THEMA: Im Land der Gorillas - Auf neuen Pfaden in Uganda
16 Okt 2024 16:53 #695417
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15.1.24: Die Golden Monkeys von Mgahinga

An diesem Tag hatten wir etwas vor, was ursprünglich nicht eingeplant gewesen war: ein Golden-Monkey-Trekking im Mgahinga Gorilla National Park. Ich hatte noch nie von der Existenz dieser Affenart gehört, bis wir einige Tage unserer umgestellten Reise möglichst sinnvoll füllen mussten, nachdem wir den Queen Elizabeth Nationalpark aus dem Programm gestrichen hatten. Die Agentur schlug diese Möglichkeit vor und wir mussten nicht lange überlegen. Das klang nach etwas, das uns bestimmt gefallen würde.



Es ging etwas später los als bei den Gorillas und auch an einem anderen Startpunkt, was uns auf dem Weg zu den Virunga-Vulkanen die furchtbare Piste vom Vortag ersparte. Als wir durch ein kleines Dorf fuhren, warf uns ein Junge einen Stein hinterher. Peter stoppte daraufhin neben einem älteren Herrn, der an der Straße entlang spazierte, und machte ihn auf den Vorfall aufmerksam. Es war nach ugandischer Sitte nicht nur ratsam, sondern sogar die Pflicht des Dorfbewohners, den Teenager zu tadeln und zur Räson zu bringen. Peter verstand da keinen Spaß.

Schließlich fanden wir uns auf einem Parkplatz wieder, von dem aus einer kurzer, verwunschener Pfad zu einer Forststation führte. Das Procedere der vorherigen Trekkings wiederholte sich, wir bekamen langsam Routine darin. Anders als beim Gorilla-Trekking am Vortag, wo wir nur zu Fünft gewesen waren, fanden sich diesmal 16 Touristen ein, die auf zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Mich überraschte, dass diese Aktivität in dieser Region offenbar größeren Anklang fand als das Gorilla-Trekking. Aber das dürfte daran liegen, dass die meisten die Gorillas in Bwindi besuchen.



Nach einer kleinen Einführung machten wir uns auf die einmal mehr Gamaschen- und Wanderschuh-umhüllten Socken. Wir hatten eine lustige Gruppe erwischt, zudem kannten wir einen der Porter schon vom Vortag. Wieder begeisterte uns die wilde Natur, die Sonne zeigte sich nur selten, aber es regnete nicht.

Ruwenzori side-striped chameleon (Danke Elvira!)


Zufrieden stapften wir vor uns hin, lauschten den Vögeln oder quatschten mit unseren Mitwanderern.



Die Goldmeerkatzen sind eigentlich vor allem im Bambuswald zu finden. Bei uns war das anders, was vielleicht die Sichtungsmöglichkeiten etwas erschwerte. Nach knapp 90 Minuten hörten wir die Affen, ehe wir sie sahen, denn sie kletterten hoch oben in den Wipfeln eines Laubwaldes.







Ihre Größe unterscheidet sie nicht von der anderer Meerkatzen, doch ihre Farben sind besonders. Ihren Namen verdanken sie ihrem orange-goldenen Fell auf dem Rücken.





Die Affen waren sehr aktiv und legten ein hohes Tempo vor, es war eine Herausforderung, ihnen bei der Suche nach Früchten, Blüten, Blättern und Pilzen zu folgen. Ich versuchte, sie im Auge zu behalten und gleichzeitig beim unentwegten Blick nach oben nicht im dichten Unterholz zu stürzen. Kein leichtes Unterfangen, einzelne Gäste benötigten die Hilfe ihrer Porter, die wie immer verlässlich zur Stelle waren.



Es war eine große Gruppe mit Dutzenden Tieren. Goldmeerkatzen sind sehr gefährdet, weltweit existieren gerade einmal 3.000 bis 4.000 Individuen, die heute ausschließlich noch im Gebiet der Virunga-Vulkane leben.



Wir stiegen vorsichtig in eine Senke hinunter, um weiter an den Affen dran zu bleiben, und trafen dort die anderen Touristengruppe, die sich aus einer anderen Richtung genähert hatte. Und endlich hatten auch die Golden Monkeys beschlossen, dass sie ihren Futterplatz gefunden hatten. Sie hielten nun etwas besser still, kletterten manchmal etwas weiter nach unten und ich musste mir nicht mehr unentwegt den Hals verrenken, der schon ein wenig schmerzte.







Die Primaten waren putzig anzuschauen mit ihrem bunten Fell und den dicken Pausbacken.





Jede Menge Leckereien verschwanden in den Mäulern der besonderen Waldbewohner, die kleine Feinschmecker zu sein scheinen.





Wir bei den Gorillas durften wir eine Stunde bleiben, und weil sich die Verfolgung sowie das Fotografieren so schwierig gestalteten, war sie in Windeseile verflogen. Doch die Aktion war ein voller Erfolg gewesen und hatte uns begeistert.







Auf dem schmalen Pfad, auf dem wir auch gekommen waren, liefen wir herunter vom Berg und verzichteten in Absprache mit den anderen Gästen auf eine Mittagspause. Anders als sie hatten wir auch gar keine Vesperbox dabei und wir fühlten uns allesamt so fit, dass wir durchmarschieren wollten.



Schleichenlurch


Peter hatte ohnehin noch etwas mit uns vor. Bislang hatten wir häufig aufs Mittagessen verzichtet, doch nun schlug er vor, zu einem Restaurant zu fahren, um ein landestypisches Gericht zu probieren. Da waren wir natürlich dabei.
Es war nicht weit bis zu dem Restaurant, zu dem auch Gästezimmer und ein riesiger Garten mit uralten Bäumen gehören. Peter hatte uns telefonisch angekündigt und so mussten wir nicht lange auf unser Essen warten, von dem wir nur wussten, dass es vegetarisch war und damit auch für mich geeignet.

Wir bekamen Rolex. Echt jetzt? Dachte ich, denn darunter hatte natürlich auch ich immer Luxus-Armbanduhren verstanden. In Uganda aber sind sie ein Volksgericht und praktisch an jeder Ecke, an jedem Straßenstand und in verschiedenen Variationen zu haben. Peter bestand darauf, dass wir die traditionelle Variante bekommen und wir fanden die Kombination aus Eieromelett und in Chapati gewickeltem Gemüse richtig lecker.

Der Name war einst an der Uni in Kampala entstanden, weil der indische Verkäufer an einem Straßenstand die Worte "Rolled Eggs" nicht richtig aussprechen konnte und ihn die Studenten mit seinem vernuschelten "Rolex" foppten.

Das Nationalgericht hat zudem den Charme, nur wenig zu kosten, und als die Preise für Weizenmehl und Speiseöl im Zuge des russischen Angriffskrieges stark stiegen und Yoweri Museveni seinem Volk riet, statt Rolex mehr Maniok zu essen, trieb der ohnehin unpopuläre Präsident seine Beliebtheitswerte nicht gerade nach oben. Wir hatten also nicht nur unsere nach der Wanderung knurrenden Mägen gefüllt, sondern auch von Peter einmal mehr eine angenehme Lektion in Sachen Landeskunde erhalten.

Es war schon Nachmittag, als wir auf eine belebte Straße rollten und in Richtung Lake Bunyonyi aufbrachen.



Wir erreichten ihn leider erst kurz vor der Dämmerung, die früh eintrat, denn das Wetter war trüb. Wir übernachteten diesmal nicht wie wenige Tage zuvor im Birdnest direkt am Wasser, sondern wie von mir von vornherein geplant in den Arcadia Cottages hoch oben in den Hügeln.

Unser riesiges und luxuriöses Cottage sowie der Blick hinunter auf den See waren spektakulär. Schade, dass wir nur so wenig von unserer schönen Bleibe haben würden. Schon am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Leider auch da nicht bei besserem Wetter, wie musste die Aussicht von hier oben erst an einem klaren Tag sein? Vielleicht finden wir es eines Tages heraus.



Wir duschten und aßen gut im etwas steifen Ambiente des Lodge-Restaurants, dann huschten wir durch die abendliche Kälte zurück zu unserem Häuschen und unter die gemütliche Bettdecke. Am nächsten Tag würden wir das Hochland verlassen und wieder nach Uganda zurückkehren, wie Peter witzelte. Die letzten Abschnitte unserer Reise begannen.
Letzte Änderung: 17 Okt 2024 14:51 von Beatnick.
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22 Okt 2024 19:06 #695817
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17.1.24: Schlemmen wie die Könige

Die Baboons weckten uns am Morgen. Es gibt schlechtere Wecker. Allerdings war es noch sehr früh, dabei hatten wir eigentlich Zeit. Es stand nur der letzte Streckenabschnitt unserer Reise an. Es ging knapp 230 Kilometer zurück nach Kampala.

Das Frühstück in der Mihingo Lodge ist wie alle Mahlzeiten an diesem Ort ein echtes Highlight. Dennoch war ich wie immer viel früher fertig als Thomas, der sich noch einen Kaffee nachgoss, und hatte Hummeln im Hintern. Ich lief ein wenig auf dem Felsplateau herum, vor allem die Zelte hier oben liegen traumhaft und auch die Nachbarn gefielen mir außerordentlich gut.





Einige Klippspringer waren ebenfalls beim Frühstücken und schauten skeptisch, als sie mich mit der Kamera entdeckten. Ich mag diese hübschen Antilopen mit ihren großen Augen und dem Spitzentanz.



Der Abschied fiel uns schwer, als wir schließlich vom Berg hinunter und zu Peter ins Auto kletterten. Unser Permit für den Lake Mburo Nationalpark war abgelaufen, doch Peter machte aus der Fahrt durch die Umgebung einen kleinen Gamedrive. Elands, Büffel, Zebras und das Vieh der Dorfbewohner teilen sich hier einträchtig die Weideflächen, das Gebiet gehörte einst zum Nationalpark, immerhin, eingezäunt ist es an dieser Stelle nicht und die Tiere können frei umherziehen.





Wieder hing viel Feuchtigkeit in der Luft, in den vergangenen Tagen war das Wetter insgesamt trüber geworden, auch wenn am Mittag fast immer die Sonne schien.





Die durch die in den vergangenen Monaten ungewöhnlich häufigen und auch heftigen Regenfälle entstandenen Sümpfe waren für die Wasservögel buchstäblich ein gefundenes Fressen.





Und auch die Menschen machten sich das viele Wasser zunutze. Zurück auf der Straße nach Kampala, sahen wir sie überall ihre Autos und Boda-Bodas in dem seichten Wasser der Sümpfe waschen. Das ist natürlich eine Katastrophe, aber woher sollen sie das wissen? Ich musste an meinen Vater denken, der jahrzehntelang verlässlich wie ein Uhrwerk an jedem Sonntagmorgen den Wagen auf dem Hof fein säuberlich eingeschäumt und gewaschen hatte. Was ihm damals zu einer unverrückbaren Routine geworden war, ist heute aus gutem Grund verboten.

Wir fuhren vorbei an den vielen Straßenständen, die Fisch sowie kunstvoll gestapeltes Obst und Gemüse anboten, ...



... und erreichten nach etwa zwei Dritteln der Strecke den Äquator. Rund um die Linie, die Nord- und Südhalbkugel teilt, haben sich Bars, Restaurants und Souvenirshops angesiedelt. Eine kleine Demonstration mit einer Blumenblüte, die sich auf der einen Hälfte nach links, auf der anderen nach rechts und direkt auf dem Äquator gar nicht im Sog einer nach unten offenen Wasserschüssel um ihre eigene Achse drehte, war überraschend anschaulich und interessant.



Dann setzten wir uns vor ein uriges Restaurant, Peter hatte am Vortag unser Okay für ein weiteres traditionelles Mittagessen eingeholt. Wir wussten nicht, was uns erwartete, und Peter machte es spannend.

Wir bekamen Schälchen mit einem Päckchen darin, das wir nun öffnen sollten. Das war gar nicht so leicht, denn das kunstvoll gewickelte Gebilde war kochend heiß.



Luwombo, so erklärte uns Peter, ist in Uganda nicht einfach nur ein Essen, sondern ein ganz besonderer Leckerbissen - ein traditionelles Gericht für Könige und zu besonderen Anlässe. Die einzigartige Zubereitung ist aufwändig, allein das Dämpfen des Eintopfes auf dem Holzkohleofen dauert sechs Stunden. Peter hatte daher schon am Vortag telefonisch vorbestellt.

Dadurch, dass die Zutaten und die Sauce in ein Bananenblatt gewickelt und dann gegart werden, gehen keine Nährstoffe verloren, Luwombo gilt daher als besonders gesund. Mein Päckchen enthielt ein Stew mit Nüssen und Pilzen, Thomas hatte Pilze und Fisch. Ich hätte noch ein wenig Salz und Pfeffer vertragen können, doch Gewürze haben in Uganda keine Tradition, weil es sie früher schlichtweg nicht gab.



Wir beide mochten unser Luwombo sehr gern und wussten seine besondere Rolle zu schätzen, benötigten aber nach dem bereits üppigen Frühstück die Hilfe von Peter, um die Teller blank zu putzen. Er musste sich bestimmt schon mehr überwinden in seinem Leben als in diesem Moment.



Peter erklärt das Nationalgericht Luwombo auf seinem Youtube-Kanal. Bei 18.02 Minuten kommen wir ins Spiel und verbrennen uns ein wenig die Finger. ;)



Pappsatt machten wir uns wieder auf den Weg, und ich döste auf der Rückbank vor mich hin. Typischer Fall von Fresskoma. Was egal war, denn wir näherten uns der Hauptstadt und steckten zusehends in dichtem Verkehr. Peter hatte sich allerdings vorab informiert, welche Brücken und Straßen möglicherweise gesperrt sein würden. Das kann jederzeit passieren und gegebenenfalls Stunden kosten. Wir kamen wie schon zu Beginn der Tour ziemlich gut durch.

Am Nachmittag rollten wir auf den Hof des ViaVia Entebbe, das nur wenige Kilometer vom Boma Guesthouse entfernt liegt, unserer ersten Bleibe zum Auftakt der Reise. Das Zimmer im ViaVia war schlicht, aber sehr ausreichend, der Garten, in dem auch Zeltunterkünfte gemietet werden können, einfach nur herrlich.

Viel Grün, hohe Bäume und statt eines Pools ein kleiner See. An dessen Ufer wuchsen einige Palme - und wie erhofft fand sich auch relativ schnell der Palm-nut Vulture ein, von dem uns andere Reisende unterwegs erzählt hatten. Er ist nicht immer, aber wohl gern und häufig hier.





Wir setzten uns ins Kaffee inmitten des Gartens, das gleichzeitig Restaurant und Bar ist. Ein lässiger, gemütlicher Ort, viele junge Leute, aber nicht nur, später kamen viele in Kampala lebende Expats zum Essen hierher. Ein sicheres Indiz für Qualität, und wenn wir nicht schon so viel gegessen hätten in den Stunden zuvor, wäre es nicht nur bei der Kleinigkeit geblieben, mit der wir zumindest kulinarisch diesen Tag abschlossen.

Kurz vor der Dämmerung kamen die Riesenturakos, wir hatten darauf gehofft, sie aber um ein Haar verpasst, ein aufmerksamer Mitarbeiter machte uns auf die Vögel aufmerksam, die über uns durch die Bäume turnten.







Auch der Geier schaute noch einmal vorbei. Das gefiel uns alles richtig gut, und als wir da so gechillt an diesem lauen Sommerabend unter bunten Lichterketten saßen, stießen wir an auf diese Reise, unsere Erlebnisse, vor allem aber darauf, dass alles so perfekt geklappt hatte.



Was schon nach Abschied klingt, war noch keiner, denn eine letzte Aktivität stand am nächsten Morgen an. Mit ihr schloss sich der Kreis, und wir freuten uns darauf.

Letzte Änderung: 23 Okt 2024 01:27 von Beatnick.
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28 Okt 2024 18:27 #696177
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18.1.24: Abschied von Schuhschnabel, Turako und Co.

An unserem letzten Morgen in Uganda fiel das Frühstück unter den hohen Bäumen des ViaVia etwas hastig aus, denn ein letztes Mal ging es für uns in den Mabamba Swamp. Einige Affen leisteten uns im Garten Gesellschaft.

Tantalus Monkey


Noch einmal tuckerten wir über den Viktoriasee und wechselten dann in ein kleines Boot, unser Guide war diesmal eine junge Frau. Auch bei diesem Besuch tat sich die Sonne schwer, und kaum hatten wir Mabamba erreicht, begann es zu tröpfeln. Peter hatte geistesgegenwärtig eine blaue Plane aus dem Auto mitgenommen, unter der wir uns nun zusammenkauerten. Eine helle Freude war das alles nicht.



Wir fuhren auf direktem Weg zu einem Schuhschnabel, der am frühen Morgen eingeflogen war. Mittlerweile hatte ich einen etwas geübteren Blick und sah ihn schon aus der Ferne auf seinen staksigen Beinen in der Landschaft stehen, allerdings auch drei Boote, in denen für meinen Geschmack viel zu viel Bewegung und Geplauder war.



Wir hielten in großer Distanz, ein akzeptabler Platz war ohnehin nicht frei. Als die Bootsinsassen, die alle zusammen einer größeren Reisegruppen angehörten, nun auch noch unter großem Gekicher und mit wenig Geschick mit ihren riesigen Planen zum Schutz gegen den Regen herumwedelten, ahnte ich Böses. Der Vogel hatte unseren viel zu lauten Artgenossen bereits den Rücken zugekehrt - er würde wohl bald die Flucht ergreifen.



Das wollten wir keinesfalls noch einmal sehen, die Szenerie behagte uns ganz und gar nicht. Ich sprach kurz mit Thomas und drehte mich dann zu Peter um, der hinter mit saß, und signalisierte ihm: Das war's. Wir wollten weg.

Peter flüsterte nun lange und intensiv mit dem Guide, und ich fragte mich schon, warum wir nicht einfach fuhren, da erklärte er uns ihre Gedanken. Sie sagte, sie kenne solche Gruppen, sie seien immer in Eile und verfügten über wenig Geduld. Da sie schon eine Viertelstunde da seien, würden sie sicher gleich weiterziehen, und dann wären wir allein mit dem hungrigen Vogel, der offenkundig fischen wolle.

Hm. Wir überlegten und gaben uns schließlich noch 15 Minuten, doch so lange mussten wir nicht warten. Die Gruppe machte sich auf den Weg. Endlich Ruhe. Puh.

Wir fuhren nicht frontal, sondern in einem Bogen seitlich an den Vogel heran. Wenn wir still wären, würde er in unsere Richtung kommen, prognostizierte der Guide. Sie hatte auch damit Recht und imponierte mir immer mehr.





Das Tier schritt langsam durch das hohe Gras und bis zur Wasserkante. Es war so still, wir hörten jede Fliege und jede Libelle, die über das Wasser flog. Es war herrlich, und der Regen hatte auch gestoppt.



Wir alle genossen dieses tolle Schauspiel, auch Peter und sein Kumpel Herbert, der für Peters Youtube-Kanal filmte. Es dauerte nicht lang, da startete der Schuhschnabel die ersten Jagdversuche.



Blitzschnell tauchte er ab und wieder hervor. Dass er so flink sein kann hatten wir diesem Vogel, der sonst immer eher in Zeitlupe unterwegs gewesen war, gar nicht zugetraut. Der erste Versuch ging noch daneben,...



...aber schon beim zweiten bewies er sein großes Geschick.



Nur kurz zappelte der Lungfish in seinem riesigen Schnabel, dann hatte er ihn schon ratzeputz verschluckt.



Wir waren schon eine ganze Weile im Sumpf und dachten, dass wir nun sicher zurückfahren würden. Doch alle an Bord waren so begeistert von dieser tollen Situation und Beobachtung, dass wir einfach noch blieben. Das Licht wurde etwas besser, und am Ende verbrachten wir fast eineinhalb Stunden als einziges Boot beim Shoebill. Uns wurde es keine Minute zu lang.





Der Vogel hatte sich mittlerweile direkt an die kleine Wasserstraße gestellt, über die wir zuvor gekommen waren. Der Weg war nun damit tabu, dumm war nur, es gab keinen anderen.



Also mussten wir uns Meter für Meter durch die Farne schieben, eine mühsame Arbeit vor allem für den Bootsführer, der uns mit einem langen Stab aus der Misere bugsierte. Jenseits des Schilfs beobachteten wir, wie der Schuhschnabel einen weiteren Fisch aus dem Wasser zog. Er war wirklich ein beeindruckender und erfolgreicher Jäger.



Auf dem Weg zurück zum größeren Boot fragte ich Peter, worüber er da eingangs so eindringlich mit dem Guide geflüstert habe. Er lachte. Er habe ihr erklärt, dass wenn wir den Vogel stören und er vor uns davonfliegt, "Betti will kill me".

Naja, ganz so drastisch würde ich das sicher nicht ausdrücken. Aber wir hatten uns in den gemeinsamen drei Wochen schon ziemlich gut kennen- und auch schätzen gelernt. Noch nie war Peter mit Gästen so lang unterwegs gewesen wie mit uns. Wir hatten uns gegenseitig sehr ins Herz geschlossen.





Zurück im ViaVia luden wir Peter und Herbert zum Mittagessen ein. Peter schwärmte von den Rolex, die es hier auf der Karte gab und die seiner Meinung nach perfekt gemacht waren. Ich liebte weiterhin meinen obligatorischen Masala Chai. Danach bat er uns um ein "Review"-Gespräch, was hatte uns gefallen, was nicht, was müsste Uganda anders oder besser machen, um den Tourismus weiter anzukurbeln.

Wir hatten ausschließlich positive Anmerkungen - bis auf zwei allerdings sehr wesentliche Ausnahmen. Wir wussten, das Thema Sicherheit beschäftigte nach den Terror-Attacken längst nicht nur uns. Und natürlich fanden wir, dass Uganda seine queer-feindliche Gesetzgebung unbedingt überdenken und ändern müsse, an der sich viele potenzielle Gäste stießen. Peter schaute ein wenig unglücklich. Wir alle wussten, da ist zumindest mit dieser Regierung wohl nichts zu machen.

Dann hieß es Abschied nehmen, denn Peter konnte uns abends nicht zum Flughafen bringen, er hatte schon am nächsten Morgen eine neue Tour. Er ist ein gefragter Mann - für uns nur allzu nachvollziehbar.

Wir befreiten Peter, den kleinen handgeschnitzten Holzgorilla, aus dem kuscheligen Handschuhfach, er würde mit uns die lange Reise nach Deutschland antreten. Der echte Peter übergab mir außerdem ein kleines Tütchen, das meine heißgeliebte superscharfe Chilisauce sowie schwarzen Tee aus Uganda und eine Gewürzmischung enthielt, beides würde in Kombination mit Milch den Masala Chai ergeben, der mein täglicher Begleiter geworden war.

Als wir ihm das Kuvert mit dem Trinkgeld überreichten, sagte ich eher instinktiv: "I can see a washing machine". Über das Thema hatten wir uns unterwegs intensiv unterhalten. Die Summe sollte wohl ausreichen, wir rechneten allerdings nicht wirklich damit, dass er das Geld in eine Waschmaschine investieren würde, und es war natürlich seine Entscheidung. Wir wussten, er will sich als Tour-Guide und - Manager selbstständig machen. Und das bedeutet erst einmal hohe Kosten.

Wenige Wochen nach unserer Rückkehr erhielten wir allerdings eine WhatsApp, und wir sahen auf einem Foto Peter und seine Frau in einem Geschäft mit vielen großen Pappkartons. Wir überlegten kurz, bis der Groschen fiel: "Sie haben eine Waschmaschine gekauft", rief ich aufgeregt, und Thomas fragte nach, ob das tatsächlich stimmte.

Wir lagen nicht nur richtig, sondern bekamen am Abend noch eine weitere Nachricht, nachdem Familie Mugogo die Maschine eingeweiht und gemeinsam fasziniert beobachtet hatte, wie sie reibungslos ihren Dienst tat. Sie hätten nie gedacht, wie leicht so eine schwere Arbeit fallen könne und wie viel Zeit sie nun für andere Dinge besser nutzen könnten, schrieb Peter. Wir freuten uns mit ihm und seiner großen Familie und tun das heute noch, wann immer wir daran denken.

Den Rest unseres letzten Tages in Uganda verbrachten wir im Garten, der uns mit seinen vielen Vögeln erneut begeisterte.







Der Palmgeier fand sich am Nachmittag auf seinem Lieblingsplatz auf der gegenüberliegenden Seite des Sees ein und auch die Turakos kamen am frühen Abend wieder vorbei.







Darunter war zu unserer großen Begeisterung auch ein Rossturako-Pärchen, diese Vögel hatten wir auf der gesamten Reise noch nicht zu Gesicht bekommen.



Leider war es schon sehr dunkel, wir freuten uns dennoch, dass wir sie auf dem letzten Meter noch sehen durften. Ein Mitarbeiter hatte uns netterweise auf sie aufmerksam gemacht. Wir hätten sie glatt übersehen, obwohl sie direkt in den Baumkronen über unseren Köpfen saßen und ich sogar immer wieder Ausschau gehalten hatte.



Schließlich packten wir unsere Sachen zusammen, parkten sie vorne an der Rezeption und setzten uns dann ins Gartenrestaurant. Das war am Freitagabend besonders gut besucht, eine entspannte Atmosphäre mit leckeren Getränken und tollen Gesprächen, es war leicht, sich hier wohl zu fühlen.

Schließlich mussten wir gehen, das Taxi kam. Der junge Fahrer erzählte uns auf dem kurzen Weg zum Flughafen von seinen Hoffnungen auf ein neues und gerechteres Uganda. Wir wünschen ihm, dass seine Träume wahr werden und die vieler Menschen in Uganda, vor allem der Jüngeren; und dass auf den Diktator Museveni eine echte Demokratie folgt. Wie schwierig, wenn nicht gar unmöglich das ist, zeigt die Dokumentation über den Rapper und Politiker Bobi Wine, der sich dem langjährigen Präsidenten und Unterdrücker bei den Präsidentschaftswahlen 2021 entgegenstellte.

Bobi Wine: The People’s President (2022)
www.filmstarts.de/kritiken/306620.html

Wir beide waren am nächsten Tag in unserer Welt zurück, die so anders ist als die in Uganda. Wir waren froh, diese Reise trotz anfänglicher Bedenken gemacht zu haben, sie war eine außerordentliche Erfahrung und ein voller Erfolg, nicht zuletzt dank Peter.



Vielen lieben Dank, dass ihr diese Tour mit uns gedanklich wiederholt und uns begleitet habt! Es hat mir riesigen Spaß gemacht und unsere Erlebnisse wiederaufleben lassen. Für diese Möglichkeit und den Austausch mit euch anderen Afrika-Verrückten bin ich immer wieder dankbar. Es folgt noch das abschließende Fazit.
Letzte Änderung: 03 Nov 2024 09:20 von Beatnick.
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02 Nov 2024 18:04 #696525
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Das Fazit: Die Perle Afrikas?

Winston Churchill hatte das Gebiet des heutigen Uganda einst als "Perle Afrikas" bezeichnet. Fruchtbare Böden, eine abwechslungsreiche Landschaft, viel Wasser durch zahlreiche Seen, ein angenehmes Klima und eine reiche Tierwelt dürften sein Bild geprägt haben, und all das trifft auch heute noch zu.



Uganda hat seinen Besuchern viel zu bieten. Einiges ist gemeinhin bekannt und fast immer Teil des Programms, wie Trekkings zu den Berggorillas und den Schimpansen.





Anderes hatten zumindest wir gar nicht oder wenigstens nicht so eindrucksvoll erwartet, wie zum Beispiel den Vogelreichtum oder auch die vielen Gesichter der wunderschönen Landschaft. Berge, üppige Regenwälder, der Nil, der Viktoriasee als größter See des Kontinents, die Sümpfe und natürlich Savanne, all das gibt es in diesem Land im Herzen Afrikas auf relativ kleinem Raum und auf einer Rundreise gut erreichbar.







Wir sind sehr froh, dass wir diese Reise gemacht haben, trotz aller Bedenken im Vorfeld, die ich auch im Nachhinein nicht für übertrieben halte. Es war aus meiner Sicht richtig, sich in dieser damals sehr besonderen Situation nach den tödlichen Attacken intensiv mit der Sicherheitslage zu beschäftigen und die Route entsprechend anzupassen. Als wir dann schließlich im Land unterwegs waren, fühlten wir uns nicht zuletzt dank Peter sicher und gut aufgehoben. Mittlerweile hat sich die Lage anscheinend entspannt, zumindest für den Moment.

Diese Routenänderung war für uns notwendig und hat uns leider um den Besuch des Queen Elizabeth Nationalparks gebracht, aber dafür Ersatzaktivitäten beschert, die wir nicht missen möchten. Wie beispielsweise das Golden Monkey Trekking im Mgahina Gorilla NP. Oder die zahlreichen Besuche bei den Shoebills.







Sie zählten sicherlich zu den Höhepunkten - wie natürlich auch die beiden Gorilla-Trekkings. Beide Besuche waren sehr unterschiedlich, Mgahinga liegt aber nicht so sehr auf der Hauptroute der Touristen und weckt daher eher ein "Entdeckergefühl" in mir als Bwindi. Deutlich mehr Tiere und Gorilla-Familien gibt es aber in Bwindi. Das Trekking selbst war wiederum in Mgahinga leichter, es hat eben alles etwas für sich und wie immer in der Wildnis auch ein bisschen mit Glück zu tun.







Unter den damaligen Umständen war die Route genau richtig für uns. Keine Station auf dieser Reise war überflüssig oder unattraktiv, nichts hat uns enttäuscht, vieles positiv überrascht. Drei Wochen waren eine gute Zeitdauer, mehr geht immer und lässt sich problemlos füllen.

Was hätte ich noch besser planen können? Ich denke, nur Kleinigkeiten. Wie eine dritte Nacht in der Turaco Treetops Lodge. Dort hätten wir wohl eine weitere Birding-Tour am Morgen unternommen und vielleicht auch einfach nur Zeit auf unserer Terrasse mitten im Regenwald verbracht. Turaco Treetops und die Mihingo Lodge mit dem phantastischen Essen waren die beiden überragenden Unterkünfte auf dieser Reise, insgesamt waren alle gut bis sehr gut. Zum absoluten Luxus-Segment, das es natürlich auch in Uganda gibt, kann ich nichts sagen.





Das Land ist dichter besiedelt als wir es erwartet hatten, das Straßennetz gut ausgebaut. Mit Guide war das Reisen im Land absolut keine Herausforderung. Die Einheimischen sind freundlich und in aller Regel mangels Massentourismus weder genervt von den Besuchern, noch versuchen sie aus jeder sich bietenden Gelegenheit Profit zu schlagen.

Insgesamt kam uns das Land vielerorts noch touristisch "unverdorben" vor, und das ist ein sehr großes Plus. Kein Massenandrang, keine gestressten und bedrängten Tiere in den Nationalparks, keine Abzocke, große Flexibilität auch bei kurzfristigen Umbuchungen sogar noch während der Tour, das hat uns an Uganda extrem gut gefallen.



Wir waren im Januar unterwegs und damit in der Trockenzeit, doch es war ein ungewöhnliches Jahr für Uganda. Es kann dort jederzeit regnen, aber seit August 2023 hatte es täglich teilweise starke Niederschläge gegeben. Immerhin brauchten wir keine Regenklamotten, denn wenn es regnete, dann fast immer nachts. Doch morgens und abends war oft viel Feuchtigkeit in der Luft, dass der Dunst das Fotografieren erschwerte.



Sollten wir noch einmal nach Uganda reisen, dann würden wir wohl Juni/Juli als Reisezeit wählen. Dann sollen die Tage klarer sein. Wie großartig muss dann der Blick hinunter auf den Bunyonyi-See sein? Oder auf die Krater-Seen, die wir diesmal aus Sicherheitsgründen ausgelassen hatten. Oder auf die umliegenden Hügel bei der Nil-Bootsfahrt zum Delta, ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise mit grandiosen Vogelbeobachtungen.





Ihr ahnt es sicher schon: Sehr gern möchten wir Uganda noch einmal bereisen. Einige Dinge wiederholen, weil sie so schön waren. Zudem eine Schimpansen-Habituierung mitmachen. Vielleicht in den Norden bis zum Kidepo fahren. Den QENP einbauen. Mehr Zeit im Murchison-Falls-Nationalpark verbringen. Eine Birding-Tour in Bwindi unternehmen.

Es fällt mir eine Menge ein, auch ohne groß zu überlegen. Nur die Gorillas, die würden wir beim zweiten Mal wohl außen vor lassen. Weil unsere Erlebnisse so eindrücklich waren, dass sie für uns kaum zu steigern sind. Die Erinnerungen bleiben. Und weil die Trekkings überdies kostspielig sind - Tendenz steigend. Ohne Gorilla-Trekking - dazu noch zwei - fällt der Gesamt-Reisepreis rapide.



Ob wir die zweite Tour tatsächlich anpacken? Gute Frage. Wir sind hin- und hergerissen. Viel hängt von der Entwicklung des Landes ab. Die Korruption und ihre Folgen sind offensichtlich. Trotz seiner offenkundigen Vorzüge gehört Uganda zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Nationalparks schrumpfen, weil sich Politiker nehmen, was sie eigentlich bewahren sollten.

Immerhin, bei den Gorillas funktioniert der Schutz, die Population wächst. Anders als die der Löwen, ihre Anzahl schrumpft zusehends im Zuge der Mensch-Tier-Konflikte. Die Menschen sind arm, und sie werden wie überall mehr. Es braucht Programme, Ideen und Bildung, um ihnen die Bedeutung des Artenschutzes nahe zu bringen und sie wirtschaftlich am Gewinn durch den Tourismus zu beteiligen.

Artikel:
Rückgang der Löwenpopulation bedroht die Vielfalt der Tierwelt in Uganda

Einige Bedrohungen sind auch für Touristen auf den ersten Blick erkennbar. Wie ein Mahnmal erhebt sich der Bohrturm inmitten des Murchison-Falls-Nationalpark. Was wird nach Beginn der Ölförderung aus dem größten Schutzgebiet Ugandas? Die Lkw scheinen mittlerweile zu rollen und schränken die Natur sowie das Naturerlebnis ein.

Kommt es vielleicht noch schlimmer? Und wer und was kommt nach Präsident Museveni? Etwas Besseres, wie es sich die Jugend wünscht? Ich bin skeptisch. Und dann ist da noch das international zu Recht massiv kritisiertes Anti-LGBTQ-Gesetz. Es ist und bleibt uns ein riesiger Dorn im Auge.

Aber werden Dinge besser, wenn wir wegbleiben? Die Touristen kein Geld ins Land bringen, keine eigenen Erfahrungen und kein Wissen, das sie mit der Bevölkerung teilen können? Haben Tiere und Nationalparks überhaupt noch eine Chance, wenn die Besucher ausbleiben?







Uganda ist trotz allem eine Perle, wenn auch nicht auf Hochglanz poliert. Mit landschaftlichen Möglichkeiten und Variablen, die vielleicht auf dem amerikanischen Kontinent mit denen von Costa Rica vergleichbar sind. Nur wer vor allem Savanne sucht, ist in anderen Regionen Afrikas wohl besser aufgehoben als in Uganda.

Last, but never least ist noch einmal Peter zu erwähnen. Mit ihm hatten wir das Glück einen Menschen zu treffen, der sein Land liebt wie wahrscheinlich kein Zweiter - und die Dinge dennoch differenziert betrachtet. Er hat uns als Guide wie als Soziologe Einblicke beschert, für die wir dankbar sind. Der Kontakt hält - und bislang auch die Waschmaschine. ;)



Ich danke euch sehr für eure tolle Begleitung, es hat mir riesig Spaß gemacht. Bleibt gesund und munter, genießt das Reisen und unser geliebtes Afrika. Ganz egal, wohin es euch dort verschlägt.

Liebe Grüße,
Betti

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