16.06.2025: Schuhschnabel-Tour in Entebbe
Der Morgen beginnt um sechs Uhr mit dem Klingeln des Weckers. Für Afrikaurlaub-Verhältnisse ist das eigentlich schon spät, aber trotzdem sind wir noch müde. Gut, dass wir uns gestern schon alles rausgelegt und unsere Rucksäcke fertig gepackt haben: Das Gehirn funktioniert irgendwie noch nicht so richtig.
Zum Frühstück bestellen wir Eier mit selbst gebackenem Brot und frischen Früchten. Dazu gib es Roiboos-Tee und einen herrlichen Blick auf den See und die erwachende Tierwelt. Leider fängt es bald an zu regnen, zum Glück nur ein leichter Schauer und als wetterfeste Norddeutsche lassen wir uns davon nicht beeindrucken oder gar zum Reingehen bewegen.
Um kurz nach sieben gehen wir zum Parkplatz, wo Peter schon auf uns wartet. Schnell verlassen wir die bessere Gegend von Entebbe und fahren über schlechte Straßen durch Entebbe Downtown. Überall sind Menschenmassen unterwegs und unzählige Kinder sind auf dem Weg zur Schule: Peter erzählt uns, dass über 50% der Bevölkerung in Uganda unter 16 Jahre alt sind.
Nach ungefähr einer halben Stunde erreichen wir einen Anleger und Lars und ich steigen in ein schäbiges Holzboot, in dessen Rumpf ein paar Zentimeter Wasser stehen. Dann geht es über den riesigen Viktoriasee in Richtung Mabamba Swamps. Der Seegang ist dabei ganz ordentlich.
Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir den Ort Mabamba. Dort warten kleinere Boote mit Guides auf Kundschaft. Wir werden zu Richard und Hassan gefahren und steigen zu ihnen ins Boot.
Wir hatten uns vorgestellt, dass es ab hier ohne Motor weitergeht, aber leider knattern wir durch die engen Kanäle, sodass viele Vögel direkt Reißaus nehmen. Trotzdem sehen wir viele Eisvögel, African Jacanas, Reiher und andere Vögel.
Wir stoppen aber nur kurz für einen Malachit Eisvogel und zwei Graufischer, denn zuerst soll der Schuhschnabel gefunden werden. Uns gefällt es nicht so recht, einfach an den vielen hübschen Foto-Motiven vorbeizufahren, aber natürlich möchten wir den eindrucksvollen Vogel wirklich gerne sehen. Wir fügen uns also erstmal in unser Schicksal und trösten uns damit, dass wir nach der Schuhschnabel-Sichtung bestimmt noch Zeit haben werden, um andere Vögel zu fotografieren.
Nach knapp anderthalb Stunden intensiver und aus unserer Sicht wenig entspannter Suche ist es dann endlich soweit: Hassan findet einen Schuhschnabel. Er nähert sich vorsichtig und wir können ein paar Fotos von dem außergewöhnlichen Tier machen. Sehr schnell kommen jedoch weitere Boote herangeknattert und der Vogel fliegt davon.
So hatten wir uns das nun ja mal gar nicht vorgestellt! Zumal wir überhaupt nicht verstehen, wo die vielen Boote plötzlich herkommen, waren wir doch bisher alleine unterwegs und hatten nur selten ein anderes Boot getroffen. Zum Glück fliegt der Schuhschnabel nur 50 Meter weiter, bevor er wieder landet. Sofort entwickelt sich ein kleines „Wettrennen“ der Boote, die alle möglichst schnell, aber ohne Hilfe des Motors, sondern nur durch Staken mit einem langen Holzstab, zum neuen Standort des begehrten Fotomotivs kommen wollen. Unser Boot liegt vorne und so haben wir eine gute Position und der saurierartig anmutende Vogel steht nun auch schön mit dem Licht statt im Gegenlicht.
Trotzdem fühlt sich die Situation für uns nicht wirklich gut an, denn insgesamt lagern sechs Boote um den Schuhschnabel herum, der nicht so wirkt, als wolle er vor so viel Publikum dem Fischfang nachgehen. Wir sind hin und her gerissen, ob wir warten wollen, bis die anderen Boote abziehen oder lieber selber abziehen wollen und den armen Vogel in Ruhe lassen. Dummerweise kommen anscheinend alle zum gleichen Schluss, nämlich sich auf den Weg zu machen - was aber leider nur dazu führt, dass der große Vogel den gleichen Impuls hat und abermals davonfliegt.
Nun steht er wieder im Gegenlicht und nach wenigen Bildern im Vorbeifahren machen wir uns, ernüchtert und etwas frustriert von dem Erlebten, auf die Suche nach anderen Motiven.
Tatsächlich kommen uns auf dem Weg durch den Sumpf noch diese hübschen Geschöpfe vor die Linsen:
Wenig später treffen wir jedoch schon auf unser Shuttle-Boot und sollen wieder umsteigen. Das kommt für mich etwas überraschend, denn ich hatte erwartet, dass wir noch mehr Zeit hätten, unter anderem um die wirklich extrem zahlreichen Graufischer zu fotografieren. Also fragen wir im Shuttle-Boot, ob wir noch einen kurzen Fotostopp machen können, was überhaupt kein Problem ist.
Auf dem Weg zurück fahren wir noch einmal etwas näher am Ufer entlang. Der Grund wird uns bei einem kurzen Halt dann auch klar: Hier ist eine Otterfamilie unterwegs und taucht nach Fressbarem. Leider sind die Tiere so flink, dass Fotos nicht drin sind. Es ist trotzdem ein sehr schöner Moment.
Zurück auf dem See werden wir, aufgrund der kabbeligen Wellen, häufiger mal geduscht. Bei den Temperaturen ist das eine angenehme Erfrischung gratis!
Schließlich sind wir zurück am Hafen, wo Peter auf uns wartet. Wir fahren zurück zum Viavia, legen aber vorher einen Zwischenstopp bei einer Wechselstube ein, in einer Gegend, in der wir uns allein nicht mal aus dem Auto raus getraut hätten. Dort tausche ich Dollar gegen Shilling, denn Peter hatte uns gesagt, dass die Menschen in den ländlichen Gebieten nicht so viel mit Dollar als Trinkgeld anfangen können, und Lars große Shilling-Scheine gegen kleine. Jetzt sollten wir erstmal keine Probleme mehr mit dem passenden Tip haben.
Zurück im Hotel machen Lars und ich uns kurz frisch und treffen uns dann mit Peter im Restaurant. Wir bestellen alle drei ein „Rolex“, was wohl das typischste ugandische Gericht ist. Es ist sehr lecker und auch Peter ist zufrieden, weil sie das Gericht typisch zubereitet haben und nicht „europäisiert“.
Wir quatschen noch lange mit Peter über Gott und die Welt und erfahren dabei nebenher, dass Suaheli entgegen unserer Annahme nur in wenigen Gegenden und bei Militär und Polizei verbreitet ist - das erklärt dann auch das Unverständnis, auf das wir bisher immer mit unseren gutgemeinten Suaheli-Worten gestoßen sind. Wir nehmen uns also vor, wenigstens ein paar Brocken Luganda zu lernen.
Erstmal wird aber im Garten gechillt, wobei wir aber natürlich auch noch mal ein paar bereits bekannte und neue Motive ablichten müssen.
Zum Abendessen gibt es für uns beide heute wieder Tilapia. Der war gestern einfach so super lecker! Beim Warten lassen wir uns von chilliger Musik und dem wunderbaren Garten bezaubern.
Anschließend zahlen wir unsere Rechnung, stecken Trinkgeld in die Box und packen unsere Sachen für unsere Abreise morgen zusammen. Trotz des etwas zwiespältigem Erlebnis im Sumpf hat uns der Auftakt in Uganda sehr gut gefallen!