bilder.









Dann ist es schon wieder später Nachmittag. Aber immerhin, eins ist heute möglich: Einem richtig stimmungsvollen Sundowner sollte nichts im Wege stehen. Ruth spricht erst mit den Österreichern, dann mit unserem Guide: „Esse, es wäre super, wenn du heute einen tollen Platz am Ufer für den Sundowner finden könntest.“ Und ich ergänze noch: „Ich kann mich erinnern, dass wir vor sechs Jahren ganz in der Nähe an so einen Platz gestanden haben. Der Sonnenuntergang über dem Sumpf war unglaublich schön!“ Esse nickt verständnisvoll und sagt, es wüsste einen schönen Platz. Und tatsächlich hält er Wort. Ein paar Minuten später haben wir unser Ziel erreicht und können aussteigen. Die Getränke werden vorbereitet, während sich die Sonne erst golden, dann rötlich verfärbt. Nur ein paar wenige Schäfchenwolken dekorieren den Himmel, während der rote Feuerball genau gegenüber den Horizont erreicht. Das einzige, was ein bisschen nervt, sind die angriffslustigen Moskitos, aber man kann eben nicht alles haben und Esse hat zum Glück eine Dose „Peacefull Sleep“ dabei, damit können wir uns einsprayen und die schlimmsten Attacken verhindern. Linyanti zeigt sich wenigstens zum Abschluss noch einmal von seiner besten Seite und wir sind ein klein wenig versöhnt, auch wenn die Zeit hier – zumindest was die Tiersichtungen angeht – uns eher gedämpfte Freude bereitet hat.









Die Sonne ist am Horizont hinter den Sümpfen verschwunden, wir fahren weiter. Esse hat sich den Scheinwerfer geschnappt, aber irgendwie sind alle Tiere bereits zu Bett gegangen. Als wir uns in der Nähe des Camps befinden, nimmt er einen anderen Weg als üblich, dann funkeln viele kleine Lampen durch den Busch. Aha! Mal wieder ein Buschdinner! Mensch, da haben wir ja Glück, dass die Regenwolken abgezogen sind, sonst hätte es für uns ein feuchtfröhliches Ende gegeben.
Der Weg von den Fahrzeugen zur „Dinig Area“ und dem Feuerplatz ist mit vielen kleinen Lampen gesäumt, der gesamte Bereich ist mit diesen Lampen eingerahmt. Das sieht richtig romantisch aus. Am Feuer sitzt noch eine andere Gruppe. Neue Gäste sind angekommen, eine Familie aus Deutschland, sowie ein Ehepaar aus England. Die werden den Abend mit uns verbringen. Nachdem wir uns ans Feuer gesetzt haben dauert es nicht lange, und die Crew bietet uns eine Tanz- und Gesangsvorführung. Einige Lieder scheinen in ganz Botswana verbreitet zu sein, die könnten wir tatsächlich schon mitsingen… Danach wird uns gegrilltes Fleisch angeboten, wie fast überall gibt es auch Alternativen für Vegetarier. Unser Dinner ist lecker, der Wein sowieso, wir finden, es ist ein gelungener Abschluss nach einem erstmals sonnigen, trockenen Nachmittag.









Zurück im Camp wird es Zeit für uns, die Sachen zu packen. Es fällt uns eigentlich gar nicht so schwer. Das hat weniger mit dem Camp zu tun, als vielmehr mit der Vorfreude, unsere Freunde wieder zu sehen. Und irgendwie ist die Garden Lodge im Laufe der Jahre schon ein zweiter Wohnsitz für uns geworden, immerhin haben wir ständig einen Koffer mit Kleidung dort deponiert.
Ein letztes Mal kuscheln wir uns ins Bett und lauschen den tierischen Stimmen der Nacht, denn dieses Vergnügen ist uns in Kasane nicht vergönnt. Die nächtlichen Stimmen in dem Städtchen klingen definitiv irgendwie anders :whistle:

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Letzte Änderung: 17 Jun 2017 12:48 von leofant.
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Dienstag 25.04.17

Die Helligkeit des anbrechenden Tages dringt in unser Zelt. Was ist denn das? Ein Blick aus der geöffneten Tür zeigt: Mensch, da draussen ist ja schönes Wetter! Dass wir das noch erleben durften :)

Wir machen uns reisefertig, dann geht es zum Frühstück. Der Plan des heutigen Vormittags sieht vor, dass wir zusammen mit den Österreichern einen regulären Gamedrive absolvieren und dass man uns am Airstrip einfach „abgibt“. Auch die anderen Gäste fangen ihren Gamedrive eine halbe Stunde später an. Die deutsche Familie zählt drei Personen. Mutter, Bruder und Schwester. Die Geschwister sind locker über 30, eher an die 40 Jahre alt. Ruth hat schon herausgefunden, dass Mama sie nach Afrika eingeladen hat. Während der Bruder mit T-Shirt und Jeans zum Frühstück erscheint (die Mosiktos freuen sich mächtig), ist seine Schwester so ganz anders angezogen. Sie hat hohe Schuhe mit Stulpen an, damit ja kein Käfer und keine Mücke irgendwie in die Hose rein kommt. Natürlich ist die dicke Jacke bis zum Hals zugeknöpft und dann trägt sie einen Hut mit integriertem Mückenschutz. Eigentlich sieht sie aus wie ein Imker, der gerade Honig aus dem Bienenbau holen will. Aber eins steht zumindest fest: Gestochen wird die nicht!

Gegen 07:00 verabschieden wir uns von der Staff. Natürlich wird Wheena etwas länger gedrückt. Wir verabreden uns für ein nächstes Treffen in den nächsten zwei, drei Jahren, der Zeitraum von 6 Jahren zwischen unseren bisherigen Treffen ist uns einfach zu lang ;)
Das Gepäck ist bereits im Wagen verstaut, also kann es losgehen.

Draussen im Wald werden wir doch tatsächlich sofort von einer Pavianmeute begrüsst. Als sie uns sehen, rennen sie – warum auch immer – in Panik davon. Dabei ist doch die „Imkerin“ gar nicht in unserem Wagen :whistle:
Etwa 20 Minuten später findet Esse frische Löwenspuren, welche die Piste kreuzen. Denen möchte er folgen. Ähem, na da bin ich doch mal gespannt! Wir verlassen also die Piste, und bahnen uns einen Weg durch das Dickicht. Die Büsche sind hoch, das Gras ist hoch, doch da bewegt sich was! Vor uns hüpft ein Wasserbock durchs Gesträuch, bleibt stehen und beobachtet uns kritisch. Nein, lieber Wasserbock, wir sind kein mächtiges Raubtier, es gibt also keinen Grund, zu flüchten. Irgendwann kommt Esse zu dem Schluss, dass die Löwen nicht zu finden sind. Ach, das überrascht uns aber ganz doll :S





Gegen 08:30 erreichen wir das Ufer des Linyanti. Hier haben wir einen netten Blick über die Sümpfe. Grünes Gras, blaues Wasser, darüber wölbt sich ein blitzblanker Himmel. Ja! So kann es hier auch aussehen, wenn der Wettergott sich mal ein wenig Mühe gibt! Einige Blutschnabelweber, eine Sporengans im Baum, das Wildlife hält sich auch heute mal wieder zurück. Eine Dreiviertelstunde später sind wir bei den Hippos angekommen. Einige Enten und Gänse lockern das Hippo-Ensemble etwas auf. Am Rand des Wasserlochs können wir einen Woodland Kingfisher ausmachen, leider ist er zu weit weg für ein Foto. Wir nutzen die Rast für eine Kaffeepause. Dann versuchen wir unser Glück noch einmal Richtung Ufer, allerdings sind die Bienenfresser, die um uns herumschwirren, etwas zu scheu für gute Bilder.









Um 12:45 sind wir am Airstrip angekommen, 15 Minuten später ist unser Flieger auch schon gelandet. Ruckzuck ist unser Gepäck in der Maschine verstaut, wir nehmen Abschied von Esse. Diesmal bekommt er ein dickes Lob von mir. Das kann ich auch mit gutem Gewissen aussprechen, denn er hat sich in den letzten 6 Jahren zu seinem Vorteil verändert. Es gibt keinen Grund mehr, über ihn zu meckern, auch wenn wir zu ihm ein anderes Verhältnis haben, als zu Wheena. Aber die Vibes können ja auch nicht immer perfekt sein, es gibt garantiert genug Leute, die mit uns auch nicht so viel anfangen können, das ist uns schon bewusst.
Ein letztes „Servus“ an die Österreicher, dann klettere ich auf den Sitz neben dem Piloten, Ruth nimmt die hintere Sitzbank in Beschlag. In der Mitte sitzt noch ein Paar aus Kanada. Am blauen Himmel haben sich inzwischen wieder viele Wolken eingefunden, es wird Zeit, ihnen davon zu fliegen. Kurz darauf haben wir auch schon die Wolkengrenze erreicht und steuern nach Nordosten in Richtung Kasane.



Die Landschaft gleitet unter uns vorbei, zunächst Braun und Grün mit unzähligen dunkelgrünen Punkten, das sind die Bäume und Büsche. Jetzt haben wir den gewundenen Flusslauf wieder erreicht, inzwischen heisst er nicht mehr Linyanti, sondern Chobe. Bekannte Punkte tauchen auf, allen voran natürlich der Grenzposten Ngoma, der Namibia von Botswana trennt. Der Fluss unter uns ist richtig breit geworden und leuchtet in dunkelblauer Farbe zu uns herauf. Dann geht alles ziemlich schnell. Einige Inseln im Fluss, Serondela, die Chobe Game Lodge, die vertrauten Pisten am Flussufer, diesmal teilweise vom Wasser bedeckt. Der Pilot fliegt noch einmal eine Runde über Chobe, dann zeigt die Nase des Flugzeugs auf die Landebahn des Kasane International Airports. Nach etwas mehr als 45 Minuten setzen wir auf der Betonpiste auf. Es ist mal wieder ein anderes Gefühl, auf einer asphaltierten Bahn statt auf einer Schotterpiste auszurollen.























Der Flieger bewegt sich zur Parkposition, dann können wir aussteigen. Die Kanadier wollen ebenfalls in die Garden Lodge, wir haben also den gleichen Weg. Ein Angestellter mit Gepäckwagen kommt und lädt das Gepäck auf, wir verabschieden uns vom Piloten und laufen zum Empfangsgebäude. Der Flughafen wird bereits seit Jahren umgebaut bzw. vergrössert, aber das neue Terminal ist immer noch nicht bezugsfertig. Da wir einen Inlandsflug hinter uns haben, gibt es für uns auch keine Kontrolle. In der kleinen Halle sehen wir bekannte Gesichter. Freundin Gabi und mein spezieller Freund John holen uns ab. Wir begrüssen uns, dann schnappt sich Gabi meine Frau, packt sie in ihren Mini und die beiden Mädels brausen ab. Ich kümmere mich mit John um das Gepäck und wir verstauen es im Safari Fahrzeug. Die Kanadier steigen hinten ein, während ich mich zu John setze. So können wir uns besser unterhalten, was in den letzten 6 Monaten so alles passiert ist. Ausserdem bin ich ab jetzt kein regulärer Gast mehr, sondern eine Art „Lodge-Zubehör“.

Wir fahren die Flughafenstrasse bis zur Überlandstrasse, die von Namibia und dem Parkeingang kommt und nach Zambia und Zimbabwe weiter führt. Kurz darauf biegen wir ab und fahren den Hügel hinunter nach Kasane. Von hier aus hat man einen wundervollen Blick auf den Fluss und das Hinterland. Die Strasse windet sich den Hügel hinunter, vorbei an dem grossen Baobab bis zur Hauptstrasse, die das Städtchen durchzieht. Weiter geht es, mitten durchs pralle Stadtleben, vorbei am „Shopping Center“ und Shell Tankstelle, ein paar Minuten später haben wir unser Ziel erreicht, der letzte Teil unseres Botswana Aufenthaltes kann beginnen.

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Letzte Änderung: 18 Jun 2017 12:34 von leofant.
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