26.09 2025 – Teil 2
Oase Fint
Wir verlassen Ouarzazate in südlicher Richtung.
Die erste Abzweigung ist einfach, doch wo müssen wir nun nach links abbiegen, um zur Oase zu kommen?
Wir fahren etwas hin und her, bis wir die richtige Straße finden.
Ein Auto, das am Straßenrand steht, deutet uns an anzuhalten.
„Wollt ihr in die Oase Fint?“ Ich kann euch den Weg zeigen!“
Oh nein denke ich, nicht schon wieder.
Wir finden den Weg auch „ohne Weggebühr“. Es sind zwar immer nur ca. 20 Dirham (2 Euro) – doch manchmal nervt‘s.
So sage ich freundlich aber bestimmt, dass wir den Weg schon finden.
Er dann weiter
„Bist du Dagmar?“
Erstaunt schaue ich ihn an und bejahe die Frage.
„Ah, dann wohnt ihr bei mir – fahrt mir einfach nach“
Unsere Unterkunft in der Oase ist mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Das Appartement ist ausreichend groß und das Bad wunderschön.
Nach dem obligatorischen Willkommens-Tee ziehen wir los, um die Oase zu erkunden.
Irgendwann steht ein junger Mann neben uns und fragt, ob er uns die Oase zeigen darf.
Er wirkt sehr sympathisch.
Nach der Frage, was er dafür haben mag, kommt die Antwort:
„Egal, was ihr mir gebt“.
Ich liebe solche Antworten

- weiß aber auch, was normalerweise für eine 2-stündige Tour bezahlt wird.
Wir willigen ein – und dies ist nur dem sympathischen Erscheinen geschuldet und stellt sich schnell als „Haupttreffer“ heraus
Sein Name ist Abul, er ist nach eigenen Angaben 20 Jahre alt.
Sein gewinnendes Lachen und seine Natürlichkeit lassen direkt ein gutes Gefühl aufkommen.
Er erzählt, wir hören gespannt zu und wir lachen viel gemeinsam.
Über den Fluss führt er uns in den alten Teil der Oase.
Hier gibt es wieder etwas Wildlife - Frösche.
Familie Frosch
Während wir über Steine den Fluss überqueren, waschen die Oase-Bewohner hier ihre Autos.
Vielleicht wären wir hier ohne Führung umgekehrt. Man will ja nicht stören.
Der alte Teil der Oase ist nicht mehr bewohnt, wird jedoch des Öfteren für Filmaufnahmen besucht.
Dann zeigt er uns Bilder, in denen er hier als Komparse fungiert.
Am Ende der Führung nimmt er uns mit zu sich nach Hause.
Er führt uns durch das Haus.
Riesengroße Räume … Salon, Küche, Bad und viele Zimmer.
Auch dein Viehstall für Hühner, Ziegen und Schafe sind hier untergebracht.
Außerhalb befindet sich auch noch ein Hamam.
Wieder im Haus bittet er uns die Schuhe auszuziehen und Platz zu nehmen.
Mit viel Freude zelebriert er die Zubereitung des obligatorischen Tees für uns.
Dann nimmt er seine Trommel und singt noch einige marokkanische Lieder für uns.
Er hat noch 6 Schwester, von denen noch 5 hier wohnen.
Sein Großvater so erzählt er uns, war ein Tuareg.
Auf die Frage, ob er als einziger Sohn das Haus übernehmen würde,
antwortet er, dass er nicht hier in der Oase bleiben wolle, sondern er möchte sich die Welt anschauen.
Ein Wunsch, den wahrscheinlich viele jungen Leute teilen.
Gemeinsam gehen wir zurück zu unserer Unterkunft.
Wir entlohnen ihn und wünschen diesem Strahlemann viel Glück.
Falls er wirklich nach Deutschland kommen sollte, ist er uns herzlich willkommen. Inshallah!
Wir ruhen uns etwas aus.
Dann gehen wir zum Abendessen.
Mittags hatte ich einen Angestellten gefragt, ob es evtl. einen marokkanischen Geheimtipp bei Magenproblemen gibt. Irgendwie verträgt mein Magen nicht alles und reagiert mit leichtem Durchfall. Er meinte „Reis“ wäre hier das Mittel der Wahl.
Zum Essen gibt es eine leckere Maissuppe, eine Tajine und als Nachspeise Obst.
Ich staune nicht schlecht, als er mir zur Tajine eine Schüssel Reis dazustellt.
Sehr aufmerksam. Marokkanische Gastfreundschaft.
Dann beginnen die Angestellten für sich und die wenigen Gäste zu trommeln.
Schnell wird klar, dass es nicht nur zur Unterhaltung der Gäste dienen soll, sondern dass sie es auch für sich tun.
Ein herrlicher Tag geht zu Ende.
Ich kann gar nicht glauben, dass wir erst heute Mittag hier angekommen sind. Es fühlt sich an, als ob wir schon Tage hier wären.