THEMA: Kurzreise Äthiopien und Djibouti
21 Feb 2019 13:10 #549027
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Vielen Dank an Alle die Ihr mich treu auch bei diesem Reisebericht begleitet. :kiss:

Äthiopien führt bisher ein wenig ein „Aschenbrödeldasein“, wie ich finde völlig unberechtigt.
Ich schreibe dies, weil ich selber viele Jahre mit mir gehadert habe, dieses Land zu besuchen. Sicherheit, Hitze, Bettelei, schwierige hygienische Bedingungen, was habe ich mir im Vorfeld für Gedanken gemacht. Egal welch widrige Umstände, es lohnt sich. Ja, ich würde dieses Land nicht auf eigene Faust bereisen wollen. Zumindest mein Eindruck war, dass in diesem Land Willkür stärker vorhanden ist, als in den Ländern, die ich zuvor bereist habe. Aber davor kann man sich schützen, indem man zumindest einen Fahrer engagiert. Der Tourismus nimmt seit letztem Jahr, Amtsantritt des „neuen“ Präsidenten und Friedenvertrag mit Eritrea, bereits wieder deutlich zu. Äthiopien ändert sich rasant, das ist nicht nur mein Eindruck und ich meine dies völlig wertneutral.
Ich kann nicht von mir behaupten irgendetwas in diesem Land verstanden zu haben, aber die vielen Eindrücke, die dort auf einen einprasseln, sind einfach großartig.

Also wer mal wieder etwas Neues entdecken will und noch nicht dort war, nichts wie „ran an den Speck“.

Viele Grüße
Elisabeth
Letzte Änderung: 21 Feb 2019 13:12 von sphinx.
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21 Feb 2019 17:54 #549056
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Ein WOW Tag in den Simienbergen:
Schon früh wache ich auf. Da es erst um halb neun losgeht, marschiere ich mal den Fahrweg rauf und runter.



So früh am Morgen kümmert das niemanden, am Abend wird uns allerdings einer von den Sicherheitsleuten „begleiten“.
Das Frühstück ist gut und vielfältig. Es gibt auch heiße Milch.
Kaum sind wir eine halbe Stunde unterwegs treffen wir bereits auf die ersten Geladas. Wir bleiben sehr, sehr lange.















Und kaum sind wir weitergefahren müssen wir erneut halten, die nächste Affenbande lockt.







Wenn ich nicht die Lobelien sehen wollte, wir wären vermutlich dort geblieben. Affenhorden wohin man sah. Die Vegetation bis zum Wasserfall ist schön u.a. flechtenbewachsene Heidebäume. Dann allerdings fahren wir am Rande des Parks entlang, hier ist alles platt gemacht, hier wächst zur Trockenzeit nichts mehr. Kurz vor dem Chennek Camp wird es wieder schön und dort steht der „Lobelienwald“. Keine Mittagspause für uns, diese tolle Vegetation will erkundet werden.





Am Cliff



sehen wir 3 Steinböcke (leider sehr weit entfernt)



und 2 Klippspringer. Nur die Lämmergeier, wo sind die? Die sind unten in den Dörfern! Durch das Timkatfest gibt es dort jede Menge Knochen. Doch die Erzraben posieren für Christian.



Ein letzter Blick auf den Erika-und Lobelienwald, der ganze Hang ist damit bewachsen.



Auf der Rückfahrt quert ein Serval die Straße. Wir trauen unseren Augen nicht. Leider ist diese Katze sehr scheu. Sobald das Auto steht rast sie los und riskiert nicht einen einzigen Blick nach hinten.





Später bleiben wir noch einmal stehen und laufen zum Aussichtspunkt für den Wasserfall. Der ist in der Trockenzeit nicht spektakulär, allerdings der Weg ist toll. Wir begegnen einer Junggesellenparty, von denen aber nur einer posiert.



Sehr glücklich kommen wir zur Lodge zurück.
Letzte Änderung: 21 Feb 2019 18:17 von sphinx.
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24 Feb 2019 09:34 #549230
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Fahrt nach Wukro:
Leider nutzen wir unsere digitalen Speicherkarten fast nicht. Aber in unseren Gehirnen ist die Fahrt gespeichert.
12 Stunden Autofahren. Die Straße ist super gut, alles geteert und kein Verkehr, sonst würde man diese Strecke nicht schaffen.
Am Anfang haben wir immer wieder Ausblick auf die Simienberge (am Morgen leider im Gegenlicht).



Wir durchfahren eine extrem trockene Gegend,



die Häuser sind hier aus Stein, wir sehen Baobabs und queren ein Gebiet, in dem Flüchtlinge aus Eritrea leben.
In Aksum hält unser Fahrer nach 6,5 Stunden Fahrt für sein Mittagessen. Da wir nicht hungrig sind, lässt er uns an dem großen Platz vor den Stelen raus. Das Eintritt Ticket gibt es irgendwo anders und außerdem müsste man einen lokalen Guide engagieren, ohne darf ein Touroperator das mich machen! Der Guide muss zwar nicht mit, aber er muss bezahlt werden! Das alles würde Zeit kosten. Da die Stelen bereits von außerhalb zu sehen sind, gibt es tatsächlich einen Aufpasser, der dafür sorgt, dass Touristen sich nicht auf diesem Platz ohne Ticket „herumtreiben“. Als wir wütend erklären, dass es kein Schild gäbe und unser Fahrer uns auch nichts darüber gesagt hätte, kippt die Stimmung. Jetzt sollen wir herausrücken, mit wem wir unterwegs sind und hier schwant uns, dass dies kein selbsternannter Aufpasser ist. So geben wir nach und verziehen uns. Der Typ allerdings verfolgt uns tatsächlich! Erst glauben wir an einen Zufall, aber nach und nach, da wir immer ein Stückchen die Straße entlang laufen, wird klar, der versucht herauszubekommen zu wem wir gehören. Da wir inzwischen so weit vom Platz entfernt sind, dass ich befürchte von Nati übersehen zu werden, drehe ich um, erst habe ich vor ihn zur Rede zu stellen, aber dann beschließe ich ihn freundlich zu grüßen und ihn strahlend anzulächeln…. Jetzt wurde es ihm wohl peinlich, denn wir können ihn ab da nicht mehr sehen und entdecken ihn auch nicht als wir mit dem Auto die Straße entlang fahren. Trotz dieses Intermezzos, hatten wir genügend Zeit das Geschehen auf der Straße und beim Tempel zu beobachten.
Leider hatten wir mit einer Vorlaufphase von knapp 4 Monaten kein Zimmer mehr in Hawzen bekommen. So fahren wir an den schönen Felsen vorbei



und müssen noch eine Stunde weiter nach Wukro fahren. Die neue Lodge ist ein Erlebnis. Ein blutrotes Bad, ein an der Stirnseite offenes Mosquitonetz überm Bett, ein riesiger, tiefer, leerer Pool ohne Ein- bzw. Ausstiegmöglichkeit und das Speisezelt mit Teppichen ein bisschen auf beduinisch gestylt. Ich bin hungrig und froh, dass wir nicht mehr lange bis zum Essen warten müssen. Es gibt ein Buffet für 8US$ pP, das schmackhaft ist, aber nicht besonders äthiopisch daherkommt. Aber wir haben kaum eine andere Wahl als hier zu essen, da die Unterkunft etwas weiter entfernt vom Ort ist, wir nicht nach einem Restaurant im Internet gesucht hatten und Nati uns keins nennen wollte oder konnte. Nati fand es sowieso immer besser uns aufgeräumt im Hotel zu wissen. Wir werden satt, dass ist heute Abend was zählt und nach einer Dusche fallen wir schon ins Bett.
Letzte Änderung: 24 Feb 2019 09:36 von sphinx.
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27 Feb 2019 20:33 #549569
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Gheralta Felsenkirchen:

Am Morgen besuchen wir die Abreha We Atsbeha, in der gerade eine Messe stattfindet. Auf staubiger Piste fahren wir weiter zu den Gheralta Felsen.





Von der Tour gibt es leider kaum Fotos. Ich muss froh sein überhaupt die Felsenkirchen (Mariam Korkor und Daniel Korkor) gesehen zu haben, denn mit nur einem gesunden Arm bin ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftig als ans Fotografieren zu denken.
Wenn man beim nächsten Bild genau hinsieht, erkennt man eine Gruppe und kann den Weg über die Felsen erahnen.





Zum Abschluss der Tour gibt es einen Kaffee in Wukro. Die Fahrt nach Mekele ist kurz. Es windet sehr stark, so dass wir keine große Lust haben außen herumzulaufen und wenn ich ehrlich bin, bin ich einfach fix und fertig und brauche Ruhe. Das Mekele Hotel ist o.k. Wir haben eine Suite, mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern. Wir bevorzugen es aber dann doch in einem Bett zu schlafen! Den riesigen Aufenthaltsraum mit einem Esstisch und einer Coach, sowie einer Küchenzeile, die aus einer Spüle und einem Wasserkocher sowie vielen leeren Ober- und Unterschränken besteht, nutzen wir um unsere Kleidung für die nächsten Tage so zu packen, dass man ohne lange Herumsuchen und Herumgezerre dran kommt. Das Essen im Hotel ist sehr lecker und günstig (wir bekommen Injeras mit vegetarischen Saucen), so bereue ich es diesmal nicht im Hotel zu essen.
Da wir aufgrund einer größeren Reisegruppe eine Stunde bis zu unserer Essenbestellung warten müssen, kommen wir mit drei Deutschen ins Gespräch. Alle haben inzwischen über 100 Länder bereist, sie entstammen den Semestern, die Afghanistan und Co noch gesehen haben. Es sind einfach „coole Socken“ und so genießen wir die Unterhaltung.
Letzte Änderung: 27 Feb 2019 20:38 von sphinx.
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28 Feb 2019 19:59 #549644
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Dallol wir kommen:
Die nächsten Tage sind wenig ausgefüllt. Die Fahrstrecken sind kurz. Wenn ich nicht so gehandicapt gewesen wäre, wäre es mir zu wenig Programm gewesen. Allerdings hatten wir auch Pech, denn in Hamed Ale konnten wir aufgrund des Wetters die Salzkarawanen nicht sehen. Da ich bei Buchung überhaupt kein Gefühl für Äthiopien hatte, wie lange man von A nach B braucht, wieviel Zeit für Besichtigungen einzuplanen sind etc, hatte ich das Ganze Welcome Tours überlassen. Sicherlich ändert sich immer wieder etwas an den Fahrtzeiten. Die Straßen sind zwar zunehmend geteert, aber an manchen Stellen gibt es große Baustellen, die laut Nati manch Mega Detour notwendig machen. Insgesamt wäre mir ein strafferes Programm (unter normalen Umständen) lieber gewesen. Ausruhen kann man schließlich daheim.
Um elf Uhr fahren wir in Mekele los. Nati kann sich dadurch am Morgen mit der Campingcrew treffen und alles vorbereiten.
Auf guter Asphaltstraße, durch steinige Gegend



erreichen wir bereits 5 Stunden später Hamed Ale, natürlich nicht ohne vorher bei einer der Karawanen stehen zu bleiben. Diese Kamele transportieren Lebensmittel nach Hamed Ale und Umgebung.



Leider ist etwas bei der Buchung oder Organisation schiefgegangen und wir haben in Hamed Ale keine Toilette oder Dusche. Ersteres ist für mich echt schrecklich.
Inzwischen hat der Wind wieder stark zugenommen und alles wird kräftig einstaubt. Ich bin Nati sehr dankbar, als er für uns ein Zelt organisiert. So habe ich vier Wände um mich herum und sich erleichtern muss man halt, wenn alle Katzen schwarz oder grau sind.

Am Abend fahren wir noch zum Salzsee. Eigentlich um den Sonnenuntergang mit äthiopischen Wein zu zelebrieren und den Salzkarawanen zuzusehen. Aber durch den Sand in der Luft hat der Sonnenuntergang etwas von Weltuntergangstimmung



und durch den Wind hat es Wasser in den Salzsee gedrückt, so dass niemand Salz gewinnen hat. Die Guides philosophieren darüber, ob das Wasser steigen oder fallen wird…..ein Tag nach uns, wird es nicht mehr möglich sein zum Dallol zu fahren. Bei uns wird die Fahrt am nächsten Tag anstatt 15 Minuten 1,5 Stunden dauern!



Einige der Salzarbeiter kommen uns entgegen, aber sie werden heute nicht arbeiten können, das ganze Gebiet ist überflutet.





Hier lässt sich bereits wieder gut fahren.





Tipp für Dallol am Morgen ansehen. Manche Tour findet am Nachmittag statt, laut Nati kann man die Farben besser am Morgen sehen.

Der Dallol mit Säureseen mit pH1. Der heißeste Ort der Welt. Bei uns ist es nicht so heiß, aber es windet extrem. Man muss manchmal aufpassen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich trockne bei dem Wind aus, wir haben viel zu wenig zum Trinken dabei und schnell fühle ich mich nicht mehr so ganz fit. Beim späteren Betrachten mancher Fotos frage ich mich, was ich da eigentlich fotografiert habe. Irgendwie muss es mir mein Hirn weggeweht haben. Leider hatte der uns begleitende Afar nicht besonders viel Geduld und als drei weitere Gruppen eintrudeln, machen wir uns auf den Rückweg. Insgesamt sind wir 1,75Stunden herumgelaufen. Gerne hätte ich mich noch ein Weilchen hingesetzt, um überhaupt zu begreifen was wir dort zu sehen bekommen. Natürlich kennt man viele Fotos von dort, aber es selber mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas völlig anderes. Nati erzählt uns, dass sich dieses Gebiet ständig ändert. Manchmal ist alles nur gelb und braun. Wir scheinen mittleres Glück bei den Farben zu haben.
Und obwohl weniger meist mehr ist, gibt es jetzt ganz viele Fotos.





































Letzte Änderung: 01 Mär 2019 17:49 von sphinx.
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04 Mär 2019 20:34 #550026
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Anschließend geht es noch zum Salzcanyon. Dort bin ich erst einmal wegen dem grauen Himmel enttäuscht, inzwischen finde ich, dieser passt besser zu dieser surrealen Landschaft.













Das Wasser ist inzwischen weiter gestiegen. Wir kommen durch ohne, wie zwei Wägen am Tag vorher, auf dem Rückweg stecken zu bleiben.



Zurück in Hamed Ela hat Samri bereits ein Mittagessen vorbereitet. Anschließend fahren wir nach Aba Ala. Dort übernachten wir in einem Guest House. Während Samri die Kochlöffel schwingt, Nati das Auto von einer dicken Salzkruste befreien lässt, freuen wir uns über den Luxus einer Toilette und einer Dusche. Alles ist einfach, aber sauber und für uns ist es nach Hamed Ela der reinste Luxus. Warum ich nicht auf die Idee kam ein wenig in Aba Ala herumzulaufen, weiß ich nicht. Der Innenhof ist durch eine hohe Betonmauer umgeben, ich setze mich in den Schatten schreibe Tagebuch, beobachte die Hauskatze, die alle paar Minuten ein metallisch klingendes „naaaang“ von sich gibt oder unterhalte mich mit Händen und Füssen mit dem ca sechsjährigen Mädchen des Hauses.
Es wird ein superlustiger Abend. Der Hausherr kann zwar kein Englisch, aber seine körperbetonte Erzählweise lässt uns das Meiste, auch ohne Übersetzung verstehen. Samri bereitet äthiopischen Kaffee zu, gefühlt über Stunden, der sehr lecker schmeckt. Traditionell wird etwas Popcorn auf den Boden geworfen, dieses wird am nächsten Tagen von den Staren begierig gefressen. Die Katze mag kein Popcorn. Am nächsten Morgen bekommt sie eine große Portion Rührei, das sie genussvoll bis zum letzten Bröckchen auffrisst.
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