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Liebe Fomis,
nach unserer außerafrikanischen Auszeit in Costa Rica und auf Galapagos (Link) war die Sehnsucht nach Afrika bei meinem Mann Lars und mir Anfang 2025 sehr groß. Gleichzeitig hatten wir Lust auf etwas Neues - nicht nur um des Neuen willen, sondern auch aus der Befürchtung heraus, nach unserer wunderbar katzenreichen Tour in der Masai Mara (Link) für eine klassische „Big Five Safari“ zu verwöhnt zu sein. Uganda oder Ruanda als mögliche Reiseziele hatten wir gleichzeitig zwar schon lange im Sinn, aber über den Gedanken, einmal im Leben Gorillas sehen zu wollen, waren wir nie hinausgekommen. Mit zunehmenden Alter bekam das „einmal im Leben“ eine neue Dringlichkeit. Schließlich ging es ja nicht nur darum, die Reise anzutreten, sondern auch darum, die körperlichen Strapazen, die mit so einem Gorilla-Trekking verbunden sind, bewältigen zu können. Nun war ich in meinem ganzen Leben leider noch nie eine Sportskanone, aber mit Beginn der 50er spürte ich doch, dass meine ohnehin wenig ausgeprägte körperliche Fitness weiter abnahm. Was ein Gorilla-Trekking anging schwankte ich also zwischen „jetzt oder nie“ und „der Zug ist schon abgefahren“. Als Entscheidungshilfe las ich alle Reiseberichte, die ich im Internet finden konnte, um besser einschätzen zu können, wie körperlich herausfordernd so ein Gorilla-Trekking wohl sein würde. Die Berichte waren natürlich genauso unterschiedlich wie die Trekkings selbst: manche fanden ihre Gorilla-Gruppe nach kurzer Zeit, andere waren stundenlang unterwegs; für manche war es leicht, andere waren völlig überfordert… Somit wusste ich so viel wie zuvor: körperliche Fitness ist absolut hilfreich, wie viel man aber davon braucht, ist Glücksache! Trotzdem waren die Berichte über Uganda, vor allem auch die hier im Forum, sehr hilfreich, zeichneten sie doch schon mal ein klareres Bild, was Uganda außer Gorillas noch so zu bieten hätte. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den wunderbaren Reisebericht von Beatnick/Betti (Link), der uns sehr inspiriert und hinsichtlich Reiseanbieter, Guide und einiger Unterkünfte zur Nachahmung angeregt hat. Obwohl uns sehr gefiel, was wir in den verschiedenen Berichten über das Reiseziel Uganda lasen, entstand bei uns doch auch der Eindruck, dass Uganda bezüglich klassischer Game Drives zwar vielleicht ganz nett wäre, aber nicht die Qualität anderer Länder des östlichen Afrikas hätte. Deshalb einigten Lars und ich uns schnell darauf, die klassischen Savannenparks wie Queen Elisabeth NP und Murchison Falls NP aus unserer Tour auszuschließen. Wir wollten uns komplett auf das konzentrieren, was wir bisher woanders noch nicht zu sehen bekommen hatten, nämlich Gorillas, Schimpansen, Schuhschnabel und - zur Sicherheit - nochmals Gorillas. Als einzige Ausnahme davon wollten wir die Breitmaul-Nashörner im Ziwa Rhino Sanctuary in unsere Planung aufnehmen: Wir hatten 2019 schon einmal wilde Rhinos in Südafrika und 2021 habituierte in Namibia getrackt und waren sicher, dass wir von Ziwa genauso begeistert sein würden. Auf dieser Basis fragten wir mal ganz unverbindlich eine entsprechende 14tägige Reise bei Herrn Pirani von Safari Uganda an und rechneten eigentlich kaum damit, noch ein Angebot für 2025 zu bekommen. Doch weit gefehlt: es gab noch Gorilla-Permits für das gleiche Jahr, und das auch sogar in der von Herrn Pirani für uns empfohlenen und auch von uns präferierten Reisezeit Juni. Die Kosten waren mit gleich zwei Gorilla-Trekkings natürlich nicht ohne und uns war klar, dass 14 Tage für unser Budget leider wirklich das Maximum sein würden. Bevor wir nun mit Herrn Pirani in die Detailplanung gehen konnten, gab es noch einen wichtigen Punkt zu klären: Malaria-Prophylaxe. Seit er 2017 in Tansania schlechte Erfahrungen gemacht hatte, war Lars der festen Überzeugung Malarone nicht vertragen zu können. In der Zwischenzeit waren wir zwar in Malaria-Risiko-Gebieten unterwegs gewesen, hatten uns dort aber auf Expositionsprophylaxe verlassen. Für Uganda als Hochrisiko-Gebiet war Lars das aber zu unsicher und er bestand auf eine Beratung beim Reisemediziner. Bis wir dort endlich einen Termin hatten, war es schon März und so glaubte ich inzwischen nicht mehr daran, dass - selbst wenn wir eine Lösung für das Malaria-Thema finden würden - wir noch in diesem Jahr fahren könnten. Tatsächlich bekräftigte die erfahrene Reisemedizinerin uns darin, unbedingt Malaria-Prophylaxe zu nehmen. Gleichzeitig konnte sie Lars mit Statistiken und neueren Forschungsergebnissen davon überzeugen, es noch mal mit Malarone zu versuchen. Zu meiner Verwunderung und großen Freude gab es auch im März immer noch Gorilla-Permits für Juni, sodass einer Detailplanung mit Safari Uganda nun nichts mehr im Weg stand. Dabei war mir am wichtigsten, die besten Voraussetzungen für die zwei geplanten Gorilla-Trekkings zu finden. Herr Pirani war sehr optimistisch, dass es in Buhoma, dem Ausgangspunkt mit dem meisten habituierten Gorilla-Familien in Bwindi, möglich sein würde, einer Gruppe zugeteilt zu werden, die ich fitnessmäßig schaffen könnte. Zusätzlich empfahl er ein Trekking in Mgahinga, was er aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten ebenfalls als verhältnismäßig gut machbar und attraktiv zum Fotografieren einschätzte. Der restliche Tourenverlauf war anschließend relativ schnell gestrickt, denn die Eckpunkte waren ja inzwischen klar: Neben den gewünschten Trekkings und der Dauer von 14 Tagen, war eine weitere Maßgabe, dass wir möglichst wenig im Auto sitzen und überall mindestens zwei Nächte bleiben wollten. Hinzu kam der Wunsch nach etwas Erholung am Ende der Tour. Da kam für uns - nachdem sie von Betti in ihrem Reisebericht so begeistert beschrieben wurde - nur die Mihingo Lodge im Lake Mburo NP in Frage. Nach einigem Hin und Her wegen kniffligen Verfügbarkeiten in unseren Wunschunterkünften stand am Ende folgende Tour: 3x Entebbe - Viavia 2x Ziwa - Rhino and Wildlife Ranch 2x Kigali - Turaco Treetops Lodge 2x Bwindi - Buhoma Community Restcamp 2x Mgahinga - Lake Mulehe Safari Lodge 2x Lake Mburo - Mihingo Lodge 1x Entebbe - Viavia Auch Flüge direkt ab Bremen waren mit Turkish Airlines noch zu einem fairen Preis zu bekommen, auch wenn die Flugzeiten wirklich gruselig waren. Zu guter Letzt fragten wir bei Safari Uganda noch nach, ob wir vielleicht Peter Mugogo als Guide bekommen könnten, denn - so wie Betti ihn in ihrem Bericht beschrieben hatte - erschien er auch uns als Idealbesetzung eines Guides. Tatsächlich war das möglich und - ohne unserem Fazit vorgreifen zu wollen - das sollte sich wirklich als absoluter Glücksgriff herausstellen! Wir möchten Peter deshalb an dieser Stelle nicht nur als Tourguide, sondern auch als Reiseveranstalter wärmstens und von Herzen empfehlen: www.africagorillawild.com So, nun aber genug der langen Vorrede. Wer Lust hat, uns bei unserer Tour in der Perle Afrikas zu begleiten, ist herzlich eingeladen! Wir freuen uns über alle Mitfahrerinnen und Mitfahrer! In guter Tradition und zur Belohnung für alle, die die Textwüste bis hierher durchgehalten haben, gibt es kleine Auswahl unserer zahlreichen Tierbegegnungen auf dieser Reise: Liebe Grüße Elke |
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Letzte Änderung: 19 Aug 2025 16:43 von FotoGnu.
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14.06.2025: Anreise
Unser Flug geht um 10.20 Uhr mit Turkish Airlines ab Bremen. Die Reisetaschen, den Foto-Rucksack und den Tagesrucksack haben wir bereits am Vorabend gepackt und so startet der Abreisetag ganz entspannt. Da wir eine große (und sehr laute) Baustelle in der Straße haben und die ohnehin stets knappen Parkplätze nun echte Mangelware sind, fahren wir mit dem Auto in Richtung Flughafen. Dort stellen wir das Auto auf dem Parkplatz meines Arbeitgebers ab und fahren noch zwei Stationen mit der Straßenbahn. Weil am Samstagmorgen kaum Verkehr ist, kommen wir pünktlich zwei Stunden vor Abflug am kleinen Bremer Flughafen an, was hier im Normalfall auch mehr als reichlich Zeit ist. Am TK-Schalter gibt es entsprechend noch keine Schlange, dafür aber ein kostenloses Upgrade an die Notausgangsplätze für den Flug von Bremen nach Istanbul - läuft bei uns! An der Sicherheitsschleuse besteht der nette Sicherheitsbeamte darauf, dass wir ein Feuerzeug im Rucksack hätten, das er kontrollieren müsse. Er röntgt meinen Rucksack ganze drei Mal und räumt schließlich alles aus, aber es ist kein Feuerzeug zu finden. Am Ende ist unser Mückenstichheiler, der mit der gleichen Piezo-Technik wie ein Feuerzeug funktioniert, der Verursacher der Aufregung. Über den Flug mit Turkish Airlines nach Istanbul lässt sich kaum Negatives berichten: das Bordprogramm ist gut (außer bei Lars, da ist irgendwas kaputt, aber er beschwert sich nicht), es gibt Strom zum Handy laden und kostenloses WLAN und wir bekommen sogar zwei vegetarische Gerichte zur Auswahl. Lars’ Pasta ist lecker und mein Bananenbrot auch. Dazu gibt sogar richtiges Besteck und Geschirr. Da hatten wir TK beide schlechter in Erinnerung. Nach knapp drei Stunden landen wir überpünktlich in Istanbul, wo wir noch drei Stunden bis zum Weiterflug überbrücken müssen. Wir haben Glück und finden einen Bereich mit Liegen, von denen auch noch zwei frei sind - läuft weiterhin sehr gut bei uns! Das Boarding nach Entebbe zieht sich ziemlich hin, aber irgendwann sitzen wir dann doch auf unseren gebuchten Plätzen am Notausgang. Gegen halb acht hebt der Flieger schließlich ab und ich hoffe, dass wir bis zum Zwischenstopp in Kigali noch ein paar Stunden Schlaf reinbekommen. Weit gefehlt: Um ein Uhr gehen plötzlich die Lichter an und es wird Frühstück verteilt - was soll das denn jetzt? Geschlafen haben wir bislang nur ein paar Minuten und mein neues, riesiges, aufblasbares Schlafkissen funktioniert leider auch nicht so gut wie erhofft. Ein Blick auf das Display zeigt außerdem, dass wir gerade direkt an Entebbe vorbeifliegen… Eine Stunde später landen wir in Kigali. Ein Großteil der Passagiere steigt hier aus. Anschließend wird überprüft, ob auch kein Handgepäck zurückgeblieben ist und die leeren Plätze werden durchgeputzt. Auch die Boardingpässe werden noch mal kontrolliert und schließlich steigen nach knapp einer Stunde neue Passagiere ein. Gut, dass wir das alles auf dem Rückflug nicht haben werden! Um halb fünf landen wir schließlich mit 40 Minuten Verspätung und einem unsanften Rumps in Entebbe. Bei der Immigration kommen wir schnell dran und versuchen, schon mal unsere eingerosteten Suaheli-Kenntnisse zu benutzen. Wir schauen allerdings in irritierte Gesichter - warum, werden wir erst später erfahren. Als nächstes ziehen wir Uganda Shilling und werden durch den Kurs 1€ = 4000 UGX kurzfristig zu Millionären. Am Ausgang wartet Peter ganz klassisch mit einem Schild in der Hand auf uns, heißt uns in der „Perle Afrikas“ herzlich willkommen und lobt uns für den Regen, den wir mitgebracht haben. Was für eine schöne Einstellung: Es schüttet inzwischen nämlich wie aus Kübeln, wofür mir ein Lob eher nicht in den Sinn käme. Nach kurzer Fahrt durch den immer noch strömenden Regen erreichen wir unser Hotel in Entebbe, das Viavia. Durch eine Verwechslung ist unser Doppelzimmer bereits durch ein niederländisches Paar belegt, das hinter uns im Flieger gesessen hat und kurz vor uns ankam. Wir könnten deren Zimmer nehmen, aber das hat zwei einzelne Betten und da wir hier immerhin drei Nächte bleiben, wollen wir doch lieber in unser reserviertes Zimmer mit Doppelbett. Das ist für die anderen beiden kein Problem: Sie räumen das Zimmer, aber nicht ohne uns vorher noch von dem phantastischen Essen hier im Viavia vorzuschwärmen, das sie kennen, weil sie regelmäßig hier absteigen. Um sechs Uhr Ortszeit liegen wir dann auch endlich im Bett. Lars schlummert sofort ein, während ich trotz Erschöpfung nicht einschlafen kann und mir einen Podcast auf die Ohren lege. |
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15.06.2025: Chillen in Entebbe
Weniger als zwei Stunden später werde ich von einem furchtbaren Krach schon wieder aufgeweckt und wähne mich zurück zuhause, wo auf der Baustelle die Ramme und der Presslufthammer dröhnen. Aber es sind die Bässe von lauter Musik - wo zur Hölle sind wir denn hier gelandet?! Und wie kann Lars bei dem Krach einfach weiterschlafen?! Dank Noice Canceling Kopfhörern mit beruhigenden Naturgeräuschen im Ohr gelingt es mir zum Glück wieder einzuschlafen, bis ich um zehn ins Bad muss. Die laut knarzende Badezimmertür übertönt sogar noch die wummernden Bässe, sodass Lars dann praktischerweise auch gleich wach ist. Nach einer erfrischenden Dusche machen wir uns auf den Weg zur Rezeption, um einzuchecken und mehr trinkbares Wasser aufzutreiben. Dort erfahren wir auch, dass die laute Musik von der Kirche nebenan kommt. Das geht hier anscheinend jeden Sonntag von morgens bis abends so! Anschließend gehen wir ins Restaurant und sofort verstehen wir, warum dieses Hotel so beliebt ist: das Restaurant liegt in einem herrlichen Garten mit einem kleinen See, an dem Klaffschnäbel, Ibisse und Hammerköpfe stehen. Während wir auf unser Mittagessen warten, kommt ein Pärchen Grauwangen-Hornvögel geflogen - eine Erstsichtung! Lars geht schnell die Kameras holen. Leider erwischen wir sie erstmal nur ganz unfotogen auf einem Balkongeländer. Wir essen lecker Tilapia aus dem Victoria-See und unterhalten uns noch mal nett mit den Niederländern, die früher in Uganda selber eine Lodge hatten und morgen als angestellte Lodge-Manager einen Neuanfang machen. Sie bestätigen uns, dass wir sehr gute Unterkünfte ausgewählt haben und wir uns wegen des Essens oder Eiswürfeln in den Getränken überhaupt keine Sorgen machen müssen. Sie versichern uns außerdem, dass das Land sehr sicher ist und die Ugander sehr freundlich sind. Der Garten bietet viele Vögel, z.B. diesen Riesenturako. Es sind noch mehrere Birder mit Kameras im Garten unterwegs und wir kommen mit einem Südafrikaner ins Gespräch, der Reisen in Botswana organisiert - da lassen wir uns doch gleich mal seine Visitenkarte geben… Nach dem Mittagessen räumen wir unsere Taschen aus und machen ein paar Fotos unserer Unterkunft. Dabei wummern uns weiterhin die Bässe um die Ohren. Also verziehen wir uns schnell wieder zurück in den ruhigen Garten. Um 14.00 Uhr sind wir mit Peter im Restaurant verabredet, weil er unsere Tour besprechen und wissen möchte, was uns besonders interessiert. Dabei macht Peter schon gleich einen genauso super netten und kompetenten Eindruck, wie von Betti beschrieben und wir fühlen uns bei ihm schon jetzt bestens aufgehoben. Danach erholen wir uns weiter durch lockeres Chillen im Garten - wobei es bei so vielen tierischen Motiven natürlich nicht nur beim Chillen bleibt: Zum Dinner gibt es für uns heute nur Kleinigkeiten: Lars nimmt Veggy Samosas und ich Chapati (Brot) mit Hummus und Guacamole - beides sehr lecker! Nach der viel zu kurzen Nacht zuvor, liegen wir früh in der Falle und schlummern voller Vorfreude ein, dass unser Uganda-Abenteuer morgen richtig losgeht! |
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Letzte Änderung: 21 Aug 2025 19:39 von FotoGnu.
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16.06.2025: Schuhschnabel-Tour in Entebbe
Der Morgen beginnt um sechs Uhr mit dem Klingeln des Weckers. Für Afrikaurlaub-Verhältnisse ist das eigentlich schon spät, aber trotzdem sind wir noch müde. Gut, dass wir uns gestern schon alles rausgelegt und unsere Rucksäcke fertig gepackt haben: Das Gehirn funktioniert irgendwie noch nicht so richtig. Zum Frühstück bestellen wir Eier mit selbst gebackenem Brot und frischen Früchten. Dazu gib es Roiboos-Tee und einen herrlichen Blick auf den See und die erwachende Tierwelt. Leider fängt es bald an zu regnen, zum Glück nur ein leichter Schauer und als wetterfeste Norddeutsche lassen wir uns davon nicht beeindrucken oder gar zum Reingehen bewegen. Um kurz nach sieben gehen wir zum Parkplatz, wo Peter schon auf uns wartet. Schnell verlassen wir die bessere Gegend von Entebbe und fahren über schlechte Straßen durch Entebbe Downtown. Überall sind Menschenmassen unterwegs und unzählige Kinder sind auf dem Weg zur Schule: Peter erzählt uns, dass über 50% der Bevölkerung in Uganda unter 16 Jahre alt sind. Nach ungefähr einer halben Stunde erreichen wir einen Anleger und Lars und ich steigen in ein schäbiges Holzboot, in dessen Rumpf ein paar Zentimeter Wasser stehen. Dann geht es über den riesigen Viktoriasee in Richtung Mabamba Swamps. Der Seegang ist dabei ganz ordentlich. Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir den Ort Mabamba. Dort warten kleinere Boote mit Guides auf Kundschaft. Wir werden zu Richard und Hassan gefahren und steigen zu ihnen ins Boot. Wir hatten uns vorgestellt, dass es ab hier ohne Motor weitergeht, aber leider knattern wir durch die engen Kanäle, sodass viele Vögel direkt Reißaus nehmen. Trotzdem sehen wir viele Eisvögel, African Jacanas, Reiher und andere Vögel. Wir stoppen aber nur kurz für einen Malachit Eisvogel und zwei Graufischer, denn zuerst soll der Schuhschnabel gefunden werden. Uns gefällt es nicht so recht, einfach an den vielen hübschen Foto-Motiven vorbeizufahren, aber natürlich möchten wir den eindrucksvollen Vogel wirklich gerne sehen. Wir fügen uns also erstmal in unser Schicksal und trösten uns damit, dass wir nach der Schuhschnabel-Sichtung bestimmt noch Zeit haben werden, um andere Vögel zu fotografieren. Nach knapp anderthalb Stunden intensiver und aus unserer Sicht wenig entspannter Suche ist es dann endlich soweit: Hassan findet einen Schuhschnabel. Er nähert sich vorsichtig und wir können ein paar Fotos von dem außergewöhnlichen Tier machen. Sehr schnell kommen jedoch weitere Boote herangeknattert und der Vogel fliegt davon. So hatten wir uns das nun ja mal gar nicht vorgestellt! Zumal wir überhaupt nicht verstehen, wo die vielen Boote plötzlich herkommen, waren wir doch bisher alleine unterwegs und hatten nur selten ein anderes Boot getroffen. Zum Glück fliegt der Schuhschnabel nur 50 Meter weiter, bevor er wieder landet. Sofort entwickelt sich ein kleines „Wettrennen“ der Boote, die alle möglichst schnell, aber ohne Hilfe des Motors, sondern nur durch Staken mit einem langen Holzstab, zum neuen Standort des begehrten Fotomotivs kommen wollen. Unser Boot liegt vorne und so haben wir eine gute Position und der saurierartig anmutende Vogel steht nun auch schön mit dem Licht statt im Gegenlicht. Trotzdem fühlt sich die Situation für uns nicht wirklich gut an, denn insgesamt lagern sechs Boote um den Schuhschnabel herum, der nicht so wirkt, als wolle er vor so viel Publikum dem Fischfang nachgehen. Wir sind hin und her gerissen, ob wir warten wollen, bis die anderen Boote abziehen oder lieber selber abziehen wollen und den armen Vogel in Ruhe lassen. Dummerweise kommen anscheinend alle zum gleichen Schluss, nämlich sich auf den Weg zu machen - was aber leider nur dazu führt, dass der große Vogel den gleichen Impuls hat und abermals davonfliegt. Nun steht er wieder im Gegenlicht und nach wenigen Bildern im Vorbeifahren machen wir uns, ernüchtert und etwas frustriert von dem Erlebten, auf die Suche nach anderen Motiven. Tatsächlich kommen uns auf dem Weg durch den Sumpf noch diese hübschen Geschöpfe vor die Linsen: Wenig später treffen wir jedoch schon auf unser Shuttle-Boot und sollen wieder umsteigen. Das kommt für mich etwas überraschend, denn ich hatte erwartet, dass wir noch mehr Zeit hätten, unter anderem um die wirklich extrem zahlreichen Graufischer zu fotografieren. Also fragen wir im Shuttle-Boot, ob wir noch einen kurzen Fotostopp machen können, was überhaupt kein Problem ist. Auf dem Weg zurück fahren wir noch einmal etwas näher am Ufer entlang. Der Grund wird uns bei einem kurzen Halt dann auch klar: Hier ist eine Otterfamilie unterwegs und taucht nach Fressbarem. Leider sind die Tiere so flink, dass Fotos nicht drin sind. Es ist trotzdem ein sehr schöner Moment. Zurück auf dem See werden wir, aufgrund der kabbeligen Wellen, häufiger mal geduscht. Bei den Temperaturen ist das eine angenehme Erfrischung gratis! Schließlich sind wir zurück am Hafen, wo Peter auf uns wartet. Wir fahren zurück zum Viavia, legen aber vorher einen Zwischenstopp bei einer Wechselstube ein, in einer Gegend, in der wir uns allein nicht mal aus dem Auto raus getraut hätten. Dort tausche ich Dollar gegen Shilling, denn Peter hatte uns gesagt, dass die Menschen in den ländlichen Gebieten nicht so viel mit Dollar als Trinkgeld anfangen können, und Lars große Shilling-Scheine gegen kleine. Jetzt sollten wir erstmal keine Probleme mehr mit dem passenden Tip haben. Zurück im Hotel machen Lars und ich uns kurz frisch und treffen uns dann mit Peter im Restaurant. Wir bestellen alle drei ein „Rolex“, was wohl das typischste ugandische Gericht ist. Es ist sehr lecker und auch Peter ist zufrieden, weil sie das Gericht typisch zubereitet haben und nicht „europäisiert“. Wir quatschen noch lange mit Peter über Gott und die Welt und erfahren dabei nebenher, dass Suaheli entgegen unserer Annahme nur in wenigen Gegenden und bei Militär und Polizei verbreitet ist - das erklärt dann auch das Unverständnis, auf das wir bisher immer mit unseren gutgemeinten Suaheli-Worten gestoßen sind. Wir nehmen uns also vor, wenigstens ein paar Brocken Luganda zu lernen. Erstmal wird aber im Garten gechillt, wobei wir aber natürlich auch noch mal ein paar bereits bekannte und neue Motive ablichten müssen. Zum Abendessen gibt es für uns beide heute wieder Tilapia. Der war gestern einfach so super lecker! Beim Warten lassen wir uns von chilliger Musik und dem wunderbaren Garten bezaubern. Anschließend zahlen wir unsere Rechnung, stecken Trinkgeld in die Box und packen unsere Sachen für unsere Abreise morgen zusammen. Trotz des etwas zwiespältigem Erlebnis im Sumpf hat uns der Auftakt in Uganda sehr gut gefallen! |
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Letzte Änderung: 23 Aug 2025 08:38 von FotoGnu.
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17.06.2025: von Entebbe nach Ziwa
Für mich beginnt der Morgen schon um vier Uhr mit Halsweh, für Lars um viertel vor sechs mit dem Wecker. Im Urlaub krank zu werden, ist immer Mist, aber hier habe ich außerdem Angst, dass ich mit einer Erkältung nicht zu den Gorillas darf… Wir genießen trotzdem noch einmal das leckere Frühstück und die erwachende Natur im Garten des Viavia, bevor es heute zu unserer nächsten Station, dem Ziwa Rhino Sanctuary, geht. Laut Peter liegen ca. fünf Stunden Fahrt in Richtung Norden vor uns. Auf der Fahrt durch Entebbe und Kampala erleben wir mal wieder den großen Unterschied zwischen europäischem und ostafrikanischem Verkehr und sind sehr froh, dass wir nicht selber fahren müssen! Von der Rückbank aus ist das Verkehrsgewühl, durch das uns Peter souverän lenkt, allerdings durchaus unterhaltsam und spannend zu beobachten. Auch neben der Straße gibt es eine Menge geschäftiges Treiben zu sehen und zu bestaunen. Nach drei Stunden Fahrt machen wir einen kurzen Zwischenstopp, weil Peter uns eine Kolonie Krauskopfpelikane zeigen möchte. Leider sind die Pelikane gerade nicht in ihrem Prachtkleid und außerdem bei schlechtem Licht hoch oben in den Bäumen, so dass wir auf Fotos verzichten. Gegen halb zwölf kommen wir am Tor des Ziwa Rhino Sanctuary an, werden sehr freundlich mit Fruchtsaft begrüßt und checken ein. Dann fahren wir noch ungefähr eine Viertelstunde weiter zum Camp und sehen bereits die ersten Wildtiere, namentlich Buschböcke, Uganda Kobs, Warzenschweine und eine Zimtracke. Im Camp angekommen, werden wir zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Tage gebracht: Wow, unser Zelt „Twiga“ übertrifft komplett unsere Erwartungen! Hatten wir hier nicht einen Standard Guest Room gebucht? So viel Komfort hatten wir in einem Zelt jedenfalls noch nie: Klimaanlage (die in einem Zelt zugegebenermaßen nicht so richtig viel Sinn ergibt) und Kühlschrank mit kostenlosen Getränken. Die Zelte scheinen ganz neu zu sein, denn auch Peter kennt diese Unterkünfte hier in Ziwa noch nicht und schaut sich unsere Bleibe interessiert an. Am nächsten Tag sollen wir feststellen, dass wir tatsächlich kommentarlos ein dickes Upgrade bekommen haben, denn wir finden bei einem Gang über das Gelände die Standard Guest Rooms, die deutlich bescheidener als unser Zelt sind. Außerdem sind in der Vollpension hier alle nicht-alkoholischen Getränke enthalten, was wir aber auch erst feststellen, als wir sie bezahlen wollen. Um eins treffen wir uns mit Peter zum Lunch und besprechen, dass wir später noch einen zusätzlichen Nature Walk machen wollen. Anschließend wollen wir die vielen Buschböcke auf der Anlage fotografieren. Das soll angeblich am besten beim Pool möglich sein. Tatsächlich findet sich eine ganze Herde entspannter Buschböcke am Pool - bislang haben wir die immer nur einzeln gesehen und kennen sie als sehr scheu. Wenn wir schon mal da sind, wollen wir den Pool natürlich auch nicht ungenutzt lassen: das Wasser ist bei 31 Grad Lufttemperatur wirklich herrlich und wir sind die einzigen Gäste - so lässt es sich aushalten! Auf dem Rückweg zu unserem Zelt treffen wir noch mitten in der Anlage auf den Nationalvogel Ugandas, den Kronenkranich. Er kennt überhaupt keine Scheu und lässt sich sogar mit wenig Brennweite schön porträtieren. Um vier beginnt unser Nature Walk, für den uns Peter Martin als Guide ausgesucht hat, der sich als nett und kompetent erweisen wird. Wir steigen alle zusammen in unser Auto, kommen aber nicht weit: noch auf dem Camp-Gelände treffen wir auf eine kleine Herde Zebras, die angeblich schon ein erstes Highlight darstellt, weil es hier nur wenige und das auch erst seit kurzem gibt. Lars und ich können uns zugegebenermaßen mehr für die Buschböcke begeistern, weil die so wenig scheu sind und so fotogen auf Hügeln herumstehen. Auch jede Menge neugierige Warzenschweine sind auf dem Gelände zu finden und müssen fotografiert werden. Schließlich reißen wir uns doch noch los und der Nature Walk wird erstmal zum Gamedrive. Mit offenen Dach fahren wir endlich wieder durch den afrikanischen Busch - herrlich! Lars entdeckt einen Waran, der für ein Foto aber nicht stillhalten will, dann sehen wir noch einen jungen Defassa-Wasserbock, der für uns in dieser Unterart eine Erstsichtung darstellt, und einen scheuen Riedbock. Wir biegen mit unserem Fahrzeug auf einen kleinen Pfad ab und Martin deutet nach kurzer Zeit auf eine doch eher weit entfernte Gruppe Giraffen. Es handelt sich um sieben Rothschild-Giraffen, die für uns ebenfalls eine Erstsichtung dieser Unterart sind. Wir dürfen nun tatsächlich aussteigen und pirschen uns gemeinsam mit Martin und Peter an die wunderschönen Tiere heran. Martin erklärt uns, dass in diesem Jahr insgesamt 17 Giraffen aus Murchison Falls hierher gebracht und neu angesiedelt wurden. Zurück im Auto haben wir wieder großes Glück: wir entdecken eine Nashornkuh mit ihrem Kalb. Leider ist das Gras sehr hoch, so dass keine guten Fotos entstehen, trotzdem freuen wir uns sehr über diese Sichtung! Unser Nature Walk endet wieder am Gelände der Lodge, wo wir nun auch noch ein Uganda Kob vor die Linse bekommen, eine weitere Erstsichtung in diesem Urlaub. Zum Abendessen gibt es heute eine leckere Suppe mit zimtigem Brot und anschließend weniger leckeren Reis mit Gemüse. Danach bringt uns ein Angestellter zum Zelt, denn manchmal sollen die Rhinos ins Camp kommen und da ist natürlich Vorsicht geboten! Leider bekommen wir heute aber keine zu Gesicht. Wir hoffen daher sehr, dass sie vielleicht morgen früh beim Frühstück zu Besuch kommen! Da wir morgen wieder früh raus müssen, machen wir uns zeitig bettfein, schreiben nur noch schnell den heutigen Tag in der Journi zusammen und machen schon gegen neun Uhr unsere Augen zu. |
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Letzte Änderung: 23 Aug 2025 15:31 von FotoGnu.
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18.06.2025: Rhino Trekking in Ziwa,Teil I
Der Tag beginnt für mich wieder um vier - zu den Halsschmerzen kommt heute auch noch Schnupfen! Dann reißt mir beim Anziehen auch noch meine langjährige und liebste Safaribluse kaputt - ab jetzt kann der Tag nur noch besser werden… Wir hoffen ja weiterhin auf Nashörner im Camp, aber erstmal sehen wir nur das entsprechende Schild. Wie schon Mittag- und Abendessen haut uns auch das Frühstück hier nicht vom Hocker. Lars hat English Breakfast und ich Pancakes, die ohne alles serviert werden. Gut, dass wir nicht wegen des Essens hier sind! Eigentlich soll das Trekking um acht Uhr beginnen, aber wie sagt Peter so schön: die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner haben die Zeit! Ungeduldig stromern wir also schon mal umher und suchen nach anderen Foto-Motiven. Dann entdeckt Lars plötzlich in der Nähe des Pools zwei Nashörner! Aufgeregt informieren wir alle Anwesenden und zum Glück ist wenigstens schon ein Ranger vor Ort, der sich mit seiner Gruppe direkt auf den Weg zu den Rhinos begibt. Obwohl wir eigentlich nicht in seine Gruppe gehören, dürfen wir mitgehen und können den beiden riesigen Bullen ein bisschen folgen. Leider entschwinden sie schnell in den Busch. Wenig später ist dann auch unser Ranger, Sharif, da und wir steigen zusammen in unser Auto, das aber erstmal nicht anspringt. Mit einem kräftigen Schubs von zwei hilfsbereiten Mitarbeitern können wir trotzdem starten. Nach nur fünf Minuten Fahrzeit halten wir schon wieder an und können aussteigen. Dann laufen wir in einer achter Gruppe im Entenmarsch los und Sharif führt uns zielsicher zu zwei Nashörnern. Wir erfahren, dass es sich um zwei befreundete Bullen handelt, die auf die Namen Kageri und Apache „hören“. Als wir uns ihnen nähern, reagieren sie freundlich bis desinteressiert und legen sich schon bald gemütlich ins Gras. Da von den beiden nicht mehr viele Aktivitäten zu erwarten sind, wandern wir weiter und stoßen schon bald auf Lalojo mit ihrem weiblichen Kalb und einem weiteren Kalb, das sich den beiden angeschlossen hat, seitdem ihre Mutter ein neues Kalb geboren hat. Wir folgen den dreien eine ganze Weile und können ihr trautes Familienleben beobachten. Irgendwann wird es der kleinen Patchwork-Familie zu warm und sie legen sich in den Schatten. Das ist auch für uns das Zeichen aufzubrechen. Gegen zehn ist unser Ausflug beendet und wir sind sehr froh, diese wunderbaren Geschöpfe so hautnah und entspannt erlebt zu haben! Obwohl das Trekking nicht wirklich anstrengend war, sind wir aufgrund der Temperaturen doch gut durchgegart und freuen uns auf eine schöne Dusche! Dann sichten wir noch unsere Foto-Ausbeute und schreiben Journi. |
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Letzte Änderung: 24 Aug 2025 21:44 von FotoGnu.
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