THEMA: Im Land der Gorillas - Auf neuen Pfaden in Uganda
26 Aug 2024 20:22 #692869
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4.1.24, Vormittag und Nachmittag: Auf dem Nil

Die Murchison Falls von oben hatten wir ja schon gesehen, nun stand eine Bootsfahrt flussaufwärts zu den Fällen an.

Die Boote starten unterhalb der neuen Brücke, dort ist immer ganz gut Betrieb, am späteren Vormittag allerdings deutlich weniger als am frühen Morgen oder am Nachmittag. Wir hatten sehr gehofft, mit einem kleinen Boot fahren zu können und Peter hatte das eigentlich auch so arrangiert, doch es duften an diesem Tag generell nur die größeren ablegen. Aus Sicherheitsgründen, die sich mir nicht ganz erschlossen, der Präsidentensohn (und mutmaßlich auch künftige Präsident) war in der Gegend und übernachtete - wie sich später herausstellte - in unserer feudalen Nachbarlodge.

Sehr begeistert war ich nicht davon, es war aber nun einmal nichts daran zu ändern und so bestiegen wir das Boot, das uns an die kleineren Doppeldecker auf dem Chobe erinnerte. Immerhin, der Kahn war halbleer und wir hatten freie Platzwahl, wir sollen uns nach links setzen, rief uns Peter noch zu.



Das erwies sich als guter Ratschlag, denn tatsächlich schipperten wir an der - von der Brücke aus gesehen - linken Uferseite entlang. Mit einem kleineren Boot wären wir sicher noch viel näher an die Vögel und Tiere herangekommen, denen wir unterwegs begegneten, aber auch so gab es einiges zu sehen im und am Wasser.



Goliath Heron






Es war eine schöne Tour durch eine herrlich grüne Landschaft und so entspannt, dass ich sogar zwischendurch einnickte. Das frühe Aufstehen forderte seinen Tribut. Alles in allem siegte jedoch die Neugier über die Müdigkeit.





Wir kamen an riesigen, mit Löchern übersäten Steilwänden vorbei. Die Brutplätze der Red-throated Bee-eater, zur richtigen Jahreszeit muss der Anblick fantastisch sein, wenn die bunten Vögel in den Klippen hängen und ihre Nachkömmlinge füttern (Eiablage im Februar/März).



Nach gut eineinhalb Stunden trieben uns Schaumkronen entgegen und wir hörten schon das Donnern des herabstürzenden Wassers. Und dann waren sie da, die gigantischen Wasserfälle. Ein schöner Anblick, vor allem mit der intakten Natur drumherum, die Kraft hatte sich mir von oben allerdings noch deutlicher erschlossen, zumal dann die gesamten Fälle zu sehen sind.



Es gibt wohl die Möglichkeit, bis kurz vor dem Wasserfall mitzufahren, dort auszusteigen und in etwa einer Stunde zu Fuß zum oberen Ende zu laufen. Man muss sich dann aber dort mit dem Auto abholen lassen. Bei uns war das allein schon deshalb nicht möglich, weil der Nil nach dem vielen Regen in den vorangegangenen Monaten Hochwasser führte und die Boote nicht anlegen konnten.



Zurück drückte der Bootsführer dann auf die Tube, was uns ganz recht war, es war ein intensiver Vormittag gewesen. Nach fast drei Stunden waren wir zurück am Anleger, wo Peter schon auf uns wartete.



Zurück im Camp bekamen wir ein sehr gutes Mittagessen, und während sich Thomas in unserem Hauszelt aufs Ohr haute, setzte ich mich in die gemütliche Couchecke, nuckelte an meiner Urlaubscola, machte ab und zu träge ein Foto von den vielen Vögeln, die im Rasen umhersprangen ...

Red cheeked cordon bleu


... und kam schließlich mit britischen Neuankömmlingen ins Gespräch, die ein Jahr lang durch das südliche uns östliche Afrika reisen. Von Südafrika aus hatten sie sich schon bis Uganda vorgearbeitet, hier sollte auch ungefähr der Umkehrpunkt sein. Sie hatten einiges zu berichten und gaben uns noch einen wertvollen Unterkunftstipp für unseren Rückweg in Kampala. Eine tolle und inspirierende Begegnung.

Nachmittags fuhren wir noch einmal in den Park. Das war eigentlich so nicht im Plan vorgesehen, aber das Permit galt noch und Peter sah keinen Grund, warum wir die Gelegenheit nicht nutzen sollten. Wir sowieso nicht. Also ging es los.

Oribi








So weit wie am Vormittag kamen wir nicht noch einmal. Aber es wurde eine schöne Tour bei schönem Licht, das anders als am Vorabend wunderbar mitspielte.









Wieder genossen wir die Ruhe in diesem Park, freuten uns über jede Sichtung und waren dankbar für die Bonusfahrt. Wir hätten es gut auch noch einen weiteren vollen Tag im Murchison Falls NP ausgehalten, doch für den nächsten Morgen hatten wir schon andere Pläne.



Als die Sonne unterging, machten wir uns auf den Heimweg.





Kurz vor der Brücke hielten wir noch einmal an, das letzte Licht tauchte den Nil in spektakuläre Farben. Ziemlich genau auf der anderen Seite der Straße hatten wir am Morgen den Tagesanbruch beobachtet. Nun schloss sich der Kreis.



Nur eine Momentaufnahme, die wir alle drei intensiv aufsogen, schon kurz darauf war das Schauspiel vorbei. Zufrieden stiegen wir wieder ins Auto, es war ein erfüllter Tag gewesen.

Später saßen wir oberhalb des riesigen Stroms, der dunkel und still dalag, und konnten kaum glauben, wirklich hier zu sein.

Konnte es eigentlich noch besser werden? Wahrscheinlich nicht. Wir kosteten die Abendstimmung aus, genossen das (auch für mich Vegetarierin) köstliche Abendessen und tranken zur Feier des Tages einen Amarula. Und noch einen zweiten. Dann ging es aber brav ins Bett. Schließlich lagen ja noch einige Tage vor uns. Und auch einige Erlebnisse.
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28 Aug 2024 21:07 #693008
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5.1.24: Das Nildelta

Wieder ein Tag, der um kurz nach Fünf begann. Ein schnelles Frühstück im Morgengrauen, dann kam schon unser Boot. Es legte direkt unten bei der Lodge an, ein letzter Schluck Tee, dann hastete ich den kleinen Abhang hinunter.

Wir stiegen zu unserem Guide Ismael in die flache Nussschale, ein kleines Boot und eine Privattour, beides hatten wir nicht gewusst und waren freudig überrascht.

Wir legten ab, leider im Nebel, der Osprey, die erste Sichtung des Morgens, geriet noch ziemlich daneben.



Diesmal fuhren wir flussabwärts, die Tour zum Delta am Lake Albert war ein Tipp unserer Agentur gewesen und wie maßgeschneidert für uns, das merkten wir gleich. Das kleine Boot war ganz nach unserem Geschmack, wir schipperten nah entlang der Uferböschung, wo es jede Menge zu entdecken gab.

Woodland Kingfisher


Northern Carmine Bee-eater - im Gegensatz zum südlichen Exemplar mit vollständig blauem Gesicht


Wirklich Meter machten wir nicht. Ismael zeigte uns gleich reihenweise "Badds", ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, was er meint, und fahndete anfangs fälschlicherweise nach Fledermäusen.

Als sich die Information schließlich auch bei mir gesetzt hatte, waren es so viele "Birds", dass ich kaum hinterherkam. Man muss Vögel schon mögen für diese Tour - aber wenn das so ist, dann ist es der Himmel.



African harrier-hawk








Die grünen Ufer wirkten wie Regenwald, einige Elefanten stapften durchs Unterholz. In den Bäumen über uns froren die Colobus-Affen, doch es dauerte nicht lange, da zog ich meine Jacke aus. Es war ein warmer, windstiller Tag.









Pflanzenteppiche trieben gemächlich an uns vorbei, vor den Bruthöhlen in den Uferwänden saßen die Pied Kingfisher gleich scharenweise. Nicht weit davon hatte ein Woodland Kingfisher fette Beute gemacht.



Nun kämpfte sich auch die Sonne durch, Ismael war ein hervorragender Bootsführer und Guide, kenntnisreich und engagiert. Wir waren allein auf dem Nil, das perfekte Idyll, gerade einmal zwei Fischer trafen wir unterwegs.

Die Landschaft änderte sich, weniger Bäume, dafür ein Papyrussumpf, das erinnerte uns an Botswana.

Kronenkraniche, der Nationalvogel Ugandas, mit Nachwuchs


Dann erreichten wir das Delta, es öffnet sich zum Albertsee. Wieder eine tolle Landschaft, die Bergketten drumherum lagen leider im Dunst, sie gehören schon zum Kongo.







Wir drehten eine große Runde, auch auf der Suche nach dem Schuhschnabel.







Wir drehten um, leider kein Schuhschnabel im Delta - aber dann, weit weg, saß tatsächlich einer im Baum.

Wir freuten uns sehr über die Sichtung, anders als ein Schreiseeadler, der gar nicht begeistert war von dem ungeliebten Konkurrenten bei der Jagd nach Fisch. Wie aus dem Nichts blies er zum Angriff, wir wussten kaum, wie uns geschah.



Der Adler war unerbittlich und attackierte mit den Krallen voran, doch der Schuhschnabel wich nicht von seinem Ast - und gewann. Was für eine Szene, wir kriegten uns kaum mehr ein, alle drei...



Auf dem Rückweg fuhren wir dieselbe Strecke durch die unberührte Flusslandschaft zurück, dem Papyrus folgten wieder mehr Bäume...





... und schließlich dichtes Buschland.





Mein Wunsch nach einem Red-throated bee-eater aus der Nähe erfüllte sich erst relativ spät, aber dafür spektakulär.



Wir schipperten vorbei an der noblen Nachbarlodge, Betten auf der Veranda und freistehende Badewannen, schon alles sehr schick, und Militärboote zur Bewachung des Präsidentensohnes.

Nach gut vier Stunden legten wir bei unserer Lodge an, Peter nahm uns in Empfang im blauen Joggingdress, er will einen Marathon laufen und hatte trainiert. Was dieser Mann so alles treibt...



Er war begeistert von unserer Begeisterung, diese Fahrt zum Nildelta hatte uns noch besser gefallen als die zu den Murchison Falls. Wir verabschiedeten uns von Ismael, er war ein toller Guide gewesen, und bezogen glücklich unsere Lieblingscouchecke oberhalb des Nils. Einige Tiere leisteten uns Gesellschaft.



Cordon-Bleu-Mädchen






Unser Permit für den Park war abgelaufen und wäre für nur einen Nachmittags-Gamedrive kostspielig gewesen. Ein bisschen Ruhe tat uns ohnehin gut und so verbrachten wir den Rest des Tages am Pool, dösten, lasen und holten uns ein paar Mückenstiche ab, also ein richtig entspannter Nachmittag.

Abends zogen wir Bilanz. Drei Tage hatten wir in der Murchison River Lodge verbracht. Es hätte gut noch einer mehr sein dürfen. Die Bootsfahrt zum Delta hätten wir sofort wiederholt. Auch ein, zwei weitere Gamedrives im Park hätten wir gerne unternommen. Doch nun stand Neues an. Auch darauf freuten wir uns schon.
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31 Aug 2024 17:53 #693120
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6.1.24: Von der Savanne in den Regenwald

Ein letztes Frühstück oberhalb des Nil, dann verließen wir gegen halb Acht die Murchison River Lodge. Knapp 300 Kilometer lagen vor uns, aber Peter kalkulierte viel Zeit ein für die Strecke. Konkrete Pläne hatten wir für diesen Tag nicht - außer natürlich, im Kibale National Park anzukommen -, aber mal wieder war der Weg das Ziel.

Der Norden Ugandas ist ursprünglicher als der Süden, viel Landwirtschaft und kleine Dörfer, Touristen sind noch eine relative Seltenheit. Anfangs holperten wir über kleine Lehmpisten und waren vor allem für die Kinder eine echte Attraktion. " Mzunguuuuuuu", riefen sie aufgeregt, wenn sie uns entdeckten. Mit der Schule ist es oft nicht weit her, die Perspektiven sind zu schlecht und die Eltern brauchen die Kinder daheim.



Schon die Kleinsten arbeiten hart, auch Peter hatte als Knirps täglich Wasser schleppen müssen und mutmaßte, deshalb nicht größer gewachsen zu sein. Manche spielten mit fransigen Knäueln Fußball. Ich wünschte, ich hätte ein paar Bälle aus Deutschland mitgebracht.



Irgendwann landeten wir wieder auf einer makellosen, autobahnähnlichen Straße, gebaut für das Öl, sie wirkte wie schon im Murchison Falls NP fehl am Platze. Ich überlegte laut, ob sie der Bevölkerung nicht einen Nutzen bringen könne, doch Peter widersprach sofort: Die Einheimischen können sich weder Autos leisten, um die Straße überhaupt zu befahren, noch werden sie vom Handel mit dem Öl profitieren, der lediglich einzelne Reiche noch reicher macht. Ressourcen- und Kulturverlust statt allgemeinen Wohlstands - das klang alles ebenso einleuchtend wie frustrierend.



Anfänglich fuhren wir einigermaßen zügig durch die sattgrüne Landschaft, doch dann ging Peter, mittlerweile ganz im Birding-Modus, vom Gas. In den Gräsern und Büschen neben uns wimmelte es von Vögeln, manchmal kamen wir nur noch im Schritttempo voran oder blieben gleich mehr oder minder mitten auf der Straße stehen. Was egal war, denn es waren praktisch keine anderen Autos unterwegs.

Red-headed Lovebird


Long-crested Eagle






Speckled Mousebird


Wir hatten Peter schon zu Beginn der Reise gesagt, dass wir keinen gesteigerten Wert auf Mittagessen legen - er nahm uns erfreulicherweise beim Wort, denn das entsprach nicht nur seinem eigenen Rhythmus, sondern ließ uns auch zeitlichen Spielraum. Oft ließen wir uns einfach treiben oder nahmen uns mehr Zeit für Dinge, die uns der Zufall bescherte - wie an diesem Tag.

White-browed Coucal




Denn plötzlich zog Peter auf die andere Straßenseite und hielt vor einer einzelnen Hütte. Er hatte etwas Bestimmtes im hohen Gras dahinter landen sehen und wollte der Sache auf den Grund gehen.

Der Besitzer des Häuschens staunte nicht schlecht, als wir ihn fragten, ob wir uns umsehen dürften. Er führte uns nach hinten und quer durch das sumpfige Gelände, Schuhe und Strümpfe waren sofort pitschnass. Egal. Denn Peter sollte Recht behalten. Da war er also, der Schuhschnabel. Leider weit weg, schon stand das Wasser zu tief zum Weitergehen. Aber was für eine Überraschung!



Der Mann berichtete, er habe zuletzt häufiger Shoebills zu Besuch gehabt. Leider wohl nur ein temporäres Glück. Durch den vielen Regen hatten sich in den vergangenen Monaten Sumpflandschaften gebildet, wo eigentlich gar keine sind.

Wir gingen zurück zum Auto, wo seine Teenager-Kids ein Geschäft gewittert und das Auto bewacht hatten. Wir drückten ihnen etwas Trinkgeld in die Hand und fuhren weiter nach Süden. Peter strahlte und war sehr zufrieden mit sich und seinem unverhofften Fund.

Mir war klar, wir näherten uns der Gegend, in der es wiederholt terroristische Anschläge gegeben hatte. Bislang hatte ich mich sehr sicher gefühlt. Von neuerlichen Attacken hatten wir nichts mehr gehört. Ich dachte laut, doch Peter schüttelte bedauernd den Kopf. Gerade erst Ende Dezember waren zwei Dörfer südlich des Kibale-Nationalparks angegriffen und mehrere Einheimische mit Macheten ermordet worden.

Das war ein Schock. Peter versuchte zu beruhigen, die Gegend sei 60 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Doch allein der Gedanke, dass nicht weit von uns ganze Dörfer trauerten, setzte uns zu. Da halfen auch nicht die vielen Kontrollpunkte an den Straßen und die enorme Militärpräsenz.

Einschub: Tatsächlich waren diese beiden Attacken wohl die zumindest bis dato letzten. Wir haben nichts mehr von weiteren Vorfällen gehört oder gelesen, und auch auf der Seite des AA sind es die beiden letzten verzeichneten Vorkommnisse.

Die Landschaft änderte sich, mehr Wald und mehr Hügel, in den Bäumen thronten Colobus-Affen und guckten neugierig zurück, als wir von unten so guckten.





Die Baboons, wie immer nicht gerade schüchtern, ...



... hatten sich einfach mitten auf die Straße gehockt.





Peter fuhr einige Schlenker und wir cruisten durch eine stille, wunderschöne Landschaft voller Teeplantagen.



Wir durchquerten den Kibale Forest, es war Nachmittag geworden und die Sonne stand schon einigermaßen tief.



Ein letzter Stopp, ...





... dann waren wir da. Die Turaco Treetops Lodge gefiel uns auf Anhieb und war am Ende eine von zwei herausragenden Unterkünften auf dieser Reise. Die herrliche Lage im Regenwald, die entspannte Stimmung, der moderne, klare Stil, die freundlichen Mitarbeiter, das hervorragende Essen - hier passte alles.



Die acht Bungalows liegen mit großem Abstand voneinander im Wald, wir bekamen die Nummer sechs, der Weg vom Hauptgebäude war etwas weiter, doch er lohnte sich. Wir hatten noch die Nummer vier in Augenschein genommen, doch die Aussicht war eingeschränkter und die sechs mit ihrem Panoramablick ungeschlagen.

Riesiges Zimmer, riesiges Bett, riesige Fenster und vor allem - ein riesiges Deck auf Stelzen. Von der Terrasse in den "Treetops" war ich hin und weg.



Nur die Geräusche der Natur und ab und zu tierische Besucher. Sunbirds, Riesenturakos, die der Lodge ihren Namen geben, und Affen mit roten langen Schwänzen, die direkt in die Palme vor meiner Nase plumpsten. Weiter hinten machten sich die Colobus-Affen schon bereit für die Nacht.

Red-chested Sunbird


Olive Sunbird




Das Essen im offenen Restaurant war ein Gedicht, später setzten wir uns an den Kamin. Nicht, weil es kühl, sondern so gemütlich war. Im Bett lauschten wir dem nächtlichen Dschungel-Konzert, wir hörten es durch die geschlossene Tür. Wieder andere Eindrücke, wieder ein anderes Afrika - und alles zusammen gefiel uns ziemlich gut.
Letzte Änderung: 02 Sep 2024 08:36 von Beatnick.
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02 Sep 2024 09:27 #693200
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7.1.24, Vormittag: Vogelflut in Bigodi

Draußen war es noch dunkel, als wir aufstanden und uns für den Tag fertigmachten. Doch die Vögel waren schon wach und veranstalteten ein Heidenspektakel. Was für eine Geräuschkulisse, aber wir fühlten uns nicht nur wie im Dschungel, wir waren es ja auch.

Wir frühstückten im Restaurant und stiegen dann zu Peter ins Auto. Das Dorf Bigodi war gleich um die Ecke, dort hatten wir eine private Birding- und Swamp-Walk-Tour im Bigodi Wetland Sanctuary gebucht.

Wir waren die ersten Gäste des Tages und probierten uns durch eine ganze Reihe von Gummistiefeln, die kostenfrei gestellt werden und auch nötig sind. Als wir losgingen, schloss sich Peter uns an, außerdem ein junger, agiler Guide, sein Assistent und ein bis unter die Zähne bewaffneter Soldat. Seine Begleitung war einer Neuerung nach den tödlichen Attacken im QENP, ich war nicht überzeugt von der Sinnhaftigkeit und er schien auch nicht besonders erfüllt von seinem neuen Job zu sein.

Ich hatte aus dem Namen der Tour messerscharf geschlossen, dass wir zu einem Sumpfgebiet marschieren würden, doch das war erst einmal nicht der Fall. Tatsächlich begann die Aktivität direkt neben dem Haus in der dichten Böschung und in den Bäumen neben der Straße.

Der imposante Black and White Casqued Hornbill war ein denkbar guter Start, wir hatten schon am Vortag welche gesehen, allerdings in schlechtem Licht.



Mousebirds turnten in Scharen durch die Büsche, ...





... und auch bei ihren Nachbarn war Frühstückszeit.

Brown-headed Parrot








In unserem Rücken flogen krächzend zwei Graupapageien vorbei, die einzigen Exemplare ihrer Art, die wir auf dieser Reise sahen.



Es war das reinste Vogelfeuerwerk auf kleinstem Raum und wir liefen begeistert hin und her und kreuz und quer, auch auf die andere Seite der glücklicherweise kaum befahrenen Straße. Die Sümpfe hatte ich längst ins Reich der Fabel verwiesen, eine halbe Stunde war rum und wir hatten uns kaum 200 Meter vom Fleck bewegt.

Mannikin


Pin-tailed Whydah


Firefinch


Wir hatten Glück mit dem Wetter, fast immer war es morgens sehr diesig gewesen, doch nun erwischten wir endlich einen klaren Tag. Mit dem Slogan "Home of the Great Blue Turaco" wirbt das kleine Ökotourismus-Projekt im Bigodi Wetland Sanctuary, und da war er nun auch, der prachtvolle Vogel, schon am Morgen herausgeputzt und perfekt frisiert.



Wir bogen in einen Feldweg ab, wo sich ein Hornbill-Pärchen einträchtig und fast schon medaillenverdächtig synchron über eine Bananenstaude hermachte.





Wir freuten uns sehr über diese Vögel, die nach allen Regeln der Kunst und im Eiltempo eine Banane nach der anderen verputzten. Einmal mehr fragte ich mich, wie sie mit diesem riesigen Schnabel überhaupt die Balance halten können, ohne mit dem Gesicht voran in den Bananenbrei zu kippen.





Währenddessen war von uns unbemerkt ein Double-toothed Barbet in einem Baum hinter uns gelandet. Peter versuchte uns von den Hornbills loszueisen, was ihm zunächst nicht gelang. Als wir uns endlich umdrehten, war er schon zwei Etagen höher gezogen. Merke: Auf seine Guides sollte man besser hören!



Diesen schönen Vogel haben wir nur ein einziges Mal auf der gesamten Reise gesehen.



Wir gingen weiter und an einigen Gärten vorbei. In Uganda bewirtschaftet fast jeder kleine private Flächen und Felder mit Gemüse, Mais und Früchten, die es überall an den Straßen aus Eimern oder kunstvoll gestapelt an Ständen zu kaufen gibt.

Wir kamen uns ein wenig albern vor, wie wir da so im Kreis liefen und uns die Hälse verrenkten, doch die Einheimischen, die uns begegneten, waren an den Anblick offenbar gewöhnt. Sie grüßten freundlich, fragten, was wir schon gesehen hatten und hatten sogar manchmal noch Tipps auf Lager. Die Touren werden von der Community organisiert und durchgeführt und kommen somit dem Dorf direkt zugute.

Copper Sunbird


Baglafecht Weaver?


?


Collared Sunbird


Fast zweieinhalb Stunden waren vorbei, dann gingen wir schließlich unter Bäumen hindurch und in das Sumpfgebiet hinein. 4,5 Kilometer ist der Rundweg lang, mehr als 200 Vogelarten, acht verschiedene Affenarten und Antilopen beherbergt der wichtige Korridor für Kibale.

Wir gingen weg vom Weg und tiefer in den Wald hinein, die Suche nach Affen war eine echte Herausforderung.

Red colobus


Red-tailed Monkey




Als wir sie schließlich fanden, brauchte es viel Geduld, um sie auch in guter Position zu erwischen.







Wir verstreuten uns im Wald. Ich folgte vor allem den Red-tailed Monkeys mit ihren putzigen Gesichtern, Peter und der Guide waren aufgeregt einer Antilope auf der Fährte, die sie kurz und zum ersten Mal überhaupt in diesem Wald gesichtet hatten. Offenbar ein Duiker.







Es war gar nicht so leicht, nach oben zu gucken und durchs Unterholz zu laufen, ohne auf die Nase zu fallen. Aber es machte einen Riesenspaß.





Schließlich trommelte uns der Guide wieder zusammen, der uns mit seinem Engagement und seiner Expertise sehr gut gefiel, und führte uns über morsche Holzstege zwischen meterhohem Papyrus durch den Sumpf und zurück zum Ausgangspunkt. Kurz vor Ende der Tour zersplitterte eine der Latten im Steg und er brach so weit ein, dass ihm das Wasser oben in die Gummistiefel lief. Zum Glück war das Ziel nah und auch nichts weiter passiert.

Nach vier Stunden war der Walk vorbei. Wir hatten keinerlei Erwartungen daran gehabt und kehrten nun völlig begeistert zur Lodge zurück. Wir aßen eine Kleinigkeit und sortierten uns dann in unserem schönen Bungalow. Thomas machte Platz auf den Speicherkarten, doch ganz reichte die Zeit nicht dafür, denn die nächste Aktivität stand schon in den Startlöchern.

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02 Sep 2024 20:39 #693245
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7.1.24, Nachmittag: Schimpansen-Trekking in Kibale

Thomas war am Mosern. Er war in der kurzen Mittagspause mit dem Herunterladen der Fotos nicht fertig geworden. Sein Anflug schlechter Laune verging jedoch schnell, denn wir hatten etwas Schönes vor: Unser zweites Schimpansen-Trekking dieser Reise, diesmal in Kibale, dem Nationalpark mit der höchsten Primatenpopulation im gesamten Afrika.

Peter wollte frühzeitig da sein. Er hatte immer gerne die Wahl, die Wahl der Gruppe, die Wahl des Guides, es sollte unser Schaden nicht sein und so waren wir wie immer pünktlich. Es war nur eine kurze Fahrt zum Kanyanchu Visitor Center, wo die Trekkings starten, kaum Autos auf dem Parkplatz, das hatte ich auf Fotos im Netz schon ganz anders gesehen. Vielleicht hatten wirklich einige storniert.

Wir waren früh dran und mussten etwas warten, doch der Menschenauflauf blieb überschaubar, wir waren zu Sechst in der Gruppe und alle guter Dinge. Es gab ein kurzes Briefing, zum Trekking, zu den Schimpansen, was gut ist und was nicht. Schlecht ist zum Beispiel Repellent, das hatten wir schon vor dem ersten Trekking gelernt und galt auch für alle weiteren.



In den Wäldern gibt es nicht nur Bienen, sondern auch eine schwarze Wespenart, die von dem Mückenspray angezogen wird und aggressiv darauf reagiert. Wir haben zwar weder Bienen noch Wespen zu Gesicht bekommen, uns aber auch vorsorglich an den Rat gehalten.

Schließlich kletterten wir wieder in die Autos und wurden zum Startpunkt unserer Wanderung gebracht, in dessen Nähe zuvor von einer früheren Gruppe Schimpansen gesichtet worden waren. Peter blieb zurück, für uns ging es nun querfeldein, der Guide legte einen Affenzahn vor, puh, wie lange das wohl so ging? Die rund 1.600 m Höhe machten sich bemerkbar, ein gutes Training für Bwindi, wo es sogar auf über 2.000 m gehen würde.

Es ist ein toller Regenwald - an diesem Tag glücklicherweise nur Wald und ohne Regen -, wild und mit hohen Bäumen, von Zeit zu Zeit sahen wir Colobus-Affen, doch sie nahmen Reißaus, sobald sie uns auch nur erahnten. Sie sind hier sehr scheu, die Schimpansen mögen ihr Fleisch und machen Jagd auf sie.

Wir brauchten kürzer zu den Schimpansen als im Budongo, bei dem Tempo eine sehr gute Sache, schon nach einer halben Stunde hieß es "Masken auf", um die Tiere vor möglichen Keimen zu schützen.







Die meisten Schimpansen saßen sehr hoch in den Bäumen, wir hatten kaum eine Chance, sie vernünftig zu sehen. Eine Handvoll der Herrschaften - alles Männer - hatten sich jedoch ein gemütliches Plätzchen am Boden gesucht.





Darunter auch der Chef der Affenbande, vom harten Leben eines Anführers und von einigen Kämpfen gezeichnet. Als sein Vorgänger vor einiger Zeit gestorben war, habe die ganze Gruppe herzzerreißend tagelang um ihn getrauert und geklagt, berichtete der Guide.





Der Jüngste war er nicht mehr und auch nicht gerade eine Schönheit. Doch er besaß Macht, und so lauste ihm einer seiner Vertrauten hingebungsvoll das Fell.

Wie die sozialen Strukturen und das Miteinander bei Schimpansen funktionieren, zeigt eindrucksvoll die Serie Chimp Empire (Netflix), die uns Peter empfahl.



In Budongo hatten wir mehr Action erlebt als in Kibale, unterschiedlichere Situationen. Dennoch verging die Stunde, die wir bleiben durften, wie im Flug.





Die Tiere waren komplett relaxt. Was sie wohl über uns dachten? Sie nahmen scheinbar keinerlei Notiz von uns. Es war einfach schön, sie zu beobachten, bei ihnen im Wald zu sitzen und die Zeit zu vertrödeln. Ich staunte, wie verblüffend ähnlich Schimpansen uns Menschen in Mimik, Gestik und ihrem Verhalten sind.









Nach einer guten Stunde verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Rückweg, auf dem der Guide viel über den Wald, seine Bewohner und die Pflanzenwelt erklärte. Auch Büffel und Waldelefanten kommen hier vor, weshalb die Ranger zur Vorsicht immer bewaffnet sind.



Unter anderem in Kibale ist es auch möglich, ganztägig an einer "Habituation Experience" teilzunehmen. Dabei begleitet man Forscher zu Tieren, die noch nicht ganz so stark an Menschen gewöhnt sind. Sicher eine sehr interessante Erfahrung, man kann die Chimps bei ihrem Alltag vom Aufstehen bis zur Schlafenszeit beobachten; beim Futtersuchen, Füttern, Jagen, und Patrouillieren. Schon überlegte ich, wie wir das wohl eines Tages anstellen könnten.



Kurz vor dem Ziel trafen wir noch einmal Red-tailed Monkeys, die ich so sehr mochte, dann waren wir nach gut drei Stunden zurück am Visitor Center.







Wir waren schon fast bei der Lodge, da bat ich Peter spontan, an einem kleinen, schlichten Stand zu halten. Die beiden Teenager waren mir schon auf dem Hinweg aufgefallen, sie verkauften handgeschnitzte Gorillas und Schimpansen, und als wir Interesse zeigten, demonstrierte uns gleich einer der beiden Jungs, wie er die Figuren herstellt. Jedenfalls mit einfachsten Mitteln, wir waren beeindruckt von seinem Geschick und dass beide versuchten, ein Geschäft aufzuziehen.

Wir kauften ihnen einen Schimpansen ab, den wir Peter tauften und der heute im Wohnzimmer einer engen Freundin ein gutes Zuhause gefunden hat. Bevor es so weit war, bezog er aber erst einmal vorübergehend das Handschuhfach des echten Peter.

Zurück an der Lodge waren wir platt. So ein erfüllter, aber auch intensiver und heißer Tag. Thomas drehte einige Runden im Pool, ich zog erleichtert die schweren und verdreckten Wanderpumps aus, setzte mich barfuß auf unsere riesige Terrasse und trank eine Belohnungs-Cola. Ich freute mich und bedauerte gleichzeitig, dass wir bald schon wieder weiterzogen. Wie gerne wäre ich noch einen weiteren Tag an diesem wunderbaren Ort geblieben.

Später im Restaurant gab es einen Sundowner und dazu Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte. Irgendwas war hinterm Haus. Als ich um die Ecke bog, traute ich meinen Augen kaum. Unzählige Webervögel flatterten und schnatterten durcheinander, bauten emsig an ihren Nestern und flogen unentwegt hin und her. Ein heilloses Spektakel.



Vieillot's black weaver




Ich holte Thomas und er war genauso baff. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Wir nahmen uns fest vor, am Morgen noch einmal wiederzukommen.
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06 Sep 2024 19:39 #693463
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8.1.24: Happy-Betti in Mihingo

Am Morgen öffnete ich die großen Türen zur Terrasse, gleich mehrere Blue Turacos saßen beim gemeinsamen Frühstück in einem Baum. So schöne Vögel, leider es war noch zu dunkel für Fotos. Also setzte ich mich draußen aufs Sofa und sah ihnen zu.

Als wir schließlich die Haustür hinter uns zuzogen, tat mir das leid. Ich hatte die Zeit sehr genossen, sie war ein bisschen kurz gewesen.

Wir frühstückten in aller Ruhe und mit Fernblick über den Regenwald. Langsam verdrängte die Sonne den Dunst. Danach gingen wir ums Haus herum, das Küchenpersonal winkte freundlich, und da waren sie wieder, die Webervögel. So viele und so laut, dass wir uns fühlten wie in einer großen Voliere - zum Glück ganz ohne Gitterstäbe.









Jagen, fressen, Häusle bauen, hier waren alle schwer beschäftigt, und das direkt vor unserer Nase.





Eine ganze Weile schauten wir uns das Spektakel an, dann mussten wir los und diese tadellos geführte und entspannte Lodge endgültig verlassen.





Wir trafen den Guide vom Vortag, der für uns in einem etwas abgelegen Wald noch einmal bestimmte Vögel finden wollte. Das misslang, doch während wir auf ihn warteten, beobachteten wir einen Vater und seinen Teenager-Sohn, die Ziegel herstellten. Eine mühsame Knochenarbeit und sicher nicht sehr einträglich, das konnte man deutlich sehen.



Als zwei kleine Mädchen aus der Hütte traten, kramte ich zwei neue glitzernde Haarbänder aus meinem Rucksack und gab sie ihnen. Die Mädchen in Uganda tragen die Haare kurz geschoren, aber die Bänder taugten auch als Armband und so streifte ich sie ihnen über die schmalen Gelenke.

Sie rissen die Münder auf und schauten ungläubig, zeigten sich gegenseitig die Bänder und freuten sich so rührend darüber, dass mir fast die Tränen kamen. Ein winziger Luxus in ihrem schlichten und sicher nicht immer einfachen Alltag. Als wir gingen, schickten sie uns Luftküsse hinterher und schnupperten immer wieder an dem bunten Stoff.

Peter war sehr einverstanden. Es war eine Art unausgesprochener Deal gewesen - wir schauen euch über die Schulter und geben euch dafür etwas zurück - und daher in Ordnung. Wohin wohlgemeinte, aber auch unbedachte Touristengeschenke führen können, sollten wir später noch erleben.

Wir gaben die Vogelsuche auf und machten uns auf den Weg nach Süden. Ursprünglich wären wir nun in Richtung Grenze zum Queen Elizabeth Nationalpark gefahren, die klassische Route. Nun aber wichen wir erstmals von ihr ab, und unser Ziel lag deutlich weiter östlich: der Lake Mburo Nationalpark.

Broad-billed Roller (Zimtracke)


?


Lizard Buzzard


Die gut ausgebaute, aber recht ruhige Straße war einmal mehr ein Eldorado für Vogelbeobachtungen. So verging die Zeit wie im Flug.

Crowned Hornbill






Weiter im Süden wurde der Verkehr heftiger auf der Straße, die nach Kampala führt. Vor allem die Bodabodas, die es im ganzen Land gibt, waren allgegenwärtig und teilweise abenteuerlich bepackt mit riesigen Bananenstauden, Baumaterial, Möbeln und vielköpfigen Familien. Wie das geht? Keine Ahnung! Wir wunderten uns.

Die ersten Bodaboda (= Border, Border) hatte es in den 1960er- und 70er-Jahren zwischen der ugandisch-kenianischen Grenze gegeben, daher der Name, heute sind die Motorradtaxen einer indischen Marke das Transportmittel Nummer eins.

Wir waren schon in der Nähe des Parks, Peter hatte von einem Schleichweg durch einen Sumpf gehört und suchte danach. Als wir ihn schließlich fanden und auf die lehmige Piste abbogen, wurde es schlagartig wieder still und ländlich.





Wir mochten die Strecke. Viel Wasser, Papyrus, Akazien und natürlich Vögel. Zwei Kronenkraniche stolzierten durchs Gras und ignorierten uns, bis Peter ungeahnte Qualitäten als Schürzenjäger bewies. Er imitierte ihren Lockruf, die Vogeldame biss gleich an und scannte den Himmel: Wo ist er denn bloß, der Galan mit dieser schönen Stimme?



Ihr kaum verhohlenes Interesse rief ihren Kavalier auf den Plan, der sich vor ihr aufbaute und mit gespreizten Flügeln und eleganten Hüpfern umtanzte. Wann, so überlegte ich und schaute Thomas aus den Augenwinkeln an, hatte sich eigentlich zuletzt ein Mann für mich dermaßen ins Zeug gelegt?





Wir rollten durch ein Dorf und dann zum Gate, Peter erledigte die Formalitäten und wir dringende Geschäfte. Wir knüpften keine allzu hohen Erwartungen an den Lake-Mburo-Nationalpark, mit 260 Quadratkilometern der kleinste Nationalpark Ugandas.

Bei seiner Gründung war er noch mehr als doppelt so groß gewesen, doch nach viel Hickhack mit der lokalen Bevölkerung und Regierungswechseln wurde er schließlich mit deutlich verkleinerter Fläche als Nationalpark anerkannt.





Einst hatte es hier Löwen gegeben, doch sie wurden allesamt vergiftet. Ein Schicksal, das auch potenzielle Nachfolger ereilen würde, und so gab es keine Versuche mehr, sie wieder anzusiedeln.

Generell haben es Löwen in Uganda schwer. Im Ishasha-Sektor wurden während der Corona-Pandemie neun Löwen vergiftet - der Bestand litt und erholt sich nur mühsam. Im gesamten Queen Elizabeth Nationalpark gab es Peters Beobachtungen zufolge in der Zeit unserer Reise gerade einmal fünf fortpflanzungsfähige Männchen - aber immerhin einige Jungtiere, die Hoffnung für die Zukunft machen.

Stolz ist man im Lake-Mburo-Nationalpark auf die sich sehr gut entwickelnde Population von Rothschild-Giraffe, die in freier Wildbahn nur noch in Kenia und Uganda zu finden sind. 2016 waren einige Tiere aus dem Murchison-Falls-Nationalpark umgesiedelt worden - mit großem Erfolg.

Mit seiner Savannenlandschaft und den lichten Akazienwäldern gefiel uns der Park gut, wir durchquerten ihn langsam und fuhren schließlich auf der anderen Seite wieder heraus. Hinterm Gate bogen wir rechts ab, rollten kurz und knackig einen felsigen Hügel hoch und waren da.





Noch einige steile Stufen, dann standen wir im Restaurantbereich der Mihingo Lodge und blickten von weit oben auf den Nationalpark herab. Wow. Unsere Freunde hatten uns die Lodge sehr ans Herz gelegt und ich wusste sofort - das war genau unser Ding.

Keine andere Unterkunft war während unserer Reise ausgebucht gewesen. Hier war das anders. Eigentlich hatten wir zur reinen Erholung drei Tage am Stück in Mihingo bleiben wollen, doch das war nicht möglich und die Lodge zu beliebt. Nun wussten wir auch, warum. Sie sticht einfach heraus mit ihrer Lage, dem überragenden Essen, den großen gemütlichen Hauszelten und dem unerreicht herzlichen Staff, ohne dabei überkandidelt zu sein. Eine unserer besten Unterkünfte in Afrika überhaupt.

Wir bezogen unser Zelt auf dem höchsten Felsen und packten begeistert aus. Dann liefen wir runter zum Auto und fuhren mit Peter zurück zum Gate. Dort startete gerade eine Reitsafari, zu Mihingo gehören eigene Stallungen.

Für uns stand die erste Pirschfahrt an und auch eine Fußsafari, die nur mit einem lokalen Guide möglich ist. Peter checkte den Guide und er bestand vor seinen kritischen Augen, anders als die Dame am Gate, die einen etwas luschigen Eindruck machte.

Gleich zum Auftakt gab es Büffel und zwar eine Menge, neugierig kamen sie auf uns zu.



Die Kolosse rückten näher und näher, eine bedrohlich wirkende schwarze Wand, ganz wohl war mir nicht. Schließlich lud der Guide einmal durch, ein lautes "ritsch ratsch," und die Tiere drehten um. Woher die Büffel das Geräusch und seine Bedeutung kannten, blieb mir ein Rätsel.



Wir hüpften zurück zu Peter ins Auto und fuhren ein Stück, ein Leoparden-Kill stank zum Himmel, war aber verwaist. Wir stiegen aus und Vögeln hinterher, kein leichtes Unterfangen, denn sie waren scheu und immer auf der Hut.



Bare-faced Go-away-bird


Crested Barbet




African Grey Hornbill


Wir kämpften uns durch das hüfthohe Gras. Nur ich blieb manchmal im Auto und schaute zufrieden oben raus, ich hatte meinen faulen Tag. Warum auch die Mühe, manchmal kamen die Tiere direkt zu mir...

Little Bee-eater, etwas leichtsinnig mitten auf der Piste




Wir mochten ihn, diesen malerischen kleinen Park. Zebras gibt es nicht oft zu sehen in Uganda und Impalas sogar nur hier.





An einem Wasserloch war Warmbadetag, die Sonne hatte sich wieder durchgesetzt. Ich war im Safarimodus und genoss es in vollen Zügen.







Wir suchten die Giraffen und fanden sie im letzten Licht. Noch einmal kletterten wir aus dem Wagen und pirschten uns vorsichtig an sie heran, wie groß sie waren und wir so klein, lässig und sanftmütig schauten sie auf uns herab. Ich lauschte ihrem unablässigen Malmen und der Stille.



Fröhlich kehrten wir zur Lodge zurück, machten uns frisch und gingen zum Restaurant, die Atmosphäre war locker, das Essen fantastisch, der Barmann eine glatte Eins. Auf dem "Bushbaby-Deck" schnappte sich ein Riesengalago sein abendliches Stück Banane, ein tolles Ambiente und nette Menschen - hier würden wir es uns richtig gutgehen lassen.

Letzte Änderung: 07 Sep 2024 08:22 von Beatnick.
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