30./31.12.23: Ein etwas zäher Beginn
Am vorletzten Tag des Jahres ging es noch vor dem Morgengrauen los. Um 4 Uhr morgens war ich viel zu müde, um mir noch weitere Gedanken über Sinn und Unsinn dieser Reise zu machen. Wir flogen mit Sonnenaufgang von Hamburg nach Brüssel ...
... und dann zunächst weiter nach Kigali. Von dort war es nach einer Zwischenlandung nur noch ein letzter Hüpfer nach Uganda.
Schon lange waren wir nicht mehr am Tag Langstrecke geflogen, doch das hatte durchaus was für sich, fasziniert blickte ich hinunter auf die schneebeckten Alpen und schließlich auf die bizarren Sandverwehungen der Sahara.
Von hier oben sahen sie fast aus wie ein Gemälde, ein surreales Kunstwerk der Natur.
Beim Zwischenstopp in Ruanda leerte sich der Flieger fast gänzlich, vielleicht noch zehn bis zwölf Touristen blieben sitzen. Thomas schaute mich vielsagend an. Waren wir etwa Gefahrensucher?
Immerhin lief an Flughafen alles glatt, unser Gepäck kam schnell, und Peter, unser Guide für die nächsten drei Wochen, empfing uns mit einem strahlenden Lächeln. Er war uns auf Anhieb sympathisch.
Mit Peter im Murchison Falls National Park
Durchs nächtliche Kampala fuhr er uns zum Boma Guest House, unserer Unterkunft für die nächsten drei Tage, wo wir in unserem schönen Zimmer direkt ins Bett kippten. Ursprünglich wollten wir nur zwei Nächte bleiben, doch der Flug am 31. Dezember war gestrichen worden. Wir waren daher schon einen Tag früher unterwegs. Das kam uns durchaus gelegen, denn Urlaub hatten wir ohnehin schon.
Die Nacht war ziemlich kurz, denn schon am Morgen wollten wir in den Mabamba Swamp, um unter anderem nach dem Shoebill zu suchen.
Mit dem Auto fuhren wir zum Ufer des riesigen Lake Victoria und bestiegen ein langes Holzboot, das eindeutig schon besser Tage gesehen hatte. Es war tatsächlich auch außergewöhnlich langsam, wie uns erst am nächsten Tag klar wurde, und in den fast 90 Minuten, in denen wir behäbig quer durch die Bucht zum Feuchtgebiet tuckerten, schöpften wir nicht nur immer wieder Wasser aus dem Boot, sondern bekamen auch einige Tropfen von oben ab.
In Uganda hatte es seit August fast täglich geregnet, das Wasser im See stand hoch und der Himmel war grau verhangen.
Im Swamp angekommen, stiegen wir von dem einen Holzboot in ein viel kleineres um. Schon unterwegs hatten wir Schreiseeadler, Kormorane, Enten und unzählige Pied Kingfisher beim Fischen beobachtet, aber die Sümpfe mit ihrer dichten Farn- und Papyrusvegetation begeisterten mich sofort. Ein schwimmendes kleines Ökosystem, eine eigene Welt, leider in schlechtem Licht an diesem ersten Tag.
Pied Kingfisher
Rallenreiher
Malachite
Wir waren zu Sechst im Boot, Peter und sein Kumpel Herbert, der Guide und der Bootsführer sowie Thomas und ich. Am besten gefiel mir, als wir den knatternden Motor ausstellten und wir mithilfe eines langen Holzstabes durch die schmalen Kanäle glitten.
An jedem anderen Ort der Welt würde die Vielzahl seiner Bewohner locker ausreichen, um den Sumpf zu einem hochattraktiven Ausflugsziel zu machen.
Purple Swamphen
Yellow-billed Duck
Lapwing
In Mabamba geht es aber natürlich vor allem um den Shoebill, von dem es in der Gegend maximal 20 geben soll. Ich war einigermaßen erschüttert, viele sind das ja nicht, und mir wurde schlagartig klar, wie gefährdet dieser Vogel tatsächlich ist - und auch sein Habitat.
In den zwei Stunden im Sumpf sahen wir allerlei unterschiedliche Bewohner, aber leider keinen Schuhschnabel.
African Jacana
Der junge Guide war bekümmert, das komme nun sehr selten vor und das Wetter sei vielleicht auch zu schlecht. Beides trug nicht unbedingt zur Aufheiterung bei und als wir auf dem Rückweg mit dem größeren Boot auch noch ohne Treibstoff mitten auf dem See liegenblieben, war die Situation so absurd, dass wir schon wieder lachen mussten. Ein anderes Boot brachte schließlich Diesel und Rettung, alles in allem war es ein überschaubarer Auftakt gewesen mit Luft nach oben.
Den Nachmittag verbrachten wir vom Morgen und noch vom langen Flug gerädert im Garten am Pool, mittlerweile war es warm und sonnig geworden und die Vögel genossen das Bad in den noch üppig gefüllten Regenrinnen.
Plantain-Eater
Im Garten des Boma lassen sich wunderbar Vögel beobachten, vor allem Sunbirds, und so waren wir am Ende ganz zufrieden mit dem Tag.
Scarlet-Chested Sunbird
Blue-headed sunbird
Peter hatte sich nicht mehr gemeldet, was a) bedeutete, dass kein Shoebill mehr in den Sümpfen gesichtet worden war - sonst wären wir noch einmal spontan losgefahren. Und b), dass wir am nächsten Morgen einen weiteren Versuch starten würden, sobald ihm die Guides in den Sümpfen eine Sichtung meldeten.
Wie unkompliziert und unbürokratisch in Uganda zuweilen Dinge geregelt werden können und die damit verbundene Spontaneität erinnerte mich an längst vergangene Zeiten, als das auch an mittlerweile oft heillos überlaufenen Orten der Welt noch möglich gewesen war. Wir erlebten diese Flexibilität immer wieder auf dieser Tour und genossen sie in vollen Zügen.
Am Abend aßen wir gut im Guesthouse und gingen früh ins Bett, es war herrlich friedlich, bis plötzlich die Wände wackelten. Mitternacht, Silvester. Ich hatte es ganz vergessen. Happy new year, dachte ich und freute mich auf den nächsten Tag, Thomas war gar nicht erst richtig aufgewacht. Nach fünf Minuten war der Spuk vorbei und wieder Ruhe eingekehrt, länger ist in Uganda nicht erlaubt. Ganz schön streng, dachte ich. Und war auch schon wieder eingeschlafen.