3.1.24: Schimpansen und ein Wasserfall
Noch vor sechs Uhr bekamen wir ein kleines Frühstück. Das war sehr nett, denn das war deutlich vor der regulären Zeit und ohnehin gab es nur wenige andere Gäste im Masindi Hotel. Dann packten wir unsere Taschen ins Auto und fuhren weiter zum Budongo Forest.
Wir wussten nicht, wie das Trekking dort ablaufen würde, aber wir wurden einem Guide zugeteilt und gingen dann zu Dritt los. Das gefiel uns gut, denn wir hatten eher mit einer Gruppe gerechnet. Peter blieb bei der Forststation, bei der generell erfreulich wenig Andrang war.
Wie bei den Gorillas hatten sich zuvor schon Tracker auf den Weg gemacht, um nach den Tieren zu suchen. Sie vermelden dann den ungefähren Standort, der sich jedoch ändern kann, denn die Schimpansen bewegen sich natürlich durch ihr Revier. Wir wussten also weder, ob wir überhaupt eine Gruppe finden würden (wobei die Chancen soweit ich weiß sehr gut stehen) und wenn ja, wie weit sie entfernt sein und was sie gerade machen würden.
Der Guide war sehr nett und machte uns unterwegs auch auf Vögel aufmerksam, der Wald ist bekannt dafür. Wir hörten sie aber eher als dass wir sie sahen. Imposant sind die vielen hohen Bäume in Ostafrikas größtem Mahagoni-Wald.
Insgesamt legte er ein ganz schönes Tempo vor, wir kamen gut mit, aber ich fragte mich, wie lange. Es war ein klar erkennbarer und guter Pfade, auf dem wir liefen, der Guide mahnte uns, nicht in die Ameisenstraßen zu treten, die immer wieder unseren Weg kreuzten.
Wir achteten sehr darauf, trugen sogar die eigens mitgebrachten Gamaschen. Trotzdem schaffte es irgendwann eine der Safari-Ants - die so heißen, weil sie sich an einem beweglichen Objekt festklammern und ihre Population dadurch weiter verteilen und vergrößern - bis hoch unter meine dünne Jacke und mein T-Shirt. Als sie sich in meinen Rücken einklinkte, durchfuhr mich ein heftiger Schmerz.
Thomas hatte die ehrenvolle Aufgabe, mich von dem Plagegeist zu befreien, das sich beharrlich an mir festhielt, der Guide fegte noch einige Exemplare von meinen Schuhen. Kaum war das Insekt beseitigt, blieb nichts davon zurück. Ich achtete aber noch mehr auf meine Schritte als ohnehin schon.
Irgendwann war das allerdings nicht mehr möglich. Wir hatten nach einer guten halben Stunde Fußmarsch in der Ferne ein fremd klingendes lautes Kreischen und Rufen gehört - die Schimpansen. Der Guide legte noch einen Zahn zu uns führte uns etwa 20 Minuten später mitten ins Unterholz. Was da kreuchte und fleuchte, konnte ich nun beim besten Willen nicht mehr erkennen. Egal. Wir waren da.
Sagte der Guide und blieb stehen. Ich schaute mich um und sah - nichts. Plötzlich aber fand ich mich inmitten eines ohrenbetäubenden Kreischkonzerts wieder, das jeden Groupie vor Neid erblassen ließe. Es klang erschreckend und faszinierend zugleich. Der Lärmpegel war imposant, und nun entdeckte ich auch nach und nach die Verursacher, die sich einfach nur miteinander unterhalten hatten. Schimpansen-Talk. Kaum waren die Neuigkeiten ausgetauscht, herrschte wieder Ruhe im Wald.
Wir suchten uns einen Weg durchs Dickicht, das war gar nicht so leicht, manchmal ging es nicht mehr voran und wir steckten regelrecht fest. Also wieder alles retour. Was die Affen sich wohl dachten, wie sie uns da so unbeholfen durch ihr Refugium stolpern sahen? Diese armen Menschen ...
Mir machte es allerdings einen Riesenspaß und erst Recht, als wir schließlich tatsächlich einige Schimpansen gut und aus der Nähe beobachten konnten. Die einen hatten sich auf der Flucht vor der zunehmenden Hitze auf den kühlenden Boden gehockt, ...
... andere suchten sich in den unteren Etagen eine gemütliche Astgabel für ein Nickerchen oder die intensive Fellpflege.
Hoch im Kurs stand auch ein Baum mit wilden Feigen, in dem sich einer der Schimpansen eine Frucht nach der anderen genussvoll einverleibte.
Kunstvoll und ohne Zuhilfenahme der Hände balancierte er sie so lange auf der Unterlippe, bis der Kern rundherum fein säuberlich abgeknabbert war. Dann spie er ihn achtlos nach unten, von wo aus wir die Aufführung mit gebührendem Respekt bewunderten.
Kurz darauf konnte ich gerade noch zur Seite springen, als auch noch andere Dinge auf uns hinab prasselten - ziemlich naiv dachte ich zunächst, es würde regnen...
Wir blieben etwa eine Stunde, dann machten wir uns auf den Rückweg. Gut zweieinhalb Stunden nach unserem Aufbruch waren wir zurück bei Peter, der sich mit uns über die Schimpansen freute, und fuhren weiter zu den Murchison Falls, die als einer der mächtigsten Wasserfälle der Welt gelten.
Wir stoppten am Aussichtspunkt "Top of the Falls", wo der Nil durch eine sieben Meter breite Lücke gepresst wird und dann mit irrem Getöse 45 Meter in die Tiefe stürzt.
Rock Pratincoles an den Fällen
Je nach Position wurden wir ordentlich nass, doch es war ein heißer Tage und die unfreiwillige Dusche willkommen.
Wir picknickten im Schatten eines großen Baumes, Peter zerteilte eine der herrlich-süßen Ananas und erzählte von den Häuptlingen Ugandas, von denen einige noch heute großen Einfluss aufs Volk haben - wenn auch keine politische Macht.
Blick über den Nil - am nächsten Tag würden wir uns den Fällen von dort unten vom Wasser aus nähern.
Am Nachmittag erreichten wir die Murchison River Lodge unweit des Eingangs zum Murchison Falls Nationalpark, unsere Heimat für die nächsten drei Nächte. Peter hatte es richtig vorhergesagt, hier oben war es viel wärmer und sonniger als in der Gegend rund um Kampala.
Wir mochten unser Safarizelt mit dem rustikalen Außenbad, am besten gefiel uns aber der Bar- und Restaurantbereich direkt oberhalb des Nils mit dem tollen Ausblick auf den Fluss und den Park - mein absoluter Lieblingsplatz innerhalb des Camps in den nächsten Tagen.
Später sammelte uns Peter zu einem ersten kurzen Trip in den Nationalpark ein, auffällig waren die vielen Kontrollposten und Militärs auf den Straßen rund um den Park. Mich störte das nicht, ganz im Gegenteil, bislang hatte ich mich immer sicher gefühlt und das blieb auch in Murchison Falls so.
Die Sonne war nun leider verschwunden, das Licht schlecht geworden, für einen ersten Eindruck reichte es. Wir überquerten den Nil über eine riesige, offenbar recht neue Brücke und fuhren dann eine große, makellose Asphaltstraße entlang.
Piapiacs, quasi die Oxpecker von Murchison Falls, eskortieren einen Elefanten
Unser erster Uganda-Kob
Mir kam das etwas komisch vor, Safari auf einer gefühlten Autobahn mitten im Nationalpark, wenn auch kaum befahren. Die Aufklärung folgte am nächsten Tag - und dann aber auch mehr Wildnisgefühl.