THEMA: Reisebericht Südafrika, Botswana, April - Mai 2012
10 Jun 2012 16:56 #238742
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Dienstag 08.05.2012 VICTORIAFÄLLE UND GOZILLA

Um 08:30 Uhr werden Micha und ich n der Rezeption abgeholt. Patricia möchte heute am Chalet bleiben und einen „Mädchen-Faulenzertag“ einlegen. Es ist ja auch wirklich schön hier. Ich selbst habe die Vic.-falls auch schon im Mai 2008 gesehen, aber Wasserfälle finde ich irgendwie toll. Wir werden an die zimbabwische Grenze gefahren, reisepass-stempeln uns aus Botswana aus und kommen zum zimbabwischen Schalter einige Meter weiter. Einer der Beamten begrüßt die Touris in Landessprache, sei es koreanisch, schwedisch, deutsch, japanisch, niederländisch oder oder. Innocence, so heißt er angeblich, holt uns ab und fährt uns etwa 1 ¼ Stunde zu den Vic-falls. Irgendwie ist Afrika klein: Wir quatschen und erzählen u.a. die story von Thomas und seiner Raubkatzenbegegnung. Na, das hat sich schon hier grenzübergreifend herumgesprochen. „He's mad“ erzählt uns Innocence. 2 Tage vorher fuhr er die beiden auch zu den Wasserfällen. Zuhause möchten sie die Story nicht erzählen. Schließlich sind die beiden auf Hochzeitsreise und die Eltern waren wohl nicht begeistert. Nun denn...wir erreichen Victoria Falls und werden zum Eingang gefahren. Ein Warzenschwein kreuzt den Eingang. Ggü. des Haupteingangs werden die üblichen Touri-Souvenirs verkauft: Sie alle ähneln sich mit denen in Botswana. Massen-Fabrikware eben. „Made in China?“, frage ich Micha noch grinsend. Kann ja sein: Auf den Kapverden im Jahr 2010 wollten wir auch was landestypisches kaufen...“made in China“ stand auf dem Anhängeschildchen. Wir ließen es natürlich hängen. Das war auch noch auf einer der abgelegeneren Inseln und nicht etwa auf Sal oder Boavista. Unglaublich! Wir werden von den Shopbesitzern natürlich angesprochen „when coming back, remember shop 8“. Klar! Ich habe nur noch shop 8 im Kopf. Zeitgleich fängt neben den shops eine in traditioneller Kleidung gekleidete Gruppe mit Trommeln an zu singen; immer dann, wenn ein kleiner Touri-Bus anhält. Wir sind nicht weit von der zambischen Grenze entfernt. Einige, wenn nicht viele Einheimische fahren mit hoffnungslos überladenen Fahrrädern oder XXXL-schubkarrenähnlichen Wagen Waren Rtg. Grenze und kommen beladen oder unbeladen zurück. Es geht von der Grenze relativ ordentlich bergauf. Für die Strecke von 3km Grenze/Stadt bekommen die Fahrer 1 oder 2 US-$, wie wir erfahren, da das Bringen der Ware zur Grenze wohl 4US-$ Steuer kostet. Bei ihnen ist es steuerfrei, müssen aber dann den 4 US-$-Preis u
nterbieten. Ein echter Knochenjob! Die zimbabwische Währung wurde abgeschafft. Es zählt der amerikanische Dollar.
Wir zahlen den Eintritt von 220 Pula (wird dort auch akzeptiert) und schauen uns die Fälle an. Für den Kamerarucksack habe ich ein Regencape, damit der Rucksack und vor allem die beiden Kameras nicht durchnäßt werden. Und es ist naß! Klatschnaß. Der Regen durch die Gischt der Fälle ist fast permanent. Ruckzuck sind wir klatschnass, wollen aber selber keinen Regenschutz kaufen bzw. anziehen. Gehört ja dazu. Grds. finde ich die sambische Seite besser, weil man bis an die Abbruchkante herankommt, während hier ein Zaun und Dornengebüsch einen davon abhalten. Wir haben 15:00 Uhr als Rückfahrt vereinbart, sind aber schon um 13:45 Uhr am Ausgang zurück. 11:00 Uhr bis 13:45 Uhr reichen uns aus. Das Livingstone-Denkmal wird von englischen Touris „belagert; man möchte mit dem Denkmal geknipst werden. Wir setzen uns an den Ausgang, beobachten die Leute und werden dann um 14:30 Uhr bereits abgeholt. Leider müssen wir noch auf drei andere Touris bis 15.00 Uhr warten und fahren zurück. An der Grenze wartet ein schwerer Toyota Tundra mit einer 5,6-Liter-Maschine auf seine Einreise. Am späten Nachmittag erreichen wir wieder das Senyati-Camp, wo sich die Elefanten wieder ein stell-Dich-ein geben. Patricia hat den Tag über auch mit den Eli's verbracht. Von der Terrasse aus (oder der Bar) konnte sie alles bestens beobachten, vor allem die neugeborenen Eli's sind da natürlich ein highlight. Der Abend verläuft ruhig, aber je später die Nacht, je größer die Elefanten am Wasserloch. Die 3 Bullen drüben sind schon mächtig, als ein noch um einiges größeres Tier die Wasserstelle aufsucht und die anderen vertreibt. So einen Riesenelefanten habe ich noch nie gesehen. Ich taufe in Gozilla.




Mittwoch 09.05.2012 WOODLANDS STOP OVER

Schade! Das war es erst einmal mit der Wildnis. Heute ist Teer-Fressen angesagt. Wir werden einen Zwischenstopp bei Woodlands-stop-over einlegen und dann in den östlichsten Teil Botswanas fahren, den Tuli-block. Mal sehen, was es da zu sehen gibt. Unsere Strecke heißt: Kasane-Francistown. Die bisher anfänglich schlaglochstarke Hauptstraße Rtg. Francistown wurde ausgebessert und wir kommen super voran. Die Gegend wird nach einigen Kilometern langweilig: Sonnenblumenfelder und andere Riesenfelder bis zum Horizont. Einen letzten Elefanten sehen wir noch am Straßenrand, wo auch ein Reisebus in entgegengesetzter mit Touris steht, die fleißig Fotos machen. Na Leute, dann wartet mal den Chobe ab! Die Straße ist zwar o.k., aber eng. Ein Reisebus mit Einheimischen und Anhänger überholt uns mit über 120 km/h. Zeitweise scheint es, als würde sich der Anhänger aufschaukeln. „Lusaka-Francistown“ steht auf dem Bus. Unfälle sind nicht selten: umgekippte Sattelschlepper, LKW mit zerstörtem Führerhaus...wir haben schon einige gesehen. Wir werden von einer Baustelle, was die Geschwindigkeit betrifft, in Schach gehalten. Die Baustelle wird, wie wir später feststellen, 100 km (!) lang sein. Einige Daten: Polizeikontrolle: S 18° 35.107, E 25° 37.821
Nach der Baustelle kommen wir in eine VET-Control: S 19° 42.185, E 26° 03.041
Wir fuhren gegen 08:00 Uhr los und erreichen schon gg. 14:15 Uhr Woodlands stop-over. Die Anlage ist für einen stop-over echt o.k. Man fährt einige km über eine Graval-road abseits der Hauptstraße, erhält auf einem frisch gewässerten Rasen seinen Platz, hat einen Pool und sehr schöne Abolutions – richtig afrikanisch geschmackvoll. „Beware of snakes“ warnt vor Schlangen.
Wir kaufen noch etwas Fleisch, Holz und ein Shirt an der Rezeption, grillen und gehen ins Bett.




Donnerstag 10.05.2012 TULI-BLOCK UND EINE ENTTÄUSCHUNG

Weiter geht’s am Morgen. Wir erreichen Francistown schon nach kurzer Zeit ab Woodlands stop-over, kaufen im Spar etwas ein und fahren mit einigen „Verfransungen“ Rtg. Tuli. (Wegweiser ist ein Limpopo-River-Lodge-Schild“, etwa 140km vor dem Ziel. Das hilft, denn die Straßen hier sind etwas verzweigt und nicht beschildert. Die Rtg. stimmt erst einmal grundsätzlich. Ups! Wir sind außerhalb des Tuli, zwar nur knapp, aber außen vor, lesen wir erst jetzt im HUPE-Führer. Wir haben über die Tuliseite im www. das Molema-Bush-Camp gebucht! NICHT nachmachen. Was für eine Enttäuschung. Der Weg dorthin ist ziemlich dürftig; wir durchqueren mehrere ausgetrocknete Flußbetten und landen dann auf einer abschüssigen Campsite. Ein toller, großer Baum mit mächtigem Umfang steht in der Mitte des Platzes; das eigene WC und die Dusche...naja.... Die „Küche“ im Freien ist eher dahingezimmert. Wir wollten direkt am Limpopo sein, sind wir aber nicht. Außer 2 Pavianen sehen wir keine Tiere. Wir entschließen uns nur eine Nacht statt 2 zu bleiben und teilen das auch mit. Bezahlen müssen wir 2 Nächte, weil zu spät storniert. Der Game-Drive ist grottenlangweilig und der Straße wegen mühselig. Ne, das können wir NICHT EMPFEHLEN.


Freitag 11.05.2012 LIMPOPO RIVER LODGE

Nur 20 Minuten weiter ist die Limpopo River-Lodge: Ja, das macht was her! Wir buchen ein Bush-Chalet direkt am Limpopo-Fluß mit Terrasse. Schön! Allan, ein Angestellter, spricht einige Zeit mit uns, zeigt uns Fotos von Tieren hier, einem rosafarbenen kleinen Hippo, wewegen schon Tierfilmer hier waren und und und. Game-Drives können wir hier schon ganz gut machen: Allan gibt uns eine Karte und wir ziehen los: Die Tiere hier sind jedoch weitaus scheuer als im Chobe: Zebras, Kudus, Impalas & Co. Einen Baobab suchen wir auch auf. Er ist von innen hohl und soll Fledermäuse beherbergen. Wir können sie jedoch nicht entdecken.
Am Nachmittag tauchen am ggü. liegenden Ufer einige Eli's auf, um Wasser zu trinken.
Der Abend verläuft wieder nach unserem Geschmack. Elefanten kommen zum Limpopo-Fluß, laufen direkt! am Chalet vorbei mit brummen und trompeten. Ein Hippo meldet sich wieder zu Wort. Wie wir am nächsten Morgen feststellen werden, haben die Eli's die Wasserleitungen aus dem Sandboden gehoben, gebrochen und dieses Wasser getrunken. Zum Limpopo sind es nur noch 10 Meter, aber vllt. war es bequemer? Die Duschen werden auf jeden Fall erst mal nicht funktionstüchtig sein :-)







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11 Jun 2012 18:33 #238909
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Samstag 12.05.2012 TULI-JOHANNESBURG

Am Morgen sehe ich ein kleines Hippo den Fluß hochschwimmen. Auf der ggü. liegenden Flußseite ist Südafrika. Da wurde gestern nachmittag und in der Nacht mehrfach geschossen. Wildtiere gehören dort offensichtlich auch nicht hin. Unser Plan ist es, in Südafrika einzureisen und in den Waterbergen auf halber Strecke zu übernachten. Es kommt aber anders.

Bei der Customs Immigration PLATJAN, einem sehr kleinen Grenzübertritt über eine schmale Betonbrücke, kommen wir nach Südafrika: S 22°29.106 E 28° 49.927. TIP: Fahrt auf ZA-Seite rechts ab Grenzkontrolle und an einer großen Farm links, solltet Ihr dort sein. Das ist ein leichter Umweg, aber die Strecke ist um einiges besser. (Allan zeigte uns den Weg genau auf) Wir kommen gut durch und erreichen die A1 Rtg. J'burg. Wir fahren die ganze Zeit 120 km/h, achten aber darauf, das Tempo nicht zu überschreiten. Viel Polizei hier! Die Waterberge fahren wir nicht an sondern fahren durch. Schon um 15:00 Uhr erreichen wir J'burg. Wir haben spontan entschieden, den Mietwagen einen Tag früher abzugeben und in der Nähe des Flughafens zu übernachten. Grund: Der Wagen muß innen gesäubert, von außen gewaschen und vollgetankt abgegeben werden. Gerade das Volltanken ist nervig: Der Off-Roader hat einen Standard 80-Liter-Tank und einen zweiten mit 60 Litern, verbunden durch eine schmale Verbindung. Da die Luft entweichen muß, dauert das tanken gerne eine knappe halbe Stunde. Das frißt Zeit. Wir erreichen die Tankstelle, lassen „pumpen“ und danach das Auto für sage und schreibe 2,50 EUR komplett mit der Hand waschen. Wir geben natürlich ein gutes Trinkgeld. Das Saugen muß schnell gehen: Um 16 Uhr ist Abgabe und es ist 20 vor Vier. Kein Problem! Innen saugen und wischen dauert 10 Minuten mit 4 Leuten! Ein etwas prolliger Südafrikaner namens Freddy quatscht die ganze Zeit auf uns ein. Sein kleiner Sohn gibt mir ein Feuerzeug, das, wenn man es anmachen will, einem einen Stromschlag verpaßt. Der Typ quatscht weiter. Es nervt. Wir haben Zeitdruck. Wir laden nach dem saugen das Gepäck ein und fahren die 500Meter zu KEA. 15:50 Uhr! Geschafft!
Daniel, der uns das Auto vor 19 Tagen übergab, ist auch da. Wir erledigen den üblichen Papierkram und geben die Kühlschrankrechnungen ab. Daniel ärgert sich über die 270 Pula-Rechnung vom Autoelektriker, der uns am 30.04 durch Maun lotste. „Reine Abzocke, das ist viel zu viel. Unverschämtheit“ Ich weiß, es war echt sehr teuer (knapp 30 EUR), aber was sollten wir machen? Ohne ihn wäre der Kühlschrank warm geblieben.

Daniel besorgt uns noch ein bed & breakfast in der Nähe des Flughafens für knapp 90 EUR/dritt inkl. Shuttleservice: Emerald inn oder so ähnlich heißt das B&B, nicht dreckig, aber verlebt. Nicht gemütlich, aber es ist ja nur eine Nacht und wir haben Platz (3 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad). Abendessen: Pizza-Service. Das Frühstück am nächsten Tag ist dafür wirklich ordentlich und richtig lecker: Ei, Speck, Wurst, 2 Säfte, Tee, Kaffee, Honig, Marmelade, Obst, Müsli...es ist alles da.



Sonntag 13.05.2012 DAS GIBT'S DOCH GAR NICHT RELOADED UND KAPSTADT

Wir werden nach dem Frühstück zum Airport gefahren und sehen bei den Arrivals eine Etage tiefer Jochen und den Landy. Wir winken kurz und gehen von Departures zu Arrivals und versuchen Annette zu finden. Sie müßte ja eigentlich hier sein, um neue Gäste abzuholen. Sie ist nicht da. Ich renne auf den Parkplatz, dort, wo der Landy stand und passe die beiden noch gerade noch rechtzeitig an der Ausgangsschranke ab. Sie sind mit 2 Autos unterwegs. Klar! Das gibt einen Lacher! Afrika ist klein. Mit genügend Zeit warten wir den one-way-Flug nach Kapstadt mit British Airways ab. Der 2-Stunden-Flug geht gefühlt recht schnell. Wir sehen aus der Luft viele Brände (Buschbrände?). Um 16:00 Uhr landen wir in Kapstadt, gehen zur Autovermietung und buchen ein Auto inkl. Vollversicherung mit einer kleinen Eigenbeteiligung von etwa 280 EUR nicht bei Hertz und Europcar, sondern beim Einheimischen „TEMPEST“. Wir haben im Ortsteil Waterkant bei www.dewaterkantcottages.com (5 Sterne) 5 Nächte gebucht. Wir sind auf der 70 Loader-Street, einem Haus mit 200qm Wohnfläche, 2 Balkonen, davon einer mit Whirlpool (Blick zum Tafelberg), einer Garage 3 Schlafzimmern und drei Bädern.

Nach 25 Minuten sind wir da, übernehmen den Schlüssel im Büro auf der 40 Napier street und beziehen zu dritt das Haus. Die Einrichtung ist der Knaller und es fehlt an nichts. Wir haben sogar einen Trockner zur Waschmaschine und ein Innenarchitekt muß sich hier ausgetobt haben. Von Terrasse eins schauen wir auf den Hafen, vom anderen auf den Tafelberg. Yoh! Hier läßt es sich aushalten. Die Restaurants und die neue Mall sind auch nicht weit weg und an jeder Kreuzung steht Sicherheitspersonal.
Wir gehen im Restaurant „Cubana“ essen. Das Restaurant kennen wir noch, als wir 2008 hier waren. Rumpsteak & Co. sind klasse und günstig. Morgen steht Kapstadt der besonderen Art auf der Liste.
So shön es auch ist...jetzt haben wir leider nur noch wenige Tage Urlaub. Kapstadt dient jetzt dazu, in die Zivilisation zurückzukehren.



Montag, 14.05.2012 WILLKOMMEN IM TOWNSHIP

Patricia hat bereits von Deutschland eine geführte Township-Tour (Siviwe) im Stadtteil Langa gebucht. Kosten: 200 Rand/Nase für 2 Stunden. Wir kommen mit dem eigenen Auto. Mmmh. In eine Township mit eigenem Auto? Wir haben zwar ein nicht superteures Auto gebucht, aber....naja, mal sehen. Wir fahren Rtg. Flughafen über die Autobahn und biegen bei der Abfahrt LANGA ab, folgen der Straße bis zum Treffpunkt, einer Hütte mit Coca-Cola-Werbung. Da winkt auch schon einer. Wir fahren auf einen staubigen Parkpatz hinter das Gebäude. Der „winkende“ ist unser Township-Führer, wie sich herausstellt. Siviwe selbst ist es nicht. Wir fahren mit ihm in eine andere Straße, parken dort (bewacht durch einen Rollstuhlfahrer) und folgen in eine kleine Töpfer“fabrik“. 3 Öfen stehen dort. Man stellt hier Tassen, Seifenschalen und ähnliches her mit handbemalten afrikanischen Motiven. Die einzelnen Gegenstände werden handsigniert und erneut gebrannt. Die Kosten pro Tasse (ohne Unterteller) kostet knapp 12 Euro und kommt dem Projekt zugute. Die Leute werden dort ausgebildet und können zuhause töpfern, Das brennen in den Öfen ist umsonst. So kann der Lebensunterhal ein wenig bestritten werden. Wir besuchen nebenan ein lebendiges Museum mit original Tischen und Bänken aus der Apartheids-Zeit, einer Art Gerichtssaal und erfahren einiges über die Zeit der etwa 50iger bis heute. Danach startet der Fußmarsch durchs Township. Meine Güte! Wir machen KEINE Fotos...es scheint uns nicht angebracht. Es soll nicht nach Elends-sightseeing aussehen. Was sich einprägt, ist folgende Situation: 3 kleine Kinder spielen mit einer -ungelogen!- ellenlangen, wohlgenährten toten Ratte. Nach einem bißchen hin und her werfen sie den Kadaver einem Hund vor, der sogleich anfängt, die Ratte zu fressen. Wir besuchen kasernenartige, schnell aus dem Boden gestampfte Häuser. Die Abflußrohre sind nicht ganz dicht und es stinkt ein wenig nach Fäkalien. Die einzelnen Räume in diesen Häusern, jedes etwa 12-14 qm klein, wird von teilweise 3 Familien bewohnt, inklusive Hochbetten. Später werden wir noch die Hütten finden, die aus Wellblech und Planen gebaut sind. Wenigstens gibt es dort Dixi-Klos. Was für eine Welt! Schafsköpfe und Kuhköpfe liegen in der Sonne auf alten versifften Holztischen; Fliegen schwirren umher. Die Köpfe gelten als Delikatesse. Hier wird das Fleisch und die Zunge verwertet, das Gehirn jedoch nicht. Einige bieten fritiertes aus Töpfen an. In einer Kneipe können wir lokales Bier probieren, wenn wir wollen für 2 Euro. Ne, ich habe eine Magenverstimmung. Aber vielen Dank für das Angebot. Es ist schon eine elende Gegend. Abflüsse funktionieren nicht richtig; es ist schon bedrückend hier. Was mich bei der Tour stört, sind die Versuche, unglaubliche Preise für Souvenirs zu verticken. Es ist aber auch derselbe Kram, den wir überall sehen, auch dem aus Zimbabwe, also nichts dolles. Ein Straußenei soll 30 Euro kosten (am Flughafen! für 6,50 Euro erhältlich). „We think it over“ und verabschieden uns höflich von den Verkäuferinnen.
Als die 2 Stunden rum sind, fahren wir wieder zur Waterkant in unsere Wohnung. Patricia und Micha sind sichtlich mitgenommen und sprechen noch lange über das Erlebnis, um es zu verarbeiten. Was für ein Gegensatz!





Dienstag, 15.05.2012 PINGUINE

Heute fahren wir nach Süden dem Kap entgegen. Südlicher geht’s nicht. Hier ist Afrika zu Ende. Die Strecke dorthin ist spektakulär. Wir fahren über „Chapman's Peak“. Die Landschaft ist atemberaubend. Wir fahren Simon's Town an. Am Hafen essen wir etwas zu Mittag: Bei Bertha's. Vom Hafen aus gesehen ist es das Restaurant unten links außen. Wirklich zu empfehlen! Wir schauen uns die Verkaufsstände auf dem Parkplatz vor dem Hafen an. Alles der gleiche Tinneff wie überall. Patricia entdeckt einen Shop oberhalb des Restaurants bei „Bertha's“. Dort werden wir fündig: Tolle, ausgefallene Sachen, von Einheimischen aus der Gegend gemacht. Qualitativ auch völlig i.O. Es geht weiter nach Scarborough. Der Strand dort ist toll! Gischt, das raue Meer, fantastisch! Den Cape Point selbst fahren wir nicht an. Wir fahren außerdem bei Boulders Beach den Strand der Pinguine an. „Attention. Penguins crossing: 50km/h“ warnt ein Schild.
Die in der Nähe lebenden Bärenpaviane verdienen auch ein Warnschild: „Fenster und Türen geschlossen halten“ steht da mitunter. Das stimmt. Als wir einmal halten und Fotos machen, macht das Alpha-Tier bei Micha die Beifahrertür auf! Micha reißt die Tür schnell wieder zu und wir verriegeln nun alles von innen :-)
Wir fahren bewußt über die West-Seite zurück, da die Sonne gleich untergeht. Wir können von hier (auch wieder Chapman's Pek) ein paar tolle Sonnenuntergangs-Fotos machen. Zwar haben wir schon gefühlte 200, aber der Anblick ist faszinierend.




Mittwoch, 16.05.2012: ________________

Der Besuch des Nationalparks 200km nördlich von Kapstadt ist bestimmt nicht schlecht, aber als verwöhnte Wildnis-Botswaner ist er uns zu langweilig. Auch die Strecke dorthin ist nicht besonders spektakulär: Felder, eine Weingüter, viele, viele Zäune. Wir fahren zurück und kommen tatsächlich in den Feierabendverkehr mit Stau :-).

Donnerstag, 17.05.2012 HAVARIE UND GEGENSÄTZE
Wir fahren Camps Bay an und sehen etwas unübliches. Es wurde bereits in der Zeitung davon berichtet, aber ich habe es nur am Rande mitbekommen: Ein japanisches Fischerboot ist bei Camps Bay gestrandet. Wie der Kapitän das Schiff dorthin lotste, ist allen noch ein Rätsel. Jetzt liegt es in der gutbetuchten Gegend auf Sand, Ein Militärhubschrauber fliegt das Schiff dauernd an und verlädt mittels eines langen Taus oder Stahlseils Waren von Bord. Unser Weg führt uns weiter in die südliche Landschaft, den Signal Hill und und und. Den Tafelberg selber besuchen wir oben nicht. Heute ist es recht regnerisch und die Wolken haben die Spitze des Tafelbergs verhangen.
Am letzten Abend essen wir an der Waterfront. Ein Mann mit 2 Kindern bettelt uns an (wie so viele). Wir winken ab. Patricia dreht sich aber zu ihm und fragt ihn was er denn genau möchte. „No money, only food!“ Ich gehe daher mit ihm in einen der Supermärkte (Pick 'n pay). Ich sage ihm, daß er das nehmen soll, was er benötigt: Der Mann mit zerissener Jeans, ausgelatschten Schuhe und einer Baseballkappe, die ihre Tage längst hinter sich hat, kauft einen 6er Pack Milch, eine große Packung Kellogg's und ein Paket Zucker. Ich zahle an der Kasse. Mir ist die Situation unangenehm, wünsche dem Mann weiter Erfolg und verlasse den Laden. Fehler! Ich habe den Einkaufzettel! Am Ausgang werden die Waren mittels des Zettels abgeglichen. Ich werde jedoch zurückgerufen, zeige dem Wachmann den Zettel und der Mann mit den beiden Kindern kann weiter. Da ich mit der Situation überfallen war, habe ich nicht einfach noch mehr, z.B. etwas besonderes für die Kinder gekauft! Diese Gegensätze! Wir werden 20 Minuten später in einem der teureren Restaurants Kudu, Salat & Co. essen, während die drei sich mit Kellogg's – vermutlich -in einer Straßenecke „vergnügen“ müssen.





Freitag 18.05.2012 HEIMREISE

Heute ist der Tag, den wir gerne noch weiter in die Ferne geschoben hätten: Heimflug: Nach Abgabe des Mietwagens geht es über J'burg zurück nach Frankfurt. Der lange Rückflug mit Flug LH573 ist fast ausgebucht. Während wir auf dem Hinweg viel Platz hatten, müssen wir jetzt darauf verzichten. Dennoch kann ich zeitweise schlafen. Morgens um 05:30 Uhr landen wir in Frankfurt. Es ist ein regnerischer Tag. Ein Fahrer des „Platzhirsch“ holt uns ab und fährt uns ins 8 Minuten entfernte Parkhaus, wo unser Auto steht. Es geht zurück in die Eifel. Wir denken gerne an die Weite, die Natur, die Tierwelt, das Klima. Es ist für uns immer wieder ein highlight und ja! Wir sind infiziert. Da unten wohnen? Auf jeden Fall! Ein richtiges Konzept und vielleicht auch der Mut fehlen leider....-noch-

Ich hoffe, ihr konntet ein wenig „mitleben“! Wir freuen uns für Euch auf die nächste Afrika-Reise. Viel Spaß!!!
Letzte Änderung: 11 Jun 2012 21:11 von Bluna.
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11 Jun 2012 19:31 #238920
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Hallo Sven,

vielen Dank für den schönen Reisebericht. Habe ihn mit Freude verschlungen, denn teilweise sind wir Eure Strecke 2008 auch gefahren.

Hat wirklich Spass gemacht, mit Euch zu reisen.

Schöne Grüße aus dem Frankenland,

Nicole
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11 Jun 2012 20:37 #238935
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Hallo Sven,

daaaaanke für deinen wirklich spannenden Bericht, den ich heute in einem Zug verschlungen habe. Solltest du verfilmen lassen.
Am späten Nachmittag erreichen wir wieder das Senyati-Camp, wo sich die Elefanten wieder ein stell-Dich-ein geben. Patricia hat den Tag über auch mit den Eli's verbracht. Von der Terrasse aus (oder der Bar) konnte sie alles bestens beobachten, vor allem die neugeborenen Eli's sind da natürlich ein highlight. Der Abend verläuft ruhig, aber je später die Nacht, je größer die Elefanten am Wasserloch.
Genau so haben wir es auch erlebt!!!

Herzlichen Dank und Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit

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11 Jun 2012 20:50 #238939
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Hallo zusammen,

dankeschön! Es freut mich, daß es Euch gefallen hat. 2013 klopft schon an der Tür! Es gibt noch woanders viele schöne Flecken, aber wir -glaube ich- können fast nicht mehr anders :-)

LG

Sven
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11 Jun 2012 20:56 #238940
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  • Kathy_loves_Africa am 11 Jun 2012 20:56
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Hallo Sven,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für deinen Bericht! War wunderschön zu lesen und die Vorfreude auf unseren nächsten Urlaub steigt, denn einige Unterkünfte sind bei uns die gleichen. Insbesondere auf Senyati bin ich gespannt! Das mit den Elefanten klingt so toll!

Lieber Gruß

Kathy
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