THEMA: Mit dem 4x4 durch Botswana
16 Mär 2014 11:13 #330534
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Dies ist unser Reisebericht unserer Foto-Reise Website Wehr-Reinhold.com. Im September/Oktober 2013 sind wir vier Wochen mit dem Allradfahrzeug und Dachzelt durch Botswana gefahren. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Zur Einstimmung unser Video: "Baines Baobabs - Night " Day"!





Einleitung
Schon einmal etwas vom berüchtigten Afrikafieber gehört? Es ist nichts lebensbedrohliches, nichts, was einen zur Bettruhe zwingt oder gar erhöhte Körpertemperatur hervorruft - es befällt aber dennoch manche Menschen spontan, die zum ersten Mal ihren Fuß auf den schwarzen Kontinent setzen! Bei uns erfolgte eine sofortige und heftige Infektion während unserer Südafrikareise 2012. Schnell erwuchs in uns das Bedürfnis, ein weiteres Mal und dann so nah wie möglich in diese atemberaubende Natur vorzudringen. Im Tembe Elephant Park trafen wir ein holländisches Paar, dass mit einem Toyota Hilux und Dachzelt unterwegs war. Sie erzählten uns von ihren Erlebnissen in Malawi, Sambia und Botswana und berichteten von dem Nervenkitzel, als sich eines Morgens ein Löwenrudel samt seines nächtlichen Risses vor dem Zelt häuslich niedergelassen hatte. Spätestens hier entstand der Plan, mit einem 4 x 4 Fahrzeug und Dachzelt individuell durch die Nationalparks Botswanas zu reisen.

Flugbuchung
Bereits ein gutes halbes Jahr vor der Reise haben wir unsere Flüge gebucht. Bei unserer Recherche stellt sich schnell heraus, dass die arabischen Fluglinien (Emirates, Etihad und Qatar) die mit Abstand günstigsten Tarife anbieten. Wir entscheiden uns schließlich für einen Nachtflug nach Johannesburg mit Qatar Airways ab Frankfurt über Doha zum Preis von 630,-- € inklusive Rail & Fly Tickets. Übrigens schneiden alle arabischen Fluglinien bei Tests in punkto Flugsicherheit und Service immer ausgesprochen gut ab! Der Flug mit Air France, mit dem wir im vergangenen Jahr nach Johannesburg geflogen sind, hätte rund 250,-- € p.P. mehr gekostet – für 500,-- € Ersparnis nimmt man schon einmal eine kleine zusätzliche Zugfahrt nach Frankfurt in Kauf, zumal die Umsteigezeiten in Doha von jeweils knapp zwei Stunden sehr günstig sind!


Buchung in den Nationalparks
Wenn man eine Reise durch Botswana auf eigene Faust plant, so ist eine gute Vorbereitung unerlässlich. Die Planung ist allerdings zeitaufwändig und erfordert in der Regel einen minimalen Vorlauf von einem guten halben Jahr! Wir sind im Vorfeld unserer Reise von Freunden immer wieder gefragt worden, wie wir das denn alles organisieren und ob es nicht viel zu gefährlich sei, umgeben von wilden Tieren in einem Zelt zu übernachten. Wie immer in solchen Fällen lautet unsere Antwort: Es ist alles eine Frage der guten Vorbereitung! Wenn man zudem bestimmte Verhaltensregeln einhält und weiß, wie man sich in der Natur bewegen muss, ist ein individueller Abenteuertrip durch Botswana kaum gefährlicher als eine All-Inclusive Reise nach Mallorca. Solange der Reißverschluss des Zeltes geschlossen ist und sich keine Lebensmittel im Zelt befinden, ist das Übernachten im Zelt mitten in der Wildnis, umgeben von Löwen, Leoparden und Elefanten gefahrlos möglich.

Wir haben mit dem Dachzelt auf unserem gemieteten Toyota Hillux zwar unsere eigene Behausung permanent dabei, dennoch benötigt man in Nationalparks wie Moremi, Chobe oder der Central Kalahari Permits – und die bekommt man nur, wenn man eine Campsite Reservierung vorweisen kann! Wildes Campen in den Nationalparks ist strengstens verboten. Die Buchungsmodalitäten in den diversen Parks – und sogar in den Camps innerhalb eines Parks - sind komplett uneinheitlich, bisweilen leicht chaotisch und daher etwas kompliziert. Manche Reservierungen können fortschrittlich per E-Mail und die Vorauszahlung per Kreditkarte vorgenommen werden, bei anderen Parks erfolgt die Kommunikation hingegen nur per Fax oder gar über den Postweg! Das ganze Procedere kann sich von Fall zu Fall über Wochen oder gar Monate hinziehen.

Bei unseren Reiserecherchen sind wir auf die Firma „Come Along Safari“ des Holländers Hans Schoelink getroffen, ein sehr erfahrener Afrika-Reisender, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und mit seiner kleinen Firma Individualreisende äußerst kompetent und zuverlässig berät. Wer ganz auf der sicheren Seite sein möchte, kann bei Hans das „Rundum-Sorglos-Paket“ (Cheetah-Selbstfahrer-Beratung) für 299,-- €, buchen, in dem neben allen Buchungen in den Nationalparks auch die Reservierung des 4 x 4 Fahrzeugs, die detaillierte Planung der Reiseroute, Bereitstellung des Kartenmaterials und eines Garmin GPS-Gerätes mit bereits installierten Karten sowie einer 24 Stunden Telefonbereitschaft für den Notfall enthalten ist.

Wir beschließen ausschließlich auf die Dienste von Hans bei den Buchungen in den Nationalparks zurückzugreifen, was wir allen Selbstfahrern unbedingt empfehlen können. Hans kennt alle Ansprechpartner in den Parks und hat Kommunikationswege, die sich dem „Normalsterblichen“ nicht erschließen. Für den Service berechnet Hans einmalig 75,-- € zuzüglich 36,-- € Bankgebühren für die Überweisungsvorgänge. Die 75,-- € werden zudem erstattet, wenn man den Mietwagen über Come Along Safaris abwickelt. Wir empfehlen Vergleichsangebote bei Vermietern einzuholen, denn Come Along Safaris bietet eine "Best-Price-Garantie" und hält somit immer das beste Angebot.


Anmieten des Allrad-Fahrzeugs
Wir buchen unser Auto selbst bei Bushlore, dem größten und renommiertesten 4x4 Vermieter in Südafrika. Bushlore verfügt sogar über eine deutschsprachige Website. Ruckzuck erhalten wir ein Angebot von Clyde, einem kompetenten Mitarbeiter von Bushlore, über einen Toyota Hilux Double Cab (mit zwei Dachzelten). Der Tagesmietpreis beträgt 1.120 ZAR (= 84,-- €). Zudem entscheiden wir uns für eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung zum Preis von 180 ZAR p.d. (= 13,50 €). Der Toyota Hilux ist das wohl meist gefahrene Allrad-Fahrzeug in Botswana und eine „Vernunftsentscheidung“. Es wird in den einschlägigen Foren immer wieder dem „schickeren“, aber schwerfälligeren Landrover vorgezogen. Besonders im Tiefsand soll der Hilux deutliche Vorteile gegenüber dem Landrover aufweisen. Nach den Erfahrungen unserer Reise würden wir beim nächsten Mal versuchen, einen höhergelegten Hilux mit breiteren Reifen zu bekommen oder aber einen Toyota Landcruiser, der allerdings sehr viel teurer in der Anmietung ist. Plant man Wasserdurchfahrten, zum Beispiel im Moremi NP, würden wir immer ein höher gelegtes Fahrzeug dringend empfehlen und diesen mit einem Schnorchel ausstatten zu lassen. In jedem Fall aber muss berücksichtigt werden, dass Wasserschäden grundsätzlich nicht versichert sind - und das kann ein richtig teurer Spaß werden. Wir haben von einem Fall gehört, bei dem der Mieter für einen Wasserschaden 23.000,-- € zahlen musste.


Reise-Versicherung
Da alleine die Anmietung des 4x4 Fahrzeuges fast 3.000,-- € kostet, Flug- und Buchungskosten in den Nationalparks hinzukommen, reicht in der Regel die Versicherungssumme der Reise-Rücktrittsversicherung nicht aus. Wir haben daher unsere Versicherungspolice einmalig um 3.000,-- € erhöht. Daher unser Tipp: Vor einer Botswana Reise unbedingt die Police überprüfen, damit man im Ernstfall nicht unterversichert ist und viel Geld einbüßt!


Pack- und Einkaufslisten
Von ganz entscheidender Bedeutung ist die Zusammenstellung einer Packliste. Auch die vorherige Erstellung einer Einkaufsliste ist sinnvoll, da man tagelang von Supermärkten abgeschnitten sein kann (z.B. in der Kalahari, im Okavango-Delta oder dem Chobe NP) und daher sehr gut vorplanen muss.

Planung der Reiseroute
Botswana erstreckt sich auf einer Fläche von 582.000 km² und ist damit ungefähr so groß wie Frankreich und Belgien zusammen. Das Land hat lediglich 1,9 Millionen Einwohner und gehört damit zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde. Die Halbwüste Kalahari bedeckt mehr oder weniger den kompletten Südteil - hier herrschen Dorn- und Grassavanne vor. Es gibt zudem riesige fossile Salzpfannen, die sich während der Regenzeit zu großen, seichten Seen verwandeln können - darunter die Makhadigadi Pans, die größte Salzpfanne der Welt. Im Nordwesten befindet sich das Okavangodelta, das durch seine einzigartige Tierwelt besticht und als Binnendelta ein weltweites Alleinstellungsmerkmal besitzt.

Eine Botswana-Reise ist aufgrund der Größe des Landes mit langen Fahrstrecken verbunden. Da lediglich die Hauptverbindungsstraßen zwischen den Städten asphaltiert sind und ansonsten alle Sehenswürdigkeiten und Nationalparks ausschließlich über Offroad-Pisten erreichbar sind, verbringt man zwangsläufig viel Zeit im Auto. Aus diesem Grund haben wir bei der Planung berücksichtigt, dass wir häufig mindestens zwei Tage an einem Ort verweilen.

Unsere Tour haben wir mit Hilfe der Tracks4Africa Botswana Karte geplant, entweder im Afrika Komplettpaket für 89,-- € auf SD Card über Amazon oder als Botswana Einzelkarte für 15,-- € direkt beim Verlag zu bestellen. Bei der Einzelkarte erhält man lediglich eine Download ID, über die das Kartenmaterial herunter geladen werden kann (Download ID gibt es für Mac und für Windows).

Über das Garmin Base Camp Programm (kostenloser Download auf der Garmin Seite) und der Tracks4Africa Karte haben wir detailliert unsere Reiseroute ausgearbeitet und auf unser Garmin GPSmap 62s überspielt. Mit dem Programm kann man auch Fahrzeiten ungefähr planen, auch wenn Fahrten im Gelände natürlich nicht immer exakt voraussehbar sind, da sich die Beschaffenheit der Pisten auf die Fahrzeit auswirken kann.

Unerlässlich für die Planung bleibt aber trotz allem die Botswana Papierkarte, Maßstab 1 : 1.000.000, ebenfalls im Tracks4Africa Verlag erschienen.

Sehr hilfreich ist auch die Botswana Offroad CD mit GPS Daten aus dem Hupe-Verlag (15,-- €, nur beim Verlag selbst erhältlich). Die CD enthält Detailkarten, Streckenbeschreibungen unter anderem zum Moremi WR, der Central Kalahari, Chobe NP sowie den Salzpfannen (Kubu Island, Nxai Pan, Makgadikgadi NP u.a.).

Der mit Abstand beste Botswana-Reiseführer kommt ebenfalls aus dem Hupe-Verlag. Die Autoren sind sehr erfahrene Afrikareisende und geben ihre jahrelang gesammelten Informationen insbesondere für Individualreisende, die mit dem Allrad-Fahrzeug unterwegs sind, anschaulich und übersichtlich weiter. Wir halten den Ilona Hupe Reiseführer für einen der besten Reiseführer, mit dem wir jemals unterwegs gewesen sind.

Hier findet ihr als Planungshilfe für eure Botswana Reise alle erwähnten nützlichen Ausrüstungsgegenstände sowie Pack- und Einkauflsisten auf einen Blick:
4x4 Packliste Afrika
Einkaufsliste
Literatur
Foto-Equipment
Outdoor-Equipment


Unsere Reiseroute
12.09.2013: Flug Frankfurt - Doha - Johannesburg
13.09.2013: Übernahme des 4x4, Matamba Bushcamp
14.09.2013: Matamba Bushcamp
15.09.2013: Letlhakane, Tuuthebe Campsite
16.09.2013: Kubu Island
17.9.2013: Haina Kalahari Lodge Campsite
18.09.2013: Haina Kalahari Lodge Campsite
19.09.2013: Maun (Zwangsstopp wegen Autoreparatur)
20.09.2013: Central Kalahari, Kori Pan
21.09.2013: Central Kalahari, Piper´s Pan
22.09.2013: Central Kalahari, Kori Pan
23.09.2013: Boteti River, Xhumaga Campsite no 8
24.09.2013: Boteti River, Xhumaga Campsite no 8
25.09.2013: Nxai Pan, South Camp
26.09.2013: Nxai Pan, Baines Baobabs
27.09.2013: Tshima Bushcamp / bei Maun
28.09.2013: Tshima Bushcamp / bei Maun
29.09.2013: Moremi National Park, 3rd Bridge Campsite
30.09.2013: Moremi National Park, 3rd Bridge Campsite
1.10.2013: Moremi National Park, Khwai Campsite no 6 (North Gate)
2.10.2013: Moremi National Park, Khwai Campsite no 6 (North Gate)
3.10.2013: Chobe National Park, Savuti Campsite no 6
4.10.2013: Chobe National Park, Savuti Campsite no 6
5.10.2013: Chobe National Park, Linyanti Camsite no 2
6.10.2013: Chobe National Park, Linyanti Camsite no 2
7.10.2013: Chobe National Park, Ihaha Campsite no 9
8.10.2013: Chobe National Park, Ihaha Campsite no 9
9.10.2013: Francistown, Woodlands Stop Over
10.10.2013: Matamba Bush Camp
11./12.10.2013: Abgabe 4x4, Flug Johannesburg - Doha - Frankfurt

12./13. September 2013, Johannesburg – Matamba Bush Camp

Aufbruch in unser Afrika-Abenteuer
Was für ein Start in unser Afrika-Abenteuer 2013: Nachdem wir per Rail & Fly Ticket zum Frankfurter Flughafen gefahren sind (die Bundesbahn ist tatsächlich auf die Minute pünktlich, so dass wir unseren üppig eingeplanten Zeitpuffer nicht in Anspruch nehmen müssen), weist uns dort ein freundlicher Mitarbeiter den Weg zum Check-In Schalter von Qatar Airlines mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß bei ihrem Flug mit der besten Airline der Welt“! Das nenne ich mal eine echte vertrauensbildende Maßnahme vor einem Flug! Positiver Begleiteffekt des überaus pünktlichen Check-Ins ist, dass wir zumindest für die erste Teilstrecke nach Doha noch Notausgangsplätze mit großer Beinfreiheit ergattern können. Wir nehmen noch einen kleinen Snack in einem Asia-Restaurant ein und vertreiben uns noch ein wenig die Zeit am Rollfeld-Panoramafenster von McCafe.

Der Service an Bord ist erstklassig und lassen uns berieseln mit dem Film Kookoowäh 2 – ein eher langweiliges Werk! Die 5 ½ Stunden bis Doha vergehen wie im Flug. Unangenehm fallen einige arabische Machos in der Nachbarreihe auf, die eine Stewardess mit Missachtung strafen und deren Anweisungen bei der Landung, ihre Handys abzuschalten schlichtweg ignorieren. Wir empfinden es als unerträglich, mit welcher Geringschätzung Frauen in einigen arabischen Ländern von (manchen) Männern behandelt werden.

Corinna hat im Internet gelesen, dass in Doha am Transferschalter unter Umständen noch Sitzplätze am Notausgang erhältlich sind – und tatsächlich haben wir Glück! Beinfreiheit ist auf einem Nachtflug natürlich besonders wertvoll, da die Chance besteht, wenigstens ein bisschen Schlaf zu finden. Tatsächlich gelingt es uns, einige Stündchen zu schlummern.

Um 8 Uhr morgens landet unsere Maschine überpünktlich und zu unserer Freude erspähen wir nach kurzer Zeit unsere Gepäckstücke auf dem Laufband – es ist nach wie vor für uns der Albtraum, dass ein Gepäckstück nicht ankommt, da dies die Reiseplanung nachhaltig beeinträchtigen kann. Am Ausgang des Ankunftsterminals stehen zahlreiche Shuttlefahrer von Reiseveranstaltern, natürlich ist der Fahrer von Bushlore, unserem Autovermieter, nicht unter ihnen. Wir haben schon mehrfach gelesen, dass es die Autovermieter nicht ganz so eng sehen mit der Pünktlichkeit. Das ist Afrika – Hakuna Matata! Ein freundlicher Fahrer eines Shuttleservices fragt uns, auf welches Unternehmen wir denn warten. Er ruft kurzer Hand Bushlore an und beruhigt uns, die Kollegen seien in Kürze da. Tatsächlich kommen die Kollegen nach einer Weile und erklären, dass wir noch auf weitere Kunden warten müssen, die mit der Lufthansa Maschine aus Frankfurt ankommen. So verlieren wir alles in allem rund 1 1/2 Stunden bevor wir uns auf den Weg zum Office von Bushlore machen können, das vor den Toren Pretorias ca. eine halbe Stunde vom Flughafen entfernt liegt.

Zunächst wird der ganze Papierkram erledigt und dann erhalten wir eine ausführliche Einweisung in den Toyota Hilux Double Cab. Corinna raunzt während der Einweisung mir zu, „jetzt wird mir eigentlich erst richtig klar, auf welches Abenteuer wir uns da eingelassen haben“! „Du wirst doch wohl nicht an meinen technischen Fähigkeiten zweifeln“, erwidere ich scherzhaft und bin mir sehr wohl dessen bewusst, dass man im Falle einer Panne schnell an seine technischen Grenzen stoßen kann. Vom Highlift-Jack, einem speziellen Wagenheber für die Befreiung des Fahrzeugs aus Tiefsand, angefangen, über das Dual Batteriesystem, das den Kühlschrank versorgt, bis hin zu den beiden Ersatzreifen inklusive des dazu gehörenden Reparatur-Kits werden wir in einer guten Stunde mit Informationen überhäuft. Schließlich bekommen wir noch den Aufbau des Dachzeltes erklärt und damit beendet der freundliche Bushlore Mitarbeiter seine Unterrichtsstunde. Uns raucht schon fast der Kopf von der Vielzahl an technischer Information, die wir in uns aufsaugen müssen. An dieser Stelle wird auch klar, dass man sicher der englischen Sprache einigermaßen mächtig sein sollte, ansonsten gehen wichtige Informationen an dieser Stelle an einem vorbei.



Mit Hilfe der Wegbeschreibung von Bushlore steuern wir zunächst ein nahe gelegenes Shoppingcenter an, um den Grundbedarf an Lebensmitteln für unsere Tour einzukaufen. Die ersten Kilometer stehen natürlich im Zeichen der Gewöhnung an den Linksverkehr und die ungewöhnliche Anordnung der Bedienungsinstrumente in unserem Fahrzeug. Corinna hilft, indem sie mich immer wieder auf die richtige Spur auf der linken Seite lenkt. Der Blinker auf der rechten Seite des Lenkrades wird mich noch auf der gesamten Tour beschäftigen und dementsprechend auch der Scheibenwischer auf der anderen Seite, der bei jeder Richtungsänderung immer mal wieder ungewollt betätigt werden wird.

Der Spar Supermarkt ist perfekt sortiert und wir bekommen alle Artikel, die wir auf unserer umfangreichen Einkaufsliste vermerkt haben. Obwohl wir gut vorbereitet sind und die Liste bereits zu Hause verfasst haben, benötigen wir für den Großeinkauf über eine Stunde. Mittlerweile ist es 3 Uhr nachmittags und wir müssen noch 240 Kilometer bis zum Matamba Bush Camp fahren! Die Aussicht, unser Zelt das erste Mal im Dunkeln aufzubauen (die Sonne geht im afrikanischen Frühjahr ca. um 6 Uhr unter), ist alles andere als erstrebenswert. Daher eilen wir im Rahmen der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit (Achtung, auf der N1 wird regelmäßig geblitzt!) ohne weitere Verzögerung nordwärts.

Die N1, die perfekt ausgebaut und gebührenpflichtig ist, führt uns an Pretoria vorbei bis nach Bela Bela. Hier verlassen wir die Autobahn und gelangen über Vaalwater zum Gate der Matamba Bush Lodge. Wir rufen Alan, den Besitzer des Reserves, an und er weist uns ein, wie wir zu den nahe gelegenen Campsites gelangen. Sue und Alan haben hier vor einem Jahr dieses idyllisch gelegene Plätzchen auf dem vierhundert Hektar großen Grundstück errichtet, in früheren Jahren war das Anwesen einmal ein richtiges Game Reserve.
Matamba hat gerade einmal drei Campsites, die uns Alan voller Stolz präsentiert. Wir entscheiden uns für die „Drongo“-Site, einem großzügigen Stellplatz mit Feuerstelle und Wasserhahn am Platz. Es gibt eine unter Verwendung von Naturmaterialien liebevoll gestaltete Duschhütte und eine weitere Kücheneinheit mit Sitzgelegenheit. Und wer es noch mehr naturverbunden mag, nutzt die wundervolle Outdoordusche unter Syringa Trees – wieder einmal haben wir ein Plätzchen gefunden wie aus „Jenseits von Afrika“!




Der Aufbau unseres Zeltes stellt uns vor keine große Herausforderung. In wenigen Minuten ist unser Schlafplatz für die nächsten vier Wochen erstmals errichtet. In unserem Auto herrscht aufgrund des Großeinkaufs Chaos, welches wir aber erst morgen bei Helligkeit in Angriff nehmen wollen. Ich entzünde ein Campfire und gemeinsam schnippeln wir einen griechischen Salat mit Schafskäse und Oliven zusammen. Unser erstes Braai, dem südafrikanischen Barbecue, könnte idyllischer kaum ausfallen. Wir genießen ein großes T-Bone Steak, begleitet von einem leckeren südafrikanischen Sauvignon Blanc und werden dabei beäugt von zahlreichen funkelnden Augenpaaren, die im nächtlichen Busch sichtbar werden, wenn wir mit der Taschenlampe um uns herumleuchten. Es handelt sich um Impalas, die wir in der Nähe des Camps bei unserer Ankunft bereits ausgemacht haben. Löwen gibt es in Matamba nicht, lediglich ein paar äußerst scheue Leoparden, die man jedoch so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Unsere erste Nacht im Dachzelt ist erholsam, um uns herum herrscht eine unglaubliche Stille! Außer dem Zirpen der Grillen ist kein Geräusch auszumachen.

14. September 2013, Matamba Bush Camp

Walking-Safari mit Giraffen
Die Uhrzeit spielt bei einem individuell geplanten Urlaub in Afrika keine Rolle – vielmehr lässt man sich durch das Sonnenlicht und die Geräusche der Umgebung auf einen völlig neuen Rhythmus ein. „Hast du eine Ahnung wie spät es ist“, frage ich Corinna beim Frühstückstisch. „Keine Ahnung, ist auch egal“, lautet die erwartete Antwort. Da es morgens sehr wolkig ist, gibt auch der Stand der Sonne keinen exakten Aufschluss über die Uhrzeit. In der Nacht hat es sogar ein paar Tropfen geregnet.

Nach dem Frühstück sortieren wir erst einmal unseren Toyota neu. Die Einkäufe werden größtenteils in den herausziehbaren Boxen verstaut. Die Matratze aus dem zweiten Zelt auf dem Dach, das wir nicht benötigen werden, legen wir unter die unsrige – die erste Nacht auf der ziemlich dünnen Unterlage war doch ganz schön hart.

Gegen Mittag machen wir uns auf zu einem der markierten Trails, dem „Giraffe Trail“. Der Weg macht seinem Namen schon nach wenigen Augenblicken alle Ehre: Einige Giraffen beäugen uns ziemlich relaxed und wir kommen sehr nah heran an diese beeindruckenden Geschöpfe. Für uns ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, diesen wundervollen Tieren auf einer Walking Safari Aug in Aug gegenüber zu stehen.



Auf den sandigen Wegen sind zahlreiche Spuren insbesondere auch von nachtaktiven Tieren, wie zum Beispiel Schakalen und Hyänen, zu sehen. Das besondere an "Walking-Safaris" ist, dass man auch die kleinen Dinge der Natur wahrnimmt, die einem im Auto ansonsten verborgen blieben. Eine wundervoll bunte Grille flüchtet sich in einen nahen Busch, als wir ihr zu nahe kommen.



Über 300 Vogelarten leben in Matamba, einige von ihnen bekommen wir vor die Linse. Wir kommen leider nicht in den Genuss der auf der Website des Bushcamps beschriebenen hohen Aktivität am natürlichen Wasserloch - kaum ein Tier lässt sich in der Mittagshitze dort blicken. Dennoch genießen wir die Einsamkeit und die himmlische Ruhe um uns herum. Wir setzen unseren Weg nach einer Weile fort und begegnen unterwegs noch diversen Antilopen, allen voran natürlich den omnipräsenten Impalas, Kudus, aber auch imposante Elen-Antilopen, die mit einem empörten Grunzen das Weite suchen, nachdem sie uns erspäht haben. Die Elen-Antilope ist die größte Antilopen-Spezies Afrikas. Später beobachten wir noch auf dem grasbewachsenen ehemaligen Rollfeld der Lodge einige andere Antilopenarten.

Zurück am Camp relaxen wir noch eine Weile und beobachten das bunte Treiben an unserer kleinen "Vogeltränke" am Platz, die für viele bunte Vögel ein Anziehungspunkt darstellt.


Schließlich nehmen wir eine erfrischende Dusche in dem fantastischen „Outdoor-Badezimmer“ – fehlen nur noch die Giraffen, die über den hölzernen Sichtschutz spähen! Diese sehen dann später im Camp nach dem Rechten, als wir die blaue Stunde über dem Busch genießen. Die Giraffen wagen sich auf der Suche nach den zart sprießenden Blättern einiger aus dem Winterschlaf erwachender Bäume ganz nah an uns heran.

Auch heute sitzen wir an unserem Feuerplatz und grillen leckere Straußensteaks und Lammwürstchen. Dazu gibt es einen heimischen Pinotage. Früh begeben wir uns zur Ruhe, da wir morgen sehr früh nach Botswana aufbrechen werden und eine ziemlich lange Fahrstecke vor uns haben.


15. September 2013, Matamba Bush Camp – Letlhakane, 520 km, 5:30 Stunden reine Fahrzeit

Ein korrupter Grenzpolizist und 520 Kilometer durch trockene Ödnis

Ein Tag, den wir ausschließlich zum Fahren eingerichtet haben. Über 500 Kilometer liegen vor uns zu unserem ersten Etappenziel in Botswana, Letlhakane, Ausgangspunkt für unsere Tour nach Kubu Island. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, draußen ertönt bereits seit einer halben Stunde das allmorgendliche Vogelkonzert. Corinna kümmert sich um die Zubereitung des Frühstücks, während ich das Dachzelt verstaue. Um 7.30 Uhr kommt Alan an unserer Campsite vorbei, um sich zu verabschieden und die Campinggebühr zu kassieren (300 Rand / Nacht).

Wir sind startklar für unsere erste 160 Kilometer lange Etappe, die uns nach Lephalale führt. Hier wollen wir die letzten Einkäufe im Pick´n Pay Supermarkt erledigen, insbesondere uns mit Wein bevorraten, den es sowohl in Südafrika als auch in Botswana ausschließlich in separaten Liquor Stores gibt (öffnen erst um 10 Uhr und gar nicht an Sonn- und Feiertagen!). Von Lephalale aus sind es noch 120 Kilometer bis zur Grenze von Botswana, Grobler´s Bridge, bzw. Martin´s Drift auf botswanischer Seite. Alle Straßen sind in einem tadellosen Zustand, so dass man ohne weiteres mit einem Schnitt von 100 km/h kalkulieren kann. Die Straße ist beidseitig gesäumt von eingezäunten Game Drive Farmen, die sich in der Region angesiedelt haben. Das hat zu Folge, dass kaum Rinder, Ziegen oder Esel unvermutet die Straße queren, so wie wir es im vergangenen Jahr in Kwazulu Natal erlebt haben.

Wir haben schon wahre Horrormärchen über das Procedere beim Grenzübertritt nach Botswana gehört, der sich bisweilen schon einmal bis zu vier Stunden hinziehen kann. Die Formalitäten auf südafrikanischer Seite sind innerhalb von 5 Minuten erledigt. Corinna meint noch, „das habe ich mir aber weitaus schwieriger vorgestellt“, da werden wir auch schon auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wir haben bereits die Brücke über den Grenzfluss, den Limpopo, überquert, als uns ein südafrikanischer Polizist mit auffälligen Goldkronen im Frontzahnbereich anhält und uns zunächst befragt, woher wir kommen. Dann möchte er plötzlich einen 5 € Schein haben, den er angeblich einrahmen und seinem Sohn schenken wolle! Als ob wir die ersten Europäer mit Euro-Währung wären, die hier die Grenze nach Botswana passieren! Da wir nicht so recht einschätzen können, ob der dreiste Kerl unsere Einreise verzögern könnte, zücken wir zähneknirschend den Schein und ernten ein süffisantes vielsagendes Lächeln. Aber immerhin dürfen wir jetzt passieren! Man kommt sich vor wie im falschen Film, wenn man wenig später an der botswanischen Grenzstation das Schild „Let us join hands in fight against Corruption“ liest!



Gespannt betreten wir das Office der botswanischen Grenzstation. Zunächst werden wir aufgefordert, ein Formular auszufüllen. Nachdem wir einige Fragen beantwortet haben, müssen wir einen zweiten Schalter des Zolls wenige Meter weiter aufzusuchen. Da wir nichts zu verzollen haben, folgt Schalter Nummer drei, wo wir den Einreise-Obolus von 190 Pula entrichten müssen. Dazwischen liegen Fragen, weitere Formulare – kurz und gut, ein personalintensiver bürokratischer Akt, dessen Sinn sich uns nicht wirklich erschließt! Alle Beamten wirken unfreundlich bis gelangweilt und nuscheln sich die Fragen in ihren Bart, so dass wir immer wieder nachfragen müssen, um sie überhaupt zu verstehen. Am Ende stellen wir fest, dass wir mehrfach versehentlich die falsche Fahrzeug ID angegeben haben, ohne dass dies am Ende irgendjemanden interessiert hätte! Immerhin haben wir lediglich 40 Minuten für die gesamte Einreiseprozedur benötigt – das hatten wir uns sehr viel schlimmer vorgestellt.

Auf den letzten Part an der Grenze sind wir vorbereitet: Es wird noch einmal kontrolliert, ob wir Gemüse oder Frischfleisch nach Botswana befördern. Die Beamtin filzt unseren Kühlschrank, in dem sich allerdings außer einigen Dosen mit Softdrinks und Weißweinflaschen nichts weiter befindet. Die botswanische Regierung hat eine panische Angst vor der Maul- und Klauenseuche, die in der Vergangenheit schon öfter einen starken Wirtschaftszweig, die Rindfleischproduktion, stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Diverse wissenschaftliche Abhandlungen beteuern die Unsinnigkeit der Maßnahmen, jedoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass sich jeder Individualreisende irgendwie mit den lästigen Kontrollen arrangieren muss!

Die verbleibenden 250 Kilometer bis Letlhakane sind landschaftlich langweilig und unspektakulär, die Straße ist allerdings in einem unerwartet sehr guten Zustand, so dass wir schnell vorankommen. In Letlhakane tauschen wir erst einmal Pula an einem ATM und kaufen im örtlichen Spar-Supermarkt Frischwaren für die nächsten zwei Tage ein. Auf der Straße zwischen Letlhakane und Orapa befindet sich ein neuer Campingplatz, die Tuuthebe Campsites. Wir haben im Namibia-Forum von dem Platz gelesen und ihn daher gezielt angesteuert – wir sind wieder einmal die einzigen Gäste auf dem Platz. Der Besitzer erklärt uns, dass er erst vor zwei Monaten eröffnet habe und dass wir überhaupt erst die dritten Europäer seien, die hier ihr Lager aufschlagen! Der Platz ist sicher die beste Alternative in der Gegend für eine Zwischenstation auf dem Weg nach Kubu Island, nach der Idylle der letzten Tage wirkt er jedoch aufgrund des unüberhörbaren Straßenlärms der A14 etwas ernüchternd. Der Platz ist indes funktionell eingerichtet – es gibt ein niegelnagelneues Waschhaus, Stromversorgung sowie ein Waschbecken an jedem Stellplatz. Für eine Nacht ist der Platz allemal in Ordnung (70 Pula p.P./Nacht).



Am Abend gibt es erneut ein Braai, dieses Mal ist das T-Bone Steak aus dem Spar in Letlhakane allerdings nicht annährend von der Qualität in Südafrika. Angeblich wird das Fleisch mit der besten Qualität ausschließlich nach Europa importiert während in den heimischen Supermärkten die Ware von überwiegend altersschwachen Tieren über die Ladentresen geht! Dafür ist der in der Holzkohle gegarte Butternut-Kürbis, angemacht mit Butter, Salz und Pfeffer extrem lecker.


16. September 2013, Letlhakane – Kubu Island, 80 km, 1:45 Stunden reine Fahrzeit

Majestätische Baobabs in einer unwirklich pittoresken Kulisse
Wir haben gestern Abend die dicken Schlafsäcke gegen unsere von zu Hause mitgebrachten dünnen Decken getauscht und sehr viel besser geschlafen als die Nacht zuvor. Nach dem Frühstück telefonieren wir mit der Haina Kalahari Lodge (Brakah Campsite), um die zwei Übernachtungen nach Kubu Island zu reservieren. Das Hainaveld, in dem sich die Lodge befindet, ist unmittelbar benachbart zum Deception Valley in der Central Kalahari und das Gebiet liegt inmitten des Territoriums vieler Kalahari Löwen. Eine hautnahe Begegnung mit den schwarzmähnigen imposanten Tieren erscheint daher möglich!

Heute haben wir alle Zeit der Welt, da wir nur eine kurze Fahrt von gerade einmal 80 Kilometern vor uns haben. Der Choppies Supermarkt in Letlhakane ist deutlich besser sortiert als der Spar Markt – insbesondere ist das Fleisch dort von einer deutlich besseren Qualität. Wir kaufen noch einige Grundnahrungsmittel ein, da wir am morgigen Tag auf dem Rückweg keine Zeit verlieren wollen. Wir haben dann eine lange Fahrt vor uns und es geht dann in den Tiefsand der Kalahari.

Auf dem Weg nach Kubu Island komme ich schon einmal zu einer ersten Übungseinheit im Tiefsandpistefahren. Auf den ersten Kilometer bis Mmatshume gibt es noch eine asphaltierte Straße, danach beginnt die Offroad-Piste. Da sich sandige und steinige Passagen stetig abwechseln, verzichten wir darauf, Luft aus den Reifen abzulassen. Durch das Verringern des Luftdrucks wird die Oberfläche des Reifens im Tiefsand vergrößert, wodurch man nicht so leicht steckenbleibt und tiefsandige Streckenabschnitte leichter bewältigen kann. Corinna krallt sich zwar bei einigen kniffligen Situationen ein ums andere Mal am Armaturenbrett fest, jedoch stellt die Piste letztendlich noch keine größere Offroad-Herausforderung dar.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich vor uns die gleißend weiß leuchtende Sua-Pan auf. Sie gehört zu den Makhadigadi Pans, den größten Salzpfannen der Welt! Sie weisen insgesamt die Größe Belgiens auf. Die Salzpfannen sind zu dieser Jahreszeit steinhart und gut befahrbar. Zur Regenzeit verwandeln sich die Pans allerdings in tückische Schlammlöcher mit harter Oberfläche, in der schon so manch leichtsinniger Fahrer eingebrochen ist!

Wir stoppen für einen kurzen Videodreh, der unsere Fahrt über die Salzpfannen dokumentieren soll, und Corinna übernimmt das Steuer. Für einen kurzen Augenblick denke ich darüber danach, wie das wohl wäre, wenn sie jetzt einfach weiterführe und mich in dieser Einöde meinem Schicksal überließe! Die Gedanken sind jedoch schnell verworfen, da sie wie verabredet wendet und souverän unser Vehikel für den kurzen Dreh über die Salzpiste zurück zu mir steuert.



Schließich passieren wir einen Veterinärzaun und bringen die letzten Kilometer bis Kubu Island hinter uns. Spätestens heute wird uns klar, wie sich ein dürstender Wanderer in der Wüste fühlen muss: Am Horizont wirken die Luftspiegelungen wie reichhaltige Wasserreservoirs – auch hier lediglich eine Fata Morgana. Die kleinen baumbestandenen Inseln der Salzpfannen in der Entfernung scheinen über der Oberfläche zu schweben und sich in dem vermeintlichen Wasser zu spiegeln – ein irreales, aber gleichzeitig faszinierendes Schauspiel!



Kubu Island ist eine etwa einen Kilometer lange und zwanzig Meter hohe Erhebung mit fossilen Stränden im Südwesten der Sowa Pan. Das Bild der „Insel“ bestimmen mehrere Tausend Jahre alte Baobab-Bäume (= Affenbrotbäume) sowie afrikanische Sterkulien und Kastanien. Die Granit-Felsen dazwischen leuchten weiß durch den Guano von Vogelschwärmen aus einer längst vergangenen Zeit. Kubu wird abgeleitet von dem Setswana-Ausdruck für Flusspferd.



Die staatlich betriebenen Campsites befinden sich allesamt auf der Westseite von Kubu Island und sind stimmungsvoll in die bizarre Landschaft integriert worden. Wir suchen uns ein idyllisches Plätzchen unter einer mächtigen Kastanie, das „GPS Camp 3“. Die Campsites sind ausgestattet mit Plumpsklos, fließend Wasser gibt es auf Kubu Island nicht. Die Eintrittsgebühren inklusive Übernachtung sind wie an anderen Orten Botswanas auch hier geradezu explodiert: Ist in der aktuellen Auflage des Ilona Hupe Reiseführers von 2013 noch von 110 Pula p.P. die Rede, müssen wir stolze 210 Pula p.P. berappen – eine Steigerung von fast 100 Prozent! Eine Vorausbuchung ist im Gegensatz zu den anderen Campsites in Botswana für Kubu Island nicht notwendig.

Wir richten uns erst einmal ein, stellen Tisch und Stühle auf. Es herrscht zur Mittagszeit eine ziemliche Hitze von deutlich über 30 ° Grad, unzählige Fliegen piesacken uns bei unserer kurzen Siesta im Schatten unserer Kastanie. Ich mache mich auf zu einer ersten Erkundungstour über die „Insel“ während Corinna noch eine Weile relaxed.



Welch magischer Ort – man steht staunend vor dieser unwirklich pittoresken Kulisse und kann es kaum glauben, das hier und jetzt erleben zu dürfen. Die majestätischen Baobabs vor den weißen Salzpfannen rauben mir den Atem. Die Kamera läuft heiß und ich tauche ein in diese einzigartige Märchenwelt. Spätestens wenn man im Nachmittagslicht auf dem höchsten Felsen Kubu Islands steht und um sich herum schaut, hat man sein Herz an diese atemberaubende Landschaft verloren!





Zu der trockenen Jahreszeit halten sich nicht all zu viele Tiere in den Salzpfannen auf – auf meiner ersten kleinen Erkundungstour entdecke ich lediglich einige Kaninchen, sowie eine davon huschende Schlange. Schakale, Hyänen und Impalas sind regelmäßige Besucher Kubu Islands, manchmal sind sogar Elefanten anzutreffen.

Gegen Nachmittag wird die Insel durch das Licht der tiefstehenden Sonne in ein softes Rot getaucht, was das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen lässt. Auch die Baobabs nehmen nun eine noch intensivere rötliche Färbung an und wenn man genau hinschaut, so entdeckt man sogar bei einigen von ihnen in den Borken menschliche Züge! „So habe ich mir immer Lummerland aus Jim Knopf vorgestellt“, meint Corinna spontan – es ist an diesem Ort wahrlich nicht schwer, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. In vergangenen Zeiten ist Kubu wohl auch ein geheimer Ort ritueller Zeremonien und Opferungen gewesen – man sieht die Buschmänner geradezu unter den mächtigen Baobabs vor seinem inneren Auge tanzen.



Zum Sonnenuntergang suchen wir uns ein schönes Plätzchen an einem der größten Baobabs. Der Himmel wird in das typische pastellige Licht gehüllt, für das Afrika bekannt ist. Lange sitzen wir da und betrachten schweigend das Farbspektakel und fühlen uns in diesem Augenblick sehr privilegiert, dass wir dies hier erleben dürfen!



Da Kubu Island über keinerlei Sanitäranlagen außer Plumpsklos verfügt, kommt heute erstmals unsere Solardusche, die wir am Ast eines Kastanienbaumes befestigt haben, zum Einsatz. Ich entzünde ein Campfire, um für die Zubereitung unseres Essens Holzkohle zu erzeugen. Corinna kocht heute zum ersten Mal auf typisch afrikanische Art und Weise - am offenen Feuer in einem Potjie, einem schweren, gusseisernen und feuerfesten Topf. Sie zaubert eine sagenhaft leckere Bolognese Sauce. Irgendwie habe ich das Gefühl, niemals eine bessere gegessen zu haben! Nichts gegen Corinnas Kochkünste – sie kocht wirklich fantastisch - aber könnten vielleicht die Begleitumständen dieses romantischen Dinners, in Mitten von Baobabs, bei Vollmond und Sternenhimmel sowie einem lodernden Campfire, an diesem Gefühl nicht ganz unschuldig sein?




17. September 2013 – Kubu Island – Haina Kalahari Lodge, 5:50 Stunden, 335 Kilometer

Unerwarteter Luxus am Rande der Kalahari


Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr, da wir den Sonnenaufgang nicht verpassen wollen. Wir laufen hinüber zur Ostseite von Kubu Island und kommen gerade recht! Das perfekte Foto wird allerdings verhindert durch eine dicke Dunstschicht am Horizont, die dafür sorgt, dass die Sonne erst einige Minuten nach Aufgang sichtbar wird. Dennoch sind wir auch heute Morgen vom Farbenspielen des Himmels begeistert.





Zurück an unserer Campsite nehmen wir noch ein schnelles Frühstück ein und packen dann unsere sieben Sachen zusammen.

Wir haben eine lange Fahrstrecke, davon über 70 Kilometer im Tiefsand, zu fahren. Bis Letlhakane benötigen wir gerade einmal 1:45 Stunden. Schnell verliert die Tiefsandpiste ihren Schrecken, da unser Toyota Hilux durch sie hindurch schnurrt wie ein Kätzchen! Beim Choppies lassen wir uns vier Pakete Rinderfilet vakuumverpacken. Eigentlich wollten wir Einheiten von je 500 Gramm, bekommen aber 1 Kilo Pakete! Was soll´s, angeblich hält sich das Fleisch bis zu zwei Wochen und es kostet ein Zehntel vom Preis in Deutschland (4 Kilo für ganze 20 €!!!). Bei der botswanischen Bevölkerung ist Rinderfilet gar nicht so beliebt, da sie lieber für ihre Eintöpfe Stücke mit Knochen und Fett verwenden, ein Grund für den niedrigen Preis.

Nachdem wir noch einmal vollgetankt haben – wir stellen fest, dass unser Hilux ungefähr 11 – 12 Liter verbraucht hat -, fahren wir auf der B300 bis nach Rakops durch eine relativ eintönige Landschaft. Ein paar Geier tuen sich am Straßenrand am Kadaver eines Rinds gütlich. 18 Kilometer hinter Rakops geht die schnurgerade Sandpiste zur Haina Lodge ab. Ich will zunächst einmal versuchen, die Piste zu bewältigen, ohne den Reifendruck zu reduzieren. Das klappt auch problemlos - lediglich am Anfang gibt es ein paar tiefsandige Passagen, danach lässt sich der Weg sehr gut befahren.



Erstaunt betrachten wir unterwegs die Vorboten des Frühlings, die selbst in dieser unglaublichen Trockenheit unverkennbar sind. Die Akazien beginnen zu treiben und satt-gelb zu blühen und man fragt sich, woher die Pflanzen aus der um diese Jahrezeit unwirltichen Umgebung ohne Wasser und Nährstoffe die Kraft dafür beziehen!



„Eigentlich könnte ich heute einmal meine erst Offroad-Erfahrung machen, die Piste ist nicht so schwierig“, meint Corinna. Gesagt, getan – ich stoppe den Toyota und wir tauschen die Plätze. Es ist für sie nicht nur die erste Offroad-Fahrt, sondern auch die erste in einem Fahrzeug mit Steuer auf der rechten Seite! Corinna schlägt sich hervorragend, sie hat lediglich einen leichten Linksdrall und gerät dadurch hier und da aus der vorgegebenen Sandspur. In den sogenannten „Two-Spoor-Sandroads“ sollte man das Lenkrad sich selbst überlassen und nicht gegensteuern, das Fahrzeug findet die richtige Spur sozusagen von alleine!

Kuke Corner ist die nordöstliche Ecke der Central Kalahari. Ebenso wie das ganze Land ist auch die Kalahari komplett von sogenannten Veterinary Fences eingezäunt. Überall auf den Straßen befinden sich zudem Veterinärkontrollen, die den Inhalt der Kühlschränke von 4x4 Fahrzeugen kontrollieren und unter Umständen mitgeführtes Frischfleisch konfiszieren.

Die Rinderzucht spielt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in Botswana eine übergeordnete Rolle – sehr zum Leidwesen des Naturschutzes. 3 Millionen Rinder in einem Land mit 1,9 Millionen Einwohnern hat bereits das ökologische Gleichgewicht der Kalahariböden durch Überweidung nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Zudem werden die „Killerzäune“ in Dürrejahren zu einer tödlichen Falle für Wildtiere. Auf ihrer instinktiven Migration zu den Wasserquellen im Okavangodelta werden die Zäune zu einer tödlichen Falle. Hunderttausende Gnus und Antilopen verendeten in den 1970er und 80er Jahren qualvoll!

Die Veterinärkontrolle an der Kuke Corner lässt uns glücklicherweise ohne weiteres passieren – nicht auszudenken, wenn wir hier unser schönes Rinderfilet eingebüßt hätten! Wir wissen aber, dass an den Veterinärzäunen ausschließlich in umgekehrter Richtung kontrolliert wird. Schließlich erreichen wir die Haina Kalahari Lodge. Wir werden von Wanda und Adrian, den Managern der Lodge, sehr herzlich empfangen.

Das private Game Reserve ist 11 Hektar groß und es beherbergt alle Wildtiere, die hier in ihrem natürlichen Habitat leben, diverse Antilopenarten wie Kudus, Elen, Oryx und viele mehr, alle Raubkatzen wie Löwen, Leoparden, Geparden sowie Schakale, braune Hyänen und Tüpfelhyänen. Die Raubtiere passieren mühelos die engmaschigen Zäune – das Reserve ist lediglich ein kleiner Bestandteil ihrer riesigen Territorien.

Bei einem kühlen Drink an der Bar besprechen wir die geplanten Aktivitäten mit Adrian. Zunächst entscheiden wir, beide Abende in der Lodge uns mit einem Dreigangmenü verwöhnen zu lassen. Da wir natürlich nicht jeden Abend unser Dachzelt abbauen wollen, um zur Lodge zu fahren – die Brakah Campsites sind sieben Kilometer von der Lodge entfernt -, bietet uns Alan an, uns zum Dinner abzuholen und auch wieder anschließend zurück zu bringen. Außerdem planen wir einen Bushman-Walk sowie einen nächtlichen Gamedrive. Obwohl wir als Camper nur einen Bruchteil der anderen Lodgegäste zahlen (150 Pula p.P./Nacht), werden wir extrem zuvorkommend behandelt – das wissen wir sehr wohl zu schätzen. Wir dürfen sogar den Pool morgen nutzen, da die Lodgegäste, eine Gruppe von vier älteren englischen Paaren mit ihren beiden Guides, einen Tagesausflug in die Central-Kalahari machen.



Auf unserem Weg zur Brakah-Campsite sehen wir noch jede Menge Wildlife, Springböcke, Kudus, aber auch ein paar süße Steinböckchen mit ihren großen Kulleraugen. Das Camp ist ausgestattet mit Duschen und Toiletten mit Wasserspülung – das Wasser wird aus 100 Metern Tiefe aus dem Grundwasser nach oben befördert uns ist sehr salzhaltig und daher nicht trinkbar. Wir schlagen unser Camp unter hohen Thorn-Trees auf.
Nach einer erfrischenden Dusche fahren wir mit Adrian zum Dinner in die Lodge. Dort treffen wir an der Bar auf Nick, dem 75 jährigen Guide der englischen Gruppe. Bei einem Gläschen Savignon Blanc plaudern wir eine ganze Weile sehr nett mit ihm, später gesellen sich noch Wanda und Adrian dazu. Das Dinner ist stilvoll und schmackhaft. Am lodernden Campfire gibt es überbackene Pilze, danach eine in einem dünnen Teigmantel eingeschlagene Hühnchen-Pie sowie zum Dessert einen typisch botswanischen Kuchen. Auf so viel Luxus werden wir in den kommenden Tagen in der Kalahari sicher nicht mehr stoßen. Erneut geht ein schöner Abend zu Ende und wir schlafen den Schlaf der Gerechten, zumal es nachts doch angenehm abkühlt.


18. September 2013, Haina Kalahari Lodge

Beeindruckende Begegnung mit Kalahari-Buschmännern und Löwen

Das eindeutige Gebrüll zum Sonnenaufgang in nicht allzu großer Entfernung signalisiert uns in aller Deutlichkeit, dass wir nun mitten in einem Löwengebiet nächtigen, ohne Elektrozaun und mutterseelenalleine auf unserer idyllisch gelegenen Campsite. Es ist noch recht kühl am Morgen und wir lauschen fasziniert den Geräuschen des erwachenden Busches.



Zum Frühstück wird ein Campfire entfacht, um ein paar Toastbrote zu rösten. Zahlreiche Vögel umschwirren das Camp, wir machen unter anderem zahlreiche Gelbschnabel-Tokos, Schildraben und Webervögel aus. Um 11 Uhr holt uns Adrian zur Lodge ab und wir verbringen ein paar unerwartet komfortable Stunden am Pool. Wir erfreuen uns an den Bildern der ersten Tage und laden sie auf eine Festplatte herunter.

Gegen Nachmittag startet der Bushman-Walk von der Campsite aus. Die Haina Lodge befindet sich in einem Gebiet, das von Buschmännern seit 6.000 Jahren bewohnt wird. Sie haben sich dieses lebensfeindliche Gebiet ausgesucht, da sie hier sicher waren vor Übergriffen feindlich gesonnener Stämme und in der Neuzeit auch keinerlei Berührungspunkt mit kriegerischen Handlungen im Land hatten. In den 1980er Jahren wurden in der Kalahari Diamanten entdeckt und damit begann die rücksichtslose Zwangsvertreibung – nicht gerade ein Ruhmeskapitel für die demokratische Republik Botswana!

Eine kleine Gruppe von Buschmännern lebt heute auf dem Gebiet der Haina Lodge, dort pflegen sie noch heute ihre alten Traditionen, wenn sie auch nicht mehr dauerhaft ihre primitiven Strohhütten bewohnen. Barfuß und mit traditionellen aus Tierleder gefertigten Shorts führen uns zwei Buschmänner durch den Busch und erklären uns in ihrer faszinierenden, aber extrem komplizierten Sprache, die aus merkwürdigen Klicklauten besteht, mit welch raffinierten Techniken die Buschmänner über Jahrtausende ihr Überleben in der Kalahari bewerkstelligt haben. Sie zeigen uns unter anderem wie mit einfachen Mitteln eine extrem wirksame Vogelfalle aus einem biegsamen Ast eines Busches gefertigt wird oder wie das wenige Wasser durch das Zusammenbinden von Grasbüscheln aufgefangen und in Straußeneiern, den damals einzig möglichen Auffangbehältern im Busch, gelagert wird. Kinderspielzeug wird aus den Materialien gebastelt, die der Busch her gibt, z.B. eine Giraffe mit den Beinen eines Thorn Trees – Mütter in Deutschland würden hysterische Anfälle bekommen, wenn ihre Kleinkinder mit solchen gefährlichen Gegenständen hantieren würden!





Auf dem weiteren Weg entdecken wir ein süßes kleines Chamäleon - wenn sie größer werden sind sie allerdings nicht immer ganz so süß, da sie ganz heftig zubeißen können!



Wir gelangen zu zwei Grashütten, genau in der Art, wie sie in der Kalahari von den Buschmännern bewohnt wurden. Mit einem Feuerholz erzeugen sie binnen weniger Sekunden ein Feuer – mein „Selbstversuch“ dauert schon ein bisschen länger, aber schließlich brennt auch mein kleines Feuerchen!



Schließlich zeigen die Buschmänner uns noch, wie sie aus einer dicken Wurzel, die in der Kalahari zu finden ist, Wasser gewonnen werden kann. Späne werden von der feuchten Wurzel abgeschält und zu einer Kugel geformt, die man auspresst und sich direkt in den Mund träufelt. Die Flüssigkeit hat allerdings mit Wasser wenig zu tun, sie schmeckt ziemlich bitter. Schließlich zeigen und die Buschmänner, wie sie sich den lieben langen Tag die Zeit vertrieben haben, mit einem „Sortierspiel“, in dem Steine nach einem bestimmten System von Sandkuhle zu Sandkuhle befördert werden. Die Spielidee erschließt sich uns allerdings nicht wirklich. Begeistert kehren wir zum Camp zurück, der Bushman Walk ist ein echtes „Must Do“, wenn man in der Haina Kalahari Lodge absteigt (150 Pula p.P.)!



Nach einer kurzen Dusche machen wir uns auf zu einem Night-Gamedrive. Bei Nacht werden alle Raubtiere aktiv. Adrian hat in der Nähe der Lodge Löwen brüllen gehört und fährt mit uns auf direktem Weg in Richtung Airstrip, wo sich eine Gruppe von Löwen bereits gestern aufgehalten hat. Als wir dort nichts entdecken, fahren wir weiter zum Zaun, der von den Löwen häufig passiert wird. Wir sind auf der Suche nach frischen Löwenspuren, die uns mehr über den aktuellen Aufenthaltsort der Tiere verraten sollen. Am Zaun sind zahlreiche frische „In and Out“ Spuren zu finden, aber keine gibt endgültigen Aufschluss darüber, ob sich die Löwen noch im Reserve befinden. Plötzlich funkt Wanda Adrian an und berichtet aufgeregt, dass die Löwen soeben am Wasserloch der Lodge getrunken haben! Mit Affenzahn steuert Adrian sein 4x4 Vehikel zurück zur Lodge und tatsächlich liegt dort ein Prachtexemplar von einer Löwin und schaut uns interessiert an. „Sie sieht so aus als könne man auf der Stelle aussteigen, um sie zu streicheln“, meint Corinna, so friedlich liegt das majestätische Tier sozusagen vor unseren Füßen. Sie ist von unserem offenen Gamedrive Fahrzeug lediglich einen Sprung weit entfernt. Niemals zuvor waren wir einem Löwen so nahe ohne schützendes Gitter davor – ein Kribbeln im Bauch verbleibt alle Male! Im Licht des Suchscheinwerfers gelingen mir trotz der schwierigen Lichtverhältnisse ein paar nette Schnappschüsse. Schließlich tut uns die Löwin sogar noch den Gefallen, mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll nach ihrer Familie zu rufen. Damit ist die Szenerie perfekt!



Löwen sind nachtaktiv, tagsüber verbringen sie die meiste Zeit dösend und schlafend. Insofern bekommt man nur selten jagende Löwen zu sehen. Männchen können bis zu 250 Kilogramm schwer werden, Weibchen wiegen nur ungefähr gut die Hälfte. Im Gegensatz zu allen anderen Großkatzen leben Löwen in sozialen Verbänden mit einer starken Bindung. Ein Rudel besteht zumeist aus einem geschlechtsreifen männlichen Löwen sowie einer Vielzahl weiblicher Tiere. Jungtiere werden mit Einsetzen der Geschlechtsreife aus dem Rudel vertrieben, zugleich eine Verbeugung gegen Inzucht. Löwen haben keine natürlichen Feinde, dennoch verlieren sie immer wieder ihre Beute zum Beispiel an große Hyänenrudel, wie wir im Verlauf unserer Reise noch hautnah erleben werden. Beutetiere sind sämtliche Antilopen, Giraffen, Büffel und sogar Elefanten, sogar Aas wird nicht verschmäht.

Später vor dem Dinner erhört die komplette Löwenfamilie das Brüllen der Löwin und gibt ein Stelldichein am Wasserloch der Lodge. Wir können dem bunten Treiben bei einem Gläschen Wein folgen – welch unerwarteter Luxus! Das Dinner besteht aus einer Sweet Potatoe-Soup, einem Kudu-Potjie sowie Pancakes mit Orangenfüllung – lecker!!! Wir sind heute an den Tisch der englischen Gruppe eingeladen worden und haben sehr interessante Gespräche insbesondere mit Nick, dem Guide aus Maun. Er gibt uns abends noch echte Insider-Tipps, welche Strecken wir bei unserer Fahrt durch das Okavangodelta wählen sollten.


19. September 2013, Hainaveld Gamereserve – Maun

Außerplanmäßiger Tripp nach Maun

Eines vorab: Einen „gebrauchten Tag“ wie den heutigen wollten wir eigentlich in diesem Urlaub vermeiden. Nach einem kurzen Frühstück ist unser ursprünglicher Plan, gemütlich in die Central Kalahari aufzubrechen. „Was ist das für ein Geräusch“, frage ich Corinna, als wir von der Campsite herunterfahren. Vorne links ist an unserem Toyota ein deutliches Schleifgeräusch auszumachen. Ich schlage den Reifen ein und schnell wird das Problem sichtbar: Eine Gummiummantelung, die die Achse vor Schmutz schützen soll ist eingerissen. Durch den sich in der Achse sammelnden Dreck werden die Schleifgeräusche verursacht. Wir fahren zur Lodge und Adrian sagt, wir sollen zunächst einmal zur „Werkstatt“ der Lodge fahren. Dort versuchen Adrian und ein Angestellter das Problem mit Bordmitteln zu beheben. Der Gummischutz wird an der defekten Stelle kurzerhand abgeschnitten, die Achse anschließend mit Druckluft und Schmiere gereinigt. Da Adrian sich nicht sicher ist, ob wir mit diesem notdürftig geflickten Fahrzeug in die Kalahari fahren können, entscheiden wir ohne zu zögern, unsere Pläne zu ändern und sofort nach Maun zum nächsten Toyota Händler zu fahren. „So ein Mist, 300 Extra-Kilometer und Sunday Pan ade“, fluche ich. Einer der besten Campsites in der Kalahari, den wir für den ersten Tag in der Central Kalahari gebucht haben, ist somit Geschichte! Wir versuchen zwar noch bei Bigfoot, dem Betreiber des Campsites, einen Wechsel kurzfristig zu arrangieren, erhalten jedoch kurze Zeit später eine Mail, dass im Sunday Pan an einem der nächsten Tag kein Platz verfügbar sei!

Also machen uns auf den unvorhergesehenen Weg nach Maun, eine öde Angelegenheit! Über zwei Stunde entlang des Veterinary Fence ohne jegliche landschaftliche Abwechslung. Bei Kuke Corner entgehen wir zumindest der Veterinärkontrolle, da wir zuvor parallel zum Veterinärzaun in Richtung Maun abbiegen.



Beim Toyotahändler in Maun angekommen, werden wir sogleich auf die Rampe beordert und einige Mechaniker machen sich an die Arbeit. Es entsteht eine Diskussion bezüglich der Übernahme der Kosten. Eine Lady des Officepersonals eröffnet uns nach dem ersten Check des Fahrzeugs auf der Rampe, dass dieser Schaden nicht im Rahmen der Toyota-Garantieleistung abgewickelt werden kann. OK, das hatten wir uns schon gedacht, wenn es denn nur schnell geht! Schließlich haben uns die Bushlore Leute in Johannesburg gesagt, dass wir in der Regel die Rechnung bei einer etwaigen Reparatur zunächst übernehmen müssen und eine Erstattung dann später in Johannesburg erfolgt.



Es stellt sich heraus, dass die gesamte Antriebswelle ausgetaucht werden muss, da etwas gebrochen zu sein scheint. Die ganze Angelegenheit ist innerhalb einer Stunde erledigt, wir zahlen die Reparaturkosten in Höhe von 3.000 Pula und fahren hinein nach Maun.

Ein zweites Problem, das an diesem Tag auftaucht, ist, dass die Papiere unseres Autos unauffindbar sind. Wir telefonieren mit Wanda in der Haina Lodge, da sie die Unterlagen mit ins Office genommen hat, als sie Bushlore für uns kontaktiert hat. Sie kann die Papiere zunächst nicht finden, später tauchen sie dann tatsächlich auf - Adrian hat sie in einem anderen Büro abgelegt. Sie bieten uns an, die Papiere per Flugzeug nach Maun zu schicken und dort in einem Büro für uns zu hinterlegen. Zufällig startet heute ein Flugzeug vom „Bush-Airport“ der Haina Lodge nach Maun – wir haben also Glück im Unglück. Später holen wir dann die Papiere in dem vereinbarten Büro ab.

Als Unterkunft haben wir uns die Okavango-Riverlodge ausgesucht, 12 Kilometer außerhalb Mauns gelegen. Die Campsites liegen sehr idyllisch am Fluss und der vielfach zitierte Lärm in den Lodges vor Maun bleibt glücklicherweise auch aus. Malerisch geht die Sonne über dem Thamalakane River unter. Im Fluss tummeln sich zahlreiche Krokodile, was die einheimischen Kinder dennoch nicht daran hindert, hier zu baden!

Abends nehmen wir unser Dinner in der Bar der Lodge ein, das T-Bone Steak ist nicht gerade eine Offenbarung, Corinnas Pasta hingegen ganz ok! Wir kommen ins Gespräch mit einer Australierin, die fünf Wochen als Volunteer in Khumaga gearbeitet hat – dort werden wir auch noch Station machen. Sie macht uns schon einmal Geschmack auf das reiche Wildlife in der Gegend rund um den Boteti River.




20. September 2013, Maun – CKGR, Kori Pan

"Cry of the Kalahari" - Auf den Spuren von Delia & Marc Owens

Wie üblich werden wir geweckt vom Konzert der Vögel. Von früh bis spät ist im ganzen südlichen Afrika der Ruf der Capturteltauben omnipräsent, aufgrund ihres Gurrens auch „Work Harder Bird“ genannt. Aber auch viele ungewöhnliche Vogelstimmen sind zu vernehmen – der Thamalakane River ist ein Eldorado für „Birder“. Nach einem schnellen Frühstück fahren wir auf den gleichen Weg zurück bis nach Kuke Corner. Da wir aus Richtung Maun kommen, müssen wir an der Veterinärkontrollstation mit der Inspektion unseres Kühlschranks rechnen. „Rotes Fleisch“ darf nicht den Veterinary Fence passieren. Einen Kilometer vor der Station verstecken wir unsere Rinderfiletpakete in einer unserer Taschen. Am Vet-Fence werden Schuhe und Reifen des Autos desinfiziert. Wir müssen uns in ein Registerbuch eintragen und verneinen brav die Frage, ob wir rotes Fleisch mit uns führen – dann dürfen wir passieren. Einen Kilometer hinter der Kontrollstation packen wir unser Fleisch zurück in den Kühlschrank! Von Kuke Corner sind es noch 20 Kilometer bis zum Matswere Gate, dem Eingang zur Central Kalahari. Wir zeigen dem freundlichen Beamten unsere Permits und tragen uns erneut in ein Register ein. Nochmals wird uns durch einen Bigfoot-Mitarbeiter, der direkt am Gate arbeitet, erklärt, dass Sunday Pan ausgebucht sei und wir nicht wechseln können. Einen Versuch war es wert! Bigfoot betreibt diverse Campsites in der Kalahari, unter anderem die beiden attraktivsten Camps im CKGR in unmittelbarer Nähe zu einem Wasserloch Sunday Pan sowie Piper´s Pan.


Die Central Kalahari gehört zu den größten zusammenhängende Sandfläche der Welt, ist jedoch streng genommen keine klassische Wüste wie zum Beispiel es die Sahara ist. In der Kalahari sind unterschiedliche Vegetationszonen anzutreffen, in erster Linie ist sie eine Trockensavanne, die viele Pfannenlandschaften, ausgedehnte Grasebenen, fossile Flussläufe und sogar kleine Wälder aufweist. Die Kalahari zeichnet sich vor allem durch grenzenlose Einsamkeit aus, in der allerdings eine erstaunliche Artenvielfalt an Tieren zu entdecken ist. Das Central Kalahari Game Reserve (CKGR) ist das zweitgrößte Schutzgebiet der Welt.

Die 38 Kilometer bis zum legendären Deception Valley (=Tal der Täuschungen) sind für unseren 4x4 kein Problem. Unterwegs sieht man überall an den trockenen Sträuchern und Bäumen, wie sich zartes Grün nach und nach durchsetzt. Es hat seit Monaten hier nicht geregnet und der Boden ist ringsum staubtrocken! Die Kalahari-Pflanzen sind ebenso perfekt an diese unwirtlichen Bedingungen angepasst, wie die zahlreichen Tierarten, die ihren Lebensraum hier haben. Zur Regenzeit verwandelt sich das karge Tal in ein riesiges Grasmeer.

Schließlich überqueren wir den Rand des fossilen Flusslaufes von Deception Valley und werden direkt von einer Oryx-Antilope, die unter Akazien Schutz vor der Gluthitze sucht, begrüßt. Mit großer Begeisterung haben wir das Buch des amerikanischen Ehepaars Delia und Mark Owens, „Cry of the Kalahari“ gelesen. Sie haben im Deception Valley von 1974 – 1981 unter primitivsten Bedingungen die Lebensweise der Braunen Hyänen und der Kalahari-Löwen erforscht.



Bei der Durchfahrt entdecken wir viele Tiere, unter anderem niedliche Steinböckchen mit ihren großen dunklen Kulleraugen sowie possierliche Borstenhörnchen.



Unser Ziel ist heute aber zunächst die Sunday Pan, bei der wir ja aufgrund unserer Autopanne leider nicht übernachten können. So wollen wir doch wenigstens tagsüber hier einige Zeit verbringen. Die Campsites der Sunday Pan sind besonders beliebt, da sie in der Nähe eines Wasserloches liegen und die Chance, Löwen, Leoparden oder Geparden in den frühen Morgenstunden oder am Abend zu Gesicht zu bekommen, besonders groß ist. Zur Mittagszeit treffen wir am Wasserloch eine Gruppe von Oryx-Antilopen sowie einige Springböcke an. Wie alle anderen Wasserstellen der Kalahari handelt es sich um ein künstlich angelegtes Wasserloch, das durch eine solarbetriebene Pumpe mit Wasser bestückt wird. Wir richten uns am Wasserloch häuslich ein und bereiten erst einmal einen Salat zu. Ein kleines selbst konstruiertes „Wasserloch“, aus einem abgeschnittenen und eingebuddelten Wasserkanister bestehend, soll uns Vögel vor die Kamera locken. Tatsächlich bevölkern nach einer Weile unzählige Vögel unsere kleine Tränke, zumal es hier leckeres Süßwasser gibt, während das Wasserloch lediglich vom salzigen Kalahari-Grundwasser gespeist wird. Unter anderem interessieren sich zahlreiche Kalahari-Spatzen (Great-Sparrow, White-Browed-Sparrow-Weaver), aber auch farbenfrohe Rotbauchwürger für die unverhoffte Wasserquelle.



Gegen Nachmittag brechen wir auf zu unserer gebuchten Campsite, Kori Pan 4. Kori Pan ist einer der staatlich betriebenen Camps. Das Plätzchen liegt sehr idyllisch und leicht erhöht, mit Blick auf das weitläufige Deception Valley.



Wie auf den meisten Campsites im CKGR gibt es hier ein Plumpsklo aus Stein sowie einen befüllbaren Eimer mit einem Duschkopf. Wenn einem bewusst wird, welch kostbares Gut Wasser an diesem Ort ist, kommt man ohne Weiteres mit maximal fünf Litern Wasser während des Duschens inklusive Haarewaschen aus!



Abends am Lagerfeuer grillen wir Rinderfilets, dazu gibt es Kartoffeln mit Kräuterquark. Es ist stockdunkel, da der Mond durch Wolken bedeckt ist. Natürlich wissen wir, dass Raubkatzen Feuer meiden und eigentlich auch den Geruch von Menschen nicht mögen. Dennoch befällt uns ein leicht mulmiges Gefühl, da wir zahlreiche Raubtiere um uns herum wissen. Regelmäßig scannen wir den Busch nach funkelnden Augen ab, in unmittelbarer Nähe entdecken wir allerdings heute keine.




21. September 2013, CKGR, Kori Pan – Piper Pan

Ein Löwenrudel nahe der Campsite und ein fast kitschiger Sonnenuntergang

Nach einer stürmischen Nacht brechen wir zum Sonnenaufgang unser Camp ab, um das Deception Valley zu durchfahren. Das Tal ist unheimlich wildreich. Wir treffen vor allem auf Oryx-Antilopen- und Springbock-Herden. Allseits macht der Springbock seinem Namen alle Ehre – und das auf kuriose Art und Weise: Mit herabgeneigten Köpfen und Hinterläufen springen die kleinen Antilopen wie Gummibälle bis zu 3,5 Meter hoch. Bis heute weiß kein Mensch, warum die Tiere die merkwürdigen Sprünge vollziehen, möglicherweise aus reiner Lebensfreude!? Eine andere Theorie besagt, dass die Tiere damit Raubtieren signalisieren wollen, dass sie entdeckt worden sind und somit ein Angriff keine Aussicht auf Erfolg hat.

Der Himmel ist bedeckt und ein Sandsturm fegt über die karge Fläche des Tals. Zahlreiche Honey Badger (Honig-Dachse) graben emsig im Erdreich nach Skorpionen, Spinnen und kleinen Reptilien. Diese kleinen Geschöpfe sind bei vielen Tieren wegen ihrer Aggressivität berüchtigt, da sie auch nicht davor zurückschrecken, büffelgroße Tiere zu attackieren. Sie sind immun gegen Schlangengifte, selbst eine grüne Mamba oder eine Puffotter können ihnen nichts anhaben. Interessant ist die Symbiose mit einem kleinen Specht, dem sogenannten „Honiganzeiger“: Der Honiganzeiger weist dem Honey Badger den Weg durch lautes Rufen zu Bienennestern. Der Dachs bricht die Waben auf, da er sich insbesondere für den süßen Honig interessiert, während der Vogel die Bienenlarven vertilgt.



Riesige Boden- und Laufvögel, wie zum Beispiel Riesentrappen (135 cm), die kuriosen hochbeinigen Sekretärvögel (bis 150 cm) mit ihren roten "Brillen" und viele Strauße kreuzen unseren Weg. Nur in der Kalahari und in Namibia gibt es noch frei lebende Strauße. Es ist ein lustiges Bild, wie diese riesigen Vögel etwas unbeholfen, aber in einem „Affenzahn“ mit Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h über die Ebene rennen.



Auch einige der eher nachtaktiven Schabrackenschakale sehen wir – sie suchen schnell das Weite, als wir ihnen zu nahe kommen. Sie gehören zur Gattung der Wolfsartigen (Canis), obwohl ihr Äußeres eher an einen großen Fuchs erinnert. Schabrackenschakale trauen sich häufig sehr nahe an menschliche Behausungen heran, wo sie auch Nutztiere schlagen und daher gnadenlos Jagd auf sie gemacht wird. Dennoch ist die Art derzeit noch nicht vom Aussterben bedroht. In freier Wildbahn gehören erstaunlicherweise auch Antilopen in der Größenordnung von ausgewachsenen Springböcken zu ihrer bevorzugten Beute.

Äußerst niedlich sind auch die überwiegend paarweise anzutreffenden und monogamen Löffelhunde (Bat-eared-Fox), die sich aneinander kuscheln, um ein bisschen Schutz vor dem Sandsturm in der Ebene zu finden. Ihren Namen verdanken diese Tiere ihren riesigen Ohren, die dem Aufspüren leisester Geräusche von Termiten in deren Bauten, ihrer bevorzugten Nahrung, dienen.



Die Route durch das Deception Valley hat mit Offroad-Fahren nicht all zu viel zu tun, der Untergrund ist hart und eben. Gleich hinter der Deception Pan, die aus der Entfernung, gleich einer Fata Morgana, wie ein riesiger schwarzer See aussieht, geht die Strecke über in eine Two-Spoor-Sand Piste, ebenfalls aber sehr gut befahrbar, trotz kleinerer Tiefsandpassagen. Wir gelangen zur Abzweigung zur Piper´s Pan und entscheiden spontan, dorthin einen Abstecher zu unternehmen. Die 26 Kilometer lange Piste hat es allerdings in sich. Wir benötigen ca. eine Stunde und werden aufgrund des ruppigen und extrem welligen Untergrundes kräftig durchgeschüttelt. Ähnlich wie Deception Valley gibt es in der weitläufigen Ebene der Piper´s Pan zahlreiche Wildtiere, natürlich auch durch das hier vorhandene permanente künstliche Wasserloch. An der Piper Campsite 2 liegen vielversprechend Gerippe von gerissenen Antilopen – vielleicht kommen wir ja doch noch zu unserem erhofften nächtlichen Erlebnis mit Löwen vor unserem Zelt?

Da wir heute Morgen außer ein paar Rusks nichts gefrühstückt und wahnsinnigen Hunger haben, beschließen wir ein paar Würstchen zu grillen. Es ist durch den nächtlichen Sturm noch immer sehr frisch draußen. Wir bauen unseren 4x4 so auf, dass er uns ein bisschen vor dem Sand schützt. Dennoch wird unser Lunch vom Sand paniert, wir merken es am Knirschen in den Zähnen!

Ein weiterer Game Drive über die Piper Pan steht am späten Nachmittag an. Wir stellen unisono fest, dass uns die Piper Pan von allen Pfannen der CK am besten gefällt. Unzählige Antilopen trotten über die weite Ebene. Die Pfanne strahlt insbesondere in den Abendstunden eine atemberaubende Atmosphäre aus. Längst haben wir beschlossen, unsere Buchung in der Phokoje Pan Buchung sein zu lassen und an diesem phantastischen Ort zu übernachten – eine grandiose Entscheidung, wie sich herausstellen wird. Nochmals fahren wir den Piper´s Loop und beobachten zahlreiche verschiedene Tiere.

Als wir in die Nähe des Wasserlochs gelangen, schlägt mein Puls schlagartig höher. „Ich glaube dort drüben liegt ein Löwe“, flüstere ich zu Corinna herüber. Tatsächlich, dort hat sich mit großer Gelassenheit ein jugendliches Männchen nieder gelassen.



Als wir dem Wasserloch näherkommen, entdecken wir fünf weitere „Kumpels“ ungefähr gleichen Alters. Wir bauen uns in der Nähe des Wasserlochs auf, keine 10 Meter entfernt von dem Löwenrudel, und beobachten eine ganze Weile, wie sie in Reih und Glied ihren Durst löschen. Kein anderes Tier ist weit und breit in Sicht, wenn der König der Tiere zum Wasserloch schreitet! Ein erhabenes Gefühl beschleicht uns, diese prächtigen Tiere in freier Wildbahn aus nächster Nähe beobachten zu können und in diesem Moment ganz für uns alleine zu haben.



Es folgt der mit Sicherheit atemberaubendste Sonnenuntergang, den wir je in unserem Leben gesehen haben – es ist die reinste Farbsymphonie in Rot und Blautönen, nahezu kitschig anmutet. Die mannshohen Termitenhügel machen die Pan zu einer bizarren Mondlandschaft.





Zurück in unserem Camp errichten wir in aller Eile unser Lager. Da die Sonne bereits untergegangen ist, müssen wir im Schein des Campfires und unserer Gaslampe aufbauen. Wir kochen in unserem Potjie eine Linsensuppe mit Rindfleisch und viel Gemüse. Der Eintopf schmeckt galaktisch und das liegt definitiv nicht nur an der stimmungsvollen Umgebung. Jetzt, da wir wenige Minuten zuvor Löwen real gesehen haben, erhält das mulmige Bauchgefühl in stockdunkler Nacht am Lagerfeuer einen deutlichen Realbezug und wir leuchten häufiger als gewohnt den Busch nach leuchtenden großen Augenpaaren ab.

"Jetzt fehlt nur noch der Schrei der Kalahari zu unserem Bild, das wir uns in unserer Phantasie vor der Reise ausgemalt haben“, sagt Corinna und meint damit das vom Ehepaar Owens in ihrem Buch beschriebene Heulen der Schakale. Wir haben in der Kalahari bereits nach zwei Tagen mehr gesehen, als wir es uns zuvor in dieser Jahreszeit erträumt hatten. Sicher liegt es auch daran, dass alle künstlichen Wasserstellen mittlerweile ganzjährig in Betrieb gesetzt worden sind, die Migration der Tiere daduch beeinflusst wird und sie sich hier auch zur Trockenzeit in einem deutlich kleineren Territorium bewegen können.

22. September 2013, CKGR, Piper Pan – Kori Pan, 153 Kilometer, 4:50 h

Kampf auf Leben und Tod: Schabrackenschakal vs. Schwarze Mamba

Zum Sonnenaufgang packen wir lediglich unser Dachzelt zusammen und begeben uns sehr früh auf Pirschfahrt. Highlight unserer Runde ist eine Braune Hyäne, die schnell das Weite sucht, als sie uns erblickt. Diese Tiere sind sehr scheu und schwer zu sehen, da sie nachtaktiv sind. Am Wasserloch haben wir schon wieder großes Glück: Zwei Löwenmännchen, etwas größer und älter als die „sechs Jungs“ von gestern, haben sich zu einer morgendlichen Siesta eingefunden. Sehr schön erkennbar ist bereits der Ansatz einer schwarzen Mähne, die für Kalahari-Löwen typisch ist. Zahlreiche Oryx-Antilopen und Gnus stehen wie die Orgelpfeifen aufgereiht um das Löwenrudel herum. Erstaunlich, dass sich viele Wildtiere so nahe an die Gefahrenquelle heranwagen. Wahrscheinlich wissen sie ganz genau, dass die Löwen heute Morgen nicht in Jagdlaune sind. Keiner wagt es allerdings unmittelbar an das Wasserloch heranzutreten, lediglich die kleinsten aller umstehenden Tiere, zwei tapfere Warzenschweine, nehmen allen Mut zusammen, und gehen das Wagnis ein.







Einige Geier warten am Wasserloch geduldig auf ihre Chance und ein mögliches morgendliches Festmahl. Doch machen die Löwen ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung, denken nach wie vor nicht daran auf Jagd zu gehen, sondern räkeln sich anstattdessen lieber träge in der Morgensonne unter einem Dornenbusch.



Zurück im Camp gibt es ein ausgiebiges Frühstück mit Eiern und Speck. Unsere Tagesetappe führt uns zurück zum Deception Valley, dieses Mal allerdings via Tau Pan und die sogenannte „Cutline“. Nachdem wir auf der ruppigen „Wellblech-Sandpiste“ auf den ersten 20 Kilometern eine Stunde lang erneut kräftig durchgeschüttelt worden sind, wird es nach der Abzweigung nach Phokoje wieder deutlich angenehmer. Die Landschaft entlang der Piste ist zwar relativ monoton, aber zumindest sehr gut befahrbar.

Ein spektakuläres Erlebnis wartet auf uns in der Phokoje Pan. Schon aus der Entfernung beobachten wir einen Schabrackenschakal, der direkt auf unser Auto zugerannt kommt. Vor unseren Augen entdeckt er in einem Gebüsch eine gut zwei Meter lange, armdicke Schwarze Mamba, eine der gefährlichsten Schlangen in ganz südlichen Afrika. Ihr Biss führt beim Menschen unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zum Tod. Ein Festmahl bahnt sich an! Sofort entfacht ein Kampf auf Leben und Tod. Der Schakal versucht seine scharfen Zähne hinter den Kopf der Schlange zu rammen, während die Mamba ihrerseits sich immer wieder aufbäumt, um zum tödlichen Biss anzusetzen. Geschickt weicht der Schakal den Angriffen der Schlange aus, und schließlich ist der ungleiche Kampf vorüber. Die Gegenwehr der Mamba erlahmt und der Schakal beginnt genüsslich, seine Beute zu verspeisen.


Der Loop der Tau Pan gibt nicht sonderlich viel her, lediglich einige verstreute Antilopen bekommen wir zu Gesicht. In der Tau Pan befindet sich eine superteure Luxuslodge, erhöht auf einer Düne gelegen. Alle Gäste werden in die Lodge eingeflogen, um ihnen die „Strapazen“ der Anreise zu ersparen. Nach unserer Runde fahren wir direkt weiter in Richtung Deception Valley. Unterwegs auf der „Cutline“ haben wir noch eine unerwartete Begegnung mit zwei jungen Giraffen, die sich am frischen Grün der Akazien gütlich tun.



Wir richten uns wieder im Camp Kori 4 ein, bauen aber noch nicht unser Zelt auf, da wir abends noch einmal ins Deception Valley hineinfahren wollen. Wieder graben wir unsere kleine künstliche Wasserstelle ein und nach einer Weile stürzen sich auch schon zahlreiche Vögel auf das kühle Nass. Sie werden schnell vertrieben von zwei Hörnchen, die Anspruch auf das Wasser erheben.

Am Abend begeben wir uns auf die Spuren von Delia und Mark Owens und finden anhand der Skizze in ihrem Buch das ehemalige Camp unter einer Akaziengruppe. Das Hinweisschild, das hier einmal aufgestellt war, wird regelmäßig von Souvenirjägern entwendet und daher wahrscheinlich gar nicht mehr erneuert. Wir entdecken lediglich den Pfeiler, an dem es offenbar einmal befestigt gewesen ist. Der Airstrip, der von den Owens angelegt worden ist, scheint mittlerweile ziemlich überwuchert zu sein.

Wir entfachen unser Campfire und kochen heute mal vegetarisch. Corinna kann Rinderfilet in den unterschiedlichsten Variationen fast schon nicht mehr sehen! Es gibt Spaghetti und einer Tomatensoße mit Oliven, Kapern und Zwiebeln und einem Schuss Piri Piri. Beim zu Bett gehen erschrecke ich Corinna fast zu Tode: „Vorsicht, ein Skorpion“, schreie ich. Ihr Fuß kommt nur Zentimeter vor dem nachtaktiven Räuber zum Stehen. Skorpione greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Ihr Stich ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber sehr schmerzhaft. Uff, das hätte ins Auge gehen können!




23. September 2013, CKGR, Kori Pan – Khumaga

Fährmänner müssen manchmal in die Stadt - Hakuna Matata!

Wir verlassen heute die Kalahari. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis, diese Einsamkeit in dieser scheinbar lebensfeindlichen, spröden Umgebung zu genießen. Dennoch stellen wir fest, dass wir schon nach kurzer Zeit die Kalahari lieben gelernt haben, spätestens dann, wenn die Farben eines Sonnenunterganges einem den Atem rauben!

Am Matswere Gate verewigen wir unsere „Sightings“ mit Stecknadeln an dem dafür vorgesehenen Board. Dass neben den Raubtieren ausgerechnet der von uns relativ häufig beobachtete Honey Badger auftaucht, verwundert uns zunächst schon ein bisschen. Jedoch versichert uns der Ranger, dass es keinesfalls an der Tagesordnung ist, diese Tiere zu sichten. Wahrscheinlicher für uns klingt allerdings die Version, dass man auch solchen Besuchern ein „Erfolgserlebnis“ verschaffen möchte, die während ihres Aufenthaltes in der Kalahari weder Löwe, Leopard, Cheetah (Gepard) noch Wild Dog gesehen haben.

Nachdem wir uns aus dem Register ausgetragen haben, fahren wir im zunächst leicht befahrbaren Two Spoor Sand in Richtung Rakops. Erst nach 30 Kilometern kommt der Offroad-Liebhaber für ein kurzes Stück auf seine Kosten. Tiefsandige Löcher müssen umschifft werden – in der Regenzeit können diese Löcher volllaufen und zu einem üblen Hindernis für 4x4 Fahrer werden. Nach drei Tagen Sandpiste treffen wir in Rakops wieder auf eine befestigte Straße.

Die Shell-Tankstelle in Rakops ist ein ewiger Unsicherheitsfaktor, da es hier in der Vergangenheit häufig zu Stromausfällen gekommen ist und die Tankstelle somit außer Betrieb war. Wir haben jedoch Glück und können volltanken und ersparen uns somit einen größeren Umweg. Immerhin muss die Tanksäule nicht mehr mit einer Handpumpe betrieben werden, wie noch vor nicht allzu langer Zeit! Viel moderner sieht die Anlage allerdings bis heute nicht aus! Unseren 80 Liter Wassertank können wir allerdings nicht auffüllen, es gibt zwar einen Wasserhahn, aber keinen Schlauch - und das Umfüllen mit Hilfe einer 5-Liter Wasserflasche ist uns zu mühsam!



In Rakops entdecken wir einige Kuriositäten, unter anderem einladende Friseurgeschäfte und kleine "Tuck-Shops", die "Tante Emma Läden" Botswanas auf dem Land. Überall winken uns die Schulkinder fröhlich und unbeschwert zu.






Wir wollen im örtlichen Lebensmittelladen, dem „DD Complex General Dealer“, der schon an der Hauptstraße mit „Fresh Products and Butchery“ wirbt, versuchen, unsere Lebensmittelbestände aufzufrischen. Es gibt allerdings weder Brot noch Milch, von Käse oder Wurst ganz zu schweigen. Also beschränken wir unseren Einkauf auf einige Flaschen Mineralwasser. In ländlichen Gegenden Botswanas sind diese Art Geschäfte die Regel, Frischware ist fast nirgendwo zu bekommen.

Wir haben geplant in Khumaga mit einer kleinen, antiken Fähre über den Boteti zum Makgadikgadi Pan Nationalpark überzusetzen. Unten spricht uns ein Mitarbeiter von SKL, dem Betreiber des Khumaga Camps, an: „The Ferryman is unfortunately in Maun today. He is coming back tomorrow afternoon at 5 o´clock“! Das kann doch wohl nicht wahr sein, wir stoßen einen leisen Fluch aus. Aber es hilft alles nichts, der nächste Eingang in den Nationalpark befindet sich in Phuduhudu und wir müssen einen Umweg von 100 Kilometern Asphaltstraße und dann noch einmal 33 Kilometer Tiefsand in Kauf nehmen. Das ist Afrika, Hakuna Matata – in Europa würde man selbstverständlich für einen Ersatz-Fährmann sorgen, nicht so hier!



Über Motopi gelangen wir zum Gate von Phuduhudu. Unterwegs beobachten wir bereits Zebraherden, die sich auf dem Weg vom Boteti zur Nxai Pan befinden. In diesem Gebiet ist ein bemerkenswerter Wanderzyklus einiger Wildtiere, insbesondere diverser Antilopen, zu beobachten. Sie ziehen im Verlauf eines Jahres von der Nxai Pan in die Gras- und Schwemmgebiete der Makgadikgadi Pfannen, im August sind die Wasserstellen dort auch ausgetrocknet und die Herden wandern zum Boteti, wo sie in den trockensten Monaten noch Wasser finden. Zu Beginn der Regenzeit im Dezember schließt sich der Zyklus und die Herden ziehen wieder zur Nxai Pan, wo schließlich der Nachwuchs geboren wird.



Wir haben die Campsite Nr. 8 von SKL zugewiesen bekommen. Unser Versuch per Mail die Campsite zu tauschen, wurde schlicht und ergreifend ignoriert. Pro Person kostet die Übernachtung stolze 38 €, wie auf allen anderen von SKL geführten Plätzen auch. Eine Buchung über E-Mail bei SKL ist möglich, die Entrance-Fee (145 Pula p.P./Tag) zahlt man am Gate. Die Plätze 2 und 3 haben einen tollen Ausblick auf den Boteti und sind daher besonders beliebt. Die Sanitäranlagen sind äußerst gepflegt und es ist ein wahrer Genuss, sich den Kalahari Staub der letzten drei Tage von der Haut zu waschen!

Es ist unverkennbar, dass wir im „Elefantenland“ angekommen sind. Überall herrscht wüste Zerstörung, umgeknickte Bäume, so weit das Auge reicht. Außerdem sind die Fußballgroßen Ausscheidungen der grauen Giganten allgegenwärtig. Am Abend machen wir eine erste Pirschfahrt über die sogenannte „Rhino-Route“. Große Zebra- und Gnuherden kommen gerade vom Boteti zurück und queren unseren Weg. Kurz darauf begegnen wir auch den ersten Elefanten, die wir eine Weile beobachten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie lautlos sich diese Kolosse im Busch bewegen können! Genussvoll, die Wonne steht ihm geradezu ins Gesicht geschrieben, schabt sich ein Bulle von Kopf bis Fuß an einem Baum, ohne auch nur eine einzige Stelle seines mächtigen Körpers auszulassen.



Abends kochen wir auf Holzkohle ein Stew aus Rindfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Butternut-Kürbis und Gemüsebrühe, und wir sind wieder einmal begeistert, wie schmackhaft die Gerichte aus dem Potjie sind!




24. September 2013 – Gamedrives in Khumaga, 53 Kilometer, 3:20 h

Selbst gebackenes Brot aus dem Potjie

Nachdem wir gestern aufgrund der „Fährenpanne“ länger als vorgesehen im Auto gesessen haben (330 Kilometer und 7 Stunden inklusive Pirschfahrten), beschließen wir, heute viel Zeit im Camp zu verbringen. Am Morgen befahren wir allerdings erst einmal die Piste am „Hippo-Pool“ und beobachten hier eine Elefantenherde bei der Überquerung des Boteti. Nach der Durchquerung scheinen die Dickhäuter eine Hose angezogen zu haben!



An vielen Stellen verläuft der leidige Vet-Fence genau durch die Mitte des Boteti, um die Wildtiere daran zu hindern, in Kontakt mit den auf der anderen Flussseite grasenden Rinderherden zu gelangen. Der Zaun stört die Idylle des Boteti-Rivers schon extrem! Wir stellen dennoch fest, dass die üppig grüne Landschaft des Flussufers nach Tagen in einer extrem trockenen Umgebung dem Auge sehr gut tut!



Die Chancen, Löwen am Boteti zu sichten sind längst nicht so groß wie in der Kalahari. Im Makgadikgadi Sektor gibt es Konflikte mit den ansässigen Rinderfarmern, die auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses immer wieder Tiere abschießen. Die Regierung hat zwar mittlerweile eine Kompensationszahlung für gerissene Rinder ausgelobt, was jedoch kaum zur Lösung des Problems beigetragen hat. Viele Farmer sehen nun gar kein Sinn mehr darin, auf ihr Vieh aufzupassen und sie nachts ins sicherere Kraal zurückzutreiben. Löwen wählen bei der Nahrungssuche verständlicherweise den Weg des geringsten Widerstandes und das ist nun einmal das träge Rind, das im Gegensatz zu Wildtieren keine Chance hat, vor dem Jäger zu fliehen. Die Löwen wissen mittlerweile, dass ihnen von Menschen Gefahr droht darauf eingestellt und scheuen daher in der Regel den unmittelbaren Kontakt. Das haben wir in der Kalahari ganz anders erlebt: Hier waren die Löwen sehr relaxed, obwohl wir nur wenige Meter von ihnen entfernt standen.

Am Boteti finden sich auch unzählige Wasservögel ein, das Ufer an den "Hippo-Pools" ist ein wahres Paradies für "Birder".



Nach dem Game Drive genießen wir ein Frühstück ohne jeglichen Zeitdruck. Beim Abwasch kommt Corinna mit einer SKL-Mitarbeiterin ins Gespräch, die anbietet, einen ganzen Sack Wäsche für 90 Pula per Hand zu waschen (eine Waschmaschine gibt es hier natürlich nicht). Da lassen wir uns nicht zweimal bitten und für die Mitarbeiterin ist der Job ein willkommenes Zubrot zu ihrem wahrscheinlich kargen Gehalt.

Heute backen wir im Camp unser erstes „Bushbread“ im Potjie. Hier ist das simple Rezept:
500 g Mehl, ½ Teelöffel Backpulver, 1 geriebene Kartoffel, ½ Päckchen Trockenhefe, lauwarmes Wasser, 1 Esslöffel Olivenöl, 1 Teelöffel Zucker, 1 Teelöffel Salz, nach Geschmack Sonnenblumenkerne sowie getrocknete Kräuter.





Zunächst wird der Teig geknetet und faustgroße Teigbälle geformt. Diese fügt man in den gefetteten Potjie und stellt ihn auf wenig glühende Holzkohle. Auf den umgedrehten Deckel wird ebenfalls Holzkohle gelegt und das Brot in dem „Buschofen“ ca. 25 Minuten gebacken. Unser erstes Bushbread gelingt hervorragend – nicht ganz unwichtig, da wir ansonsten in den nächsten beiden Tagen ohne Brot dagestanden hätten. Außerdem sind wir während unseres 10-tägigen Aufenthaltes im Moremi, Savuti und Chobe ohnehin darauf angewiesen, selbst Brot zu backen, da es dort keinerlei Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Durch das Camp fegen zahlreiche Monkey-Banden, die alles auseinandernehmen oder klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Insofern achten wir heute streng darauf, die Türen und Fenster unseres Autos geschlossen zu halten und auch nichts auf dem Tisch liegen zu lassen. Kaum vergessen wir nur für einen Augenblick eine Papierrolle vom Tisch zu nehmen, schon haben die kleinen Racker das „Spielzeug“ entdeckt und über den ganzen Platz verteilt.

Unsere abendliche Pirschfahrt führt uns erneut an das Botetiufer. Hier ist es möglich, in unmittelbarer Ufernähe einige Kilometer zu fahren. Das Schwemmgebiet entlang des Botetis gleicht einem Schlachtfeld. Überall liegen Knochen- und Kadaverreste, hauptsächlich von Zebras und Gnus, herum. Sie zeugen davon, dass die Raubtiere bei Nacht reichlich Beute machen. Nahezu auf jedem der das Ufer säumenden hohen Bäume lauern Geier, die geduldig auf ihren Anteil am „Festmahl“ warten. Auch beobachten wir wieder große Zebra- und Gnuherden sowie Elefanten.



Heute kochen wir im Potjie einmal mit einem etwas anderen Touch: Die Beigabe von Kokosmilch verleiht dem Gericht aus Rindfleisch, Linsen und Butternutkürbis eine eindeutig asiatische Note, dazu gibt es Reis – auch sehr lecker, wie wir finden.


25. September 2013 – Khumaga – Nxai Pan South Camp

Zerstörerische Elefanten auf der Campsite

Wir verpacken unser Zelt und frühstücken, bevor wir uns aufmachen zu einer letzten Pirschfahrt entlang des Boteti. Heute steht unsere Tour ganz im Zeichen des Birdings. Wir sehen unter anderem bunte Angola-Schmetterlingsfinken, ein Granatastrildpärchen, Fischadler, riesige Klunkerkraniche, die eine Standhöhe von 1,75 Metern erreichen können, eine Gruppe von Graulärmvögeln, Grau-Eisvögel und Riesentrappen, die wir bereits in der Kalahari schon beobachtet haben und Sattelstörche.





Auf gleichem Weg wie vorgestern fahren wir zum Gate von Phuduhudu. Das Office wirkt bei der Abwicklung etwas unorganisiert. Die offenbar einzige Mitarbeiterin, die in der Lage ist, die Entrance-Fee zu kassieren, ist heute ... – und täglich grüßt das Murmeltier ... – ... wie sollte es anders sein, sie ist in Maun! Wir sollen doch dann alles zusammen am Gate von Nxai Pan zahlen! Gesagt, getan und schon sind wir wieder auf der Piste in Richtung Osten, wo sich bereits nach 10 Kilometern das Gate zur Nxai Pan befindet. Wir bekommen bei der Registrierung unsere Wunsch-Campsites, Southcamp No.6 sowie Baines Baobabs No. 1. Der Mitarbeiter des Campbetreibers Xomae, Dee, bittet uns, ihn mit zum Southcamp zu nehmen. Das machen wir natürlich gerne und haben unterwegs eine angeregte Unterhaltung. Dee fragt interessiert nach den Lebensumständen bei uns in Deutschland – auch er ist der festen Überzeugung, dass jeder Europäer, der nach Botswana kommt, stinkreich sein muss. Wir versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ob es uns am Ende gelingt, bleibt offen. Sicher, wenn man die bescheidene Lebensweise der ländlichen Bevölkerung in Botswana als Maßstab nimmt, sollten 99 % der deutschen Bevölkerung wirtschaftlich mit Sicherheit besser gestellt sein.

Die Sandpiste zum South Camp ist berüchtigt und gilt als eine der schlechtesten und tiefsandigsten Botswanas. Unser Toyota meistert die Tiefsandpiste jedoch mit Bravour, wir werden allerdings kräftig durchgeschüttelt. Unterwegs beäugen uns Kudus neugierig.



Die nördlichste Pfanne des Makgadikgadi Nationalparks ist die Nxai Pan. Sie präsentiert sich als weitläufige Ebene, gelegentlich von eher spärlichen Mopane- und Akaziengruppen durchsetzt. Zur trockenen Jahreszeit ist es wenig sinnvoll, im weitläufigen Park umherzufahren, da sich die Tiere überwiegend am künstlichen Wasserloch aufhalten, dass ganzjährig von einer Wasserpumpe betrieben wird. Die Fauna ist dem der Kalahari sehr ähnlich, wir hoffen natürlich darauf, hier unsere ersten Leoparden- und Cheetah Sightings zu haben!

Das von Xomae betriebene South Camp (24 € p.P./Tag, Buchung per E-Mail), das im Schatten hoher Bäume liegt, ist leider nicht annähernd so gepflegt wie das Khumaga Camp. Eines der Waschhäuser ist gerade wieder einmal von Elefanten demoliert worden. Die Kolosse reißen permanent die Wasserleitungen aus den Wänden, um an das kühle Nass zu gelangen. Auch die umgebenen Betonklötze, versehen mit spitzen Drahtspießen, schrecken die intelligenten Dickhäuter nicht ab: Immer wieder finden sie ihren Weg zu den „Abolution-Blocks“ und verwüsten diese.



Wir suchen während der brütenden Mittagshitze Schatten unter unserem „Awning“, einer Markise, die wir bei Bushlore genau für diese Zwecke für unser Auto bestellt haben. Auf dem Weg zum Wasserloch werden wir Zeuge, welch magische Anziehungskraft die Waschhäuser für die Elefanten haben. Sie haben einen schweren Gullideckel ausgehebelt und stecken ihren langen Rüssel tief hinein in die Kanalisation. „Jetzt sind sie aber in meinem Ansehen ganz schön gesunken“, sage ich zu Corinna, „die saufen kein Frischwasser, sondern die ganze gequirlte Sch....!“



Später am Wasserloch ist auch nicht sehr viel los, lediglich zwei Elefanten kommen zum Trinken und zu einem ausgiebigen Staubbad. Wir fragen uns, wo die Elefanten in dieser Dürre Futter herbekommen. An den spärlich vorhandenen Sträuchern und Bäumen hängt zu dieser Jahreszeit nicht ein einziges grünes Blatt. Wir befahren später noch den Baobab Loop, was man sich allerdings zu dieser Jahreszeit ersparen kann. Das Wildlife hält sich bis auf einige genügsame Springbockherden ausschließlich in der Nähe des Wasserlochs auf.

Am Abend bereiten wir uns am Campfire unser Dinner, Spaghetti Bolognese mit Fleisch aus super klein geschnittenem Rinderfilet – unsere Fleischvorräte sind schier unerschöpflich! Corinna kann Rinderfilet schon nicht mehr sehen, auch wenn wir versuchen, es täglich in anderer Weise zuzubereiten. Plötzlich fährt Corinna von ihrer Arbeit hoch – ein Schakal hat sie zu Tode erschreckt. Jetzt bleibt er unbeeindruckt wenige Meter von unserem Camp entfernt stehen und beäugt unser Treiben neugierig. Wieder einmal bewundern wir den fantastischen afrikanischen Sternenhimmel, mit der überaus deutlichen Milchstraße. Ich glaube, nirgendwo sonst auf der Welt, bekommt man einen solch beeindruckenden Nachthimmel zu Gesicht wie in Afrika!




26. September 2013 – Nxai Pans, South Camp – Baines Baobabs

Im Tiefsand festgefahren und der erste Cheetah unseres Lebens

Unsere morgendliche Pirschfahrt führt uns zum Wasserloch, wo gerade einige Strauße und Springböcke ihren Durst stillen. Die Spiegelungen der Tiere auf der Wasseroberfläche im rötlichen Licht des Sonnenaufgangs ergeben interessante Fotomotive.



Straußenmännchen unterscheiden sich von den Weibchen in der Färbung ihres Gefieders – Männchen sind schwarz, Weibchen eher braun. Ein Straußenmann zieht das volle Balzregister, um seiner Herzensdame zu imponieren und geht vor ihr auf die Knie, während er die ganze Pracht seines Gefieders präsentiert. Die Straußendame lässt sich von dem ganzen Gehabe allerdings in keiner Weise beeindrucken und sucht lieber das Weite, verfolgt von dem verschmähten und „gehörnten“ Straußenmann! Nach einer kurzen Verfolgungsjagd gibt er schließlich auf , lässt die Dame ihres Weges ziehen und kehrt zum Wasserloch zu seinen „Kumpels“ zurück.





Später gesellt sich noch eine Giraffe, die wir bereits aus großer Entfernung sich nähern gesehen haben, zu den Springböcken und Straußen. Es ist ein richtig lustiges Bild, wenn Giraffen trinken! Zuerst spreizen sie die Vorderläufe so weit es geht auseinander, um dann den langen schweren Hals herabzusenken. Es ist die einzige Möglichkeit, für Giraffen zu trinken, da die Muskulatur nicht stark genug ist, um den massigen Hals und den Kopf nach dem Trinken wieder aufzurichten.



Eine Staubwolke am Horizont signalisiert, dass sich eine große Gnuherde nähert. Schnell erobern sie nach ihrer Ankunft das Wasserloch. Nachdem sie ihren Durst gestillt haben, ziehen sie weiter.



Auf der Rückfahrt zum Camp ruft Corinna „Stopp, dort unter dem Baum liegt ein Cheetah!“ Es ist richtig schwer, Geparden zu sichten und wir haben heute Morgen das große Glück! Der erste Cheetah unseres Lebens, den wir in freier Wildbahn sichten! Er hockt im Schatten eines Busches und beobachtet gelangweilt die Gegend um sich herum - von uns nimmt er hingegen kaum Notiz. Nach einer Weile zieht das prachtvolle Tier weiter, bis es im dichten Busch außer Sichtweite gerät.



Cheetahs unterscheiden sich von Leoparden in ihrer Größe (ca. 60 Kg gegenüber 80 Kg des Leoparden), durch ihre schwarze Zeichnung im Gesicht sowie die Punktzeichnung auf ihrem Fell. Während das goldgelbe Fell des Cheetahs übersäht ist mit schwarzen Punkten, weist das Leopardenfell schwarz eingerahmte Rosetten auf. Geparden erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 115 km/h und sind somit die schnellsten Lebewesen der Welt. Ihre bevorzugte Beute sind Bodenvögel wie zum Beispiel Perlhühner, kleine Antilopen sowie Jungtiere vieler Arten. Im Allgemeinen sind Geparden Einzelgänger, jedoch schließen sich Männchen häufig zu Jagdgemeinschaften zusammen. Ihre Erfolgsquote bei der Jagd ist sehr hoch, allerdings verlieren sie ihre Beute häufig an Futterkonkurrenten, wie Löwen, Hyänen und Leoparden, selbst körperlich unterlegene Raubtiere wie Wildhunde und Schakale bringen Cheetahs häufig um den Lohn ihrer Mühen. Geparden sind sehr stark vom Aussterben bedroht, auch dadurch bedingt, dass mindestens die Hälfte aller Jungtiere von anderen Raubtieren getötet wird. Sie verabscheuen Aas und fressen in der Regel nur das, was sie selbst erbeutet haben.

Zum Frühstück bekommen wir noch einmal Besuch von unserem neuen „Hausfreund“, ein Gelbschnabel-Toko, der sich auf unser Auto setzt und sich ganz nah an uns herantraut.



Wir verbringen noch den Morgen im Camp bevor wir noch eine kleine Runde durch die Nxai Pans in der Nähe des South Camps drehen. In der Gluthitze haben sich die meisten Tier unter die Schatten spendenden Bäume verkrochen.

Schließlich verlassen wir das South Camp, um wenige Hundert Meter hinter dem Gate zu einem ungewollten Stopp gezwungen zu werden. Hier befindet sich eine der wohl tiefsandigsten Two-Spoor-Sand Pisten ganz Botswanas. Ich merke wie unser Toyota immer langsamer wird und versuche noch zurück in den ersten Gang zu schalten. „Nur jetzt nicht stehen bleiben“, denke ich noch, da ist es auchschon geschehen! Bis zur Achse hat sich unser 4x4 in den Sand eingegraben! Wir sind gut vorbereitet und wissen was zu tun ist. Zunächst lasse ich den Reifendruck auf etwas unter 2 Atü ab – hätte ich natürlich auch vorher schon tun können, vielleicht wären wir dann durchgekommen. Die Oberfläche der Reifen wird durch diese Maßnahme vergrößert, wodurch die Gefahr des Festfahrens etwas verringert wird. Und dann heißt es, im Schweiße unseres Angesichts mit dem Spaten die Reifen und den kompletten Unterboden freischaufeln! Zum Glück eilen uns zwei zufällig vorbei kommende Xomae Mitarbeiter mit ihren Freundinnen, die auf dem Rückweg ins Camp sind, zu Hilfe. Nachdem wir unsere für diese Zweck vorgesehenen Gummimatten unter die Reifen der Hinterachse geschoben haben, gelingt es uns mit vereinten Kräften unser Auto rückwärts aus dem Tiefsandloch zu befreien. Dabei lernen wir, dass sich der Zustand von Tiefsand-Pisten insbesondere in den heißesten Stunden am Mittag und Nachmittag deutlich verschlechtert – aus dem Sand wird die allerletzte Feuchtigkeit durch die Sonne herausgebrannt und der Sand wird noch pulvriger. Gestern haben wir vormittags die gleiche Piste in umgekehrter Richtung noch problemlos gemeistert! „Wir hätten doch nicht wirklich ein Offroad Abenteuer erlebt, wenn wir nicht ein einziges Mal im Tiefsand stecken geblieben wären“, scherze ich, hätte aber auch gerne auf die schweißtreibende Aktion verzichten können!

Über eine ca. 200 Meter lange Umfahrung, die wir zuvor übersehen hatten, gelangen wir ohne weitere Schwierigkeiten auf die andere Seite des Tiefsandloches und können unsere einstündige Fahrt zu den Baines Baobabs endlich fortsetzen. Der letzte Teil der Fahrt führt uns endlos durch eine gelb schimmernde Grassavanne, bevor die weiße Salzpfanne, in der die Insel mit den Baines Baobabs liegen, vor uns auftaucht.

Baines Baobabs - Night & Day





Diese Gruppe von Baobabs war für die Entdecker und Forschungsreisenden des südlichen Afrikas in früheren Zeiten von großer Bedeutung. Sie dienten als weithin gut erkennbarer Orientierungspunkt, aber auch als Treffpunkt oder gar Poststelle. Die Baobabs weisen häufig natürliche Hohlräume auf, in denen Nachrichten für andere Reisende hinterlegt werden konnten. Benannt ist die Baumgruppe nach dem Abenteurer und Maler Thomas Baines, der die wohl berühmtesten Bäume Afrikas 1862 auf Leinwand verewigt hat.



Der Anblick der Baines Baobabs inmitten der weißen Salzpfanne raubt uns schier den Atem! Wir schießen ein paar Fotos im rötlichen Licht der untergehenden Sonne und fahren dann zu unserer Campsite. Der Campsite No.1 ist bei den Baines Baobabs Pflicht (Buchung ebenfalls über Xomae, 24,-- € p.P./Tag). Hier steht man unter einem anderen mächtigen Baobab genau gegenüber der Baines Baobabs – ein traumhaft schönes Plätzchen. Ich fühle mich erinnert an das Buch „101 Places you must see before your die“ – dieser Ort gehört für uns definitiv dazu! Die beiden anderen Campsites liegen übrigens weiter entfernt von den Baobabs und sind weniger attraktiv!



Unser Air Kompressor ist gestern beim Versuch den Reifendruck zu überprüfen fast in Brand geraten. Auf jeden Fall hat sich dabei die Hauptsicherung, die für unseren Kühlschrank zuständig ist, verabschiedet, so dass wir mittlerweile Temperaturen von 25 °Grad in unserer Fridge haben! Aus diesem Grund entsorgen wir unsere restlichen Fleischbestände und begnügen uns abends mit Spaghetti Resten von gestern, einem griechischen Salat und frisch gebackenem Brot.

Ein kleines bisschen Demut erscheint angebracht angesichts der Tatsache, dass wir diesen magischen Ort zumindest für eine Nacht für uns alleine beanspruchen dürfen. Schweigend sitzend wir abends unter unserem Baobab Tree und betrachten Millionen funkelnder Sterne und eine Milchstraße, wie wir sie noch nie zuvor in unserem Leben gesehen haben.


27. September 2013, Baines Baobabs, Nxai Pan – Maun

Kontrastprogramm in der Hektik Mauns

Zum Sonnenaufgang laufen wir über die Salzpfanne hinüber zu den Baines Boababs und streifen eine Weile unter den mächtigen Bäumen umher.



Heute steht uns ein extrem anstrengender Tag bevor, müssen wir doch eine Reihe von Dinge in Maun erledigen beziehungsweise unseren zehntägigen Trip ins Okavangodelta und den Chobe Nationalpark vorbereiten. Es ist annähernd 40 °Grad heiß und die Sonne brennt erbarmungslos auf die staubigen Straßen Mauns nieder. Es ist Freitag und am kommenden Montag ist in Botswana Independence Day. In den Supermärkten der Stadt herrscht der Ausnahmezustand – eigentlich nicht anders als bei uns in Deutschland, wenn die Menschen sich vor Feiertagen „vom Hungertod bedroht fühlen“ und die Geschäfte stürmen! Erschwerend kommt hinzu, es ist Monatsende, die Menschen haben ihren Monatslohn auf dem Konto und es entspricht der botswanischen Mentalität, einen Großteil des Lohnes unmittelbar auszugeben.

Unsere erste Station unseres Maun-Marathons ist Rileys Garage. Wir benötigen dringend einen neuen Air Compressor und wollen auch unsere Cadac Gaslampe, die uns zu Bruch gegangen ist, ersetzen. Stolze 830 Pula müssen wir für den Compressor berappen, hoffen aber, den Betrag von Bushlore erstattet zu bekommen.

Als nächstes fahren wir zu Toyota – den Weg dorthin kennen wir ja bereits -, um unser Kühlschrankproblem beheben zu lassen. Schnell ist die Sicherung gewechselt, die ich im Übrigen an dieser Stelle niemals vermutet hätte! Der Mechaniker ist begeisterter Fußballfan und meint, was für ein toller Fußballer doch der Ballack sei! Am Ende müssen wir für die Dienstleistung bei Toyota nicht einmal etwas bezahlen, geben allerdings dem Mechaniker ein angemessenes Trinkgeld.

Nach der ersten Hektik in Maun benötigen wir erst einmal eine Pause und nehmen im Rileys Restaurant einen Mittagssnack ein. Das Essen ist nicht besonders gut, aber es tut gut, im Schatten einen kühlen Drink zu sich zu nehmen und für einen kurzen Augenblick durch zu schnaufen. Das traditionsreiche Rileys wurde in den 1920er Jahren von dem Jäger Harry Riley eröffnet. In der Zeit zog es lediglich einige verwegene Abenteurer in die Gegend. Bis in die 1990er Jahre konnte Maun ausschließlich über ein üble Sandpiste erreicht werden. Mit dem Bau der Teerstraße nach Nata entwickelte sich Maun schnell zur Hochburg des Tourismus für das Okavangodelta. Heute leben hier ca. die 30.000 Einwohner fast ohne Ausnahme vom Tourismus.

Schließlich kämpfen wir uns weiter durch die verstopften Straßen. A-Z Gas soll laut unseres Ilona Hupe Reiseführers die einzige Möglichkeit sein, Cadac Gasflaschen auffüllen zu lassen. Im A-Z Office erklärt man allerdings, man habe das Business aufgegeben. Einziger Händler sei jetzt Viking-Gas in der Nähe der Caltex Tankstelle am Ortseingang, von Nata kommend. Bei Viking Gas füllt man unsere beiden Gasflaschen für 60 Pula auf.

Weiter geht´s! Wir wollen gerne ein paar von den Solarlampen kaufen, die wir in der Haina Kalahari Lodge gesehen haben. Das Geschäft befindet sich auf der Ausfallstraße zum Moremi Nationalpark. Leider machen wir den Weg umsonst, da die Lampen der Marke „ConSol“ ausverkauft sind.

Und nun beginnt die Schlacht in den Supermärkten. Eines vorweg: Der Spar in der Mall von Maun ist grauenhaft und wir können nur empfehlen, den „zweiten Spar“ in der Nähe des Airports aufzusuchen. Das Sortiment ist deutlich besser, offensichtlich hat man sich hier auf die Bedürfnisse der Individualreisenden ins Delta eingestellt. So kann man sich hier beispielsweise Fleisch vakuumverpacken lassen, ganz wichtig für eine längere Haltbarkeit, und es gibt sogar richtigen italienischen Kaffee, ansonsten in Botswana eher nicht zu bekommen. Unser Einkaufszettel wird abgearbeitet, lediglich Fleisch und Brot wollen wir noch am Sonntag auf dem Weg ins Delta kaufen. Der beste Fleischer Mauns ist übrigens „Beef Boys“, direkt bei Rileys. Unglücklicherweise hat er aber am Sonntag geschlossen, so dass wir uns mit Fleisch vom Spar begnügen müssen.

Vor unserem Trip ins Okavangodelta wollen wir es uns noch einmal so richtig gut gehen lassen und so haben wir uns eingemietet ins Tshima Bush Camp, 30 Kilometer außerhalb Mauns auf der Straße nach Ghanzi gelegen. Hier haben sich die beiden reizenden Holländer Michelle und Rinie ein kleines Paradies auf einem 30 Hektar großen Gelände geschaffen. Nach unserer Ankunft haben wir gerade noch genug Zeit, den Staub Mauns unter Dusche wegzuspülen. Im Tshima Bush Camp gibt es vier luxuriös ausgestattete Safari-Tents mit eigenem Bad (800 Pula per night)



Am lodernden Campfire servieren Michelle und Rinie ein stilvolles Dreigangmenü (200 Pula p.P.), bestehend aus einer Butternut-Kürbissuppe, köstlichem rosa gebratenem Rinderfilet, Brokkoli und Salat aus dem eigenen Gewächshaus. Abschließend gibt es noch eine Apfeltarte. Mit uns essen ein nettes südafrikanisches Pärchen, er Ingenieur, sie Lehrerin und es entwickelt sich ein richtig lustiger Abend mit netten Gesprächen. Michelle und Rinie berichten, das Tshima ein wahres Schlangenparadies sei. Einer ihrer Hunde sei kürzlich gerade nach dem Biss einer Schwarzen Mamba innerhalb von Minuten gestorben. Alle grauslichen Spezies Afrikas haben sie hier schon gesichtet, von den Mambas (grün und schwarz) angefangen, über Kobras – auch Speikobras -, bis hin zur berüchtigten Puffotter.


[b]28. September 2013, Maun

Relaxen in der Tshima Lodge[/b]
N ach einer wunderbaren Nacht in einem riesig großen und bequemen Bett steht heute ein Tag zum Relaxen auf dem Programm! Wir genießen am frühen Morgen erst einmal unser Frühstück, das uns in einem Picknickkorb ans Zelt gebracht wird – der reinste Luxus! Es gibt, frischen Kaffee, Toast, Wurst, Käse, Joghurt und sogar ein Frühstücksei. Danach ordnen wir unseren 4x4 neu und verstauen insbesondere den gestrigen Einkauf sinnvoll. Es gibt kaum etwas nervigeres, als wenn man draußen im Busch permanent auf der Suche nach irgendwelchen Sachen ist.

Danach machen wir einen kleinen Spaziergang unten am Nhabe River, ein ausgezeichneter Birding Spot. Es tut richtig gut, sich einmal ein bisschen zu bewegen! Es herrscht heute eine Bruthitze um die 40 °Grad mit einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Den Rest des Tages verbringen wir bei unserem Safari-Tent ohne jegliche Aktivität und lassen die Seele baumeln - das brauchen wir heute einmal so. Erst als gegen Abend die Hitze ein wenig erträglicher wird, zieht es uns noch einmal hinunter zum Fluss, um den Sonnenuntergang zu bewundern. Tatsächlich gibt es heute den ersten Regen nach der Trockenzeit – bei den paar Tropfen von Regen zu sprechen ist allerdings fast ein Witz!



Rinie ist der versierte Koch von Tshima und er serviert uns heute Abend einen Lachssalat mit Ruccola, ein Beef-Stew mit Gemüse und Reis sowie ein leckeres Tiramisu.


29. September 2013, Maun – Third Bridge Camp, Moremi NP

Video: "4x4 Adventure at Moremi Nationalpark"

Erlebnisreiche Anfahrt ins Okavangodelta
Um 7 Uhr kommt unser Picknickkorb mit dem Frühstück ans Zelt. Längst haben wir alle Sachen in unserem Auto verstaut, um pünktlich in den Moremi NP aufbrechen zu können. Wir befüllen nochmals unseren 80-Liter Wassertank, verabschieden uns von unseren Gastgebern und nehmen Kurs auf Maun. Unterwegs kaufen wir noch zwei Bundle Brennholz, die überall am Straßenrand feilgeboten werden. Niemals ist auch nur eine Menschenseele neben den Holzstapeln zu sehen, sowie man jedoch bei den Holzstapeln zum Stehen kommt, taucht aus dem Busch wie aus dem Nichts der jeweilige Besitzer auf. Wir zahlen 30 Pula für das Holz und setzen unseren Weg nach Maun fort. Im „zweiten Spar“ lassen wir uns fünf Portionen Rindfleisch vakuumverpacken und kaufen zudem noch Trinkwasser in Fünfliterflaschen für die nächsten zehn Tage. Im Delta und auch dem Chobe NP werden wir nirgendwo die Möglichkeit haben etwas einzukaufen. Wir hoffen, dass wir mit unseren Einkäufen an alles gedacht haben.

Von Maun aus ist die Straße zunächst asphaltiert, geht dann jedoch über in eine üble, mit Löchern übersäte Schotterpiste. Die Fahrt ab Maun zum Moremi Gate dauert ca. 1,5 Stunden und führt durch eine unspektakuläre Landschaft, für die man größtenteils nicht einmal 4x4 benötigt. Man sollte diesen Teil schlicht und ergreifend als Anreise verbuchen. Häufig besteht eine Verunsicherung der Individualreisenden bezüglich der „Veterinär-Kontrolle“ zwischen Maun und Moremi, wenn sie mit Vorräten bepackt ins Okavangodelta fahren. Die Angst am „Vet-Fence“ sämtliche Vorräte roten Fleisches einzubüßen, ist unbegründet. Kontrollen finden in Richtung Moremi grundsätzlich nicht statt, allenfalls in umgekehrter Richtung.

Am South Gate registrieren wir uns und zahlen unsere Entrance-Fee von 120 Pula p.P./Nacht. Die Moremi-Detailkarte, die wir am Gate erwerben, ist mit 100 Pula zwar überteuert, jedoch hilfreich. Seit Januar 2013 gibt es wenige Kilometer hinter dem Gate ein neu erschlossenes Gebiet, das in den meisten Karten (wie z.B. bei Tracks4Africa) noch nicht aufgeführt ist. Die ausgeschilderten Loops zu den Black Pools und den Moranghwe River Pools sind absolut lohnenswert und lassen bereits die Anreise nach Third Bridge zu einem Erlebnis werden, während die alte Route monoton durch Mopanewald führt. Erstmals erweist sich unser GPS-Gerät als überaus hilfreich. Es gibt im Moremi Gebiet ein unübersichtliches Wegenetz, Ausschilderungen sind hingegen eher die Ausnahme. Mit dem GPS-Gerät bleiben wir jedoch allzeit auf Kurs.



Der Moremi Natinalpark im wasserreichen Okavangodelta weist eine Fläche von fast 5000 Quadratkilometer auf und bietet eine einzigartige Artenvielfalt. Er ist gekennzeichnet durch üppige Vegetation und von Überschwemmungsgebiete mit einem weit verzweigten Netz aus Wasserläufen. Große Teile des Parks werden jährlich überflutet, zunächst einmal während der Regenzeit von Januar bis März. Es mag erstaunlich klingen, dass die zweite Flutwelle ausgerechnet während der Trockenzeit von Juni bis August entsteht. Diese Welle kommt aus dem angolanischen Hochland und benötigt sechs Monate, bis sie das Delta erreicht. Da die Flutwelle zur extremen Trockenzeit im Delta ankommt, konzentriert sich hier die komplette Tierwelt gerade in diesem Zeitraum. Zu Zeiten der Flutwellen, aber auch dazwischen, muss mit überfluteten Pisten und Wasserdurchfahrten gerechnet werden. Der Zeitraum September bis November ist für die Bereisung des Deltas hingegen ideal, da die Regenzeit dann Monate zurückliegt. Das Okavangodelta mündet in keinem Meer und hat dadurch ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Es weist einen extrem geringen Höhenunterschied auf: Zwischen Pfannenstil (Panhandle) und Fuß liegt auf einer Strecke von 250 Kilometern gerade einmal 60 Meter Höhendifferenz! Das Wasser versickert einfach im 15.000 Quadratkilometer großen sumpfigen Binnendelta.



Eine große Anzahl von Wildtieren halten sich entlang des Loops am Ufer des Mogogelo Rivers relativ ungestört auf. Wir beobachten Kuhantilopen, große Elefantenherden und sehr viele Vögel, wie zum Beispiel die hübschen Schalachspinte (Carmin-Bee-Eater), den prachtvollen Hauben-Bartvogel (Crested Barbet) oder aber die riesigen Southern Ground Hornbills. Nach dem Passieren von 1st und 2nd Bridge hat man Mboma Island erreicht, auch wenn es einem zu den trockenen Zeiten nicht direkt bewusst wird, dass man sich auf einer von Sümpfen umgebenen Insel befindet.



Die Durchfahrten von 1st und 2nd Bridge sind komplett ausgetrocknet, so dass wir um „nasse Füße“ herumkommen. Wenn ich ehrlich bin, beschleicht mich eine gewisse Enttäuschung, da uns dieses kleine Abenteuer bei der Anfahrt nach 3rd Bridge verwehrt bleibt und wir lediglich kleinere Pfützen zu durchqueren haben. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir beide noch nicht, dass wir im Moremi noch intensivere Berührungspunkte mit dem Element Wasser haben werden als uns lieb ist!

Das Third Bridge Camp, betrieben von der Xomae Group, ist idyllisch gelegen, beschattet durch Feigen- und einige der kuriosen Leberwurstbäume und verfügt über neue Duschen und Toiletten. Wir haben wieder einmal eine der besten Campsite des Platzes erwischt (48 € per night). Campsite Nummer 1 liegt unmittelbar an der idyllischen Lagune, an den Ufern dicht bewachsen mit rot schimmerndem Riedgras. Mittlerweile finden in den Campsites Moremis regelmäßig Doppelbuchungen der Campsites statt, so dass auch wir den Platz in der ersten Nacht mit einem netten älteren Berliner Paar teilen müssen. Die Beiden sind mit ihrem namibischen, deutschstämmigen Tour-Guide unterwegs, der die komplette Tour und das Equipment organisiert hat und auch für das leibliche Wohl sorgt.



Abends teilen wir uns das Campfire mit dem Berliner Paar. Endlich gibt es wieder einmal ein Braai mit leckerem Rumpsteak, dazu Kartoffeln und Knoblauchquark. In der Lagune, wenige Meter von unserem Camp entfernt, veranstalten Hippos ein Heidenspektakel. Bei Flusspferden muss man schon sehr auf der Hut sein, da sie nachts gerne das Wasser verlassen und alles niederwälzen, was sich ihnen im Weg stellt. Wir leuchten bei einem Gläschen Wein regelmäßig um uns herum, erhalten jedoch keinen unliebsamen nächtlichen Besuch von den unberechenbaren Kolossen.


30. September 2013 – Game Drives rund um Third Bridge, Moremi NP, ca. 60 km

Ein Löwe auf der Lauer und einige Wasserdurchquerungen

Unsere morgendliche Pirschfahrt führt uns entlang eines Loops am Ufer von Mboma Island, eine landschaftlich reizvolle und abwechslungsreiche Fahrt. Eine ganze Weile beobachten wir das bunte Treiben einer großen Elefantenherde mit vielen kleinen Jungtieren, die ihren Müttern nicht von der Seite weichen. Ein Bulle versucht einen riesigen Akazienbaum zu „fällen“, um an die Blätter in der Krone heranzukommen, indem er mit seinem ganzen Gewicht am Stamm zerrt - dieses Mal bleibt der Baum Sieger!

Die Third Bridge Campsite ist berüchtigt für seine „diebische Tierwelt“. Keinen Augenblick darf man sein Hab und Gut und insbesondere seine Lebensmittel aus den Augen lassen, da insbesondere Paviane und Monkeys (grüne Meerkatzen) jede sich bietende Möglichkeit nutzen. Beim Frühstück werden auch wir „Opfer eines Angriffs“ – allerdings kommt der dreiste Räuber aus der Luft! Ein Milan fliegt im Sturzflug auf unseren Frühstückstisch zu und greift sich einige Stücken Thunfisch aus dem Salat, den ich soeben zubereitet habe! Man muss hier einfach seine Augen überall haben!

Den ganzen Tag verbringen wir im Camp und relaxen, Corinna liest, während ich an unserem Reisebericht schreibe und Fotos auf eine Festplatte übertrage. Man braucht einfach diese längeren Ruhepausen, ansonsten besteht die Gefahr der Reizüberflutung!

Unser abendlicher Game-Drive führt uns in das Gebiet zwischen Third und Fourth Bridge. Die Lagune bei Third Bridge sieht sehr einladend für ein kleines Bad aus – Warnschilder an der Brücke raten davon allerdings aufgrund der Krokodile und Hippos dringend ab. Die Third Bridge steht zu einem guten Teil unter Wasser, so dass ich zu meiner ersten Wasserdurchquerung komme. Corinna ist zwar nervös, jedoch ist die Querung der Brücke überhaupt kein Problem. „Hier fahren sogar LKW hinüber“, hat uns bereits der Ranger im Office beruhigt.



Wir haben heute Abend wieder unglaublich interessante Tierbegegnungen. Zunächst beobachten wir ein Elefanten-Baby mit seiner Mutter. Der süße Mini-Elefant verschwindet fast komplett im kniehohen Gras.

Ein Waffenkiebitz Pärchen schimpft lautstark, als wir uns ihm nähern. Schnell wird uns der Grund bewusst: Mehrere winzige Küken befinden sich wahrscheinlich auf ihrem ersten Landerkundungsgang.

Kurze Zeit später sichtet Corinna in der Nähe einer Lagune zwei riesige Krokodile, die am Ufer ein Sonnenbad nehmen. Weit reißen die bedrohlich erscheinenden Echsen ihre Mäuler auf – ein Vorgang, der den kaltblütigen Tieren zur Wärmeregulierung dient.



Auch zwischen Third und Fourth Bridge gibt es ein verwirrendes Wegenetz. Wer hier ohne GPS unterwegs ist, läuft Gefahr, sich zu verirren. In einer weiteren kleinen Wasserdurchfahrt entdecken wir ein Sattelstorchpärchen – diese wundervollen großen Tiere haben auf ihren Schnäbeln die deutschen Nationalfarben vereint! Sie lassen uns sehr nahe herankommen und zeigen fast keine Scheu. Eine weitere Wasserdurchquerung folgt. Langsam gewöhnt man sich daran, dennoch verbleibt bei jeder Querung ein gewisses Kribbeln im Bauch. Ich halte mich strikt an die Regel, mit langsamen, aber beständigem Tempo und eingelegten 4 Low Gang durch das Wasser hindurch zu fahren. Zu viel Tempo verursacht einen größeren Wasserwiderstand und das Fahrzeug droht abzusaufen.



Wir stoßen auf eine riesige Büffelherde, bestehend aus mehreren Hundert Tieren. Friedlich grast die Herde im saftigen Gras. Wir setzen unseren Weg mitten durch die Herde fort und plötzlich entdeckt Corinna einen ausgewachsenen Löwen, der direkt auf uns zukommt. Er passiert unser Auto keinen Meter weit entfernt und würdigt uns keines Blickes. Sein ganzer Fokus liegt auf der durchziehenden Büffelherde. Scheinbar lauert er auf seine Chance ein junges oder schwaches Tier von der Herde zu isolieren. Niemals würde ein einziger Löwe eine Büffelherde im Verbund angreifen. Büffel sind durchaus wehrhaft und können einem Löwen ernsthafte Verletzungen zufügen. Das weiß der Löwe nur zu genau, übt sich daher zunächst in Zurückhaltung und behält die Herde unter Beobachtung.





Der Sonnenuntergang steht unmittelbar bevor, so dass wir uns auf den Rückweg machen wollen. Keinesfalls wollen wir die teils tiefsandigen Wege zwischen Third und Fourth Bridge bei Dunkelheit fahren.



Am Abend sitzen wir am Campfire und lassen den ereignisreichen Tag Revue passieren. Wir kochen Nudeln mit einer Gemüsesoße mit Zwiebeln und einem Zucchini-ähnlichem afrikanischen Gemüse. Die Hippos im Pool vor unserem Camp bleiben heute Abend ruhig.


1. Oktober 2013, Third Bridge – North Gate über Dead Tree Island, Moremi NP, 143 km
Festgefahren im Wasserloch bei Dead Tree Island


Der neue Tag beschert uns einen spektakulären Sonnenaufgang über der Lagune direkt vor unserem Zelteingang. Wir öffnen unsere Luken und betrachten in unserem gemütlichen Bett das Farbenspiel.



Zum Frühstück bekommen wir Elefantenbesuch. Ein Bulle, der zuvor bereits in der Lagune ein morgendliches Bad genommen hat, stapft keine zehn Meter von uns entfernt an unserem Frühstückstisch vorbei.

Auf unserem Weg zu unserer nächsten Station, dem North Gate Camp am Rande des Moremi NP, wollen wir unbedingt noch ein landschaftliches Juwel erkunden, Dead Tree Island. Wir nehmen Kurs auf Fourth Bridge, eine längere und ausnahmsweise stabil aussehende Brücken-Holzkonstruktion. Die Büffelherde von gestern Abend grast noch immer an der selben Stelle. Auch unseren Löwen entdecken wir sehr schnell wieder - er geht noch immer seinem persönlichen „Unterhaltungsprogramm“ nach, Büffel beobachten. Erneut gelangen wir unglaublich nahe dran an den prachtvollen Kerl, der gähnend sein Maul aufreißt und dabei seine furchterregenden Reißzähne präsentiert und dann wiederum nur noch Augen hat für seinen potentiellen nächsten „Kill“.



Hinter Fourth Bridge verlassen wir den Hauptweg und nehmen per GPS Kurs auf Dead Tree Island. Dieses ganze Gebiet ist in keiner Karte so richtig verzeichnet – ein GPS-Gerät ist obligatorisch. Wir queren zunächst einige harmlose Lagunen, stehen dann plötzlich vor einer ziemlich langen Wasserdurchquerung, er einzigen Zufahrt nach Dead Tree Island. Frische Reifenspuren zeugen davon, dass erst kürzlich hier Fahrzeuge durchgefahren sind. „Du willst hier doch nicht allen Ernstes durchfahren“, fragt Corinna entsetzt. „Lass mich doch erst einmal schauen“, antworte ich. Nur allzu gerne möchte ich Dead Tree Island sehen und bin nicht gewillt, so kurz vor dem Ziel aufzugeben. Ich gehe in das Wasserloch hinein und halte dabei die Augen offen nach verdächtigen Bewegungen auf der Wasseroberfläche, die von Krokodilen zeugen könnten. Zufrieden stelle ich fest, dass sich der Untergrund hart anfühlt und an der tiefsten Stelle der Wasserstand ungefähr einen Meter beträgt. „Das ist machbar“, versuche ich Optimismus auszustrahlen, als ich zum Auto zurückkehre.





Gesagt, getan – ich lege den 4 Low Gang ein und wir bewegen uns langsam auf die Furt zu. Das Wasser geht deutlich über die Windschutzscheibe hinaus, aber wir kommen ohne Probleme auf die andere Seite hinüber. Corinna verharrt während der Durchfahrt in Schockstarre und ist sichtlich erleichtert, dass alles gut gegangen ist. „Das muss ich aber wirklich nicht noch einmal haben“, meint sie. „Zumindest auf der Rückfahrt müssen wir hier noch einmal durch ohne wenn und aber“, erwidere ich, denn es ist tatsächlich der einzige Weg von und nach Dead Tree Island.
Dead Tree Island liegt inmitten eines ausgedehnten Überflutungsgebietes. Der ehemalige Mopanewald ist aufgrund einer Langzeitüberflutung abgestorben – übrig geblieben sind tote Baumstümpfe, die der Gegend ihren Namen gegeben haben, in einer fantastischen Lagunenlandschaft gelegen. Dead Tree Island steht auch für seine unberührte Tierwelt. Wenn man Glück hat, kann man hier Leoparden und sogar die fast ausgestorbenen Wild Dogs sichten. Da wir uns der Mittagszeit nähern, ist die Chance allerdings eher gering, Raubtiere zu sichten, die sich um diese Zeit längst ihr Schlafplätzchen gesucht haben. Wir sichten aber Elefanten friedlich im Schilf grasend und jede Menge Wasservögel, unter anderem Klunker Kraniche, Sporengänse und ein „Heiliges Ibis Pärchen“.





Wie auf dem Hinweg müssen wir wieder die tiefe Furt queren – kein Problem beim zweiten Mal, wenn man weiß, welcher Spur man folgen muss. Es dauert nur wenige Minuten, da stehen wir erneut vor einem Wasserloch. „Oh, nein, nicht schon wieder“, stöhnt Corinna. Doch es hilft alles nichts, wir müssen da durch, wenn wir nicht einen riesigen Umweg machen wollen. Auf der linken Seite sind die frischen Reifenspuren deutlich zu erkennen. Der Weg durch das Wasser beträgt aber gut und gerne fünf Meter. Ich prüfe die deutlich kürzere Furt auf der rechten Seite und sehe, dass hier die Wasserhöhe maximal 40 Zentimeter beträgt, prüfe aber nicht weiter den Untergrund – ein fataler Fehler, wie sich herausstellen wird. Wie gehabt gleiten wir langsam auf der kürzeren Furtseite in das Wasser hinein. Wir sind mit der Vorderachse bereits fast durch, als ich bemerke, dass der rechte Hinterreifen langsam aber sicher im Schlamm versinkt. Wir sitzen definitiv fest im gefürchteten tiefen Black Soil! „So ein Mist“, fluche ich und werde mir meines Fehlers schlagartig bewusst! Corinna behält erst einmal die Nerven und wir beratschlagen, was zu tun ist. „Wenn nur ein Auto vorbeikäme, das könnte uns sicher mit Leichtigkeit herausziehen“, versuche ich der prekären Lage eine positive Seite abzugewinnen. Allerdings ist das Gebiet zwischen Dead Tree Island und Xakanaka nicht gerade stark frequentiert.





Wir beschließen, es zunächst aus eigener Kraft zu versuchen. Ich beginne, die Reifen im Wasser freizuschaufeln und stelle dabei fest, dass mehr oder weniger der gesamte rechte Unterboden auf dem schwarzen Schlamm aufliegt. Eine halbe Stunde schaufele ich den Schlamm unter dem Auto beiseite. Corinna hat mittlerweile einige Holzstücke gesammelt – wie sie meint, „unter Lebensgefahr“ (wegen der Löwen!!!), - und versuche dann, den Reifen Gripp zu verleihen, in dem ich die Hölzer unter die Hinterräder schiebe.



Versuch 1 unserer Befreiungsaktion: Ich lege den 4 Low Gang ein und schalte „Diff-Lock“ (Differenzialsperre) ein, was das Durchdrehen der Räder auf einer Achse verhindern soll. Nicht einen Millimeter bewegt sich unser Wagen aus dem Schlamm. Kleinlaut muss ich gestehen, dass wir uns aus eigener Kraft kaum befreien können. Auch der Einsatz des Hi-Lift-Jackers wäre aussichtslos, weil er im Schlamm schlicht und ergreifend versinken würde.

Also heißt es abwarten. Insgeheim überlege ich bereits, wie man im Ernstfall ein Nachtlager errichten könnte, als die rettende Hilfe naht. Ein australisches Paar, das sich mit Rebekka und Ryan vorstellt, kommt zu der Furt und wir erklären ihnen kurz die Situation. Sie passieren zunächst ohne größere Mühe das Wasser auf der linken Seite.

Bergung Teil 2: Ein Abschleppgurt wird angelegt und der andere Wagen, ebenfalls ein Toyota Hilux, beginnt zu ziehen. Seine Reifen drehen durch, während sich unser Wagen weiterhin nicht von der Stelle bewegt.

Bergung Teil 3: Wir legen den Gurt auf der anderen Fahrzeugseite an und erneut beginnt das „australische Team“ mit Vollgas zu ziehen, mit dem Ergebnis, dass der Gurt mit einem lauten Knall reißt. Ich beginne, daran zu zweifeln, dass unsere Versuche von Erfolg gekrönt sein werden.

So schnell geben wir nicht auf. Es folgt der 4. und letzte Versuch. Wenn es jetzt nicht klappt, können Rebekka und Ryan nur noch Hilfe aus dem Xakanaka Camp holen. Wir befestigen einen stärkeren Gurt an beiden Abschlepphaken und stimmen uns kurz ab, wie wir vorgehen. Wenn der Zug auf das Seil erfolgt, werde ich mit Vollgas versuchen, den Zug des anderen Fahrzeuges zu unterstützen. Nach wenigen Augenblicken bewegt sich unser Vehikel tatsächlich um einige wenige Zentimeter. Ich hole noch einmal alles aus dem Motor heraus und tatsächlich kommt unser Auto ins Rollen - 1 Zentimeter, 2 Zentimeter und dann bewegen wir uns langsam aber sicher ans rettende Ufer! Corinna stößt einen Freudenschrei aus und auch ich bin unsagbar erleichtert, dass wir es geschafft haben. Wir bedanken uns überschwänglich bei unseren Rettern und laden sie spontan zu einem Campfire Dinner ein. In drei Tagen haben auch Rebekka und Ryan eine Nacht im Savuti Camp gebucht.



Wir nehmen uns für die restliche Wegstrecke vor, möglichst jegliche Wasserdurchquerung zu vermeiden. Diese Idee ist in einem Überflutungsgebiet wie Dead Tree Island leichter gesagt als getan. Ein ums andere Mal enden unsere über das GPS-Gerät ausgeguckten Wegstrecken vor einer unpassierbaren Lagune. In einer davon lauert sogar ein riesiges Krokodil, das sich offenbar schon auf sein nahendes Abendessen freut! Ungefähr 1 ½ Stunden versuchen wir die unterschiedlichsten Strecken, bis wir endlich eine geeignete flache Furt finden.

Die alte Strecke nach Xakanaka ist aufgrund des Wassers unpassierbar, es gibt aber eine von der Parkverwaltung angelegte Umfahrung, die hinter Xakanaka wieder auf dem Hauptweg mündet. Unterwegs beobachten wir einige Elefantenherden sowie ein sich malerisch im Schlamm einer Lagune wühlendes Warthog (Warzenschwein).

Wir checken im North Gate Camp ein, dem großzügigsten Campspot im Moremi Game Reserve. Unser Campsite Nummer 6 ist wie alle anderen Plätze auch sehr großzügig, mit großem Abstand zu den „Nachbarn“ und eigenem Wasserhahn am Platz (78 € p.d.). Unser Tipp: Campsite Nummer 3 ist aus unserer Sicht der beste Platz mit freiem Blick auf den Khwai River. Das North Gate Camp wird durch SKL geführt und ist sehr gepflegt, auch die Abolution-Blocks sind in tadellosem Zustand. Bereits bei unserer Ankunft laufen Elefanten und Impalas quer durch das Camp.

Abends gibt es ein Braai mit Käsegrillern, Salat sowie Kartoffeln mit Avokadocreme. In der Nacht veranstalten Hyänen im Camp ein Heidenspektakel. An das nächtliche Brüllen der Löwen hat man sich längst gewöhnt! Wie bereits in Third Bridge muss man sich auf diebische Paviane und Grüne Meerkatzen einstellen, die jede Gelegenheit nutzen, Lebensmittel oder gar Ausrüstungsgegenstände zu stibitzen.


2. Oktober 2013, Game Drives beim North Gate Camp, Moremi NP

Nervige Tokos und rivalisierende Hippos

Wir werden geweckt von einem rhythmischen metallischen Geräusch. „Was zum Teufel mag das denn sein“, raunt Corinna schlaftrunken. Als ich zum Fenster unseres Zeltes hinausblicke, entdecke ich schnell des Rätsels Lösung. Zwei Rotschnabel-Tokos haben unter unserem Tisch ihr eigenes Spiegelbild entdeckt und hämmern nun mit ihren Schnäbeln ein ums andere Mal unter die Tischplatte und auch gegen die Windschutzscheibe unseres Autos. Die beiden Tokos haben im Baum über uns ihr Nest in einem Astloch gebaut. Rotschnabel-Tokos haben ein äußerst eigentümliches Brutverhalten: Das Weibchen wird von seinem Männchen zum Brüten in einem Astloch eingesperrt, in dem das Loch mit Lehm unter Aussparung einer kleine Öffnung verschlossen wird. Durch die Öffnung versorgt das Männchen das Weibchen und die Brut. Wird das Männchen während der Brutzeit Opfer eines Raubvogels oder eines anderen Räubers, ist das eingemauerte Weibchen samt Brut verloren, da es sich nicht aus eigener Kraft befreien kann. Eine solche Abhängigkeit würde sich so manches "Menschenmännchen" sicher auch wünschen!

Der Morning Game-Drive führt uns in die Nähe der Dombo-Hippo-Pools, nicht weit vom Camp entfernt. Dort beobachten wir drei Hippo-Bullen, die einen gewaltigen Rangordnungskampf ausfechten. Mit aufgerissenem Maul und einem ohrenbetäubenden Grunzen stürzen sie sich auf den jeweiligen Rivalen und bringen dabei den kompletten Pool in Wallung. Riesige Flutwellen schwappen ans Ufer. Dennoch ist erstaunlich, wie behände sich diese unförmigen Geschöpfe im Wasser bewegen können.



Wir folgen dem Khwai River eine Weile und sichten in einiger Entfernung drei sich nicht von der Stelle rührende Safariautos – ein sicheres Zeichen, dass ein Raubtier entdeckt worden ist. Und tatsächlich, im Schutz eines Mopanewaldes schleicht ein Leopard durch das Unterholz. Der erste Leopard unserer Reise, wir sind begeistert! Nach kurzer Zeit wird dem eleganten Tier die Beobachtung durch die Insassen der Fahrzeuge zu lästig und er entfernt sich über eine Ebene zu einem anderen kleinen Waldstück. Wir umfahren die Ebene und sichten kurz darauf den Leoparden malerisch auf einem Stamm liegend – ein klassisches Bild, das man vor Augen hat, wenn man an Afrika denkt, das man aber nicht so häufig zu Gesicht bekommt.





Leoparden gelten als scheue und zurückhaltende Raubkatzen und sind zumeist nachtaktiv. Sie sind sehr territorial und verteidigen ihre Reviere gegen Vertreter ihres eigenen Geschlechts. Sie besitzen eine ausgeprägte Kletterfähigkeit und aufgrund ihrer kräftigen Nackenmuskulatur können sie ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts hoch in die Bäume zu ziehen, um die Beute vor Hyänen, Löwen und Wildhunden in Sicherheit zu bringen. Die bevorzugten Beutetiere sind kleinere Antilopen, Jungtiere aller Art, auch frisches Aas wird nicht verschmäht. Wie die Geparden sind Leoparden Einzelgänger, die nur zur Paarungszeit zu Zweit gesichtet werden oder aber wenn eine Mutter mit ihrem Nachwuchs unterwegs ist.

Nach diesem großartigen Highlight fahren wir zurück zum Camp und von dort aus in das nahe gelegene Dörfchen Khwai, das bereits außerhalb des Reserves liegt. Die Überquerung des River Khwai erfolgt über eine ausnahmsweise total stabil wirkende Holzbrücke mit verstärkter Fahrspur, die sogar Corinna großes Vertrauen abringt. Mittlerweile gibt es im Dirf mehrere kleine Tuck Stops, winzige kleine Lädchen, die mit Werbeslogans wie "Shopping Centre" werben, aber ein äußerst überschaubaren Angebot in ihren Regalen aufweisen. Frischwaren wie Gemüse oder Fleisch sucht man hier allerdings vergebens. Das Dorf wirkt mit seinen getünchten Hütten heimelig und profitiert sicherlich auch von der Nachbarschaft zum North Gate Camp.



Nach mehrmaligem Nachfragen stoßen wir auf eine winzige kleine Bäckerei (das erste gemauerte orangefarbene Gebäude auf der linken Seite, wenn man von der Brücke kommt). In einem herkömmlichen Gasherd-Backofen werden Brote gebacken und für 8 Pula verkauft. Mit dem duftenden frischen Brot haben wir ein fantastisches Frühstück.





Bis zum Nachmittag verbringen wir einige entspannte Stunden im Camp. Unsere beiden Tokos sind ununterbrochen damit beschäftigt, unser Auto zu untersuchen oder aber in „ihr Revier“ eindringende Glanzstare zu vertreiben. Wenn wir uns auch nur einen Meter vom Tisch entfernen, sitzen sie Sekunden später darauf oder hacken von unten auf ihr Spiegelbild ein. Auch die Monkeys inspizieren ausführlich unseren Platz. Einer von ihnen springt auf die Motorhaube, scheinbar völlig unbeteiligt sich umschauend. Kurze Zeit später wissen wir warum! Das kleine raffinierte Biest klettert vom Spiegel schnurstracks auf die Türgriffe zu und versucht die verschlossene Autotür im Herunterspringen zu öffnen, um an eine Packung Kekse im Innenraum heranzukommen – eine herausragende Intelligenzleistung! Zum Glück gelingt es ihnen dieses Mal nicht und das nächste Mal wissen wir Bescheid, verscheuchen sie sofort oder verschließen das Auto.



Unser abendlicher Game-Drive führt uns in ein weniger befahrenes Gebiet, das durch eine Tiefsandpiste direkt vom Camp ausgehend in östlicher Richtung erschlossen wird. Durch üble Huckelpisten gelangen wir zu einer weiten sumpfigen Ebene, wo zahlreiche Antilopen, Zebras und auch Elefanten friedlich grasen. Auch wenn wir heute Abend nicht das ganz spektakuläre Tiererlebnis haben, genießen wir die Stille und die landschaftliche Idylle im Abendlicht in vollen Zügen.



Den Sonnenuntergang erleben wir auf der Khwai Brücke. Knallrot versinkt die Sonne im River Khwai. Heute Abend hat sich Corinna ein fleischloses Gericht gewünscht – also gibt es Nudeln mit einer Thunfisch-Tomatensoße. Noch lange betrachten wir den Sternenhimmel am lodernden Campfire. Besonders beeindruckend ist, dass die Sterne gleich einer Kuppel komplett um uns herum funkeln und in allen Richtungen bis zum Horizont reichen!

In der Nacht bekommen wir Besuch. Mehrere Elefanten machen sich an den Bäumen unmittelbar neben unserer Campsite zu schaffen. Einer von ihnen schabt sich eine ganze Weile genüsslich an einem Baum und verursacht ein Heidenspektakel. Der Baum knarrt bedenklich, bleibt aber letztlich stehen. Kurze Zeit später lässt das Brüllen eines Löwens die Erde zittern. Er kann nicht weit sein, maximal 500 Meter, wir bekommen ihn allerdings in dieser Nacht nicht zu Gesicht.


3. Oktober 2013, North Gate Camp, Moremi NP – Savuti, Chobe NP

Im legendären Savuti Camp

Wir haben gestern Abend die Tischdecke unter unserem Tisch mit einer Klammer verbunden, doch es hilft nichts, die Tokos haben einen Zwischenraum entdeckt und wecken uns auf gleiche Weise wie gestern. Wie jeden Morgen ordnen wir unsere Sachen und packen das Zelt für die morgendliche Pischfahrt zusammen, als Corinna plötzlich hinter der Auto hervorstürmt und schreit: „Das kann doch wohl nicht wahr sein, mach bloß, dass du verschwindest“! Ein dreister Monkey ist in einem kurzen Augenblick der Unachtsamkeit in unser Auto geklettert und hat die Packung Kekse geklaut, auf die er es bereits gestern abgesehen hatte. Jetzt macht er sich von dannen, gefolgt von der restlichen Affenhorde, die gerne einen Teil der Beute abhaben wollen. Auch die Pavianbande lässt nicht lange auf sich warten. Der Chef hockt sich auf einen Termitenhügel, während sein Gefolge Jagd auf die Monkeys macht! Doch die kleinen Meerkatzen sind viel zu flink und verziehen sich samt des Kekspaketes auf einen nahen Baum. Der Pavianchef scheint sich massiv zu ärgern, dass die Monkeybande wieder einmal cleverer war, er hingegen leer ausgegangen ist. Jetzt passen wir besser auf und lassen die Paviane, die uns von einem Termitenhügel aus neigierig beäugt, nicht mehr an unser Auto heran.



Am Gate lassen wir uns noch Tipps für die Fahrt nach Savuti geben. Nach dem Dorf Khwai wartet erneut eine Wasserdurchfahrt auf uns – Corinna graut es bereits jetzt davor. Ich lasse mir vom Ranger den exakten Weg durch das Wasser erklären. Wir sollen uns immer rechts am Ufer halten und nicht den direkten Weg nehmen. Als wir vor der Lagune stehen, stelle ich erneut fest: „Das ist eigentlich komplett unlogisch, der direkte Weg sieht so einfach und kurz aus! Wenn man es nicht besser wüsste, würde man auch hier ganz sicher geradeaus fahren“. Ich habe aber aus meinem Fehler gelernt und folge genau der Beschreibung. Corinna will aber auf Nummer sicher gehen und prüft mit einem Stock die Tiefe des Wassers und die Beschaffenheit des Untergrundes. Die Durchfahrt ist wie vom Ranger angekündigt letztlich ein Kinderspiel, das Wasser reicht gerade einmal bis zur Oberkante der Reifen.





Es gibt von Khwai eine neue Transit-Road nach Savuti, die noch in kaum einer Karte verzeichnet ist, die Calcrete Road. Es ist eine harte Gravel Road, auf der man problemlos 50 km/h fahren kann. Auch die Two-Spoor-Sand Piste hinter der ausgeschilderten Abzweigung nach Savuti ist in sehr gutem Zustand. Bis zum Mababe Gate benötigt man nicht einmal 4x4. Am Gate erledigen wir schnell die Formalitäten und erkundigen uns nach dem besten Weg zum Savuti Camp. Die alte Piste über die Magwikhwe Sandridge ist tiefsandig und wird nicht empfohlen. Es gibt eine neue ruppige, aber harte Piste, die in Richtung Tsukwe Pans führt – diese Route wird uns empfohlen. Unterwegs kreuzt ein einsamer Büffelbulle unseren Weg. Eine Giraffenherde sucht Schutz vor der glühenden Mittagshitze unter einer einsamen Akazie.



Wir durchfahren auf den letzten Kilometern eine bizarre Wüstenlandschaft mit Baumgerippen, die nach Dauerüberflutungen abgestorben sind. Am Wegesrand liegt das Skelett eines Elefanten – unglaublich wie voluminös die Knochen sind.



Die letzten Kilometer vor dem Camp sind extrem tiefsandig und ich bin froh, dass wir diese Mal ohne Freischaufeln durchkommen. Wir haben die Campsite Nummer 6 von SKL zugewiesen bekommen (76 € p.d.), ein Tausch mit einem der Campsites am Savuti Channel (2, 4 und insbesondere die Campsite „Paradise“) hat leider nicht geklappt. Corinna macht sich im Abolution Block erst einmal frisch und kehrt zurück mit einem netten holländischen Paar, das sie bereits im North Gate Camp beim Duschen kennengelernt hat. Wir plaudern eine ganze Weile über die jeweiligen Erlebnisse unserer Reise.

Savuti eilt ein legendärer Ruf voraus, da das Gebiet extrem reich an Wildtieren ist und es einer der besten Plätze in ganz Afrika für Elefanten- und Raubtierbeobachtungen überhaupt sein soll. Der Savuti Campsite hat allerdings in der Zwischenzeit ein wenig seiner wilden Romantik eingebüßt. Zum einen ist der Abolution Block zu einer für Elefanten uneinnehmbaren Festung geworden, umringt von einem befestigten steinernen Wall.



Die Wasserhähne an den Stellflächen sind eingefasst in einen steinernen Block, um sie vor den Pavianen zu schützen, die Sanitäranlagen in einem tadellosen Zustand und gepflegt. Zum anderen sind am Savuti Channel, an dem sich früher alle Campsites befanden, inzwischen teure Lodges mit luxuriösen Safari-Tents (340 – 410 € pro Person und Nacht!) errichtet worden, so dass man Abgeschiedenheit und extreme Stille hier sicher nicht mehr erwarten kann. Es ist der belebteste Ort, den wir auf unserer Reise bislang angetroffen haben.

Alle Wasserlöcher in Savuti sind zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet. Auch die „Artificial Waterholes“ werden nicht mehr mit Wasser versorgt, seitdem der Savuti Channel wieder Wasser führt. Gegen Nachmittag fahren wir das Gebiet am Savuti Channel ab. Höhepunkt ist ein Leopard, der auf einem Baum liegend eine Impalaherde beobachtet. Natürlich haben sich um das prachtvolle Tier bereits einige Safariautos versammelt. Wir stellen einhellig fest, dass der Adrenalinkick ein wenig ausbleibt, wenn andere Safariautos ein Tier entdeckt haben und man sich dann einfach dazugesellt. Selbst entdeckte Tiererlebnisse, die man möglichst mit Niemandem teilen muss, sind hingegen ein unvergleichliches Erlebnis.



Wir sind am Abend verabredet mit Ryan und Rebekka, unseren australischen „Rettern“ von Dead Tree Island. Sie müssen leider das Einladungsdinner ausschlagen, da sie es verständlicherweise vermeiden wollen, im Dunkeln zu ihrer Campsite zu Fuß zurück zu laufen. Die Campsites liegen alle ein gutes Stück auseinander und sind umgeben von Buschwerk. Alle Raubtiere und auch Elefanten streifen gerade in den nächtlichen Stunden regelmäßig quer durch das Camp. Wir plaudern eine ganze Weile mit den Beiden bei einem Bier. Während dessen zieht ein Elefantenbulle entspannt an unserem Platz vorbei.



Wir lassen den Abend ausklingen mit einem leckeren Braai – es gibt ein köstliches Rib Eye Steak mit Salat und in Alufolie gegartem Butternutkürbis.


4. Oktober 2013, Game-Drives in Savuti, Chobe NP

Ein Löwenrudel reißt einen unglückseligen kleinen Elefanten

Die Gegend um Jackal Island ist uns von Nick, den wir in der Haina-Lodge getroffen haben, wärmstens ans Herz gelegt worden. In diesem wasserreichen und fruchtbaren Gebiet tummeln sich zahlreiche Wildtiere und auch Vögel. Kehrseite der Medaille ist, wir müssen uns das wildreiche Feuchtgebiet durch zahlreiche Wasserdurchfahrten „hart erarbeiten“. Corinna ist alles andere als begeistert, doch wir fassen den Plan, einfach einem Safariauto zu folgen, der uns die besten Passagen durch das Wasser schon zeigen wird. Erneut schwappt das Wasser teilweise bis über die Windschutzscheibe hinaus, jedoch erweist sich der Untergrund überall als hart und gut befahrbar.

Farbenfrohen Gabelracken oder Wasservögel wie Hammerköpfe und unterschiedliche Reiher sind überall am Wegesrand anzutreffen.



Und immer wieder begeistern uns die niedlichen kleinen Steinböckchen, die in der Regel schnell das Weite suchen, wenn man sich ihnen nähert.



Plötzlich sehen wir bei Motsibi Island direkt vor uns eine Löwin, die durch das Unterholz schleicht. Der Guide des vorausgefahrenen Fahrzeuges erklärt uns, dass heute Morgen ein Löwenrudel ein Gnu gerissen hat und seine Beute wenig später an eine Herde von fast zwanzig Tüpfelhyänen eingebüßt hat.



Tatsächlich sind Hyänen in der Lage, Löwen von ihrem Riss zu vertreiben. Mit dem Fernglas entdecken wir auf der Ebene zehn bis zwölf Hyänen, die sich an ihrer Beute zu schaffen machen. Daneben lauert schon ein Schakal, der in der Reihenfolge als nächster zum Zuge kommen könnte. Die letzten „Resteverwerter“ sind schließlich die Geier, die am Horizont ebenfalls schon kreisen.

Tüpfelhyänen sind in Afrika weit verbreitet. Sie sind hoch effiziente Jäger und mehr oder weniger Allesfresser. Da jegliches Aas, unabhängig davon wie alt es ist, von ihnen mit Haut und Knochen gefressen wird, spielen sie ein wichtige Rolle bei der Verhinderung von Seuchen- und Krankheitsausbrüchen. Primär sind Tüpfelhyänen nachtaktiv und leben in einem von einem dominanten Weibchen geführten Clan. Da Hyänen regelmäßige Besucher der Camps sind und sämtliche Ausrüstungsgegenstände von Schuhen über Geschirr bis hin zu Lampen vor ihnen nicht sicher sind, sollte man nachts alles zurück ins Auto räumen. Vom Grundsatz sind Hyänen dem Menschen gegenüber allerdings eher scheu und zurückhaltend, da Menschen eine potentielle Bedrohung darstellen. Markant ist ihr langgezogener Ruf bei Nacht oder das schaurig klingende Gelächter, das Ausdruck ihrer Angst ist.

Kurz darauf wartet das nächste Highlight: Nachdem das Löwenrudel von den dreisten Hyänen vertrieben worden ist, haben sie wenig später einen kleinen unglückseligen Elefanten unweit der Ebene gerissen. Drei Löwinnen zerren hechelnd und mit blutverschmierten Mäulern an dem Kadaver.





Der Löwenmann kommt bei der Beute grundsätzlich als erster zum Zuge und vertilgt zunächst seinen sprichwörtlichen „Löwenanteil“. Er ist offenbar bereits satt und döst gähnend im Schatten eines Busches vor sich hin. Wir schauen dem stolzen Löwenmann direkt in seine großen gelben Augen – welch fantastisches Erlebnis, das uns einen (angenehmen) Schauder über den Rücken treibt!





Nachdem sich auch die drei Löwinnen satt gefressen haben, ziehen sie sich ebenfalls in den Schatten zurück. Die Anstrengung der Jagd und auch des Festmahl ist ihnen regelrecht anzusehen, schwer atmend ruhen sie sich von den Strapazen der Jagd und der „Fressorgie“ aus. Die heutige Beute ist so umfangreich, dass selbst vier ausgewachsene Löwen nur einen Bruchteil des Fleisches in einer Mahlzeit verspeisen können. Da werden sicher noch einige „Trittbrettfahrer“ zum Zuge kommen!

Erneut verbringen wir die heißen Stunden des Tages in unserem Camp unter unserer schattenspendenden Akazie mit Lesen, Reisebericht schreiben und Fotos auf Festplatte speichern. Ein Lüftchen macht die brütende Hitze unter dem Baum sehr erträglich.

Nochmals befahren wir die fruchtbare Ebene in der Nähe von Jackal Island. Unterwegs sichten wir einen Leoparden, der jedoch alsbald im dichten Busch verschwindet. Auch sind zahlreiche Wasserböcke hier zu beobachten.

An einem Aussichtspunkt am Savuti Channel steht plötzlich Paul mit dem netten Berliner Paar, unsere Bekanntschaft aus Third Bridge, neben uns. Wir berichten über unser morgendliches Erlebnis mit den vier Löwen und dem gerissenen Elefanten und erklären uns bereit, ihnen die Stelle zu zeigen. Es ist gleichzeitig ein beruhigendes Gefühl, mit Paul gemeinsam die zahlreichen Wasserdurchquerungen (er fährt mit seinem hoch gelegten Landcruiser vor!) zu machen.

Das Löwenrudel ist tatsächlich noch immer mit seinem Riss beschäftigt. Viel Zeit können wir allerdings nicht hier verbringen, da die Sonne bereits untergeht. Jede Wasserpassage, insbesondere die letzte durch den Savuti Channel, die das Wasser erneut über die Windschutzscheibe treibt, verursacht aufs Neue einen Adrenalinstoß.

Im Camp entfachen wir schnell ein Feuerchen, da es bereits dunkel ist und bauen in aller Schnelle unser Dachzelt auf. Heute gibt es endlich einmal wieder Potjie mit Linsen, Rinderfilet, Kürbis und Zwiebeln – lecker! Während wir das Essen zubereiten, bekommen wir erneut Besuch von einem Elefantenbullen, der sich genussvoll an einem Baum schabt.





5. Oktober 2013, Savuti – Linyanti, 43 Kilometer, 1 ¾ Stunden

Im "Elefantenland"

Nach einem gemütlichen Frühstück, bei dem sich die „Haustierschaar“ um uns herum scheinbar täglich vergrößert (Frankolin-Hühner, Glanzstare, Rot- und Gelbschnabel-Tokos, gelbe Webervögel und auch einige Hörnchen), erkundigen wir uns am Gate nach der Direktverbindung von Savuti nach Linyanti.





Die Strecke ist aufgrund seines Tiefsandes berüchtigt. Der Ranger meint jedoch, dass die Piste gut befahrbar sei. Zunächst wollen wir uns die Rockpaintings am Bushman Hill, einer von sieben Erhebungen in der Mababe Senke, anschauen. Die Bilder wurden vor rund 3.000 Jahren von Buschmännern gezeichnet und zeigen Tierdarstellungen. An diesem Ort darf man das Auto verlassen, ansonsten ist das Austeigen im Park strengstens verboten. Ob die Raubtiere wissen, dass sie Bushman Hill nicht betreten dürfen...? Vom Berg aus hat man einen schönen Ausblick auf den Savuti Channel und das dahinter liegende Buschland.



Über die Linyanti Brücke fahren wir anschließend in nördliche Richtung. Der erste Teil der Piste ist hart und gut befahrbar, erst nach ungefähr sechs Kilometern hinter Savuti beginnt der Tiefsand. Die ersten Kilometer sind extrem und wir sind froh, so früh losgefahren zu sein, wo die Konsistenz des Sandes noch deutlich angenehmer als zu späterer Stunde ist. Letztlich meistert unser Hilux den Tiefsand mit Bravour, die letzten Kilometer durch Mopanewald sind überwiegend hart und unproblematisch. Beim Einchecken im Linyanti Camp, das wie North Gate und Savuti durch SKL betrieben wird, stellt die Rangerin und erstmals die Frage nach dem nächsten Angehörigen im Falle eines „tödlichen Zwischenfalls mit Wildtieren“. Unsere Campsite Nummer 2 ist ein wahrer Traum mit Blick auf den Linyanti River (76 € p.d.). Der Abolution Block ist sehr einfach, aber gepflegt und sauber. Für die fünf zur Verfügung stehenden Campsites gibt es jeweils für Damen und Herren eine Dusche und eine Toilette.

Linyanti liegt in der äußersten Ecke des Chobe National Parks und wird nicht annähernd so stark frequentiert wie zum Beispiel Savuti. Dementsprechend ruhig ist es hier. Auf der anderen Uferseite des Linynatis befindet sich der Caprivistreifen, der zu Namibia gehört. Die Linyantisümpfe bedecken eine Fläche von ungefähr 900 Quadratkilometern, nur ein kleiner Teil davon darf befahren werden. Der Rest des Gebietes befindet sich mehr oder weniger in Privatbesitz mit Luxuscamps der absoluten Oberklasse. Nicht selten sind hier Preise von bis zu 1.400 € pro Person und Nacht!

Linyanti ist fest in Hand der Elefanten. Riesige Herden ziehen durch die Sümpfe und Wälder. Ein großes Problem in der Region ist leider immer noch die Wilderei. Jährlich fallen fast 200 Elefanten Wilderern zum Opfer, daran ändern auch die häufigen Patrouillen der Wildhüter auf botswanischer Seite nichts. Zumeist kommen die Wilderer aus

Namibia über den Linyanti, ein Unrechtsbewusstsein der örtlichen Bevölkerung für ihr Handeln ist leider nicht vorhanden – im Gegenteil: Die Bevölkerung hält es für ungerecht, dass riesige Landstriche für gut betuchte Touristen reserviert sind, während sie selbst vom Wildreichtum nicht profitieren dürfen.

Wir setzen uns ans Flussufer und beobachten die im Schilf grasenden Elefanten. Eine Elefantenkuh mit ihrem Nachwuchs zieht in unmittelbarer Nähe an uns vorbei, ohne Notiz von uns zu nehmen. Von den zahlreichen Hippos hören wir nur das laute Grunzen – das Flussufer, an dem das Camp liegt, ist für sie glücklicherweise nicht von allzu großem Interesse, da es hier kein saftiges Gras gibt. Dennoch muss man in den Abendstunden immer auf der Hut vor den unberechenbaren Kolossen sein.


Der Abendhimmel färbt sich tiefrot über dem Linyanti – in Afrika kann man sich einfach nicht satt sehen an dem Farbspektakel von „Sunset und Sunrise“. Unser Braai am Abend fällt dieses Mal leider nicht so überzeugen aus, da das Rumpsteak zäh wie Leder ist. In der Nacht erhalten wir erneut Elefantenbesuch. Dieses Mal hat es ein Dickhäuter auf unseren Baum abgesehen, unter dem unser Zelt steht. Die gespannte Wäscheleine ist ihm im Weg und so wird sie von dem Dickhäuter gesprengt und unsere zum Trocknen aufgehängte Wäsche kurzerhand über den Platz verteilt!




6. Oktober 2013, Linyanti, Game Drives, 20 Km

Seltene Begegnung mit Wildhunden

Der Tagesablauf in Linyanti ist das komplette Kontrastprogramm zu Savuti. Während in Savuti rege Betriebsamkeit herrscht und permanent Safarifahrzeuge auf der Jagd nach dem besten Fotospot für ihre jeweiligen Klienten sind, herrscht in Linyanti entspannte Gelassenheit vor. Ausgedehnte Game-Drives sind nicht möglich, es gibt allerdings zwei lohnende Riverfront-Drives von je fünf Kilometern beidseitig des Camps. In Linyanti kann man sich auch überlegen, sein Fahrzeug einfach einmal stehen zu lassen, sich ans Flussufer zu setzen und die Tiere zu sich kommen zu lassen! Eigentlich passiert rund um die Uhr irgendetwas, Linynanti ist auch ein interessanter Birding-Spot. Unterschiedliche Vögel umschwirren das Camp, allen voran der im Sonnenlicht prachtvoll blau leuchtenden Glanzstare, Haubenbartvögel, gelbe Weber und Eisvögel, die blitzartig ins Wasser tauchen, um kleine Fische zu erbeuten.





Am Morgen taucht ein Auto mit fünf jungen Italienern bei uns im Camp auf. Sie haben die Nacht auf der Piste wenige Kilometer vor Linyanti verbracht, da sie abends im Tiefsand stecken geblieben sind und keine Lust mehr hatten, sich vor Sonnenuntergang zu befreien. Schlimmer jedoch wiegt, dass sie festgestellt haben, dass ihr Fahrzeug offenbar nicht vollgetankt war. Ob wir vielleicht noch etwas Sprit für sie hätten, fragen sie etwas naiv. Natürlich nicht, wir hätten zwar gerne geholfen, aber inklusive einer kleinen Notreserve von vielleicht 10 oder 20 Litern kommen wir so eben mit unserer Tankfüllung nach Kasane, der nächsten Tankstelle auf unserer Strecke. Überall ist zu lesen, dass es zwischen Maun und Kasane keine Tankstellen gibt und man ca. 150 Liter Sprit braucht, wenn man noch ein paar zusätzliche Game Drives machen möchte. In den Tiefsandpassagen verbraucht der 4x4 auch schnell einmal 20 Liter auf 100 Kilometern. Wir wundern uns schon sehr, wie uninformiert sich einige Leute in die Wildnis aufmachen!



Am Abend befahren wir beide Riverside-Drives. Der Wald ist voller Elefanten, immer wieder müssen wir stoppen, um darauf zu warten, dass die Dickhäuter den Weg freigeben. Es ist deutlich zu spüren, dass die Tiere in Linyanti Menschen gegenüber deutlich nervöser reagieren – vermutlich ein Ergebnis der Wilderei vor allem auf namibischer Seite. Wir beobachten zahlreiche Gruppen mit winzig kleinen Baby-Elefanten, die ihren Müttern nicht von der Seite weichen und immer wieder zum Milchtrinken „andocken“.



Zurück im Camp sitzen wir am Linyantiufer und bewundern den Sonnenuntergang. Corinna macht am Ufer, nicht weit entfernt von uns, eine Bewegung aus. „Da sind Wildhunde, ich fass es nicht“, flüstert sie begeistert. Tatsächlich, ein Clan von 10 bis 12 Tieren ist soeben zum Flussufer hinunter gekommen, um zu trinken.



Die faszinierenden hundeähnlichen, hochbeinigen Wild Dogs mit den auffällig rundlichen Ohren und den individuellen Fell-Zeichnungen stehen in der Skala der vom Aussterben bedrohten Tierarten in Afrika an zweiter Stelle. Nur noch 2.000 Exemplare gibt es, davon 600 – 800 in Botswana. Einheimische Rancher machen gnadenlos Jagd auf die Tiere, um ihre Rinder zu schützen. Dabei jagen Wild Dogs nie Rinder, solange Wildtiere als Beute verfügbar sind. Das größte Problem liegt darin, dass Wild Dogs ein riesiges Territorium für ihre Lebensweise benötigen und der Mensch diese Bedürfnisse durch seine Eingriffe in ihren Lebensraum immer mehr einschränkt. Auch versuchen andere Raubtiere, wie Löwen und Hyänen, den Nachwuchs der Beutetierkonkurrenten zu töten. Wildhunde jagen grundsätzlich im Clan, erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten von 55 km/h und sind dabei vor allem extrem ausdauernd. Beutetiere werden in einer Hetzjagd über mehrere Kilometer bis zur völligen Erschöpfung vor sich her getrieben. Sogar große Antilopen fallen Wildhunden zum Opfer. Mit einer Erfolgsquote von 95 % (Löwen haben im Vergleich lediglich 20 %) sind sie die erfolgreichsten Jäger Afrikas.



Genau so schnell wie der Wild Dog Clan aufgetaucht ist, ist er auch wieder verschwunden - uns gelingen gerade noch ein paar schnelle Schnappschüsse. Wildhunde sind extrem rastlos, immer in Bewegung und nie über einen längeren Zeitraum an einem Ort zu beobachten. Wir sind begeistert über diese überaus seltene Tierbegegnung.

Am Abend machen wir im Potjie Buschpizza – wir können uns nicht erinnern, jemals eine leckerere Pizza gegessen zu haben! Dazu gibt es einen südafrikanischen Sauvignon Blanc. Das Grundrezept für den Pizzateig ist das gleiche wie für das Buschbrot, lediglich etwas mehr Öl wird beigefügt, Belag nach Lust und Laune! Danach wird die Pizza 20 Minuten gebacken mit sehr wenig Holzkohle unter (damit der Boden von unten nicht verbrennt) und viel glühender Holzkohle oben auf dem Deckel.



Erneut werden wir in der Nacht vom Geraschel einer Gruppe äsender Elefanten vor unserem Zelt geweckt und verfolgen das Treiben eine ganze Weile lang.


7. Oktober 2013, Linyanti – Ihaha, Chobe NP

Übernachtung unter einem „Pavian-Schlafbaum“

Heute brechen wir zu unserer letzten Station in der Wildnis auf, bevor wir die Rückfahrt nach Johannesburg antreten. Nochmals befahren wir den Riverside Drive und können uns kaum trennen von der Beobachtung der Elefantenherden im Busch. Zwei Dickhäuter begrüßen sich innig, geradezu liebevoll, in dem sie ihre Rüssel aneinander reiben. Man sieht ihnen die Wonne, die sie dabei empfinden, regelrecht an.





Schließlich müsen wir uns von unseren liebgewonnen Elefanten losreißen, da wir noch eine lange Fahrstrecke durch Tiefsand nach Ihaha vor uns haben. Die ersten Kilometer sind in kurzen Abschnitten extrem, danach ist die Two-Spoor Sandpiste aber gut befahrbar, größtenteils ist sogar das Zuschalten des 4x4 nicht notwendig. Auch auf dieser Strecke gibt es nicht all zu viel zu sehen, es ist eine reine Transitstrecke durch Mopanewald.

Am Ende der Sandpiste in Kachikau befindet sich ein Craftshop, in dem wir eine schöne geschnitzte Holzschale erwerben, für afrikanische Verhältnisse zu einem horrenden Preis (140 Pula). Hier werden die Touris, die bereits im Chobe NP sehr viel Geld ausgegeben haben, nochmals "ausgenommen". Die abweisend wirkende Verkäuferin lässt sich, entgegen der sonstigen afrikanischen Gepflogenheiten nicht einmal aufs Feilschen ein! Wir decken uns für die letzten Tage noch einmal mit kaltem Bier, das uns längst ausgegangen ist, ein. Die Straße in dem kleinen Örtchen ist gesäumt von Schirmakazien, die noch nicht aus dem "Winterschlaf" erwacht sind. Wir treffen hier nach acht Tagen erstmals wieder auf eine Asphaltstraße.

Am Ngoma Gate, dem Zugang zum Chobe Game Reserve, stoßen wir auf zwei extrem unfreundliche Mitarbeiter, die uns mit großer Unlust abfertigen. Wir sind in den letzten Wochen zumeist auf große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gestoßen, haben aber leider auch mal negative Begegnungen gehabt. Nach wenigen Kilometern liegt der Chobe River mit seiner nahezu endlosen saftig grünen Ebene vor uns. Wildtiere wie Gnus, Büffel, Zebras, Antilopen und Elefanten tummeln sich hier ebenso wie zahlreiche Wasservögel. An einigen Stellen kann man von der „Mainroad“ aus in Loops hinunter zum Chobe-Ufer fahren. Die Anreise avanciert somit zu einer Art Game Drive, bei dem alle paar Sekunden etwas Neues zu entdecken ist.

An unserer Campsite Nummer 9 freunden wir uns schnell mit einer „Camp-Giraffe“ an. Corinna stellt sich direkt unter das eindrucksvolle Tier, ohne dass die Giraffe sich auch nur im Geringsten von ihr gestört fühlt. Natürlich ist dieses Verhalten nicht normal und sicher auf eine Art Domestikation durch die Camp-Gäste zurück zu führen. Die Giraffen haben gelernt, dass von den Bewohnern des Camps keine Gefahr ausgeht.



Die Campsites 6 – 10 sind traumhaft direkt an der Riverfront mit Blick auf die weite Ebene gelegen, die anderen Plätze liegen hingegen etwas weiter vom Chobe-Ufer entfernt (52 € p.d.). Das Ihaha Camp ist leider in keinem besonders guten Zustand. Die Abolution Blocks machen einen verwahrlosten Eindruck, die Campsites werden für die Gäste gerade einmal notdürftig hergerichtet. Überall liegt der Kot der Paviane herum und durch die nicht vorhandene Verschlusstechnik der Abfallkörbe, haben die Paviane gelernt, die Körbe zu öffnen und den Inhalt über den gesamten Platz zu verteilen. Man hat nicht den Eindruck, dass es den Betreiber Kwalate auch nur im Geringsten kümmert. Es ist ein himmelweiter Unterschied zu den von SKL geführten Plätzen, die sich alle in einem tadellosem Zustand befanden.

Unser abendlicher Game Drive führt uns den Chobe hinauf westwärts. Riesige Zebra-, Antilopen-, Büffel- und Elefantenherden grasen gemeinsam am Chobe Ufer. Die ganz spektakulären Tierbegegnungen bleiben heute Abend zwar aus, dennoch genießen wir die einzigartige Atmosphäre der untergehenden Sonne, dem rot-glühenden Horizont und den davor friedlich grasenden Elefanten.





Während wir unser Braai zubereiten, bemerken wir, dass wir unser Lager unter einem Pavian Schlafbaum aufgeschlagen haben. Ein Babaoon nach dem anderen sucht sich ein Plätzchen hoch oben in der Baumkrone, um vor nächtlichen Angriffen von Raubtieren geschützt zu sein. Das kann ja heiter werden, zumal die Affenbande beim Bezug ihres Nachtquartiers noch ein Heidenspektakel veranstaltet. Im Laufe des Abends kommen sie jedoch schnell zur Ruhe und wir können einen stimmungsvollen Abend am Campfire verleben.


8. Oktober 2013, Ihaha, Chobe NP, Game-Drives

Ein letzter Tag in der Wildnis


Der Chobe River in der Nähe von Kasane ist sicherlich der am besten erschlossene Bereich des gesamten Nationalparks. Von Kasane strömen die Safariautos im Minutentakt auf dem Riverside-Drive vom Gate in Richtung Serondela. Um Ihaha herum herrscht hingegen nicht annähernd eine solche Betriebsamkeit. Wir fahren früh morgens auf der Hauptpiste bis zur Serondela Picnic Site und dann 15 Kilometer westwärts an der Riverfront zurück nach Ihaha. Auf diese Weise haben wir das Sonnenlicht im Rücken und bessere Lichtverhältnisse für unsere Fotos. Hier besteht noch nicht die in Reiseführern beschriebene Zufahrtsbeschränkung sowie Einbahnstraßenregelung wie in dem Abschnitt zwischen Kasane und Serondela, den wir morgen früh auf der Rückfahrt erkunden wollen. Unten auf einer Sandbank sichten wir eine Gruppe von Marabus, jenen merkwürdig aussehenden Störchen mit ihren fleischigen Kehlsäcken. Ansonsten ist unsere Pirschfahrt eher ruhig, in der Nähe des Camps hat sich eine riesige Büffelherde zur morgendlichen Siesta niedergelegt.



Wir verbringen die Mittagshitze im Schatten unseres „Affenbaumes“ auf unserer Campsite und beobachten das bunte Treiben der Paviane. Eine Pavianmutter läuft mit ihrem wenige Tage alten Jungen, das sich unbeholfen an ihren Bauch klammert, quer über unsere Campsite hinunter zum Fluss.



Noch einmal befahren wir am Nachmittag den Riverfront-Drive westlich von Ihaha und beobachten die unzähligen Elefanten, die wie auf Kommando vom Äsen im Busch zurückkehren an den Chobe. Erstmals sichten wir eine Rappenantilope (Sable Antilope), ein prachtvolles Exemplar mit einem beeindruckenden Gehörn. Rappenantilopen können bis zu 250 Kilogramm schwer werden, das imposante Gehörn wird von beiden Geschlechtern getragen! Uns beschleicht Wehmut, denn dies ist der letzte Tag in der Wildnis. Morgen beginnt die Rückfahrt nach Johannesburg in drei Etappen.



Abends verwerten wir mit viel Kreativität einen Teil unserer Lebensmittelreste. Es gibt als Vorspeise in Alufolie gegarten Butternutkürbis mit Butter und noch einmal Buschpizza, belegt mit Zutaten, die der Kühlschrank noch so hergibt.


9. Oktober 2013, Ihaha, Chobe NP – Francistown (550 km)

Rückreise in drei Etappen nach Johannesburg

Noch vor Sonnenaufgang brechen wir unser Lager ab, denn wir wollen möglichst vor dem ganz großen Besucherstrom den am besten erschlossenen Teil des Chobe Parks, der sich direkt an Kasane anschließt, in einem letzten Game Drive erkunden. Wie bereits in unserem Ilona Hupe Reiseführer geschrieben steht, ist aufgrund des massiven Safari-Tourismus-Aufkommens im Abschnitt zwischen Sedudu Gate und Serondela ein Einweg-Verkehrsleitsystem eingerichtet worden, an das sich allerdings kaum ein Fahrzeug so wirklich zu halten scheint. Die River Front Route darf eigentlich nur in Richtung Westen befahren werden, da in der Vergangenheit zahlreiche Fahrzeuge im Tiefsand stecken geblieben sind, die einem entgegen kommenden Fahrzeug ausweichen wollten.

Natürlich sind wir trotz der frühen Stunde nicht die Ersten, zahlreiche Safari-Autos kommen uns mit ihren Gästen aus den teuren Lodges in Kasane entgegen. Nach so viel Wildnis in den letzten Tagen können wir den Game Drive aufgrund des Rummels nicht so wirklich genießen und brechen unsere Runde kurzerhand ab. Hinzu kommt, dass uns der etwas abgelegene Teil westlich von Ihaha landschaftlich deutlich besser gefallen hat. Die River Front Route führt größtenteils nicht unmittelbar am Chobe Ufer entlang sondern etwas oberhalb im Busch, so dass zumeist die freie Sicht auf den Fluss durch Buschwerk und Bäume versperrt bleibt.



Wir tragen uns am Sedudu Gate aus dem Register aus und tanken in Kasane erst einmal voll. Tatsächlich sind wir ab Maun 950 Kilometer inklusive Game Drives gefahren und haben dabei 140 Liter Diesel verbraucht. In Tiefsandpassagen verbraucht der Hilux streckenweise gut und gerne 20 Liter auf 100 km. Dann machen wir uns auf den Weg nach Francistown. Die Verkehrsschilder, die vor kreuzenden Wildtieren warnen, mögen auf einen Touristen kurios wirken, jedoch haben sie durchaus ihre Berechtigung, wie wir kurz darauf feststellen!





Über die A33 geht es zunächst nach Nata. Dieser Abschnitt ist derzeit eine einzige Baustelle, da gerade die komplette Fahrbahn erneuert wird. Dennoch kommen wir sehr schnell mit einem Schnitt von 100 km/h voran. Drei Vet-Fences müssen passiert werden, zwei Mal wird sogar unser mehr oder weniger leerer Kühlschrank kontrolliert.

Spontan entscheiden wir uns, in der Nähe von Francistown im Woodlands Stop-Over zu übernachten – eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen wird. Zehn Kilometer vor Francistown führt eine Schotterpiste zu der Anlage, die unmittelbar an der legendären Hunter´s Road an der Grenze zu Zimbabwe liegt. Da wir heute Nacht gerne in einem richtigen Bett schlafen wollen, mieten wir uns in eines der sechs hübschen Chalets ein (480 Pula). An der Rezeption erwerben wir kühles Bier sowie tiefgefrorenes Fleisch für unser abendliches Braai. Außerdem gibt es hier auch noch andere tiefgefrorene und vorgekochte Gerichte zu kaufen.



Den ganzen Nachmittag lassen wir es uns gut gehen am gepflegten Pool der Anlage und aalen uns stundenlang im kühlen Nass. Wir kommen ins Gespräch mit Lilo und Rudi, einem Paar aus Bad Münstereifel, das seit mehreren Jahren Afrika bereist und mittlerweile einen Toyota Landcruiser das ganze Jahr über in Windhoek/Namibia stehen hat. Am Abend plaudern wir noch eine ganze Weile bei einem Gläschen Wein. Drei Monate im Jahr reisen die Beiden mit Dachzelt durch die unterschiedlichsten Länder Afrikas – auch ein spannendes Modell für das Rentendasein, wie wir finden! Wir bestaunen den Landcruiser, der mit viel Liebe zum Detail umgebaut worden ist. Natürlich gibt es eine Solarzelle für die Stromversorgung und sogar eine gut funktionierende Waschmaschine: Eine schwarze, verschraubbare Tonne wird dabei auf dem Dach befestigt. Die Sonne heizt das Wasser schnell auf und durch das Geruckel auf den Offroad-Pisten hat man nahezu den gleichen Wascheffekt wie bei einer elektrischen Waschmaschine! Der Clou des Autos ist eine im Dachzelt eingebaute Minitoilette, versehen mit Filtern und einer Ableitung auf den Boden. Somit muss man in der Nacht nie mehr sein kleines Geschäft inmitten wilder Tiere erledigen! Gewusst wie, Rudi stellt sich als gelernter Ingenieur und Tüftler heraus.


10. Oktober 2013, Francistown – Matamba Bush Camp, 435 km

Eine weitere Nacht im Matamba Bush Camp

Nach dem Frühstück fahren wir über die gut ausgebaute A1 270 Kilometer bis nach Martin´s Drift, der Grenze nach Südafrika. Das Einreiseprocedere ist ähnlich wie auf der Hinfahrt, insgesamt benötigen wir ungefähr eine halbe Stunde, um alle Formalitäten zu erledigen. In Lephalale wollen wir in einem Internet-Cafe für unseren morgigen Flug online einchecken. Corinna fragt in einer Apotheke nach einem Internet-Cafe, zwei junge Frauen bieten ihr spontan an, dies in ihrem Laden nebenan zu machen. Für einen „Network Solutions“ Laden stellt sich der uns zur Verfügung gestellte Rechner als ziemlich altersschwach heraus, aber immerhin gelingt es uns nach einiger Zeit, sowohl die Boardingpässe als auch die Rail & Fly Tickets auszudrucken. Wir bedanken uns überschwänglich bei den beiden Mädels und fahren weiter zum Matamba Bush Camp, wo uns Alan herzlich begrüßt. Natürlich belegen wir wieder die Drongo Campsite und sind begeistert, dass wir erneut die einzigen Gäste sind.

Natürlich machen wir erst einmal einen Rundgang, um die mittlerweile vertraute Giraffenfamilie aufzusuchen. Es tut richtig gut, endlich einmal wieder ein paar Schritte laufen zu können. Wenn uns in diesem Urlaub irgendetwas gefehlt hat, dann ist es eindeutig die Bewegung. Leider lässt sich Botswana nicht anders erschließen als per 4x4 Fahrzeug, ein weiteres Mal würden wir allerdings eine vierwöchige Afrikareise ohne jegliche Chance auf Bewegung nicht planen! Die beeindruckenden Elenantilopen tummeln sich im dichten Busch, wo sie mittlerweile frisches Grün finden. Vor dem Abendessen nehmen wir noch eine Erfrischung in der einmaligen Open-Air Dusche.



Es zieht ein Gewitter auf und die Hoffnung, auf den ersten Regen nach der Trockenzeit. Alan meint, dass alle Tiere sehnsüchtig auf den ersten Regen warten. Für uns ist die Aussicht auf einen afrikanischen Thunderstorm hingegen alles andere als begeisternd! Nur allzu gut ist uns das Unwetter während unserer letztjährigen fünftägigen Wanderung durch den Umfolzi-Park in Südafrika in Erinnerung! Wir entfachen ein Campfire, stellen jedoch alsbald fest, dass das Feuer aufgrund des Windes extrem risikobehaftet ist. Funken sprühen in den knochentrockenen Busch und wir möchten keinesfalls verantwortlich sein für ein ausgedehntes Buschfeuer. So löschen wir schnell unser Campfire und ziehen um in die überdachte Küchenhütte, da es mittlerweile auch angefangen hat zu tröpfeln. Wir haben bei unseren Gastgeben ein Potije bestellt (80 Rand p.P.), den uns Alan zusammen mit einem leckeren Salat und selbstgebackenen Brot am Abend bringt. Wir genießen es, einmal nicht mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt zu sein.

Frühzeitig ziehen wir uns gegen 8 Uhr in unser Zelt zurück und erleben einen Thunderstorm, den wir in dieser Form noch nie erlebt haben. Die Blitze zucken 360° Grad um uns herum am Horizont, glücklicherweise geraten wir aber während der ganzen Nacht nicht ins Zentrum des Geschehens. Schließlich zieht das Gewitter weiter und wir haben doch noch eine ruhige letzte Nacht in unserem liebgewonnenen Dachzelt.


11./12. Oktober 2013, Matamba Bush Camp – Johannesburg

Aufbruch zum Flughafen

Alan kommt um 6.15 Uhr und wir bezahlen unsere Campsite und das gestrige Abendessen. Unsere kompletten restlichen Lebensmittel übergeben wir ihm, damit er sie weitergibt an seine Angestellten, die dafür mehr als dankbar sind. Dann machen wir uns auf zu unserer letzten Etappe bis nach Johannesburg, um unser Auto zurück zu geben.

Im Headquarter von Bushlore in Midrand in der Nähe von Pretoria wird unser Fahrzeug einem kurzen Check unterzogen. Wir erläutern unsere Probleme mit der Achse und dem Air Kompressor und man erklärt uns, dass uns die Auslagen in den nächsten Tagen erstattet werden. Da wir eine Full-Insurance ohne Selbstbeteiligung gebucht haben, verläuft alles völlig problemlos. Bushlore organisiert uns einen „Lift“ zum Flughafen von Johannesburg. Da wir bereits online eingecheckt haben, können wir die lange Schlange der wartenden Passagiere passieren und geben unser Gepäck bevorzugt auf. Wir erhalten auf Nachfrage erneut einen Sitzplatz an den Notausgängen, so dass wir einen äußerst komfortablen ersten Teil unseres Rückfluges genießen können. In Doha versuchen wir am Transitschalter wieder einen Platz am Notausgang zu ergattern. Dieses Mal haben wir allerdings ein Glück, so dass wir den letzten Flug nach Frankfurt etwas „gequetscht“ über uns ergehen lassen müssen.

Erstmals in unserer Reisehistorie ist unser Gepäck verloren gegangen. Ein anderes junges Paar, das ebenfalls aus Johannesburg kommt, teilt unser Schicksal – ein Zeichen, dass beim Verladen in Doha irgend etwas schief gelaufen sein muss. Wir geben eine Gepäck-Suchmeldung auf und fahren ohne „Ballast“ mit dem ICE zurück nach Hannover. Das Gepäck taucht bereits am kommenden Tag auf und wird uns an die Haustür geliefert.

Unsere Botswana-Reise hat unser Afrikafieber eher noch weiter entfacht. Bereits auf dem Rückflug sinnieren wir über mögliche Reiseziele auf dem schwarzen Kontinent. Ganz oben auf unserer Liste stehen eine Kombination aus Sambia und Malawi oder aber Namibia zusammen mit der Kgaligadi im Süden Botswanas.
Anhang:
Meine weiteren Reiseberichte und Videos im Namibia-Forum:
Video für Afrika-Infizierte - Western Cape, 10. Juni 2016
Der Fynbos Trail - ein Natur-Trekking Erlebnis - 05. März 2016
Video Namaqualand, Richtersveld & Sossusvlei u.a. - 18. Oktober 2015
Blühende Wüste - Namaqualand - 17. Oktober 2015
Video: Baines Baobabs "Night & Day" - 14. Juli 2014
April 2014: Kaokoveld + Caprivi mit dem 4 x 4 - 12. Mai 2014
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Hallo,

dein Bericht ist genau das, was ich kurz vor unserem Urlaub brauche! Vielen Dank!!!

Hoffentlich geht es zügig weiter, damit ich noch viel mitbekomme ;)

Liebe Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)

1x Togo+Benin (mit TUI), 1x Ruanda+Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 17 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe,Sambia, Südafrika mit dem Dachzelt)
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16 Mär 2014 11:58 #330541
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  • blohappat am 16 Mär 2014 11:58
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Danke für den informativen Teilbericht, sind schon neugierig auf die Fortführung...

LG, Michi
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16 Mär 2014 16:08 #330575
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Hallo Michi,
unser Reisebericht ist nun fertig eingestellt. viel Spaß beim Lesen. Mehr Fotos findest du auf unserer Reise-Website www.wehr-reinhold.com.

LG
Wolfram
Meine weiteren Reiseberichte und Videos im Namibia-Forum:
Video für Afrika-Infizierte - Western Cape, 10. Juni 2016
Der Fynbos Trail - ein Natur-Trekking Erlebnis - 05. März 2016
Video Namaqualand, Richtersveld & Sossusvlei u.a. - 18. Oktober 2015
Blühende Wüste - Namaqualand - 17. Oktober 2015
Video: Baines Baobabs "Night & Day" - 14. Juli 2014
April 2014: Kaokoveld + Caprivi mit dem 4 x 4 - 12. Mai 2014
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16 Mär 2014 16:10 #330576
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Hallo Jambotessi,
unser Reisebericht ist nun fertig eingestellt. viel Spaß beim Lesen. Mehr Fotos findest du auf unserer Reise-Website www.wehr-reinhold.com. Viel Spaß in Botswana!

LG
Wolfram
Meine weiteren Reiseberichte und Videos im Namibia-Forum:
Video für Afrika-Infizierte - Western Cape, 10. Juni 2016
Der Fynbos Trail - ein Natur-Trekking Erlebnis - 05. März 2016
Video Namaqualand, Richtersveld & Sossusvlei u.a. - 18. Oktober 2015
Blühende Wüste - Namaqualand - 17. Oktober 2015
Video: Baines Baobabs "Night & Day" - 14. Juli 2014
April 2014: Kaokoveld + Caprivi mit dem 4 x 4 - 12. Mai 2014
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16 Mär 2014 20:24 #330596
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Hi Wolfram,

du warst aber schnell, wir fliegen doch erst am 27.3.!!!! ;)

Viele eurer Erlebnisse waren ähnlich, wie bei uns vor ein paar Jahren(Linyanti, da waren wir auch auf Nr. 2) und im CKGR lieben wir die Piper Pan Gegend ebenso, wie ihr! Wir freuen uns auf 8 Tage dort (1x Xade , 2xPipers (2) ,1x Lethiahau,2x Sunday Pan (4) + 2xDesception(6) )

Vielen Dank für den tollen Bericht und die wunderbaren Bilder!!!

Liebe Grüße
Jambotessy
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