THEMA: Moskito-Tracking in Uganda
29 Jun 2012 08:13 #241361
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8. Juni 2012

Unser letzter Morgen im Kidepo und Immer-noch-Pissed-Willi verweigert uns den Morning Drive… Die Fahrt wäre zu lang und es koste zu viel Zeit (oder sowas Ähnliches – wir haben immer noch Verständigungsprobleme) Christoph steigen schon die Rauchwölkchen aus der Nase. Wir haben diese völlig abartige Anfahrt hinter uns gebracht für einen Tag Kidepo? Der erste Nachmittag fiel ja schon ins Wasser – oder eher ins Schlammbad – aber nun scheint die Sonne und wir wollen TIERE! Es ist nichts zu machen, Willi hat die Autoschlüssel - wir nicht.:S


Wir schätzen er ist fürchterlich pissed! Denn als Christoph morgens zum Landi kommt, hat sich der Fleischgestank ver5oofacht! Besonders grauenvoll – vor allem für einen „Vegetarier“ :P :P :P . Willi behauptet, im Auto wäre weder Fleisch noch Gestank. Aber Christoph, getrieben von der Vorstellung die nächsten 2,5 Wochen diesen Gasen ausgesetzt zu sein :sick:, bleibt verdammt hartnäckig. Irgendwie schafft er es, Willi dazu zu bewegen das Auto von Fleisch (das es nie gab) und Gerüchen (die wir uns eingebildet haben ;) ) zu befreien, bevor wir starten…..phuuuuu

Auf der Rückfahrt werden wir immerhin mit einer traumhaften Landschaft belohnt.











Nach knapp 5 Stunden erreichen wir Gulu. Okay, es gab zwischendurch eine kleine Autopanne, war aber in 45 min behoben (falsch! 2 Minuten für die Panne 43 Minuten bis der Landi wieder anspringt :evil: ). Immerhin wissen wir jetzt, dass die blöde Karre nie anspringt wenn sie warm gelaufen ist. Das erklärt auch, warum Willi auch bei laufendem Motor tankt, und stets den Motor anlässt, wenn er für sich kalte Getränke kaufen geht oder zum telefonieren anhält. Btw: Willi hat die ausgesprochene Telefonitis. Jede Fahrt wird mindestens durch 15-20 mal Handyläuten gestört. Zum Ausgleich gibt es keine Musik und kein Radio. Das „stört“ Willi beim Autofahren. Is klar! Mit Background Musik zu Telefonieren ist auch echt doof….;)


In Gulu ist es laut und geschäftig. Dank unseres Bradt Reiseführers (sorry für die Schleichwerbung, aber das Ding ist unerlässlich!) finden wir einen Supermarkt (von dem Willi auf der Hinfahrt behauptet hat, dass es sowas in Gulu nicht gibt), tricksen unseren „Bewacher“ aus und machen eine Mini-Shoppingtour. Wohlbeladen mit Essen, kalten Drinks (ENDLICH), Zeitung und dem revolutionären Gefühl von Eigenständigkeit kommen wir zurück und müssen feststellen, dass aus Pissed-Willi nun saumäßig-mega-pissed-Willi geworden ist. (Wir hielten 30 min Freiheit für legitim, Willi hält Pausen für Zeitverschwendung) Nun denn, trotzdem geht es weiter Richtung Murchinson Falls NP.












Denken wir! Denn Pissed-Willi schlägt eine völlig falsche Richtung ein. Darauf angesprochen, erklärt uns Willi dass er über Masindi fahren will. MASINDI? Das würde bedeuten wir fahren über 200 km in den Süden um dann nochmal 100 Km im Park nordwärts zu fahren. Also schlappe 3-4 Stunden zusätzlich. Wir versuchen zu diskutieren – Willi fährt stur weiter. Christoph hält ihm die Karte unter die Nase. Willi meint „No!“ Christoph resigniert irgendwann. Und ich? Ich raste auf meinem Hinterbänkle völlig aus! Das immerhin bringt ihn zu Anhalten (bei laufendem Motor versteht sich). Jetzt kommt raus dass Willi keine Karten (und vermutlich gar nicht) lesen kann. ABER WIR KÖNNENS! Unsere angebotene Hilfe scheint ihn nicht zu überzeugen. 3 zusätzliche Stunden sind für uns keine Alternative…. Scheiß-Situation!

Christoph ruft wechselweise bei unserem deutschen bzw. dem ugandischen Reisebüro an, das Deutsche erreicht er. Man würde sich drum kümmern – was immer das auch heißen mag… Willi ist nun wohl doch ein wenig beeindruckt und wir fahren zurück nach Gulu. Die afrikanische Roadmap (= frage irgendwelche Leute und zur Sicherheit noch mal welche und wenn auch der dritte das Gleiche sagt, passt es) funktioniert einwandfrei. Wir können den direkten Weg nehmen.




Ds Gate zum Murchsinson NP - irgenwie sind die im südlichen Afrika beeindruckender ;-)



Leider stellen wir fest, dass unsere Karte bezüglich km-Angaben vorne und hinten nicht stimmt – aber mit stetem Nachfragen kommen wir weiter. Der direkte Weg von Gulu in dem Murchsinson Falls NP besteht noch nicht lange, bzw. galt lange Zeit als „unsicher“. Inzwischen fangen die Ugander aber an ihn zu teeren und auch wir hatten mindestens 20km eine geile Straße!

Kurz vor dem Gate des Nationalparks erreicht uns eine SMS des deutschen Veranstalters: “Sie werden die letzte Nil Fähre nicht mehr erreichen, fahren Sie über Masindi“. Christoph und ich schauen uns an: ZURÜCK???? No way! Wir gehen das Risiko ein. Am Gate erfahren wir dass wir noch lässige zwei Stunden Zeit haben, bis die letzte Fähre fährt. Die Fähren dort fahren immer von morgens 7.00 – 19.00 Uhr. Sehr vertrauenserweckend, dass ein Uganda-Spezialist sowas nicht weiß :unsure:

Ein Ranger vom Gate bittet um einen „Lift“. Er sieht zwar unser fettes Grinsen, aber er ahnt nicht welch großen Gefallen er uns damit tut. Willi muss anständig fahren – wir sehen den Park und können Fotos schießen!











Sehr sehr geil! Wir haben Sonne und Tiere! Leider sind wir nach einer knappen Stunde schon an der Nil Fähre und können übersetzen.






Die weiteren 24 km zur Sambiya River Logde sind durch hohes Dickicht völlig unspektakulär. Langsam dämmert uns, dass die Paara Lodge die bessere Alternative gewesen wäre. Trotzdem freuen wir uns auf eine warme (!) Dusche und Strom!!! Die Enttäuschung kommt leider recht schnell: Die Sambiya River Lodge wurde wahrscheinlich vor 30 Jahren eingerichtet (in einer Art „Recklinghausener Barock“ bzw. der afrikanischen Variante davon) und strahlt auch sonst eher einen leicht verfallen Charme aus. Das heißt, soweit wir das im Dunklen beurteilen können…
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29 Jun 2012 19:41 #241460
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9. Juni 2012

Als wir um 6.00 Uhr abfahrbereit vor Willis Landi stehen, sind wir „klinisch tot“. Langsam zehrt der „Urlaub“ an unseren Kräften. Trotzdem, kaum sind wir an der Fähre steigt die hammermäßige Vorfreude auf … gleich geht’s lohos!!!

Wir machen einen Gamedrive und dieser entlohnt uns für die ganzen Mühen. Schöner Park, tolle Tiere! (und vor allem VIELE). Wir sehen, Elefanten, Oribi, Uganda Kobs (kannte ich bis dahin noch nicht) Büffel (es ist in Uganda schwerer keinen Büffel zu sehen, als nicht darüber zu stolpern) , Nilpferde und vieles mehr. Sogar drei Löwen zeigen sich kurz. Safari-Herz was brauchst Du mehr?

















Nach drei Stunden ist der Gamedrive vorüber. Ohhhh… Willi packt uns ins Auto und fährt los.

Okay?!?! Wir haben keinen blassen Schimmer wohin… :unsure:

Da in unserem Reiseverlauf nur Ort und Lodges stehen und höchstens eine Zusatzinfo wie Bootsfahrt, Gamedrive – aber keine Zeiten, Zeitdauern (hier hieß es im Vorfeld: Sprecht das mit dem Fahrer durch), müssen wir sehr oft nachfragen.

Ein typisches Info-Gespräch mit Willi sieht (z.B. IM MURCHINSON FALLS NP) in etwa so aus:

Anja: „When will we have the boat trip?“
Willi: “ Murchinson Park”
Anja: yes, but when? Which time?”
Willi: “grumelgrumel grumel”
Anja: “I didn’t get it”
Willi: ………sagt nix…….
Anja: Willi, which time???
Willi: “today”
Anja: “BUT WHICH TIME??”
Willi:”no worry – I’ll get you there”

DANKE FÜR FÜRS GESPRÄCH!

Dass dieser perfekte Informationsfluss noch Folgen haben wird, ahnen wir zum Glück noch nicht :woohoo:


Willi fährt uns zum Chili Camp an das kleine Restaurant und wird uns kurz vor dem Bootstrip abholen. Im Restaurant (wir haben ja jetzt viiiieel Zeit) bestellen wir aus Neugierde einen African Coffee. TREFFER! Wer einen megaleckeren Milchkaffee mag, für den gibt’s African Coffee. Serviert in einer riesigen Thermoskanne, brühend heiß, aber total geil! (leider ist manchmal Ingwer drin – dann oft weniger geil)

Als Willi uns abholt, sind wir gar (innen African Coffee – außen gefühlte 50 Grad im Schatten). Das Boot hat ca. 20 Plätze und ist zum Glück keine „African Queen“, die doppelstöckig den Nil entlang tuckert. Als erstes kriegen wir fette Schwimmwesten. Is klar! Im Nil wimmelt es vor riesigen Nilkrokodilen, da helfen die Schwimmwesten sicher ungemein.:P

Dann erleben wir eine mega-coole Nilfahrt! Wir waren ja schon auf dem Chobe, fanden die Flußfahrt toll, aber noch schöner ist dieser Trip. Wir sehen die Nilkrokodile! Ob ich wohl mal so eine Schwimmweste ins Wasser fallen lassen soll, um zu sehen, was passiert? :evil: Christoph ist dagegen, er behauptet „grober Unfug“ würde auch in Uganda geahndet. Oooochhh…

Es gibt Elefanten, davor Nilperde, daneben Büffel oder/und Antilopen sowie gefühlte 1000 Arten diverser Vögel. An jedes Tier wird fotografier-bereit herangefahren. Es ist ein Traum! Das eigentliche Highlight, der Wasserfall ist weniger spektakulär – im Vergleich zu dem, was die Fahrt zu bieten hat. Kurz vor dem Wasserfall steigen einige Leute aus, um den Berg zu erwandern und sich dann von den Fahrern abholen zu lassen. Leider hab ich die falschen Schuhe an- und Willi hätte Bescheid wissen müssen.



Ein Albino-Nilpferd!



Auf „Schwimmwesten“-Suche



„Schwimmweste“ gefunden und verdaut

















Die Rückfahrt ist fast schon zu kurz und wir legen viel zu früh an. Viel zu früh ist nicht nur gefühlt…. Wir sind da – Willi nicht! Alle anderen verschwinden in Ihre Autos – wir nicht! Wir rufen George von der ungandischen Agentur an. Beschissenes Handynetz! Er versteht uns nicht! Na toll… Inzwischen ist die Bootsanlegestelle leer – bis auf uns und noch ein paar Ranger. Einer bietet uns Hilfe an und ruft gleich noch mal bei George an, damit dieser Willi Bescheid gibt. Nichts passiert.

Inzwischen beraten einige Leute, was zu tun sei (mit zwei übrig gebliebenen Muzungus). Das Gerücht taucht auf, Willi sei oben am Berg. Auf welchem Berg? Und wozu? Offenbar gibt es „auf dem Berg“ kein Handynetz. Cool! Mittlerweile finden wir „afrikanischen Recklinghausener Barock“ sehr verlockend… WIR WOLLEN IN DIE LODGE! Vielleicht fällt es Willi irgendwann doch auf, dass wir fehlen?? Vielleicht auch nicht…. WENN es ihm denn jemals auffällt, dann braucht er nur noch eine Stunde bis zu Bootsanlegestelle. Es wird inzwischen langsam dunkel…
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30 Jun 2012 09:15 #241491
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Auf Willi warten ist keine Option (falls er denn je käme)

Ob uns Löwen fressen sei mal dahingestellt :whistle:

Aber der naheliegendste Feind lauert schon: die Moskitos haben uns getrackt und freuen sich offensichtlich aufs Dinner. Als wir die ersten Mordanschläge auf die Mistviecher verüben kommt der Ranger: „Oh you’re right - you don’t wanna be bitten by the Tsetse-Flys“. TSETSE FLIEGEN??? An die hatte ich noch gar nicht gedacht! :blink:

Ein fettes Halleluja für die hilfsbereiten Ranger. Es wird telefoniert, diskutiert und rumgefragt („herrenlose Muzungus günstig abzugeben“) Um 19.00 Uhr kommt die letzte Fähre. Christoph erkennt eine Gruppe Briten aus unserer Lodge. 11 Leute in einem Minibus- für genau 11 Leute. Zuerst sind sie nicht gerade „amused“ als der Ranger sie anspricht. Hier treffen afrikanische und europäische Mentalität aufeinander. Die Briten meinen der Bus sei voll – die Afrikaner meinen „da geht noch was“. Wir setzten auf die Afrikaner! Und gewonnen… wir dürfen mit!

Ich bin so dankbar, dass ich den Engländern spontan den EM-Sieg gönne (jetzt kann ich das ja zugeben :P ). Meine Dankbarkeit wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, als wir mit Tempo 20-30 km/h und „scharfen“ Abbremsen (soweit man das bei diesem Tempo so nennen kann) den Weg entlang tuckern. Nach über einer Stunde treffen wir auf Willi, der an einer Weggabelung auf uns wartet. Er fährt den letzten km zur Lodge hinterher.

Sofort schiebe ich Christoph bei Seite, der nach 2,5 h unnötiger Warterei, kurz vor einem Mordanschlag steht. Willi sieht zum ersten Mal zerknirscht aus! Was war los, Willi? Jetzt kommt raus, dass seine Infos – wie schon vermutet – voll fürn Arsch waren (Sorry…) Denn Willi hatte auf seinem Plan (den er vor uns „geheim“ hält), dass wir wandern würden und er uns am Berg abholen würde. Wir wußten nichts davon.

Offensichtlich ist es wirklich ein Mißverständnis. Nach seinem hoch und heiligen Versprechens uns besser zu informieren, lassen wir es dabei bewenden.

Auch heute sehen wir die Lodge nur im Dunkeln… wir hätten ja gern mal gewußt was sie so zu bieten hat.
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01 Jul 2012 10:13 #241589
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10. Juni 2012

„Good Morning Anja!“ vor Schreck lass ich fast meine Kaffeetasse fallen… Ich bin offenbar in Willis Hierarchie aufgestiegen – Christoph nicht. Er kriegt nur ein „grömel“ ÄTSCH! :P

Es ist sowieso nicht Christophs Morgen. Nachdem wir im Dunkeln duschen und mit Notbeleuchtung (fast im Dunkeln) packen mussten – auf der Sambiya River Lodge gibt es ab 6.00 Uhr keinen Strom mehr – will er wenigstens einen Blick auf den Sambiya River werfen. Enttäuscht muss er feststellen, dass der einzige River in nächster Umgebung im Namen der Lodge vorkommt. :laugh:







Yes, wir haben die Lodge auch mal bei Morgenlicht gesehen!

Und Willi hält eine Überraschung für uns bereit! Er fährt uns freiwillig zum ominösen Berg hinauf – direkt zu den Murchinson Falls. Hier ist der Wasserfall wirklich schön, mit verschiedenen Regenbogen und einen einem tollen Blick über den Nil.











Leider müssen wir bald weiter. Auf dem Rückweg überfallen uns die lästigen, bissigen Fliegen, die uns schon im Kidepo angenagt hatten. Willi schließt schnell sein Fenster und - gesprächig wie er heute ist- meint „Tsetse-Flys“. …Hrrrrgggsss…. Okay, wenn das die Tsetse-Fliegen sind, brauch ich mich ja nicht mehr zu fürchten. Von denen sind wir ja schon zur Genüge gebissen worden…. Ich blättere hektisch im Reiseführer. Unter „Schlafkrankheit“ ist zu finden, dass die Ansteckungsgefahr relativ niedrig ist. Aber wieso fühl ich mich auf einmal soooo müde?
;) ;) ;)

Die Straße gleicht wieder einen schlechten Pad – dafür wird die Landschaft umso schöner. Es ist Sonntag. Wir fahren an Hügeln und Tälern vorbei. Sehen Menschen in Sonntagskleidung, Gottesdienste, Frauen die in Flüssen ihre Wäsche waschen, Männer, die in Flüssen ihre Mopeds oder Fahrräder waschen, badende Kinder. Btw. der Esel wurde hier im wahrsten Sinne des Wortes durch den Drahtesel ersetzt. Besser so! Für die Esel. Denn die Behandlung von Tieren ist schon ein Dolchstoß für unsere zarten europäischen Seelen. Hühner hängen kopfüber an Fahrrädern (lebend versteht sich) und sogar zwei lebendige Schweine werden mit einem Moped transportiert.


















Die Gegend hier ist ganz offensichtlich reicher und bunter als im Norden. Bald erreichen wir Hoima und (!!!) dürfen 45 min Pause machen! Cool! Ab durch Hoima. Eindrücke genießen (geil), Moskito Repellent kaufen (gabs nicht), dafür Zeitungen, kalte Getränke und eine ugandische Telefonkarte. Und ganz viel zum kucken.



















Zurück beim Landi steht da ein zerknirschter Willi. Der Reifen ist platt, er muss zur Tanke reifenflicken. Die geschenkte Zeit für uns verbringen wir mit einem eiskalten Nile Special. Nach weiteren 2 Stunden sind wir endlich auf der Pad zum Kibale Forrest – aber nicht lang. Vor uns steht ein Minibus mit einem Platten. Willi hilft dem Driver und nach 20 min geht’s weiter.

Nach dreieinhalb weiteren Rüttelstunden erreichen wir die Lodge. Also nicht die, die wir vermutet (und gebucht hatten). Wir waren von Chimps Nest ausgegangen – gebracht werden wir zum Kibale Forrest Nature Camp. Aha?!? Es ist inzwischen stockdunkel . Und ist alles scheißegal. Fast – denn als wir zu unserem Zelt gebracht werden, fällt der Generator aus. Mit letzter Akkuleistung meines Handys (dank iPhone gibt’s ja die Taschenlampen App – für die Großstadtindianer) finden wir unsere Taschenlampe. Die gibt einen lauen Strahl ab – bevor sie komplett kollabiert. Batterie leer – Handy Akku leer – Generator under construction. So sitzen wir im Dunkeln, müde, hungrig und verstaubt in unserem Zelt.

Gerettet werden wir von dem ausgesprochen freundlichen Personal. Man holt uns zum Essen und versorgt uns auch gleich mit einer Taschenlampe. Das was wir im Kerzenschein von der Lodge erkennen können, sieht echt toll aus. Viel Holz, liebevolle Details, nettes Personal.
Nach einiger Zeit bekommen wir zwar kein Licht – aber Essen. Zwar auch wieder ein "Versuch" von internationaler Küche – aber sehr lecker.

Dann geht das Licht an! Juhu! Keine gute Idee…. Christoph fällt vor Lachen fast vom Stuhl. Er behauptet, ich sehe so staubig aus, wie ein Sofa, das 100 Jahre auf dem Dachboden stand. (Die Scheidung ist eingereicht :P )
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Letzte Änderung: 11 Feb 2014 16:43 von Bamburi.
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01 Jul 2012 18:56 #241689
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11. Juni 2012

Nach gefühlten 2 Stunden Schlaf, kommt um 6 Uhr der Wake-up Call. Mit frischem Kaffee! Wenige Minuten später taucht der Water-Boy auf. Fließend Wasser gibt es nicht – aber das Bringen des Warmwassers klappt super. Bei 22 Liter für 2 Leute sind wir erst mal misstrauisch – aber es reicht. (Sogar für Mädchenhaarewaschen! :laugh: )

Im der Dämmerung tapsen wir zum Frühstück. Dort hören wir wie Willi den Motor des Landis aufheulen läßt. Ein klaren Signal für „He beeilt Euch!“ Heut bin ich etwas missmutig. Wir hatten uns im Vorfeld über Internet die Lodges ausgesucht – und nun sehen wir auch diese nur wieder im Dunklen. Toll! (ab gesehen davon, dass wir uns in einer nicht gebuchten Lodge befinden)

Kurz nach 7.00 geht’s los – das Schimpansen Tracking fängt um 8.00 Uhr an. 10 min später sind wir am Gate des Kibale Forrest. Da sind wir auch die ersten Touris. Und warten. Danke Willi!!!

Es folgt ein kurzes Briefing. Dann heißt es Hosen in die Socken stecken. Mann, das sieht mal beschissen aus… :( Aber Ameisen, sind wahrscheinlich noch beschissener. Nach 10 min Fahrt, werden wir im Forrest mit 2 Holländern und einer Kanadierin abgeladen. Unser Ranger führt uns mitten in den Wald. Hier sind die Bäume riesig. Schimpansen Tracking ist ein wenig anstrengend – man schaut halt die ganze Zeit nach oben.





Auf einmal wird der Guide ganz aufgeregt. Da oben! Wir schauen hoch und entdecken einen Schimpansen-Hintern in ca. 15 m Höhe. Okay, ehrlicherweise sehen wir einen schwarzen Punkt … trotzdem sind wir beeindruckt! Der schwarze Punkt hat aber keinen Bock auf uns und verschwindet weiter nach oben.

Nach Sichten von weiteren schwarzen Punkten, fängt es an zu regen. Aber nur an einer Stelle. Die Holländerin und ich schaun uns an „na ja, ist halt Regenwand“… Die Verwunderung hält nicht lange. Der Guide macht uns nämlich darauf aufmerksam, dass wir gerade untern Schimpansen Klo stehen…. :sick:

Dann hört unser Guide über Funk von einem Schimpansen Opa, der sich auf dem Boden befindet. Wir rennen los. Durchs Gestrüpp, über Äste und unter Ästen durch. Da sitzt er! Doch bevor wir fotografieren können, macht sich auch dieser wieder vom Acker. Wir rennen hinterher. Bis Mr. Oberaffe entnervt auf den Baum verschwindet. Kenn jemand das Lied: „Die Affen rasen durch den Wald“? Komplett falsch! Richtig ist: Die Touris rasen durch den Wald…. :P

Aber die Rennerei lohnt sich: Bald sehen wir die Affen auf dem Boden – oder fotogen in den Bäumen sitzen. COOOOOL! Wir dürfen zuschauen, wie sie sich gegenseitig das Fell pflegen, umarmen oder einfach Grimassen schneiden. Uns bleibt der Atem weg – so beeindruckt sind wir!


















Nach 3 Stunden geht’s in die Lodge. Auch wieder ein neues Erlebnis: Eine Lodge bei Tageslicht!





Nachmittags nehmen wir am Swamp-Walk teil. Ein Spaziergang durch die Sümpfe um die kleineren Affen zu sehen. Die hauen nämlich aus dem Kibale Forrest ab, weil sie dort von den Schimpansen gefressen werden. Christoph sieht sich vor einer neuen Herausforderung: Affen knipsen ist echt beschissen! Entweder man erkennt schwarzen Affen im dunklen Blätterwald nicht, oder Affe sitzt im Gegenlicht oder springt von Ast zu Ast. Christoph flucht und kämpft mit seinem Fotoapparat. Und eine Ehefrau, die auch noch ständig auf irgendeinen Affen zeigt: „oh fotografier doch mal den!“ mancht‘s nicht besser.


























Die Landschaft ist wunderschön. Der Wege führt durch Wälder, Tabak-, Kakao- und Reisfelder und schließlich durch die Wetlands. Wir treffen viel Bauern, die unseren Guide ständig nach den Baboons fragen. Denn die meisten müssen hier tagsüber ihre Felder bewachen, damit diese nicht leergeplündert werden. Das Verhältnis zu den Baboons ist daher nicht das allerbeste.









Nach 3 Stunden kommen wir müde, verschwitzt aber total Glücklich im Kibale Forrest Camp an. Bisher unsere beste Lodge – und wir würden jederzeit wieder dort übernachten.
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12. Juni 2012

Nach dem Frühstück geht es weiter Richtung Queen Elisabeth NP. Der erste Stop ist Fort Portal. Willi fährt uns in irgendeine Gasse, hält an und meint wir sind da. DA? Wo da? Dann entdecken wir ein Schild mit unserem ungandischen Reiseveranstalter. Christoph ist schon leicht pissed, denn er hätte gerne vorher gewußt, dass wir dorthin gekarrt werden.

Drinnen empfängt uns jemand, der eindeutig nicht George ist. Wahrscheinlich hat der gar keinen Bock auf uns und hat sich verkrümelt. Nicht-George ist ebenfalls genauso wenig verhandlungsbereit: Willi sei der „beste Mann“ (oh jeee.. wie mögen dann die anderen sein), Änderungen kommen in Afrika eben vor und wir sollen zufrieden sein, dass wir nicht noch gegebenenfalls draufzahlen müssen. Ich sehe wie Christophs Hals langsam anschwillt.:angry:

Dann zückt Nicht-George unseren Reiseablauf und wir vergleichen die einzelnen Punkte. Dreist wie wir sind, wollen wir wissen, WAS sich noch alles ändert. Dass wir nun 4 Tage in der Nkuringo Lodge sein werden, hatten wir schon zu Beginn der Reise erfahren. Angeblich hätte das aber keine Auswirkungen. Das können wir ungefähr zweieinhalb Minuten glauben. Dann meint Nicht-George unser Gorilla Tracking sei ja am 19.Juni. Äh nee! Am 17.Juni! Extra so geplant, damit wir eventuell ein zweites machen können. Nicht-George ist nicht verhandlungsbereit. Wir haben zwar einen Voucher für den 17. – daraus können wir aber bestenfalls einen Papierflieger basteln….:evil:

Christoph steht auf und verlässt die Agentur (besser so, sonst wäre ein Unglück geschehen). Ich gebe mein Bestes – das beeindruckt Nicht-George Null, Niente, Nada. Da wir weder eine Mordwaffe besitzen – noch Freunde bei der Mafia haben, gehen wir megamäßig angefressen.

Willi muss noch was erledigen, also werden wir in Fort Portal freigelassen. Für Einkäufe ist die Stadt optimal. Besonders schön ist sie nicht, aber hat geteere Straßen und sieht ansonsten sauberer aus als Hoima und Gulu. Wir erstehen u.a. zwei Bottles Moskito Repellent (eine Sorge weniger). Dann geht’s weiter.

Christoph versucht nun die ganze Zeit schon unseren deutschen Reiseanbieter zu erreichen. Forget it. Er schreibt eine deutliche SMS und zurück kommt: „Selbst Schuld, Sie haben schließlich der anderen Lodge zugestimmt. Außerdem können ja das zweite Gorilla Tracking vor dem ersten machen. Hier gibt es viele Möglichkeiten z.B. im Kongo. Kein Problem!“

Was der längere Verbleib in der Nkuringo Lodge mit dem Gorilla Tracking zu tun hat, verstehen wir (noch!!!) nicht. Was uns ins Auge sticht ist DER KONGO??? Da ist der der Park doch wegen Kriegshandlungen geschlossen? :unsure:

Zurück kommt per SMS: „Der Kongo ist sicher, ich hatte erst letzte Woche Touristen dort“.

Unser Vertrauen ist dahin. Ich schreibe eine HELP ME-SMS an Heinz (Bloke) er möge doch mal im Namibia Forum nachsehen. Das macht er offensichtlich auch umgehend und schickt uns folgendes: „Der Park ist wegen Kriegshandlungen bis zum 27. Juni geschlossen.“ (nochmal 1000 Dank nach Mühlacker :kiss: )

Hilflos vor Wut quillen uns kleine Rauchwölkchen aus Nase und Ohren. Bis zum Äquator. Den wollen wir uns nicht vermiesen lassen (soooo oft ist man ja nicht da). Und schießen – wie wohl alle Touris – Fotos wie die Irren.




Gegen Mittag erreichen wir die Kingfisher Lodge. Und bekommen ein Chalet mit traumhaftem Blick über die Landschaft! Innen ist es eher spartanisch eingerichtet. Ein Bett, Nischen in der Wand für Koffer. That’s it. Aber mit schönem Bad, warmen Wasser und Strom!











Gegen späten Nachmittag geht’s auf Gamedrive. Die Anfahrt zum Gate dauert ca. 30 min auf einer wirklich elendigen Straße. Wir fahren völlig aufgeregt durch den QENP und sehen nichts. Ein paar verstreute Antilopen – das wars. Völlig enttäuscht treten wir den Rückweg an. Da! Im Baum! Ein Löwe!!!! Angeblich gibt’s die baumkletternden Löwen hier nicht – ist uns wurscht, denn da isser!!!




Irgendwie kommen wir wieder aus dem Park, ohne durch das Gate zu fahren und kehren wir zur Lodge zurück. Das Abendessen ist okay – der Speisesaal hat was von einer gotischen Kirche (Spitzbögen), aber der Ausblick auf die Landschaft ist auch da genial!
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