THEMA: Moskito-Tracking in Uganda
04 Jul 2012 10:09 #242035
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13. Juni 2012

„BSSSSSSSSS….“ Ich wache auf und habe Mordgedanken. Eine der 3000 Moskitos, die uns nachts getrackt hatten, verlangt dreisterweise Einlaß durchs Mossi Net. Am Vorabend habe ich – nach 8 Jahren Treue und Glauben an Peaceful Sleep – zum neuen Moskito Repellent gegriffen. Die knallrote Flasche mit den fetten schwarzen Lettern „OFF“ sah vielversprechend aus. Und es hilft – genauso viel oder wenig wie Peaceful Sleep.

Laut Reiseführer zeichnen sich die A Lodges dadurch aus, dass sie keine Löcher im Mossie Net haben. Das mag vor 100 Jahren der Fall gewesen sein. Wir hatten in fast allen Lodges mehr oder weniger große Mossi-Eingänge. Von Beginn an, checken wir jeden Abend die Netze und verkleben, die Löcher mit Pflaster. Ohhhkay, ich geb zu, es sind Bärchenpflaster – die ich aus einer Laune heraus gekauft hatte. Wer also in Uganda Mossi-Netze mit Bärchen entdeckt – schönen Gruß von Anja und Christoph. (Bärchen)Pflaster, Mossi Net und diverse Arten von Moskito Repellent haben UNS also nicht geholfen. Wer dazu Tipps hat – HER DAMIT! B)

Beim Morning Drive im QENP steigt heute ein Ranger zu. Ha, das erhöht unsre Chance auf fette (Photo-) Beute!!! Von wegen... Die ersten Zweifel kommen schnell. Der Ranger erzählt uns von vielen Löwen und Leopards hier im Park. Dann schlägt er ein Tierbuch auf, zeigt uns einen Serval und meint: „Look! There’s a leopard – I will find it for you!“ Okay…… aber er ist ansonsten nett und sehr bemüht.








Irgendwann entdecken wir eine Löwen-Mama, die eiligst ihre Kleinen vor uns im Gebüsch versteckt. Damit wir besser sehen können, dürfen wir aussteigen. Aha….?!? Christoph überlegt noch kurz, woher denn der Ranger weiß, dass sich der Papa nicht genau hinter uns befindet… aber wir wollten auch nicht kleinlich sein und schwups sind wir raus aus dem Landi. Papa Löwe läßt sich zwar nicht blicken (wer will schon Moskito-zerfressene Touris futtern???), aber Mama-Löwe ist umso aufmerksamer und sobald wir ein Ohrläppchen einen Kleinen entdecken, wird Junior gleich wieder zurückbeordert. Kein Spaß für den Photographen…. :S

Als wir zurück kommen, haben wir zum satte 2 Stunden Pause. Juhu! Ich darf in den Pool und meinen neuen Bikini ausprobieren. Vor wegen. Kaum setzte ich einen Zeh in den Pool, kommt auch schon der Poolboy angewetzt und will zuerst den Poll säubern. Meno! Da hilft kein Diskutieren . Raus aus dem kühlen Wasser. Dann steigt der Poolboy rein um mit einer Riesenpoolnudel die wenigen Blätter abzufischen. Dazu zieht er sein Shirt aus. Wow! Balotelli vergiß es! Gegen den hast Du gar keine Chance!!! :evil: So hab ich doch noch einigen Spaß – zwar nicht im – aber am Pool.



Auch auf der Lodge gibt es interessantes zu sehen – wie diese hammergeile Agame


Dann geht es auch schon wieder los. Der Bootstrip auf dem Kazinga-Channel steht auf dem Programm. Dieser verbindet Lake George (geändert, danke Marina!) mit Lake Edward und ist mit 40 km der längste Kanal der Welt. Wir sehen 10 km davon. Und sind total begeistert.





Kaum sind wir losgefahren, sehen wir Elefanten, Büffel - davor Hippos, Krokos, jede Menge Vögel. Einfach Wahnsinn! Ich finde Vögle ja immer ganz nett – aber nie soooo spannend, wie Elefanten oder Löwen. Hier werde ich eines Besseren belehrt. Sensationell! Angeblich soll es im Kazinga auch die meisten Hippos in Uganda geben – ob das stimmt, keine Ahnung. Es sind auf jeden Fall beeidruckend viele. :woohoo:





























Als wir näher an den Lake Edward kommen, sehen wir wie die Fischer, die nun in ihre Boote steigen. Jagen dürfen die Einwohner der naheliegenden Communities im Nationalpark nicht. Fischen ist erlaubt. Obwohl viele Wilderer mit Fischerbooten in die Schutzgebiete eindringen, um dort zu jagen. Ein großes Problem für die Ugandan Wildlife Authority, das bisher noch nicht gelöst werden konnte. Ich finde auch recht beunruhigend, dass die Menschen im Kazinga baden – ein paar Metern von den Nilkrokodilen entfernt. Dass hin und wieder einer gefressen wird, ist wohl auch nichts Ungewöhnliches. Wenn man dagegen Südafrika mit seinen Hai-Netzten, Schutzzäunen, Warnschildern vergleicht, dann wird mehr als deutlich, dass wir uns hier in einer anderen Welt bewegen.








Zurück auf der Lodge sind wir immer noch total geflashed von den Eindrücken. Wir hätten eigentlich gerne eine zweite Tour auf dem Channel gemacht, aber dazu reicht die Zeit nicht. Sehr schade! Abends gibt es zum ersten Mal Buffet. Es sind insgesamt ca 15 Touris da. Eine „Menschenmasse“ die wir schon gar nicht mehr gewohnt sind. Zum ersten Mal gibt es Kochbananen – die wir bisher nur im Rohzustand gesehen hatten. Vorab hatten wir in Stuttgart bei einem Afrikaner Kochbananen probiert und sie für gut befunden.

Deshalb ist unsere Enttäuschung umso größer als wir nun „Matoke“ probieren. Da hier ist ganz anders: Es sieht aus wie ein Ananas-farbener Kartoffelbrei – und schmeckt wie Kartoffelbrei :dry: Aber aus nicht ganz reifen Kartoffeln. Ziemlich unspektakulär. Außerdem kommen wir uns durch die vielen Leute vor, wie auf dem Cannstatter Wasen – deshalb schnappen wir unser Nile Special und verbringen den restlichen Abend auf unserer Terasse.
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05 Jul 2012 11:26 #242237
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13. Juni 2012

Der Weg vom Queen Elisabeth NP zum Ishasha-Teil beträgt nur 3 Stunden. Wir freuen uns auf eine kurze Fahrt, denn langsam geht uns das Gerüttel (und mir zusätzlich das Eingestaubt-Werden) gehörig auf den Keks.

Auf dem Weg fragt Willi ein entgegenkommendes Auto, wegen der kaputten Brücken und wir erfahren dass die Ishasa-Brücken noch hinüber sind. Das bedeutet einen „kleinen“ Umweg von 3 Stunden.




Blöd nur, dass Willi den Weg nicht kennt. Auch dass er keine Karten lesen kann. Wir fahren also wieder nach afrikanischer Roadmap (durchfragen). Wir passieren einen kleinen Ort, sehen einem Markt und mitten auf der Kreuzung bleibt Willi unschlüssig stehen. Ich denke, er ist unschlüssig. Doch auf einmal merke ich: hier fehlt was. Kein Geruckel – kein Geratter. Der Motor ist aus.

Wirklich blöde Idee hier zu parken! :unsure: Und wieso ist der Motor aus? Das macht Willi doch nie? Hinter uns hupt es. Laster, vollbeladen mit Menschen, wollen vorbei. Willi tut nichts. Es hupt wieder. Leute schauen in den Landi – wir schauen ratlos aus dem Landi. Willi? W I L L I! „Something wrong“ ist endlich die Antwort. Ich steige aus. Da erwacht unser Driver aus seiner Schockstarre! Flüchtiger Muzungu? Nein, er schreit die umherlaufenden Leute an, sie sollen schieben. Recht schnell sammelt sich eine Traube und wir schieben den Landi an die Seite. Immerhin hört die Huperei jetzt auf…

Als der Landi nun an der Seite steht, diskutieren Willi und die Leute wild miteinander. Diejenigen, die nicht diskutieren starren auf die zwei Muzungus. Offenbar sind wir hier recht abgelegen von allen Touri Durchfahrtsstraßen, so dass wir schnell zur Attraktion werden. Endlich kommt einer auf die Idee, die Motorhaube zu öffnen. Unsre Hoffnung schwindet, als nun alle ratlos in den Motor schaun und weiterdiskutieren…





Während die Fachwelt debattiert, schau ich mich ein bisschen um. Offenbar ist das hier der Transport-Umschlagplatz für Menschen. Ständig kommen Autos oder LKW vollbeladen an, einige steigen aus, einige steigen zu, andere warten. Eine Frau auf einer Ladefläche kuckt ständig interessiert zu mir rüber. Nach ein paar Minuten geh ich hin und unterhalte mich mit meiner „Freundin“. Sie bittet mich um eine Zigarette – kaum hat sie die Bitte ausgesprochen, fragt mich ein Junge von ca. 14 Jahren ob ich auch für ihn eine hätte. Das geht gar nicht! :angry:

Ich versuche Ihm zu erklären, dass er eindeutig zu jung fürs Rauchen sei. Auch meine „Freundin“ ist recht betreten und erklärt mir beschämt, sie habe Hunger und Rauchen würde helfen… Das geht erst gar nicht! Ich springe zum Landi (sie sind immer noch am Diskutieren) hole unsere letzte Packung Kekse raus und geb sie meiner „Freundin“. Alle schaun auf die Kekse… Also ab in den Laden, mit dem Finger auf alles Keks-Ähnliche gezeigt, gekauft und auf der Ladefläche verteilt. Irgendwann fährt das Auto los, wir werden mit viel Winken und besten Wünschen verabschiedet.




Aber wir bleiben nicht lang allein. Einer der anderen Wartenden hat einen kleinen Fotoapparat dabei und fotografiert uns. Ein anderer spricht mich an und fragt, ob ich nicht bei ihm bleiben will… Christoph schaut recht interessiert und bevor sich mein liebender Ehemann überlegen kann, wie viele Ziegen er wohl für (s)eine Zicke kriegen kann – schiebe ich ihn in den gegenüberliegenden Bottlestore. :P Wir erstehen zwei Coke. Das ging leicht. Schwierig wird die Verhandlung um den Öffner. Eigentlich ja nur um die Nutzung desselben. Der Besitzer will den Öffner nicht aus der Hand geben – offenbar traut er uns (Weißen) nicht.

Nach erfolgreicher Flaschenöffner-Verhandlung setzten wir uns auf die Stufen des Bottlestores in den Schatten. Offenbar haben wir uns als vertrauenswürdig erwiesen, denn der Besitzer bringt uns zwei Plastikstühle und macht eine einladende Geste. Versorgt mit Schatten und Getränk, schauen wir dem Treiben in dem Dorf zu.

Was nun mit dem Auto ist wissen wir noch nicht. Willi ist auskunftsfreudig wie immer „something wrong“. Das wissen wir schon! :( Aber zum Glück funktioniert die Gerüchteküche. Der Bottlestorebesitzer weiß von einem Kunden dass die Kupplung hinüber ist, von einem anderen, dass ein Ersatzteil besorgt werden muss und er weiß sogar, dass irgendwer auf einem Moped irgendwohin gefahren ist, um das Ersatzteil zu besorgen. Anscheinend gab es irgendwo das Ersatzteil aber nicht. Dann ist irgendwem anderes eingefallen, man könne aus irgendeinem Auto das entsprechende Teil ausbauen und in dem Landi einbauen.
Kompliziert? Fanden wir auch – die Message ist: es geht was. Ob’s klappt weiß keiner.

Nach zwei Stunden Warten meint der Bottlestore-Besitzer, wir könnten auch bei Ihm schlafen, wenn es heute nicht mehr weiterginge. Wir denken erleichtert an unsere Innenschlafsäcke und Decken – und sind bereit – im Notfall – auf das Angebot zurückkommen.

Irgendwann wird uns langweilig und wir erkunden unser neues Urlaubsdomizil Bwambara (in der Hoffnung, dass es doch noch weitergehen möge). Die Leute hier sind überaus freundlich. Sie erklären uns was sie grade machen (Kaffebohnen trocknen, Petroleum verkaufen, Bohnen wiegen), und halten uns wahrscheinlich für die letzten Hinterwäldler, weil wir ganz offensichtlich die banalsten Dinge nicht kennen. :blink:




Petroleum für Lampen – Mann haben wir lange gerätselt was da wohl verkauft wird…









Kaffee!



Auf dem Markt gehen wir ein bisschen Shoppen (Flipflops umgerechnet 1 Euro und zwei gegrillte Bananen für insgesamt 8 Cent). Eine ganze Zeit werden lang werden wir von Kindern neugierig verfolgt.





Tatsächlich kommt uns irgendwann Willi mit seiner gewohnt spaßfreien Art entgegen und verkündet, dass es weitergeht. Zwei der Kinder begleiten uns noch bis zum Landi und schauen uns mit großen Augen an. Kekse hab ich keine mehr, aber die zwei gegrillten Bananen…. Wir werden schon nicht verhungern. Good-Bye Bwambara und danke für die Gastfreundschaft!!!

Nach einer halben Ewigkeit und einigem Durchfragen erreichen wir die Ntumkwe River Lodge in Ishasha. Es wird langsam dunkel. Aber aufs Thema „Lodge im Dunkeln“ sind wir ja schon spezialisiert. :(
Hungrig, verschwitzt, verstaubt und zerstochen wollen wir uns unter die Dusche werfen, die entpuppt sich aber als schwaches Rinnsal. Doch die braune Brühe am Beckenboden zeugt davon, dass immerhin ein Teil von Ugandas Straßen hier bleibt. Das Abendessen ist ziemlich gut – allerdings sind wir auch ziemlich hungrig, so dass es uns eventuell ein bisschen an Objektivität mangelt….
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15. Juni 2012

Heute geht’s früh los, um in Ishasha, im Südwesten des QENP, die baumkletternden Löwen zu sehen! Betty von der Lodge begleitet uns. Sie war mal Rangerin im Park und scheint sich ganz gut auszukennen. Wir fahren zuerst den Northern Loop. Dieser hat weite Savannen und weniger Bäume, als der Südteil. Und hohes – nein, sehr hohes – Gras. Dagegen war das Gras in den anderen Parks, ein englischer Rasen… :S Deshalb sehen wir nur ein paar Antilopenköpfe oder Hörner aus den Halmen rauslugen. Also Köpfe nach oben…



Wir sehen Geier.




Noch mehr Geier…




Wir sehen Affen… (Velvet Monkeys)




noch mehr Affen… (Black & White Colobus)




und Fledermäuse


Dann geht’s in den Nordteil, wo sich die Löwen aufhalten sollen. Wir umrunden gefühlt jeden Baum. Aber wir sehen – nichts. Also weder einen Löwen, noch sein potenzielles Futter. Gar nichts. Baumlandschaft ohne Tiere! Nach 3 Stunden Baumkarussell , geht’s zurück ins Camp.

Als wir uns entstauben wollen, erkennen wir den Nachteil der Dusche(das ist der Vorteil, wenn man eine Lodge mal tagsüber sieht :woohoo: ) Die Überdachung ist aus Plastik und so haben wir mittags Backofen-Temperaturen. Dafür ist die Dusche heiß… Immerhin haben wir einen Frosch im Waschbecken. Außer den Moskitos bleibt der auch das einzige Tier, was wir an diesem Tag noch sehen sollten.



Ntunkwe River Lodge



Mit Garküche für Touris



Rezeption/Restaurant


Der Evening Drive ist so langweilig, dass ich beim Tippen einschlafen würde… :dry:

Deutlich interessanter ist dafür der Abend. Wir unterhalten uns lange mit Betty. Sie erzählt uns viel von den Nationalparks und den umliegenden Communities. Bisher wurden wir ins allen Nationalparks darauf hingewiesen, dass 20% der Parkeinnahmen an die umliegenden Dörfer gehen – zu Bau von Schulen, Infrastruktur etc. Eigentlich eine coole Sache.

Betty erzählt nun: die 20% gehen an den District. Dieser verteilt die Gelder wohin auch immer – die Communities sehen in der Regel nichts davon. Da die Parks nicht eingezäunt sind, werden Ziegen gerissen, Felder von Baboons und Elefanten zerstört, so dass zum Teil eine 24h Bewachung des Ackerbaus betrieben werden muss. Gerissenes Vieh wird in der Regel nicht ersetzt (obwohl es dazu offenbar eine Abmachung zwischen Goverment und Communities gibt). Die Begründung lautet wohl, die Bauern wollten auf Staatskosten ihre Herden vergrößern. Die District-Verwaltung (oft meilenweit von den Parks entfernt) wisse nichts von jagenden Löwen…

Daher ist das Verhältnis der umliegenden Dörfer zu den Nationalparks nicht das allerbeste.

Für den Tierschutz wird in Uganda inzwischen einiges getan. Einige Wochen zuvor, wurde ein Krokodil, das am Lake Victoria in einer Woche 4 Menschen verspeist hat, in den Murchinson Falls NP umgesiedelt. Willi spricht den naheliegenden Gedanken aus:“What for? To eat the people at Murchinson Falls?“ Da immer wieder Menschen beim Wasserholen in den Flüssen von Krokodilen angefallen werden, stößt eine solche Aktion bei der Bevölkerung natürlich auf Unverständnis und Ablehnung.

Andererseits wird durch das recht hohe Bevölkerungswachstum in Uganda jeder freie cm des Landes kultiviert. Die Wälder werden abgeholzt, um Ackerbau zu betreiben. Die Parkgrenzen sind nicht klar definiert, so dass die Felder immer näher an die Nationalparks rücken - teilweise sogar in diese hinein. Die Menschen brauchen Platz – die Tiere ebenso. Ein Dilemma, das sicherlich nicht so einfach zu lösen sein wird.
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09 Jul 2012 20:56 #242919
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15. Juni 2012

Das Handy reißt uns um 6.00 Uhr aus dem Schlaf. Es gibt zwar kein Licht, aber wir sind ja schon geübte „Mit-Taschenlampe-im-Dunkeln-Duscher“ :laugh: . Nach dem Frühstück geht’s Richtung Bwindi Impenetrable National Park. Also grob… denn in Wirklichkeit liegt unsere Lodge am Lake Mutanda, anderthalb Stunden vom Park entfernt.

Der erste Eindruck vom Bwindi ist traumhaft.





Dafür sind die Straßen eine Katastrophe. Kein Wunder, es ist ein Regenwald und so rutschen wir durch Schlamm und Morast.



Mir geht das Geröhre vom Landi inzwischen tierisch auf den Keks. Also hab ich meine Kopfhörer in die Ohren gesteckt um mal was anderes als „rörrrrörrörrrr“ zu hören. Den Spaß am Gerüttel hab ich ja immer noch. Deshalb verpasse ich auch die Konversation und sehe nur, wie Christoph auf Willi einredet. Hm? Es fängt an zu stinken. Und… es qualmt. Aus der Motorhaube. Kopfhörer ab: „Willi! Whats that???“ Christoph zuckt nur die Schultern und meint, Willi sei bezüglich Qualm und Gestank beratungsresistent. Wir qualmen solange weiter, bis wir fast nichts mehr sehen. Dann findet auch Willi die Situation ungewöhnlich und wir halten bei einer kleinen Siedlung.

Sobald wir anhalten, sind wir wieder umringt von Leuten. Als der Landi endlich ausgequalmt hat, kann Willi die Motorhaube öffnen. Der Kühler hat einen fetten Riß. Sofort startet eine heftige Diskussion. Willi will Wasser nachfüllen. Gute Idee... :S Christoph meint, mit dem Riß sei das ziemlich zwecklos. Punkt für Christoph!





Als ich mich an die Seite setze, bis ich in Sekundenschnelle von Kindern umringt: „Some sweets?“ „Give me your pen!“ „Do you have books? Give me your books!“ “Give me money!” Okay, jetzt weiß ich immerhin, was Touris normalerweise abdrücken. Darauf hab ich jetzt gar keinen Bock! Verhandlungsbereit bin ich bei unseren letzten Keksen, die ich zum „Teilen“ rausrücke. Schwerer Fehler! Teilen zieht nicht. Dafür betteln die anderen Kinder noch mehr. Und der neue Keksbesitzer haut ab. Total blöde Idee!!! :angry:





Dafür sehe ich wie Willi nun Sand zusammen kratzt, um den Kühler zu reparieren. Christoph ist fassungslos – ich finde das Gemisch aus Sekundenkleber und Sand sieht super aus. Okay… mein technischer Sachverstand ist eher rudimentär bzw überhaupt nicht vorhanden. Aber schließlich haben wir ja keine Wahl…und nach anderthalb Stunden kann es sogar weitergehen. Punkt für Willi!

Am Lake Bunyonyi machen wir eine kurze Pause. Der See ist recht schön, zumindest von diesem kurzen Zwischenstopp aus. Trotzdem sind wir froh, als es weiter geht. Denn wir wollen endlich mal eine Lodge im Tageslicht sehen – und grade stehen die Chancen sehr gut!









Wir genießen die schöne Landschaft – die nächsten 20 min. Dann bockt der Landi. Und geht aus. „Something with the clutch!“ meint Willi. Wir stehen auf einem recht steilen Berg. Da wir vorwärts nicht rollen können – rollen wir rückwärts. Der Abhang hat natürlich keine Seitenbegrenzung. Und ist wirklich sausteil!! Dazu ist Willi ein Rückspiegel-Rückwärtsfahrer. Das heißt, er dreht sich nicht um, lässt die Karre rollen und ich starre den mörder Abhang runter. OMG! Außer Christophs gelegentlichem „Fuck!“ hören wir keinen Mucks. Also das ganze Spiel noch mal. :sick:

Aber nicht mehr auf grader Strecke – jetzt mit Kurve rückwärts. Bevor mein Herz ganz aussetzt kommt das erlösende „tucktucktuckrörrrörr“ des Motors. Die Freude ist kurz. Denn Willi kriegt keinen Gang rein. Würg, würg am Schaltknüppel und irgendwann ist der 3. Gang dann doch so freundlich und gibt nach. Phuuuu… jetzt darf die Karre nur nicht mehr ausgehen. Da wir nur den 3. Gang zur Verfügung haben und dieser ziemlich intolerant gegenüber niedriger Geschwindigkeit ist, müssen Fahrräder, Menschen, Ziegen und Rinder eben schauen, dass sie abhaun. Eigentlich... denn wer schon mal diesen dämlichen Rindern auf der Straße begegnet ist, kennt ja den Spaß. Also heißt es immer wieder Kuhslalom.

Das geht solange gut, bis eine Baustelle kommt. Rechts wird geteert – links fahren alle. Also auch der Gegenverkehr. Sprich, langsam an einander vorbei fahren ist nicht. Halten erst recht nicht. Macht nichts, der Gegenverkehr - vor allem die großen LKW – macht‘s genauso. Hier gilt normalerweise „das Recht des Stärkeren“. Das sind wir zwar eindeutig nicht – aber wer hat schon immer die Wahl? :unsure:









Willi heizt auf die menschlichen Stoppschilder (Fahnenschwenker) zu, saust an entgegenkommenden Lastwagen vorbei, umschlingelt Dampfwalzen… Augen zu und durch (zugegeben, das mache ich und hoffe, dass Willi nicht auf dieselbe Idee kommt :unsure: ).

Nach gefühlten 12 Herzinfarkten, nähern wir uns Kisoro. Die Bodenwellen (Humps) , die ca 5 km vor jeder Stadt mit Teerstrasse fürchterlich nerven, müssen wir ignorieren. Hopps hopps! Inzwischen hat der Galgenhumor gewonnen und wir machen nur noch blöde Witze. So hoppeln wir – immerhin lachend - bis zur nächsten Werkstadt.

Während der Landi „first Aid“ bekommt, sitzen wir auf einer ziemlich runtergekommenen Terrasse eines total abgefuckten Motels. Und beobachten das Treiben. Kisoro ist vor allem als Flüchtlingsstadt bekannt. Wir sehen UNHCR LKW, an der Kongolesischen Grenze Flüchtlinge einladen und zum Zeltcamp bringen. Die Vorstellung, dass wir in den Kongo fahren sollten, um Gorillas zu tracken – während uns an der gleichen Grenze um ihr Leben flüchtende Menschen entgegenkommen, ist total absurd…

Beim Drink lernen wir dann Joe kennen (bzw. er uns). Er sieht aus wie ein Rastafari und ist Reiseleiter. Scheinheilig frage ich ihn nach dem Zustand des Virunga National Park im Kongo (der ja lt. unserem deutschen Reiseveranstalter absolut sicher sein soll). Joe schaut mich an, als sei ich bescheuert (zu Recht). Da wurde letzte Nacht noch geschossen… Als er unser Interesse an der Situation und den Flüchtlingen bemerkt, bietet er uns stattdessen einen Borderdrive an. Bei dem er uns zum „Flüchtlings-Kucken“ an die Grenze fahren würde. NEIN DANKE!!!

Das Gespräch ist hiermit beendet :angry: . Und nach insgesamt 2 Stunden, ist der Landi fertig und wir können weiterfahren. Über die Berge geht es zu Lake Mutanda.











Eine gute Stunde später sind wir dann auch in der Lodge. Preisfrage: Gab‘s noch Tageslicht???
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17. Juni 2012

Es ist Sonntag. Und wir haben nur einen Wunsch: wir machen heute NICHTS. Wir wollen nicht in den blöden Landi, wir wollen nicht das tägliche Geruckel, wir brauchen nicht unsere tägliche Portion Staub – wir wollen uns nur vom Zelt ins Restaurant bewegen und zurück.

Das wollen WIR. Willi will Action. Auf seinem Plan stehen tanzende Pygmäen. Und inzwischen sollte klar sein, was in seinem Plan steht, wird gemacht! Doch heute sind wir besonders renitent: die tanzenden Pygmäen können das auch ganz gut ohne uns :P (ok, im Bradt Reiseführer hab ich auch gelesen, dass das ein rechter Touri Nepp sein soll, was die Entscheidung erleichtert). Nachdem unsere Argumente nicht ziehen und sich die Debatte hinzieht - übernehmen wir Willi’s Strategie: „No!“ Das wirkt. Und nun dürfen Che Christoph und Anja Guevara erfolgreich auf der Veranda ihres Zeltes abhängen :woohoo:

Der Lake Muntanda ist wirklich traumhaft. Durch die vielen kleinen und größeren Inseln, die je nach Entfernung sehr klar oder verschwommen im Nebel erscheinen – wirkt die gesamte Szenerie unwirklich. Sie erinnert mich total an die Kulisse von „Herr der Ringe“. Etwas entfernt sieht man die steilen Virunga Berge, die teilweise zu Uganda, zum Kongo und Rwanda gehören.










Wir verbringen den Tag tatsächlich mit chillen, Reiseführer lesen, chillen …. Die Nkuringo Lodge liegt wunderschön am Ufer des Sees. Trotz der bezaubernden Lage und der schönen Zelten, fragen wir uns, wer hier in Uganda die Kategorien vergibt. Unser Zelt hat drei 10-Cent-Stück große Moskito-Eingänge in den Zeltwänden, einige mehr im Mossie-Net. Wobei das nichts ausmacht. Denn laut Personal gibt es hier zwar Moskitos – die beißen aber nicht… :whistle: (wen diese Moskitos auch immer nicht mögen... uns finden sie jedenfalls lecker... mit wahlweise Peaceful Sleep oder Off als Toping :S )

Das Restaurant ist an einigen Stellen baufällig – ein Teil wird/wurde auch erneuert. Aber es liegen immer noch verstreute Ziegel vor angefangenen Mauern rum. Neben dem Restaurant befindet sich die Rezeption, gleichzeitig der Raum für Angestellte und Fahrer. Hier wurde – erkennbar am Mobiliar – ein riesiger Fernseher nachgerüstet, der den ganzen Abend läuft. Blöd nur dass man durch die offene Bauweise diesen auch beim Kerzenlicht Dinner hört. Das Essen ist nicht besonders, das Frühstück sogar echt miserabel. Woher das Doppel A in der Hotelbewertung kommt, würden wir zu gerne wissen…











Auch wenn der TV-Background-Sound beim Essen doof ist, wir erkennen schnell den Vorteil des Gerätes und fragen, ob wir das EM Spiel Deutschland gegen Dänemark sehen dürfen. Und wir dürfen! Allein das Publikum (7 Ugander und ein Holländer) machen das Spiel zum Spektakel… das gute Ergebnis tut sein übriges :woohoo: :woohoo: :woohoo:
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18. Juni 2012

Das Frühstück ist nicht besser als am Vortag: Nescafé, ca. 20 cm dicker, labbeliger Toast, Nutella (in der Konsistenz nicht mehr homogen, sprich teilweise steinhart – teilweise suppig) und eine…hmmm ???…wir hielten es zuerst für Marmelade. Aber Christoph behauptet nach einem Selbstversuch, das könne definitiv nicht sein. Dafür ist die Butter eindeutig ranzig. Der bestelle Joghurt mit Frucht, entpuppt sich als megasüßer Vanillevariante. Die Frage nach „Frucht“ wird mit einem Deuten auf die ungeschälten Bananen beantwortet, die jeden morgen auf dem Tisch stehen.

Der kurze Blick aufs UNHCR Flüchtlingscamp hat uns nicht losgelassen. Wir wollen helfen. Denn zum ersten Mal wird der Krieg, der 20 km entfernt stattfindet, absolut real. Also beschließen wir, unsere Medikamente im Flüchtlingslager ab zu geben. Willi ist mal wieder angefressen, denn wir verschmähen offensichtlich weiterhin die Pygmäen :P

Obwohl wenig begeistert, ruft Willi irgendwen an, der uns irgendwo in Kisoro treffen soll, um uns irgendwie weiter zu helfen. Wir steigen in den Landi. Nach 5 Minuten sind wir komplett eingestaubt. Denn der Staub hat hier ungeahnte Dimensionen angenommen. Das hält Will natürlich nicht ab, das Fenster offen zu lassen – und sich dabei unentwegt über den „terrible Dust“ zu beklagen. Nach seiner Theorie müssen alle Fenster offen sein, damit der Staub – nach ausreichender Circulation im Auto - wieder entweichen kann. Christophs Theorie, dass der Staub erst gar nicht reinkommt, wenn ALLE Fenster geschlossen sind, hält er für absoluten Schwachsinn… :woohoo:

An der Tankstelle treffen wir „Irgendwen“. Er ist Guide und will uns zum Flüchtlingscamp führen. Ähhä??? Wir wissen selbst wo das ist. Ok, dann bringt er uns eben „rein“ und sorgt dafür, dass wir Flüchtlinge fotografieren können. NEIN! Naaaa guut...Aber er könne uns anschließend zur Grenze bringen. „To see WHAT?“ :angry: An meinen Tonfall hätte man erkennen können, dass es jetzt unklug ist, weiter auf dem Thema rumzureiten. Hätte… aber "Irgendwer" meint, auf UN Fahrzeuge kletternde Flüchtlinge wären ein spitzen Fotomotiv (vor schöner Landschaft versteht sich). Bevor ich ihm den Kopf abreißen kann, wirft sich Christoph dazwischen und "Irgendwer" ruft uns im Sicherheitsabstand noch zu: „Pygmäen! Ihr müsst unbedingt die tanzenden Pymäen sehen“

uaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh………
:S :S :S

Wir fahren Richtung Camp, ohne "Irgendwen" an der Backe. Willi will reinfahren, da springt gleich ein Soldat mit Gewehr im Anschlag auf uns zu: „No Entry!“ Willi hofft wohl, dass damit diese dumme Aktion beendet sei. „Oh we have to go“. Von wegen! Ich rede mit dem Soldaten, erkläre ihm unser Vorhaben und zeige die Medikamente. „You can go!“ Er meint mich. Christoph steigt aus dem Landi, schnappt sich die Fleecedecken und Innenschlafsäcke, die wir ebenfalls abgeben wollen und will mitkommen. Da dreht sich der Soldat um, blöderweise mit dem Gewehr im Anschlag – das so auf Christoph zielt.

„You not!“ Christoph findet die Situation spaßfrei, denn so häufig schaut er nun auch nicht in einem Gewehrlauf… Trotzdem ist er nicht verhandlungsbereit. „Tragen helfen“ zieht nicht. Aber bei „Das ist meine Frau und die lasse ich nicht alleine“ nickt der Soldat verständnisvoll und begleitet uns.





Wir gehen quer über den Platz zur Reception. Natürlich werden wir angestarrt (Oh je, Muzungus! – die nehmen hier aber auch jeden ;) ). Das Reception-Tent ist Anlaufstelle für jeglichen Begehr (Registrierung, Arztbesuche etc.) Deshalb steht eine lange Menschenschlange davor. Unser Soldat führt uns ganz nach vorne, redet mit der Lady, die offenbar für die Koordination verantwortlich ist (Arzt rechts, Registrierung links) und gibt uns ab.

Wir werden direkt zum Camp Arzt gebracht. Der begrüßt uns erst mal zurückhaltend, als er aber sieht, dass die Medikamente nagelneu sind und weitestgehend aus Antibiotika bestehen, freut er sich. „You can’t image… we really need everything“. Salben, Schmerztabletten, Verbandszeug … alles wird genau geprüft und registriert.

Der Camp-Leiter kommt dazu und meint auch für die Decken sei in jedem Fall Verwendung. Zur dieser Zeit waren ca. 6.000 Flüchtlinge im UNHCR Camp in Kisoro. Täglich wurden / werden neue Flüchtlinge mit LKW von der Grenze abgeholt. Nach ein paar Tagen, werden sie auf andere Camps verteilt. Der Krieg jenseits der Grenze ist offenbar voll im Gange. Wann und ob er je beendet wird, ist offenbar sehr schwer einzuschätzen.

Als wir gehen – diesmal ohne bewaffnete Begleitung - hat sich offenbar rumgesprochen, dass wir nicht dableiben sondern nur was gebracht haben. Die Menschen lächeln uns an, die Kinder laufen hinter uns her und winken. Auch unser Soldat hat seinen grimmigen Blick abgelegt, lächelt und wünscht uns noch alles Gute.

Der Besuch hat uns ziemlich mitgenommen. Jetzt brauchen wir erst mal eine Pause. Wir spazieren ein wenig durch Kisoro und setzen uns in ein Café. Ganz ehrlich, auch wenn der Bericht locker geschrieben ist – das Flüchtlingscamp hat tiefe Eindrücke bei uns hinterlassen.

Nachmittags gehen wir auf den Markt. Auf der Hinfahrt hatten wir schon viele Menschen bepackt mit Gemüse, Bananen, Zuckerrohr, Hühnern, Möbeln etc. Richtung Markt laufen – oder radeln – gesehen. Dieser Markt stellt alles in den Schatten, was wir zuvor an afrikanischen Märkten gesehen hatten. Ein wahnsinniges Gewusel zwischen Marktständen bzw. Marktfrauen, die auf den Wegen dazwischen ihr Angebot ausgebreitet haben. Jeder cm Platz wird genutzt. Man findet neben Obst, Gemüse, Fisch und Zuckerrohr auch kleine Stände mit Salz, Bohnen, Kaffee.

Aber auch Möbel, Drogerieartikel, Bast ….Etwas weiter ist die Tuchabteilung. Lange Stände nur mit verschiedenen, sehr bunten Tüchern und Stoffen in verschiedenen Qualitäten. Ich bin total fasziniert und will sofort zuschlagen. Als ich eine Frau nach dem Preis frage, meint sie 4.000 USH. Dann dreht sie sich um, sieht mich und verbessert sich sofort auf 6.000 USH. Ihr Mann kommt dazu, meint ich bekäme den absoluten Special-Price mit 7.000 USH. Ähhhh??? :S Irgendwie hatte ich die afrikanischen Preisverhandlungen anders in Erinnerung. Wir lassen den Tuchwucherer stehen und versuchen unser Glück wo anders.



























Manche Leute sind nett, aber die Freundlichkeit der Bergdörfer vermissen wir hier deutlich. Tatsächlich werden wir sogar ein paarmal mit „He Muzungu, was willst Du hier?“ angemacht.

Deshalb machen wir uns „aus dem Staub“ bzw. durch den Staub wieder in Richtung Nkuringo Camp. Ein bisschen abhängen, denn am nächsten Tag erwartet uns das Gorilla-Tracking.
Intelligent people discuss ideas. Fools discuss how people should behave. (Paulo Coelho)
Letzte Änderung: 11 Feb 2014 16:51 von Bamburi.
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