THEMA: Botswana April 2017 – Mixed Emotions
30 Mai 2017 09:19 #476524
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  • leofant am 30 Mai 2017 09:19
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Liebe Fomis,

heute vor genau 4 Wochen sind wir in Frankfurt gelandet, zurück aus Botswana mit vielen neuen und schönen Eindrücken, aber auch einigen – zumindest aus Fotografensicht – kleinen Enttäuschungen. Der Titel „Mixed Emotions“ hat also durchaus seinen Grund.

Eigentlich sollte es Ende Mai nach Südafrika gehen. Wir wollten mit einer guten Freundin von Capetown zum Fishriver Canyon und noch einen Abstecher in den Kgalagadi Transfrontier Park machen. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, endlich Fotos von den Erdmännchen zu machen, zumal diese Tierchen Teil des Firmenlogos unserer Freundin sind. Als wir Anfang Dezember 2017 vom Chobe zurückkehrten, erhielten wir die schlechte Nachricht, dass die geplante Reise wegen gesundheitlicher Probleme unserer Freundin nicht stattfinden konnte. Wir waren sehr traurig. Natürlich hätten wir die Möglichkeit gehabt, die Reise zu zweit anzutreten, aber das wollten wir nicht, denn es wäre nicht das Gleiche gewesen, unsere Freundin hätte einfach gefehlt.

Zunächst überlegte ich, was wohl als Alternative infrage käme. Ja, ich treffe diese Entscheidungen so gut wie alleine! Meine Frau Ruth vertraut mir in dieser Hinsicht völlig und ihr einziger Kommentar zu diesem Thema ist: „Such was Schönes aus!“ Toll, das setzt mich ja zum Glück überhaupt nicht unter Druck :S
Mir war ziemlich schnell klar, dass es (mal wieder) Botswana werden würde, damit kann ich bei meiner Frau nichts falsch machen, besonders, wenn die Reise bei Freundin Gabi in Kasane endet. Die kleine Herausforderung war eher: Wo kommen wir noch so kurzfristig unter, zumal die Osterfeiertage genau in den geplanten Reisezeitpunkt fielen. Meine Befürchtungen, dass es schwierig werden würde, bestätigten sich, da einige meiner Kontaktpersonen sich bereits in die Weihnachts- bzw. Sommerferien verabschiedet hatten. Mitte Januar, nach einer – zumindest für mein Empfinden – endlosen Wartezeit, kam wieder Bewegung in die Sache und Ende Januar hatten wir tatsächlich alles unter Dach und Fach. Ich möchte ein nachträgliches Dankeschön loswerden:
Danke Betty und vor allen Dingen, Danke Hella, Du hast richtig gut gezaubert :kiss:

Der Verlauf unserer Reise

12.04.17 Start in Frankfurt
13.04.17 Landung in Joburg, Weiterflug nach Maun, Weiterflug ins Okavango Delta, 3 Nächte Machaba Camp (Khwai)
16.04.17 Road Transfer zum Khwai Tented Camp, 3 Übernachtungen
19.04.17 Flug nach Savute, 3 Nächte Goha Hills Lodge
22.04.17 Flug nach Linyanti, 3 Nächte Linyanti Bushcamp
25.04.17 Flug nach Kasane, 6 Nächte Garden Lodge
01.05.17 Flug von Kasane nach Joburg, Weiterflug nach Frankfurt

Nachdem ich mich zunächst einmal entspannt zurücklehnte, trafen immer mehr beunruhigende Nachrichten aus Botswana ein. Es regnete und regnete und regnete. Ja, klar! Ich freute mich für das Land, die Menschen, die Farmer und natürlich die Tiere, aber irgendwie wurde ich auch leicht depressiv. Die liebe Bele hatte mit ihren Bildern aus der Khwai Area durchaus ihren Anteil!
Anfang März, auf der ITB in Berlin, konnte ich mir verschiedene Videos und Bilder anschauen. Die Kalahari glich irgendwie der Mecklenburgischen Seenplatte, ein Video von meinem Freund Walter Smith zeigte Wasser, noch mal Wasser und extrem hohes Gras. Ach ja, man konnte die Hornspitzen einiger Oryx erkennen, die über das Gras ragten. Die Besitzer der Goha Hills Lodge in Savute erzählten mir von einer wunderschönen, grünen Landschaft. Ja, das glaube ich gerne, aber für schöne Tierfotos ist das alles nicht so optimal. Im Delta gab es an vielen Stellen bereits Überflutungen, mein scherzhaft gemeinter Rat, vielleicht Tauchflossen mitzunehmen, war gar nicht so weit von der Realität entfernt :whistle:
Zurück aus Berlin, kam mal wieder Bele mit Bildern vom Chobe zum Zug. Oh, Mann! Das wird eine wirklich grosse Herausforderung, das war absolut klar! Mein nächstes Problem war, dass ich eigentlich keine optimale Ausrüstung für eine Fotosafari habe. Ich liebe zwar meine 70-200 mm Linse, aber eigentlich ist sie nur für Elefanten, Giraffen, vielleicht Hippos und andere relativ grosse Tiere geeignet, wenn es um Vögel geht, stehe ich meistens auf verlorenem Posten. Ihre Stärke liegt in Tierportraits, das setzt aber voraus, dass die Tierchen auch ganz dicht ans Auto oder ans Boot kommen. In den meisten Fällen ist das eher nicht der Fall. Meine Alternative, das 28-300 mm Reiseobjektiv, ist auch nicht wirklich eine Waffe, ich hatte also – zumindest meiner Meinung nach – ein ziemlich starkes Handicap. Viel mehr konnte ich leider nicht mitnehmen, denn in den Buschfliegern gibt es ein – immer wieder kommuniziertes – Gewichtslimit und das heisst 20 KG INKLUSIVE Handgepäck. Zwei Kamera Bodys, zwei (relativ schwere) Linsen, eine Kompaktkamera, Ladegeräte und noch dies und das … schon hatte ich fast die Hälfte meines Limits erreicht und ich hatte keine Lust, einen zusätzlichen Sitz für das Equipment zu buchen.

Trotz einer gewissen Anspannung wollte ich natürlich unbedingt diese Reise machen, vielleicht wartete ja doch das eine oder andere kleine Abenteuer auf uns. No Risk, no fun :woohoo: :woohoo:

Eigentlich könnte ich mir die Beschreibung der ersten Tage unseres Aufenthaltes sparen, denn Bele hat es bereits wunderbar beschrieben und wir waren ja in der gleichen Gegend unterwegs. Ausserdem hatte sie (bis auf die Leoparden) wohl mehr Sichtungsglück als wir, speziell auf die Baumlöwen bin ich schon seeehr neidisch, eben weil wir ja in der gleichen Gegend waren und die Möglichkeit einer Sichtung auch gehabt hätten. Aber gut, ich fange trotzdem am Anfang an. Wer es etwas spezieller / ausführlicher haben möchte, der kann gerne ihren Bericht lesen, es lohnt sich !!!

Habe ich jetzt genug gejammert? Dann will ich es mal mit Text und Bildern versuchen…

Mittwoch 12.04.17

Wie fast immer sitzen wir im Auto meines Schwagers, der uns zum Frankfurt Airport bringt. Es ist kurz vor 18:00 und wir werden in wenigen Minuten am Ziel sein. Heute geht es endlich wieder in Richtung unserer Lieblingsdestination Botswana! Es ist schon wieder ein halbes Jahr vergangen, seitdem wir das letzte Mal einen herrlichen Sonnenuntergang auf dem Chobe River erlebt haben. Es wird also höchste Zeit, so etwas zu wiederholen! Allerdings werden wir nicht – wie letzten November – direkt nach Nordbotswana zu unseren Freunden reisen, sondern unsere erste Station wird Maun, Botswana, sein. Von dort aus fliegen wir zunächst ins Okavango Delta.

Am Check-in der SAA erhalten wir die Bordkarten für den Flug von Frankfurt nach Johannesburg und für den Weiterflug am nächsten Morgen nach Maun. Danach bringen wir die Pass- und die Sicherheitskontrolle hinter uns. Jetzt können wir erst einmal entspannen. Nachdem wir uns einen Snack und einen Wein gegönnt haben, wird es Zeit, zum Abfluggate zu laufen, denn es steht noch ein Treffen mit FoMi Bele auf dem Programm. Sie fliegt mit ihrer Familie heute ebenfalls nach Botswana und wir haben uns deshalb vor dem Flug verabredet. Nach kurzer Kommunikation via „whatsapp“ finden sie wir auch und wir haben eine nette Unterhaltung, bis wir zum Einsteigen aufgerufen werden. Zur Begrüßung gibt es ein Getränk, wir richten uns häuslich ein und pünktlich um 20:45 rollt der Flieger in Richtung Startbahn. Bald darauf heulen die Düsen auf, der Airbus beschleunigt und wir heben ab.
Etwas später wird das Abendessen serviert, wir machen uns auf der Bordtoilette bettfertig und bald darauf sind wir auch schon eingeschlafen.

Donnerstag 13.04.17

Etwa 8 Stunden später werden wir zum Frühstück geweckt. Bei einem Blick aus dem Fenster sehe ich die erste zarte Morgenröte am Horizont. Unter uns zeigt der afrikanische Kontinent noch seine dunkle Seite. Gegen 07:00 befinden wir uns bereits im Anflug auf Johannesburg, ziemlich genau um 07:15 setzen wir sanft auf der Rollbahn auf. Wir docken an, dann laufen wir wieder einmal durch die endlos scheinenden Gänge des Transitbereiches. Wir erreichen eine Passkontrolle, diesmal müssen wir unsere Fingerabdrücke einscannen, diese Routine wurde vor kurzem neu eingeführt. Es folgen eine Bordkartenkontrolle und ein Sicherheitscheck, jetzt noch eine Rolltreppe in das obere Stockwerk und schon laufen wir zur SAA Lounge. Heute früh waren extrem wenige Passagiere vor uns, deshalb konnten wir alle Formalitäten in Rekordzeit hinter uns bringen.
In der Baobab Lounge angekommen (wir haben ein Upgrade Ticket für den Flug Joburg – Maun), finden wir in unserer Lieblingsecke zwei freie Liegesessel, auf denen wir uns wunderbar ausstrecken können. Meine Frau besorgt uns ein zweites Frühstück, wir machen uns frisch und gegen 10:45 geht es zum nächsten Abfluggate. Es dauert nicht lange und „Freundin“ Bele erscheint. So haben wir noch Zeit für einen weiteren Schwatz. Wir blicken durch die Glasfront nach draußen, es regnet heftig. Na hoffentlich ist das Wetter in Botswana etwas besser!

Gegen 11:15 werden wir zum Einsteigen aufgerufen. Allerdings warten wir noch eine ganze Zeitlang im bereitgestellten Bus, bevor man uns auf das Vorfeld fährt. Wir erreichen nach ein paar Minuten unseren Flieger, der Regen prasselt auf das Vorfeld und überall fließen kleine Bäche. Wir werden aufgefordert, erst einmal im Bus zu bleiben, bis wir das Zeichen von der Crew erhalten. Leider können wir nur hinten einsteigen; weil wir in Reihe 2 Sitzen, müssen wir also zunächst im strömenden Regen die schmale Treppe hoch und dann durch den engen Gang nach vorne. Da sich die Passagiere vor uns erst einmal ihre Plätze suchen, dauert diese Prozedur etwas länger. Dann haben wir – ziemlich durchnässt - endlich unsere Plätze erreicht, das Flugzeug ist startfertig und siehe da! Wie auf Bestellung hört es auf zu regnen :)

Mit etwas Verspätung verlässt der Flieger den Standplatz, rollt zur Startbahn und bald darauf sind wir auch schon in der Luft. Wir essen den Snack, der uns serviert wird, dösen auf unseren Sitzen und eineinhalb Stunden Später informiert uns der Pilot über die bevorstehende Landung in Maun. Ich blicke aus dem Fenster. Der Thamalakane River, der das Städtchen nach Süden hin begrenzt, führt dieses Jahr reichlich Wasser. Die Gründe dafür habe ich ja bereits erwähnt.

Um kurz nach 14:00 sind wir gelandet und rollen vor das Empfangsgebäude. Der Maun International Airport ist nicht besonders weitläufig und wir sind der einzige größere Flieger auf dem Parkplatz. Wie der Zufall es so will, stehen wir zusammen mit Bele und Familie in der langen Schlange. Die sind zwar hinten ausgestiegen, haben aber genauso lange gebraucht, wie wir. Das Wetter in Maun ist nicht so übel, es ist zwar bewölkt, aber angenehm warm. Endlich erreichen wir den Schalter. Der Beamte blättert lange in unseren Pässen, schaut auf den Bildschirm seines PCs und ist nicht wirklich zufrieden mit dem, was er sieht. „Sie waren letztes Jahr insgesamt länger als 90 Tage in Botswana und hätten deshalb ein Visum gebraucht“ sagt er zu mir. Ich bin verblüfft. „Nein, das kann nicht sein“ sage ich. „Wir waren – wie meistens – drei Wochen im April und drei Wochen im November hier, einen längeren Aufenthalt können wir uns leider nicht leisten“ antworte ich. „Er wiegt den Kopf hin und her und schaut mich kritisch an. „Außerdem müssten sie doch die Ein- und Ausreisestempel in unseren Pässen sehen. Das zeigt ihnen doch, dass ich die Wahrheit gesagt habe,“ gebe ich noch einen Kommentar ab. Er schaut ein letztes Mal auf den Monitor, tippt etwas ein, dann bekommen wir unsere Stempel. Endlich dürfen wir ganz offiziell den Boden Botswanas betreten!

Unser Gepäck ist bereits da, also packen wir unsere Sachen zusammen, laufen durch die Zollkontrolle und erreichen die Vorhalle. Hier werden wir bereits erwartet. Wir müssen nicht lange suchen, denn ein großes Schild mit unseren Namen wird hochgehalten. Wir verabschieden uns noch schnell von Bele und Familie, dann begrüßen wir eine Angestellte der Mack Air. Wie immer spreche ich ein paar Sätze auf Setswana, das wird mit freudiger Überraschung und einem fröhlichen Lachen registriert. Eine zierliche junge Frau wird uns vorgestellt. „Das ist ihre Pilotin. Die begleitet sie durch die Sicherheitskontrolle und wird dann mit ihnen zusammen zum Flugzeug fahren.“ Ich bin kurzzeitig überrascht, denn ich stelle mir gerade vor, wie dieses zierliche Mädchen den Buschflieger wohl bei heftigem Wind steuert, aber ich denke mal, sie würde kaum auf dem Pilotensitz platznehmen dürfen, wenn sie extreme Flug-Situationen nicht bewältigen könnte.

Nach der Kontrolle müssen wir noch eine Zeitlang im Vorraum warten, dann werden wir von unserer Pilotin zum Ausgang gebeten. Mit uns fliegt noch ein Ehepaar aus Australien. Sie wollen in ein Gebiet nördlich des Deltas mit Namen Selinda. Das kennen wir gut, denn dort waren wir auch schon. Der Shuttlebus fährt vor und wenige Minuten später haben wir die 8-sitzige Maschine erreicht. Ich frage die Pilotin gleich mal, ob ich neben ihr sitzen darf, das wird bejaht. Dieser Sitz ist nun mal mein Lieblingsplatz, auch wenn er für mich aufgrund meiner Größe eigentlich gar nicht bequem ist. Ich muss während des Fluges immer aufpassen, dass ich weder auf die Steuerpedale trete, noch das „Lenkrad“ blockiere. Das hätte unangenehme Folgen für unseren Flug.
Das Gepäck ist schnell verstaut, die Passagiere steigen ein, erhalten noch ein paar Sicherheitshinweise (Wo ist das Wasser und der Feuerlöscher für Notfälle) und um 15:15 biegt die Maschine auf die Startbahn ein. Unsere Pilotin gibt vollen Schub, die kleine Maschine gewinnt schnell an Fahrt und hebt ab. Ein leichter Schwenk nach links und schon fliegen wir in gerader Linie unser Ziel, nämlich das Khwai Gebiet, an. Die einzige Änderung: Der Khwai Airstrip, der sich in nächster Nähe unseres Camps befindet, ist komplett überflutet, deshalb müssen wir einen Landeplatz außerhalb dieses Gebietes ansteuern. Ich schaue nach unten und sehe das, was ich erwartet habe. Waren es im letzten Jahr überwiegend Braun- und Ockertöne, welche die Landschaft bestimmten, so ist es diesmal die Farbe Grün in allen möglichen Schattierungen. Und überall sind Wasserläufe und unzählige kleine Tümpel und Wasserlöcher zu sehen. Die Wolken werden etwas dichter, aber es bleibt weiterhin trocken, wir können uns also nicht beschweren.











Eine halbe Stunde später haben wir den Airstrip in der Nähe des Banoka – Wilderness- Camps erreicht. Die Pilotin fliegt noch eine Kontrollrunde über den Platz um sicher zu gehen, dass sich kein Hindernis in Form von Elefanten, Impalas oder Warzenschweinen auf dem Landestreifen befindet, dann verliert die Maschine schnell an Höhe und kurze Zeit später setzen wir sanft auf der Sandbahn auf. Am Rand wartet bereits ein Safarifahrzeug auf uns. Die Maschine rollt aus, wir verabschieden uns von den Australiern und steigen aus. Der Fahrer begrüßt uns, verlädt unser Gepäck, wir sagen der Pilotin „good bye“ und ich lobe sie, denn die Landung war wirklich extrem sanft. Dann verlässt die Maschine den Landepunkt und fliegt weiter nach Norden.





Jetzt ist es wieder still um uns herum. Unser Fahrer stellt sich vor. Sein Name ist Sean und er ist der Manager unserer ersten Station, dem Machaba Camp. Da es schon relativ spät ist und wir noch eine Stunde Autofahrt vor uns haben, fragt er uns, ob wir auf die Pirsch am Nachmittag verzichten wollen und er uns lieber gleich ins Camp fahren soll. Ruth und ich schauen uns an. Wir sind zwar nach der langen Reise etwas müde, aber einen Gamedrive sausen lassen, das kommt für uns gar nicht infrage!
Sean funkt also in die Lodge, dass wir uns unterwegs mit unserem Guide treffen wollen. Wir wechseln dann einfach das Fahrzeug, während der Manager mit unserem Gepäck weiter fährt. Das klingt gut! Wir holpern die sandige Buckelpiste entlang und sind nach wenigen Minuten wieder in unser „Botswana-Leben“ eingetaucht. Was gibt es schöneres, als im Busch wilde Tiere aufzuspüren? Mir fällt gerade nichts ein :)

Gegen 16:45 erreichen wir eine breite Schotterstrasse. Genau in diesem Moment erscheint ein weiteres Auto. Das ist unser Guide. Na wenn das kein perfektes Timing ist! Ich nehme meine Fotosachen und wir wechseln das Fahrzeug. Unser Guide Albert stellt sich vor, außerdem fahren wir mit einem Ehepaar aus Australien auf die Pirsch. Immer wieder treffen wir Australier! Aber bisher haben wir mit diesen Landsleuten fast nur positive Erfahrungen gemacht. Auch diese Beiden erweisen sich als angenehme Mitfahrer.
Wir bleiben auf der Gravelroad und fahren in nördliche Richtung. Irgendwann biegen wir auf eine Sandpiste ab. Das Buschwerk ist dicht, das Gras am Rand ist hoch, keine wirklich guten Bedingungen für einen Fototrip. Aber ich bleibe entspannt, das alles habe ich ja gewusst. Vor uns sehen wir ein anderes Fahrzeug. Wir fahren jetzt querfeldein und nähern uns ein paar Büschen. Da wir in einer Privatkonzession unterwegs sind, dürfen wir ungestraft offroad fahren. Albert stoppt und macht den Motor aus. Mitten in einem Busch erkennen wir Körper und Kopf einer Löwin. Sie ist ca. 2 Meter hochgeklettert und liegt jetzt auf ein paar mittelstarken Ästen. Was treibt bitte schön die Löwin auf so einen ungemütlichen Platz? „Sie flüchtet vor den Fliegen am Boden“ erklärt uns Albert. Der Kopf der Katze lugt zwischen den dichten Blättern hervor, das gibt ein paar nette Schnappschüsse für mich.





Jetzt versucht sie eine andere Liegeposition zu finden, der ganze Busch wackelt bedenklich. Hier besteht durchaus Absturzgefahr! Nach einer knappen halben Stunde fasst die Löwin den Entschluss, ihre Position zu verlassen. Vorsichtig dreht sie sich um, zeigt uns kurz ihr Hinterteil, um dann nach einigem Zögern auf die Erde zu springen. Sie hinkt etwas, so als hätte sie sich beim Hinunterspringen den Knöchel verknackst, jetzt legt sie sich hin und schaut uns fast ein wenig vorwurfsvoll an. Dann rollt sie sich über den Rücken auf eine Seite. Tatsächlich stürzen sich innerhalb kurzer Zeit viele Fliegen auf sie. Albert hat also mit seiner Erklärung für die Kletteraktion der Löwin Recht gehabt. Genervt streicht sie mit einer Pranke über ihren Kopf und verdeckt die Augen, so als wolle sie ihre Umgebung einfach nicht mehr sehen. Die Raubkatze hebt noch einmal den Kopf, schaut müde in unsere Richtung, dann legt sie wieder die Pranke über die Augen und döst.









Es ist jetzt kurz nach 18:00, die Sonne ist bereits hinter den dichten Büschen um uns herum verschwunden, wir starten zu unserer Rückfahrt zum Camp. Als wir die Sandpad erreichen, stoppen wir noch einmal kurz, um die rosa eingefärbten Wolken zu bewundern, dann fahren wir bei einbrechender Dunkelheit weiter.



Langsam macht sich bei uns die lange Anreise bemerkbar, wir werden ziemlich müde und wünschen uns nur noch, dass wir das Camp bald erreichen. Nach einer halben Stunde erfassen die Scheinwerfer des Fahrzeugs zwei Hyänen, die am Rand der Piste entlang laufen. Da man diese Tierart nicht häufig sieht, werden wir natürlich langsamer und fahren hinter ihnen her. Meine Frau wird etwas ungeduldig, sie möchte jetzt ins Camp. Wir sind seit mehr als 24 Stunden unterwegs, es wird Zeit, mal zu Duschen, die Kleidung zu wechseln und sich hinzulegen. Aber wir wollen natürlich unseren Mitfahrern den Spaß nicht verderben und verhalten uns ruhig. Nach fünf Minuten drehen die Hyänen ab und verschwinden in den Büschen. Jetzt können wir weiter fahren. Kurz darauf verlassen wir die Schotterstrasse und rumpeln einen Sandweg entlang. Hin und wieder müssen wir tiefe Schlammlöcher umfahren, auch hier sind die Nachwirkungen der ungewöhnlich intensiven Regenzeit zu sehen.

Irgendwann sehen wir ein paar Lichter vor uns, kurze Zeit später haben wir das Machaba Camp erreicht. Wir werden – wie so oft – mit feuchten Tüchern empfangen, dann bringt man uns zu unserem Zelt. Die Formalitäten werden später erledigt. Wir duschen in Rekordzeit, wechseln die Kleidung und schon werden wir zum Dinner abgeholt. Auch hier dürfen wir in der Dunkelheit nicht ohne Begleitung laufen, denn das Camp ist nicht eingezäunt und tierische Besucher wie Elefanten, Hippos, Büffel oder vielleicht auch Raubkatzen können jederzeit durch das Areal streifen.
In der Main Area angekommen erledigen wir schnell noch das Formelle, dann gönnen wir uns einen verspäteten Sundowner in Form von Rotwein. Gegessen wir an einem langen Tisch, die Gäste sitzen also alle nebeneinander oder gegenüber. Wein und Abendessen sind ohne Fehl und Tadel, und wenige Minuten nach dem Dessert lassen wir uns wieder zum Zelt bringen. Wir sind jetzt total KO und sehnen uns nach einem Bett. Fünf Minuten später schlüpfen wir unter die Decke und kurze Zeit später sind wir auch schon eingeschlafen.

Freitag 14.04.17

Die Nacht verläuft ruhig, vermutlich hätte ein Eli unser Zelt zerstören können, wir hätten es nicht bemerkt. Eine Viertelstunde vor dem „offiziellen“ Wecktermin, also um 05:15 werde ich wach. Draußen ist es zwar noch dunkel, die ersten Vögel machen sich aber schon bemerkbar. Ich muss gar nicht lange warten, da bewegt sich meine bessere Hälfte neben mir. Es wird Zeit, unseren ersten Tag im Machaba Camp zu beginnen. Um kurz vor 06:00 verlassen wir unser Zelt und laufen zur Main Area, nach einem kleinen Frühstück mit Cornflakes und Muffins werden wir unseren ersten Gamedrive unternehmen.

Machabe ist ein Zeltcamp direkt am Khwai River gelegen und bietet 20 Gästen in 10 Zelten eine Unterkunft. Zwei Zelte bilden eine sogenannte Family Unit, dort können 4 Personen übernachten. Die Main Area ist ein langes Zelt, das an einer Seite mit Blick auf den Khwai und das gegenüberliegende Ufer offen ist. In der einen Hälfte stehen zahlreiche quadratische Zweiertische, die am Abend zu einer großen Einheit zusammengestellt werden können. In der anderen Hälfte stehen bequeme Sessel und Sofas. Dort befindet sich auch ein Kühlschrank, aus dem man sich den ganzen Tag lang mit Getränken versorgen kann. Vor der Main Area befindet sich eine große, sandige Fläche. Hier wird abends ein Feuer gemacht. Unter einem schattenspendenden Baum kann man sich auf einem weiteren Sofa ausstrecken und das Wildlife beobachten. Alles macht einen harmonischen, entspannenden Eindruck. Nicht weit von der Main Area entfernt steht ein kleines offenes Zelt. Hier befindet sich der Internet Hotspot mit einer – wenn auch zeitweise wackeligen – W-Lan Verbindung.















Unser Zelt ist ca. 60 qm groß, hat einen Hauptraum mit Betten und Ankleidebereich sowie eine abgetrennte Dusche und ein WC. Wenn man heißes Wasser bestellt, kann man auch die Außendusche (Bucketshower) benutzen.













Doch zunächst einmal widmen wir uns dem kurzen Frühstück. Das Camp ist gut besucht und drei Safarifahrzeuge stehen zur Abfahrt bereit. Während wir unseren Kaffee schlürfen, erscheinen auch die Australier, kurz darauf kommt Albert. Unser Guide ist uns sehr sympathisch und ich weiß jetzt schon, dass wir uns sehr gut mit ihm verstehen werden. Andere Gäste sind natürlich auch schon da, sie kommen aus Frankreich, Deutschland und Australien. Die Familie aus Deutschland ist noch vom nächtlichen Besuch beeindruckt. Zwei Hippos haben in unmittelbarer Nachbarschaft das Gras abgeweidet. Das hört man in einem Zelt natürlich sehr gut, da ist an Schlaf nicht wirklich zu denken.
Um kurz vor 07:00 kommt Albert zu uns. „Are you ready?“. Na das braucht er uns nur einmal zu fragen, ich bin IMMER bereit für eine Pirsch :woohoo:

Wir setzen uns ins Fahrzeug, in der ersten Reihe die Australier, in der zweiten Reihe wir. Der Weg schlängelt sich durch ein Wäldchen, dann erreichen wir offenes Gelände, eine sogenannte Pfanne. Die Gegend besteht aus hellem, festen Sand mit vielen grünen Büschen und Bäumen. Wieder schaukeln wir einen Sandweg entlang, bis wir auf die Schotterstrasse treffen, die hoch zum Chobe Nationalpark führt. Links und rechts tauchen ab und zu einige Impalas oder Paviane auf, andere nennenswerte Sichtungen aber gibt es nicht. Albert erhält einen Funkspruch, Ruth und ich können das Wort „Nkwe“ verstehen, also scheint der Morgen gleich mit einer Leopardensichtung zu beginnen. Wir fragen Albert, ob wir die Info richtig verstanden haben, er nickt und bestätigt unsere Meinung. Ich habe aber den Eindruck, es scheint ihm nicht recht zu sein, dass wir einzelne Wörter übersetzen können. Ich kann seine Bedenken schon verstehen, schließlich weiß er ja nie, ob die Katze bis zu unserer Ankunft überhaupt noch sichtbar ist und er möchte keine enttäuschten Gäste im Auto haben.
Wir beschleunigen etwas, bald darauf biegen wir ab. Etwa 10 Minuten später können wir ein anderes Auto entdecken, dessen Insassen gespannt eine Stelle im Busch beobachten und die Kameras gezückt haben. Der Leo scheint noch da zu sein. Wir warten einen Moment, dann entfernt sich der Wagen, jetzt können wir etwas näher an den Ort des Geschehens heranfahren. Tatsächlich liegt der Leopard im dichten Gras, schaut uns zwar an aber lässt sich nicht wirklich durch den Lärm des Fahrzeugs stören. Dann stellt Albert den Motor ab und es wird wunderbar ruhig. Nur der Gesang der Glanzstare ist jetzt zu hören. Ich versuche, ein paar Nahaufnahmen vom Leo zu machen. Das ist gar nicht so einfach, denn das Gras ist ziemlich hoch und dicht und das liebe Kätzchen denkt gar nicht daran, sich vielleicht etwas nach vorne zu bewegen, damit ich weniger Grashalme auf dem Foto habe :S



Irgendwann wird es dem Leo zu bunt und er kriecht ein Stück weiter in den Busch hinein, jetzt kann man seine Bewegungen nur noch schemenhaft erkennen. Das ist für uns das Zeichen, weiter zu fahren. Wie bereits erwähnt ist die Vegetation sehr dicht, das erschwert die Sichtungen natürlich ungemein. Immer wieder hören wir das Schnauben und Röcheln der Impalaböcke, die ihre Herde zusammenhalten und gegen Nebenbuhler verteidigen wollen. Schließlich ist es Herbst im südlichen Afrika und damit beginnt – wie bei unserem heimischen Rotwild – die Brunftsaison.

In einem hohen Baum ist ein riesiges Nest zu sehen. Es ist die Behausung eines mittelgroßen Vogels, dem Hammerkop. Wir halten an und können das Vogelpaar beim Nestbau beobachten. Immer wieder startet einer, um mit einem Ast oder Zweig zurück zu kommen, während der Partner eifrig bemüht ist, das neue Baumaterial am besten Platz einzuarbeiten. Neben uns beginnt es zu hämmern. Ein Bennett´s Woodpecker ist auf der Suche nach Insekten. Jetzt ist er für uns sichtbar. Ein misstrauischer Blick in unsere Richtung – dann klettert er ein Stück den Stamm hinauf und hämmert weiter.



Wir fahren an einem Wäldchen entlang. Vor uns huschen ein paar Banded Mangoose über die Pad. Wir können zwei von ihnen im hohen Gras ausmachen. Sie stehen auf ihren Hinterbeinen und schauen angestrengt in unsere Richtung. Einige Sekunden später huschen sie weiter und folgen ihren Kameraden, die bereits – für uns nicht sichtbar – hinter dem nächsten Busch auf Futtersuche sind. Wir können nur ihre Stimmen hören. Noch ein Stück weiter schrecken wir einen Ground Hornbill auf, der es sich in einem Baum gemütlich gemacht hatte. Das ist ein seltener Anblick für uns, denn normalerweise sind diese Vögel auf der Erde unterwegs, um kleinere Reptilien oder Insekten aufzusammeln. Etwa zwei Stunden nach unserer Leopardensichtung erreichen wir die Mogothlo Campsite des Khwai Community Trust. Die Gegend ist uns vertraut, denn vor einigen Jahren stand in unmittelbarer Nähe das Khwai Mobile Camp, dort verbrachten wir drei Tage und Nächte in unmittelbarer Nähe von Impalas, Zebras und Elefanten. Diese Erlebnisse sind mir bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben, zumal eines meiner Lieblingsfotos hier entstand. Ruth konnte mich mit einem Weinglas in der Hand fotografieren. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – wenn man mal von dem Eli etwa 5 Meter hinter mir absieht, der auch noch genau in dieser Sekunde in die Kamera schaut :whistle:

Heute können wir in dem offenen Gebiet ein paar weit verstreute Elefanten, einige kleinere Impalaherden und eine Gruppe weidender Zebras ausmachen. Doch halt! Was ist denn dort im Gras? Da bewegen sich doch Köpfe und Ohren! Wir nähern uns der Stelle und siehe da! Ein Rudel Wildhunde hat sich hier niedergelassen. Manche Tiere liegen platt auf dem Boden, andere sind unruhig, laufen zu ihren Kollegen, beschnuppern sich und lassen sich für einige Momente dicht neben dem Kameraden zu Boden fallen. Ganz in der Nähe weiden die Zebras. Ich bin mir ganz sicher, dass sie die Hunde schon lange bemerkt haben, aber ihr Verhalten zeigt deutlich, dass sie nicht eine Sekunde Angst vor den gefürchteten Jägern haben.



Auch die Hunde beachten die Zebras nicht, sondern stehen nur auf, um die herumrennenden Impalas genau zu beobachten. Die wiederum scheinen so beschäftigt zu sein, dass sie die nahe Gefahr nicht realisieren. Ein einsamer Impalabock nähert sich dem Rudel. Bei uns steigt kurz die Spannung. Kann ich endlich mal eine Jagd auf die Speicherkarte bannen? Der Bock aber folgt wohl einer inneren Stimme und ändert die Richtung. Die Hunde scheinen auch nicht allzu hungrig zu sein, zumal Alphaweibchen / Männchen sehr mit sich selbst beschäftigt sind und eher daran denken, kleine Wildhunde zu produzieren.









Wir warten eine gute halbe Stunde, aber nichts Aufregendes passiert. Albert hat inzwischen mit dem Fahrer eines anderen Wagens gesprochen. Der hat einen männlichen Löwen in der Nähe gesehen. Also beschließen wir, die Katze aufzuspüren. Nach etwa 10 Minuten Fahrt verlässt Albert die Piste und wir umrunden einige dichte Büsche. Es ist wirklich nicht einfach, eine gut versteckte Raubkatze zu finden, selbst wenn man eine Beschreibung des Ortes hat, an dem sie sich aufhält. Nach einigen Minuten haben wir den Löwenmann doch gefunden. Er hat sich tief in den Schatten zurückgezogen. Als wir uns vor dem Busch platzieren, hebt er müde den Kopf und beobachtet uns kurz, dann streckt er wieder alle Viere von sich und döst vor sich hin. Mir gelingen einige Fotos, dann hat sich die Sache erledigt.



Also fahren wir wieder zu den Wildhunden. Die Gruppe ist jetzt unruhig geworden. Immer wieder stehen sie auf und beobachten ganz genau die Impalas. Während wir das Gebiet bereits verlassen, wird es plötzlich interessant. Ein Impalabock vertreibt einen Herausforderer und beide nähern sich dabei dem Rudel. Jetzt springen alle (bis auf das immer noch mit sich beschäftigte Alphapaar) auf und rennen auf die Antilopen zu. Dabei ist es für die Hunde aber gar nicht so leicht, im hohen Gras die Orientierung zu behalten. Wenn sie durch das Gras springen, erinnern sie ab und zu an Kängurus. Jetzt haben andere Impalas die Gefahr entdeckt und überall hört man das warnende Schnauben. Mit gewaltigen, hohen Sprüngen entfernen sich auch die zwei Böcke aus der Gefahrenzone. Pech für die Wildhunde! Aber ohne ihre Anführer wirken sie sowieso etwas desorientiert. Ich bin nicht ganz unglücklich über diesen Misserfolg, denn für gute Fotos sind wir schon zu weit entfernt und richtige Action ohne die Möglichkeit zu fotografieren hätte mich ziemlich depressiv gemacht.





Wir verlassen jetzt endgültig die Gegend, um langsam aber sicher unser Camp anzusteuern. Schließlich meldet sich bei uns jetzt der Hunger und ein Brunch wird gerne genommen. Auf der Rückfahrt gibt es nichts Besonderes zu sehen, deshalb erreichen wir eine knappe Stunde später wieder Machaba ohne weiteren Stopp.
Wir besuchen kurz unser Zelt, verstauen unsere Sachen, dann laufen wir wieder zur Main Area. Während wir bei angenehmen Temperaturen gemütlich brunchen, taucht am gegenüberliegenden Ufer ein Elefantenbulle auf, der ebenfalls ein zweites Frühstück zu sich nimmt. Das ist doch ein schönes Hintergrundbild, das gut zu einem entspannten Essen in der afrikanischen Wildnis passt. Nach dem Brunch legen wir eine Ruhepause ein, schließlich müssen wir neue Kräfte für den Gamedrive am Nachmittag sammeln ;)



Um 15:30 finden wir uns in der Main Area zum High Tea ein. Wie immer gibt es Kaffee / Eiskaffee, Tee oder Limonade. Dazu kann man einen Kuchen oder etwas Herzhaftes zu sich nehmen. Ziemlich genau um 16:00 starten wir unsere Pirsch. Der Nachmittag beginnt extrem ruhig. Die Highlights heißen Glanzstar, Elsterdrossling, Gelbschnabeltoko, Specht und Frankolin, natürlich will ich die allgegenwärtigen Impalas nicht vergessen. Ich habe mich bereits am Vormittag mit unserem Guide Albert bestens verstanden, wir unterhalten uns viel, er hat einen ähnlichen Humor wie ich, deshalb wird es für mich nicht langweilig, auch wenn sich die Tierbeobachtungen arg in Grenzen halten.

Etwa 1 ½ Stunden später tritt immerhin ein schwergewichtiger Darsteller in Form eines Elefantenbullen die Bühne. Sein linker Stoßzahn ist abgebrochen, das deutet darauf hin, dass er „Linkshänder“ ist. Wir haben schon oft gehört, dass die Elis – wie wir Menschen eine Hand - einen Stoßzahn bevorzugen um z.B. Rinde von den Bäumen zu schälen. Da kann es dann schon mal passieren, dass etwas schief geht und der Stoßzahn abbricht. Obwohl wir direkt neben dem Bullen anhalten, kümmert er sich keine Sekunde um uns, sondern rupft weiter Blätter von einem Busch, um sie genüsslich zu fressen. An einem kleinen Teich entdecken wir einige Witwen-Pfeifgänse. Die fühlen sich jedoch von uns gestört und fliegen mit ihren typischen „wiwiwiwi“ Rufen davon.





Die Sonne nähert sich dem Horizont, es wird Zeit für den Sundowner. Mein Frau Ruth ist hocherfreut, denn gestern Abend, ausgerechnet am ersten Abend unserer Reise, fiel der Sundowner wegen der „Buschlöwin“ und wegen zu vieler Wolken aus. Heute sind zwar auch einige Wolken am Horizont, die Sonne findet aber immer wieder eine Lücke, um die Landschaft mit goldenem Licht einzufärben. Wir halten in der Mitte einer Pfanne. Hier haben wir eine gute Übersicht und kein Tier kann sich unbemerkt anschleichen. Es ist jetzt 18:00, wir verlassen den Wagen, Albert holt ein Metalltablett, befestigt es an der vorderen Stoßstange, legt eine Tischdecke darüber und schon hat er ein Tisch, auf dem er die Getränke und Knabbereien servieren kann. Mit einem Glas Weisswein in der Hand stehen wir zusammen mit Albert und den Australiern der Sonne zugewandt und bewundern das Farbenspiel der Wolken, die das gelb-orange-rote Licht der untergehenden Sonne reflektieren. So könnten wir lange, lange stehen bleiben, doch leider versinkt die Sonne hier in den Tropen mit rasender Geschwindigkeit und die Dämmerung setzt ebenso schnell ein. Also wird wieder alles zusammen gepackt und im Fahrzeug verstaut.









Eine halbe Stunde später sind wir wieder unterwegs. Albert hat einen Scheinwerfer herausgeholt und leuchtet die Gegend nach nachtaktiven Tieren ab, aber so richtig erfolgreich ist er damit nicht. Eigentlich sollten wir bald das Camp erreichen, aber unser Guide nimmt einen anderen Weg. Was hat er bloß vor? In der Ferne glitzern ein paar Lichter mitten im Busch. Als wir näher kommen, entpuppen sich die Lichter als Öllampen. Jetzt wissen wir Bescheid! Heute gibt es ein Buschdinner irgendwo in der Wildnis. Das ganze Areal ist mit Öllampen markiert. In der Mitte brennt ein Lagerfeuer. Daneben steht ein langer Tisch, an dem das Dinner serviert wird. Eine weisse Tischdecke, ein perfekt gedeckter Tisch, weisse Servietten in den Gläsern, das alles sieht richtig gut aus, man kann wirklich nicht meckern! Am Eingang des Areals befindet sich die Bar, auch die ist mit vielen kleinen Teelichtern geschmückt. Hocherfreut lassen wir uns gerne ein Glas Weisswein einschenken, bevor wir uns ans Feuer setzen. Hier wird auch gerade das Fleisch für unser Dinner gegrillt. Etwa 15 Minuten später werden wir an den Tisch gebeten, dann folgt die Bekanntgabe des Menüs durch die Küchenchefs, danach informiert uns der Weinkellner, was er heute im Angebot hat. Wie auf Bestellung reißt die Wolkendecke auf und gibt den Blick auf die Sterne und die Milchstrasse frei. Geht es eigentlich noch besser? In diesem Moment können wir uns das überhaupt nicht vorstellen!









Der Abend wird mit gutem Essen und netten Gesprächen fortgesetzt, gegen 21:15 sind wir trotzdem ziemlich müde. Das gilt auch für unsere Mitfahrer aus Australien, also beenden wir den Abend und lassen uns von Albert ins Camp fahren. Der ist nicht traurig darüber, denn jetzt kommt er auch etwas früher ins Bett. Das Camp ist nicht weit entfernt, wieder werden wir bereits erwartet und bekommen ein feuchtes Tuch, um uns etwas zu erfrischen, dann lassen wir uns von Albert zum Zelt bringen.

Gegen 02:00 und gegen 04:00 hören wir Löwengebrüll. Es scheint gar nicht so weit weg zu sein. Mal sehen, vielleicht haben wir Glück und können die Katzen aufspüren. Mit diesen Gedanken schlafen wir wieder ein.

... wird fortgesetzt ...
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Letzte Änderung: 30 Mai 2017 12:53 von leofant.
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30 Mai 2017 11:49 #476553
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  • fotomatte am 30 Mai 2017 11:49
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Hallo Walter,

ihr haltet euch nicht mit längerem Vorgeplänkel auf. Gelandet, ab in den Busch und schon fallen die Katzen... B) und Hunde :blink:

Vielleicht darf ich die auch mal sehen? :unsure:

Eine Anmerkung muss ich noch loswerden. Obwohl maddy nichts dazu bemerkt hat, ziehe ich den Kardinalspecht in Frage. Der hätte eine deutlich schwarz gestreifte Brust. Auch die zwei deutlichen Bartstreifen sprechen eindeutig für ein Weibchen vom Bennett´s Woodpecker.

Viele Grüsse,
Matthias
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30 Mai 2017 12:34 #476557
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  • Oliver74 am 30 Mai 2017 12:34
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Hallo Walter,

ein sehr interessanter und unmittelbarer Beginn in einem wirklich schönen Camp. Die Fotos sind ausgezeichnet und auch sehr stimmungsvoll.

Ich bin schon sehr auf die weiteren Stationen im grünen Botswana gespannt.

Schöne Grüße, Oliver
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30 Mai 2017 12:52 #476558
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  • leofant am 30 Mai 2017 09:19
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Hi Matthias,
uuuups! Da war ich wohl ein bisschen voreilig. Ich hätte besser fragen sollen. Ich bin ja nicht der Top-Experte.
Aber immerhin kann ich einen Fisheagle erkennen ;)
Ich habe den Namen auch schon geändert - Danke für den Hinweis :)

Was die Hunde / Katzen anbetrifft: Ich weiss ja auch nicht, woran es lag, speziell in den ersten 6 Tagen waren sie ganz schön lästig.
Dabei wollte ich doch den Dungbeetle sehen :whistle:

Hi Oliver,
Danke für die mentale Unterstüzung. Ja, Machaba hat unseren Erwartungen entsprochen, keine Frage. Ich würde die
komplette Tour gerne noch mal zu einer anderen Jahreszeit machen (z.B. September). Der dichte Busch war halt nicht so
optimal für meine (Foto)wünsche. Aber vermutlich muss ich einfach dankbar sein, dass ich überhaupt die Möglichkeit
hatte, in einer meiner Lieblingsregionen den wilden Tieren nachzuspüren!

Liebe Grüsse
Walter
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30 Mai 2017 15:55 #476583
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  • Ragnarson am 30 Mai 2017 15:55
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Hallo Walter,

das sind wunderschöne Aufnahmen, besonders die Katzen- und die Landschaftsbilder haben mich wahnsinnig angetan !!!
Respekt !!!

Danke fürs Teilen !!!

Liebe Grüße
Ragnarson
Letzte Änderung: 30 Mai 2017 15:56 von Ragnarson. Begründung: Korrektur
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30 Mai 2017 18:53 #476605
  • sphinx
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  • sphinx am 30 Mai 2017 18:53
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Hallo Walter
kaum befinde ich mich gefühlt "in the middle of nowhere" - in Claußnitz... darf ich mich endlich über Dein erstes Kapitel freuen! Yippie. Dein viertes Löwenbild gefällt mir schon sehr gut und ich hoffe, Dein "Gejammer" geschah auf hohem Niveau und Du erfreust uns, wie gewohnt, mit vielen weiteren schönen Fotos.
Herzlich grüßt Elisabeth
"Viele sagen, man soll gehen, wenn es am schönsten ist, aber ich finde, man soll lieber dahin gehen, wo´s am schönsten ist." Das Känguruh
2015 Khwai/Okavango/KrügerNP/ Simbabwe ; 2016 Namibia ; 2017 Kenia ; 2017Südafrika - Kap, Karoo und GR ; 2018 Indien; 2018 Kenia; 2019 Äthiopien/Djibouti; 2017 Galapagos
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