THEMA: Botswana Mai 2014 - Die "Mädchentour"
24 Jun 2014 18:24 #342107
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  • Champagner am 24 Jun 2014 18:24
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leofant schrieb:
@ Bele
Hi Bele, ich habe – gegen meine innere Überzeugung – zwei Geparden Bilder reingestellt. Happy bin ich damit nicht, weil die Qualität nicht wirklich gut ist. Und den „Fox“ gibt es auch noch. Jetzt ist der Aufstand wohl vorbei :laugh:
Wo genau bist Du im August / September unterwegs ? Für welche Spezialität musste sich Carina ins Zeug legen?

Jaja, Walter, das Gepardenfotos mit den zwei kleinen da am Straßenrand ist wirklich "schlecht" - genau so wie das vom Löffelhund :P :laugh: :whistle: !!!

Mensch, ich wäre froh, so was überhaupt mal vor die Linse zu bekommen - aber okay, das ist immer ein ganz persönliches Empfinden und wenn du eben schon einigermaßen gute Fotos von allem hast, dann suchst du das perfekte....ich versteh das irgendwie schon (oder gebe mir zumindest Mühe B) )!

Zu Carinas "Job" in Bezug auf meine Reise hab ich dir ne PM geschrieben.

Ich freu mich schon auf die Fortsetzung - liebe Grüße von Bele
Letzte Änderung: 25 Jun 2014 21:30 von Champagner.
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25 Jun 2014 19:36 #342219
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@ Nicole
ja, das Licht bei den Cheetahs war schön, leider waren wir nicht wirklich nah dran (seufz)

so, dann geht es weiter mit dem 2. Teil Kwando Lagoon und Kwando Lebala
Irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Reisebericht ist ganz schön persönlich geworden.
Aber was will ich machen ? Wem es zu langweilig ist: Kurzbericht lesen und (vielleicht) Bilder gucken ;)

Donnerstag 15.05.14 - Mittagszeit

Wir sind in unser Buschtaxi eingestiegen und rollen zum Anfang der Sandpiste. Das kleine Flugzeug startet durch und wenig später überqueren wir trockenes Buschland auf dem Weg nach Maun. Der Wind ist heute etwas stärker, deshalb hüpft die Cessna auf und ab. Ruth hat ihre Armbänder an, die Augen sind geschlossen. Immer wenn ich sie prüfend antippe zeigt sie mir den erhobenen Daumen, also geht es ihr trotzdem gut. Etwa 40 Minuten später landen wir in Maun. Wir konnten leider nicht den direkten Weg nach Linyanti nehmen, denn wir haben nicht genug Benzin an Bord. Das Auftanken geschieht ganz unkompliziert am Rand des Flugfelds. Wir Passagiere müssen uns noch nicht einmal weit von der Maschine entfernen.


Tankstopp in Maun

Keine zwanzig Minuten später rollen wir schon wieder zur großen Startbahn, beschleunigen und schwingen uns in die Lüfte. Wir kippen nach links und fliegen in nördliche Richtung. Bereits nach wenigen Minuten ändert sich die Landschaft dramatisch. Kein Zweifel, wir fliegen wieder über unser geliebtes Delta! Kleine Wasserläufe wechseln mit Lagunen und Sumpfgebieten, ab und zu unterbrochen durch kleine weiße Inseln. Es ist ein großartiger grüner Flickenteppich, der sich unter uns ausbreitet. Der Pilot teilt uns mit, dass er einen kleinen Umweg über das zentrale Delta fliegt, wir haben absolut nichts gegen diese Sightseeing – Tour einzuwenden. Von Zeit zu Zeit können wir Elefanten entdecken, die in Wasserlöchern plantschen oder sich am sattgrünen Sumpfgras erfreuen.


Okavango Delta


Okavango Delta

Eine knappe Stunde später leitet unser Flugzeugführer den Sinkflug ein, wir sind nicht mehr weit vom Lebala Airstrip entfernt. Am Rande einer Lagune entdecken wir eine große Büffelherde, ein Stück weiter tummeln sich ein paar Hippos, das steigert natürlich die Vorfreude auf die kommenden zwei Tage. Wir fliegen parallel zum weißen Sandstreifen, der die Landebahn darstellt, dann machen wir noch eine scharfe Kurve und wenig später setzt das Flugzeug auf. Wir rollen aus, der Pilot stellt den Motor ab und schon kommt ein Safarifahrzeug angefahren. Wir steigen zunächst einmal alle aus. Das Gepäck der Amerikaner wird ausgeladen. Der Tracker des Kwando Fahrzeugs kommt auf mich zu. Den kenne ich doch! Ich ziehe die Sonnenbrille ab. Tatsächlich, er lächelt mich an und reicht mir die Hand. „I Know you“. Sein Lächeln wird noch breiter. Jetzt ist es klar, das ist Bormen, unser Tracker aus dem letzten Jahr. Aber wieso konnte er sich an mich erinnern? Er lernt während eines Jahres garantiert unzählige Gäste kennen! Ich bin beeindruckt und erzähle ihm, dass wir uns in zwei Tagen sehen werden, dann besuchen wir ja auch das Lebala Camp. Wir schütteln uns noch einmal die Hände, dann steigen Ruth und ich wieder in die Cessna. Fünf Minuten später fliegen wir noch ein Stück nach Norden. Unsere Flughöhe ist jetzt sehr niedrig, knapp zehn Minuten später haben wir unser Ziel erreicht und landen auf dem Lagoon Airstrip.


Airstrip im Linyanti Gebiet

Dort werden wir von unseren Guides in Empfang genommen. Schon wieder kommen wir uns vor, als wären wir nicht lange weg gewesen, denn wir werden von Sam und Aaron begrüßt. Mit diesen beiden waren wir bereits letzten Mai unterwegs und wir haben uns damals äußerst gut verstanden. Nachdem man im Nxai Camp gehört hat, mit wem wir in 2013 die Gegend unsicher machten, hat man gleich das Lagoon Camp kontaktiert und „unsere“ Guides für uns reserviert. Wenn das kein Service ist! Ruth ist begeistert, denn sie kam schon letztes Jahr hervorragend mit Aaron aus. Wir umarmen uns und versichern uns gegenseitig wie froh wir sind, dass wir uns dieses Jahr wiedersehen. Wir setzen uns in den Landcruiser. Ich hatte es schon einmal erwähnt. Ich liebe diese Fahrzeuge, denn sie haben noch nicht einmal ein Sonnendach, sind also völlig offen. Dadurch stört beim Fotografieren in keiner Situation das Dach oder das Gestänge. Im Gegensatz zu den Fahrzeugen in den Nationalparks sitzen die Tracker hier außerhalb des Fahrzeugs. Sie „schweben“ über dem Boden, um die Spuren der Tiere besser entdecken zu können.

Wir fahren die kurze Strecke zum Kwando Lagoon Camp. Um 15:30 erreichen wir unser Ziel und werden von der Staff freundlich in Empfang genommen. Auch jetzt sehen wir zwei, drei bekannte Gesichter, es ist schön wieder hier zu sein!


Kwando Lagoon tagsüber...


... und am frühen Morgen


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon

Wir sind spät dran, deshalb bringt man uns gleich zu unserer Unterkunft. Wir springen blitzartig unter die Dusche, schnappen unsere Sachen und erscheinen zum High Tea. Dort lernen wir unsere Mitfahrer kennen. Es ist erneut ein Paar aus den USA, die beiden sind auf Hochzeitsreise. Um 16:15 verlassen wir das Lagoon Camp. Diesmal haben wir kein Zeitlimit, denn jetzt befinden wir uns ja in einem privaten Tierreservat. Wir können abends solange unterwegs sein, wie wir wollen und dürfen außerdem auch die Wege verlassen. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil, wenn man Nahaufnahmen von Tieren machen will.
Wir folgen der Piste und ich bemerke, dass es die letzte Regenzeit sehr gut mit dem Linyanti Gebiet gemeint hat. Der Busch ist dicht und grün und auch das Gras ist sehr hoch. Das ist zwar gut für die Tiere, aber schlecht zum Fotografieren, denn die Buschbewohner sind nur sehr schwer auszumachen. Die anderen beiden Gäste aus Texas sind zum ersten Mal in Afrika, deshalb halten wir natürlich noch bei jedem Impala und jedem Vogel. Ich mache mir aber nichts draus, sondern lege die Kamera beiseite und lasse die Landschaft auf mich wirken. Es dauert keine 15 Minuten bis wir erkennen, dass unser Mitfahrer nikotinsüchtig ist, denn er kann es ohne Zigarette nicht mehr aushalten. Allerdings raucht er eine dieser neuartigen elektrischen Zigaretten, bei denen man zwar seine Nikotindosis aufnimmt, der Qualm besteht jedoch größtenteils aus reinem Wasserdampf. Ich bin ja froh, dass es inzwischen solch eine Erfindung gibt, denn wir waren vor ein paar Jahren mal mit einem Kettenraucher unterwegs, der rauchte „richtige“ Zigaretten und dieser Gamedrive war kein Spaß für mich, zumal ich direkt hinter ihm gesessen habe.
Wir kommen an eine Wasserstelle. Direkt am Ufer, auf dem Stamm eines abgestorbenen Baums sitzt ein Fisheagle. Es dauert nicht lange, da wird er von einem Waffenkiebitz (Blacksmith Lapwing) angegriffen. Obwohl dieser Vogel viel kleiner ist, scheint er keine Furcht zu kennen. Immer wieder fliegt er haarscharf am Kopf des Fisheagle vorbei. Der muss sogar den Kopf wegdrehen, um nicht von einem Schnabelhieb getroffen zu werden. Schließlich wird es dem Adler zu bunt und er schwebt davon. Wir sind nicht wirklich überrascht, denn wir konnten etwas ähnliches schon einmal mit einem Fisheagle und zwei Glanzstaren beobachten. Auch da verlor der Adler irgendwann die Geduld und räumte das Feld.
Eine halbe Stunde fahren wir so dahin, dann hebt Aaron die Hand. „Hier sind Spuren von Wildhunden, denen folgen wir jetzt“ teilt uns Sam mit. Oh nein! Jetzt geht DAS wieder los! Wir haben den Mai 2013 noch in guter Erinnerung. Damals jagten wir drei Tage irgendwelchen „fresh tracks“ nach und waren nicht wirklich erfolgreich. Erst auf dem Weg zum Flugzeug fanden wir ein Rudel Wildhunde, doch da war keine Zeit mehr, die Tiere zu beobachten.
Ich ziehe meine Radlerbrille auf, damit meine Augen bei der Durchquerung des Buschlands gut geschützt sind. Wir fahren hin, wir fahren her, die Wildhunde bleiben unsichtbar. Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont und taucht die Gegend in ein warmes, goldenes Licht. Das ist eigentlich die Zeit, in der meine Frau ein schönes Plätzchen – vorzugsweise an einem Wasserloch – bevorzugt, um den Sonnenuntergang bei einem Glas Weisswein zu genießen. Aber heute ist da mal gar nicht dran zu denken, denn Sam und Aaron möchten den Gästen aus den USA etwas bieten. Gerade als Ruth nach einem Sundowner fragt, erhalten wir einen Funkspruch. Ein Leopard wurde gesichtet! Jetzt gibt es kein Halten mehr und wir hoppeln in wilder Fahrt über die Piste. Einige Zeit später haben wir zwei andere Fahrzeuge erreicht. Die Guides diskutieren kurz, dann fahren alle querfeldein und suchen die Büsche ab. Und die Sonne sinkt tiefer und tiefer. Und die Laune meiner Frau sinkt ungefähr in der gleichen Geschwindigkeit. Ich bin hin und hergerissen. Natürlich kann man uns mit einem Leoparden bei schlechtem Licht nicht mehr beeindrucken, aber ich verstehe auch, dass unsere Mitfahrer liebend gerne große Katzen sehen möchten, egal bei welchem Licht und in welcher Situation. Das ging uns ja früher genauso. Dann sehen wir tatsächlich den Leo. Er ist etwas nervös und findet es gar nicht witzig, dass drei laute Fahrzeuge ihn eingekreist haben. Also machen wir schnell ein Foto von einem „Leo auf der Flucht“, dann ist er auch schon verschwunden. Die Texaner sind begeistert, meine liebe Frau nicht so. Ich halte mich mal lieber aus allem raus ;-)
Natürlich ist es jetzt vorbei mit dem Sundowner, denn es ist dunkel geworden und da ist das Aussteigen nicht sehr ratsam. Aaron holt sich den Scheinwerfer, dann geht es weiter auf Nachtsafari. Aber auch jetzt halten sich die Sichtungen in Grenzen. Ein paar Scrub Hares (Buschhasen) und eine Eule, das war es dann auch schon. Gegen 19:30 sind wir zurück im Camp. Wir setzen uns direkt ans Feuer und bestellen ein Glas Rotwein. Das wird uns von Sam auch gleich gebracht. Um 20:00 werden wir zum Dinner gerufen. Es ist eine buntgemischte Gesellschaft, die sich da zusammengefunden hat. Die Gäste kommen aus El Salvador, Texas, Kalifornien, den Niederlanden und aus Deutschland. Wir haben nette Nachbarn und unterhalten uns sehr gut. Gegen 21:30 ziehen wir uns zurück. Obwohl unser Zelt noch nicht einmal eine Gehminute entfernt ist, besteht Sam darauf, uns zu begleiten. Ruth liest noch ein wenig, ich checke ein paar Fotos, aber bald sind wir müde und schlafen schnell ein.

Freitag 16.05.14

Die morgendliche Routine entspricht der im Nxai Camp. Der Unterschied ist eher, dass man hier am frühen Morgen schon ein paar Hippos grunzen hört. Um 06:00 werden wir geweckt, um 06:30 treffen sich die Gäste zum Frühstück, um 07:00 ist Abfahrt. Die Temperatur liegt bei 14°, natürlich im Zimmer gemessen. Was mich an Lagoon schon letztes Jahr beeindruckt hat, ist der Sonnenaufgang. Die Farben sind einfach unglaublich und das alles spiegelt sich noch einmal im Kwando, ich liebe diesen Platz! Wir laufen zu unserem Fahrzeug und begrüßen Aaron. Dann müssen wir warten, denn unser Mitfahrer aus Texas muss unbedingt noch eine Zigarette rauchen. Scheinbar langt ihm die elektrische Zigarette nicht wirklich und er benutzt sie nur, um irgendwie über die Runden zu kommen. Was für ein Stress! Dann geht es endlich los. Zwei Fahrzeuge sind unterwegs und trennen sich an der nächsten Gabelung. In unserer Richtung bleibt es auch heute ziemlich ruhig. Aaron findet zwar Liontracks, aber die dazugehörigen Katzen wollen sich nicht zeigen. Ab und zu kommt ein Funkspruch, aber scheinbar ist nichts Interessantes für uns dabei. Das ändert sich erst nach etwa einer Stunde. Sam berichtet uns, dass ein Rudel Wildhunde gesichtet wurde. Die Tiere dösen allerdings, wir müssen uns also nicht sonderlich beeilen. Aaron überrascht uns mit der Sichtung einer Eule im Schatten einer Astgabel. Wie konnte er die sehen? Selbst als wir ganz dicht an den Baum heranfahren, müssen wir uns von den Guides erklären lassen, wo sie sich befindet.
Irgendwann erreichen wir einen kleinen See. Den kenne ich. Hier findet immer der Fahrzeugwechsel statt, wenn Gäste von Lebala nach Lagoon oder umgekehrt transportiert werden. Wir befinden uns also auf halbem Weg zwischen den beiden Camps. Nach etwa fünf Minuten Fahrt sehen wir ein Fahrzeug am Pistenrand. Sam lenkt unseren Toyota vorsichtig an einen Busch heran. Dort liegen die Wilddogs.


Kwando Lebala

Es handelt sich um das sogenannte 6er Rudel. Sam erklärt: „Seit ein paar Wochen ist das Alpha-Weibchen und das Alpha-Männchen verschwunden. Das hatte zur Folge, dass sich die übrigen Rudelmitglieder gepaart haben. Jetzt sind zwei Weibchen gleichzeitig schwanger. Wir sind gespannt wie sich die Dinge entwickeln.“ Dazu muss man wissen, dass sich bei Wildhunden in der Regel nur ein Paar fortpflanzen darf, nämlich das sogenannte Alphapärchen. So bezeichnet man die Leithündin und den Leitrüden. Nachdem die übliche Ordnung durch das Verschwinden der beiden Leittiere nicht mehr existiert, haben sich die niedrigeren Ränge gepaart. Das spannende an dieser Sache ist, dass man nicht weiß was passiert, wenn zwei gleichrangige Hündinnen Junge bekommen. Werden die einen getötet oder überleben alle? Unsere Guides können es nicht wirklich vorhersagen.
Alle Hunde haben dicke Bäuche, also war die Jagd am frühen Morgen wohl erfolgreich. Jetzt liegen sie im Schatten der Büsche, sie sind aber trotzdem sehr unruhig. Immer wieder steht ein Rudelmitglied auf und legt sich an eine andere Stelle. Dort wird kurz gedöst, dann wechseln sie erneut den Liegeplatz. Die Schwänze der Hunde sind ständig in Bewegung, denn um sie herum schwirren eine Menge Fliegen. Ich hasse es, wenn ich mich gerade auf ein Foto konzentrieren will und eine dicke, fette, buntschillernde Fliege landet auf meinen Lippen. Ich habe ja so ungefähr eine Ahnung, wo dieses Insekt vorher wohl gesessen hat und dieser Gedanke gefällt mir ganz und gar nicht. Aber halt! Ich habe gerade vergessen, dass ich ja der knallharte Buschmann bin! Also versuche ich, die Fliege(n) lässig wegzupusten und konzentriere mich weiter aufs Fotografieren.
Wir beobachten die Hunde etwa eine halbe Stunde, dann machen wir uns auf den Rückweg nach Lagoon. An einem Wasserloch schrecken wir einen Trupp Warzenschweine auf. Papa, Mama und die drei Kinder rennen sofort mit hochgestelltem Schwanz davon. Alle fünf haben eine dicke, dunkle Schlammschicht, die ist so frisch, dass sie noch glänzt.

Wir erreichen das Camp gegen 12:30. Jetzt ist es aber höchste Zeit für ein Lunch, wir haben richtig Hunger! Also bringen wir schnell die Sachen ins Zelt, ziehen uns Sandalen an und gehen zum Essen.
Danach schaue ich mich erst einmal im Camp um. Das Kwando Lagoon Camp besteht aus 8 Zeltchalets, also sitzen bei einer Maximalbelegung 16 Gäste am Tisch. Es gibt eine Lobby, eine Bücherei, eine Dining-Area und auch einen Pool mit wundervollem Blick auf den Kwando. Man kann auch auf einer hölzernen Hollywood-Schaukel sitzen und einfach nur den Fluss betrachten. Ich muss sagen, immer wenn ich mich hier aufhalte und über den Fluss schaue, kann ich mich richtig gut entspannen. An den Wänden sind einige Fotos aufgehängt. Das Hauptthema sind ganz klar die Wildhunde. Unter anderem gibt es da ein Bild, das mich schon letztes Jahr fasziniert hatte. Man sieht ein rennendes Kudu, eskortiert von zwei Wildhunden, die es gerne erlegen würden. Tja, so ein Bild käme mir gerade recht, aber mir ist schon klar wie klein die Chance auf solche Fotos ist.
Dann laufe ich zum Zelt, bereit für ein Powerschläfchen. Ich wiederhole mich: „Zelt“ ist eigentlich der falsche Ausdruck, ich nenne es lieber Zelt-Chalet. Die Räume sind sehr großzügig angelegt, ich finde es toll auf dem großen Bett zu liegen und direkt auf den Fluss zu schauen. Das gleiche gilt für die Badewanne mit Superausblick, aber leider haben wir noch nie die Zeit gefunden, darin wirklich mal zu baden. Ich betrete unsere Unterkunft. Die Raumtemperatur beträgt 28°, da kann man ruhig die Augen für eine halbe Stunde zumachen. Dann wird geduscht und bald darauf sind wir schon wieder bereit für den Gamedrive am Nachmittag. Jetzt gesellen sich zwei neue Gäste zu uns. Sie kommen aus der Schweiz und wir verstehen uns auf Anhieb gut.


Schlauer Reiher


Gute Tarnung

Wir folgen einer Sandpiste und Aaron sucht frische Spuren. Tatsächlich finden wir Löwenspuren. Also folgen wir denen mal auf der Piste, mal quer durch den Busch. Aber die Löwen bleiben auch diesmal verborgen. Ruth erinnert Sam daran, dass sie heute gerne einen „richtigen“ Sundowner hätte, das hat er ihr vor Beginn dieser Pirsch versprochen. Sam nickt und sucht weiter die Löwen. Wir passieren einige Tsessebes, in einem Baum entdeckt Aaron (wer sonst?) eine kleine grüne Baumschlange. Sie hat sich in einem Astloch eingerichtet und nur der vordere Teil der Schlange ist zu sehen.
Die Sonne bewegt sich Richtung Horizont. Während die „goldene Stunde“ beginnt, bahnen wir uns immer noch einen Weg durch dichtes Buschwerk, kommen den Katzen aber anscheinend keinen Meter näher. Dann ist es passiert! Die Sonne ist knapp über dem Horizont und wir haben immer noch keinen geeigneten Platz zum Aussteigen gefunden. Ruth sagt Sam sehr deutlich, was sie davon hält, dass er ihren Wunsch einfach ignoriert hat. Sam ist zwar geknickt, das reisst die Sache aber trotzdem nicht raus. Dann stoppen wir auf einer freien Fläche und bekommen unsere Getränke serviert. Die Sonne ist aber leider schon untergegangen. Meine Frau ist jetzt richtig sauer und verheimlicht ihre Stimmung gegenüber Sam auch nicht. Oh je, Sam, das gibt einen Abzug beim Trinkgeld, da bin ich mir sicher! Nach einer kurzen Pause geht es weiter, denn jetzt ist es bereits dunkel geworden und da könnten ja immerhin Raubkatzen auf uns aufmerksam werden. Touristen in Weissweinsosse? Schmeckt bestimmt lecker und ist auch für eine Löwenfamilie sicherlich eine nette Abwechslung.
Aaron hat den Scheinwerfer angemacht und wir fahren langsam weiter. Es ist schon interessant, wie anders die Gegend in der Dunkelheit aussieht. Irgendwie sieht alles viel bedrohlicher aus, als am hellichten Tag. Nachdem also der Sundowner ausgefallen ist werden wir zumindest mit ein paar nachtaktiven Tieren belohnt. Zunächst läuft uns ein Serval über den Weg. Soweit ich mich erinnern kann, haben wir diese Katzenart noch nie zu Gesicht bekommen. Etwas später halten wir erneut und Aaron leuchtet einen umgestürzten Baum an. Dann können wir die Ginsterkatze (Genet) erkennen, die ihren Kopf etwas schüchtern aus dem hohlen Baum hinaus streckt und uns beobachtet. Nun verschwindet sie und taucht an anderer Stelle wieder auf, für ein Foto ist sie allerdings zu weit entfernt. Zum Abschluss der Nachtpirsch treffen wir auch noch auf eine Hyäne. Die ist sich aber auch nicht sicher, was sie von uns halten soll, hält die Nase hoch in die Luft um uns zu wittern und verschwindet dann schnell im Busch.
Gegen 20:00 sind wir wieder zurück im Camp. Wir sitzen noch einen Moment am Feuer, dann verschwindet die komplette Mannschaft des Camps, um ein paar Minuten später wieder aufzutauchen und für uns zu singen und zu tanzen. Wirklich alle sind dabei, auch unsere Guides. Man sieht, dass sie immer noch Spaß an der Sache haben, obwohl sie diese Vorstellung doch bestimmt alle drei Tage geben. Dann sitzen wir am großen Tisch und genießen unser Dinner, natürlich gibt es wieder guten südafrikanischen Rotwein dazu. Etwa eine Stunde später lassen Ruth und ich uns zum Zelt bringen, denn wir wollen noch duschen und packen. Morgen verlassen wir Lagoon und werden zum Nachbarcamp Lebala gebracht.

Gegen 04:00 werden wir wach. Ganz klar, vor unserer „Haustür“ frisst sich mindestens ein Elefant durch die Büsche! Wir besuchen jetzt zum dritten Mal das Lagoon Camp und immer hatten wir wenigstens in einer Nacht Elefanten Besuch, das finden wir wirklich gut. Ich schleiche mich in die Außendusche und luge über den Sichtschutz. Da steht der Eli und frisst gemütlich, man sieht ihm an, dass er überhaupt keine Angst hat, sich im Camp zu bewegen, obwohl es doch hier stark nach Mensch riecht. Bald zieht er weiter und wir schlafen, bis uns die Hippos im Morgengrauen wecken.

Samstag 17.05.14
Um 05:30 wachen wir auf. Nicht weit von uns beschwert sich ein Hippo lautstark. Da die Wände unseres Chalets aus Zeltplanen bestehen kommt es uns so vor, als würde das Tier vor unserer Haustür stehen. Dem ist aber nicht so. Wir bleiben noch einen Moment liegen. Ich registriere, dass es heute früh richtig warm ist, nämlich 16°! Also stehen wir beschwingt auf, beginnen mit der Morgentoilette und packen unsere Sachen zusammen. Nach getaner Arbeit geht es zum Frühstück. Ich bewundere noch einmal den tollen Sonnenaufgang, dann ist es Zeit, Abschied von der Staff zu nehmen. Jeder einzelne wird gedrückt und wir versprechen, bald wieder zu kommen. Monika und Kurt, die zwei Schweizer, begleiten uns, denn auch sie wechseln heute ins Lebala Camp. Das freut uns, denn sie sind angenehme Begleiter.
Um kurz nach 07:00 sind wir auf der Piste. Die Gegend wirkt absolut ausgestorben, wir freuen uns tatsächlich über jeden kleinen Vogel, den wir entdecken können. Außer ein paar Impalas gibt es an größeren Tieren rein gar nichts zu sehen. Dieser Zustand ändert sich in den nächsten 1 ½ Stunden auch nicht wesentlich. Dann erreichen wir den kleinen See und stoppen für eine Kaffeepause. Keine fünf Minuten später nähert sich ein zweites Fahrzeug, das dürfte unser „Taxi“ zum Lebala Camp sein! Wir schauen uns den Fahrer an und sind hoch erfreut. Am Steuer sitzt Balli, ein alter Bekannter. Wir treffen ihn nach 2009 und 2013 bereits das dritte Mal. So begrüßen wir uns herzlich und unterhalten uns über alte Zeiten. Der Tracker packt inzwischen unser Gepäck in das andere Fahrzeug, dann ist es soweit: Wir müssen uns von Sam und Aaron verabschieden. Wobei meiner Frau diesmal der Abschied von Sam nicht so schwer fällt, schliesslich hat er sie – was die Geschichte mit dem Sundowner betrifft – ganz schön enttäuscht und bei solchen Dingen kennt Ruth keine Gnade. Sie ist nun mal der Meinung, ein Tag in Afrika ist nur dann perfekt, wenn sie den Sonnenuntergang entspannt an einem schönen Platz genießen kann und das hat sie die letzten drei Abende enorm vermisst.


Schakal mit steifen Gliedern


Auf Pirsch


Zufriedenstellender Sundowner
Letzte Änderung: 25 Jun 2014 19:54 von leofant.
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25 Jun 2014 21:32 #342234
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  • BMW am 25 Jun 2014 21:32
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Guten Abend Leofant,...

.......aus Deinem aktuellen Beschrieb vom Kwando Lagoon Camp entnehme ich, dass das doppelstöckige

Boot , mit dem Trips für Gamedrives und zum Fischen angeboten wurden, nicht mehr da ist,

oder habe ich da was überlesen....?

mit Grüssen,

BMW
Letzte Änderung: 25 Jun 2014 21:33 von BMW.
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26 Jun 2014 09:07 #342259
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  • leofant am 25 Jun 2014 19:36
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Hi BMW,

uuups ! ERWISCHT !
Das Boot gibt es tatsächlich noch. Ich habe es nicht erwähnt, weil wir die
Bootstour diesmal nicht mitgemacht haben. Aber ein Boatcruise am
Nachmittag und am frühen Morgen ist immer noch möglich.

viele Grüsse
Walter
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26 Jun 2014 09:17 #342262
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Teil 2 - Kwando Lebala

Samstag 17.05.14

Dann starten wir unseren Trip Richtung Lebala. Wir besuchen noch einmal die Stelle, an der wir gestern die Wilddogs gesehen haben, aber heute regt sich hier nichts. Kaum sind wir wieder auf der Sandpiste unterwegs, wird es allerdings ziemlich lebhaft. Wir sichten jede Menge Impalas, Zebras, Gnus, Warzenschweine, Giraffen und Elefanten. Wir haben den Eindruck als hätten wir auf diesem Gamedrive mehr Tiere gesehen, als an den gesamten zwei Tagen zuvor. Natürlich ist das reiner Zufall, aber wir sind absolut happy, endlich einige Tiere zu sehen. Und es sollte tatsächlich noch besser kommen.
Gegen 10:30 treffen wir im Camp ein. Manager Lesso begrüßt uns. Wir mögen ihn auf Anhieb, vermutlich weil er uns stark an einen Guide mit Namen Ofentse erinnert. Die gleichen Rastalocken, die gleiche Gestik, das gleiche ansteckende Lachen, na das fängt ja gut an :) Unser Gepäck wird in die Chalets getragen, während wir uns erst einmal zum Brunch niederlassen. Am Tisch sitzen vier Gäste, die wir bereits in der Nxai Pan kennen gelernt haben, da gibt es natürlich viel zu erzählen. Wir gehen ans Buffet, siehe da: der Koch ist auch noch der gleiche wie im letzten Jahr. Ach, es ist wirklich angenehm, zurück in eine vertraute Umgebung zu kommen.


Kwando Lebala


Kwando Lebala


Kwando Lebala

Nach dem Brunch führt uns Lesso zu unserem Chalet. Wir ersparen uns das komplette Auspacken, denn wir bleiben ja bloß für eine Nacht, dementsprechend haben wir unsere Seesäcke so gepackt, dass wir bequem an die nötigsten Sachen kommen. In unserem Chalet sind es kuschelige 29°, das macht mich etwas schläfrig. Während Ruth sich auf der Terrasse mit dem wunderbaren Ausblick über den Sumpf niederlässt, probiere ich erst einmal aus, ob das Bett noch genauso bequem ist, wie im letzten Jahr :whistle:
Eine Dreiviertelstunde später habe ich ausgeschlafen. Als ich zum Waschbecken gehe stelle ich fest, dass sich hunderte kleiner Ameisen über Zahnpasta, Cremes, und sonstige Pflegeutensilien hergemacht haben. Jetzt versuchen sie, auch den Inhalt unserer Seesäcke zu inspizieren. Das können wir uns natürlich nicht gefallen lassen. Meine Frau schimpft die komplette Ameisentruppe erst einmal aus, dann rückt sie der Armada mit einem Putztuch und einem Insektenspray namens „Doom“ auf den Pelz. Innerhalb von drei Minuten sind die Machtverhältnisse wieder hergestellt. Tja, liebe Ameisen, ihr solltet euch lieber nicht mit meiner Frau anlegen, dabei könnt ihr nur verlieren!
Nach erfolgreichem Kampf testen wir die doppelte Außendusche, das haben wir uns jetzt verdient. Dann entspannen wir noch etwas. Draußen knackt es in den Büschen. Ein Elefant bahnt sich seinen Weg durchs Gehölz, dann benutzt er den Pfad, der zur Lobby führt. Wir wissen, das Hippos und Elis hier Dauergäste sind, deshalb sollte man auch während des Tages immer aufmerksam sein, wenn man zu Fuß unterwegs ist.
Inzwischen ist es 15:30 geworden, Zeit für den High Tea. In unserer Nachbarschaft rupfen zwei Elis das Laub von den Büschen. Die beiden sind aber überhaupt nicht an unserer Anwesenheit interessiert, deshalb kann ich noch ein Foto machen, bevor wir weiter laufen. Wir trinken einen Tee und ich esse zwei Stück Kuchen, dann wird es Zeit für den Gamedrive am Nachmittag. Inzwischen hat sich unser Guide zu uns gesellt. Sein Name ist Kanawe. Wir laufen den Holzsteg entlang und kommen zu den drei bereitgestellten Safarifahrzeugen. Nachdem sich unser Tracker „Shoes“ vorgestellt hat, kann ich auch Bormen noch einmal begrüßen. Den hatten wir ja bereits vor zwei Tagen bei unserem Zwischenstopp mit dem Flugzeug wieder getroffen. Leider sind wir nicht mit Balli und den Schweizern in einem Fahrzeug, sondern wir teilen uns den Toyota mit zwei Deutschen. Um es vorweg zu nehmen: Dieser Kontakt bleibt eher dürftig, denn irgendwie sind sie nicht auf unserer Wellenlänge. Sie sind das erste Mal in Afrika und sprechen so gut wie kein Wort englisch, deshalb übersetzen wir Kanawes Kommentare und Erklärungen. Das tun wir gerne, aber in manchen Situationen muss ich kurz schlucken, z.B. als unsere Mitfahrerin beim Anblick eines kräftigen Warzenschweins der Meinung ist, das wäre ein Baby Rhino. Ja, ja, ich weiß. Bei Afrika Neulingen sind solche Verwechslungen schon mal drin. Ich muss sofort an eine andere Geschichte denken, die uns ein Guide letztes Jahr erzählte. Er war mit einer Gruppe Chinesen unterwegs. Als sie eine Gnuherde entdeckten, wurde fotografiert auf Teufel komm raus. Balli fragte den Übersetzer vorsichtig, warum die Gäste soviel Fotos machten. Der antwortete, die Mannschaft wäre total glücklich, eine Büffelherde zu sehen. Seitdem heißen die Gnus bei Ruth und mir nur noch „Chinese Buffalos“. Jetzt muss ich meine Palette um den Begriff „German Rhinos“ für die Warzenschweine erweitern ;)
Wir kreuzen langsam durch die Gegend. Auch heute Nachmittag sehen wir eine Menge verschiedener Tiere, irgendwie ist das Lebala Gebiet in diesen Tagen besser „bestückt“ als das angrenzende Lagoon Areal. Während wir bei einer Elefantenherde halten nähert sich die Sonne langsam dem Horizont. Ich mache Kanawe darauf aufmerksam dass es eine gute Idee wäre, einen schönen Platz für einen Sundowner zu suchen, da meine Frau sonst sehr traurig wäre. Kanawe lacht und teilt ihr mit, er wüsste einen tollen Platz. Tatsächlich stoppen wir zu einem perfekten Zeitpunkt an einem Wasserloch. Kein Zweifel, die Sonne wird sich im Wasser spiegeln, genauso, wie Ruth es sich wünscht. Der Klapptisch wird aufgestellt, Wein und Knabberzeug wird herausgeholt, dann meldet sich jemand am Funkgerät. Es ist Balli. Sie haben gerade einen Leoparden ganz in der Nähe gesichtet. Ich vermeide es, in Richtung meiner Frau zu schauen, während alles wieder zusammen gepackt wird. Unsere zwei Mitfahrer haben während ihrer Reise alle möglichen Katzen, aber noch keinen Leo gesehen, deshalb können wir unmöglich auf diese Sichtung verzichten. Ruth steigt wortlos ins Auto, aber ihr Gesicht spricht Bände. Kanawe schaut schuldbewusst und murmelt etwas von „das sieht man nicht so oft“, dann fahren wir weiter. Bye, bye, Sundowner! :evil:

Ein paar Minuten später haben wir die Stelle erreicht. Ich traue meinen Augen nicht. Ein Leopard liegt hoch im Baum auf einem dicken Ast. Die Katze ist völlig entspannt und lässt alle vier Pfoten herunter hängen. Ich habe ja in der Vergangenheit schon einige Leopardenbilder machen können, aber das ist genau der Klassiker, auf den ich noch gewartet habe. Der einzige Wermutstropfen: Das Licht ist nicht mehr ideal, denn die Dämmerung hat ja schon eingesetzt. Ich blicke verstohlen zu Ruth und mir fällt ein Stein vom Herzen. Sie beobachtet fasziniert den Leo und sagt: „Naja, DAS ist schon ein schöner Ersatz für den verpassten Sonnenuntergang.“ Unter dem Baum stehen jetzt drei Fahrzeuge. Man hört einige Stimmen. Der Leopard fühlt sich gestört und klettert noch etwas höher in die Baumkrone. Wir sind von den geschmeidigen Bewegungen begeistert. Dankbar mache ich viele, viele Fotos obwohl ich weiß, dass ich im Grunde mit der Qualität nicht zufrieden sein werde. Aber egal! Was ich habe, das habe ich!
Nach einer halben Stunde ist es richtig dunkel geworden. Es wird Zeit, weiter zu fahren. Shoes holt den Scheinwerfer heraus und leuchtet Büsche und Bäume ab, aber es tut sich nicht viel auf unserem Rückweg. Wir erreichen um 19:30 das Camp und bleiben gleich am Feuer sitzen. Um 20:00 werden wir zum Dinner an den großen Tisch gerufen. Das Essen schmeckt wieder gut, der Wein ist süffig, wir können uns über diese zweite Tageshälfte nicht beklagen. Gegen 21:30 bringt uns Kanawe zum Chalet. Auf dem Weg dorthin bleibt es ruhig. Weder Hippos noch Elefanten versperren uns den Weg. Wie langweilig! Während wir uns bettfertig machen hören wir ein verzweifeltes Trompeten und plätscherndes Wasser. Ich bin neugierig und gehe auf unsere Terrasse. Im Mondlicht kann ich einen einzelnen halbwüchsigen Eli erkennen, der in hoher Geschwindigkeit den Sumpf durchpflügt und immer wieder ängstlich trompetet. Was da wohl passiert sein mag? Hat er seine Herde verloren und weiß nicht mehr, wo sie sich befindet? Wird er sie wieder finden? Wir werden es nie erfahren. Aus der Ferne ist immer noch das klagende Trompeten zu hören.

Sonntag 18.05.14

Waren es in der Nxai Pan die Kiebitze, so werden wir heute früh endlich wieder von den geliebten Stimmen „meiner“ Francolins geweckt. Irgendwann, IRGENDWANN brate ich eins, auch wenn ich gar kein Geflügel esse :evil:
Wir packen unsere Sachen zusammen, den heute geht es ja weiter zum nächsten Camp. Pünktlich um 06:30 erscheinen wir zum Frühstück. Ich stelle fest, dass der Sonnenaufgang in Lebala zwar schön, aber lange nicht so spektakulär ist, wie in Lagoon.
Um kurz vor 07:00 sitzen wir im Fahrzeug und harren der Dinge, die da kommen. Zunächst einmal fahren wir in die Gegend, in der wir gestern den Leoparden gesehen haben. Der Baum ist zwar leer, aber die scharfen Augen unseres Trackers entdecken den Leo gar nicht weit weg auf einem anderen Baum. Er hat in der Nacht ein Impala getötet und in einer Astgabel platziert. Nun liegt er auf einem anderen Ast und döst. Wieder hängen alle vier Pfoten herunter. Der einzige gravierende Unterschied zu gestern Abend: Jetzt wird er vom goldenen Sonnenlicht angestrahlt!



!Ich kann es kaum glauben. Genau das Bild wollte ich! Und los geht´s: knips, knips, knips. Dann heisst es: Kamera beiseite legen und einfach staunen und genießen. Aber Mutter Natur will nicht, dass ich einfach nur still herumsitze. Durch das goldgelbe Gras schleicht sich ein zweiter Leopard an. Misstrauisch werden wir gemustert, dann nähert sich die Katze dem Baum. Kanawe erklärt uns, das wäre die Schwester des Leo, der es sich im Baum gemütlich gemacht hat. Sie schaut sich sehnsüchtig das Impala in der Astgabel an. Dann rollt sie sich auf den Rücken und maunzt. Keine Frage, sie bettelt! Der Leo im Baum fängt an zu fauchen und zeigt deutlich seine prachtvollen Hauer. Übersetzt heisst das wohl: „Nein! Du bekommst nichts ab von meiner Beute! Die ist ganz alleine für mich!“ Und ich habe die Kamera am Auge und knipse wie wild. Etwas weiter entfernt taucht plötzlich eine Hyäne auf. Sie reckt die Nase in die Höhe und schnuppert intensiv. Dann läuft sie weiter. Die Leopardin schnuppert ein wenig am Boden herum, dann versucht sie es ein zweites Mal. Auf den Rücken legen und maunzen. Die Antwort ist wieder ein Fauchen. Ich glaube, der erfolgreiche Jäger lässt sich einfach nicht erweichen.







„Schau mal“ sagt meine Frau. Ich setze die Kamera ab. Vor uns taucht die Hyäne auf und attackiert sofort die Leopardin. Die Katze zögert keine Sekunde und rennt davon. In sicherem Abstand stoppt sie noch einmal und beobachtet die Hyäne. Die wiederum kommt plötzlich ganz dicht an unser Fahrzeug. Jetzt steht sie direkt an Ruths Seite, streckt den Hals und schnuppert. Obwohl wir ja im Auto sitzen, ist der Abstand zwischen Ruth und dem Maul der Hyäne nicht wirklich groß. Hmmm, diese Hyäne wirkt schon fast bedrohlich! Ruth ist reflexartig auf meine Seite gerutscht um Abstand zu gewinnen.

Die Hyäne ist nicht weiter interessiert, dreht sich wieder um und schaut sich lieber das Impala in der Astgabel an. Und ich denke daran, dass Hyänen mit Vorliebe Aas fressen und flüstere zu Ruth: „Ich glaube, du solltest dich öfter mal waschen.“ Meine Frau kann gerade gar nicht richtig lachen. Sie ist immer noch beeindruckt von dieser Annäherung. Der Leo im Baum steht auf und faucht die Hyäne an, aber die ignoriert ihn. Sie sucht die nähere Umgebung ab und findet scheinbar etwas Interessantes, denn sie fängt an zu fressen. Kanawe ist der Meinung, sie hat die Innereien des Impala gefunden. Der Leopard hat die Antilope ausgeweidet, damit er sie besser den Baum hinauf in die Astgabel transportieren konnte.
Nachdem die Hyäne alles aufgefressen hat verschwindet sie wieder im dichten Gras und es kehrt Ruhe ein.

Wir fahren weiter und folgen der Piste. Eine Büffelherde kreuzt unseren Weg. Wie immer schauen die Tiere ziemlich missmutig. Kanawe schaut mich an. „Walter, hast du jemals einen Büffel mit einem freundlichen Gesichtsausdruck gesehen? They never smile!“. Ich denke kurz nach und muss ihm Recht geben.
Gegen 09:30 halten wir an einem größeren Wasserloch für eine Kaffeepause. Auf der gegenüberliegenden Seite kommen zwei Hippos hinter einem Busch hervor. Sie haben augenscheinlich gerade ein Schlammbad genommen, denn sie sind fast komplett mit einer dicken, braunen Schlammschicht bedeckt. Das vordere Flusspferd schaut uns äußerst missmutig an. Man kann erkennen, dass es mit unserer Anwesenheit nicht glücklich ist. Wir verlassen das Fahrzeug und Kanawe baut den Klapptisch auf. Das wiederum gefällt dem Hippo überhaupt nicht. Es steht am Ufer und reisst sein Maul auf bis zum geht-nicht-mehr. Nachdem es realisiert, dass wir trotzdem nicht verschwinden, rennt es mit weit geöffnetem Maul ins Wasser und versucht alles, um so viel Lärm wie möglich zu machen.



Dann schwimmt es mit großer Bugwelle am gegenüberliegenden Ufer entlang, natürlich schaut es immer wieder in unsere Richtung und droht uns. Sein Kumpel bleibt am Ufer stehen und beobachtet interessiert die ganze Szene. Ich vermute, er will die Schlammpackung am Körper nicht so ohne weiteres wieder abspülen. Das Hippobulle im Wasser ist wohl etwas enttäuscht von unserer Nicht-reaktion und verlässt das Wasser wieder. Natürlich ist er frisch gewaschen und sauber, das war garantiert nicht sein Ziel an diesem Vormittag. Er bleibt am Ufer stehen und tunkt sein Maul in eine mit Pflanzen bedeckte Stelle. Jetzt ist sein Maul bis zu den Nasenlöchern grün eingefärbt. Eigentlich hat das Tier genau das Gegenteil von dem erreicht, was es wollte. Es sieht nun überhaupt nicht mehr furchterregend aus, sondern einfach nur lustig. Das Hippo scheint zu spüren, dass wir uns nicht fürchten, denn es läuft scheinbar beleidigt am Ufer entlang und dreht uns den Rücken zu.
Wir haben die Kaffeepause beendet und verlassen die Wasserstelle. Auf dem Weg zum Camp passieren wir Zebras, Giraffen, Kudus, Strausse, wir bekommen zum Abschied noch mal einiges geboten. Um 10:30 sind wir zurück im Lebala Camp. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns für die Abreise vorbereiten. Wir duschen und packen unsere Sachen ein. Dann wird uns noch ein schnelles Mittagessen serviert. Um 11:45 verabschieden wir uns von allen. Natürlich werden ein paar Angestellte etwas intensiver verabschiedet, bevor wir uns auf den Weg zum Airstrip machen. Die Zeit in Lebala war eindeutig zu kurz, trotzdem sind wir natürlich froh, dass wir zumindest diese eine Nacht hier verbringen konnten. Wir haben diesen Aufenthalt hier garantiert nicht bereut.
Am Airstrip angekommen stellt Kanawe das Fahrzeug unter einen großen Baum. Wir stehen im Schatten und haben das Flugfeld im Blick. Allerdings passiert zur vorgesehenen Abholzeit erst einmal nichts. Das ist ungewöhnlich, denn in der Vergangenheit waren die fliegenden Buschtaxis fast immer auf die Minute pünktlich. Weitere zehn Minuten später können wir ein leises Brummen hören, dann entdecken wir einen weißen Punkt am blauen Himmel. Das kleine Flugzeug fliegt noch eine Schleife über den Platz bevor es hinunter zum Landepunkt schwebt. Wie meistens zieht es nach dem Aufsetzen eine lange Staubfahne hinter sich her. Sobald der Motor abgestellt ist nähern wir uns der Maschine. Ruckzuck ist unser Gepäck verstaut, jetzt wird es Zeit, Kanawe und Shoes Ade zu sagen. Zumindest mit unserem Fahrer Kanawe verabreden wir uns im November in der Garden Lodge. Vermutlich wird es nicht zu diesem Treffen kommen, aber das erleichtert den Abschied ein wenig. Ich klettere auf den Sitz neben den Piloten, Ruth belegt die Rückbank und wenig später erheben wir uns in die Lüfte. Wir fliegen in südwestlicher Richtung an den äußeren Rand des Okavango Deltas. Die Landschaft, über die wir fliegen, ist in etwa die gleiche, wie im Delta.

... wird fortgesetzt ...


Leofant bei der Arbeit
Letzte Änderung: 26 Jun 2014 09:23 von leofant.
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26 Jun 2014 10:14 #342265
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  • BMW am 25 Jun 2014 21:32
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....Guten Morgen Walter,

....wenn der Tracker vorne auf der Motorhaube sitzt und Löwen/Leoparden in Sichtweite sind, wird er

immer noch vorneweg seinen Platz auf dem Beifahrersitz einnehmen.........?

BMW
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