THEMA: Botswana Mai 2014 - Die "Mädchentour"
22 Jun 2014 18:42 #341784
  • leofant
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  • leofant am 22 Jun 2014 18:42
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Liebe Fomis,
seit etwas mehr als drei Wochen sind wir wieder zurück aus Botswana. Wie gewohnt waren wir ausschließlich als Lodgehopper unterwegs. Deshalb habe ich dem Bericht den Titel "Die Mädchentour" gegeben.
Mir ist schon klar, dass wir dadurch das richtig intensive Afrika-Erlebnis (irgendwo im Dach- oder Bodenzelt in der Einsamkeit campen) nicht unbedingt mitbekommen. Aber ehrlich gesagt: Weder meine Frau noch ich waren in der Vergangenheit die leidenschaftlichen Camper und unsere „Zeltabenteuer“ 2005 im Hluhluwe–iMfolozi NP (Südafrika) bzw. 2012 bei einer Anti-Wilderer-Einheit in Zimbabwe haben uns vollkommen gereicht. Außerdem bin ich ja nicht nur zum Spaß unterwegs, sondern ich muss für eine gute Freundin Unterkünfte besichtigen. Ich denke mal, ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das eine harte Arbeit ist :whistle:
Ich habe überlegt, wie ich den Bericht angehe. Kurz und knackig oder eher detailliert ? Warum nicht beide Optionen ? Deshalb gibt es erst einen Kurzbericht, danach eine komplette Erlebnisreise.

Hier ein paar Informationen zu unserer Mai-Tour:
Flug mit SAA von Frankfurt nach Johannesburg - Flugzeit: 10 Stunden 15 Minuten
Weiterflug mit Airlink nach Maun (Botswana) – Flugzeit: etwas mehr als 1 Stunde 30 Minuten
Weiterflug mit Moremi Air in die Nxai Pan – Flugzeit 30 Minuten
3 Übernachtungen in der Kwando Nxai Pan Lodge (Nxai Pan Nationalpark)
Flug (Moremi Air) von Nxai Pan in die Linyanti Region - Flugzeit 40 Minuten nach Maun, dort auftanken, dann ca. 50 Minuten zum Lebala Airstrip (mit kleiner Schleife über das zentrale Delta), dann ca. 10 Minuten zum Lagoon Airstrip
2 Übernachtungen im Kwando Lagoon Camp
Road-Transfer mit dem Safarifahrzeug zum Kwando Lebala Camp
1 Übernachtung im Kwando Lebala Camp
Flug (Mack Air) von Lebala zum Motswiri Camp – Flugzeit 20 Minuten
3 Übernachtungen im Motswiri Camp
Flug (Mack Air) vom Motswiri Airstrip zum Selinda Airstrip – Flugzeit etwa 30 Minuten
3 Übernachtungen im Selinda Camp
Flug (Mack Air) von Selinda nach Kasane – Flugzeit 1 Stunde 20 Minuten mit Zwischenstopp in Savuti
4 Übernachtungen in der Garden Lodge
Flug mit Airlink von Kasane nach Johannesburg – Flugzeit ca. 1 Stunde 45 Minuten
Weiterflug am Abend mit SAA nach Frankfurt (Flugzeit habe ich vergessen)

Wir waren deshalb mit zwei Buschflieger-Airlines unterwegs, weil die Reise von zwei verschiedenen Personen organisiert wurde. Teil 1 von Kwando,Maun, Teil 2 von Carina (Safari Destinations, Maun).
Ich konnte keinen Unterschied zwischen den Airlines / den Fliegern feststellen. Meine Reklamation: Weder bei Moremi Air noch bei Mack Air gab es nette Stewardessen, die uns die Sicherheitsvorkehrungen vorgeführt hätten. Das machten immer nur die Piloten. WIE LANGWEILIG ;)
Eine kleine Anmerkung: Wir sind in den letzten Jahren häufiger mit den kleinen Cessnas geflogen und meine Frau wird relativ schnell luftkrank. Speziell bei Flügen über dem Delta kann es öfter mal „bumpy“ werden. Ruth hat sich vor längerer Zeit im Airport von Johburg zwei Armbänder gekauft. Legt man diese richtig an (Druckpunkte müssen beachtet werden), dann helfen sie – zumindest bei meiner Frau – enorm. Seitdem steigt sie viel entspannter in die kleinen Flieger.

KURZBEWERTUNG:
Kwando Nxai Pan Camp: Liegt im Nxai Pan Nationalpark. Nette Unterkunft, es gibt 8 Chalets, eines davon wurde als Familienunterkunft für 4 Personen ausgelegt. Deshalb kann man 18 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Nicht weit von der Beobachtungsplattform des Hauptgebäudes gibt es ein Wasserloch. Ausflugsmöglichkeit zu Baines Baobabs und zum Boteti River wird angeboten. Wir waren mit Einrichtung / Sauberkeit / Verpflegung / Service sehr zufrieden. Würden wir noch mal hinfahren? Im Prinzip ja, allerdings bevorzuge ich als Hobby-Fotograf „Private Game Reserves“, weil man dort im Allgemeinen näher an die Fotoobjekte (= Tiere) herankommt.

Kwando Lagoon Camp: Liegt in der Linyanti Region (private Konzession), direkt am Kwando River. Gegenüber schaut man in den Mudumu NP, Namibia. Die Lage ist super, ich liebe die Sonnenaufgänge, wenn sich Sonne und Wolken im Kwando spiegeln. Es gibt 8 „Chalet-Zelte“, maximale Belegung: 16 Gäste. Die Räume sind sehr groß, die Wände bestehen tatsächlich aus Zeltplanen, aber eigentlich sind es eher Chalets. Wir waren mit Einrichtung / Sauberkeit / Verpflegung / zufrieden, beim Service (die Kühlschränke in der Lobby waren nicht immer gefüllt, das geht eigentlich in dieser Preisklasse nicht) musste man diesmal Abstriche machen. Das haben uns auch andere Gäste aus der Schweiz bestätigt. Ich liebe die komplett offenen Toyotas, die sind zum Fotografieren einfach ideal. Ein kleines 1-stöckiges Boot für Boatcruises auf dem Kwando ist auch vorhanden. Hippo- und Elefantenbesuch (speziell in der Nacht) ist hier nicht ungewöhnlich. Würden wir noch mal hinfahren? Ich finde die Gegend / das Camp schön, allerdings waren wir in den letzten Jahren drei Mal dort, ich glaube das ist erst mal genug.

Kwando Lebala Camp: Liegt ebenfalls in der Linyanti Region (private Konzession), nicht weit entfernt von Lagoon. Man wohnt in 8 „Stelzen-Chalets“, maximale Belegung: 16 Gäste. Die Räume sind groß und luftig, wir mochten speziell die doppelte Außendusche. Von der privaten Terrasse aus hat man eine nette Aussicht über den Sumpf, man kann auch oft Elis beobachten, manchmal näher, als es einem vielleicht lieb ist. Wir waren mit Einrichtung / Sauberkeit / Verpflegung und Service sehr zufrieden. Im Vergleich zu Lebala gab es keine Reklamationen, auch von den Schweizern nicht. Auch hier hat man offene Toyotas für die Gamedrives. Würden wir noch mal hinfahren? Im Prinzip ja, aber wir waren in den letzten Jahren zwei Mal dort, das langt erst einmal.

Motswiri Camp: Liegt am nördlichen Rand des Okavango Deltas, Richtung Linyanti (private Konzession). Man wohnt in 5 „richtigen“ Zelten. Maximale Belegung: 12 Gäste. Wir fanden die Lage toll. Von der privaten Terrasse aus überblickt man einen Wasserlauf (Selinda Spillway). Das gesamte Camp hat uns sehr gut gefallen. In den drei Nächten waren wir zu viert, bzw. zu fünft und zu sechst, das hat natürlich den Wildnischarakter noch verstärkt. Angeboten werden Reittouren (neben dem Airstrip grasen einige Pferde), Bushwalks, Gamedrives und Boatcruises. Im Winter bietet man außerdem noch Übernachtungen in einem Flycamp etwas weiter entfernt an. Wir waren mit Einrichtung / Sauberkeit / Verpflegung und Service sehr zufrieden. Würden wir noch mal hinfahren? Ja! Speziell das Flycamp würde mich noch interessieren.

Selinda Camp: Liegt ebenfalls in der Linyanti Region (private Konzession) am Selinda Spillway. Im Grunde befinden sich drei verschiedene Camps im Konzessionsgebiet. Die Anreise erfolgt per Flugzeug (dann) Auto (dann)Boot. Man wohnt in 9 „Stelzen-Chalets“, davon hat eins ein Doppelzimmer für Familien. Maximale Belegung: 20 Gäste. Die Räume sind groß und luxuriös eingerichtet, das „Badezimmer“ auf der Rückseite macht schon was her. Von der privaten Terrasse aus überblickt man ein Sumpfgebiet. Im Weinkeller kann man sich seinen Wein zum Lunch oder Dinner aussuchen. Elefanten- / Hippobesuch neben der Unterkunft oder direkt an der Feuerstelle ist durchaus normal. An einem Abend hatten wir ein privates Dinner direkt vor unserem „Zelt“. Da gab es einen Wächter, der hat aufgepasst, dass Hippos und Elis uns in Ruhe gelassen haben :) Wir waren mit Einrichtung / Sauberkeit / Verpflegung und Service sehr zufrieden. Die Staff ist extrem gut trainiert, alle sind IMMER bemüht, SOFORT zu helfen. Auch hier hat man komplett offene Fahrzeuge. Es werden auch Bushwalks und Boatcruises angeboten. Würden wir noch mal hinfahren? Im Prinzip ja, aber es ist für „normale“ Gäste nicht gerade preiswert und eigentlich haben wir das Linyanti Gebiet erst einmal nicht mehr auf der Agenda.

Vom Selinda Camp aus hatten wir Gelegenheit, die anderen zwei Unterkünfte zu besichtigen.

Explorer Camp: Ist noch ziemlich neu: Wir fanden es super. 4 Zelte, 8 Gäste, irgendwo mitten in der Wildnis, mit etwas Luxus garniert, das war´s. Zu diesem Zeitpunkt hatten 4 Paare aus Südafrika das ganze Camp gemietet, die hatten jede Menge Spaß! Angeboten werden: Gamedrives, Bushwalks, Kanutouren in einem wirklich schönen Gebiet. Mit viel Geld und 6 guten Freunden würden wir dieses Camp gerne mal mieten – keine Frage!

Zarafa Camp: Ganz schön abgedreht, dieses Camp. Vier Zelte (kann man da noch „Zelte“ dazu sagen?), 8 Gäste und – etwas abseits ein Doppelzelt mit eigenem Service für die ganz Reichen. Ich glaube die Nacht kostet dort um die USD 7.500! Aber die Lage ist wahnsinnig schön und es gibt keinen einzigen Teil der Einrichtung, der nicht stimmig wäre. Allerdings müssen wir uns gar keine Gedanken machen. In diesem Camp werden wir nie, nie, nie übernachten, denn danach wären wir für unser Leben RUINIERT! … aber irgendwie war es schon interessant … träum …. Lottogewinn …

Garden Lodge: Liegt in Kasane, direkt am Chobe River. Die Lodge bietet 8 Zimmer, davon drei mit möglicher 4er Belegung. Ich möchte nicht viel darüber schreiben, weil wir mit den Besitzern befreundet sind und in den letzten Jahren viel, viel Zeit an diesem Ort verbracht haben. Für uns ist es, als würden wir nach hause kommen. Deshalb gibt es jetzt keine Lobhudeleien, sondern einfach nur den abschließenden Satz: Wir freuen uns, dass wir im nächsten November wieder für knapp drei Wochen den Chobe und die Garden Lodge unsicher machen werden!

Unser sehr persönliches Fazit: Die Reise war sehr interessant, auch wenn ich meinem Ziel, Wildhunde bei der Jagd zu erleben bzw. zu fotografieren, nicht sehr nahe gekommen bin. Leider, leider konnten wir nicht vorhersehen, dass die Regenzeit so ergiebig war. Das hatte zur Folge, dass das Gras sehr hoch stand und damit die Möglichkeiten der Tiersichtung stark eingeschränkt waren. Dumm gelaufen! Mit den Unterkünften waren – bis auf kleine Abstriche – absolut zufrieden.

Die Temperaturen lagen bei 8° (Nxai Pan am frühen Morgen) bis über 30° (am Chobe), Regentage hatten wir keine.[/center]

So, das war der Kurzbericht, ab morgen liefere ich Stück für Stück den ausführlichen Bericht, garniert mit Fotos.

viele Grüße von
Walter



DIE „MÄDCHENTOUR“ – LANGE VERSION

Ich hatte schon erwähnt dass ich diese Tour „MÄDCHENTOUR“ genannt habe, weil wir auf der gesamten Reise von vorne bis hinten „gepampert“ wurden. Eine andere Option wäre gewesen: Die LANGWEILER TOUR, denn auch diesmal sind wir von Freunden und Bekannten wieder gefragt worden:
Ihr fahrt schon wieder nach Afrika? Ihr wart doch schon so oft dort – wird denn das nicht langweilig?
Wollt ihr nicht mal wieder einen Badeurlaub machen ? Es gibt doch sooo schöne Strände !
Oder wie sagte ein Freund von mir, als ich ihm von der unglaublichen Anzahl der Eli-Fotos erzählte, die ich im Laufe der Jahre geschossen habe: „Verstehe ich nicht. Ob der Elefant jetzt da steht oder da, es bleibt ein Elefant!“
Ich habe es inzwischen aufgegeben, unsere Passion erklären zu wollen. Die Leute müssen sich halt damit abfinden, dass uns – außer den Reisen nach Afrika – einfach nichts mehr Neues einfällt.
Der Beweis:
Das war unsere Reise Nummer 18 nach Afrika, Reise Nummer 15 ins südliche Afrika, Reise Nummer 11 nach Botswana – WIE LANGWEILIG!
So, dann will ich mal von unserer MÄDCHEN-TOUR oder LANGWEILER-TOUR oder SCHON-WIEDER-KEIN-SUNDOWNER-TOUR berichten!

Sonntag 11.05.14
Es ist mal wieder soweit. Heute Abend starten wir zu unserem nächsten Afrika-Abenteuer. Jetzt, am späten Nachmittag, haben wir alle Sachen gepackt und warten auf unseren Abholdienst. Das ist – genau wie im letzten Jahr – ein guter Freund. Für ihn ist das keine große Aufgabe, denn er wohnt in unserer Nähe und der Flughafen Frankfurt ist nicht sehr weit von uns entfernt. Wir reisen mit dem gewohnten Equipment. Jeder von uns beiden hat einen Seesack als Hauptgepäck, und eine zusätzlichen Tasche bzw. einem Rucksack als Handgepäck. Ich habe obendrein eine extra Tasche mit meiner Fotoausrüstung dabei.
Immer wieder habe ich versucht, das Gewicht unseres Gepäcks zu reduzieren, denn es wiegt immer noch mehr, als es eigentlich wiegen sollte. Ich muss mir auf dem Flug von Frankfurt nach Johannesburg (Südafrika) und weiter nach Maun (Botswana) darüber keine Gedanken machen. Auf diesen Teilstrecken sind wir vom Gewichtslimit weit entfernt. Das „Nadelöhr“ ist die letzte Strecke von Maun zu unserer ersten Unterkunft. Die bewältigen wir mit einem kleinen Buschflieger und da gilt ein klares Gewichtslimit. Unser gesamtes Gepäck (einschließlich Handgepäck) darf 20 KG pro Person nicht überschreiten! Meine Fotoausrüstung alleine wiegt schon über 7KG, also ist immerhin 1/3 des zulässigen Gesamtgewichts damit bereits aufgebraucht. Ich kann packen und reduzieren wie ich will, wir können nichts mehr zuhause lassen. Zumal wir auch noch einige Mitbringsel für die Freunde in Botswana dabei haben, auch das kostet wertvolles Gewicht.
Zum Glück sieht unser Gepäck nicht extrem schwer aus und in der Vergangenheit wurden wir auf unseren zahlreichen Flügen mit den Buschfliegern noch nie auf das Gewicht kontrolliert, deshalb gehe ich das Pokerspiel ziemlich entspannt an.
Gegen 18:15 treffen wir auf dem Flughafen ein. Bedingt durch extrem glückliche Umstände und viele gesammelte Flugmeilen steuern wir gleich einen leeren Schalter an. Da steht: Businessclass und genau dort sind wir diesmal richtig. Das Gepäck ist rasch eingecheckt, auch die Personenkontrolle durchlaufen wir – trotz meiner vielen Kabel und Ladegeräte im Rucksack - ohne Beanstandung. Fast ohne Stopp laufen wir zur Air Canada Lounge im Flugsteig A. Sie ist recht neu und wurde uns von einer SAA-Mitarbeiterin empfohlen. In der Lounge sind nur wenige Reisende, wir können uns unsere Plätze frei aussuchen. Die Sessel sind sehr bequem und natürlich wird auch für unser leibliches Wohl gesorgt. Da ordern wir doch gleich mal ein Glas Champagner und ich stoße im Geiste mit dem FoMi „Bele“ an. Champagner zu Champagner :laugh:
Ruth und ich sind uns einig: Das ist ein netter Beginn unserer Reise.

Um 20:00 beginnt das Boarding. Wir schlendern zum Gate, werden bevorzugt abgefertigt, erreichen den Airbus und lassen uns in Reihe 2 nieder. Unsere Sitze sind sehr bequem. Was wir als sehr angenehm empfinden: Man kann die Sitze soweit „ausfahren“, dass ein richtiges Bett entsteht. Sogar ich mit meinen 185 Zentimetern kann im Liegen meine Füße ausstrecken. Wir rollen pünktlich um 20:45 zur Startbahn und heben bald darauf Richtung Süden ab. Nach fünf Monaten Enthaltsamkeit können wir endlich wieder rufen: Botswana, wir kommen!
Dann erhalten wir die Menükarte und suchen uns das Dinner und einen guten südafrikanischen Wein aus. Eine halbe Stunde später wird serviert. Nach dem Essen bietet uns die Stewardess eine schöne, weiche Decke an, die nehmen wir doch gerne! Die ohnehin bequemen Sessel werden so gleich noch bequemer. Wir verzichten auf das Bordprogramm und machen wir uns bettfertig. Ziemlich schnell sind wir eingeschlafen.

Montag 12.05.14
Die Nacht vergeht „wie im Flug“ (Wortspiel!) und bald werden wir mit einem netten Frühstück beglückt. Irgendwann hören wir den „bitte anschnallen“ Gong und der Airbus verlässt die aktuelle Flughöhe. Der Airport von Johannesburg ist nicht mehr weit!
Zwanzig Minuten später setzen wir sanft auf der Landebahn auf und steuern unseren Flugsteig an. Bald darauf laufen wir im Transitbereich durch lange Gänge, passieren eine Passkontrolle um dann wieder bei der Gepäckkontrolle neben den Ticketschaltern zu landen. Alles geht sehr schnell, denn überall ist es leer. Wir haben allerdings auch schon erlebt, dass ein Flieger aus China zur gleichen Zeit ankam, das war dann doch sehr zeitraubend, denn viele, viele Chinesen waren vor uns, die wenigsten konnten englisch und wussten nicht, was sie bei der Kontrolle tun sollten (erst Pass zeigen, dann Ticket zeigen, dann die Taschen etc durchleuchten lassen).
Die Angestellten diskutieren intensiv, deshalb sind sie heute nicht wirklich an uns interessiert. Auch das war in der Vergangenheit schon anders. Wie gesagt, ich habe einige Batterien, Kabel, Ladegeräte, etc dabei, da wurde der eine oder andere Kontrolleur schon mal misstrauisch.
Etwa zehn Minuten später erreichen wir die SAA Baobab Lounge. Wir haben für den Anschlussflug nach Maun als „Add-on“ ebenfalls die Businessclass buchen können, deshalb ist auch diese Lounge im Preis inbegriffen. Hier ist ziemlich viel los, aber wir können uns noch zwei „Liegesessel“ ergattern. So lässt es sich ganz gut aushalten. Wir nehmen ein zweites Frühstück zu uns, schicken einige SMS nach Deutschland, dann wird einfach entspannt.

Das Boarding beginnt um 11:15. Wir verlassen die Lounge, und wandern Richtung Flugsteig. Diesmal haben wir keinen direkten Einstieg, sondern wir werden mit einem Bus zum Vorfeld gebracht. Wir müssen allerdings etwas länger warten, als geplant. Zwei Reisende haben sich verspätet und bevor man deren Koffer wieder aus dem Flieger holt, wartet man lieber noch ein Weilchen. Irgendwann sind sie da und wir können starten. Nach 15 Minuten Fahrt erreichen wir zwar den Airlink-Flieger, dürfen aber noch nicht aussteigen. Die Putzkolonne ist noch in der Maschine. So können wir aus dem Bus heraus das hektische Treiben beobachten. Ich betone: Es war WIRKLICH ein hektisches Treiben, eigentlich etwas ungewohnt für diese Region :whistle:
Ein paar Minuten später steigen wir ein, die „Leofanten“ sitzen diesmal in Reihe 1. Ziemlich genau um 12:00 verlässt das Flugzeug seinen Standplatz und rollt zur Startbahn. Kurz nach dem Start bekommen wir auch schon das Mittagessen, natürlich mit Serviette und Geschirr. Ein Weinchen zum Essen, ein wenig gedöst nach dem Essen und ca. 90 Minuten später überqueren wir den Thamalakane River, fliegen eine kleine Kurve und erreichen bei schönstem Wetter den „Maun International Airport“.
Wir haben uns in der Vergangenheit ein paar Einreiseformulare besorgt. Die konnten wir im Flugzeug bereits ausfüllen und sind deshalb die ersten, die abgefertigt werden. Natürlich müssen wir trotzdem erst einmal auf unser Gepäck warten. Das kommt aber überraschend schnell. Wir passieren den Zoll und betreten „offiziell“ botswanischen Boden. Ach, ist das schön! Leider passiert das vieeeeel zu selten :S
Am Rand der Empfangshalle steht eine Kwando-Mitarbeiterin. Sie hat ein Schild mit unserem Namen in der Hand, deshalb wissen wir sofort, wer für uns zuständig ist. Wir begrüßen uns und ich öffne einen Seesack, um eine große Tüte Haribo Gummibärchen für eine gute Bekannte abzugeben, die gerade auf einer Touristikmesse in (Durban) weilt. Gummibärchen sind schließlich die „inoffizielle“ Währung, ohne die brauche ich mich in Botswana erst gar nicht blicken zu lassen!
Jetzt erscheint auch der Pilot, wir nehmen unser Gepäck und er begleitet uns durch die Kontrolle. Obwohl wir „nur“ mit einer kleinen Cessna unterwegs sein werden, müssen wir uns und unsere Sachen noch einmal durchleuchten lassen. Wir setzen uns in den Warteraum und beobachten die anderen Safarigäste aus aller Herren Länder. Das hört man natürlich am Sprachengewirr, das hier herrscht. Und bei einem Reisenden, der das Trikot der italienischen Nationalmannschaft anhat, ist es nicht so wahnsinnig schwer, sein Herkunftsland zu erraten :whistle:

Gegen 14:45 werden wir vom Piloten abgeholt. Er entschuldigt sich für die Verzögerung. Während man in früheren Zeiten einfach zum Flieger laufen konnte, werden wir jetzt mit einem Shuttlebus transportiert. Leider war gerade kein Fahrzeug greifbar. Ja, ja, die Zeiten ändern sich eben und wehmütig denken wir daran zurück, als der Maun International Airport noch ein verschlafener Flughafen war. Die 6-sitzige Maschine ist startklar. Diesmal sitzen zwei Piloten vorne, ich muss also auf meinen Lieblingsplatz verzichten. Wir rollen zur Startbahn und müssen tatsächlich über fünf Minuten warten, weil drei! Buschflieger nacheinander landen. Dann röhrt der Motor, wir heben ab und verlassen Maun ziemlich genau in östlicher Richtung.



Die Landschaft wird etwas trockener, ein sandiger Boden, gespickt mit vielen grünen Büschen. Schließlich ist die Regenzeit noch nicht lange vorbei und dieses Jahr gab es eine Menge Regen. Tiere kann ich von hier oben keine Ausmachen, aber ich gehe mal davon aus, dass ich in den nächsten Tagen noch auf meine Kosten komme. Irgendwann sehe ich einen Zaun, der kerzengerade die Landschaft durchschneidet. Aha! Hier ist die Grenze des Nxai Pan Nationalparks.

Der Nxai Pan NP umfasst ungefähr 2.500 km². Er ist Teil eines Salzpfannensystems (Makgadikgadi), welches zu den größten der Welt gehört. Es handelt sich um einen uralten See, der vor langer Zeit austrocknete und riesige salzverkrustete Flächen übrig ließ.

Nach etwa 30 Minuten Flugzeit kann ich einen hellen, sandigen Streifen erkennen. Das muss die Landepiste sein. Wir fliegen einen Bogen um zu sehen, ob sich eventuell Tiere in der Nähe des Airstrips befinden, aber außer einem wartenden Safarifahrzeug ist nichts zu entdecken. Der Pilot drückt die Nase der Cessna nach unten und bald darauf landen wir. Die Räder rumpeln über den harten Sand, dann haben wir das Ende der Bahn erreicht, das Flugzeug wird gewendet und kommt zum stehen. Der Pilot schaltet den Motor ab, dann dürfen wir aussteigen. Ein olivgrün lackierter Toyota mit dem Kwando Logo an der Tür hält neben uns. Wir begrüßen unsere Begleiter für die nächsten drei Tage. Das sind Robbie, der Fahrer und Obsa, der Tracker (Spurenleser). Das Gepäck wird umgeladen, wir sagen dem Piloten Ade und steigen in das Fahrzeug. Etwas fällt uns sofort auf: Während der Tracker in den privaten Kwando-Reservaten immer auf einem außenliegenden Sitz platziert wird, muss er hier im Nationalpark auf den Beifahrersitz. In den Nationalparks ist es nun mal nicht erlaubt, sich außerhalb des Fahrzeugs aufzuhalten.
Wir entfernen uns ein Stück vom Flugzeug, dann beobachten wir noch kurz den Startvorgang. Die Cessna „rauscht“ an uns vorbei und zieht eine lange Staubfahne hinter sich her, dann erhebt sie sich in den blitzblauen Himmel. Der Motorenlärm wird leiser und unsere Begleiter wenden sich an uns. Wir erhalten einige grundsätzliche Informationen, zum Beispiel dass die Fahrt zur Lodge ca. 15 Minuten dauert und das wir – falls wir auf wilde Tiere treffen sollten – bitte nicht aufstehen und herumhampeln sollen. Ich antworte, dass wir nicht ganz unerfahren sind und dass wir Botswana zum elften Mal besuchen. Nun sind die Jungs begeistert und fragen uns, ob wir auch andere Kwando Camps kennen. Diese Frage kann ich bejahen und schon sind wir mitten im Gespräch. „Wer war euer Guide in Kwara? – Wer in Lagoon?“ „Ihr wart mit Scooper in der Tau Pan Lodge unterwegs? Scooper ist mein Onkel!“ sagt Obsa. Wir haben bereits gelernt, dass viele Guides / Tracker tatsächlich in einem überschaubaren Gebiet wechseln und man sie deshalb immer wieder treffen kann. Und trifft man sie nicht selbst, dann lernt man garantiert den Bruder / Onkel / Neffen kennen. Das hat den Vorteil, dass wir uns ganz schnell als Teil einer großen Familie fühlen und wir sind tatsächlich der Meinung, dass wir von den Jungs nicht nur als Touristen, sondern als Bekannte akzeptiert werden. Ein paar Beispiele werden noch folgen.

Während wir uns also mit eigentlich wildfremden Leuten angeregt unterhalten und trotzdem das Gefühl haben, sie schon länger zu kennen, erreichen wir das Nxai Pan Camp. Ich hatte dieses Camp bewusst ausgesucht, denn bis auf Nxai Pan und Little Kwara (Okavango Delta) kennen wir alle anderen Kwando Camps und FoMi Sanne hatte mich mit ihrer Begeisterung für die Nxai Pan Lodge neugierig gemacht. Uns gefällt das Niveau der Kwando Camps recht gut. Man hat einen gewissen Luxus, aber sie sind nicht zu abgedreht. Auch die Gäste sind zum größten Teil sympathisch. Überspitzt gesagt: Während uns in diesen Camps 80% der Gäste „gefallen“, ist das Verhältnis in den Top-Lodges und Camps (die wir bisher besuchten) eher umgekehrt. Aber das ist natürlich unsere ganz persönliche Meinung.

Das Camp wurde Anfang 2009 eröffnet. Es gibt 8 Chalets, eines davon wurde als Familienunterkunft für 4 Personen ausgelegt. Deshalb kann man 18 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Nicht weit von der Beobachtungsplattform des Hauptgebäudes gibt es ein Wasserloch. Dort halten sich von Zeit zu Zeit wilde Tiere auf. Die Bauweise des gesamten Camps erinnert mich stark an das Tau Pan Camp in der Zentral-Kalahari. Ich könnte wetten, beide Unterkünfte wurden vom gleichen Architekten entworfen. Allerdings gefällt mir die Aussicht im Tau Pan Camp besser. Die Anlage dort liegt auf einem kleinen Hügel und man hat einen weiten Blick ins Land. Hier in der Nxai Pan hat man zwar auch einen weiten Blick, aber die Umgebung ist absolut flach. Vor uns liegt eine Grasebene, garniert mit Büschen und Bäumen. Das Camp selbst liegt am Rand eines Wäldchens.












Wir werden freundlich begrüßt, erhalten ein kühles Getränk und setzen uns erst einmal auf eine gepolsterte Holzbank. Mein Blick schweift hinaus. Das Empfangsgebäude ist halb offen, auf der einen Längsseite gibt es eine Wand, die anderen Seiten werden durch eine Holzkonstruktion gestützt und man kann ungehindert in die Landschaft schauen. Vor der hölzernen Beobachtungsplattform gibt es selbstverständlich eine Feuerstelle, an der man sich abends die Erlebnisse des Tages erzählen kann. Auch ein kleiner Pool ist vorhanden.
Ich fülle die Indemnity Form (Haftungsausschluss) aus, dann werden wir auch schon über Holzstege zu unserem Häuschen gebracht. Wir betreten unser Heim für die nächsten drei Nächte. Platz hat man hier genug. Der Mittelteil wird vom großen bequemen Bett dominiert, rechts stehen zwei Sessel, ein Stuhl und ein Tisch. Auf der anderen Seite finden wir eine separate Toilette, ein Kleiderregal, ein doppeltes Waschbecken sowie eine Innen- und Außendusche. Öffnet man eine der großen Schiebetüren, dann tritt man auf eine Holzterrasse mit Blick bis zur Wasserstelle. Ruth und ich sind uns einig: Wir können nicht meckern! Wir sind uns sicher, dass man hier gut entspannen und die Ruhe genießen kann.
Allerdings haben wir jetzt keine Zeit zum Relaxen, denn wir werden gleich zum ersten Gamedrive erwartet. Also waschen wir uns blitzartig, ziehen andere Sachen an und vergessen auch die warme Jacke nicht. Ich schnappe mir mein Fotoequipment und schon machen wir uns auf den Weg zum Hauptgebäude. Noch ist es angenehm warm, ich tippe auf ungefähr 25°, aber sobald die Sonne untergegangen ist werden wir unsere Jacken brauchen, da bin ich mir sicher.
Wir lassen den Tee ausfallen und nehmen nur ein paar Bisquits mit. Dann folgen wir Robbie zum Wagen. Tracker Obsa erwartet uns schon. Es ist schon 16:15, also höchste Zeit für eine Ausfahrt. Wir sind ja hier im Nationalpark und müssen deshalb um 18:30 wieder im Camp sein. Obsa fragt mich, an welchen Tieren wir denn so interessiert sind, nachdem wir ja schon so oft in Botswana unterwegs waren. Um ihn zu schocken habe ich mir einen speziellen Wunsch ausgedacht. Der geht ungefähr so: „Weißt du, Obsa, wir waren ja schon oft hier und ich konnte viele, viele Bilder machen. Deshalb bin ich total bescheiden geworden. Mir langt es völlig, wenn ihr mir einen Caracal präsentiert, der gerade in die Luft springt und ein fliegendes Perlhuhn fängt. Das bitte bei perfektem Licht und nicht zu weit vom Wagen weg – ok?“ Obsa sieht mich fassungslos an. Dann begreift er, dass ich ihn nur schockieren wollte und lacht. „Walter, das könnte ganz schön schwierig werden, aber wir werden unser bestes versuchen.“ Ich klopfe ihm auf die Schulter und sage: „Ich vertraue dir, du wirst es schon schaffen.“
Wir verlassen das Camp und stoppen kurz darauf wieder. Obsa öffnet den Elektrozaun, denn das Areal ist gegen Elefantenbesuch geschützt. Alle anderen Tiere können allerdings jederzeit unter dem Zaun hindurchlaufen. Wir folgen einem Weg mit tiefen Furchen. Während der letzten Regenzeit sind die Fahrzeuge auf dieser Strecke bis zu den Achsen im Schlamm versunken, das kann man noch deutlich erkennen. Links und rechts steht das Gras an die 2 Meter hoch, das erschwert uns die Tiersichtungen enorm, aber glücklicherweise erreichen wir bald darauf eine Grasebene. Hier können wir ziemlich weit schauen, aber gerade jetzt nähern wir uns einer Gruppe Giraffen. Die hätten wir auch im hohen Gras gesehen. Naja, aber besser die Giraffen als gar nichts. Dann wird es sehr ruhig. Außer ein paar Vögeln ist nicht bemerkenswertes zu sehen. Na gut, einen Rotbauchwürger in gutem Licht habe ich auch noch nicht. Klick! Schon ist er abgelichtet. Wir folgen der Sandpiste. Eine Herde Springböcke taucht auf, ein Böckchen kreuzt tatsächlich unseren Weg und lässt zu, dass ich ein paar Fotos von ihm mache. Die anderen bleiben in sicherem Abstand zu uns. Wir können einen Vogel rufen hören. Es ist eine Weißflügeltrappe (Northern Black Korhaan). Mir ist das Verhalten des männlichen Vogels noch gut in Erinnerung. Manchmal erhebt er sich kerzengerade in die Luft wie ein Helikopter, dann trudelt er mit ausgebreiteten Schwingen wieder zur Erde zurück. Es sieht lustig aus und ich hätte nichts dagegen, wenn diese Trappe auch einmal auffliegen würde. Den Gefallen tut sie mir aber nicht. Dafür treffen wir auf weitere Giraffen, die ihre langen Hälse nach unten biegen, um Mineralien vom Boden aufzunehmen.
Inzwischen ist es schon wieder 17:30 geworden. Wir biegen (ausnahmsweise) von der Piste ab und halten an einer übersichtlichen Stelle. Dann bauen unsere Begleiter einen Klapptisch auf und holen Wein und Knabbereien aus der Kühlbox. Die Sonne steht schon ziemlich tief und man kann gut erkennen, wie unglaublich schnell sie sich Richtung Horizont bewegt. Ruth und ich sind einfach nur glücklich. Wir stehen mit „unseren“ zwei Jungs irgendwo in der Wildnis, ein Glas Weisswein in der Hand. Unsere Gesichter sind der untergehenden Sonne zugewandt. Der Himmel hat schon längst eine goldgelbe Farbe angenommen und auch wir werden noch einmal in goldenes Licht getaucht. Keine fünf Minuten später leuchtet der Himmel in einem zarten Rosa, die Bäume um uns herum sind schwarze Scherenschnitte vor rosarotem Hintergrund. Wir lauschen den Stimmen Afrikas, die im Busch ertönen und fragen uns wieder einmal ob es tatsächlich der erste Abend auf dieser Reise ist, oder ob wir uns nicht schon mindestens eine Woche hier aufhalten. Auf jeden Fall ist es uns gelungen, unser „normales“ Leben in Deutschland in Rekordzeit auszublenden und mit all unseren Sinnen in die afrikanische Natur einzutauchen.
Dann wird es Zeit ins Fahrzeug einzusteigen und zum Camp zu fahren, denn – wie gesagt – um 18:30 müssen auch wir den Nationalpark verlassen haben, obwohl sich das Camp ja mitten drin befindet. Aber diese Regel gilt nun mal für alle Besucher. Jetzt sind wir froh über unsere dicken Jacken, denn es ist empfindlich kalt geworden, besonders in einem offenen Fahrzeug! Wir erreichen pünktlich die Einfahrt. Jetzt dürfen wir noch alleine zum Chalet laufen, allerdings vereinbaren wir mit Robbie eine Abholzeit, denn gleich ist es stockdunkel und dann haben wir keine Chance mehr, eventuelle tierische Besucher rechtzeitig zu erkennen. Jetzt wird es Zeit für eine Dusche, die tut nach einem langen Tag wirklich gut! Danach werden die Sachen ausgepackt, wenig später sind wir bereit zum Aufbruch. Wir verlassen das Chalet, warten aber in Sichtweite auf dem Holzsteg. Hier brennen überall Öllampen, die den Weg markieren. Bald erkennen wir den Strahl einer Taschenlampe, jetzt können wir Robbie entgegenlaufen. Am Hauptgebäude angekommen setzen wir uns erst einmal an die Feuerstelle und machen uns mit den anderen Gästen bekannt. Unsere Guides haben sich geschickt zwischen uns platziert, so hat kein Gast das Gefühl, im Abseits zu sitzen. Außer Ruth und mir sitzt noch eine deutsch – niederländische Reisegruppe am Feuer, die Verständigung findet deshalb mal in englischer, mal in deutscher Sprache statt. Heute Abend wird traditionell gegessen. Wir können am Feuer sitzen bleiben und bekommen die verschiedenen Gänge gebracht. So sitzen wir bei gutem Essen am Lagerfeuer, über uns glitzern die Sterne am pechschwarzen Himmel, die Stimmung ist sehr entspannt, am Wasserloch trompetet ein Elefant, ich wüsste in dieser Situation absolut nichts, was wir vermissen könnten. Ruth und ich sind einfach rundherum glücklich.
Nach dem Essen sitzen wir noch eine halbe Stunde bei einem guten Rotwein am Feuer, dann wird es Zeit für uns. Es war ein langer Tag und wir sind müde. Robbie lässt sich nicht lange bitten, denn sobald er uns zum Zimmer gebracht hat, kann er Feierabend machen. Der nächste Tag fängt für ihn nicht erst mit dem Frühstück an, sondern es gibt viel mehr Dinge, um die er sich am frühen Morgen schon kümmern muss. Schnell haben wir unsere Unterkunft erreicht, wünschen Robbie eine gute Nacht und schöne Träume (natürlich auf Setswana), bekommen ein Kichern und ebenfalls gute Wünsche als Antwort, dann machen wir uns bettfertig und schon 10 Minuten später ist das Licht bereits ausgeschaltet. Wir blicken vom Bett aus durch die Fliegengitter in die Dunkelheit und können einen Schakal in der Ferne hören. Ach ist das schön, wenn man mit perfekter Musik einschlafen kann! Während ich das noch so denke, gleite ich auch schon ins Reich der Träume …

















Dienstag 13.05.14
Irgendetwas hat mich geweckt. Draußen ist es noch stockdunkel. Auch Ruth ist jetzt wach. Dann hören wir das Löwengebrüll. Allerdings sind die Katzen ein ganzes Stück entfernt, das ist uns schon klar. Aber immerhin, vielleicht haben wir ja am nächsten Morgen Glück! Es gelingt uns, schnell wieder einzuschlafen.
Hektische Vogelstimmen wecken mich erneut. Diesmal sind es nicht meine speziellen Freunde, die Francolins, sondern in der Nxai Pan übernehmen diesen Job scheinbar die Kiebitze. Naja, besser als unser Reisewecker klingen sie allemal. Ich schaue auf die Uhr, es ist 05:45. Das ist ok, wir müssen ja sowieso gleich aufstehen, denn um 06:00 ist Wecken. Meine Frau kehrt auch schon so langsam ins „real life“ zurück, allerdings mag sie noch nicht aufstehen, denn im Zimmer ist es ziemlich frisch. Ein Blick auf meine Armbanduhr zeigt mir 12° Innentemperatur. Na das ist doch genau das richtige für einen abgehärteten Buschmann wie mich :whistle: . Ich möchte meine Frau nicht im Stich lassen und bleibe deshalb auch noch einen Moment liegen. Dann hören wir auch schon den Weckruf vor der Tür. Jetzt haben wir keine Wahl mehr. Raus aus den Federn, kurze Katzenwäsche und die Klamotten angezogen. So! Jetzt ist die morgendliche Kühle schon etwas besser zu ertragen. Draußen zeigt sich der erste Lichtstreif am Horizont.
Wir packen unsere Sachen und verlassen das Häuschen. Die Sicht ist gar nicht so schlecht, ich kann die Taschenlampe schon ausmachen. In der Lobby angekommen, begeben wir uns erst einmal zum Feuer. Dort warten schon zwei Leute von der Staff und fragen uns nach unseren Getränkewünschen. Ein heißer Kaffee ist jetzt genau das richtige. Auf dem Feuer steht ein Topf mit Porridge, dieses Angebot lasse ich aus und nehme lieber eine Schale Cornflakes mit Joghurt. Ich drehe mich um, betrachte die Landschaft und muss mein Frühstück direkt beiseite stellen. Die Sonne ist zwar noch nicht zu sehen, ein Baobab in der Nähe ist aber bereits in zartrosa Licht getaucht, dieses Foto muss ich natürlich haben. Foto weglegen, weiter essen. Zwei Minuten später lugt die Spitze der Sonnenkugel über den Horizont. Cornflakes abstellen, Fotos machen. Oh, Mann! Eigentlich habe ich schon etwas Hunger, aber wie soll das gehen? Die aufgehende Sonne ist einfach faszinierend. Naja, vielleicht wird es morgen besser, dann habe ich ja meine Fotoarbeiten schon erledigt.

Die anderen Gäste sind auch eingetroffen und ich beeile mich mit meinem Frühstück. Kaum bin ich fertig, kommt auch schon Robbie auf uns zu. „Whenever you´re ready…“ das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Für mich gibt es kaum etwas schöneres, als am frühen Morgen zu einer Pirsch aufzubrechen und auf die kleinen Abenteuer zu warten, die der Tag so bringen wird. Schon haben Ruth und ich unsere Sachen in der Hand und folgen unserem Begleiter zum Fahrzeug. Obsa ist auch schon da. Wir begrüßen uns und ich frage ihn, wie er geschlafen hat. Natürlich sprechen wir Setswana. Um ehrlich zu sein: Ich kann nur ein paar Brocken, aber damit gelingt es uns immer wieder, die Sympathie der Einheimischen zu gewinnen, schon alleine deshalb lohnt es sich, bei jeder Reise einige Wörter zu lernen. Auch Obsa freut sich über meine Versuche und ist sofort mit großem Engagement dabei, mit mir zu üben. Wir beide haben sowieso ziemlich schnell „einen Draht“ zueinander entwickelt und das nicht nur deshalb, weil ich zufällig seinen Onkel kenne.

Es ist kurz vor 07:00, die Luft hat sich noch nicht wirklich erwärmt (13°), deshalb habe ich nicht nur eine Fleecejacke an, sondern auch mein Kopf ist mit einer Fleecekappe geschützt. Außerdem habe ich meine Radlerbrille auf der Nase. Die Brille hat den Vorteil, dass sie stark gebogen ist. So bietet sie einen guten Schutz vor kaltem Wind, vor Zweigen (wenn man in privaten Reserves querfeldein unterwegs ist), Staub und Mücken. Außerdem kann man die Gläser wechseln. In der Morgendämmerung und bei Gamedrives in der Nacht benutze ich die Klarsichtgläser, bei Sonnenschein die Sonnengläser.
Heute früh ist es ganz schön ruhig hier draußen. Ich habe das Gefühl, auch den Tieren ist es noch viel zu kalt. Ein paar Vögel, ein paar Springböcke in weiter Entfernung, zwei Giraffenköpfe hinter einer Akazie, das war es dann auch schon. Ein gutes Stück weiter können wir einen Trupp Strausse sehen. Einige junge Männer und drei Damen. Einer der Jungmänner spreizt tatsächlich seine Flügel, geht in die Knie und versucht, die Damen zu beeindrucken. Leider sind sie für ein gelungenes Foto zu weit weg und sie stehen auch noch im Gegenlicht. Also heißt es für mich: Foto beiseite legen und einfach nur beobachten! Hmmm, ich muss zugeben, das ist gar nicht so einfach für mich. Schließlich habe ich bestimmte Bilder im Kopf, die ich gerne umsetzen würde. Aber das klappt halt nicht immer so, wie ich es gerne hätte; die Natur hat ihre eigenen Spielregeln.
Wir erhalten einen Funkspruch. Das andere Fahrzeug hat einen Cheetah gefunden. Also, Motor an und los! Wir müssen gar nicht weit fahren, dann haben wir die Stelle erreicht. Eine Gepardenmama mit drei Kindern läuft parallel zur Piste. Die Jungtiere sind noch sehr klein und Ruth ist sofort total entzückt. So kleine Cheetahs haben wir noch nie gesehen. Leider ist die Mama überhaupt nicht entspannt und achtet darauf, dass die Kleinen im hohen Gras bleiben. Robbie erklärt uns, dass natürlich auch die Gepardin das Löwengebrüll in der Nacht gehört hat und dass sie deshalb extrem vorsichtig und nervös ist. Wir können das nachvollziehen, denn vermutlich würden die Löwen keine Sekunde zögern, die Kleinen umzubringen. Jeder Fressfeind wird nach Möglichkeit sofort ausgeschaltet oder aus dem Revier vertrieben. Für mich hat es den Nachteil, dass ich zu keinen guten Bildern kommen kann. Wir verfolgen die Gepardenfamilie mit respektvollem Abstand. Irgendwann stoppen sie im Schatten eines Akazienbusches. Der Abstand zur Piste ist eigentlich gar nicht so groß, aber das hohe Gras macht eine Beobachtung schwierig. Die drei Kleinen spielen miteinander. Hauptsächlich sehen wir deren Ohren, während die Mutter misstrauisch das Gelände sondiert. Wir warten über ein halbe Stunde, aber die Mama hat kein Erbarmen mit uns. Die Jungen unterbrechen ihr Spiel und schauen uns fasziniert an, leider sie dürfen das hohe Gras nicht verlassen. Inzwischen hat sich ein Schwarm Kiebitze versammelt. Immer wieder starten sie und fliegen mit wildem Gezeter über die Cheetahs, dann landen sie vor uns auf der Sandpiste.
Nach einer Stunde geben wir auf und verlassen die Katzen. Wir stoppen an einer freien Stelle und machen eine Kaffeepause direkt neben einem schönen Baobab. Obsa erzählt mir ein paar Tiergeschichten aus seiner Kindheit bzw. Jugend, so geht die Zeit schnell vorbei. Dann besuchen wir eine Wasserstelle. Einige Giraffen stehen am Rand und blicken misstrauisch auf uns herab. Die jüngste spreizt ihre Beine und möchte etwas trinken. Plötzlich kommt ein einzelnes Gnu um die Ecke. Die Giraffe erschrickt und richtet sich auf, alle drei ziehen sich etwas vom Wasserloch zurück. Das Gnu hat nun das Wasserloch erreicht und trinkt. Dann läuft es in Richtung Giraffen. Sofort werden alle drei hektisch und flüchten. Für einen kurzen Moment könnte man meinen, das Gnu ist überrascht und hat Spaß an der Sache, denn es läuft unbeirrt hinter den Giraffen her. Dann erscheinen Zebras, Gnus und noch mehr Giraffen. Es wird langsam warm und da wollen die Tiere ihren Durst stillen.
Wir machen uns auf den Rückweg, steuern aber vorher noch das Wasserloch des Camps an. Hier stehen zwei stattliche Elefantenbullen und saugen mit dem Rüssel genüsslich das Wasser hoch um zu trinken. Danach nehmen sie ein Staubbad mit weißem Sand. Jetzt sind es keine „grauen Riesen“ mehr, sondern „weiße Riesen“. Die zwei sind völlig entspannt und interessieren sich überhaupt nicht für uns. Obwohl wir schon so viele Elis auf unseren Reisen gesehen haben, beobachten wir sie immer noch gerne. Ich erinnere an die Aussage eines Freundes: „Ob der Elefant da steht oder dort, es bleibt ein Elefant!“ Und ich sage: „Der hat ja keine Ahnung wie verschieden sich die Elis verhalten!“



Gegen 11:30 haben wir das Camp erreicht. Ich bringe kurz unsere Sachen ins Zimmer, dann stürzen wir uns erst einmal auf ein leckeres Brunch. Eigentlich bin ich – trotz des reichhaltigen Angebotes – ziemlich eingefahren. Bei mir heisst es meistens: 2 Spiegeleier, Speck, Bohnen und Toast. Das war es dann auch schon. Danach ziehen wir uns zurück. Die Temperaturen laden dazu ein, die Außendusche zu benutzen. Danach sortieren wir unsere Habseligkeiten, die restliche Zeit bis zum High Tea verbringen wir auf unserer privaten Terrasse.
Um 15:30 finden wir uns in der Lobby ein. Drei neue Gäste aus den USA sind eingetroffen, die werden uns begleiten. Es handelt sich um ein Ehepaar aus Kalifornien und um eine Reiseveranstalterin. Nach kurzem Check sind wir zufrieden. Alle drei scheinen keine Nervensägen zu sein, die Reiseveranstalterin hat sogar ein beeindruckendes Fachwissen, was die afrikanische Tierwelt anbetrifft. Das muss ich neidlos anerkennen! Um 16:00 sitzen wir im Toyota, bereit zu neuen Abenteuern.
Der Nachmittag ist eher entspannend, meine Kamera ist nicht wirklich oft im Einsatz. Wir sehen Giraffen und noch mehr Giraffen. Ein interessanter Stopp: Wir können eine Giraffe beobachten, die Knochen frisst. Dabei stellt sich wohl einer der Knochen beim Schlucken etwas quer, zumindest erinnert mich das Verhalten der Giraffe an einen Menschen, der eine Gräte verschluckt hat. Aber die Sache geht gut aus. Robbie erklärt uns, dass wäre ein durchaus normales Verhalten, denn damit ergänzt die Giraffe ihren Bedarf an Mineralien. Es folgen Gnus, ein Hoopoe (Wiedehopf) und noch ein Black Corhaan. Der spreizt sein Gefieder und tut alles, um unsere Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Aber selbstverständlich ist er so weit entfernt, dass ich kein gutes Foto machen kann. Sobald wir nah genug sind verschwindet er im hohen Gras. Bald darauf ist wird es Zeit für den Sunddowner. Wir stoppen an der gleichen Stelle wie gestern, der Platz ist auch ohne Wasserloch (wegen der Spiegelung) absolut zufriedenstellend. Das goldene Licht färbt sich rosa, wir genießen unseren Weisswein und die tolle Abendstimmung.
Nachdem die rote Scheibe hinter dem Horizont verschwunden ist geht es wieder zum Camp.
Nach unserer Rückkehr bringe ich unsere Sachen zurück, dann sitzen wir am Feuer. Gegen 19:30 werden alle Gäste an den langen Tisch zum Dinner gebeten. Uns gegenüber sitzen zwei weitere Neuankömmlinge. Allerdings war deren Anreise nicht besonders lang, denn sie wohnen in Maun. Es ist ein englisches Ehepaar, das schon „ewig“ in Botswana zuhause ist. Tim feiert heute seinen 69. Geburtstag. Er hat sich die Nxai Pan ausgesucht, weil hier sein Afrikanisches Abenteuer vor 40 Jahren begann. Die beiden sind Tierfilmer und haben schon durchaus berühmte Filme in die Kinos gebracht, z.B. Roar: Lions of the Kalahari. Auch Ruth und ich haben schon einen 3-D Film über das Okavango Delta gesehen, der wurde ebenfalls von den beiden gedreht. Natürlich haben wir an diesem Abend jede Menge Spass. Besonders mit Tims Frau June verstehen wir uns gut und sie erzählt uns einige Hintergrundgeschichten zur Entstehung solcher Filme. Tim wiederum berichtet aus seinem abenteuerlichen Leben. Ich kann sagen, dieser Abend ging viel zu schnell vorbei. Ich hätte mich gerne noch am nächsten Tag mit den beiden unterhalten, aber leider werden sie uns wieder verlassen. Trotz interessanter Gespräche lassen wir uns gegen 22:00 von Robbie zum Zimmer bringen.

Mittwoch 14.05.14
Die Nacht verläuft ohne Löwengebrüll, nur die Kiebitze wecken uns zuverlässig mit dem Morgengrauen. Heute früh ist es in unserem Zimmer noch ein wenig frischer, nämlich 10°. Aber das kann uns natürlich nicht davon abhalten, aufzustehen. Schließlich wollen wir heute Baines Baobabs besuchen. Das hatten wir bereits vor sechs Jahren auf der Agenda, damals hat es aber nicht geklappt. Also beißen wir auf die Zähne (damit sie nicht klappern) und hüpfen todesmutig aus dem Bett. Eine kurze Wäsche, rein in die Klamotten und schon fühlt sich alles ein ganzes Stück wärmer an ;)

Um 07:00 sind wir abfahrbereit. Die Reiseveranstalterin war nur für eine Nacht im Camp, also fahren wir mit dem Paar aus Kalifornien los. Obsa hat schon wärmende Decken auf die Sitzbänke gelegt, wir beide erzählen uns noch kurz irgendeinen Blödsinn, dann startet Robbie den Motor. Wie jeden Morgen öffnet Obsa ein paar Meter weiter den „Elefantenzaun“, und dann rumpeln wir über die holprige Piste. Auch heute ist es sehr ruhig hier draußen. Zumindest an der Wasserstelle, an der wir gestern die Giraffen gesichtet haben, tut sich etwas. Ein schüchterner Schakal trinkt, ist aber wirklich sehr ängstlich und schaut immer wieder in unsere Richtung. Es folgt ein Trupp Giraffen, dann eine größere Herde Gnus. Und weiter geht es für uns Richtung Baines Baobabs.
Wir erreichen einen Campground, und machen dort Kaffeepause. Rund um das Haupthaus, in dem sich die Waschgelegenheiten befinden, wurde ein stacheliger Schutz vor Elefanten angelegt. Wie man weiß, suchen die Elis immer die Quelle des frischen Wassers. Davon lassen sie sich auch so gut wie nie abbringen. So finden sie mit der Zeit irgendwie einen Zugang. Deshalb versucht man mit allen Mitteln, die Wasserleitungen zu schützen. An unserem Haltepunkt steht ein Termitenbau, der überragt uns locker. Besonders meine Frau - die ist nicht wahnsinnig groß - bräuchte quasi eine Kletterausrüstung, um den Gipfel des Termite-Mounts zu besteigen :laugh:
Wir verlassen den Campingplatz. Ein kurzes Stück weiter gibt es ein Wasserloch. Dort steht ein einsamer Elefantenbulle und pudert sich mit hellem Sand ein. Für unsere amerikanischen Mitfahrer ist es das erste Rüsseltier auf ihrer Reise, deshalb wird jede Bewegung ausgiebig gefilmt. Dann folgen wir einer ziemlich sandigen Piste. Die Pistenränder sind etwas erhöht, links und rechts sehen wir dichtes Buschwerk. Auf der linken Seite tauchen zwei Elis auf, wir halten an. Der Elefantenpfad führt genau an die Stelle, an der wir jetzt stehen und geht auf der anderen Seite der Piste weiter. Ich mache Robbie darauf aufmerksam. Er lacht und setzt ein Stück zurück. Der vordere Eli fixiert uns mit bösem Blick. Dann nähern sich beide Tiere und überqueren direkt vor uns die Strecke. Auf der anderen Seite wartet der größere, bis sich sein Kumpel in die Büsche geschlagen hat, dann dreht er sich in unsere Richtung, schüttelt den Kopf, trompetet und rennt auf uns zu. Robbie und Obsa bleiben ganz gelassen, auch Ruth und ich sind uns ziemlich sicher, dass es nur einen Scheinangriff geben wird, während die Gäste aus USA doch etwas unruhig auf den Sitzen herumrutschen. Tatsächlich stoppt der graue Riese kurz vor unserem Gefährt, prustet noch einmal und verschwindet im dichten Busch. Die Amerikaner lachen etwas hysterisch, dann können wir unsere Fahrt fortsetzen.
Während wir uns durch Tiefsand bewegen, scheint die Gegend um uns herum wie ausgestorben zu sein. Die einzige Abwechslung ist eine ausgewachsene Puffotter, die ziemlich hektisch unseren Weg kreuzt. Inzwischen brennt die Sonne ziemlich gnadenlos, es dürften über 30° sein. Wir machen Platz für ein entgegenkommendes Fahrzeug. Auf dem Dach sitzt ein Mitfahrer ohne Hut und mit nacktem Oberkörper. Ich bin mir sicher, der wird am Abend aussehen wie ein gekochter Hummer :)
In der Ferne tauchen ein paar Baobabs auf. Ich bin etwas enttäuscht. DAS sollen die berühmten Baines Baobabs sein? Irgendwie hatte ich die (von zahlreichen Fotos) anders in Erinnerung.
Wir nähern uns der Baumgruppe und fahren auf die andere Seite. Aaaah! Jetzt stimmen meine Vorstellungen wieder mit der Wirklichkeit überein. Wir blicken auf eine weiße, ausgetrocknete Pfanne, an deren Rand die Baobabs stehen. Der stahlblaue Himmel, die weiße Pfanne und die grünen Bäume – ja, das könnte ein paar gute Bilder geben. Während wir herumlaufen und die Gegend begutachten stellen unsere Guides einen Klapptisch und ein paar Campingstühle auf und bereiten unser Picknick vor. Dann setzen wir uns hin, essen den knackigen Salat und die Brote, trinken ein Gläschen Weisswein und lassen einfach nur die Umgebung und die Stille auf uns wirken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Platz besonders bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang eine große Magie verströmt.





Nach etwa einer Stunde packen wir wieder unsere Sachen zusammen und treten Rückweg an. Unsere Guides machen uns auf ein paar dunkle Stellen in der weißen Salzpfanne aufmerksam. Darunter befindet sich noch reichlich Salzschlamm und ein unvorsichtiger Fahrer kann dort durchaus mit seinem Fahrzeug einbrechen und sich festfahren. Das kann bei ungenügendem Wasservorrat dramatische Folgen haben. Wir jedoch bleiben immer schön am Rand und erreichen bald die bereits bekannte Sandpiste, die uns zurück zur Nxai Pan bringt. Auch die Rückfahrt verläuft ohne nennenswerte Sichtungen. Wir müssen uns mit zwei Buschböckchen begnügen, die uns mit großen Augen anschauen, bevor sie sich im hohen Gras unsichtbar machen. Kurz vor dem Campingplatz sehen wir einige Elefanten im dichten Busch. Die beobachten wir einige Minuten, dann passieren wir die Schranke zum Park.
Wir wenden uns nach links und finden relativ frische Löwenspuren. Also folgen wir denen so lange, bis sie in dichtes Gebüsch abbiegen. Dorthin können wir nicht folgen, denn wir sind ja im Nationalpark und dürfen die Wege nicht verlassen. Wir fahren weiter zur Wasserstelle. Außer ein paar Vögeln und einem scheuen Schakal gibt es hier allerdings auch nichts zu beobachten. Ein Stück weiter treffen wir noch mal auf ein paar Elis. Wir beobachten sie etwas länger als üblich, deshalb ist es jetzt schon ziemlich spät. Zu spät für einen Sundowner, denn wir müssen ja um 18:30 zurück sein. Zumindest kann ich noch ein Landschaftsbild, garniert mit einer Giraffe, eingefärbt in goldenes Licht, machen.
Ja! Das ist ein typisches Afrika-Stimmungsbild! Zumindest ist das meine Meinung. Meine liebe Frau, die ja immer an einem „richtigen“ Sundowner interessiert ist, bleibt bgelassen. Schließlich sind wir ja erst am Anfang der Reise und werden noch viele, viel Sundowner erleben. Wie sehr sie sich irren sollte…



Zurück im Camp sitzen wir erst am Feuer, dann wird um 19:30 das Dinner am langen Tisch serviert. Gegen 21:30 haben wir genug und Robbie begleitet uns zum Haus. Allerdings hat er heute noch nicht Feierabend, denn unser Mitfahrer aus Kalifornien ist gut drauf und hat sich – sehr zum Leidwesen seiner Frau – ein paar Gläser Rotwein „hinter die Binde“ gekippt. Es sieht auch nicht so aus, als wolle er damit so bald aufhören. Im Gegenteil: Inzwischen hat er seine Videokamera geholt. Die hat einen eingebauten Beamer. Und jetzt möchte er gerne, dass alle Anwesenden das 2-Stunden Video mit ihm zusammen ansehen und seine Aufnahmen bewundern. Sorry, das ist nichts für mich, auch wenn ich ebenfalls auf ein paar Sequenzen zu sehen bin. Sobald ich mir die verwackelten Bilder betrachte habe ich das Gefühl, ich werde seekrank :blush:
Hmmm… vielleicht sollte ich mir noch ein paar Weinchen genehmigen, dann geht es eventuell wieder?

Donnerstag 15.05.14
Auch heute Nacht mussten wir (leider) auf Löwengebrüll verzichten. Dafür sind die morgendlichen Temperaturen in unserem Zimmer schlagartig angestiegen. Das Thermometer zeigt satte 13°. Na da fällt das Aufstehen doch überhaupt nicht mehr schwer :( Wir sind pünktlich um 06:30 am Feuer. Erstaunlicherweise sind die zwei Kalifornier auch pünktlich, obwohl die Sitzung gestern Abend noch bis 11:00 gedauert hat. Armer Robbie!
Um 07:00 sind wir wieder auf der Piste. Zunächst einmal bleibt es sehr ruhig, dann erhalten wir einen Funkspruch und es geht in einem Höllentempo die Piste entlang. Wir erreichen eine Kreuzung (die kennen wir schon) ein paar Minuten weiter erreichen wir das zweite Fahrzeug des Camps. Vor uns kreuzt die Cheetah Mutter mit ihren drei Kleinen den Weg. Oh Mann! Das Licht ist super, aber bevor wir die kleine Familie erreicht haben und anhalten, sind die Kätzchen schon wieder im hohen Gras verschwunden. Mir gelingen genau zwei Aufnahmen und die sind „aus der Hüfte geschossen“. Das ist nicht wirklich das, was ich mir erträumt habe. Aber ich weiß, ich weiß! Ich muss dankbar sein, dass wir die Cheetahs überhaupt noch mal sehen durften. Meine liebe Frau zum Beispiel ist total entzückt von dieser kurzen Begegnung. Also versuche ich auch, mich zu entspannen und diese Augenblicke zu genießen. Dafür muss ich die Bilder in meinem Kopf ausknipsen. Ich denke da an Portraitaufnahmen von kleinen Cheetahs. Das gelingt mir leider nicht so einfach, aber immerhin habe ich es versucht.
Die Geparden sind verschwunden, wir drehen um und nehmen einen anderen Weg. Der führt uns zu offenem Grasland. Hier kann man weit sehen, leider gibt es aber nichts zu beobachten Doch halt! Da bewegt sich was hinter ein paar Büschen. Dann erkennen wir zwei Löffelhunde (Bat Eared Foxes). Die stehen auch noch auf meiner Liste. Vor ein paar Jahren ist mir mal ein einziges Bild gelungen, seitdem warte ich auf eine bessere Chance. Sollte die jetzt kommen? Sozusagen als Belohnung für die entgangenen Cheetah-Bilder? Ich bin noch skeptisch, denn die Tiere halten Abstand und schauen immer wieder prüfend in unsere Richtung. Zum Glück sind alle Insassen unseres Fahrzeugs leise, deshalb entscheiden sich die zwei dann doch, ihre Futtersuche in unserer Nähe fortzusetzen. Einer kreuzt sogar die Piste gar nicht so weit von uns entfernt. Dann allerdings ist er scheinbar so überrascht von seinem eigenen Mut, dass er mit langen Sätzen Abstand gewinnt. Sein Kumpel lässt sich anstecken und bald sind sie im Gras verschwunden. Ruth schaut mich an: „Na siehst Du, jetzt hast Du deine Bilder von den Bat Eared Foxes.“ Ich nicke, bin aber trotzdem nicht wirklich zufrieden, denn mit 200 mm Brennweite sind die Fotos nicht so wie ich mir das vorstelle. Zumindest habe ich noch ein paar Gründe, irgendwann noch einmal in diese Gegend zu kommen.

Wir machen noch eine Kaffepause, dann geht es zurück zum Camp. Auf einer weiten Grasebene sehen wir einen Trupp von ungefähr 300 Springböcken. Zwischen den grasenden Tieren rast ein Impalabock hinter einer seiner Dame her, um sie zur Raison zu bringen. Obwohl die wilde Jagd manchmal haarscharf an den Springböcken vorbei geht, lassen die sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Zunächst packen wir unsere Sachen, duschen noch einmal und erscheinen zum Lunch. Um 12:30 verabschieden wir uns herzlich von der Staff.
Wir werden das Kwando Nxai Camp in guter Erinnerung behalten. Der Service war sehr gut, die Crew war aufmerksam, unsere Guides waren sympathisch und kompetent, das Essen war schmackhaft - was will man mehr? Nach etwa zwanzig Minuten (inklusive zwei Fotostopps) haben wir den Airstrip erreicht. Die Gäste aus den USA warten mit uns, denn auch sie fliegen in ein anderes Kwando Camp. Um kurz vor 13:00 Uhr landet die 6-Sitzer Cessna. Schnell ist das Gepäck eingeladen und ich biete Tim aus den USA großzügig „meinen“ Platz neben dem Piloten an. Ich habe ja schon oft genug ganz vorne gesessen und irgendwann bekomme ich diese Großzügigkeit bestimmt zurück gezahlt :)
Dann verabschieden wir uns von Robbie und Obsa. Wir schütteln nicht nur Hände, sondern wir umarmen die Guides, weil sie uns äußerst sympathisch waren. Obsa und ich versprechen uns, dass wir uns eines Tages wiedersehen werden. Dann wird er nicht „nur“ Tracker, sondern unser Guide sein, denn genau das will er in Zukunft werden. Komisch, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ihn wirklich irgendwann wieder treffen werden, solche Dinge sind uns ja in der Vergangenheit mit anderen Guides durchaus schon passiert.

... wird fortgesetzt ...
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Letzte Änderung: 27 Jun 2014 08:07 von leofant.
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  • leofant am 22 Jun 2014 18:42
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@ Nicole
ja, das Licht bei den Cheetahs war schön, leider waren wir nicht wirklich nah dran (seufz)

so, dann geht es weiter mit dem 2. Teil Kwando Lagoon und Kwando Lebala
Irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Reisebericht ist ganz schön persönlich geworden.
Aber was will ich machen ? Wem es zu langweilig ist: Kurzbericht lesen und (vielleicht) Bilder gucken ;)

Donnerstag 15.05.14 - Mittagszeit

Wir sind in unser Buschtaxi eingestiegen und rollen zum Anfang der Sandpiste. Das kleine Flugzeug startet durch und wenig später überqueren wir trockenes Buschland auf dem Weg nach Maun. Der Wind ist heute etwas stärker, deshalb hüpft die Cessna auf und ab. Ruth hat ihre Armbänder an, die Augen sind geschlossen. Immer wenn ich sie prüfend antippe zeigt sie mir den erhobenen Daumen, also geht es ihr trotzdem gut. Etwa 40 Minuten später landen wir in Maun. Wir konnten leider nicht den direkten Weg nach Linyanti nehmen, denn wir haben nicht genug Benzin an Bord. Das Auftanken geschieht ganz unkompliziert am Rand des Flugfelds. Wir Passagiere müssen uns noch nicht einmal weit von der Maschine entfernen.


Tankstopp in Maun

Keine zwanzig Minuten später rollen wir schon wieder zur großen Startbahn, beschleunigen und schwingen uns in die Lüfte. Wir kippen nach links und fliegen in nördliche Richtung. Bereits nach wenigen Minuten ändert sich die Landschaft dramatisch. Kein Zweifel, wir fliegen wieder über unser geliebtes Delta! Kleine Wasserläufe wechseln mit Lagunen und Sumpfgebieten, ab und zu unterbrochen durch kleine weiße Inseln. Es ist ein großartiger grüner Flickenteppich, der sich unter uns ausbreitet. Der Pilot teilt uns mit, dass er einen kleinen Umweg über das zentrale Delta fliegt, wir haben absolut nichts gegen diese Sightseeing – Tour einzuwenden. Von Zeit zu Zeit können wir Elefanten entdecken, die in Wasserlöchern plantschen oder sich am sattgrünen Sumpfgras erfreuen.


Okavango Delta


Okavango Delta

Eine knappe Stunde später leitet unser Flugzeugführer den Sinkflug ein, wir sind nicht mehr weit vom Lebala Airstrip entfernt. Am Rande einer Lagune entdecken wir eine große Büffelherde, ein Stück weiter tummeln sich ein paar Hippos, das steigert natürlich die Vorfreude auf die kommenden zwei Tage. Wir fliegen parallel zum weißen Sandstreifen, der die Landebahn darstellt, dann machen wir noch eine scharfe Kurve und wenig später setzt das Flugzeug auf. Wir rollen aus, der Pilot stellt den Motor ab und schon kommt ein Safarifahrzeug angefahren. Wir steigen zunächst einmal alle aus. Das Gepäck der Amerikaner wird ausgeladen. Der Tracker des Kwando Fahrzeugs kommt auf mich zu. Den kenne ich doch! Ich ziehe die Sonnenbrille ab. Tatsächlich, er lächelt mich an und reicht mir die Hand. „I Know you“. Sein Lächeln wird noch breiter. Jetzt ist es klar, das ist Bormen, unser Tracker aus dem letzten Jahr. Aber wieso konnte er sich an mich erinnern? Er lernt während eines Jahres garantiert unzählige Gäste kennen! Ich bin beeindruckt und erzähle ihm, dass wir uns in zwei Tagen sehen werden, dann besuchen wir ja auch das Lebala Camp. Wir schütteln uns noch einmal die Hände, dann steigen Ruth und ich wieder in die Cessna. Fünf Minuten später fliegen wir noch ein Stück nach Norden. Unsere Flughöhe ist jetzt sehr niedrig, knapp zehn Minuten später haben wir unser Ziel erreicht und landen auf dem Lagoon Airstrip.


Airstrip im Linyanti Gebiet

Dort werden wir von unseren Guides in Empfang genommen. Schon wieder kommen wir uns vor, als wären wir nicht lange weg gewesen, denn wir werden von Sam und Aaron begrüßt. Mit diesen beiden waren wir bereits letzten Mai unterwegs und wir haben uns damals äußerst gut verstanden. Nachdem man im Nxai Camp gehört hat, mit wem wir in 2013 die Gegend unsicher machten, hat man gleich das Lagoon Camp kontaktiert und „unsere“ Guides für uns reserviert. Wenn das kein Service ist! Ruth ist begeistert, denn sie kam schon letztes Jahr hervorragend mit Aaron aus. Wir umarmen uns und versichern uns gegenseitig wie froh wir sind, dass wir uns dieses Jahr wiedersehen. Wir setzen uns in den Landcruiser. Ich hatte es schon einmal erwähnt. Ich liebe diese Fahrzeuge, denn sie haben noch nicht einmal ein Sonnendach, sind also völlig offen. Dadurch stört beim Fotografieren in keiner Situation das Dach oder das Gestänge. Im Gegensatz zu den Fahrzeugen in den Nationalparks sitzen die Tracker hier außerhalb des Fahrzeugs. Sie „schweben“ über dem Boden, um die Spuren der Tiere besser entdecken zu können.

Wir fahren die kurze Strecke zum Kwando Lagoon Camp. Um 15:30 erreichen wir unser Ziel und werden von der Staff freundlich in Empfang genommen. Auch jetzt sehen wir zwei, drei bekannte Gesichter, es ist schön wieder hier zu sein!


Kwando Lagoon tagsüber...


... und am frühen Morgen


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon


Kwando Lagoon

Wir sind spät dran, deshalb bringt man uns gleich zu unserer Unterkunft. Wir springen blitzartig unter die Dusche, schnappen unsere Sachen und erscheinen zum High Tea. Dort lernen wir unsere Mitfahrer kennen. Es ist erneut ein Paar aus den USA, die beiden sind auf Hochzeitsreise. Um 16:15 verlassen wir das Lagoon Camp. Diesmal haben wir kein Zeitlimit, denn jetzt befinden wir uns ja in einem privaten Tierreservat. Wir können abends solange unterwegs sein, wie wir wollen und dürfen außerdem auch die Wege verlassen. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil, wenn man Nahaufnahmen von Tieren machen will.
Wir folgen der Piste und ich bemerke, dass es die letzte Regenzeit sehr gut mit dem Linyanti Gebiet gemeint hat. Der Busch ist dicht und grün und auch das Gras ist sehr hoch. Das ist zwar gut für die Tiere, aber schlecht zum Fotografieren, denn die Buschbewohner sind nur sehr schwer auszumachen. Die anderen beiden Gäste aus Texas sind zum ersten Mal in Afrika, deshalb halten wir natürlich noch bei jedem Impala und jedem Vogel. Ich mache mir aber nichts draus, sondern lege die Kamera beiseite und lasse die Landschaft auf mich wirken. Es dauert keine 15 Minuten bis wir erkennen, dass unser Mitfahrer nikotinsüchtig ist, denn er kann es ohne Zigarette nicht mehr aushalten. Allerdings raucht er eine dieser neuartigen elektrischen Zigaretten, bei denen man zwar seine Nikotindosis aufnimmt, der Qualm besteht jedoch größtenteils aus reinem Wasserdampf. Ich bin ja froh, dass es inzwischen solch eine Erfindung gibt, denn wir waren vor ein paar Jahren mal mit einem Kettenraucher unterwegs, der rauchte „richtige“ Zigaretten und dieser Gamedrive war kein Spaß für mich, zumal ich direkt hinter ihm gesessen habe.
Wir kommen an eine Wasserstelle. Direkt am Ufer, auf dem Stamm eines abgestorbenen Baums sitzt ein Fisheagle. Es dauert nicht lange, da wird er von einem Waffenkiebitz (Blacksmith Lapwing) angegriffen. Obwohl dieser Vogel viel kleiner ist, scheint er keine Furcht zu kennen. Immer wieder fliegt er haarscharf am Kopf des Fisheagle vorbei. Der muss sogar den Kopf wegdrehen, um nicht von einem Schnabelhieb getroffen zu werden. Schließlich wird es dem Adler zu bunt und er schwebt davon. Wir sind nicht wirklich überrascht, denn wir konnten etwas ähnliches schon einmal mit einem Fisheagle und zwei Glanzstaren beobachten. Auch da verlor der Adler irgendwann die Geduld und räumte das Feld.
Eine halbe Stunde fahren wir so dahin, dann hebt Aaron die Hand. „Hier sind Spuren von Wildhunden, denen folgen wir jetzt“ teilt uns Sam mit. Oh nein! Jetzt geht DAS wieder los! Wir haben den Mai 2013 noch in guter Erinnerung. Damals jagten wir drei Tage irgendwelchen „fresh tracks“ nach und waren nicht wirklich erfolgreich. Erst auf dem Weg zum Flugzeug fanden wir ein Rudel Wildhunde, doch da war keine Zeit mehr, die Tiere zu beobachten.
Ich ziehe meine Radlerbrille auf, damit meine Augen bei der Durchquerung des Buschlands gut geschützt sind. Wir fahren hin, wir fahren her, die Wildhunde bleiben unsichtbar. Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont und taucht die Gegend in ein warmes, goldenes Licht. Das ist eigentlich die Zeit, in der meine Frau ein schönes Plätzchen – vorzugsweise an einem Wasserloch – bevorzugt, um den Sonnenuntergang bei einem Glas Weisswein zu genießen. Aber heute ist da mal gar nicht dran zu denken, denn Sam und Aaron möchten den Gästen aus den USA etwas bieten. Gerade als Ruth nach einem Sundowner fragt, erhalten wir einen Funkspruch. Ein Leopard wurde gesichtet! Jetzt gibt es kein Halten mehr und wir hoppeln in wilder Fahrt über die Piste. Einige Zeit später haben wir zwei andere Fahrzeuge erreicht. Die Guides diskutieren kurz, dann fahren alle querfeldein und suchen die Büsche ab. Und die Sonne sinkt tiefer und tiefer. Und die Laune meiner Frau sinkt ungefähr in der gleichen Geschwindigkeit. Ich bin hin und hergerissen. Natürlich kann man uns mit einem Leoparden bei schlechtem Licht nicht mehr beeindrucken, aber ich verstehe auch, dass unsere Mitfahrer liebend gerne große Katzen sehen möchten, egal bei welchem Licht und in welcher Situation. Das ging uns ja früher genauso. Dann sehen wir tatsächlich den Leo. Er ist etwas nervös und findet es gar nicht witzig, dass drei laute Fahrzeuge ihn eingekreist haben. Also machen wir schnell ein Foto von einem „Leo auf der Flucht“, dann ist er auch schon verschwunden. Die Texaner sind begeistert, meine liebe Frau nicht so. Ich halte mich mal lieber aus allem raus ;-)
Natürlich ist es jetzt vorbei mit dem Sundowner, denn es ist dunkel geworden und da ist das Aussteigen nicht sehr ratsam. Aaron holt sich den Scheinwerfer, dann geht es weiter auf Nachtsafari. Aber auch jetzt halten sich die Sichtungen in Grenzen. Ein paar Scrub Hares (Buschhasen) und eine Eule, das war es dann auch schon. Gegen 19:30 sind wir zurück im Camp. Wir setzen uns direkt ans Feuer und bestellen ein Glas Rotwein. Das wird uns von Sam auch gleich gebracht. Um 20:00 werden wir zum Dinner gerufen. Es ist eine buntgemischte Gesellschaft, die sich da zusammengefunden hat. Die Gäste kommen aus El Salvador, Texas, Kalifornien, den Niederlanden und aus Deutschland. Wir haben nette Nachbarn und unterhalten uns sehr gut. Gegen 21:30 ziehen wir uns zurück. Obwohl unser Zelt noch nicht einmal eine Gehminute entfernt ist, besteht Sam darauf, uns zu begleiten. Ruth liest noch ein wenig, ich checke ein paar Fotos, aber bald sind wir müde und schlafen schnell ein.

Freitag 16.05.14

Die morgendliche Routine entspricht der im Nxai Camp. Der Unterschied ist eher, dass man hier am frühen Morgen schon ein paar Hippos grunzen hört. Um 06:00 werden wir geweckt, um 06:30 treffen sich die Gäste zum Frühstück, um 07:00 ist Abfahrt. Die Temperatur liegt bei 14°, natürlich im Zimmer gemessen. Was mich an Lagoon schon letztes Jahr beeindruckt hat, ist der Sonnenaufgang. Die Farben sind einfach unglaublich und das alles spiegelt sich noch einmal im Kwando, ich liebe diesen Platz! Wir laufen zu unserem Fahrzeug und begrüßen Aaron. Dann müssen wir warten, denn unser Mitfahrer aus Texas muss unbedingt noch eine Zigarette rauchen. Scheinbar langt ihm die elektrische Zigarette nicht wirklich und er benutzt sie nur, um irgendwie über die Runden zu kommen. Was für ein Stress! Dann geht es endlich los. Zwei Fahrzeuge sind unterwegs und trennen sich an der nächsten Gabelung. In unserer Richtung bleibt es auch heute ziemlich ruhig. Aaron findet zwar Liontracks, aber die dazugehörigen Katzen wollen sich nicht zeigen. Ab und zu kommt ein Funkspruch, aber scheinbar ist nichts Interessantes für uns dabei. Das ändert sich erst nach etwa einer Stunde. Sam berichtet uns, dass ein Rudel Wildhunde gesichtet wurde. Die Tiere dösen allerdings, wir müssen uns also nicht sonderlich beeilen. Aaron überrascht uns mit der Sichtung einer Eule im Schatten einer Astgabel. Wie konnte er die sehen? Selbst als wir ganz dicht an den Baum heranfahren, müssen wir uns von den Guides erklären lassen, wo sie sich befindet.
Irgendwann erreichen wir einen kleinen See. Den kenne ich. Hier findet immer der Fahrzeugwechsel statt, wenn Gäste von Lebala nach Lagoon oder umgekehrt transportiert werden. Wir befinden uns also auf halbem Weg zwischen den beiden Camps. Nach etwa fünf Minuten Fahrt sehen wir ein Fahrzeug am Pistenrand. Sam lenkt unseren Toyota vorsichtig an einen Busch heran. Dort liegen die Wilddogs.


Kwando Lebala

Es handelt sich um das sogenannte 6er Rudel. Sam erklärt: „Seit ein paar Wochen ist das Alpha-Weibchen und das Alpha-Männchen verschwunden. Das hatte zur Folge, dass sich die übrigen Rudelmitglieder gepaart haben. Jetzt sind zwei Weibchen gleichzeitig schwanger. Wir sind gespannt wie sich die Dinge entwickeln.“ Dazu muss man wissen, dass sich bei Wildhunden in der Regel nur ein Paar fortpflanzen darf, nämlich das sogenannte Alphapärchen. So bezeichnet man die Leithündin und den Leitrüden. Nachdem die übliche Ordnung durch das Verschwinden der beiden Leittiere nicht mehr existiert, haben sich die niedrigeren Ränge gepaart. Das spannende an dieser Sache ist, dass man nicht weiß was passiert, wenn zwei gleichrangige Hündinnen Junge bekommen. Werden die einen getötet oder überleben alle? Unsere Guides können es nicht wirklich vorhersagen.
Alle Hunde haben dicke Bäuche, also war die Jagd am frühen Morgen wohl erfolgreich. Jetzt liegen sie im Schatten der Büsche, sie sind aber trotzdem sehr unruhig. Immer wieder steht ein Rudelmitglied auf und legt sich an eine andere Stelle. Dort wird kurz gedöst, dann wechseln sie erneut den Liegeplatz. Die Schwänze der Hunde sind ständig in Bewegung, denn um sie herum schwirren eine Menge Fliegen. Ich hasse es, wenn ich mich gerade auf ein Foto konzentrieren will und eine dicke, fette, buntschillernde Fliege landet auf meinen Lippen. Ich habe ja so ungefähr eine Ahnung, wo dieses Insekt vorher wohl gesessen hat und dieser Gedanke gefällt mir ganz und gar nicht. Aber halt! Ich habe gerade vergessen, dass ich ja der knallharte Buschmann bin! Also versuche ich, die Fliege(n) lässig wegzupusten und konzentriere mich weiter aufs Fotografieren.
Wir beobachten die Hunde etwa eine halbe Stunde, dann machen wir uns auf den Rückweg nach Lagoon. An einem Wasserloch schrecken wir einen Trupp Warzenschweine auf. Papa, Mama und die drei Kinder rennen sofort mit hochgestelltem Schwanz davon. Alle fünf haben eine dicke, dunkle Schlammschicht, die ist so frisch, dass sie noch glänzt.

Wir erreichen das Camp gegen 12:30. Jetzt ist es aber höchste Zeit für ein Lunch, wir haben richtig Hunger! Also bringen wir schnell die Sachen ins Zelt, ziehen uns Sandalen an und gehen zum Essen.
Danach schaue ich mich erst einmal im Camp um. Das Kwando Lagoon Camp besteht aus 8 Zeltchalets, also sitzen bei einer Maximalbelegung 16 Gäste am Tisch. Es gibt eine Lobby, eine Bücherei, eine Dining-Area und auch einen Pool mit wundervollem Blick auf den Kwando. Man kann auch auf einer hölzernen Hollywood-Schaukel sitzen und einfach nur den Fluss betrachten. Ich muss sagen, immer wenn ich mich hier aufhalte und über den Fluss schaue, kann ich mich richtig gut entspannen. An den Wänden sind einige Fotos aufgehängt. Das Hauptthema sind ganz klar die Wildhunde. Unter anderem gibt es da ein Bild, das mich schon letztes Jahr fasziniert hatte. Man sieht ein rennendes Kudu, eskortiert von zwei Wildhunden, die es gerne erlegen würden. Tja, so ein Bild käme mir gerade recht, aber mir ist schon klar wie klein die Chance auf solche Fotos ist.
Dann laufe ich zum Zelt, bereit für ein Powerschläfchen. Ich wiederhole mich: „Zelt“ ist eigentlich der falsche Ausdruck, ich nenne es lieber Zelt-Chalet. Die Räume sind sehr großzügig angelegt, ich finde es toll auf dem großen Bett zu liegen und direkt auf den Fluss zu schauen. Das gleiche gilt für die Badewanne mit Superausblick, aber leider haben wir noch nie die Zeit gefunden, darin wirklich mal zu baden. Ich betrete unsere Unterkunft. Die Raumtemperatur beträgt 28°, da kann man ruhig die Augen für eine halbe Stunde zumachen. Dann wird geduscht und bald darauf sind wir schon wieder bereit für den Gamedrive am Nachmittag. Jetzt gesellen sich zwei neue Gäste zu uns. Sie kommen aus der Schweiz und wir verstehen uns auf Anhieb gut.


Schlauer Reiher


Gute Tarnung

Wir folgen einer Sandpiste und Aaron sucht frische Spuren. Tatsächlich finden wir Löwenspuren. Also folgen wir denen mal auf der Piste, mal quer durch den Busch. Aber die Löwen bleiben auch diesmal verborgen. Ruth erinnert Sam daran, dass sie heute gerne einen „richtigen“ Sundowner hätte, das hat er ihr vor Beginn dieser Pirsch versprochen. Sam nickt und sucht weiter die Löwen. Wir passieren einige Tsessebes, in einem Baum entdeckt Aaron (wer sonst?) eine kleine grüne Baumschlange. Sie hat sich in einem Astloch eingerichtet und nur der vordere Teil der Schlange ist zu sehen.
Die Sonne bewegt sich Richtung Horizont. Während die „goldene Stunde“ beginnt, bahnen wir uns immer noch einen Weg durch dichtes Buschwerk, kommen den Katzen aber anscheinend keinen Meter näher. Dann ist es passiert! Die Sonne ist knapp über dem Horizont und wir haben immer noch keinen geeigneten Platz zum Aussteigen gefunden. Ruth sagt Sam sehr deutlich, was sie davon hält, dass er ihren Wunsch einfach ignoriert hat. Sam ist zwar geknickt, das reisst die Sache aber trotzdem nicht raus. Dann stoppen wir auf einer freien Fläche und bekommen unsere Getränke serviert. Die Sonne ist aber leider schon untergegangen. Meine Frau ist jetzt richtig sauer und verheimlicht ihre Stimmung gegenüber Sam auch nicht. Oh je, Sam, das gibt einen Abzug beim Trinkgeld, da bin ich mir sicher! Nach einer kurzen Pause geht es weiter, denn jetzt ist es bereits dunkel geworden und da könnten ja immerhin Raubkatzen auf uns aufmerksam werden. Touristen in Weissweinsosse? Schmeckt bestimmt lecker und ist auch für eine Löwenfamilie sicherlich eine nette Abwechslung.
Aaron hat den Scheinwerfer angemacht und wir fahren langsam weiter. Es ist schon interessant, wie anders die Gegend in der Dunkelheit aussieht. Irgendwie sieht alles viel bedrohlicher aus, als am hellichten Tag. Nachdem also der Sundowner ausgefallen ist werden wir zumindest mit ein paar nachtaktiven Tieren belohnt. Zunächst läuft uns ein Serval über den Weg. Soweit ich mich erinnern kann, haben wir diese Katzenart noch nie zu Gesicht bekommen. Etwas später halten wir erneut und Aaron leuchtet einen umgestürzten Baum an. Dann können wir die Ginsterkatze (Genet) erkennen, die ihren Kopf etwas schüchtern aus dem hohlen Baum hinaus streckt und uns beobachtet. Nun verschwindet sie und taucht an anderer Stelle wieder auf, für ein Foto ist sie allerdings zu weit entfernt. Zum Abschluss der Nachtpirsch treffen wir auch noch auf eine Hyäne. Die ist sich aber auch nicht sicher, was sie von uns halten soll, hält die Nase hoch in die Luft um uns zu wittern und verschwindet dann schnell im Busch.
Gegen 20:00 sind wir wieder zurück im Camp. Wir sitzen noch einen Moment am Feuer, dann verschwindet die komplette Mannschaft des Camps, um ein paar Minuten später wieder aufzutauchen und für uns zu singen und zu tanzen. Wirklich alle sind dabei, auch unsere Guides. Man sieht, dass sie immer noch Spaß an der Sache haben, obwohl sie diese Vorstellung doch bestimmt alle drei Tage geben. Dann sitzen wir am großen Tisch und genießen unser Dinner, natürlich gibt es wieder guten südafrikanischen Rotwein dazu. Etwa eine Stunde später lassen Ruth und ich uns zum Zelt bringen, denn wir wollen noch duschen und packen. Morgen verlassen wir Lagoon und werden zum Nachbarcamp Lebala gebracht.

Gegen 04:00 werden wir wach. Ganz klar, vor unserer „Haustür“ frisst sich mindestens ein Elefant durch die Büsche! Wir besuchen jetzt zum dritten Mal das Lagoon Camp und immer hatten wir wenigstens in einer Nacht Elefanten Besuch, das finden wir wirklich gut. Ich schleiche mich in die Außendusche und luge über den Sichtschutz. Da steht der Eli und frisst gemütlich, man sieht ihm an, dass er überhaupt keine Angst hat, sich im Camp zu bewegen, obwohl es doch hier stark nach Mensch riecht. Bald zieht er weiter und wir schlafen, bis uns die Hippos im Morgengrauen wecken.

Samstag 17.05.14
Um 05:30 wachen wir auf. Nicht weit von uns beschwert sich ein Hippo lautstark. Da die Wände unseres Chalets aus Zeltplanen bestehen kommt es uns so vor, als würde das Tier vor unserer Haustür stehen. Dem ist aber nicht so. Wir bleiben noch einen Moment liegen. Ich registriere, dass es heute früh richtig warm ist, nämlich 16°! Also stehen wir beschwingt auf, beginnen mit der Morgentoilette und packen unsere Sachen zusammen. Nach getaner Arbeit geht es zum Frühstück. Ich bewundere noch einmal den tollen Sonnenaufgang, dann ist es Zeit, Abschied von der Staff zu nehmen. Jeder einzelne wird gedrückt und wir versprechen, bald wieder zu kommen. Monika und Kurt, die zwei Schweizer, begleiten uns, denn auch sie wechseln heute ins Lebala Camp. Das freut uns, denn sie sind angenehme Begleiter.
Um kurz nach 07:00 sind wir auf der Piste. Die Gegend wirkt absolut ausgestorben, wir freuen uns tatsächlich über jeden kleinen Vogel, den wir entdecken können. Außer ein paar Impalas gibt es an größeren Tieren rein gar nichts zu sehen. Dieser Zustand ändert sich in den nächsten 1 ½ Stunden auch nicht wesentlich. Dann erreichen wir den kleinen See und stoppen für eine Kaffeepause. Keine fünf Minuten später nähert sich ein zweites Fahrzeug, das dürfte unser „Taxi“ zum Lebala Camp sein! Wir schauen uns den Fahrer an und sind hoch erfreut. Am Steuer sitzt Balli, ein alter Bekannter. Wir treffen ihn nach 2009 und 2013 bereits das dritte Mal. So begrüßen wir uns herzlich und unterhalten uns über alte Zeiten. Der Tracker packt inzwischen unser Gepäck in das andere Fahrzeug, dann ist es soweit: Wir müssen uns von Sam und Aaron verabschieden. Wobei meiner Frau diesmal der Abschied von Sam nicht so schwer fällt, schliesslich hat er sie – was die Geschichte mit dem Sundowner betrifft – ganz schön enttäuscht und bei solchen Dingen kennt Ruth keine Gnade. Sie ist nun mal der Meinung, ein Tag in Afrika ist nur dann perfekt, wenn sie den Sonnenuntergang entspannt an einem schönen Platz genießen kann und das hat sie die letzten drei Abende enorm vermisst.


Schakal mit steifen Gliedern


Auf Pirsch


Zufriedenstellender Sundowner
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Teil 2 - Kwando Lebala

Samstag 17.05.14

Dann starten wir unseren Trip Richtung Lebala. Wir besuchen noch einmal die Stelle, an der wir gestern die Wilddogs gesehen haben, aber heute regt sich hier nichts. Kaum sind wir wieder auf der Sandpiste unterwegs, wird es allerdings ziemlich lebhaft. Wir sichten jede Menge Impalas, Zebras, Gnus, Warzenschweine, Giraffen und Elefanten. Wir haben den Eindruck als hätten wir auf diesem Gamedrive mehr Tiere gesehen, als an den gesamten zwei Tagen zuvor. Natürlich ist das reiner Zufall, aber wir sind absolut happy, endlich einige Tiere zu sehen. Und es sollte tatsächlich noch besser kommen.
Gegen 10:30 treffen wir im Camp ein. Manager Lesso begrüßt uns. Wir mögen ihn auf Anhieb, vermutlich weil er uns stark an einen Guide mit Namen Ofentse erinnert. Die gleichen Rastalocken, die gleiche Gestik, das gleiche ansteckende Lachen, na das fängt ja gut an :) Unser Gepäck wird in die Chalets getragen, während wir uns erst einmal zum Brunch niederlassen. Am Tisch sitzen vier Gäste, die wir bereits in der Nxai Pan kennen gelernt haben, da gibt es natürlich viel zu erzählen. Wir gehen ans Buffet, siehe da: der Koch ist auch noch der gleiche wie im letzten Jahr. Ach, es ist wirklich angenehm, zurück in eine vertraute Umgebung zu kommen.


Kwando Lebala


Kwando Lebala


Kwando Lebala

Nach dem Brunch führt uns Lesso zu unserem Chalet. Wir ersparen uns das komplette Auspacken, denn wir bleiben ja bloß für eine Nacht, dementsprechend haben wir unsere Seesäcke so gepackt, dass wir bequem an die nötigsten Sachen kommen. In unserem Chalet sind es kuschelige 29°, das macht mich etwas schläfrig. Während Ruth sich auf der Terrasse mit dem wunderbaren Ausblick über den Sumpf niederlässt, probiere ich erst einmal aus, ob das Bett noch genauso bequem ist, wie im letzten Jahr :whistle:
Eine Dreiviertelstunde später habe ich ausgeschlafen. Als ich zum Waschbecken gehe stelle ich fest, dass sich hunderte kleiner Ameisen über Zahnpasta, Cremes, und sonstige Pflegeutensilien hergemacht haben. Jetzt versuchen sie, auch den Inhalt unserer Seesäcke zu inspizieren. Das können wir uns natürlich nicht gefallen lassen. Meine Frau schimpft die komplette Ameisentruppe erst einmal aus, dann rückt sie der Armada mit einem Putztuch und einem Insektenspray namens „Doom“ auf den Pelz. Innerhalb von drei Minuten sind die Machtverhältnisse wieder hergestellt. Tja, liebe Ameisen, ihr solltet euch lieber nicht mit meiner Frau anlegen, dabei könnt ihr nur verlieren!
Nach erfolgreichem Kampf testen wir die doppelte Außendusche, das haben wir uns jetzt verdient. Dann entspannen wir noch etwas. Draußen knackt es in den Büschen. Ein Elefant bahnt sich seinen Weg durchs Gehölz, dann benutzt er den Pfad, der zur Lobby führt. Wir wissen, das Hippos und Elis hier Dauergäste sind, deshalb sollte man auch während des Tages immer aufmerksam sein, wenn man zu Fuß unterwegs ist.
Inzwischen ist es 15:30 geworden, Zeit für den High Tea. In unserer Nachbarschaft rupfen zwei Elis das Laub von den Büschen. Die beiden sind aber überhaupt nicht an unserer Anwesenheit interessiert, deshalb kann ich noch ein Foto machen, bevor wir weiter laufen. Wir trinken einen Tee und ich esse zwei Stück Kuchen, dann wird es Zeit für den Gamedrive am Nachmittag. Inzwischen hat sich unser Guide zu uns gesellt. Sein Name ist Kanawe. Wir laufen den Holzsteg entlang und kommen zu den drei bereitgestellten Safarifahrzeugen. Nachdem sich unser Tracker „Shoes“ vorgestellt hat, kann ich auch Bormen noch einmal begrüßen. Den hatten wir ja bereits vor zwei Tagen bei unserem Zwischenstopp mit dem Flugzeug wieder getroffen. Leider sind wir nicht mit Balli und den Schweizern in einem Fahrzeug, sondern wir teilen uns den Toyota mit zwei Deutschen. Um es vorweg zu nehmen: Dieser Kontakt bleibt eher dürftig, denn irgendwie sind sie nicht auf unserer Wellenlänge. Sie sind das erste Mal in Afrika und sprechen so gut wie kein Wort englisch, deshalb übersetzen wir Kanawes Kommentare und Erklärungen. Das tun wir gerne, aber in manchen Situationen muss ich kurz schlucken, z.B. als unsere Mitfahrerin beim Anblick eines kräftigen Warzenschweins der Meinung ist, das wäre ein Baby Rhino. Ja, ja, ich weiß. Bei Afrika Neulingen sind solche Verwechslungen schon mal drin. Ich muss sofort an eine andere Geschichte denken, die uns ein Guide letztes Jahr erzählte. Er war mit einer Gruppe Chinesen unterwegs. Als sie eine Gnuherde entdeckten, wurde fotografiert auf Teufel komm raus. Balli fragte den Übersetzer vorsichtig, warum die Gäste soviel Fotos machten. Der antwortete, die Mannschaft wäre total glücklich, eine Büffelherde zu sehen. Seitdem heißen die Gnus bei Ruth und mir nur noch „Chinese Buffalos“. Jetzt muss ich meine Palette um den Begriff „German Rhinos“ für die Warzenschweine erweitern ;)
Wir kreuzen langsam durch die Gegend. Auch heute Nachmittag sehen wir eine Menge verschiedener Tiere, irgendwie ist das Lebala Gebiet in diesen Tagen besser „bestückt“ als das angrenzende Lagoon Areal. Während wir bei einer Elefantenherde halten nähert sich die Sonne langsam dem Horizont. Ich mache Kanawe darauf aufmerksam dass es eine gute Idee wäre, einen schönen Platz für einen Sundowner zu suchen, da meine Frau sonst sehr traurig wäre. Kanawe lacht und teilt ihr mit, er wüsste einen tollen Platz. Tatsächlich stoppen wir zu einem perfekten Zeitpunkt an einem Wasserloch. Kein Zweifel, die Sonne wird sich im Wasser spiegeln, genauso, wie Ruth es sich wünscht. Der Klapptisch wird aufgestellt, Wein und Knabberzeug wird herausgeholt, dann meldet sich jemand am Funkgerät. Es ist Balli. Sie haben gerade einen Leoparden ganz in der Nähe gesichtet. Ich vermeide es, in Richtung meiner Frau zu schauen, während alles wieder zusammen gepackt wird. Unsere zwei Mitfahrer haben während ihrer Reise alle möglichen Katzen, aber noch keinen Leo gesehen, deshalb können wir unmöglich auf diese Sichtung verzichten. Ruth steigt wortlos ins Auto, aber ihr Gesicht spricht Bände. Kanawe schaut schuldbewusst und murmelt etwas von „das sieht man nicht so oft“, dann fahren wir weiter. Bye, bye, Sundowner! :evil:

Ein paar Minuten später haben wir die Stelle erreicht. Ich traue meinen Augen nicht. Ein Leopard liegt hoch im Baum auf einem dicken Ast. Die Katze ist völlig entspannt und lässt alle vier Pfoten herunter hängen. Ich habe ja in der Vergangenheit schon einige Leopardenbilder machen können, aber das ist genau der Klassiker, auf den ich noch gewartet habe. Der einzige Wermutstropfen: Das Licht ist nicht mehr ideal, denn die Dämmerung hat ja schon eingesetzt. Ich blicke verstohlen zu Ruth und mir fällt ein Stein vom Herzen. Sie beobachtet fasziniert den Leo und sagt: „Naja, DAS ist schon ein schöner Ersatz für den verpassten Sonnenuntergang.“ Unter dem Baum stehen jetzt drei Fahrzeuge. Man hört einige Stimmen. Der Leopard fühlt sich gestört und klettert noch etwas höher in die Baumkrone. Wir sind von den geschmeidigen Bewegungen begeistert. Dankbar mache ich viele, viele Fotos obwohl ich weiß, dass ich im Grunde mit der Qualität nicht zufrieden sein werde. Aber egal! Was ich habe, das habe ich!
Nach einer halben Stunde ist es richtig dunkel geworden. Es wird Zeit, weiter zu fahren. Shoes holt den Scheinwerfer heraus und leuchtet Büsche und Bäume ab, aber es tut sich nicht viel auf unserem Rückweg. Wir erreichen um 19:30 das Camp und bleiben gleich am Feuer sitzen. Um 20:00 werden wir zum Dinner an den großen Tisch gerufen. Das Essen schmeckt wieder gut, der Wein ist süffig, wir können uns über diese zweite Tageshälfte nicht beklagen. Gegen 21:30 bringt uns Kanawe zum Chalet. Auf dem Weg dorthin bleibt es ruhig. Weder Hippos noch Elefanten versperren uns den Weg. Wie langweilig! Während wir uns bettfertig machen hören wir ein verzweifeltes Trompeten und plätscherndes Wasser. Ich bin neugierig und gehe auf unsere Terrasse. Im Mondlicht kann ich einen einzelnen halbwüchsigen Eli erkennen, der in hoher Geschwindigkeit den Sumpf durchpflügt und immer wieder ängstlich trompetet. Was da wohl passiert sein mag? Hat er seine Herde verloren und weiß nicht mehr, wo sie sich befindet? Wird er sie wieder finden? Wir werden es nie erfahren. Aus der Ferne ist immer noch das klagende Trompeten zu hören.

Sonntag 18.05.14

Waren es in der Nxai Pan die Kiebitze, so werden wir heute früh endlich wieder von den geliebten Stimmen „meiner“ Francolins geweckt. Irgendwann, IRGENDWANN brate ich eins, auch wenn ich gar kein Geflügel esse :evil:
Wir packen unsere Sachen zusammen, den heute geht es ja weiter zum nächsten Camp. Pünktlich um 06:30 erscheinen wir zum Frühstück. Ich stelle fest, dass der Sonnenaufgang in Lebala zwar schön, aber lange nicht so spektakulär ist, wie in Lagoon.
Um kurz vor 07:00 sitzen wir im Fahrzeug und harren der Dinge, die da kommen. Zunächst einmal fahren wir in die Gegend, in der wir gestern den Leoparden gesehen haben. Der Baum ist zwar leer, aber die scharfen Augen unseres Trackers entdecken den Leo gar nicht weit weg auf einem anderen Baum. Er hat in der Nacht ein Impala getötet und in einer Astgabel platziert. Nun liegt er auf einem anderen Ast und döst. Wieder hängen alle vier Pfoten herunter. Der einzige gravierende Unterschied zu gestern Abend: Jetzt wird er vom goldenen Sonnenlicht angestrahlt!



!Ich kann es kaum glauben. Genau das Bild wollte ich! Und los geht´s: knips, knips, knips. Dann heisst es: Kamera beiseite legen und einfach staunen und genießen. Aber Mutter Natur will nicht, dass ich einfach nur still herumsitze. Durch das goldgelbe Gras schleicht sich ein zweiter Leopard an. Misstrauisch werden wir gemustert, dann nähert sich die Katze dem Baum. Kanawe erklärt uns, das wäre die Schwester des Leo, der es sich im Baum gemütlich gemacht hat. Sie schaut sich sehnsüchtig das Impala in der Astgabel an. Dann rollt sie sich auf den Rücken und maunzt. Keine Frage, sie bettelt! Der Leo im Baum fängt an zu fauchen und zeigt deutlich seine prachtvollen Hauer. Übersetzt heisst das wohl: „Nein! Du bekommst nichts ab von meiner Beute! Die ist ganz alleine für mich!“ Und ich habe die Kamera am Auge und knipse wie wild. Etwas weiter entfernt taucht plötzlich eine Hyäne auf. Sie reckt die Nase in die Höhe und schnuppert intensiv. Dann läuft sie weiter. Die Leopardin schnuppert ein wenig am Boden herum, dann versucht sie es ein zweites Mal. Auf den Rücken legen und maunzen. Die Antwort ist wieder ein Fauchen. Ich glaube, der erfolgreiche Jäger lässt sich einfach nicht erweichen.







„Schau mal“ sagt meine Frau. Ich setze die Kamera ab. Vor uns taucht die Hyäne auf und attackiert sofort die Leopardin. Die Katze zögert keine Sekunde und rennt davon. In sicherem Abstand stoppt sie noch einmal und beobachtet die Hyäne. Die wiederum kommt plötzlich ganz dicht an unser Fahrzeug. Jetzt steht sie direkt an Ruths Seite, streckt den Hals und schnuppert. Obwohl wir ja im Auto sitzen, ist der Abstand zwischen Ruth und dem Maul der Hyäne nicht wirklich groß. Hmmm, diese Hyäne wirkt schon fast bedrohlich! Ruth ist reflexartig auf meine Seite gerutscht um Abstand zu gewinnen.

Die Hyäne ist nicht weiter interessiert, dreht sich wieder um und schaut sich lieber das Impala in der Astgabel an. Und ich denke daran, dass Hyänen mit Vorliebe Aas fressen und flüstere zu Ruth: „Ich glaube, du solltest dich öfter mal waschen.“ Meine Frau kann gerade gar nicht richtig lachen. Sie ist immer noch beeindruckt von dieser Annäherung. Der Leo im Baum steht auf und faucht die Hyäne an, aber die ignoriert ihn. Sie sucht die nähere Umgebung ab und findet scheinbar etwas Interessantes, denn sie fängt an zu fressen. Kanawe ist der Meinung, sie hat die Innereien des Impala gefunden. Der Leopard hat die Antilope ausgeweidet, damit er sie besser den Baum hinauf in die Astgabel transportieren konnte.
Nachdem die Hyäne alles aufgefressen hat verschwindet sie wieder im dichten Gras und es kehrt Ruhe ein.

Wir fahren weiter und folgen der Piste. Eine Büffelherde kreuzt unseren Weg. Wie immer schauen die Tiere ziemlich missmutig. Kanawe schaut mich an. „Walter, hast du jemals einen Büffel mit einem freundlichen Gesichtsausdruck gesehen? They never smile!“. Ich denke kurz nach und muss ihm Recht geben.
Gegen 09:30 halten wir an einem größeren Wasserloch für eine Kaffeepause. Auf der gegenüberliegenden Seite kommen zwei Hippos hinter einem Busch hervor. Sie haben augenscheinlich gerade ein Schlammbad genommen, denn sie sind fast komplett mit einer dicken, braunen Schlammschicht bedeckt. Das vordere Flusspferd schaut uns äußerst missmutig an. Man kann erkennen, dass es mit unserer Anwesenheit nicht glücklich ist. Wir verlassen das Fahrzeug und Kanawe baut den Klapptisch auf. Das wiederum gefällt dem Hippo überhaupt nicht. Es steht am Ufer und reisst sein Maul auf bis zum geht-nicht-mehr. Nachdem es realisiert, dass wir trotzdem nicht verschwinden, rennt es mit weit geöffnetem Maul ins Wasser und versucht alles, um so viel Lärm wie möglich zu machen.



Dann schwimmt es mit großer Bugwelle am gegenüberliegenden Ufer entlang, natürlich schaut es immer wieder in unsere Richtung und droht uns. Sein Kumpel bleibt am Ufer stehen und beobachtet interessiert die ganze Szene. Ich vermute, er will die Schlammpackung am Körper nicht so ohne weiteres wieder abspülen. Das Hippobulle im Wasser ist wohl etwas enttäuscht von unserer Nicht-reaktion und verlässt das Wasser wieder. Natürlich ist er frisch gewaschen und sauber, das war garantiert nicht sein Ziel an diesem Vormittag. Er bleibt am Ufer stehen und tunkt sein Maul in eine mit Pflanzen bedeckte Stelle. Jetzt ist sein Maul bis zu den Nasenlöchern grün eingefärbt. Eigentlich hat das Tier genau das Gegenteil von dem erreicht, was es wollte. Es sieht nun überhaupt nicht mehr furchterregend aus, sondern einfach nur lustig. Das Hippo scheint zu spüren, dass wir uns nicht fürchten, denn es läuft scheinbar beleidigt am Ufer entlang und dreht uns den Rücken zu.
Wir haben die Kaffeepause beendet und verlassen die Wasserstelle. Auf dem Weg zum Camp passieren wir Zebras, Giraffen, Kudus, Strausse, wir bekommen zum Abschied noch mal einiges geboten. Um 10:30 sind wir zurück im Lebala Camp. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns für die Abreise vorbereiten. Wir duschen und packen unsere Sachen ein. Dann wird uns noch ein schnelles Mittagessen serviert. Um 11:45 verabschieden wir uns von allen. Natürlich werden ein paar Angestellte etwas intensiver verabschiedet, bevor wir uns auf den Weg zum Airstrip machen. Die Zeit in Lebala war eindeutig zu kurz, trotzdem sind wir natürlich froh, dass wir zumindest diese eine Nacht hier verbringen konnten. Wir haben diesen Aufenthalt hier garantiert nicht bereut.
Am Airstrip angekommen stellt Kanawe das Fahrzeug unter einen großen Baum. Wir stehen im Schatten und haben das Flugfeld im Blick. Allerdings passiert zur vorgesehenen Abholzeit erst einmal nichts. Das ist ungewöhnlich, denn in der Vergangenheit waren die fliegenden Buschtaxis fast immer auf die Minute pünktlich. Weitere zehn Minuten später können wir ein leises Brummen hören, dann entdecken wir einen weißen Punkt am blauen Himmel. Das kleine Flugzeug fliegt noch eine Schleife über den Platz bevor es hinunter zum Landepunkt schwebt. Wie meistens zieht es nach dem Aufsetzen eine lange Staubfahne hinter sich her. Sobald der Motor abgestellt ist nähern wir uns der Maschine. Ruckzuck ist unser Gepäck verstaut, jetzt wird es Zeit, Kanawe und Shoes Ade zu sagen. Zumindest mit unserem Fahrer Kanawe verabreden wir uns im November in der Garden Lodge. Vermutlich wird es nicht zu diesem Treffen kommen, aber das erleichtert den Abschied ein wenig. Ich klettere auf den Sitz neben den Piloten, Ruth belegt die Rückbank und wenig später erheben wir uns in die Lüfte. Wir fliegen in südwestlicher Richtung an den äußeren Rand des Okavango Deltas. Die Landschaft, über die wir fliegen, ist in etwa die gleiche, wie im Delta.

... wird fortgesetzt ...


Leofant bei der Arbeit
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Teil 3 - Motswiri Camp

Sonntag 18.05.14 – Mittagszeit

Nach etwa 20 Minuten kann ich einen hellen Sandstreifen in grüner Umgebung erkennen, wir haben unser Ziel, den Motswiri Airstrip, erreicht. Allerdings müssen wir heute noch eine zusätzliche Schleife fliegen, denn vor uns befindet sich eine andere Cessna im Landeanflug. Dann sind wir an der Reihe. Die Maschine setzt relativ sanft auf und wir rollen bis ans Ende der Bahn zum Stellplatz. Ein dunkelgrünes Safarifahrzeug steht neben dem anderen Flieger, dort sind gerade zwei Passagiere plus Gepäck in Empfang genommen worden. Nun bewegt sich der Toyota in unsere Richtung. Wir werden von Andrew, unserem neuen Fahrer, begrüßt, verabschieden uns vom Piloten und klettern ins Fahrzeug. Die anderen zwei Gäste kommen aus Irland und sind ebenfalls in Motswiri zu Gast. Auch diesmal warten wir bis beide Maschinen gestartet sind.


Anflug auf Motswiri


Motswiri Airstrip

Nun ist es ruhig geworden. Andrew begrüßt uns noch einmal und startet den Wagen. Neben der Rollbahn können wir ein eingezäuntes Areal sehen, dort weiden Reitpferde. Eine Spezialität von Motswiri sind nämlich Reitsafaris.
Es dauert keine drei Minuten, dann haben wir das Camp erreicht. Theoretisch hätten wir also auch laufen können. Dass wir Motswiri besuchen ist reiner Zufall. Urspünglich waren fünf Nächte in Lagoon und Lebala vorgesehen. Durch ein Missverständnis bei der Reservierung war unser Aufenthalt in den Kwando Camps plötzlich kürzer und wir mussten zwei Nächte füllen. Also machte unsere Bekannte Carina den Vorschlag, Motswiri zu besuchen. Carina weiß sehr gut, was mir so vorschwebt, deshalb habe ich nicht lange überlegt, sondern gleich „grünes Licht“ gegeben.
Wir laufen vom Fahrzeug in den Empfangsbereich und mir ist sofort klar, dass dies eine gute Entscheidung war. Das Camp liegt – eingebettet im Busch – an einem schmalen Wasserlauf mit Namen Selinda Spillway. Der verbindet das Okavango Delta mit dem Linyanti Gebiet. Ich stehe auf der hölzernen Plattform des Hauptgebäudes und kann mich an der Umgebung gar nicht sattsehen. Hier werden wir uns wohlfühlen, da bin ich mir absolut sicher! Das Camp besteht aus 5 Zelten, wobei eins ein Familienzelt ist. Die maximale Belegung liegt also bei 12 Leuten. Das ist absolut akzeptabel. Wie in vielen Camps üblich ist das Hauptgebäude an einer Seite offen und garantiert einen ungestörten Blick über die Landschaft. Davor gibt es eine Feuerstelle, dann folgt der Bootssteg. Nicht weit weg findet man einen hübschen, kleinen Pool, natürlich auch mit einem schönen Blick über den Wasserlauf.


Motswiri Camp


Motswiri Camp


Motswiri Camp


Mostwiri Camp


Mostwiri Camp

Wir haben uns zunächst einmal auf ein bequemes Sofa gesetzt und hören Andrews Informationen zu, während wir an einem kühlen Erfrischungsgetränk nippen. Zu uns gesellt sich ein weiterer Guide, dessen Namen ich leider vergessen habe. Dann werden wir zu unserem Zelt geführt. Auch diese Unterkunft gefällt uns gut, sie beinhaltet alles, was wir uns wünschen. Wir packen ein paar Sachen aus, duschen noch und machen uns dann auf den Weg zum Lunch. Der angebotene Salat ist frisch und knackig und auch der Rest schmeckt lecker.
Nach dem Lunch geht es eine Viertelstunde an den Pool, dann ziehe ich mich ins Zelt zurück und genieße die Ruhe, die nur durch Vogelzwitschern unterbrochen wird. Schnell geht die Zeit vorbei, Ruth ist inzwischen auch erschienen und wir bereiten uns auf die Pirsch am Nachmittag vor. In der Lobby treffen wir die irischen Gäste wieder, außerdem erscheint noch ein Paar aus USA. Die Iren sind übrigens auf Hochzeitsreise. Interessant! Das hatten wir ja lange nicht mehr! Heiraten in 2014 eigentlich mehr Paare als sonst?
Die Amerikaner machen am Nachmittag einen Bushwalk, die junge Frau aus Irland möchte reiten, also bleiben noch drei Personen übrig. Guide Andrew schlägt einen Boatcruise vor. Da ist meine Frau sofort dabei, schließlich klingt das nach einem perfekten Sundowner! Die Kühlbox wird gepackt und dann folgen wir dem Wasserlauf Richtung Norden. Zunächst „schleichen“ wir uns an einen kleinen Sumpfbewohner an. Es ist ein Painted Reedfrog (Riedfrosch), den Andrew auf einem Schilfhalm entdeckt hat. Wer diesen kleinen Frosch kennt der weiß, dass er unglaublich laut sein kann. Sobald es dunkel geworden ist sitzen sie zu hunderten im Schilf und lassen ihr „ping, ping, ping“ ertönen. Für uns ist das eine typische Begleitmusik, wenn wir im Okavango Delta übernachten. Weiter geht es, dem gewundenen Wasserlauf folgend. Vor uns und neben uns fliegen Wasservögel auf. Natürlich sehen wir den African Jacana, einige Reiher, kleine Gruppen von Whistling Ducks und in den Bäumen sitzen ab und zu einige Fisheagle. Das Wasser ist glasklar und man kann darin jede einzelne Wasserpflanze und viele kleine Fische erkennen. Wir kommen um eine Biegung und sehen dunkle Körper am Ufer. Jetzt gehen alle Köpfe hoch, wir haben eine Herde Büffel beim Trinken gestört. Die Tiere starren in unsere Richtung und versuchen, unsere Witterung aufzunehmen, aber sie rennen nicht weg. Andrew stoppt den Motor und wir treiben langsam auf die Herde zu. Immer wieder können wir das Schnauben hören, wenn sie die Luft durch die Nasenlöcher ziehen um herauszubekommen, ob wir Freund oder Feind sind. Als wir eine bestimmte Distanz unterschreiten entschließt sich die ganze Gruppe zum geordneten Rückzug. Das geschieht aber sehr entspannt und ganz ohne Hektik.


Unterwegs auf dem Selinda Spillway


Unterwegs auf dem Selinda Spillway


Putzkolonne im Einsatz


Spiegelungen

Wir tuckern gemütlich weiter auf dem Wasserlauf. Plötzlich ist es vorbei mit der Entspannung! Neben unserem Boot taucht ein schlecht gelaunter Hippobulle auf und will uns auch sofort angreifen. Andrew ist auf der Hut und gibt sofort Vollgas. Dem Bullen genügt das nicht und er verfolgt uns weiter. Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört: Ich finde es immer lustig, wenn Hippos uns verfolgen, denn dabei blasen sie das Wasser in Fontänen durch ihre Nüstern und tauchen auf und ab. Das erinnert mich sehr an Delfine, die hinter dem Boot herschwimmen. Vermutlich ändere ich meine Meinung, wenn wir mal ernsthaft von einem Hippo gerammt werden, aber bis dahin bin ich eher fasziniert als verängstigt.
Inzwischen hat der Bulle die Verfolgung aufgegeben und wir werden wieder langsamer. Keine Minute später taucht auf der anderen schon wieder ein Flusspferd auf, das sein Revier verteidigen möchte. Wieder heisst es: Gas geben und flüchten! Andrew erklärt uns, das es etwas mit dem Wasserstand zu tun hat. Um diese Zeit füllt sich nicht nur das Delta mit frischem Wasser aus Angola, auch rund um den Selinda Spillway kann man beobachten, wie der Wasserspiegel jeden Tag ein wenig höher steigt. Das gibt den Hippos Gelegenheit, in andere Gegenden zu wandern und auch unseren Guide zu überraschen.
Wir folgen den Schlangenlinien, die der Wasserlauf uns vorgibt. Ein Stück weiter am Flussufer sehen wir eine Staubwolke. Ein Elefant steht dort und pudert sich ein. Als wir – seiner Meinung nach – zu nahe kommen, dreht er sich in unsere Richtung, schüttelt den mächtigen Kopf, schnaubt und schaut uns böse an. Das ist eigentlich ein klares Zeichen, dass er seine Ruhe haben will. Wir akzeptieren seinen Wunsch und drehen wieder um. Unser kleines Problem: Wir müssen wieder an den zwei mies gelaunten Hippobullen vorbei! Also heisst es: Hinsetzen und festhalten. Und tatsächlich geht das Spiel an beiden Stellen von neuem los. Leider steht die Sonne schon sehr tief und wir haben Gegenlicht, deshalb ist es für mich sinnlos, die wütenden Hippos fotografieren zu wollen :S
Jetzt erreichen wir wieder ungefährliches Gewässer und Andrew stoppt das Boot. Wir haben einen hervorragenden Blick auf die untergehende Sonne. Die Kühlbox wird geöffnet, der Weisswein bzw. der Gin Tonic (für unseren Mitfahrer aus Irland) wird serviert und meine Frau ist komplett zufrieden. Nach vier Abenden Enthaltsamkeit können wir ENDLICH wieder einen perfekten Sundowner genießen! THAT´S AFRICA! Und diesmal benutzen wir diese Floskel nicht ironisch, sondern mit voller Überzeugung in positivem Sinne.


Zeit für den Sundowner

Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, fahren wir zum Camp zurück. Inzwischen ist es fast dunkel. Die ersten Sterne stehen schon am Himmel das Lagerfeuer lodert und wir werden von der Crew schon am Bootssteg empfangen. Wir setzen uns sofort an die Feuerstelle, die anderen Gäste sind auch schon da. Der Bushwalk bzw. der Ausritt am Nachmittag hat ihnen viel Spass gemacht. Nicht weit von uns ist der Tisch für das Dinner unter freiem Himmel aufgebaut. Es ist ein schöner Abend mit angenehmen Temperaturen, ideal um hier zu sitzen, das Essen zu genießen und mit den Guides und den Gästen zu plaudern. Ich muss sagen, es ist toll hier. Das Essen ist gut, die Gäste sind nett und unterhaltsam, die Guides sowieso. Und das alles in einer traumhaften Umgebung irgendwo in der Wildnis, wieder einmal unter einem fantstischen Sternenhimmel, was will man eigentlich mehr? Zumindest mir fällt gerade nichts ein :kiss:


Abendstimmung im Motswiri Camp

Nach dem Dinner möchte Andrew noch einen Nightdrive mit uns machen. Alle sechs Gäste sind dabei. Wir werden außerdem noch von Guide Mochete begleitet, der ist für den Handscheinwerfer zuständig. Wir fahren ungefähr eine Stunde durch den Busch, können allerdings – außer ein paar Hasen – absolut nichts entdecken. Aber egal, der Nachmittag / Abend war trotzdem super! Nach der Fahrt geht es direkt zum Zelt. Kaum liegen wir im Bett, sind wir schon eingeschlafen und wir lassen uns auch vom tausendfachen Geklicke der Painted Reedfrogs nicht dabei stören.

Montag 19.05.14

Juhuuu! Ich höre ein Francolin direkt neben unserem Zelt! Mein Lieblingssound in Afrika! Besonders um 05:30 in aller Frühe :S Ich habe es schon mal geschrieben: Eines Tages gibt es gegrilltes Francolin-und zwar von mir höchstpersönlich zubereitet. Ich bleibe noch im warmen Bett liegen bis wir den Weckruf hören. Raus aus den Federn! Im Zelt sind es 14°, das ist ok. Während der Nacht hat ein starker Wind eingesetzt, der ist auch jetzt noch aktiv. Oh je! Wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass sich die wilden Tiere bei Kälte oder Wind gerne in den dichten Busch zurückziehen. Na toll! Das will ich aber jetzt gar nicht haben! Was hilft´s, wir nehmen unsere Sachen und marschieren zum Frühstück. Obwohl wir unsere Fleece Jacken anhaben ist es uns am Feuer nicht zu warm, daran ist der Wind schuld.
Wir besprechen unsere Pläne. Ruth und ich haben heute ein sogenanntes „Private Car“ gebucht, also ein Fahrzeug nur für uns zwei. Die beiden US Amerikaner reisen am Vormittag ab, die Gäste aus Irland reiten bzw. entspannen. Mehr Leute sind ja nicht da. Guide Mochete wird mit uns rausfahren. Ich habe eigentlich kein gutes Gefühl. Das Gras in der Gegend steht sehr hoch und es weht ein relativ starker Wind – ob wir da viel zu sehen bekommen? Um es kurz zu machen: Meine Befürchtungen wurden voll und ganz bestätigt. Unsere Highlights: Drei Tsessebes, die durch den Sumpf flüchten, ein Kudu im Gebüsch, ein Lilac Brested Roller, ein Tawny Eagle (Raubadler), ein Reiher und ein Saddle-Billed Stork (Sattelstorch) und zum Schluss wenigstens zwei Kudus, die neben der Landebahn Nachlauf spielen. Immer wieder im Kreis rennen sie hintereinander her, während der Rest der Herde ihnen etwas verwundert nachschaut. War da sonst noch etwas? Jetzt muss ich schon lange nachdenken. Halt! Da waren noch zwei Meyer´s Parrots (Goldbugpapageien), die hätte ich liebend gerne aufgenommen, aber die haben sich mit mir nur ihre Zeit vertrieben. Das beliebte Spiel der Vögel geht wie folgt: Wir bleiben so lange sitzen, bis der Walter in einer für ihn annehmbaren Entfernung ist. Sobald er die Kamera nur einen Zentimeter in unsere Richtung schwenkt, fliegen wir schnell davon. Aber nicht zu weit, damit er glaubt, er hat noch eine Chance. Dann folgt er uns und das Spiel beginnt von vorne. Das machen wir so lange, bis er keine Lust mehr hat. Dann zwitschern wir noch mal höhnisch und sind für immer verschwunden :evil:


Auto oder Boot - das ist hier die Frage ...


Wo sind die Tiere?


Highlight des Tages: Unser Maskottchen Oli besiegt ein Hippo!

Was ich noch sagen wollte: Es war absolut NICHT die Schuld von Mochete. Der hat sein Bestes getan. Aber die Safarigötter waren gegen uns. Ein „Private Car“ hätten wir also nicht gebraucht. Ich muss ihn auf der Rückfahrt zum Camp wieder aufzumuntern, denn er leidet unter dem ruhigen Vormittag fast mehr als ich. Die restliche Zeit ist schnell beschrieben. 11:00 Rückkehr, 11:30 Brunch, dann Siesta. Draussen heult der Wind und rüttelt an den Zeltplanen.
Gegen 15:30 sind wir wieder bereit zur Pirsch. Allerdings verzichten wir auf den zweiten Teil der Ausfahrt, wir wollen es lieber noch mal mit dem Boot versuchen. Wer weiß, ob es im dichten Busch einen schönen Platz für einen Sundowner gibt und meine Frau muss da einiges aufholen :whistle:
Also starten wir um 16:00 zur Bootsfahrt. Genau wie am Vortag sind wir wieder zu dritt plus Andrew. Heute nehmen wir die andere Richtung, also nicht mehr an den Hippos vorbei. Schade! Diesmal wäre ich – rein fototechnisch – vorbereitet gewesen. Wir tuckern gemütliche dahin. Irgendwann stoppen wir, um einen „jugendlichen“ Baobab zu besuchen. Hier ist es ziemlich sumpfig, deshalb holen wir uns beim Sprung vom Bug ans Ufer nasse Schuhe. Aber was soll´s, wir sind ja im Busch, da kann sowas vorkommen. Andrew erklärt uns einige Pflanzen und Früchte. Vor uns steht ein alter Baum. Durch ein großes Loch im Stamm kann man bis auf die andere Seite schauen. Trotzdem sieht der Baum überhaupt nicht krank aus. Der kleine Baobab, zu dem wir laufen, ist vielleicht 80 oder 100 Jahre alt, also eigentlich noch im Jugendalter. Baobabs gehören zu den Malvengewächsen und können im Stamm Wasser speichern. Diese Eigenschaft macht sie bei Elefanten – besonders bei Wassermangel – sehr beliebt. Allerdings ist diese Liebe eher einseitig, denn für Baobabs ist die Zerstörung der Rinde oft tödlich. Wir konnten auch schon das Fruchtfleisch probieren. Es schmeckt ziemlich säuerlich, aber irgendwie sehr interessant.


Selinda Spillway


Selinda Spillway


Interessanter Durchblick

Allzu weit können wir uns allerdings nicht vom Boot entfernen, denn der Busch wird dichter und Andrew hat keine Waffe dabei. Er erklärt uns, dass er es vermeiden will, mit uns im Schlepptau vielleicht einem schlecht gelaunten Büffel zu begegnen. Gerade wenn man auf einen Einzelgänger trifft, ist dann schnell „Schluss mit lustig“. Also kehren wir wieder um und besteigen unser Boot. Auch heute befindet sich keine einzige Wolke am Himmel, der Sonnenuntergang wird perfekt. Und während wir noch unseren Sundowner geniessen können wir die Venus am Himmel entdecken. Nicht lange danach glitzern immer mehr Sterne auf der schwarzen Himmelsleinwand.
Zurück im Camp setzen wir uns ans Feuer. Ein Tour Operator ist inzwischen eingetroffen. Sie kommt aus England und verbringt den letzten Tag vor der Rückreise in Motswiri. Das macht sie sehr traurig, den wie die meisten das kennen: Zwei, drei oder vier Wochen gehen rasend schnell vorbei und man kann gar nicht glauben, dass man sich bald wieder im grauen Alltag zurecht finden muss. Bei gutem Essen und netten Gesprächen neigt sich auch dieser Abend bald dem Ende zu. Für uns wird es Zeit, das Zelt aufzusuchen und noch einmal das bequeme Bett zu testen. Das tun wir auch ausgiebig. Kein Hippo, kein Eli und keine Frösche wollen uns in dieser Nacht daran hindern.

Dienstag 20.05.14

Heute früh können wir tatsächlich bis zum Weckruf um 06:00 ungestört liegen bleiben. Was ist los da draussen? Wurde das Francolin vom Serval geholt? So richtig traurig bin ich nicht bei diesem Gedanken. Heute wollen wir mit Andrew einen Bushwalk machen. Ein bisschen Bewegung vor dem Flug kann uns nur gut tun. Begleitet werden wir außerdem noch von Guide Mochete. Nach dem Frühstück geht es erst einmal mit dem Boot hinaus.
Nach circa 20 Minuten Fahrt lenkt Andrew das Boot durch den Schilfgürtel ans Ufer. Wir steigen alle aus. Andrew checkt sein Gewehr, dann nehmen wir die Positionen ein. Wie sich das gehört, laufen wir hintereinander. An der Spitze läuft Andrew mit dem Gewehr, dann folgen Ruth, ich und der Gast aus Irland, zuletzt kommt Mochete. Natürlich werden wir mit der Verhaltensregeln vertraut gemacht. Immer schön hintereinander laufen. Keine großen Lücken lassen und bitte nur mit gedämpfter Stimme sprechen. Wie bereits erwähnt ist der Busch nach der ausgiebigen Regenzeit ziemlich dicht, das macht die Aufgabe für unsere Guides nicht unbedingt leicht. Trotzdem bin ich immer für einen Bushwalk zu haben, egal unter welchen Umständen. Solange ich den Fähigkeiten meiner Guides vertrauen kann, fühle ich mich wohl und wir haben gestern während unserer Gespräche mit Mochete mitbekommen, dass er hier in der Nähe aufgewachsen ist und eine Menge Erfahrung mit wilden Tieren hat. Das gleiche gilt natürlich für Andrew. Er kommt aus Südafrika und war dort auch als Guide tätig. Langsam bewegen wir uns vorwärts, dabei sind wir immer bemüht, keinen unnötigen Lärm durch knackende Zweige oder ähnliche Dinge zu machen. Wir laufen durch ein Wäldchen und erreichen eine Lichtung. Sofort schallen die Warnrufe der Paviane von den Bäumen zu uns herüber. Haben sie uns schon entdeckt? Oder streift ein Leopard – der Todfeind der Paviane – durchs Revier. Dann jedoch wird das Geschrei immer lauter und wir können beobachten, wie zwei ausgewachsene Männchen durch die Äste toben und sich mit Zweigen bewerfen. Vermutlich wird hier gerade ein Machtkampf um die Führungsposition ausgetragen. Wir nähern uns den Affen. Jetzt haben sie uns gesehen und ziehen sich ohne Hektik auf weiter entfernte Bäume zurück. Andrew und Mochete erklären uns die verschiedenen Hinterlassenschaften der Tiere, die in den letzten Tagen die Lichtung besucht haben. Wir können sehen, dass es sich hier um einen beliebten Treffpunkt für eine Menge verschiedener Buschbewohner handelt. Dann erreichen wir offenes Gelände. Hier am Waldrand wäre jetzt der ideale Ort, um Tiere in der Ebene zu beobachten, aber leider rührt sich nichts. Der Wind ist wohl immer noch zu stark und hält die Tiere im dichten Busch zurück.


Bushwalk in Motswiri

Wir wandern am linken Rand der Ebene weiter, dann hören wir ein leises Zischen. Es ist Mochete, er deutet in Richtung dichter Büsche. Wir stoppen sofort, dann laufen wir vorsichtig in die angegebene Richtung. Jetzt können wir den Elefanten sehen, der ein Stück weit entfernt die Büsche entlaubt. Andrew berät sich kurz mit Mochete, dann entscheiden sie, dass eine weitere Annäherung zu gefährlich wäre. Der Wind ist noch relativ stark und dreht unvorhersehbar in verschiedene Richtungen. Deshalb ist es unmöglich, sich verlässlich gegen den Wind anzuschleichen.
Weiter geht es durch relativ dichtes Buschwerk. Das sind die Situationen, in denen die Sinne unserer Guides aufs Äusserste geschärft sein müssen. Im Busch können schliesslich alle möglichen gefährlichen Tiere versteckt sein und die wollen wir jetzt nicht unbedingt aufschrecken und zu einem eventuellen Angriff reizen. Es langt schon ein plötzlich auffliegendes Francolin, um einen kurzen Adrenalinstoss bei Andrew und Mochete auszulösen.
Der Busch öffnet sich, wieder. Auf einer Wiese liegt ein umgestürzter Baum. Dort rasten wir, denn man hat einen guten Ausblick in alle Richtungen. Ein Stück weiter bewegt sich etwas! Das „Etwas“ kommt schnell näher. Es ist die Reitertruppe. Vorne ein Guide, dann zwei Reiterinnen und zum Abschluss noch ein Guide. Sie galoppieren zu unserem Rastplatz und wir halten ein kurzes Schwätzchen. Fünf Minuten später sind sie schon wieder verschwunden. Wir laufen weiter Richtung Boot. Auf der linken Seite befindet sich Sumpfgras. Vor uns ist eine Mulde im Boden. Ein kleiner Wasserlauf kommt aus dem Sumpfgras und füllt die Mulde langsam mit Wasser auf. Andrew kniet sich nieder. „Schaut nur, das ist das Wasser aus Angola. Wenn wir in ein paar Tagen wieder hier vorbeikommen ist die gesamte Fläche garantiert nass.“ Wir sind Zeuge des beständigen Wechsels im Okavango Delta und im Linyanti Gebiet. Eigentlich würde nach der Regenzeit, die etwa im März / April endet, der Boden immer weiter austrocknen. Da es aber Wassernachschub aus dem Norden gibt, verwandelt sich die gesamte Landschaft in einen Sumpf. Das macht die Gegend für Grasfresser attraktiv, denn dann finden sie trotz Trockenzeit immer noch ausreichend Nahrung. Und wo die Grasfresser weiden sind die Raubtiere nicht weit.


Netter Rastplatz im Busch

Soweit ist es aber noch nicht, deshalb beschliessen wir, nicht auf die Raubtiere zu warten. Bald darauf erreichen wir die Uferzone, in der unser Boot liegt. Kaum haben wir das Buschland verlassen, frischt der Wind wieder auf. Ich hoffe, dass sich die Sache bis zu unserem Abflug bessert. In langsamer Fahrt geht es zurück zum Camp. Dort angekommen machen wir uns für die Abreise fertig. Wir müssen Motswiri erst kurz vor Ankunft unseres Flugzeugs verlassen, denn der Airstrip befindet sich ja in unmittelbarer Nähe.
Um 10:45 wird es Zeit für uns. Es folgt die Verabschiedung von der Staff. Ruth und ich sind uns einig. Wir haben uns hier sehr, sehr wohl gefühlt und hätten nichts dagegen, irgendwann noch einmal hierher zu kommen. Aber was hilft´s! Den Reisenden zieht es immer weiter zu neuen Ufern. Ausserdem sind wir schon ziemlich gespannt auf unsere nächste Unterkunft, die Carina für uns ausgesucht hat, denn das ist ein Luxuscamp. Andrew fährt uns zum Airstrip. Für ihn ist es ein besonderer Tag, denn seine südafrikanische Frau und sein kleiner Sohn besuchen ihn im Camp. Als wir die Landebahn erreichen stellen wir fest, dass sie durch eine Herde Impalas blockiert wird. Das ist ja fast wie im letzten Jahr mit den Wildhunden. Da fährt man durch die Gegend und sieht fast nichts und dann versammelt sich die Tierwelt direkt am Airstrip! Während wir uns normalerweise ruhig verhalten wenn wilde Tiere in der Nähe sind klatschen wir jetzt in die Hände und rufen. Die Impalas schauen uns verwundert an, dann rennen sie über die Bahn und verschwinden im Busch.
Kurz darauf hören wir das monotone Brummen eines Flugzeugmotors, dann erkennen wir das Buschtaxi am Himmel. Nach der Landung rollt es in unsere Nähe. Andrew steigt aus und geht zur Cessna. Dann kann er seine Frau und seinen Sohn in den Arm nehmen. Man sieht es deutlich, die junge Familie ist sehr froh, wieder zusammen zu sein. Wir begrüßen Andrews sehr sympathische Frau und Ruth darf noch schnell den kleinen Sohn knuddeln, dann wird es wieder laut, denn eine zweite Maschine landet. Zu unserem Bedauern ist die etwas größer als wir es gewohnt sind. Ein Copilot springt aus der Maschine und holt eine Absperrung, die am Rand steht, denn der Motor wird nicht ausgemacht. Unser Gepäck wird verstaut, wir sagen Adrew „Bye,bye“ und klettern ins Flugzeug. Wir zählen 10 Sitze, die meisten sind besetzt.
Die Absperrung wird beiseite geschoben und schon drehen wir uns Richtung Startbahn. Zehn Sekunden später rumpeln wir die Piste entlang und steigen hoch. Ein letzter Blick auf das Camp, dann fliegen wir über buschiges Gelände Richtung Norden. Inzwischen haben wir uns den anderen Passagieren vorgestellt, alle Fluggäste kommen aus den USA und fliegen mit uns zum Selinda Airstrip. Irgendwie war mir das schon klar, dass Selinda fest in amerikanischer Hand sein wird, denn die hohen Übernachtungspreise (in US Dollar) können am ehesten die Gäste aus Übersee zahlen. Wir beobachten die anderen Passagiere und stellen schnell fest, dass zumindest die Damen für unseren Geschmack zu sehr mit Schmuck behängt sind. Aber es hilft jetzt nichts mehr. Mit gegangen, mit gefangen! Nach etwa 30 Minuten sind wir am Ziel. Unter uns liegt der Selinda Airstrip.

…wird fortgesetzt…
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Letzte Änderung: 29 Jun 2014 09:27 von leofant.
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02 Jul 2014 08:06 #343227
  • leofant
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  • leofant am 22 Jun 2014 18:42
  • leofants Avatar
Hi Lil, na da wird Ruth sich aber freuen, geteiltes Leid ist schliesslich halbes Leid :)
Und noch einmal DANKE an alle DANKE-Sager !!!

Weiter geht es mit

Teil 4 - Selinda

Dienstag 20.05.14 - Mittagszeit

Ich schaue hinunter und sehe ein anders Flugzeug, das gerade zum Haltepunkt rollt. Dann verringern wir schnell unsere Höhe und kurz darauf setzen wir sanft auf der Piste auf. Eine Minute später wird der Motor ausgeschaltet und wir können die Maschine verlassen. Zwei Fahrzeuge stehen zum Transport bereit, eins für die Gäste und eins für das Gepäck. Mit uns fahren vier weitere Gäste, das Ziel der anderen ist das Zarafa Camp. Vor uns erstreckt sich eine weite Ebene. Sie ist mit goldgelben Gräsern bewachsen, hier und da stehen hochstämmige Palmen, knorrige Bäume oder ein paar Büsche. Um exakt 12:00 erreichen wir nach etwa 15 Minuten Fahrt eine Anlegestelle. Von hier aus geht es mit dem Boot weiter. Eine Viertelstunde später legen wir beim Selinda Camp an.




Selinda Camp


Selinda Camp


Selinda Camp


Selinda Camp


Selinda Camp

Mel, die Managerin und Lizzy, ihre Assistentin begrüßen uns am Bootssteg. Das Gepäck wird von fleissigen Helfern weggetragen, während wir uns zunächst einmal in der Nähe des Pools hinsetzen. Sofort werden wir mit einem Erfrischungsgetränkt versorgt und die Managerin gibt uns die nötigen Informationen zum Camp. Interessant finde ich, dass Mel unsere amerikanischen Mitreisenden anschaut und erklärt, in den Zelten würde es keine Air-Condition geben. Man wäre halt in der afrikanischen Wildnis zu Gast und ein klimatisiertes Zelt würde dazu nicht passen. Scheinbar wurde dieser Umstand in der Vergangenheit von Gästen reklamiert, sonst hätte Mel ja nicht ausdrücklich darauf hingewiesen. Ich wiederum finde, der Verzicht auf Air-Condition war eine weise Entscheidung der Erbauer! Ab und zu kann sich selbst in Luxuscamps der Mensch ruhig mal an die Natur anpassen und nicht umgekehrt. Mel schaut uns jetzt alle eindringlich an während sie darum bittet, dass keiner nach Anbruch der Dunkelheit bzw. vor Tagesanbruch unbegleitet durch das Camp wandert. Es sind viele Hippos und Elefanten unterwegs und das Camp wäre schliesslich nicht eingezäunt. Gerade heute Morgen wäre ein Elefantenbulle beim Frühstück an der Feuerstelle aufgetaucht und man konnte ihn nur mit Mühe davon abzubringen, sich seinen Teil zu holen. Wie wir schon am gleichen Abend erfahren sollten, sind diese Ansprachen bei manchen Gästen völlig sinnlos. Sie hören einfach nicht zu oder glauben, solche Warnungen gelten nur für die anderen. Sie selbst wären ja schon seit 10 Tagen im Busch unterwegs und könnten deshalb das Verhalten der wilden Tiere gut abschätzen.
Nach der Einweisung werden wir zu unserem Zelt gebracht. Es steht auf Stelzen und von der Veranda aus hat man einen tollen Ausblick über das riesige Sumpfgebiet. Der Eingang besteht aus hölzernen Schiebetüren die mit Moskitonetzen bespannt sind. Der Innenraum ist grosszügig bemessen, im vorderen Teil dominiert das Doppelbett. Der Boden ist mit dunklem, poliertem Holz ausgelegt, auch die anderen Möbeln inklusive Waschbereich sind aus dunklem Holz. Ein witziges Detail: Für die Abflüsse der beiden Waschbecken gibt es Verschlüsse (Stopfen) aus Metall. In die sind eine Eidechse bzw. zwei Cheetahs eingearbeitet. Der Sanitärbereich mit Dusche, Badewanne und Toilette ist nicht gerade klein. Vom Bademantel bis zu den Badeschlappen ist alles vorhanden.


Selinda Camp


Selinda Camp


Selinda Camp


Selinda Camp
Wir tauschen unsere dicken Schuhe gegen Sandalen, dann wird es Zeit für das Lunch. Auch die anderen Mitreisenden sind da und wir sitzen am gleichen Tisch. Sie sind zwar nett, aber es ist doch irgendwie eine andere Welt. Ich halte mich bei den Gesprächen über amerikanische und deutsche Politik sehr zurück, denn das ist hier in Afrika so gar nicht mein Ding. Ich unterhalte mich zehnmal lieber über Tiersichtungen und kleine Abenteuer, die man auf der Pirsch so erlebt. Deshalb bin ich gar nicht traurig als Mel uns mitteilt, wir wären heute Nachmittag beim Gamedrive mit einem Paar aus Australien unterwegs.
Nach dem Lunch inspiziere ich noch kurz die Anlage. Die Lobby und die Dining Area sind weitläufig. Der „Entspannungs-Bereich“ rund um den Pool macht einen sehr guten Eindruck. Es gibt eine Bücherei und nebenan einen Weinkeller. Hier kann man ganz ungestört die Weinflaschen in die Hand nehmen und sich seinen Favoriten für das Lunch oder das Dinner aussuchen. Auch Champagner gehört zum Angebot. Über diesen Räumen befindet sich noch eine Boutique. Viele der angebotenen Dinge sind wirklich schön, schaut man auf die Preisschilder dann merkt man sofort, dass man sich nicht gerade in einem Schnäppchenmarkt befindet. Bei diesen Summen ist ab und zu Schnappatmung angesagt! Vor dem Weinkeller / der Bücherei und direkt neben dem Essbereich befindet sich die Feuerstelle. Hier kann man auch gut zur Mittagszeit sitzen, denn es gibt genug schattige Bäume.
Während wir essen wird uns noch eine Mitarbeiterin vorgestellt, die gerne Termine für eine Massage entgegennimmt. Selbstverständlich kommt sie mit mobiler Liege zur Unterkunft. Massiert wird auf der Veranda, so hat man als Gast einen schönen Ausblick über die Landschaft und hört die Rufe der Fisheagle während man behandelt wird. Wenn man einen Wunsch hat oder irgendwie Hilfe benötigt ist immer jemand von der Staff in der Nähe, der sich um einen kümmert. Diese Erfahrung haben wir übrigens während unseres kompletten Aufenthaltes gemacht.
Das Lunch ist beendet und wir laufen wir zurück zum Zelt. Die einzelnen Unterkünfte stehen am Rand eines Sumpfgebietes bzw. einer Lagune. Sie sind so weit auseinander, dass man sich vom Nachbarn absolut nicht gestört fühlt. Während wir duschen bemerke ich, dass die Wassertemperatur tatsächlich immer gleich bleibt; das ist – zumindest in Zeltcamps – nicht immer selbstverständlich. Im Zelt selbst ist es nicht zu heiss, das liegt wohl an den vielen Öffnungen. Hier kann die Luft hindurchströmen und so für angenehme Belüftung sorgen.

Es bleibt noch etwas Zeit um zu entspannen, dann bereiten wir uns auf den Gamedrive am Nachmittag vor. Pünktlich um 15:30 sind wir am Pool auf einen Tee / Kaffee / Saft und probieren die kleinen Köstlichkeiten, die uns hier angeboten werden. Es ist alles dabei, manches ist süss, manches ist herzhaft. Jetzt treffen wir auch unseren Guide bzw. unsere Mitfahrer aus Australien. Guide Mopane macht auf Anhieb einen sympathischen Eindruck. Bei der Unterhaltung stellt sich heraus, dass er vorher in Kwando Camps tätig war. Schon haben wir wieder ein längeres Gesprächsthema: Wo wart ihr vorher? Mit welchen Guides wart ihr unterwegs? Kennt ihr diesen oder jenen? Ich hatte es bereits geschrieben, der „Botswana-Kosmos“ ist gar nicht so gross und man trifft immer wieder auf Bekannte, oder auf Bekannte von Bekannten :) Auch das Paar aus Australien erweist sich als sehr angenehm. Brad hat diesen trockenen (manchmal sarkastischen) englischen Humor den ich so schätze und seine Frau Marilyn kommt sofort sehr gut mit Ruth zurecht. Völlig entspannt laufen wir zum Fahrzeug und starten unsere Pirsch. Hier in Selinda gibt es übrigens nur einen Fahrer und keinen Tracker, Mopane muss also immer die Augen nach frischen Spuren offen halten.
Der Toyota setzt sich in Bewegung und wir fahren am Rand des Sumpfes entlang. Auch hier in Selinda setzt man komplett offene Fahrzeuge ein, das kommt mir natürlich sehr gelegen. Allerdings mag das für den einen oder anderen nicht sehr komfortabel sein, denn um die Mittagszeit brennt die Sonne erbarmungslos auf die Insassen hinunter, da wünscht man sich manchmal halt doch ein Sonnendach. Die Landschaft ist lange nicht so eintönig, wie man es vielleicht erwarten würde, aber das gleiche gilt ja auch für das Okavango Delta. Kleine Wasserläufe, die man durchqueren muss, Fahrten am Rand einer Lagune, dann wieder trockene, grasbewachsene Ebenen, gespickt mit Palmen, Bäumen und Buschwerk. Als zusätzliche Deko ragen hier und da Termitenbauten hervor. Der Boden selbst besteht überwiegend aus weissem Sand. Die Tierwelt heute Nachmittag ist eher überschaubar, aber das macht uns nicht wirklich viel aus. Am Rand einer Lagune fischt ein Open Billed Stork (Klaffschnabel) die Schnecken aus dem Wasser, in den Bäumen nebenan werden wir kritisch von einer Paviantruppe beäugt, ein Stück weiter in einem Wäldchen stehen aufmerksame Impalas und werden von der goldenen Sonne angeleuchtet, in einem anderen Baum sitzt ein Grey Lorie (Go-away-bird) im goldenen Licht.
Apropos goldenes Licht: Da war doch was. Richtig! Die Sonne nähert sich dem Horizont und Mopane hält an einer freien Stelle mit viel Ausblick nach allen Seiten. Es ist jetzt 17:45, schnell baut unser Guide den Klapptisch auf, Wein und Knabberzeug werden serviert. Wir unterhalten uns ein wenig, dann lauschen wir alle gemeinsam der Buschmusik und bewundern das Farbenspiel am Himmel, denn auch die Australier sind sehr naturverbunden und wollen sich jetzt nicht über Politik unterhalten ;) Ich schaue zu Ruth, der Gesichtsausdruck meiner Frau verrät absolute Zufriedenheit. DAS ist mal wieder ein Sundowner nach ihrem Geschmack.


Typische Landschaft im Selinda Gebiet


Abendstimmung

Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, Brad und ich packen den Klapptisch ein, während Mopane alles in der Kühlbox verstaut. Dann fahren wir weiter Richtung Camp. Auf dem Rückweg gibt es nichts zu sehen, deshalb halten wir auch nicht mehr an. Die anderen Gäste sind noch unterwegs im Busch, Brad und Marylin sind noch einmal zum Zelt gegangen, deshalb sitzen Ruth und ich alleine am Feuer. Kurz darauf kommt Mel und setzt sich zu uns. Trotz aller Professionalität, die sie sonst an den Tag legt merkt man ihr an, dass sie „unter Strom steht“. Den Grund erfahren wir schnell. Ihr Mann ist Tour-Guide und er ist heute früh aus Tanzania zurückgekommen. Die letzten Tage hat er in Dar el Salaam verbracht und dort geht das Dengue Fieber um. Seitdem er zurück ist, geht es ihm immer schlechter. Mel ist sich nicht sicher, ob es Malaria oder doch Dengue Fieber ist. Die Blutprobe wird noch in Maun ausgewertet und solange der Erreger nicht bekannt ist kann man keine wirkungsvollen Gegenmassnahmen starten. Dann erscheint ihr Mann kurz am Feuer und selbst wir als Laien können erkennen, dass es ihm absolut nicht gut geht. Wir können Mels Besorgnis gut verstehen.
Inzwischen sind die anderen Gäste eingetroffen und Mel muss wieder auf den „Ich bin immer freundlich und immer gut gelaunt und immer für euch da“-Modus umschalten, das ist in so einer Situation garantiert nicht einfach. Wie wir schon vermutet hatten, ist das Selinda Camp fest in amerikanischer Hand. Nur die zwei Australier und wir beide kommen nicht aus Nordamerika. Mir sind das gerade zuviel Leute auf einmal, da werde ich etwas schüchtern. Zum Glück habe ich einen idealen Platz. Rechts neben mir sitzt unser Guide Mopane, links sitzt Ruth, ich muss mich also nur mit Leuten unterhalten, die ich auch wirklich mag.

Um 20:00 werden wir zum Dinner gerufen. Mopane ist anderweitig beschäftigt, aber zum Glück setzt sich Marylin neben mich. Ein Stück weiter sitzt eine US Lady aus den Südstaaten. Man kann immer wieder das Klimpern ihres Goldschmucks hören. Sie ist alleine mit einem privaten Guide unterwegs. Der begleitet sie scheinbar auf der kompletten Botswana Tour. Diese Lady ist ganz schön laut und sie redet und redet und redet auf Marilyn ein. Ich bin heilfroh, dass ich mich nicht mit dieser Dauerrednerin beschäftigen muss, sondern meine Tischnachbarin Marilyn. Die Arme tut mir jetzt wirklich leid. Ich flüstere ihr ins Ohr wie dankbar ich für ihre Gesellschaft bin, da lächelt sie mich nur mit einem gequälten Gesichtsausdruck an. Ihr Mann Brad hört sich das eine Weile an, dann kommt sein Kommentar zur Südstaaten-Lady: „She can talk with an apple in her mouth“, oder: „I´m sure she also can talk under water!“ Hmmm… ich glaube er sieht das völlig richtig :laugh: :laugh: :laugh:
Gegen 21:30 haben wir das Dinner beendet. Während sich ein Teil der Gäste wieder an die Feuerstelle setzt lassen wir uns von Mopane zum Zelt bringen. Unterwegs kommen uns zwei amerikanische Gäste entgegen. Mopane ist total überrascht. „Habt ihr keine Begleitung? Wo ist denn euer Guide?“. Die Antwort kommt prompt: „Das ist nicht nötig, wir haben doch eine Taschenlampe.“ Ruth und ich müssen lachen. Wir schauen Mopane an und schütteln den Kopf. Wir können am Verhalten unseres Guides erkennen, dass ihm so etwas nicht zum ersten Mal passiert. Dann haben wir unsere Unterkunft erreicht. Wir wünschen ihm eine gute Nacht und schöne Träume, das findet er natürlich gut und er muss darüber lachen. Er wartet noch bis wir im Zelt sind, dann wünscht er uns ebenfalls eine gute Nacht und kehrt zu den anderen Gästen zurück.
Ruth und ich machen uns bettfertig, dann lauschen wir den Stimmen der Natur. Vor unserer Veranda hören wir ein grosses, schweres Tier durch den Sumpf waten. Kurz darauf ertönt dieses spezielle Geräusch, wenn ein Tier Gras ausrupft. Also kann das da unten nur ein Hippo sein. Begleitet von dieser „Musik“ schlafen wir bald ein

Mittwoch 21.05.14

Nach einer etwas unruhigen Nacht – immer wieder plätschern die Hippos durch das Wasser – sind wir kurz vor dem Weckruf wach. Bei 15° Temperatur können wir die Dinge etwas langsamer angehen lassen wie die Tage zuvor :whistle:
10 Minuten vor der vereinbarten Abholzeit sind wir schon fertig, deshalb sitzen wir noch einen Moment auf unserer Aussichtsterrasse und beobachten den Himmel kurz vor Sonnenaufgang. Die zarten Orange-, Rosa- und Rottöne faszinieren uns jeden Tag aufs Neue. Kurz darauf holt uns Mopane ab. Auch während des Frühstücks bin ich immer wieder von der Farborgie am Horizont abgelenkt. Dann ist es 06:30, Zeit für die Pirsch.


Morgendämmerung im Selinda Camp


Auf geht´s zu neuen Abenteuern

Der Morgen beginnt recht verhalten. Da ein paar Impalas, dort zwei Roan (Pferdeantilopen), die mit aufmerksamen Blicken durchs hohe Gras wandern. Ein Raubadler – scheinbar noch müde – im Baum und ein paar Gelbschnabeltokos, die links und rechts des Weges sitzen. Etwa hundert Meter entfernt befindet sich ein gewaltiger Termitenhügel. „Hier sind die Hyänen zuhause“ sagt Mopane. Wir schauen angestrengt, sehen aber rein gar nichts. „Sie haben gerade Junge bekommen. Deshalb möchte ich nicht näher heranfahren, um sie nicht zu verscheuchen.“ Also warten wir einige Zeit, aber nichts tut sich. Wir beschließen, weiter zu fahren. Mopane hat noch eine andere Idee. „Wir suchen jetzt die Wildhunde“. Ruth verdreht die Augen. Ich interpretiere ihren Blick so: „Oh ja, toll! Lasst uns doch mal wieder ein Phantom jagen, zumindest bis es Mittag ist und wir alle Hunger haben!“
Mopane wundert sich wohl etwas über unsere Zurückhaltung, denn auch Brad und Marilyn schreien nicht vor Begeisterung. Auf der anderen Seite weiss ich, dass im Selinda Gebiet immerhin 3 Rudel zuhause sind. Irgendwo müssen sie sich ja herumtreiben. Ein Kommentar von Mopane macht mich hellhörig. „Eine Alphahündin hat gerade Junge bekommen, da fahren wir jetzt mal hin“. Mir ist klar, dass wir die Kleinen nicht sehen werden, denn die werden in den ersten Wochen sorgsam versteckt, aber zumindest ist die Chance groß, dass die anderen sich nahe an der Höhle aufhalten. Und wenn man weiss wo die Höhle ist, dann ist das schon die halbe Miete.

Nach ungefähr 15 Minuten verlassen wir die Piste und fahren querfeldein. Auf der einen Seite haben wir buschiges Gelände, auf der anderen Seite hohes, goldgelbes Gras. Mopane fährt hin und her, dann können wir eine Bewegung unter einigen Büschen ausmachen. Wir nähern uns der Stelle und tatsächlich! Wir haben die Wildhunde gefunden! Diesmal dösen sie nicht. Sie halten sich zwar im Schatten auf, beobachten aber aufmerksam die Gegend. Es sieht aus, als würden sie auf etwas warten. Von uns lassen sie sich jedenfalls nicht im Geringsten stören. Wir sind ziemlich nahe, deshalb ist es mir möglich ein paar nette Portraitaufnahmen zu machen. Dabei fällt mir auf, dass die Köpfe von zwei Wildhunden noch ziemlich blutverschmiert sind. Das letzte Frühstück kann also noch nicht allzu lange her sein. Plötzlich werden die Hunde unruhig und starren alle in eine Richtung. Kurze Zeit später sehen wir den Grund der Unruhe. Eine weitere Hündin erscheint auf der Bildfläche. „Das ist das Muttertier“ sagt Mopane. „Ich nehme an die Höhle ist nicht weit weg“. Die Rudelmitglieder begrüssen sich ausgiebig. Dann legen sie sich hin, stehen aber wieder auf, beschnuppern einander aufs Neue und beobachten die Gegend sehr genau. Entspannt sind sie jedenfalls nicht.


Kritischer Beobachter


Blutiges Frühstück ?


Herzliche Begrüssung


Wann kommt die Chefin?


Ein Prachtkerl

Während die Wilddogs im Schatten der Büsche sozusagen vor „unseren Füssen liegen“ haben wir in unserem Fahrzeug eine gute Aussicht. Deshalb können wir das Warzenschwein sehen, das sich arglos aus der Richtung des hohen Grases nähert. Na? Bekomme ich jetzt doch noch eine Jagd geboten? Das wäre zwar kein Kudu, aber immerhin… Ich verwerfe meine Träume, denn in dem hohen Gras hätte ich sowieso keine Chance auf eindrucksvolle Bilder. Einer der Wildhunde steht auf und reckt den Hals, hat er das Warzenschwein gehört oder gerochen? Er ist nur für wenige Sekunden interessiert, dann legt er sich wieder hin. Das Warzenschwein scheint einen siebten Sinn zu haben, denn es ändert jetzt seine Richtung und entfernt sich vom Rudel. Glück gehabt, Warzenschwein. Ich bin mir nicht sicher ob die Hunde dieser Verlockung widerstanden hätten!
Ungefähr 20 Minuten später wird die Alpha-Hündin aktiv. Sie steht auf und läuft in die Richtung, aus der sie vor einiger Zeit auch gekommen ist. Wir folgen ihr. Gar nicht weit entfernt stoppt sie bei einem flachen, verlassenen Termitenbau, der im hohen Gras nur sehr schwer auszumachen ist. Wir können einen Höhleneingang sehen. Mopane hat also Recht gehabt, die Jungen sind tatsächlich nicht weit weg vom Rudel. Ach, wäre das jetzt schön, wenn die Mutter ihre Jungen für ein paar Minuten ans Tageslicht holen würde! Sie schaut uns zwar manchmal an, aber es gelingt mir nicht sie zu hypnotisieren :evil:

Wir möchten nicht zu lange stören, deshalb startet Mopane den Motor und wir drehen um. Jetzt, wo er die genaue Lage der Höhle kennt werden andere Gäste in naher Zukunft davon profitieren und aller Wahrscheinlichkeit nach kleine süsse Wildhundbabies beobachten können. Natürlich hilft mir das nicht wirklich weiter, aber ich tröste mich mit unserer Leopardensichtung im Lebala Gebiet. Immerhin habe ich von diesen Bildern ja auch ziemlich lange geträumt, wer weiss, was in Zukunft noch fotografieren kann.
Bei den anderen Hunden ist Ruhe eingekehrt. Außerdem ist ein zweites Fahrzeug eingetroffen. Zeit für uns, weiter zu fahren, denn auch hier gilt die Regel: Die wilden Tiere sollen so wenig wie möglich gestört werden. In unserem Fall soll das Muttertier nicht das Gefühl bekommen, die grossen , lauten, nach Diesel stinkenden „Tiere“ wollten ihren Jungen vielleicht etwas Böses antun. Eine andere Regel, die streng beachtet wird: Es dürfen nie mehr als drei Fahrzeuge nahe an den Tieren sein. Wenn ich da an manche „Autoversammlungen“ an der Chobe Riverfront denke, dann ist das hier wirklich ein Paradies für wilde Tiere ;)
Wir sehen zwei Leierantilopen, eine Gruppe Hornraben, die den Boden nach Insekten und kleinen Reptilien absuchen, dann stoppen wir an einem Wasserloch zur Kaffeepause. Leider kommt kein Tier ans Wasser um seinen Durst zu stillen. Eine halbe Stunde später sind wir wieder unterwegs. Mopane findet ziemlich frische Löwenspuren, denen folgen wir so lange, bis sie sich im Busch verlieren. Als Ersatz scheuchen wir ein paar Warzenschweine auf, „schleichen“ uns an einen Little Bee-eater heran und gehen auf Tuchfühlung mit einigen Tokos. Dann ist der Vormittag schon wieder vorbei und wir erreichen gegen 11:45 das Selinda Camp.

Die folgenden Stunden werden mit Lunch, duschen, entspannen ausgefüllt. Während wir auf unserer Veranda sitzen, wird dir Ruhe durch einen tieffliegenden Helikopter gestört. Was ist das? Gibt es in der Nähe eine Anti-Poaching-Unit (Anti-Wilderer-Einheit), die sich auf Patrouille befindet? So etwas kenne ich vom Chobe. Wir können hören, dass der Helikopter in unmittelbarer Nähe des Camps landet. Wenige Minuten später startet er und fliegt davon. Für uns wird es Zeit für den Nachmittagstee bzw. die nächste Pirschfahrt. Wir haben uns entschieden, am Nachmittag nicht mit dem Boot rauszufahren, sondern noch einmal unser Glück bei den Wildhunden zu versuchen.
Als wir uns zum Tee treffen frage ich Assistentin Lizzy, was es mit dem Helikopter auf sich hatte. Sie erklärt mir, dass er zwei australische Gäste ins Camp geflogen hat. „Oh, Mann! Das ist aber ganz schön dekadent“ denke ich so für mich. Nachdem wir ein paar leckere Schnittchen probiert haben, folgen wir Brad und Marilyn zum Fahrzeug. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt erreichen wir wieder die Stelle, an der wir heute Vormittag die Wildhunde verlassen haben. Jetzt ist nur noch ein Wilddog vor Ort, die anderen sind nicht zu sehen. Dieses nette Hundchen hat eine besondere Überraschung für uns parat. Kaum haben wir in seiner Nähe gestoppt und den Motor ausgemacht, steht er auf und setzt einen Haufen ins Gras. Dabei pupst er so intensiv, dass wir quasi komplett in diese Duftwolke eingehüllt werden. Wir hatten vor ein paar Jahren mal einen Eli mit Magenproblemen direkt neben dem Zelt, aber wenn wir das mit der aktuellen Geruchsattacke vergleichen, dann war das damals ein Kinderspiel :S Ich hätte nie gedacht, dass so ein relativ kleiner Wildhund die gute afrikanische Luft auf diese Weise verschmutzen kann!
Halb benommen fahren wir weiter. Ein Impalamann versteckt sich hinter einem Termitenhügel, das ist ein nettes Bild, das ich mir nicht entgehen lasse. Ein andere Bock „kämpft“ mit einem Busch. Wir erinnern uns: Es ist Herbst im südlichen Afrika und die Antilopen sind in der Brunft. An einer Wasserstelle finden wir einige Gnus. Sie stehen eng aneinandergedrängt, so als wenn es ihnen kalt wäre und sie sich gegenseitig wärmen wollten. Das kann aber gar nicht sein, denn noch ist es angenehm warm. Ein junges Gnu versucht immer wieder bei seiner Mutter zu trinken, aber sie ist nicht wirklich in Stimmung und nach zwei kurzen Schlucken wir die Milchbar wieder geschlossen. Dann zieht die ganze Gruppe weiter.


Gehörnter Termitenbau



Uns ist kalt!


Ein Schlückchen in Ehren...

Für Brad und Marilyn ist es der letzte Abend vor der Abreise, deshalb bitten wir Mopane um einen tollen Platz für den Sundowner. Bevor wir den erreichen, kreuzt eine Löwin unseren Weg. Das wird wohl kein Stopp in dieser Gegend, denn wir wollen den Sonnenuntergang ohne Löwin genießen. Weiter geht es, die Sonne nähert sich mal wieder ziemlich schnell dem Horizont und einige Insassen des Fahrzeugs (ich will keine Namen nennen) werden unruhig. Sollte es etwa schon wieder einen verpassten Sundowner geben? Mopane lässt sich nicht beirren, er hat einen Plan, das kann man spüren. Wir umrunden ein paar Büsche, dann stoppen wir. Was soll ich sagen? Vor uns eine Wasserstelle, am Horizont eine Symphonie in rot-orange. Die Sonne versteckt sich zwar hinter ein paar Wolken, aber das Farbenspiel spiegelt sich im Wasser. Einfach toll! Ein Schwarm Vögel kreuzt unseren Standort und wird kurz rot angeleuchtet. Während wir noch schauen und schauen drückt uns Mopane die bestellten Getränke in die Hand. Wir loben ihn für diesen Platz und natürlich freut er sich über unsere Begeisterung. Well, Marilyn und Brad, ihr könnt nicht meckern an eurem letzten Abend in Afrika – oder? Der einzige Nachteil: Nach solchen Erlebnissen fällt der Abschied natürlich umso schwerer. Aber die beiden haben ja in Australien ähnliche Sonnenuntergänge, da muss man nicht so lange weinen ;)


Akzeptabler Sundowner

Gegen 19:00 sitzen wir wieder am Feuer und genießen einen guten südafrikanischen Rotwein. Die anderen Gäste sind auch schon da. Aus ihren Erzählungen kann ich entnehmen, dass wir keine weltbewegende Sichtung verpasst haben. Um 08:00 werden wir zum Dinner gerufen, heute ist keine nervige Südstaaten-Lady an unserem Tisch. Wir können uns noch einmal in Ruhe mit Marilyn und Brad unterhalten, denn morgen werden sie uns nicht mehr begleiten. Ihr Flug geht relativ zeitig und deshalb möchten sie am Vormittag noch im Camp entspannen. Kurz vor 22:00 bringt uns Mochete zum Zelt. Es dauert gar nicht lang und wir liegen im Bett und träumen von wilden Tieren und Sonnenuntergängen.

Donnerstag 22.05.14

Eine Viertelstunde vor dem Weckruf sind wir beide bereits wach. Ich stehe auf und merke sofort, dass es heute wieder etwas kühler ist. Tatsächlich! 12° Raumtemperatur zeigt das Thermometer. Egal, spätestens am Feuer wird uns schon warm werden. Am Himmel sind ein paar Schleierwolken, die sorgen dafür dass der Himmel noch etwas intensiver eingefärbt ist wie sonst. Für mich heisst das wieder: Frühstück oder Fotos? Ach, wieder einmal beneide ich meine Frau. Die kann alles richtig genießen und sich zuhause die Fotos anschauen, das ist natürlich ideal.


Lichtspiele am Morgen

Das Frühstück ist vorbei, Ruth und ich laufen mit Mopane zum Fahrzeug. Es ist ganz schön frisch heute früh. Ich denke so für mich: „Bei solchen Temperaturen sollten doch eigentlich noch ein paar Raubtiere unterwegs sein“. Kaum haben wir das Camp verlassen und fahren die Piste am Rand des Sumpfes entlang, da sehe ich eine Bewegung im hohen Schilfgras. „Stopp“ rufe ich. Mopane hält sofort an und jetzt können wir den Leoparden begutachten. Er fixiert uns einige Sekunden, dann läuft er vor uns über den Weg.


Getarnter Jäger

„Na das war doch kein schlechter Anfang“, sage ich zu Mopane. „Ich will mehr davon“. Unser Guide grinst und antwortet: „Ich tue mein Bestes“. Wir fahren weiter. Eine Viertelstunde später entdecken wir einen halbwüchsigen Löwen, dann eine ausgewachsene Löwin, die durchs Gras schleicht. Deren Körpersprache verrät: Sie ist total konzentriert! Sollten wir tatsächlich Zeuge einer Jagd werden? Mopane sagt: „Wo sind die anderen Löwen?“. Wir verlassen die Piste und umrunden einen kleinen Hügel. Vor uns liegt Grasland das mit einer Menge Büschen bewachsen ist. In der Mitte sehen wir zwei Roans (Pferdelantilopen), die sehr nervös und angespannt durchs Gras stapfen. Vermutlich haben sie die Löwen schon gewittert, wissen aber nicht, in welcher Richtung die tödliche Gefahr lauert.


Das Opfer

In Bruchteilen von Sekunden ist unser Adrenalinspiegel in die Höhe geschossen. Plötzlich hören wir ein kurzes Knurren, dann einen klagenden, langgezogenen Laut. Das ist kein Löwe, das ist ein Opfer! Mopane reisst das Steuer herum und wir holpern zurück, dann steht eine Löwin vor uns. Im Maul hat sie ein Antilopenkalb. Sie legt es kurz ab und schaut uns an. Irgendwie fühle ich mich gerade nicht sehr wohl, denn in den Augen der Katze sehe ich die totale Aggression. Sie rechnet wohl damit, dass wir ihre Beute stehlen wollen. Wieder ist ein klagender Laut zu hören. Mopane fährt sofort weiter, die Löwin vor uns packt wieder das Kalb am Hals.
Als wir den Hügel umrundet haben treffen wir auf das restliche Rudel. Fünf Halbwüchsige und eine Löwenmutter haben ein ausgewachsenes Roan unter sich begraben. Das ist aber nicht tot und zappelt noch. Jetzt packt die Löwin die Antilope am Hals, um ihr die Luftzufuhr abzuschneiden, während die anderen bereits versuchen, den Bauch aufzureissen. Das alles geschieht nur ein paar Meter entfernt von uns. Kurze Zeit später bewegt sich das Roan nicht mehr, es ist wohl erstickt. Die jüngeren Löwen kämpfen um den besten Platz und um das beste Stück Fleisch. Sie sind so im Fressrausch, dass sie sich auch gegenseitig immer wieder anknurren und sich bedrohen. Diese Faszination des Grauens zieht mich so in den Bann, dass ich den Fotoapparat nicht mehr weglegen kann. Ich erkenne beim Fotografieren dass sich einige unappetitliche Dinge ereignen, wenn ich tatsächlich eine kurze Knipspause einlege sehe ich, dass meine Frau sich manchmal wegdrehen muss, weil sie es nicht mehr aushält. So etwas haben wir auf solch kurze Distanz noch nie erlebt! Neben uns stehen inzwischen noch zwei Fahrzeuge, ich war die ganze Zeit so konzentriert, dass ich das gar nicht mitbekommen habe. Die Insassen dieser Fahrzeuge unterhalten sich relativ laut, deshalb schaut die Löwin immer wieder in die Richtung der Stimmen. Manchmal starrt sie auch uns an und dieser Blick geht mir dann durch Mark und Bein. In diesen Momenten sieht sie richtig hasserfüllt aus. Ich habe das Gefühl, sie würde uns am liebsten alle attackieren, denn wir sind sehr nah an der Beute und wir könnten ja versuchen, das Rudel zu vertreiben.


Die Täter





90 Minuten später ist nur noch der Brustkorb des Roan zu erkennen, der Rest ist so gut wie vertilgt. Das Rudel muss sehr hungrig gewesen sein. Wir suchen noch einmal nach dem toten Kalb, aber das ist komplett verschwunden. Vermutlich hat es die zweite Löwin irgendwo in einen Busch gezogen, damit das Rudel es später in Ruhe fressen kann.







Mopane erhält einen Funkspruch, man benötigt seine Hilfe; deshalb entfernen wir uns vom „Platz des Todes“. Ein zweites Fahrzeug hält dicht neben uns und wir steigen um, ohne den Boden zu berühren. Vier Personen sind bereits an Bord, unter anderem die Gäste, die mit dem Helikopter eingeflogen wurden. Na was werden denn das wohl für abgedrehte Leute sein? Unser Ersatzguide möchte noch mal bei den Wildhunden vorbei schauen. Das tun wir dann auch. Die Meute döst im Schatten einiger Büsche. Wie entspannt es doch hier zugeht! Natürlich weiss ich, dass dieser Eindruck auch nur bis zur nächsten Jagd stimmt, dann geht es auch hier wieder um Leben und Tod.
Es ist schon wieder später Vormittag, deshalb steuern wir eine Wasserstelle für die Kaffeepause an. Wir steigen aus und kommen mit den Australiern ins Gespräch. Nach einigen Minuten merke ich: Hey, die sind ja gar nicht so schlimm wie ich dachte. Peter und seine Frau Jane sind sehr humorvolle Menschen die sich auch selbst gerne „auf die Schippe“ nehmen. Peters einziges Manko: Er spricht sehr schnell und das auch noch mit einem australischen Akzent, da sind bei uns alle grauen Zellen permanent gefordert :S Auf jeden Fall haben wir eine Menge Spaß zusammen und mein Vorurteil über Menschen, die sich mit dem Heli einfliegen lassen, ist fast beseitigt.

Die Sichtungen auf der Rückfahrt zum Selinda Camp sind nicht schlecht: Ein Gnuherde mit Jungtieren, sechs Hornraben, davon ebenfalls zwei jüngere Vögel, ein etwas hektisches Straussenpaar. An einer Wasserstelle hat sich Familie Warzenschwein zum Schlammbad eingefunden, auch hier gibt es ein paar witzige Motive. Dann treffen wir auf eine Löwengruppe, alle vier Mitglieder sind allerdings eher scheu und laufen schnell davon bevor wir nahe herankommen.
Gegen 12:00 sind wir wieder im Camp. Zusammen mit den Australiern gehen wir zum Lunch. Wir haben wirklich viel Spass miteinander, das hätte ich – um ehrlich zu sein – nicht unbedingt gedacht. Leider werden wir die Pirsch am Nachmittag nicht zusammen machen können, denn Mopane wird uns zu einem anderen Camp fahren. Das wollen wir besichtigen, denn wir sind ja nicht (nur) zum Spass hier!

... wird fortgesetzt ...


Schnabelschärfmaschine ?


Bin ich nicht hübsch?


Wir haben uns lieb !


Einsamer Fischer
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und weiter geht es mit

Teil 5 - Explorer´s Camp + Zarafa Camp

Donnerstag 22.05.14 - Mittagszeit

Heute Nachmittag starten wir bereits um 15:00, denn wir wollen das Explorer´s Camp besichtigen. Lizzy legt Wert darauf, dass wir zum Kanu-Wettrennen vor Ort sind. Mopane erklärt uns, dass der Weg zum Camp durchaus ein schöner Gamedrive sein kann. Ich betrachte wehmütig das hohe Gras links und rechts der Piste und bin eher verhalten optimistisch. Und tatsächlich werde ich auch nicht wirklich positiv überrascht. Während der Hinfahrt (ca. 75 Minuten) versuche ich mal wieder einen LBR (Lilac Brested Roller) im Flug aufzunehmen. Das fotografische Ergebnis lautet: Knapp daneben ist auch vorbei! oder: Wenn das Foto jetzt auch noch scharf wäre, dann könnte man zufrieden sein!

Wir sehen einige Giraffen, zwei Elefanten, ein paar Meerkatzen, einige Gnus, Kudus und Impalas, aber insgesamt ist es eher eine gemütliche Kaffeefahrt durch ein buschiges Gelände. Um kurz nach 16:00 sind wir am Ziel. Das Camp besteht aus einem Hauptzelt in dem gegessen wird und aus vier Zelten in denen maximal acht Personen übernachten können. Nebenan gibt es noch ein Areal in dem die Küche und die Unterkünfte für die Staff untergebracht sind. Auf dem freien Platz vor dem Hauptzelt liegt eine grosse Decke mit einigen Kissen, daneben stehen Campingstühle. Ausserdem hat man zwei Tische mit Getränken aufgebaut. Auch auf die Preisverleihung nach dem Kanu-Rennen ist man schon vorbereitet. Unten am Wasserlauf liegen die Kanus. Zwischen zwei Bäumen ist eine Hängematte aufgespannt. Uns gefällt das Camp richtig gut. Die Lage ist toll, Ruth und ich haben ziemlich schnell den dringenden Wunsch, hier mal zu übernachten. Hauptsächlich macht man hier Kanutouren und Bushwalks, aber auch ein Safarifahrzeug steht bereit.


Explorer´s Camp


Explorer´s Camp


Explorer´s Camp


Explorer´s Camp

Das Camp ist ausgebucht. Vier befreundete Paare aus Südafrika haben sich hier eingemietet und wir merken ziemlich schnell, dass sie eine Menge Spass haben. Sie sitzen gerade im Hauptzelt und stärken sich für den bevorstehenden Wettkampf. Ich sollte dazu anmerken, dass dieser Wettkampf nicht sehr anstrengend ist, da steht die Gaudi ganz klar im Vordergrund. Nach einer Weile begleiten wir die Teams zum Ufer. Jedes Kanu hat ein Schild. Darauf steht: Team Elephant, Team Lion, Team Cheetah, Team Leopard. Daneben gibt es ein Kanu mit der Aufschrift „Medical Rescue“. Plötzlich kommt die gesamte Staff singend und tanzend ans Ufer. Alle halten die Namen der Teams hoch. Aha! Das sind also die Cheerleader.


Explorer´s Camp


Explorer´s Camp

Jetzt werden die Regeln erklärt, dann begeben sich die Teams in das jeweilige Kanu und paddeln den Wasserlauf entlang. Irgendwann hören wir den Startschuss. Die Staff steht gespannt am Ufer. Als sich das erste Kanu zeigt startet die Crew mit wilden Anfeuerungsrufen. Hier am Ziel ist jetzt richtig was los! Eines der Kanus kippt um und die beiden Insassen werden von der „Medical Rescue“ gerettet. Nachdem alle Teams wieder zurück sind gibt es für den Sieger noch ein Tänzchen, alle – egal ob Mitglied der Staff oder die Gäste – haben eine Menge Spass, das kann man sehen. Da die ganze Gruppe ja befreundet ist können wir auch einige sarkastische Sprüche hören. Im Anschluss gibt es noch die Preisverleihung für die drei ersten Teams. Jetzt werden Ruth und ich tätig, denn die Preisübergabe ist unser Job. Danach prosten wir uns gegenseitig zu, dann wird es für uns auch schon wieder Zeit, Abschied zu nehmen. Ich wiederhole: In diesem Camp mit sechs weiteren Freunden ein paar Tage zu verbringen, das wäre richtig, richtig toll!

Als wir abfahren ist es 17:30, die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Wir werden also keinen Sundowner haben, aber selbst Ruth kann nach diesem lustigen Nachmittag sehr gut damit leben. Ausserdem sind wir ja morgen Abend am Chobe, da wird es auf alle Fälle einen Sundowner auf dem Boot geben. Mopane hat sich mit dem Scheinwerfer bewaffnet und so geht es recht gemütlich die Piste entlang. Hinter uns leuchtet der wolkenlose Himmel in flammendem Rot, vor uns ist es bereits dunkel. Nach einer halben Stunde wird der Weg von einem Leoparden blockiert. Er dreht sich kurz um als wir um die Kurve kommen, läuft dann aber ungerührt vor uns her. Also sind wir gezwungen, ziemlich langsam zu fahren. Hmmm… ich habe da aber ein dringendes körperliches Bedürfnis. Lieber Leo, könntest du bitte mal den Weg freigeben? Zum ersten Mal in meinem Leben wünsche ich mir, dass ein Leopard verschwindet, das hätte ich auch nie für möglich gehalten. Aber es kommt halt immer auf die äusseren Umstände an :blush:
Irgendwann hat der gefleckte Räuber ein Einsehen und verschwindet im hohen Gras, wir können das Tempo wieder forcieren. 15 Minuten später erscheint das nächste Hindernis. Ein Serval (glaube ich wenigstens) taucht neben der Piste auf. Wir stoppen, um ihn zu beobachten. Ich bin hin und her gerissen zwischen meinen Gefühlen. Mein Verstand sagt: „Schau doch mal das schöne Tier“, mein Körper sagt ganz was anderes :blink:
Endlich taucht die Katze ab und es geht weiter. Am Horizont kann ich Lichter erkennen, das muss das Selinda Camp sein! Selten war ich so glücklich, von einer Pirsch zurückzukehren :woohoo:

Nachdem ich mein „Geschäft“ erledigt habe und wieder etwas entspannter bin teilt uns Lizzy mit, wir könnten noch nicht zurück zum Zelt, denn ein Eli würde den Weg blockieren? Soll ich das glauben? Dann fällt mir ein, dass ich heute früh bei ihr ein sogenanntes „Honeymoon Dinner“ bestellt habe. Für Ruth soll es eine Überraschung sein und vermutlich muss noch etwas vorbereitet werden. Ich verschwinde kurz im Weinkeller und suche noch einen Rotwein für das Dinner aus, Ruth sitzt bereits am Feuer und unterhält sich. Dann erhält Mopane das „ok-Zeichen“ und er bringt uns zum Zelt.
Wir steigen die Stufen zur Veranda hoch und sind hoch erfreut. Auf der „Hippowiese“ direkt vor unserem „Häuschen“ hat man ein Areal mit Öllampen abgesteckt. In der Mitte steht ein gedeckter Tisch. Nicht weit entfernt brennt ein Lagerfeuer. WIE ROMANTISCH! Das Dinner ist für 20:00 bestellt, wir haben noch 25 Minuten Zeit, um uns vorzubereiten. Wir betreten unser Zelt und bemerken sofort: Hier ist etwas anders. Die Badewanne ist mit einem heissen Schaumbad gefüllt. An den Rändern stehen rundherum kleine Kerzen. WIE SUPER-ROMANTISCH! Leider muss ich die romantische Stimmung unterbrechen und teile meiner Frau mit, dass wir noch zwanzig Minuten Zeit haben. Also heisst es: Ab in die Wanne und los geht´s mit dem Wohlfühlen! WIE UNROMANTISCH! Tja, so sind wir Männer halt … Wir schaffen es tatsächlich, um 20:00 an unserem Tisch zu sitzen. Ruth zündet die Öllampen auf dem Tisch an, zwei Minuten später kommt schon die Vorspeise.


Honeymoon Dinner

Der Koch / Kellner wurde dazu verdonnert, bei uns Wache zu schieben. Jetzt läuft er mit einer Taschenlampe am Schilf entlang und leuchtet in den Sumpf. Tatsächlich können wir ab und zu Schritte im Wasser hören, aber die Hippos lassen uns in Ruhe. Unser „Wächter“ schaut etwas ängstlich. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt uns, er käme aus VicFalls in Zimbabwe. Er hätte erst vor kurzem in Selinda angeheuert und es wäre für ihn das erste Mal, dass er sich mitten im Busch aufhalten würde. Jetzt bin ich erstaunt. Die Wildnis fängt doch eigentlich direkt hinter VicFalls an – wie kann jemand dort wohnen und nicht mit dem Busch und seinen Bewohnern vertraut sein? Unser Gespräch wird unterbrochen, denn die Hauptspeise wird serviert. Ruth und ich sitzen also an unserem privaten Tisch beim privaten Dinner mitten im Grünen, haben einen tollen Sternenhimmel über uns, können den Geräuschen der afrikanischen Nacht lauschen und sogar die Moskitos lassen uns fast ganz in Ruhe. Das Dinner schmeckt uns wirklich gut, wir haben einfach nichts zu meckern! Ach doch, eine Sache gibt es: Das ist unser letzter Abend in der Wildnis! Aber egal, schnell schieben wir diesen traurigen Gedanken beiseite und trinken lieber noch einen Schluck Rotwein ;)
Irgendwann haben wir ganz brav alles aufgegessen, die Weinflasche ist geleert und wir beschliessen, die Tafel aufzuheben. Wir bedanken uns beim „Wächter“ und wünschen eine gute Nacht. Kaum gehen wir die Stufen hinauf, wird unser Tisch bereits abgeräumt und zehn Minuten später erinnert nur noch das flackernde Feuer an unser „Dinner vor der Haustür“. Ruth und ich sind sehr zufrieden, das war ein gelungener Abschluss in Selinda. Bald darauf liegen wir im Bett und lauschen ein letztes Mal den verschiedenen Tierstimmen und Geräuschen.

Gegen 03:00 werden wir durch ein Knacken geweckt. Wir haben Besuch! Ich versuche herauszufinden wo das Geräusch herkommt. Hinter unserem Zelt tut sich was. Wir stehen auf und schleichen in unser Badezimmer. Jetzt können wir den Rücken des Elis sehen. Es ist ein ausgewachsener Bulle, soviel können wir erkennen. Knack! Der vormals grosse Busch hinter dem Zelt wird kleiner und kleiner! Zehn Minuten später bewegt sich der Riese weiter und läuft auf „unserem“ Fusspfad Richtung Lobby. Ich erinnere mich an die zwei Amerikaner, die wir am ersten Abend ohne Begleitung eines Guides getroffen haben: „Alles ok, wir haben ja eine Taschenlampe dabei.“ :whistle:

Freitag 23.05.14

Die restliche Nacht wird nur ab und zu vom Grunzen der Hippos erfüllt, sonst bleibt es ruhig. Ich bin schon etwas traurig, denn jetzt müssen wir wieder sehr lange warten, bis wir diese Buschmusik hören werden. Wir fliegen heute zwar noch an den Chobe, aber in Kasane sind die nächtlichen Geräusche irgendwie anders. Da hört man eher Hundegebell und die Hupe eines Autos.
Dann ist es 06:00, wir müssen aufstehen. Unsere Sachen haben wir bereits gestern vorbereitet, deshalb werden nur noch einige Kleinigkeiten in die Seesäcke gestopft, dann werden wir auch schon zum Frühstück abgeholt. Wir bewundern ein letztes Mal den schönen Sonnenaufgang, die Seesäcke sind bereits im Fahrzeug verstaut, Zeit um Lebewohl zu sagen. Das tun wir sehr intensiv, denn einige Mitglieder der Staff sind uns sehr ans Herz gewachsen. Bye, bye, Selinda, es hat uns – vielleicht bis auf ein paar spezielle Gäste aus einem grossen Land - wirklich gut gefallen!
Wir fahren das kurze Stück zum Bootsanleger, dann geht es mit dem Motorboot über die Lagune. Auf der anderen Seite nimmt uns Mopane in Empfang. Wir sind deshalb so früh mit Sack und Pack unterwegs, weil wir noch das Zarafa Camp besichtigen wollen. Die Fahrt durch den Busch erweist sich als sehr entspannend. Es gibt - ausser den üblichen Verdächtigen – nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Aber die Landschaft gefällt uns gut und wir können ja – wenn wir auf die letzten zwei Tage zurückblicken – wirklich nicht meckern. Wir kommen um eine Kurve, auf der rechten Seite befindet sich ein Wasserloch. Nicht weit vom Wasser liegt eine Löwin.


Nette Begrüssung

„Komisch“ sagt Mopane, „normalerweise ist diese Löwin immer mit zwei anderen Artgenossinnen unterwegs.“ Wir suchen die Wasserstelle und die Gegend drumherum mit unseren Augen ab, aber nichts ist zu sehen. Plötzlich hören wir eine Art Knurren. Wir drehen uns um – und schauen genau in die Augen einer weiteren Löwin, die uns unentwegt beobachtet. Sie liegt neben einem Termitenbau auf einem kleinen Hügel im Schatten. Der Punkt ist so hoch, dass sie sich in Augenhöhe mit uns befindet. Wir müssen alle drei lachen. Da suchen wir und suchen wir und direkt neben uns liegt die Löwin und beobachtet uns die ganze Zeit! Doch das Geräusch kam nicht von dieser Löwin. Also starten wir und fahren um den Termitenbau herum. Siehe da! Ein stattlicher Löwenmann liegt vor uns, nicht weit davon entfernt können wir auch die dritte Löwin ausmachen. „Ich glaube, die beiden sind mit der Paarung beschäftigt“ kommentiert Mopane das Geschehen. Ja, warum nicht? Denke ich mir. Wir hatten zwar in der Vergangenheit schon das Vergnügen, aber das wäre doch ein schöner Abschluss unseres Aufenthaltes. Allerdings habe ich etwas zu meckern, denn die Katzen liegen im Schatten, das gibt keine guten Bilder. „Das ist nicht schlimm“ teilt mir unser Guide mit. „Wir fahren auf dem Rückweg sowieso noch mal hier vorbei.“ Na wenn das so ist. Da warte ich doch gerne bis die Lichtverhältnisse sich verbessert haben.
Wir kommen zum Rand einer grossen Lagune und fahren dicht am Ufer entlang. Überall kann man Elefantenhaufen sehen, das scheint eine beliebte Gegend bei den Rüsseltieren zu sein. Natürlich treiben sich am Ufer auch eine Menge Wasservögel herum. Mopane zeigt uns ausserdem relativ frische Spuren von Löwen und von einem Leoparden. Wir suchen kurz die Büsche in der Nähe ab, finden aber nichts. Also geht es weiter, bis wir das Zarafa Camp erreichen. Dort werden wir von Marcus, dem schwedischen Campmanager begrüsst und herumgeführt.


Zarafa Camp


Zarafa Camp


Zarafa Camp


Zarafa Camp


Zarafa Camp


Zarafa Camp


Zarafa Camp

Zarafa liegt ebenfalls in der Selinda Konzession und ist etwas für Leute mit einer dicken Brieftasche. Die Besitzer dieses Camps sind Dereck und Beverly Joubert, bekannt durch zahlreiche Tierfilme. Es gibt vier Zelte (kann man da noch Zelte sagen?) und – etwas für sich gebaut - eine Zeltsuite für vier Personen. Tja, wie soll ich das beschreiben? Eigentlich ist es eher ein Superluxushotel mit Zeltwänden. Allerdings gibt es auch hier keine „richtige“ Air-Condition. Dafür kann man aber an heissen Tagen oder Nächten die Fernsteuerung bedienen und die Luft zirkuliert ganz leise und unauffällig im Zelt. Die Einrichtung des Hauptzeltes und der Unterkünfte ist natürlich nur vom Feinsten und alles ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Die Lage des Camps ist traumhaft, man kann durchaus einen halbe Tag nur auf dem Aussichtsdeck sitzen (oder liegen) und die Gegend bestaunen. Es gibt viele, viele witzige Details, z.B. die Toilette mit Ausblick, die aussergewöhnliche Dusche und, und und... Zu jedem Zelt gehört ein Koffer. Darin befindet sich eine Vollformatkamera mit einem richtig guten (und richtig teuren) Objektiv. Ich glaube es war ein 600er oder so ähnlich. Abends werden die Bilder heruntergeladen und auf Wunsch mit einem „Fotofachmann“ besprochen. Zu der Suite gehört ausserdem eine eigene Managerin, eigenes Personal, ein eigener Guide mit Fahrzeug. Es gibt noch viel mehr zu beschreiben, aber das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Auf jeden Fall muss ich zugeben dass es durchaus interessant wäre, hier mal ein paar Tage zu verbringen. Angeboten werden folgende Aktivitäten: Pirschfahrten morgens, nachmittags und nachts; Vogelbeobachtung an der Lagune, geführte Buschwanderungen auch mehrtägig, Angeln.

Mehrtägige Buschwanderungen ? Hört sich auch nicht schlecht an. Und ich könnte wetten man muss unterwegs auf nichts verzichten. Aber eigentlich muss ich mir keine Gedanken machen. Diese Preisklasse wird für uns immer unerreichbar bleiben, es sei denn wir hätten beim Lottospielen mal mehr Glück als in den letzten (gefühlten) hundert Jahren :S


Zarafa Suite


Zarafa Suite


Zarafa Suite


Zarafa Suite

Eine Dreiviertelstunde später verabschieden wir uns von Marcus und machen uns auf den Weg zum Selinda Airstrip. Wir kommen wieder bei den Löwen vorbei. Inzwischen hat sich noch ein Fahrzeug eingefunden, aber von Überfüllung kann keine Rede sein. Mopane rangiert den Toyota so, dass ich die Sonne im Rücken habe. Kein schlechter Platz, allerdings ist es inzwischen ziemlich warm geworden und das Löwenpaar hat sich deshalb in den Schatten der Büsche verzogen. Zum Glück paaren sich Löwen – wenn sie sich paaren – sehr häufig pro Tag. Deshalb bin ich relativ entspannt, denn bis zu unserem Abflug sind es noch 1 ½ Stunden und das Flugfeld ist nicht sehr weit von hier. Und tatsächlich! Keine 10 Minuten nach unserer Ankunft erhebt sich das Löwenpaar und verlässt den Schatten. Dumm nur, dass sie sich weiterhin zwischen den Büschen aufhalten. Ich hätte gerne eine Paarung ohne störende Zweige, aber diesen Gefallen tun sie mir dann doch nicht. Also nehme ich die Situation so, wie sie ist und schiesse meine Bilder. Ich kontrolliere die Fotos im Display und bin ganz zufrieden. So schlecht sind die Schnappschüsse gar nicht geworden. Nach getaner „Arbeit“ ziehen die Katzen sich sofort wieder in den Schatten zurück.


Eindrucksvoller Pascha


Pascha bei der Arbeit

Jetzt wird es für uns Zeit, den Airstrip anzusteuern. Unterwegs halten wir noch einmal bei einem Lilac Brested Roller (Gabelracke). Das Licht ist ideal, die Entfernung ist auch nicht schlecht, aber der Vogel tut mal wieder nicht das, was ich von ihm erwarte. Also muss ich mich wieder einmal mit einem unscharfen Bild zufrieden geben. Je näher wir dem Airstrip kommen, desto mehr Tiere sehen wir. Sie scheinen die flache, relativ übersichtliche Gegend um die Startbahn zu lieben. Vermutlich fühlen sie sich hier wohl, weil sie eine gute Übersicht und im Falle eines Falles mehr Fluchtmöglichkeiten haben.
Wir parken im Schatten eines Baums und können aussteigen. Mopane hat noch Cracker und Obst in der Kühlbox, natürlich kann er uns auch Kaffee und Tee anbieten. Wir haben uns in den letzten drei Tagen wirklich gut mit ihm verstanden und ich bin ein wenig traurig, dass unsere Wege sich jetzt trennen.
Es ist kurz vor 11:00, Mopane hebt den Zeigefinger. „Can you hear it?“ Nein, mein Freund, ich glaube meine Ohren sind zu abgestumpft. Aber kurze Zeit später kann auch ich das Brummen wahrnehmen, unser Buschtaxi nähert sich dem Flugfeld. Jetzt erkennen wir die kleine Maschine, die eine kurze Schleife über die Bahn fliegt und dann in den Sinkflug übergeht. Das Flugzeug setzt auf und zieht die unvermeidliche Staubfahne hinter sich her. Der Motor wird gestoppt, wir begrüssen den Piloten und verabschieden uns danach von unserem Guide. Mach´s gut, Mopane, wer weiss, in welchem Camp wir uns eines Tages wiedersehen werden.
Die Cessna hat 6 Sitze, zwei davon sind bereits belegt. Es handelt sich um zwei deutsche Touristinnen, die wie wir nach Kasane wollen. Nach wenigen Minuten beschleunigen wir und gewinnen schnell an Höhe. Dann dreht die Maschine in östliche Richtung. Wir nähern uns langsam aber sicher unserer letzten Station auf der diesjährigen Rundreise.

… wird fortgesetzt …
Letzte Änderung: 03 Jul 2014 08:43 von leofant.
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