THEMA: April 2016: Von Maun nach Kasane als Lodgehopper
08 Jul 2016 15:19 #437103
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  • leofant am 08 Jul 2016 15:19
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Freitag 15.04.2016

Der heutige Morgen ist eigentlich eine exakte Kopie des gestrigen. Wieder wachen wir vor dem Wecker auf, wieder sind wir die ersten beim Frühstück. Eine Sache ist heute allerdings anders. Bei einem längeren Aufenthalt (mindestens 3 Nächte) kann man einen Ganztagsausflug in den Nxai Pan NP und zu den Baines Baobabs machen. Genau das wollen alle anderen Gäste auch tun. Wir wiederum hatten daran kein Interesse, denn wir waren vor zwei Jahren in der Gegend und haben auch die Baines Baobas schon gesehen. Die Fahrt dorthin ist von hier aus ziemlich lang und geht hauptsächlich über Tiefsandpisten.

Ja! Man muss die Baobabs mal gesehen haben, ich finde, es ist ein magischer Platz, aber ich habe heute die Chance, ganz alleine mit Ruth und Lasty im Park herumzufahren und diese Chance will ich mir nicht nehmen lassen. Während wir sonst Rücksicht auf die mitfahrenden Gäste nehmen müssen, können wir heute überall stoppen, wo es – zumindest für mich – etwas Interessantes gibt. Und das sind nicht unbedingt schlafende Löwen oder ähnliches, sondern das sind meistens Vögel oder vielleicht auch mal ein Mistkäfer oder Schmetterling. Und genau diese Tiere sind normalerweise nicht unbedingt das Ziel von Gästen, die möglicherweise das erste Mal in Afrika sind.

Wir starten nach dem Frühstück Richtung Flussbett. Die Geier in den Palmen sind auch schon aktiv und bauen ihre Nester weiter aus. Wir sichten eine Herde Impalas, dann heisst es: Finden sie den Fehler! Ein Tier passt nicht ganz zur Herde. Es ist ein junges Kudu, das sich den Impalas angeschlossen hat. Vermutlich hat es seine Mutter verloren und ist froh, wenigstens die Impalas in seiner Nähe zu haben. Wir fahren weiter und plötzlich sehe ich das Objekt meiner Begierde. Lasty kennt den „Spezialauftrag“ am heutigen Morgen, stoppt sofort und ich darf aussteigen und meinen Fotoapparat zücken. Was habe ich denn so tolles entdeckt ? Naja, es ist nicht jedermanns Sache. Ich bin hinter einem Mistkäfer her, der unseren Weg kreuzt. Um diese Jahreszeit ist das gar nicht so einfach, ihn zu finden.





Am Wegrand sitzen einige Vögel. Trauerdrongo, Grautoko, Halbmondtaube, Grauer Lärmvogel und natürlich Gabelracke heissen die gefiederten Freunde. Ein kleiner Falke, ein Perl-Sperlingskautz und einige Bienenfresser lassen sich ebenfalls blicken. Wir erreichen einen Platz in der Nähe des Hippopools. Auf dem ganzen Areal haben sich Flughühner versammelt. Als wir näher kommen, fliegen sie in einer dichten Wolke davon. Ganz schön viele davon gibt es hier. Ein anderer Schwarm taucht auf, lässt sich ganz kurz am Wasser nieder und ein paar Sekunden später sind sie schon wieder in der Luft. Lasty erklärt uns sie kommen von der Nxai Pan herüber, sammeln Wasser in den Federn und bringen es zurück zu ihren Jungen. Der Schwarm zieht über uns hinweg, man hört das Gurren der Vögel pausenlos.







Wir bleiben noch eine Zeit lang vor Ort und machen eine Kaffeepause. Schwarm um Schwarm kommt angeflogen, um zu trinken und Wasser aufzusammeln. Irgendwann starten wir und kehren nach einem entspannten Gamedrive gegen 11:00 zur Lodge zurück. Wir ziehen uns um, dann geht es zum Lunch. Ich überbrücke die heisse Mittagszeit mit einem Schläfchen, während Ruth auf der Terrasse liest und die Crocs im Wasser unter uns beobachtet. Die liegen nicht nur still da, manchmal streiten sie sich um die besten Jagdreviere, dann ist lautes „Brummen“ und wildes Geplätscher angesagt.

... wird fortgesetzt





Letzte Änderung: 11 Jul 2016 21:04 von leofant.
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08 Jul 2016 15:48 #437106
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  • engelstrompete am 08 Jul 2016 15:48
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Lieber Walter,

was für schöne Bilder und auch Dein Bericht macht Lust auf mehr ....... :woohoo:

Ja,Lufthansa hat auch als wir in Februar damit geflogen sind , was "Neues" ausprobiert, eine persönliche Betreuung, für die Fluggäste. :cheer:
Hat uns auch sehr gut gefallen.

Wir saßen im Upperdeck und das war sehr gut, so kommt man gut ausgeruht in Afrika an. :)

"Trotzdem schicke ich an dieser Stelle ein Dankeschön an das Fomi Cecile für die Infos :kiss:"

Das freut mich ungemein, ich denke auch nachdem am Flughafen Joburg man immer mit einer, egal welche "Überraschung" rechnen muss, ist diese Firma eine klasse Lösung um gut durch den Checkin zu kommen.
Ganz liebe Grüße auch an Deine bessere Hälte.

Cécile :)
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
namibia-forum.ch/for...hrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
www.namibia-forum.ch...eiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html[/size]
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
[/url]
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
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11 Jul 2016 10:03 #437330
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  • leofant am 08 Jul 2016 15:19
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Um 15:00 laufen wir zur Main Area und probieren den Kuchen und die vorbereiteten Häppchen. Nach einer Viertelstunde packen wir unsere Sachen und ab geht´s zum Gamedrive. Lasty ist überhaupt nicht überrascht, dass wir schon aufbrechen wollen, er weiss bereits, dass ich liebend gerne auf die Pirsch gehe, je länger desto besser.

Bei kuscheligen 32° am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Boteti. An den Abschnitten mit Wasser schwirren wieder die Flughühner herum. Es ist immer das gleiche Bild. Der ganze Schwarm lässt sich für einige Sekunden am Wasser nieder und schon sind sie wieder in der Luft, fliegen eine Kurve, wiederholen die Prozedur, um dann endgültig Richtung Nxai Pan zu starten. Auch die Geier sind wieder damit beschäftigt, Zweige für ihre Nester einzusammeln. Im Gras taucht ein Kopf auf. Ein Schakal beobachtet uns misstrauisch und verschwindet unter einem Baumstamm, der auf dem Boden liegt. Einige der allgegenwärtigen Rotschnabelfrankoline haben sich an einer Wasserstelle versammelt und streiten sich um den besten Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite kommt ein Schwarm kleiner Vögel angeflogen und lässt sich in einem Busch nieder. Es sind Blutschnabelweber, ähnlich wie die Flughühner fliegen sie immer in dichten Schwärmen und bilden dabei interessante Figuren, die fortlaufend wechseln. Ein Graulärmvogel hebt vom Boden ab und fliegt zu einem Busch. Dort wird er schon sehnsüchtig erwartet und beginnt, einen Artgenossen zu füttern. Ein Elsterwürger sitzt in einem toten Baum und sucht nach Insekten. Am Boden sehen wir einen Gelbschnabeltoko mit einem dicken Käfer im Schnabel. Er mag unsere Anwesenheit nicht besonders und läuft davon. Es sieht lustig aus, wie er durch den Sand stakst. Das laute Gegackere eines Rotschnabelfrankolins auf der Spitze eines Termitenbaus bildet die musikalische Untermalung dieser Szene.







Wir lassen unseren Blick über die Landschaft streifen und können uns – speziell im goldenen Licht des Nachmittags – einfach nicht satt sehen. In der Mitte des Flussbetts bewegen sich zwei Elefanten gemütlich zum Wasser. Hier und da wird ein Büschel Gras ausgerupft, dann stellen sie sich ins kühle Nass und trinken ausgiebig. Sie queren den Fluss. Auf „unserer“ Uferseite bleiben sie zunächst im Wasser stehen, wedeln mit den Ohren und scheinen vor sich hin zu träumen. Plötzlich sehen wir einen hellen Fleck im Gras. Es ist der Kopf einer Löwin, die interessiert die beiden grauen Riesen beobachtet. Sie befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, schleicht sich vorsichtig an und legt sich dann ins Gras, ohne die Elis aus den Augen zu lassen. Ist diese Beute nicht ein bisschen arg gross für eine einzelne Jägerin? :whistle:



Wir fahren weiter zum Hippopool. Die Flusspferde entfernen sich vom Ufer, bewegen sich auf die andere Seite und beobachten uns genau. Wir wiederum beobachten die Hippos. Bald verlieren sie das Interesse an uns. Zwei junge Bullen messen ihre Kräfte ansonsten bleibt alles ziemlich ruhig. Plötzlich schnattern einige Nilgänse aufgeregt, verlassen den Uferabschnitt und fliegen ein Stück weiter. Jetzt können wir den Grund erkennen. Es ist die Löwin. Sie ist uns gefolgt, wandert auf der anderen Uferseite entlang und gönnt sich jetzt einige Schlucke Wasser. Sofort drehen sich alle Hippoköpfe zu ihr um und ein Flusspferd reisst auch mal sein Maul auf, um ihr zu drohen. Sie zeigt sich nicht sonderlich interessiert und läuft weiter. Dann ändert sie ihre Richtung und verschwindet im Busch.

Es ist inzwischen kurz vor 18:00, die Sonne steht bereits knapp über Horizont. Normalerweise stehen wir ja um diese Zeit mit einem Sundowner in der Hand vor dem Auto, um die besondere Stimmung zu geniessen. Heute jedoch haben wir noch nicht gestoppt. Was ist los mit Lasty ? Er weiss doch, dass Ruth die Sonnenuntergänge „zelebrieren“ möchte, ganz besonders, wenn wir nicht durch irgendwelche Funksprüche wie „Leopard gesichtet“ gestört werden. Ein paar Minuten später ist alles klar. In einem trockenen Abschnitt flackert ein Lagerfeuer. Einige Campingstühle stehen vor dem Feuer, an der Seite ist ein Tisch mit Häppchen und Getränken aufgebaut. Wir werden bereits erwartet. Kaum sind wir aus dem Wagen gestiegen, bekommen wir auch schon unseren Sundowner angeboten und können das Farbenspiel der untergehenden Sonne bewundern. Jetzt ist auch meine Frau wieder vollkommen zufrieden.





Wir sitzen noch eine Weile (zusammen mit zwei neuen Gästen) gemütlich am Feuer, dann fahren wir zurück zur Lodge. Gegen 19:00 haben wir unser Ziel erreicht und werden gleich zum Chalet gebracht. Eine kurze Dusche, frische Klamotten werden angezogen und schon holt man uns zum Dinner ab. Die anderen Gäste sind inzwischen auch wieder da. Der Ausflug in die Nxai Pan und zu den Baines Baobabs hat ihnen gut gefallen, spektakuläre Sichtungen gab es jedoch nicht. Ruth und ich sind total happy, dass wir diesen Tag alleine mit Lasty verbringen konnten. Auch wir hatten zwar keine einzigartigen Begegnungen, trotzdem hat uns dieser Tag sehr gut gefallen und wir vermissen nichts. Es müssen ja nicht immer die Big Five sein, ein schöner Gamedrive in einer tollen Landschaft hat durchaus seine Reize. Wir setzen uns an den Tisch. Uns wird bewusst, dass es unser letzter Abend hier ist. Schade, ich wäre gerne noch länger geblieben, aber so ist es halt. Man ist auf der einen Seite traurig, dass eine schöne Zeit zu Ende geht, auf der anderen Seite warten schon neue Abenteuer auf uns. Also geniessen wir unser letztes Dinner auf Leroo la Tau, haben noch Spass an der Unterhaltung mit Chris und den Managern und freuen uns, dass wir morgen Vormittag noch einmal alleine mit Lasty unterwegs sind. Nach dem Essen setzen wir uns eine halbe Stunde ans Feuer, dann geht es zum Chalet. Zurück auf unserer Terrasse beobachten wir noch einmal besonders intensiv den Sternenhimmel und die Landschaft um uns herum. Wir werden unseren Aufenthalt hier nicht so schnell vergessen, das steht fest.

Samstag 16.04.2016

Es ist 05:45, wir bleiben noch eine kurze Zeit im Bett, ich öffne die Glasfront und wir bestaunen noch ein paar Minuten den blutroten Horizont direkt gegenüber, dort kündigt sich der neue Tag an. Wir ziehen uns an und ich betrete die Terrasse. Über dem Flussbett liegt ein leichter Nebelschleier, er wird in ein zartrosa Licht getaucht, die Stimmung ist einfach grossartig! Dann nehmen wir unsere Sachen und laufen zum Haupthaus. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Chris und dem Ehepaar aus Frankreich, jetzt starten wir unseren letzten Gamedrive entlang des Boteti.

Langsam rollen wir auf der Pad entlang. Die Geier sind schon wieder aktiv, zwei Waffenkiebitze untersuchen einen Elefantenhaufen, eine Gabelracke fliegt vorbei und ihre blauen Federn leuchten in der Sonne. Das Gurren der Tauben ist ebenso zu hören wie das Zwitschern der Blutschnabelweber, die uns scheinbar begleiten. Plötzlich höre ich einen Pfiff. Moment mal, den kenne ich doch! So pfeifen die Goldbugpapageien! Diese netten Vögel haben mich in der Vergangenheit schon fast zum Wahnsinn getrieben. Egal ob im Hwange oder im Linyanti Gebiet, ich habe sie schon öfter verfolgt. Dann haben sie sich irgendwo auf einen Ast gesetzt. Sobald wir mit dem Auto näher kamen, und ich mir Hoffnungen auf ein schönes Foto machte, sind sie schnell ein Stück weiter geflogen. Natürlich nur soweit, dass ich sie sehen und den nächsten Versuch starten konnte. Dieses Spielchen haben sie mit wachsender Begeisterung gespielt, ich war aber irgendwie immer der Verlierer. Während ich sie bisher nur als Paar sehen konnte sitzen heute tatsächlich 5 Papageien relativ nahe am Wegrand. Ich kann es kaum glauben. Wir fahren näher und sie bleiben sitzen! Was ist los? Sind sie festgeklebt? Nein, sie warten tatsächlich nur solange, bis ich einige Bilder gemacht habe, dann fliegen sie weg vom Flussbett in den dichten Busch. Ich bin richtig froh, denn damit hätte ich hier nie gerechnet.





Unser Weg führt jetzt oberhalb des Flussbettes entlang. In den Büschen sitzen Glanzstare, Gabelracken, Bienenfresser, am Boden sehen wir Perlhühner, Tokos und Nachtflughühner. Unter uns sitzt in einem Baum ein Fisheagle und scheint sich zu sonnen. Vor uns befindet sich ein Nachtflughuhn im Sand und vertraut seiner Tarnung. Als wir uns vorsichtig nähern, fliegt es dann doch lieber davon.



Unten am Boteti tauchen wieder Schwärme von Flughühnern auf. Ein Raubadler sitzt auf einem kahlen Ast und beobachtet die Schwärme. Plötzlich wird er von zwei Waffenkiebitzen attackiert. Laut zeternd steigen sie in die Luft und fliegen immer wieder Angriffe auf den Adler. Irgendwann hat er genug und macht sich davon. Wir starten unsere Kaffeepause und geniessen die Einsamkeit, denn wir sind das einzige Fahrzeug weit und breit.

Ich schaue Lasty an und seufze. Wir hatten eine Menge Spass zusammen, aber nun ist es an der Zeit, die Rückfahrt anzutreten. Wir schrecken einen Elefantenbullen auf. Er schnaubt und schüttelt seinen mächtigen Kopf. Ein Zeichen, dass er sich gestört fühlt. Dann kommt er auf uns zu und überquert dicht vor uns die Pad. Das ist ebenfalls ein klares Zeichen dass er weiss, wer hier der Chef im Busch ist! Unten im Flussbett angekommen, können wir in einige Entfernung einige Klunkerkraniche erkennen. Sie gehören zu den bedrohten Arten, auch mit denen hätte ich hier nicht unbedingt gerechnet.

Zurück in der Lodge sitzen wir wieder zum Brunch im Freien. Dann wird noch mal geduscht, die Sachen werden gepackt und nun ist es Zeit für den Abschied. Wir bedanken uns bei den Managern für die schöne Zeit, umarmen die Mädels vom Service und verlassen schweren Herzens die Lodge. Würden wir noch mal hier her kommen? Ja! Jederzeit!

Um 12:45 steigen wir zu Lasty ins Fahrzeug und los geht´s Richtung Airstrip. Dort angekommen müssen wir nicht allzu lange warten, dann sehen wir schon einen weissen Punkt im blauen Himmel und hören wenig später das Brummen des Motors. Die kleine Cessna landet sanft, zieht eine Staubfahne hinter sich her und rollt vor uns aus. Jetzt ist es an der Zeit, Lasty Lebewohl zu sagen. Wir umarmen uns, sind beide etwas traurig und versichern uns, dass wir uns in Zukunft bestimmt mal wieder über den Weg laufen werden. Ich hätte nichts dagegen. Auch Ruth wird gedrückt, dann klettern wir in die Maschine. Ich sitze auf meinem Lieblingsplatz neben dem Piloten, während Ruth sich auf den zwei hinteren Sitzen ausbreiten darf.

Es ist jetzt 13:20, Sekunden später startet der Pilot den Motor, wir rollen zur Startbahn und der Pilot gibt Gas. Ein letztes Mal können wir Lasty zuwinken, dann heben wir ab und sehen die Gegend aus der Vogelperspektive. Die Maschine nimmt Kurs nach Nordwesten Richtung Okavango Delta, denn wir werden nonstop zu unserem nächsten Ziel geflogen.





Stück für Stück nähern wir uns dem Delta. Es fällt uns auf, wie trocken die Gegend ist. Dort wo sich sonst viele kleine Kanäle durch die Landschaft winden, glitzern diesmal nur vereinzelt einige Wasserstellen in der Sonne. Wir haben den Eindruck, das Land braucht dringend Wasser. 55 Minuten später haben wir unser Ziel erreicht, vor uns ist der Chitabe Airstrip zu sehen. Wie immer fliegen wir zunächst eine Platzrunde, um nach Tieren Ausschau zu halten, die eventuelle die Piste blockieren, dann landen wir mit einem kleinen Hüpfer beim Aufsetzen. Auch Flug Nummer 2 war ruhig und angenehm, so kann es bleiben.

Wir rollen aus, der Motor wird abgestellt, bevor wir richtig herausgeklettert sind empfängt uns bereits ein Mitarbeiter der Sandibe Safari Lodge. „City“ stellt sich vor, transportiert unser Gepäck zum Fahrzeug und bietet uns erst einmal eine Flasche Wasser an. Die tut nach dem Flug richtig gut. Dann warten wir, bis der Flieger gestartet ist und fahren in Richtung Lodge. Wir hatten in den letzten Jahren schon zweimal Gelegenheit, diesen Ort zu besuchen, deshalb haben wir einen guten Vergleich. Während wir früher immer wieder Wasserkanäle und Sumpfflächen durchfuhren, ist diesmal alles trocken. Allerdings steht das Gras ziemlich hoch, die Sichtung von kleineren Tieren dürfte also recht schwierig werden.

Eine gute halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Wie immer begrüsst man uns mit Gesang, wir bekommen ein feuchtes Tuch und eine Erfrischung, die Staff stellt sich vor und dann werden wir zur Main Area geführt, wo einer der Manager uns einige nützliche Informationen gibt. Unser Gepäck wird in der Zwischenzeit in unsere Unterkunft gebracht. Die Sandibe Safari Lodge befindet sich in der Nähe von Chiefs Island, sozusagen auf halber Strecke zwischen Maun und dem Moremi Nationalpark. Wie gesagt waren wir bereits in der Vergangenheit hier zu Gast. Mir ist die Gegend deshalb so gut in Erinnerung geblieben, weil wir hier schöne Leoparden Begegnungen hatten und weil uns die Lodge gefallen hat. Allerdings wurde sie vor kurzem komplett umgebaut und es erinnert nur noch sehr wenig an die „guten alten Zeiten“.

Sandibe bietet in 12 Chalets insgesamt 24 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit. Die äussere Hülle der Main Area erinnert an ein Pangolin (Schuppentier). Während die Chalets früher ebenerdig waren, stehen sie jetzt auf Stelzen und sind um einiges geräumiger. Das Areal ist nicht eingezäunt, man muss also immer wachsam sein, denn die Elefanten kommen öfter mal auf eine Stippvisite vorbei. Wie kann ich Sandibe beschreiben? Zunächst einmal ist alles natürlich noch sehr neu, Patina sucht man vergebens. Dann: Very stylish, very fancy. Ein 5-Sterne Hotel mitten im Busch. Vielleicht nicht jedermanns Sache, auch was die Preise betrifft. Während ich mir bis heute noch keine klare Meinung gebildet habe ist meine Frau sofort von der gesamten Bauweise begeistert. Ja! Es gibt hier alles, was das Herz begehrt, man muss als Gast auf absolut nichts verzichten, aber natürlich stellt sich die Frage: Wieviel Luxus braucht man in der Wildnis? Ich kann es nicht beantworten, deshalb schreibe ich einfach weiter und konzentriere mich auf unsere Erlebnisse.

Der tägliche Ablauf: 05:30 Wecken, 06:00 Frühstück, 06:30 Gamedrive. Gegen 11:30 ist man wieder zurück. Gegen 12:30 gibt es Lunch (man kann seine Zeit variieren), um 16:00 ist Teatime, um 16:30 Gamedrive. Wir sind in einem privaten Gamereserve unterwegs, deshalb können wir auf den Gamedrives auch querfeldein fahren.









Nach den Infos stellt sich noch Thusi vor. Sie ist für unser Wohl verantwortlich. Wann immer wir einen Wunsch haben, Thusi wird sich darum kümmern. Als wir das letzte Mal hier waren, war ein Angestellter mit Namen Tatayote (kurz TT) unser persönlicher Betreuer. Ich habe ein Foto von ihm und mir dabei und frage nach ihm. Thusi kann es kaum glauben, dass ich mich noch an ihn erinnere und sagt, er wäre am nächsten Tag da. Ich freue mich, denn ich bin mir sicher, er wird sehr überrascht sein, wenn ich ihm das Bild gebe.

Jetzt werden wir zu unserem Chalet geführt. Und wieder fällt mir nur ein: Very stylish, very fancy. Wir stehen in einem grossen Raum mit einem schönen Doppelbett, dahinter gibt es einen separaten Ankleidebereich, die zwei Waschbecken sind aus Metall, wir sehen eine Innendusche und eine Aussendusche, eine riesige Terrasse mit privatem Pool. Der Ausblick in den Sumpf ist traumhaft. Wow! Das alles für 2 Leute! Es wirkt auf mich, als wären wir die ersten Gäste, quasi wie in einem Musterhaus. Meine Frau inspiziert das Chalet, öffnet die grossen Schiebetüren zur Terrasse und sagt: „Wieso sind wir hier nur 3 Tage?“ Ich möchte betonen, dass meine Frau absolut kein „Luxusweibchen“ ist, aber Sandibe hat es ihr angetan.





Wie auch immer, die Zeit läuft. Wir duschen, ziehen uns um und bald darauf ist es Zeit für den High Tea. Im Gegensatz zu Leroo la Tau sitzt man hier nicht an einem grossen Tisch, sondern die Gäste haben separate Tische, in unserem Fall also ein Zweiertisch. Das Angebot an Kuchen und Häppchen ist enorm, meine Frau probiert aber lieber etwas anderes aus. Es gibt nämlich unter anderem einen Pizzaofen. Man kann sich seine Pizza selbst zusammenstellen und die Köchin / Pizzabäckerin übernimmt dann die restliche Arbeit. Hier sein Gewicht zu halten erscheint mir unmöglich! Jetzt kommt unser Guide an den Tisch und stellt sich vor. Er nennt sich SK. Während es bei „Desert & Delta“ grundsätzlich nur einen Guide (Fahrer) gibt, begleiten uns bei „&beyond“ zwei „Aufpasser“, ein Fahrer und ein Tracker. Der hat seinen Sitz ausserhalb des Autos. Nur wenn wir uns Raubkatzen nähern kommt er auf den Beifahrersitz. Gerade bei neugierigen Löwen ist das wohl absolut angebracht :whistle:

Wir werden heute Nachmittag mit einem anderen Gast unterwegs sein. Chrissie kommt aus Australien. Wir sind ziemlich optimistisch, dass wir uns gut verstehen werden, denn in der Vergangenheit sind wir mit Australiern tatsächlich immer gut ausgekommen, naja, wir werden sehen. Um 16:30 laufen wir zu unserem Fahrzeug, dort werden wir von City, unserem Tracker begrüsst. Den kennen wir ja schon, der hat uns vom Airstrip abgeholt.

Und los geht´s. Ein paar Minuten weiter stoppen wir kurz. Einige Meerkatzen begutachten uns, sie sind nicht wirklich ängstlich, aber trotzdem halten sie lieber Abstand.



Dann stellen sich ein paar Vögel vor. Woodland Kingfisher (Senegalliest), Coppery-tailed Coucal (Kupferschwanzkuckuck), Hammerkop. Eine Schlankmanguste klettert auf einem verlassenen Termitenbau herum. Wir fahren an einer Grasfläche vorbei. Das Gras steht ziemlich hoch. City, der Tracker, spricht mit SK. Sie diskutieren kurz, dann fahren wir durch das Gras zu einem Baum. Und siehe da! Zwei Löwinnen dösen im Gras. Gut gemacht City! Für uns ungeübte war nichts zu erkennen. Wir beobachten die zwei Katzen eine Weile, dann fahren wir weiter.



Wir sehen einige Tsessebes, eine Herde Kudus in der Dämmerung, dann taucht eine Giraffe auf. Im rötlichen Licht sieht alles irgendwie unwirklich schön aus. Wir nehmen die grandiose Stimmung in uns auf. Nicht weit entfernt sehen wir eine Wasserstelle. Hier halten wir an. Unsere Begleiter stellen einen Tisch auf und bieten uns Getränke und Häppchen an. Der rote Himmel, der sich im Wasser spiegelt ist einfach nur kitschig. Wir stellen uns mit Chrissie in eine Reihe, richten uns auf die untergehende Sonne auf und seufzen kurz. Könnte es uns in diesem Moment überhaupt besser gehen? Wir bezweifeln es stark!







Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, es ist Zeit diesen schönen Platz zu verlassen. City packt den Scheinwerfer aus und leuchtet bei der Rückfahrt nach links und nach rechts, um nachtaktive Tiere aufzuspüren. Tatsächlich laufen uns zwei Löffelhunde über den Weg. Sie sind allerdings sehr scheu und schnell ausser Sichtweite. Hin und wieder glühen einige Augenpaare, City schaltet schnell den Spot aus und wir erkennen schemenhaft Impalas oder auch mal Tsessebes. Dann haben wir die Lodge erreicht. Man begleitet uns zum Chalet, wir machen uns frisch und warten zur vereinbarten Zeit auf unserer Treppe, bis wir das Licht einer Taschenlampe sehen. Wie gesagt, hier gibt es keine Zäune, deshalb ist es unbedingt ratsam, auf den Abholer zu warten.

Wir setzen uns an unseren Zweiertisch, dann wählen wir unser Dinner und die Getränke aus. Die verschiedenen Gerichte wurden bereits am Nachmittag auf eine Tafel geschrieben. Das Essen ist wirklich gut. Meine Frau, eine begeisterte Köchin, kann sozusagen „keine Haar in der Suppe“ finden :) Unser Tisch befindet sich am Rand der Main Area. Während wir noch beim Dessert sind, knackt es in den Büschen. Ein Elefant erscheint in unserer Nähe. Er reisst da und dort ein paar Äste ab, um sie zu verspeisen, dabei kommt er immer näher. Nun ist es an der Zeit, das Dessert zu nehmen und den Platz zu verlassen, wir möchten nämlich ungern teilen ;)

Eine Viertelstunde später zieht sich der graue Riese wieder in den Sumpf zurück und wir haben unsere Ruhe. Nachdem wir ein kleines Schwätzchen mit unseren Tischnachbarn aus Australien gehalten haben, beenden wir diesen Abend. Einige Minuten später betreten wir unser Chalet und machen uns bettfertig. Obwohl es tagsüber ziemlich warm ist (ca. 32°), kühlt es am Abend ab, deshalb muss der Deckenventilator auch nur auf Stufe 2 laufen. Zufrieden legen wir uns ins Bett. Ein schöner Tag geht zu Ende, mal sehen, was uns morgen so erwartet…

... wird fortgesetzt ...
Anhang:
Letzte Änderung: 11 Jul 2016 21:21 von leofant.
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11 Jul 2016 16:07 #437356
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  • Hanne am 11 Jul 2016 16:07
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hallo leofant,
na als Lodgehopper fahre ich doch gerne mit Euch- es ist immer interessant zu lesen was andere erleben und natürlich wecken Reiseberichte auch immer Erinnerungen. Wir waren am Boteti in der Meno A Kwena und das war für uns auch ein ganz besonderes Erlebnis. Freue mich auf die Weiterreise.
Liebe Grüsse
Hanne
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11 Jul 2016 16:34 #437359
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  • Lotusblume am 11 Jul 2016 16:34
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Hallo leofant,
ein sehr schöner Reisebericht mit ganz tollen Bildern - wow - und die Lodges sind der Hammer, boah!! :woohoo:leofant schrieb:
....Wie kann ich Sandibe beschreiben? Zunächst einmal ist alles natürlich noch sehr neu, Patina sucht man vergebens. Dann: Very stylish, very fancy. Ein 5-Sterne Hotel mitten im Busch. Vielleicht nicht jedermanns Sache, auch was die Preise betrifft. Während ich mir bis heute noch keine klare Meinung gebildet habe ist meine Frau sofort von der gesamten Bauweise begeistert. Ja! Es gibt hier alles, was das Herz begehrt, man muss als Gast auf absolut nichts verzichten, aber natürlich stellt sich die Frage: Wieviel Luxus braucht man in der Wildnis? Ich kann es nicht beantworten,....

Bei uns beantwortet diese Frage unsere Geldbörse... :whistle:
Letzte Änderung: 11 Jul 2016 16:36 von Lotusblume.
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11 Jul 2016 17:00 #437360
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  • Champagner am 11 Jul 2016 17:00
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leofant schrieb:
Während wir im Frühjahr 2015 überwiegend in Südafrika als Selbstfahrer unterwegs waren, sollte es diesmal wieder eine Reise unter dem Motto: „Betreutes Reisen – Betreutes Wohnen“ werden, bei der wir uns um nichts kümmern wollten. Ja, ja, ich habe bei dieser Beschreibung auf einen Fomi-Ausdruck zurückgegriffen, ich denke mal, Bele wird es erlauben :whistle:

Haha, Walter - aber klar doch :laugh: ! Da ich nächsten April (und zwar ebenfalls in der zweiten Hälfte) tatsächlich mal wieder im Betreuten Wohnen dort unterwegs sein werde, kommt mir dein schön bebilderter Bericht gerade recht :) . Anlass der Reise zu diesem Termin war vorallem mein Wunsch, Botswana mal in Grün zu erleben. Daher sauge ich jedes passende Foto quasi auf - und freue mich, dass man tatsächlich nicht nur Grashalme, sondern auch Tiere sieht! Klar weiß man nie, wie die Regenzeit ausfällt (ich bin ja im Nebenberuf Regenmacherin im südlichen Afrika :whistle: ....) - aber deine Bilder machen mir ein bisschen Hoffnung und vorallem viel Vorfreude !

Danke dafür - liebe Grüße von Bele
Letzte Änderung: 11 Jul 2016 17:01 von Champagner.
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