THEMA: April 2016: Von Maun nach Kasane als Lodgehopper
08 Aug 2016 08:00 #440180
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  • leofant am 08 Aug 2016 08:00
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Das wartende Safari Fahrzeug nähert sich der Maschine, wir sind bereits ausgestiegen. Mit uns kommt noch ein weiterer Gast aus Kanada. Wir stellen uns gegenseitig vor, sein Name ist Bogdan. Hmmm… so richtig kanadisch hört sich das aber nicht an ;-) Bald darauf werden wir vom Fahrer begrüsst, in minutenschnelle ist unser Gepäck im Auto und schon ist das Flugzeug wieder startbereit. Während wir den Startvorgang beobachten, haben wir bereits eine Flasche Wasser erhalten. Kaum ist die Maschine in der Luft, fahren wir los in Richtung Lodge.



Die Landschaft links und rechts des Weges sieht recht trocken aus, hin und wieder flattern ein paar Vögel vorbei, sonst gibt es nicht viel zu sehen. Wir waren in der Vergangenheit bereits zweimal in der Savute Region und jedes Mal hatten wir interessante Tiersichtungen. Ich bin gespannt, welche Überraschungen Mutter Natur diesmal für uns bereithält.
Um 13:00 haben wir die Lodge erreicht und werden von den Managern Phet und Letti in Empfang genommen. Feuchte Tücher, ein kühles Getränk, ein herzlicher Empfang, eigentlich ist es wie in bisher jeder Unterkunft: sehr angenehm, sehr familiär. Man fragt uns, ob wir hungrig sind, die Antwort ist ganz klar: JA! Also wird für uns etwas vorbereitet, während wir noch die nötigen Infos zur Lodge erhalten.

Die Savute Safari Lodge liegt am Rand des Savute Channels. Maximal 24 Gäste können in 12 Chalets untergebracht werden. Die Chalets haben verglaste Fronten, man schaut von Wohnzimmer, Bad und Dusche auf den Kanal. In der Main Area befindet sich im Erdgeschoss der Frühstücksraum und ein Aufenthaltsbereich und im 1. Stock eine Leseecke mit einem „öffentlichen“ PC. Ein paar Schritte weiter kommt man zum Pool. Dort haben wir schon vor 4 Jahren die Erfahrung gemacht: Am Pool kann man sehr schön relaxen und den Tieren zuschauen. Unterhalb des Pools wird auf einer grossen Plattform High Tea und Dinner serviert. Man hat die ganze Zeit die Wasserlöcher und die Tiere im Blick. Der Tagesablauf ist der gleiche, wie in den anderen Desert & Delta Camps, allerdings kann man hier nur mit dem Fahrzeug auf die Pirsch, denn der Savute Channel, der das letzte Mal noch Wasser führte, ist inzwischen wieder ausgetrocknet.

Ich spreche Letti an und erwähne, dass wir vor 4 Jahren eine ernste Reklamation hatten. „Letti, Ruth war über Mittag am Pool und wollte ein Buch lesen. Sie kam aber nicht dazu, weil dauernd die Elefanten am Wasser erschienen, miteinander spielten und kämpften. So fand sie keine Zeit, die Geschichte im Buch fertig zu lesen.“ Zunächst schaut Letti etwas kritisch, dann lacht sie. „Ja, das ist immer noch so, wir haben den ganzen Tag über und am Abend Kino“ sagt sie.









Die Kurzeinführung ist beendet, wir können jetzt an einem Tisch auf der Terrasse platznehmen und einen knackigen Salat mit Fisch geniessen. Danach werden wir zu unserer Unterkunft gebracht. Sie liegt nicht weit von der Main Area entfernt, deshalb sind wir schon nach wenigen Schritten angekommen. Das helle, geräumige Chalet bietet einen Wohn-/Schlafraum mit einem bequemen Doppelbett, Korbsesseln, Schreibtisch und einem Ankleidebereich. Die Einrichtung ist stimmig und gefällt uns. Auch das Bad mit Waschbecken, grossem Glasspiegel, Innendusche und Toilette hat alles was man braucht. Die gesamte Front ist verglast, wenn man die Schiebetüren aufmacht, steht man auf einer Terrasse mit Blick auf zwei Wasserlöcher. Auch jetzt können wir einige Elis beobachten, die sich mit Wasser vollspritzen. Wir sind sehr zufrieden mit der Lage unseres Chalets.









Um 15:00 erscheinen wir auf der Aussichtsplattform zum Nachmittagstee. Jetzt treffen wir auch die beiden deutschen Frauen wieder, die wir in Camp Moremi kennen gelernt haben. Dann stellt sich unser Guide vor. Moment mal, den kennen wir doch! Es ist tatsächlich der Guide, der uns bereits vor vier Jahren betreut hat. Sein Name ist Metal.
Ziemlich genau um 15:30 geht es endlich los, die wilden Tiere rufen! Wir sind allerdings nicht alleine unterwegs, sondern vier weitere Gäste sind im Fahrzeug. Sie sind zusammen nach Botswana gereist. Ein Paar ist aus Deutschland, ein Paar ist aus Dänemark. Um es vorweg zu nehmen. Wir verstehen uns gut mit ihnen. Sie sind weder aufdringlich noch laut, sondern sie möchten sich an der Landschaft und den Tieren erfreuen. Das sind genau die richtigen Leute für uns :)

Zunächst müssen wir eine Tiefsandpassage durchfahren, das Auto schaukelt hin und her. Das hilft einem, geschmeidige Hüften zu behalten. Dann wird die Piste etwas besser. Aus den Büschen am Rand taucht ein Giraffenkopf auf. Etwas näher am Wagen stehen noch drei Giraffen und schauen uns mit fragendem Blick an: „Was wollt ihr denn schon wieder hier?“ Sorry, ich möchte ein paar Bilder machen, denn zwei Tiere stehen eng zusammen und wirken, wie ein Körper mit zwei Hälsen und Köpfen. Wir passieren einen Baobab (Den kenne ich! Da haben wir damals eine Pause gemacht) und erreichen offenes Grasland. Hier tummeln sich Zebras und Gnus, danach sehen wir etliche Gnus und Zebras. Metal erklärt uns, das goldgelbe Gras steht zwar hoch, ist aber nicht mehr besonders nahrhaft, deshalb werden die Herden schon bald nach Linyanti abwandern.





Am Rand der Piste wartet ein Elefantenbulle auf uns und schaut uns irgendwie herausfordernd an. Metal sieht das genauso, verlässt die Pad und fährt mit etwas Abstand durch das Gras um dem Eli zu zeigen, dass wir seine Anwesenheit respektieren. Er lässt uns zwar nicht aus den Augen, macht aber keinerlei Anstalten, uns herauszufordern. Das haben wir in der Vergangenheit schon anders erlebt. Metal greift zum Funkgerät, es gibt Neuigkeiten: In der Nähe wurde ein Leopard auf einem Baum gesichtet. Ja, das kann man sich mal anschauen, für solche Bilder bin ich durchaus zu haben. Dann erreichen wir die Stelle. Am Pistenrand stehen zwei Fahrzeuge, die Insassen haben die Ferngläser an den Augen und starren angestrengt zu einem ziemlich weit entfernten Baum. Ich schiesse ein Foto und vergrössere es auf dem Display. Ja, tatsächlich kann man einen Leo erkennen. Er liegt völlig entspannt auf einem dicken Ast und beobachtet die Gegend. Allerdings ist er so weit entfernt, dass man ohne Fernglas oder eben ohne Vergrösserung auf dem Display die Katze nur erahnen kann. Nun ja, das ist nicht unbedingt das Motiv, das ich mir vorstelle.

Wir warten noch ein paar Minuten, aber nichts Entscheidendes passiert. Also fahren wir weiter. Wir sehen Zebras und Gnus und noch mehr Zebras. Ein klein wenig erinnert es mich an die Serengeti, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Dann kommt der nächste Funkspruch. Diesmal wurden Löwen gesichtet. Wir machen uns auf den Weg. Gegen 17:00 erreichen wir eine Wasserstelle. Nicht weit davon entfernt sehen wir ein Löwenrudel im dichten Buschwerk. Metal ist richtig aufgeregt. „Das ist das Rudel mit den jungen Löwen. Leider sieht man sie nicht, weil sie sich im Busch verstecken.“ Toll, Metal, ich glaube dir das ja gerne, aber noch schöner wäre es, wenn sie sich mal zeigen würden. Unter einem weiteren Busch sehen wir eine Bewegung; eine Löwin tritt hervor, läuft zu einer Artgenossin und sie reiben nach Katzenart die Köpfe aneinander. Die zweite Löwin steht auch auf und beide Katzen strecken sich. „Schaut nur, unter dem Busch ist auch ein Löwenmann!“ Ja, wenn man ganz angestrengt hinschaut, dann sieht man eine dunkle Mähne im dunklen Schatten. „Dort sind auch die Kleinen!“ sagt Metal. Irgendetwas bewegt sich unter dem Busch, das ist wahr. Eine Löwin verlässt die Stelle und läuft langsam aber bedächtig in Richtung Wasserloch. Jetzt ist Metal nicht mehr zu bremsen. „Wir müssen unbedingt zum Wasserloch, damit wir eine gute Position haben!“ ruft er und startet gleichzeitig den Motor. Während die Löwin plötzlich stoppt und sich hinlegt, erscheint ein noch nicht ausgewachsener Löwenmann und marschiert ebenfalls Richtung Wasser. „Warum bleiben wir nicht hier und hoffen darauf, dass die anderen Rudelmitglieder sich zeigen?“ frage ich mich. Aber dann denke ich: „Metal ist der Mann mit jahrelanger Erfahrung, er wird schon wissen, was er da macht.“

Wir umrunden das Wasserloch und stellen uns so, dass wir über das Wasser hinweg die Büsche mit den Löwen sehen können. Der junge Löwenmann hat inzwischen das Wasser erreicht und trinkt. Sein Körper spiegelt sich im Wasser. „Gar nicht so schlecht“ denke ich und mache ein paar Fotos. Ich mag Tiere, die sich im Wasser spiegeln. Und dann passiert etwas, dass mich an die Dramaturgie eines Kurzfilms erinnert. Er fängt moderat an, steigert sich bis zum Höhepunkt und klingt dann moderat wieder aus. Und Mutter Natur hat die Regie übernommen.

Der Junglöwe am Wasserloch trinkt und trinkt. Immer wieder schaut er misstrauisch zu uns herüber, während seine Zunge das Wasser ins Maul „löffelt“. Jetzt nähert sich die Löwin, die sich auf halbem Weg hingelegt hatte und trinkt ebenfalls. Sie hält allerdings etwas Abstand zum Männchen. Während beide noch am Ufer sind, tauchen noch eine Löwin und ein junger Löwenmann auf und platzieren sich in der Mitte der Gruppe. Im Hintergrund erscheint der Chef des Rudels. Zunächst kommt noch eine Löwin ans Wasser und trinkt. Eng beisammen stehen bzw liegen sie am Ufer, rechts die zwei Junglöwen, daneben die drei Löwinnen. Löwe Nummer 6, also der Big Boss kommt ans Wasser und trinkt ebenfalls. Dann erscheinen zu unserer grossen Freude drei Löwenbabys und drängen sich auch zum Wasser. Einer der Junglöwen geht zu einer Löwin und reibt seinen Kopf an ihrem Kopf. Das gefällt dem Herrscher des Rudels überhaupt nicht und der (vermutlich) Sohnemann bekommt drei, vier Ohrfeigen verpasst. Schnell läuft er wieder zu seinem Bruder an den Rand der Gruppe. Dem Chef ist das immer noch zu nah und er verscheucht sie. Die Löwenbabys bleiben dicht beim Herrscher und trinken noch ein paar Schlucke. Jetzt schaut der Chef zu uns herüber als wollte er sagen: „Schaut nur her, wenn ihr näher kommen wollt, dann kriegt ihr auch einen Satz heisse Ohren!“







Auf der linken Seite, an einem kleinen Tümpel, hat sich – von uns zunächst unbemerkt – ein Elefantenbulle genähert. Er steht da, stochert mit seinem Rüssel etwas lustlos in der Brühe herum und dreht seinen Kopf zu den Löwen. Elefanten haben ja normalerweise eine ziemlich deutliche Körpersprache und auch bei diesem Bullen können wir ganz klar erkennen: Die Situation passt im gar nicht. Plötzlich wechselt er in den Angriffsmodus, trompetet kurz, rollt den Rüssel ein und rennt – eine Staubfahne hinter sich herziehend - auf das Rudel zu. Sechs grosse und drei kleine Löwen treten zunächst einmal den Rückzug an. Der Eli stoppt, geht ans Wasser und trinkt scheinbar genussvoll das bessere Wasser aus dem grossen Wasserloch. Den Löwen ist wohl gerade eingefallen, dass sie in der Überzahl sind, denn plötzlich drehen sie sich um und greifen den grauen Riesen an. Der lässt sich auch tatsächlich beeindrucken und rennt jetzt wieder zum Tümpel zurück.





Inzwischen ist einer der Junglöwen dem Chef zu nahe gekommen und in der Hitze des Gefechtes bekommt der jetzt erst einmal richtig seine Haue. Nach dem Motto: Wenn ich als Chef dem Eli keine Ohrfeige geben kann, dann bekommst du es halt ab. Der Sohn wirft sich auf den Rücken, wirbelt eine Menge Staub auf und wir können ein wildes Fauchen und Grollen hören. Das wiederum nimmt „unser“ Eli als Signal, um noch einmal anzugreifen. Diesmal rennt er durch das Wasser, das erhöht natürlich die Geräuschkulisse! Wieder weichen die Löwen zurück und der Bulle hat seinen Platz am klaren Wasser wieder zurück erobert. Eine der Löwinnen geht - allerdings mit gewaltigem Respektabstand – auch wieder ans Wasser und trinkt, natürlich hat sie den Eli immer im Blick. Der ist jetzt aber zufrieden und so können beide ihren Durst stillen, ohne dass es noch weitere Diskussionen gibt.





Wir sind absolut begeistert von dieser Vorführung, auch unser Adrenalinspiegel hat unerwartete Höhen erreicht. Das war doch ein gelungener Einstand in Savute! Zufrieden verlassen wir das Wasserloch und Metal sucht uns einen schönen Platz für den Sundowner. Ich habe es doch geahnt. Unser Guide mit all seiner Erfahrung wusste genau, wann er wo zu stehen hatte, um uns diese gute Perspektive zu ermöglichen. Danke Metal, das war ein richtig guter Job! Wir steigen aus dem Fahrzeug und unser Guide serviert uns die Getränke. Nicht weit von uns sitzt ein Sekretär in der Spitze eines Baums und schaut zu uns herunter. Normalerweise sieht man diese Vögel eher am Boden, aber der hier hat sich einen guten Ausblick über die Ebene verschafft.

Ruth und ich nehmen unsere Weissweingläser und gehen um das Fahrzeug herum. Wir stehen in der Nähe eines kleinen Wasserlochs und die Sonne spiegelt sich darin. Es ist genauso, wie es meine Frau am liebsten hat. Ein toller Nachmittag und ein perfekter Sundowner! Und wieder setzt sich der Afrika-Virus noch ein Stück tiefer im Herzen fest. Ich will hier nie wieder weg! Ein letztes fabelhaftes Bild, bevor wir zur Lodge zurück fahren: Die Sonne ist bereits untergegangen, färbt den Himmel noch einmal rosa ein. Auf einem Hügel in der Nähe steht ein einsamer Elefant und scheint das Farbspektakel ebenfalls zu geniessen. That´s Africa! Genauso und nicht anders.



Dann brechen wir endgültig auf. Metal muss aufs Gas drücken, denn auch wir müssen den Nationalpark pünktlich verlassen haben. Zwei Minuten vor der „Sperrstunde“ erreichen wir die Lodge. Wir lassen uns aufs Zimmer bringen, machen uns frisch für den Abend und versammeln uns um 19:00 zu einem Drink an der Bar. Die Staff und die Guides verschwinden, wenige Minuten später erscheinen alle wieder. Sie singen und tanzen und ich habe das Gefühl, alle die hier sind, haben richtig gute Laune, egal ob es sich um die Staff, die Guides oder die Gäste handelt. Dann laufen wir zum Dinner auf dem Viewing Deck. Die drei Wasserlöcher werden durch Scheinwerfer angestrahlt. Während wir das vorzügliche Essen und den Wein geniessen, plätschern zwei Elefanten am Wasser. Später erscheinen sogar noch zwei Büffel, um zu trinken. Gegen 22:00 – wir haben noch am Feuer gesessen und „Bush TV“ geschaut – bringt uns ein Guide zum Chalet. Wie üblich sitzen wir noch ein paar Minuten auf unserer Terrasse, dann geht es ins Bett. Nach diesem aufregenden Nachmittag und einem kurzweiligen Abend brauchen wir nur ein paar Minuten, bevor wir eingeschlafen sind.

Dienstag 26.04.2016
Heute früh sind die Geräusche der Natur wieder etwas gedämpfter, denn wir schlafen ja nicht mehr im Zelt, sondern in einem Chalet. Ich wache aber trotzdem bei Tagesanbruch auf, denn ich habe die Vorhänge nicht komplett zugezogen. Ich bleibe noch einen Moment liegen, dann öffne ich die verglaste Schiebetür, um die kühle Morgenluft herein zu lassen. Natürlich wird Ruth davon wach, aber das ist ok für sie. Der frühe Vogel fängt schliesslich den Wurm :whistle:
Ab ins Bad, den Körper etwas aufmöbeln, anziehen und schon bald darauf sind wir startbereit. Unser Chalet ist nur ein paar Schritte von der Main Area entfernt, deshalb sind wir die ersten beim Frühstück. Ich beobachte die Leute vom Service genau, aber keiner von ihnen zieht genervt die Augenbrauen hoch, sondern wir werden freundlich mit einem „Dumela Mma, Dumela Rra“ begrüsst. Wie meistens stelle ich (auf Setswana) die Frage: „Wie haben sie geschlafen, Mma?“ Ich erhalte ein Kichern und ein „Ich habe gut geschlafen – und wie haben sie geschlafen?“ als Antwort. Wie ich geschlafen habe? „Ke robetse sentle“ (ich habe gut geschlafen), wie fast immer in Afrika.
Während wir schon frühstücken kommen nach und nach auch die anderen Gäste. Unsere deutsch-dänischen Mitfahrer lassen nicht lange auf sich warten und so können wir pünktlich starten.

Die Luft ist klar und frisch und die Landschaft ist immer noch in ein zartgoldenes Licht getaucht. Ich liebe diese Ausfahrten am Morgen! Wir können über eine grasbewachsene Ebene blicken. Eine Straussenfamilie sucht sich ihr Frühstück, gleich nebenan grasen die allgegenwärtigen Zebras. Ein Stück weiter werden wir von einer Truppe Zebramangusten genauestens beobachtet, dann verschwinden sie wieder in ihrem Bau. In der Nähe eines Wasserlochs stehen drei „Dagger Boys“ also männliche Büffel dicht beisammen und dösen vor sich hin. Nicht weit entfernt sitzt ein Raubadler auf einem Termitenhügel und wartet auf ein sorgloses Opfer. An einem Tümpel betreiben die Nilgänse Körperpflege und machen sich hübsch für den restlichen Tag. Am Ufer steht ein Francolin und schaut kritisch auf das von Algen grüngefärbte Wasser. Ich habe das Gefühl, sauberes Trinkwasser wäre dem Vogel jetzt lieber.







Wir fahren weiter und entdecken noch mehr Büffel hinter dichten Büschen. Vor uns rennen ein paar Zebras über die Piste. Natürlich warten sie nicht, bis wir vorbei sind, sondern müssen unbedingt noch knapp vor uns die Seite wechseln. Die Äste eines abgestorbenen Baums sind mit einigen Perlhühnern „dekoriert“. Die Vögel scheinen noch keine Lust zu haben, auf den Boden zu fliegen um nach etwas Fressbarem zu suchen. Kurz darauf stoppt Guide Metal das Fahrzeug. Am Rand liegen die Reste eines Elefantenschädels und ein paar ausgebleichte Knochen. Metal zeigt uns ein Einschussloch im Schädel, der graue Riese wurde vor einiger Zeit gewildert.





Jetzt erreichen wir eine weite Ebene, die mit kurzem grünen Gras bewachsen ist. Hier tummeln sich zahlreiche Zebras. Das Gras scheint ihnen gut zu schmecken. Wir erhalten einen Funkspruch. Nicht weit von uns wurden Löwen gesichtet, also machen wir uns auf den Weg. Etwa zehn Minuten später sehen wir zwei weitere Fahrzeuge und halten an. Auf der Piste stehen zwei Löwen. Sie sind noch nicht ganz ausgewachsen, haben aber schon eine beachtliche Grösse erreicht. Die beiden Katzen beobachten die Gegend, dann läuft die Löwin in der Fahrspur auf unser Auto zu und passiert den Landcruiser direkt an der Seite, an der meine Frau sitzt. Ruth findet das gut und macht Fotos mit ihrem Smartphone. Ich sollte vielleicht noch erwähnen dass die Bordwand neben dem Sitz meiner Frau ausgeschnitten ist, damit man ins Auto klettern kann. Jetzt hat auch der Löwenmann die Richtung zu unserem Wagen eingeschlagen. Ganz dicht läuft er am Fahrzeug vorbei. Meine Frau wollte eigentlich wieder ein paar Bilder schiessen, jetzt ist der Löwe aber so nah bei ihr, dass sie ihren Arm lieber nicht mehr bewegen will. Auch Guide Metal murmelt eindringlich: „Ruth, don´t move and please be quiet.“ Kein Problem für meine Frau, sie wollte in dieser Situation garantiert nicht herumzappeln oder pfeifen um auf sich aufmerksam machen. Als der Löwenmann genau neben ihr ist, hält er inne und schnuppert am Blech des Autos. Wenn meine Frau wollte, könnte sie jetzt ihren Fuss aus dem Auto strecken und den Löwen am Rücken kitzeln. Komischerweise macht sie keine Anstalten, das jetzt mal auszuprobieren :whistle:
Der Löwe hat genug geschnuppert, verliert das Interesse und folgt seiner Löwenfrau. Ruth kann einmal richtig durchatmen. Jetzt fangen wir alle an, zu kichern. Na das nenne ich eine „Begegnung hautnah“! Wobei ich sagen muss, dass meiner Frau so etwas nicht zum ersten Mal passiert. Sie wurde in der Vergangenheit im Delta auch schon von einer Hyäne und am Chobe von einer neugierigen Elefantendame beschnuppert. Wobei ich mir bei der Hyäne so meine Gedanken gemacht habe… Aber diese Gedanken möchte ich jetzt nicht hier ausführen :laugh: :laugh:





Metal beschliesst, dass es langsam Zeit für eine Kaffeepause wäre. Wir drehen um und fahren zurück zur grünen Ebene. Hier ist ganz klar ein Treffpunkt der Tiere. Viele, viele Zebras, ein paar Elefanten, Tssesebes (Leierantilopen) und Impalas. Ein Tsessebe steht auf einem zugewachsenen Termitenhügel, um die Landschaft besser zu überblicken. Das erinnert mich an das Verhalten der Topis, seiner ostafrikanischen Verwandten. An einem schattigen Platz halten wir an, steigen aus und Metal baut einen Tisch auf. Dann serviert er Kaffee, Tee und Kakao. Dazu gibt es einige Cracker. Die Zebras und Tsessebes in unserer Nähe schauen ziemlich erstaunt, machen aber keine ernsthaften Anstalten, zu fliehen. Also sind wir während unserer Pause von zahlreichen Tieren umgeben, das freut uns natürlich sehr. Metal ist übrigens mit dem Begriff „Leierantilopen“ nicht einverstanden. Er benutzt den deutschen Begriff „Halbmondantilopen“. Die Leierantilopen sind seiner Meinung nach die Topis in Ostafrika. Bei diesen Feinheiten halte ich mich mal lieber etwas bedeckt, denn unser Guide ist der Fachmann, nicht ich.









Die Pause dauert über eine halbe Stunde. Wir haben keine Eile, denn das hier ist ein schöner Platz mit vielen Tieren um uns herum, wir haben viel zu beobachten. Irgendwann starten wir dann doch. Auf dem Rückweg sehen wir – oh Wunder – viele Zebras. Das kleine Highlight sind drei Riesentrappen, die ziemlich entspannt in unserer Nähe nach Futter suchen.



Um kurz vor 11:00 sind wir wieder in der Lodge, eine halbe Stunde später sitzen wir beim Lunch. Ruth verbringt die Mittagszeit am Pool. Hier kann sie in einer der Liegen bequem ein Buch lesen und gleichzeitig die Elefanten am Wasserloch beobachten. Ich habe noch einen Besichtigungstermin, dann entspanne ich auf unserer privaten Terrasse. Schliesslich haben wir unser eigenes Wasserloch und dort üben einige halbstarke Impalas, wie sie sich später in der „Rutting Season“ gegen männliche Gegner behaupten können. Es müssen ja nicht immer nur die Elis sein! Und was passiert? Drei Elefantenbullen erscheinen auf der Bildfläche, vertreiben die Impalas und schon bin ich wieder im „Elefantenkino“ :laugh:

Der Nachmittag beginnt mit dem High Tea auf dem Beobachtungsdeck. Gegen 15:30 sitzen wir wieder zu sechst im Fahrzeug und sind gespannt, was sich so tun wird. Zunächst ist es ruhig, ein paar Zebras, einige Giraffen, das war es dann schon. Ein paar Vögel wie Gabelracken, zwei Sekretäre, und etwa 15 Glanzstare in einem Baum sorgen für Abwechslung. Ich hatte es schon vorher erwähnt, ich mag es auch, einfach durch die Landschaft zu fahren. Das schöne Licht jetzt am Nachmittag lässt das goldgelbe Gras noch mehr aufleuchten. Hin und wieder steht eine sattgrüne Akazie mitten im Gras, das ist ein netter Kontrast zu dem blauen Himmel.



Die Gegend wird buschiger. In unserer Nähe steht ein toter Baum, der Stamm ist etwa in der Mitte gebrochen und die obere Hälfte hat sich ins Gras gesenkt. Darauf liegt eine Löwin. Sie benutzt den umgestürzten Stamm als Aussichtspunkt und schaut sich sehr genau um. Ihr Bauch sieht gut gefüllt aus, ich glaube nicht, dass sie nach möglicher Beute sucht. Jetzt klettert sie hinunter, läuft langsam und bedächtig durchs Gras und dann sehen wir einen zweiten Löwenkopf. Der gehört zu einer Katze, die flach im Gras gelegen und vermutlich gedöst hat. Sie wird von der Löwin begrüsst, dreht sich auf den Rücken, streckt alle vier Pfoten in die Luft und zeigt der Artgenossin den weissen Bauch. Beide Löwen liegen jetzt Seite an Seite und es wird herzhaft und lange gegähnt. Wie gesagt, besonders hungrig sehen sie nicht aus.

Wir fahren weiter, sehen noch mal Giraffen und eine kleine Elefantenherde, dann wird es Zeit für unseren Sundowner. Da wir etwas weiter von der Lodge entfernt sind stoppen wir heute schon um 17:30, damit wir pünktlich wieder zurück sind, denn auch für uns gelten die Öffnungszeiten des Parks. Die Giraffen und die Elis sind noch in unserer Nähe, deshalb haben wir immer noch etwas zu beobachten. Die Sonne nähert sich langsam dem Horizont und färbt den Himmel ein, für uns ist es Zeit, ins Auto zu steigen. Wir kommen um eine Kurve, es dämmert schon, aber der rote Feuerball ist immer noch zu sehen, da treffen wir auf eine Giraffengruppe. Ich rufe „Stop!“, denn ich erkenne sofort, dass man hier ein paar nette Fotos schiessen kann. Metal hält an und ich dirigiere das Fahrzeug. „Metal, my friend, bitte fahre etwas zurück. Noch ein wenig, noch ein wenig, so ist es perfekt!“ Die Giraffen haben sich etwas gedreht, die Hälse kreuzen sich und dazwischen lugt die rote Sonnenscheibe hervor. So will ich es haben! Auch unsere Mitfahrer haben inzwischen erkannt, warum ich hier stoppen wollte und fotografieren eifrig. Ich wiederum beeile mich, denn ich weiss, dass Metal ja nicht ohne Grund so früh unseren Stopp eingelegt hat. Wie gesagt, auch er muss sich an die Parkregeln halten. Fünf Minuten später gebe ich ihm das erlösende Signal: „Vielen Dank, Metal, zeig uns, wie schnell du fahren kannst!“ Das lässt er sich nicht zweimal sagen und wir schaukeln über die wellige Piste.







Wenige Minuten vor der offiziellen Zeit verlassen wir den Park und kurz darauf erreichen wir die Lodge. Wir haben ja nur wenige Meter bis zum Chalet, deshalb warten wir nicht, sondern verabreden uns mit Metal und laufen schon mal los. Unser Guide ist einverstanden, dass wir ohne Begleitung starten. Einmal geduscht, etwas aufgehübscht und schon sind wir gegen 19:00 an der Bar. Es dauert nicht lange und die zwei Berlinerinnen, die wir schon in Camp Moremi kennen gelernt haben, tauchen auf. „Na, habt ihr die Wildhunde auch gesehen?“ Hmmm… „Nee, diese Tiere sind uns nicht über den Weg gelaufen.“ „Es waren mehr als zehn Hunde, sie haben unseren Weg gekreuzt und sind wohl gerade auf die Jagd gegangen. Aber wir mussten zur Lodge zurück.“ Das hätte mir auch gerade noch gefehlt, dass es den anderen Gästen gelungen wäre, die Wildhunde auf der Jagd zu fotografieren. Das will ich schon seit ewigen Zeiten und bis heute ist es mir nicht gelungen. Es gibt da ein Bild, das hängt in einem Camp mit Namen Kwando Lagoon (Linyanti Gebiet). Man sieht ein rennendes Kudu, eskortiert von zwei Wildhunden. Dieses Foto hat in mir den Wunsch geweckt, so etwas auch mal fotografieren zu können. Also wenn so etwas möglich ist, dann bitte in meiner Anwesenheit! Meine Frau schaut etwas traurig, denn sie hatte die Wildhunde ja schon in Camp Moremi verpasst. Ich muntere sie auf. „Mach dir keine Gedanken, wir werden die Wilddogs auf dieser Reise schon noch sehen.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht wissen, dass sich meine Vorhersage tatsächlich noch erfüllen sollte.

Es ist 19:30, wir werden zur Aussichtsplattform am Savute Channel zum Dinner gebeten. Zunächst singt und tanzt die Staff noch für die Gäste. Ruth und ich sitzen bereits am Tisch, plötzlich werden wir an die Hand genommen und in die tanzende Gruppe integriert. Oh, Mann! Die ganze Zeit war es uns gelungen, uns zu „verstecken“, aber jetzt haben wir keine Wahl. Wir müssen mitmachen. Komischerweise wird ausser uns zwei kein anderer Gast aufgefordert, mitzumachen – warum? Mit schwingenden Hüften und kleinen Tanzschritten folgen wir unseren Vorderleuten. Plötzlich schlägt die Tanzgruppe eine Richtung ein, die weg von den anderen Tischen führt. Was haben die bloss vor? Nach einigen Metern wird die Sache klar. Wir haben heute einen separaten Tisch, der auf einem erhöhten Deck aufgebaut wurde. Das ist eine nette Überraschung! Ach ja, stimmt! Es ist unser letzter Abend und den sollen wir wohl besonders in Erinnerung behalten. Da hat scheinbar Freundin Petra von zuhause aus etwas organisiert. Wir freuen uns über unser „Chambre séparée“ an diesem lauschigen Abend. Über uns sehen wir die glitzernden Sterne der südlichen Hemisphäre, unterhalb am Wasserloch stehen zwei Elis, eine sehr sympathische, aufmerksame Dame kümmert sich um Essen und Getränke, wir wüssten nicht, was wir in diesen Minuten noch vermissen könnten. Die einzige Reklamation: Dieser Abend geht viel zu schnell vorbei :(

Gegen 21:30 sitzen wir auf schon wieder auf unserer Terrasse, entspannen noch ein wenig, bevor wir uns ins Bett kuscheln. Das darf doch nicht wahr sein! Morgen steuern wir schon wieder die letzte Station unserer Reise an! Wo ist bloss die Zeit geblieben? Werden wir jemals die Möglichkeit haben, mehr als drei Wochen am Stück in dieser Region zu verbringen? Mit einem tiefen Seufzer schliessen wir die Augen und lassen uns von den Stimmen der afrikanischen Nacht in den Schlaf singen.

Mittwoch 27.04.2016

Selbstverständlich sind wir wieder kurz vor dem Wakeup Call um 05:30 wach. Zwei Nächte in Savute sind eindeutig zu kurz, naja – besser als gar nichts. Wir packen unsere Sachen zusammen, finden uns noch einmal um 06:00 zum Frühstück ein. Ab morgen werden wir den Tag etwas später beginnen, denn in der Garden Lodge beginnt die Pirsch gegen 08:30, also etwa zwei Stunden später als hier. Während wir frühstücken, wird unser Gepäck bereits ins Safarifahrzeug verladen. Dann wird es Zeit, dass wir uns von der Staff und den Managern verabschieden. „Wir wären gerne noch etwas länger geblieben!“, über diesen Kommentar freuen sich die Manager natürlich sehr.

Heute sind wir nur 5 Personen im Fahrzeug. Unserem Mitfahrer aus Dänemark geht es nicht so gut und auch in meinem Magen rumpelt es mächtig. Ich habe allerdings keine Idee, was diese Magenprobleme verursacht haben könnte, zumal ich das gleiche gegessen habe, wie meine Frau und die hat überhaupt keine Probleme. Also kann es nicht am Essen liegen. Um 06:45 halten wir noch einmal an, damit ich ein paar Bilder von dem wunderschönen Sonnenaufgang schiessen kann. Wir atmen die herrlich kühle Luft am frühen Morgen ein, lassen die Ruhe auf uns wirken, dann geht es in gemütlichem Tempo weiter. Durch die Grasebene streift eine Hyäne, sie schaut uns mit scheinbar müden Augen an. Auch die drei Dagger Boys tauchen wieder auf, die haben wir schon gestern früh getroffen; heute haben sie einige Oxpecker auf dem Rücken. Metal erhält einen Funkspruch: „Leopard gesichtet!“ Na gut, dann nehmen wir dieses Kätzchen auch noch mit. Nach knappen 10 Minuten Fahrt erreichen wir die Stelle. Es haben sich bereits mehrere Fahrzeuge versammelt und alle Insassen starren auf ein paar Büsche. Dort soll sich der Leo aufhalten. Also heisst es für uns: Motor abstellen und warten. Tatsächlich verlässt der gefleckte Räuber kurz darauf das dichte Gebüsch und läuft langsam zu einem Stein. Genau hinter dem Stein legt er sich hin. Der Platz ist einfach perfekt! Von hier aus überschaut er eine grasbewachsene Ebene, ohne selbst gesehen zu werden. In etwas weiterem Abstand weidet eine Herde Impalas. Die Impalas müssen schon sehr genau hinschauen, wenn sie die zwei Ohren und den oberen Teil des Kopfes entdecken wollen. Inzwischen nähern sich weitere Fahrzeuge. Der Platz ist jetzt mit ca. 10 Autos gefüllt, es wird langsam eng hier. Wie das so ist, wenn relativ viele Leute zusammen sind, werden die Stimmen auch immer lauter. Kein idealer Platz für einen Leoparden, denn die Impalas sind ja nicht taub. Warum sollten sie sich den Menschen nähern, wenn es überall um sie herum Gras zum, Fressen gibt?

So ist es dann auch. Wir warten ein knappe halbe Stunde, aber die Impalas denken nicht daran, in Richtung der Steine zu wandern, hinter denen sich der Leo versteckt hat. Im Gegenteil. Jetzt ziehen sie sogar langsam aber stetig in die entgegengesetzte Richtung. Der Leopard gibt auf und verlässt seine Deckung. Erstaunlicherweise kommt er genau auf uns zu, dann läuft er zwischen zwei wartenden Autos hindurch, um auf der anderen Seite im hohen Gras zu verschwinden. Er dreht seinen Kopf nicht einmal in Richtung der Menschen, so als würde die Ansammlung von vielen Fahrzeugen einfach nicht existieren. Ich mag seine scheinbare Arroganz :laugh:



Die Versammlung löst sich auf und auch wir fahren weiter. Insgesamt bleibt es ruhig um uns herum, nur zwei Hornraben sind zu sehen. Sie mögen aber unsere Anwesenheit nicht besonders und laufen schnell davon. Etwas später erscheinen drei Riesentrappen. Metal stoppt für eine Kaffeepause, das kann die Vögel aber nicht beeindrucken und so können wir sie gut bei der Futtersuche beobachten. Dann hören wir Motorgeräusche und ein Fahrzeug der Lodge hält an. Unser Taxi ist da! Wir verabschieden uns von den Mitfahrern und natürlich von Metal. Nachdem wir unseren Guide bereits zum zweiten Mal getroffen haben, sind Metal und ich uns sicher: Aller guten Dinge sind drei! Wir werden sehen, ob das Schicksal mitspielt.

Los geht es Richtung Airstrip. Mir geht es immer noch nicht wirklich gut, auch der Tee hat nicht geholfen. Aber was hilft´s, den letzten Flug muss ich noch durchstehen, auch wenn er noch mal relativ lang ist. Wir schaukeln die Piste entlang, nach einem Funkspruch stoppen wir. Nein, es wurde kein seltenes Tier gesichtet, sondern ein weiteres Fahrzeug der Savute Safari Lodge nähert sich uns. Darin befinden sich zwei Gäste aus den USA. Es sind übrigens die zwei aus Kalifornien, die uns schon in Camp Moremi genervt haben, aber jetzt ist es mir egal, denn wir sind ja gerade dabei, abzureisen. Das Gepäck wird umgeladen, die Gäste steigen zu, dann fahren wir weiter. Das Paar ist heute überhaupt nicht lustig und witzig, denn dem Mann geht es auch nicht gut. Komisch, warum haben nur wir Männer ein Magenproblem?

Am Airstrip angekommen, parken wir an der Seite und warten. Es ist heiss und der Flieger hat anscheinend etwas Verspätung. Mir ist immer noch schlecht. Was mache ich bloss, wenn es im Flugzeug schlimmer wird? Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, entscheidet mein Magen für mich. Ich steige aus und entferne mich etwas vom Fahrzeug. Dann wird alles, was ich noch im Magen habe, ans Tageslicht befördert. Das ist zwar erst einmal unangenehm, aber danach geht es mir schon etwas besser.
Inzwischen können wir unser Lufttaxi bereits am Himmel erkennen. Kurz darauf landet es schon, das Gepäck wird eingeladen und wir verabschieden uns von unserem Fahrer. Zum Glück ist die Maschine etwas grösser, ich habe also mehr Platz und kann mich etwas ausstrecken. Ziemlich genau um 10:00 zieht der Pilot die Cessna hoch und wir steuern unser letztes Ziel, das Städtchen Kasane an.

Würden wir wieder kommen? Ja, keine Frage. Savute finde ich toll und die Lodge hat eine nette Lage. Es ist zwar nicht optimal, wenn man bei einer interessanten Tiersichtung ziemlich viele Autos neben sich hat, aber so ist das halt in Nationalparks und eigentlich sind wir von der Chobe Riverfront noch viel schlimmere Menschenansammlungen gewohnt.

Während wir an Höhe gewinnen, kann man auf der rechten Seite noch einmal die Goha Hills sehen, etwas später kommt ein Zaun, der die Grenze des Nationalparks bildet, aber irgendwie habe ich heute keinen Blick für die Landschaft, die unter uns vorbei zieht. Ich möchte eigentlich nur noch aussteigen und mich ausstrecken. Minute um Minute vergeht, ab und zu schaue ich doch hinaus und erkenne ein paar Wegpunkte. Auf der linken Seite taucht der Chobe auf, dann kann man den Grenzpunkt Ngoma Bridge erkennen. Ab hier durchschneidet die Teerstrasse von Ngoma (Namibia) nach Kasane (Botswana) den Chobe Nationalpark. Irgendwann tauchen vertraute Bilder auf. Auf der gegenüberliegenden Seite des Chobe sehe ich die Chobe Savanna Lodge, auf „unserer“ Seite kommt die Chobe Game Lodge ins Blickfeld, dann liegt direkt vor uns auch schon die Rollbahn des Kasane International Airport, wir verlieren schnell an Höhe und bald darauf setzen wir gegen 11:00 sehr sanft auf der Landebahn auf. Auch Flug Nummer 7 verlief problemlos und ich bin heilfroh, dass ich keine Spucktüte gebraucht habe und dass ich mich in absehbarer Zeit erst einmal ausruhen kann.

Wir verlassen die Maschine und laufen mit unserem Handgepäck über das Rollfeld, das übrige Gepäck folgt schnell. Da wir uns bereits in Botswana befinden, entfällt die Einreiseprozedur. Als wir das Empfangsgebäude betreten, werden wir von einer vertrauten Person mit breitem Lächeln erwartet. Es ist John, unser Freund und Guide. Er hat es sich nicht nehmen lassen, uns abzuholen, obwohl er mittags eigentlich frei hat. Wir umarmen uns herzlich und er schnappt sich sofort unser Gepäck. Während wir uns unterhalten, laufen wir zum Wagen. Ruth und ich schauen uns an. Der Grossteil unserer Reise ist zwar vorbei, aber trotzdem: Es ist schön, wieder in einer sehr vertrauten Umgebung zu sein :)

... wird fortgesetzt ...
Letzte Änderung: 08 Aug 2016 08:23 von leofant.
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09 Aug 2016 07:12 #440291
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  • Champagner am 09 Aug 2016 07:12
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Mannomann Walter, da hattet Ihr ja Wahnsinns-Sichtungen in Savuti! Bei mir werden schöne Erinnerungen wach - zum Glück machen die Löwen dort keinen Unterschied zwischen Lodgehoppern oder Campern: wenn man Glück hat, zeigen sie sich den Touristen :) . Wobei - wie man wieder sieht - ein guter Guide eine große Hilfe sein kann (ging uns damals auch so...).

Wenn ich die Farben sehe, die Landschaft, das Gras, die Tiere (es dürfen gerne viele Zebras sein, die machen sich auf Fotos immer bestens :) ) - und dies alles im April - dann steigt meine Vorfreude und Spannung ins Unermessliche - allein dafür schon mal ein dickes Dankeschön.

Und jetzt gibts noch ein bissle (oder sogar viel?) Chobe, wenn ich das richtig verstanden habe (hoffentlich ohne weitere Magenprobleme)?? Ich freue mich darauf!

Liebe Grüße von Bele

P.S.: Die Geschichte mit dem Spinnenbiss hätte ich jetzt nicht gebraucht :S , werde sie aber in meinem Kopf abspeichern und nächstes Jahr genau schauen, wer sich da so in meinem Zelt breit macht :woohoo: )
Letzte Änderung: 09 Aug 2016 08:40 von Champagner.
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10 Aug 2016 07:42 #440468
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Hi Bele,

schön dass du noch "mitreist" :)
Ich kann deine Vorfreude verstehen. Ich persönlich könnte mir gut vorstellen, die Savute Region
zwei Wochen lang zu durchstreifen ... und danach die Linyanti Region ... und dann zum Ausklang
zwei Wochen Delta ? :woohoo: :woohoo: :woohoo:
Muss nur noch einen Sponsor finden für dieses Vorhaben :whistle:
Aber ganz im Ernst: Ich bin mir sicher du wirst es nicht bereuen.

Ja, mein RB wird noch zwei Teile haben, Chobe 1 und Chobe 2, ich denke mal morgen kann ich Nummer 1 einstellen.

Und was die Spinnen betrifft: Ich bin mir nicht sicher, welches Risiko höher ist:
Bei uns in D einen Autounfall (z.B. mit Blechschaden) zu haben oder im südlichen Afrika von einer Spinne gebissen zu werden.
Meine Frau hat vermutlich ihr Spinnen-Soll für die nächsten 10 Jahre erfüllt.

Liebe Grüsse
Walter
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10 Aug 2016 08:23 #440472
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  • engelstrompete am 10 Aug 2016 08:23
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Hi Walter,

sprachlos :cheer: :cheer: :cheer:

Das passiert mir nicht oft. :laugh:

Was für tolle Sichtungen, diese Löwenfamilie absolut genial. :woohoo:

Freue mich bei Dir mitreisen zu können.

Liebe Grüße

Cécile :)
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
namibia-forum.ch/for...hrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
www.namibia-forum.ch...eiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html[/size]
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
[/url]
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
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11 Aug 2016 07:51 #440628
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Hi Cécile,

ich habe dich sprachlos gemacht ... Mensch! da bin ich doch richtig happy :laugh: :laugh:
Danke fürs Mitreisen :)
Liebe Grüsse
Walter
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11 Aug 2016 07:54 #440629
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Mittwoch 27.04. – Sonntag 01.05.

Unsere Zeit in der Garden Lodge fasse ich zusammen und gehe nur auf ein paar Erlebnisse etwas ausführlicher ein. Ich habe es in früheren Reiseberichten schon geschrieben: Wir kommen seit 2007 regelmässig hierher, sind mit den Besitzern Gabi und Phil befreundet und sind – laut deren Aussage – inzwischen zu einem Teil des Inventars geworden. Deshalb halte ich mich mit einer Beurteilung der Lodge zurück, ich kann unmöglich objektiv sein. Guide John kenne ich, seitdem er in der Garden Lodge angeheuert hat und wir sind inzwischen befreundet, falls man so etwas behaupten kann, wenn man sich circa zweimal pro Jahr für einige Tage sieht. Wenn wir hier sind, dann bin ich jeden Tag im Nationalpark, egal ob mit dem Boot oder mit dem Fahrzeug. Mein Lieblingsspruch lautet: Die Bühne ist immer dieselbe, aber die Darsteller wechseln jeden Tag. Obwohl es an der Riverfront manchmal laut und hektisch ist, ich bin trotzdem gerne hier und wir hatten in den letzten Jahren schon einige wirklich beeindruckende Erlebnisse. Auf der einen Seite bin ich manchmal traurig wenn ich sehe, dass z.B. ein Löwenrudel auf die Jagd geht und dabei von vielen Fahrzeugen verfolgt wird, oder das der arme Leopard, der sich ins tiefe Buschwerk zurückgezogen hat, regelrecht belagert wird. Auf der anderen Seite sind viele Tiere hier die Autos und die Boote gewöhnt und rennen nicht so schnell weg. Deshalb gelingen einem öfter mal schöne Nahaufnahmen, denn die Fluchtdistanz ist hier viel geringer, als in anderen Gegenden.

Der Vollständigkeit halber kommt hier noch eine kurze Beschreibung der Lodge:
Die Garden Lodge hat 8 Zimmer, wobei drei Zimmer im 1. Stock mit je zwei Zusatzbetten ausgestattet werden können. Dort ist es für Familien möglich, zusammen zu übernachten. Gegessen wird an einem langen Tisch in der Main Area, kleinere Gruppen können auch auf der Terrasse mit Blick auf den Chobe ihr Dinner geniessen. Von einer Lounge im 1. Stock aus überblickt man der Garten und schaut bis zum Chobe. Man kann ein Private Dinner organisieren, das hier oben stattfindet. Neben einem halboffenen, überdachten Raum befindet sich der Pool. Im Garten in der Boma wird der Nachmittagskaffee bzw. Tee serviert. Tagsüber kann man Warzenschweine, Mangusten und viele Vögel im Garten beobachten, nachts kommen hin und wieder Flusspferde oder Elefanten vorbei. Der Garten ist mit einem Zaun gesichert, das hält die schwergewichtigen Besucher (Hippos + Elis) normalerweise auf Distanz zu den Gästen. Ausnahmen bestätigen die Regel (das schreibe ich aus eigener Erfahrung). Ach ja, hin und wieder ist auch eine Python zu Gast. Seitdem Gabi die Enten abgeschafft hat, sind diese Besuche jedoch seltener geworden. Trotzdem musste neulich unsere liebe Freundin Knödel (eine alte Jack-Russel-Dame, die wir seit 2007 gekannt haben) ungewollt Abschied nehmen. Und die Moral von der Geschichte: In der Not frisst eine Python nicht nur Fliegen. Sorry, Knödel, ich wollte jetzt nicht pietätlos sein :blush:







Wir sind Mittwoch angekommen, haben alle Freunde und Bekannten begrüsst und ich hatte Zeit, mich etwas auszuruhen. Ob wohl ich Fieber habe denke ich keine Sekunde darüber nach, eventuell am Nachmittag im Bett zu bleiben. Der Boatcruise am Nachmittag ist ein absolutes Muss, Magenprobleme hin oder her! Und deshalb starten wir pünktlich um 15:30. Es fahren sonst keine Gäste mit, also sind nur John, Ruth und ich auf dem Boot.

Nachdem wir am Ufer entlanggetuckert sind und einige Vögel beobachtet haben, entfernen wir uns vom vorderen Abschnitt des Parks. Es dauert nicht lange und die grossen Tiere tauchen auf. Neben uns befindet sich eine Gruppe Hippos im Wasser, von denen werden wir keine Sekunde aus den Augen gelassen. Immer wieder tauchen sie auf und ab und blasen den Wassernebel durch ihre Nüstern in die Luft. Weiter vorne am Ufer trinken einige Elefanten, wir fahren langsam heran und ich kann ein paar Fotos machen. Wieder ein Stück weiter befinden sich etwa 20 Meter vom flachen Ufer entfernt dichte Büsche. John schaut plötzlich sehr interessiert in diese Richtung. „Schaut mal da rüber“ sagt er. Dann bewegt sich ein Busch und ein Löwenkopf lugt hervor. Treffer! Auf John ist Verlass, er weiss wann wir an welcher Stelle sein sollten.
Die Löwin scheint Entwarnung gegeben zu haben, denn jetzt tauchen fünf weitere Katzen auf. Alle laufen zum Ufer, um zu trinken. Das gibt für mich ein paar nette Bilder, die ich natürlich gerne auf die Speicherkarte banne. Die ersten 5 Minuten sind wir ganz alleine mit den Raubkatzen, dann allerdings haben die Insassen der anderen Boote in der Nähe auch bemerkt, was hier los ist. Deshalb dauert es nur noch wenige Minuten und es herrscht richtig Betrieb. Boote rangieren hin und her, um den besten Ausblick zu haben. Jetzt nähert sich sogar ein grosses, Boot mit Aussichtsdeck, und es wird lauter und lauter. Die Löwen fangen an, etwas hektisch in die Runde zu schauen. Von der Seite kommt das erste Fahrzeug angefahren. Eigentlich ist da gar keine Piste und Offroad fahren wird auch geahndet, aber natürlich nur, wenn auch ein Ranger in der Nähe ist und zurzeit ist hier niemand zu sehen. Immerhin stoppt das Fahrzeug mit etwas Abstand und fährt die Löwen nicht platt.











Nach etwa 20 Minuten wird es uns zuviel und wir entfernen uns. John fährt einen Bogen, dann erreichen wir den Kanal, der an der namibischen Seite entlang zur Parkgrenze zurückführt. Hier liegen zwei Hausboote, genaugenommen sind es schwimmende Hotels. Eins davon gehört Pangolin. Man kann also eine mehrtägige Fotosafari buchen, übernachtet auf dem Boot und macht tagsüber seine Safaris auf den Fotoboot oder im Unimog.

Wir erreichen den Anfang bzw. die Ausfahrt des Parks. Hier stoppen wir und John richtet das Boot in Richtung Sonne aus. Die Flasche Weisswein wird geöffnet, die Weinkelche aus Metall werden gefüllt, wobei ich mich bei der Menge noch stark zurückhalte. Mein Magen soll sich lieber noch etwas erholen. Die untergehende Sonne färbt den Himmel rot ein, auch das Wasser des Chobe verfärbt sich rot und gold, die letzten Vögel fliegen als pechschwarze Scherenschnitte zu ihren Schlafplätzen, ein Sonnenuntergang auf dem Chobe ist einfach genial; wir waren schon so oft hier, aber es ist wie mit den Pirschfahrten, sie werden einfach nie langweilig. Das Farbenspiel am Himmel und auf dem Wasser löst in uns immer wieder ein Hochgefühl aus, dass nur sehr schwer zu beschreiben ist. Ich glaube das sind die typischen Argumente von Afrika-Süchtigen. Und ich bin heilfroh, dass wir in der Lage sind, unserer Sucht zumindest zweimal pro Jahr Nahrung zu geben





Am nächsten Tag fahren wir noch einmal mit dem Boot raus, denn die meisten Gäste sind jetzt auf dem Gamedrive, da haben wir den Fluss fast ganz für uns alleine.













Auch am Nachmittag nehmen wir noch mal das Boot. Wir gleiten gemütlich dahin, beobachten Reptilien, Vögel und andere Tiere. Während wir uns langsam fortbewegen schaut John plötzlich aufmerksam zum Ufer und steuert das Boot in diese Richtung. Ich schaue ihn fragend an, denn ich kann absolut nichts entdecken. „Da ist eine Schlange, direkt auf 12 Uhr“ sagt er. Angestrengt blicke ich ans Ufer direkt vor uns, aber erst als wir vielleicht drei Meter entfernt sind, kann ich die kleine grüne Schlange auch erkennen. Ruth kommt zu mir an den Bug und wir sind fasziniert. Die Schlange hat nämlich einen Frosch gefangen, der steckt jetzt quer im Maul. Allerdings ist sie gerade etwas nervös, denn wir sind für ihren Geschmack zu nahe gekommen. Ein paar Sekunden können wir sie beobachten, dann ist sie im Gebüsch verschwunden. „Wie konntest du die Schlange vom Wasser aus sehen?“ frage ich John. Er antwortet: „Ich habe ein leises Quieken gehört und wusste, das war ein Frosch. Deshalb war mir klar, wo ich schauen musste.“ Ich kann nur verständnislos den Kopf schütteln. Wie konnte er den Frosch hören und dann die Schlange sehen? Es ist mir völlig unbegreiflich. Aber natürlich freuen wir uns, dass wir Dank Johns Aufmerksamkeit so eine seltene Situation erleben durften.









Ein Stück weiter stehen drei Elis bis zum Hals im Wasser und fressen sich an den grünen Gräsern in der Mitte des Chobe satt. Das sind natürlich Motive, die ich dankbar mitnehme. Während immer mehr Boote die Elefanten im Wasser „umzingeln“ gibt John Gas und wir fahren ein ganzes Stück weiter. Wir kommen an eine Steilwand. Hier haben die Weißstirnspinte ihre Bruthöhlen. Sie sitzen überall in den Bäumen, kommen im Sturzflug hinunter, krallen sich in der Wand fest, verschwinden mit Futter in den Höhlen, füttern die Jungen und fliegen kurz darauf wieder davon. Uns bietet sich ein tolles Schauspiel, das mit einem vielstimmigen Gepiepse untermalt wird.











Am nächsten Morgen nehmen wir den Landcruiser. Um 08:45 erreichen wir das Sedudu Gate, die meisten Safari Fahrzeuge verlassen um diese Zeit den Park. John redet kurz mit einem Guide, dann dreht er sich zu uns. „Wir haben anscheinend richtig Glück!“ Unten am Ufer haben die Wildhunde ein Kudu erlegt. Da fahren wir doch mal direkt hin!“ Wow, ich bin begeistert! Ich hatte versucht, meine Frau in Savute wegen der verpassten Wildhunde aufzumuntern und jetzt haben wir eine Chance. Eine Viertelstunde später haben wir die Stelle erreicht. Es sind zwar immer noch einige Autos da, aber wir sind nah genug, um die Wild Dogs zu sehen. Einige Rudelmitglieder liegen im Schatten, während andere immer wieder hinter einem grossen Busch verschwinden. Nach ein paar Minuten umrunden wir Busch und suchen uns neue Beobachtungsposition. Die Reste des Kudus liegen gar nicht so weit weg. Überall sitzen die Geier und möchten an dem Festmahl teilhaben. Immer wieder erscheint ein Wildhund auf der Bildfläche, der die Geier verscheucht. So gibt es eine Menge Action. Die Geier landen, wollen etwas fressen, der nächste Wildhund schiesst um die Ecke und versucht, einen Geier zu erwischen. Alle Geier fliegen auf, um aber nur ein paar Meter entfernt wieder zu landen und einen neuen Versuch zu starten. Etwa 30 Minuten sind wir Zeuge dieses Schauspiels, dann geben die Wildhunde auf und die Geier übernehmen das Kommando.









Wir beschliessen, ein künstliches Wasserloch in der Nähe zu besuchen. Als wir die tiefe Sandpiste durchfahren, sehen wir irgendwann einen Geländewagen neben der Pad stehen. Wir nähern uns vorsichtig und erleben etwas für uns völlig neues. Im Schatten der Bäume stehen ungefähr 15 junge Rappenantilopen, bewacht werden sie von 4 älteren „Aufpassern“. Ich wusste bisher nicht, dass diese Antilopen auch einen Kindergarten haben, das kenne ich nur von Impalas. Als wir anhalten, bleiben sie noch einen Moment stehen, dann zieht sich die ganze Gruppe etwas tiefer in den Busch zurück.

... wird fortgesetzt ...















Letzte Änderung: 11 Aug 2016 08:16 von leofant.
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