THEMA: Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017)
28 Feb 2017 15:08 #466031
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7.Tag (Do. 29.12.2016)
Bagamoyo – Dar es Salam
79km


Hier an der Küste kühlt es nachts so gut wie gar nicht ab. Dazu ist es extrem schwül. Ich kann mich nicht daran erinnern nachts schon einmal so geschwitzt zu haben, wie in dieser Nacht. Es ist, als hätte ich in einer Badewanne übernachtet.

Beim Frühstück können wir eine Hauskatze beobachten, die versucht eine Zebramanguste zu fangen, jedoch keinen Erfolg hat.

Kurz vor den Außenbezirken von Dar es Salam finden wir am Straßenrand einen sehr gut sortierten Obst- und Gemüsestand, an dem wir uns für die Nächte im/am Selous mit Frischware eindecken können.



Als wir Dar es Salam dann erreichen, kommt ein kurzer aber sehr heftiger Schauer über uns runter. Die Kanalisation ist in kürzester Zeit überfordert und zahlreiche Straßen überflutet, so dass sie zumindest für normale PKW nicht mehr passierbar sind. Oftmals treibt auf den Fluten ein großer Müllteppich.


Während unsere Fahrspur frei befahrbar war, ist die Gegenspur durch die Wasser- und Müllmassen unpassierbar.

Unser erstes Ziel ist die Mlimani City Shopping Mall. Ein riesiges Einkaufzentrum, welches man so eher in Europa oder Nordamerika vermuten würde. Aber auch in Tansania gibt es genug wohlhabende Menschen, um einen solchen Konsumtempel auszulasten. Hier erstehen wir die restlichen haltbaren Lebensmittel für den Rest der Reise. Anschließend geht Kathrin noch shoppen, denn Sie hat zu Hause beim packen alle Ihre Shorts vergessen, und nur ihre Zip-Hosen eingepackt. Nicht so gut bei den hohen Temperaturen vor Ort.

Dann fahren wir direkt zur Kivukoni-Ferry, die uns über die Hafeneinfahrt zum South Beach übersetzen wird. Diesmal haben wir Glück und nur eine sehr kurze Wartezeit. Dass kennen wir auch anders. Im Auto darf nur der Fahrer bleiben, so dass die anderen zum Passagier-Terminal gehen müssen, wo ein ordentliches Gedrängel herrscht. Mir will derweil ein Straßenhändler irgendwelche billigen Werkzeug-Tools aus China andrehen. Als ich ihm mein Gerber-Tool zeige weiß er, dass er hier kein Geschäft machen wird, lacht freundlich und geht zum nächsten Wagen.

Insgesamt war die Durchquerung von Dar es Salam wieder vollkommen unproblematisch. Im Gegensatz zu vielen andern Metropolen in Afrika wird hier sehr entspannt und rücksichtsvoll Auto gefahren. Kein drängeln, kein hupen.

Die Campsite des Kipepeo Resorts ist seit dem letzten Mal auch nicht schöner geworden, aber die Lage ist günstig und die Sanitäranlagen sauber.




Im Wasser schwimmt leider viel Seegras, so dass ich aufs baden verzichte. Ich finde es fühlt sich unangenehm an, durch Seegras zu schwimmen.

Abends gehen wir zum Fisch essen ins Restaurant, was wieder sehr lecker ist. Ein weiterer Pluspunkt dieser Unterkunft. Es ziehen Gewitterwolken über dem Meer auf und nach dem Essen setze ich mich noch eine Weile an den Strand und beobachte das Wetterleuchten in der Ferne.


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03 Mär 2017 13:51 #466423
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7.Tag (Fr. 30.12.2016)
Dar es Salam – Selous Game Reserve
236km


Früh aufstehen – frühstücken - Zelt abbauen – Abfahrt. Alles schon Routine. Auf direktem Weg geht es zum Selous Game Reserve.

Wir sind noch nicht lange unterwegs, da werden wir von der Polizei gestoppt. Man präsentiert mir ein Foto, aus dem ersichtlich ist, dass ich 57km/h gefahren bin. Der Clou ist, dass die Messung 5m hinter dem Verkehrsschild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung war. Die Wegelagerer nutzen hier jedes Schlupfloch um abzukassieren.

Unterwegs decken wir uns noch mit Tomaten und Limetten ein. Damit ist das Frühstück und der GinTonic gesichert.

Wie die Tage vorher, gibt es auch heute am späten Vormittag einen heftigen Regenschauer. Da wir inzwischen auf unbefestigter Piste unterwegs sind, hat der Wagen jetzt auch die für Afrika typische Patina. Die Tourguides waschen ja gefühlt täglich ihre Fahrzeuge, ich habe da im Urlaub besseres zu tun. So wird der Wagen von Tag zu Tag dreckiger. Allerdings muss ich ständig irgendwelche Menschen abwimmeln, die sich mit dem Waschen des Wagens ein paar Dollar verdienen wollen.

Da das Selous Game Reserve sehr teuer ist, wollen wir erst morgen das Gate passieren und suchen uns deshalb in der Nähe des Mtemere Gates eine Unterkunft. Die Auswahl ist recht groß. Zunächst versuchen wir es beim Seluos River Camp, da dies am nächsten zum Gate liegt. Die Campsites liegen aber mitten im dichten Busch, ohne jede Aussicht. Das mag ich gar nicht. Ich muss den Blick schweifen lassen können. So fahren wir weiter zum Hippo Camp, wo wir schon beim letzten Mal übernachtet haben. Hier steht man sehr schön direkt am Ufer des Rufiji.



Nachmittags machen wir eine Bootsfahrt auf dem Fluss. Der Preis beträgt 25,-US$ pro Person. Hedda schafft es ein Arrangement 4 Personen zum Preis von 3 heraus zu handeln. Vom Wasser aus sieht man die schöne Lage des Camps.



In erster Linie geht es bei der Bootstour um das Beobachten von Vögeln. Zunächst kommen wir zu einer großen Kolonie Webervögel, die eine ganze Schilfinsel in Beschlag genommen haben. Hier gelingt mir kein einziges akzeptables Foto. Die Viecher halten einfach nicht still und wenn doch bringen die vielen Schilfhalme den Autofocus durcheinander. Da sind die Kingfisher und Bienenfresser wesentlich einfacher zu fotografieren, wenn sie auf ihrem Ansitz auf Beute warten.




Neben den Vögeln sehen wir auch Krokodile und Warane.



Da die Bootstour außerhalb des Nationalparks stattfindet, ist das Ufer auch relativ dicht besiedelt. Wir sehen viele Einheimische beim Fischfang, Wasser holen oder waschen. Es liegen viele Einbäume am Ufer vertäut.



Als sich die Sonne so langsam dem Horizont nähert, begeben wir uns in Flussmitte und fahren flussaufwärts.



Nach rund einer viertel Stunde kommen wir zu einer Sandbank, auf der wir aussteigen und uns die Füße vertreten können.




Direkt vor der Sandbank liegt eine laut prustende Herde Hippos im Wasser. Beim Ausatmen der Tiere schillert eine Aerosolwolke im Gegenlicht.



Die Sonne sinkt immer tiefer und das Licht wird immer besser. Unser Guide holt den Sundowner hervor und wir genießen den Augenblick



So breit der Rufiji auch ist, überwiegend ist er sehr flach und so kommt es, dass wir uns auf dem Rückweg festfahren. Der Mechanismus mit dem man den Außenborder hochklappen kann ist kaputt und jetzt steckt der Motor im Grund. Unser Skipper macht und tut. Er steigt sogar aus und versucht uns zu ziehen. Es nützt alles nichts. Wir kommen erst frei, als uns ein anderes Boot zur Hilfe kommt und uns
frei schleppt.

Nach Sonnenuntergang setzt eine wahre Insektenplage ein. Kochen und Essen ist erst möglich, nachdem ich unsere Akkulampe auf volle Leistung gestellt und hoch in den Baum über uns gehängt habe. Das sorgte dafür, dass unsere auf ganz schwach eingestellten Kopflampen von den Insekten nicht wahrgenommen wurden.
Letzte Änderung: 03 Mär 2017 14:03 von Topobär.
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08 Mär 2017 15:27 #467047
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8.Tag (Sa. 31.12.2016)
Selous Game Reserve
83km


An diesem Morgen sind wir richtig früh losgefahren, um zeitig mit dem Gamedrive beginnen zu können, nur um dann am Gate ausgebremst zu werden.

Man hat ein neues Bezahlsystem eingeführt, von dem ich trotz intensiver Vorbereitung auf die Reise noch nicht einmal eine Andeutung gehört hatte. Der Eintritt muss vorher auf einer Bank eingezahlt werden und am Gate muss dann nur noch der Überweisungsbeleg als Legitimation vorgelegt werden. Der Zug ist für uns natürlich abgefahren, denn die nächsten Banken befinden sich in Dar es Salam und werden aufgrund der Feiertage auch frühestens in 2 Tagen wieder öffnen. Glücklicherweise kennt man in Afrika so etwas wie eine strickte Zurückweisung nicht. Es wird wie immer ein großes Palaver veranstaltet, bei dem das Ziel ist, die Interessen aller Beteiligter zu berücksichtigen - Kathrin mitten drin. So wird viel diskutiert und telefoniert. Nach einer Stunde konnten die Ranger am Gate dann das OK ihrer Vorgesetzten verkünden, dass wir ausnahmsweise in Bar bezahlen dürfen. Bargeld hatten wir ausreichend und so wechselten stolze 800US$ für zwei Tage plus Camping den Besitzer. Das Selous Game Reserve ist einer der teuersten Parks in Tansania.

Endlich konnten wir auf Gamedrive starten. Erstes Ziel ist die vom Rufiji gespeiste Seenlandschaft, die schon kurz hinter dem Gate beginnt. Ein Traum, der ein wenig ans Okavango-Delta erinnert. An Tieren dominieren hier die Hippos. Die Seen quellen schier über vor den Tieren. Auch jeder Menge Krokodile liegen im Uferbereich.




Im und am Wasser finden sich darüber hinaus jede Menge Vögel.




Die Tiere an Land sind wie gehabt sehr scheu. Da hat sich in den letzten 4 Jahren nichts geändert. Hauptursache dürfte dass massive Wildererproblem sein. Es dominieren ganz klar die Giraffen. So viele von Ihnen trifft man sonst nirgends und Kathrin ist glücklich überall Ihre Lieblingstiere zu entdecken. Leider ergreifen sie sofort die Flucht, wenn man sich ihnen nähert.




Diese Giraffen konnten wir nur deshalb so nah fotografieren, weil sie zwischen Büschen, See und unserm Auto eingekeilt waren und keinen Fluchtweg mehr hatten.

Die Wilderei auf Elefanten soll im Selous GR besonders heftig sein. Wir sahen den ganzen Tag nur einen einzigen Elefanten aus der Ferne. Vor 4 Jahren haben wir noch zahlreiche große Herden beobachten können. :(

Gegen Mittag steuern wir die Campsite am Lake Tagalala an. Die Navigation im Park ist trotz T4A auf dem Navi nicht einfach, da es keine Landkarten vom Park gibt und auf T4A längst nicht alle Pisten erfasst sind. Fahrtechnisch waren die Ansprüche unproblematisch, da alles trocken war.



Auf der Campsite hat sich einiges gegenüber vor 4 Jahren verändert. Es wurde eine dritte Lapa errichtet und unter den Lapas stehen jetzt Tische und Bänke. Außerdem wurde ein Waschhaus errichtet. Es gibt im Waschhaus auch Wasser, jedoch war der Wassertank vollkommen veralgt, so dass das Wasser knallgrün war und man es noch nicht einmal zum duschen nutzen konnte. Man ist also weiterhin auf die Mitnahme ausreichender Wasservorräte angewiesen.

Außer uns war niemand auf der Campsite und wir konnten uns die schönste Lapa aussuchen. Durch die Büsche hindurch konnten wir den Lake Tagalala sehen, auf dessen Hochufer die Campsite liegt. Da wir ohne Frühstück gestartet sind, haben wir alle ordentlich Hunger. Danach ist Siesta angesagt. Bei der enormen Hitze sind wir dankbar für diesen schönen schattigen Platz.




Unser Gamedrive am Nachmittag führt uns an die Ufer des Lake Tagalala und zu den kleinen weiter südlich gelegenen Seen. Großwild sehen wir in dieser Region so gut wie gar nicht. Nur direkt an den Ufern ist etwas los.


Achtet mal darauf, was hier vor den Krokodilen im Wasser liegt. Ist mir auch erst auf dem Foto aufgefallen.

Zwischendurch machen wir einen Abstecher zu den westlich des Lake Tagalala gelegenen Hotsprings. Vom Parkplatz läuft man noch 100m durch dichten Busch und steht dann vor dieser kleinen grünen Oase inmitten der ansonsten verdorrten Landschaft. Während Hans & Hedda die Gelegenheit zum baden nutzen, können Kathrin und ich uns nicht dazu überwinden, bei den hohen Temperaturen ins heiße Wasser zu steigen.



Vogelliebhaber kommen im Selous Game Reserve wahrscheinlich eher auf Ihre Kosten, als andere Besucher, da die Vögel hier nicht scheuer sind als anderswo. So bin auch ich auf dem Gamedrive hauptsächlich beschäftigt Vögel zu fotografieren, auch wenn ich da mit den Profis hier im Forum nicht mithalten kann.





Zum Sundowner fahren wir ans Seeufer direkt unterhalb der Campsite, wo wir zusammen mit vielen lautstarken Hippos den Tag beenden. Leider müssen wir mit lauwarmen Bier anstoßen, da der Kühlschrank seine Arbeit inzwischen vollständig eingestellt hat.




Aufgrund des defekten Kühlschranks steht auch noch einiges an unangenehmen Arbeiten an, bevor ich mit der Zubereitung des Abendessens beginnen kann. Unsere gesamte Butter ist geschmolzen. Bevor sie sich vollständig im Kühlschrank verteilt, kann ich einen Großteil retten und in eine Frühstücksbox umfüllen. Eine ganz schön schmierige Angelegenheit.

Zum Abendessen mache ich dann einen Schweizer Wurstsalat. Eigentlich ganz lecker, aber mit kalten Zutaten aus dem Kühlschrank wäre es sicher noch viel leckerer gewesen.

Nach den Abendessen können wir immer wieder ein Genet beobachten, wie es um unsere Campsite schleicht. Zwischen unseren Füßen wuseln immer wieder große Tausendfüßler und kleine Walzenspinnen umher, so dass man gut aufpassen muss, wohin man tritt.

Schon lange vor Mitternacht liegen wir alle im Zelt. Sylvester findet dieses Jahr ohne uns statt.

Vom in allen Reiseführern genannten obligatorischen Ranger, den man als Askari für die Campsite braucht, war vor Ort nie die Rede. Wir waren auch die Nacht über ganz allein auf der Campsite.
Letzte Änderung: 08 Mär 2017 15:54 von Topobär.
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10 Mär 2017 16:20 #467297
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9.Tag (So. 01.01.2017)
Selous Game Reserve – Kisaki
125km


Die Nächte hier im Selous sind brutal heiß. Unglaublich was man hier über Nacht an Flüssigkeit verliert.

Heute Vormittag wollen wir die Gegend zwischen Lake Manze und Lake Nzelakela bis hinunter zum Rufiji erkunden. Die Gegend zeigt sich recht tierreich, aber durch die große Fluchtdistanz verzichte ich weitgehend aufs fotografieren und banne die Eindrücke lieber auf meine interne Festplatte anstatt mich zu ärgern, dass mir die Viecher immer aus dem Bild rennen. Wir sehen auch ein paar Elefanten.

Der Rufiji teilt sich in diesem Bereich in mehrere Arme auf und bildet ein kleines Binnendelta. Als wir den nördlichsten Arm erreichen, ist dieser bis auf ein paar schlammige Tümpel vollkommen ausgetrocknet. Der Schlamm scheint im ersten Eindruck zu kochen, es sind jedoch tausende Welse, die hier eingeschlossen sind. Das haben natürlich auch die Pelikane mitbekommen, für die hier ein Festmahl bereit steht. Zu hunderten belagern sie die Tümpel. Für so leichte Beute beschmutzen sie auch gerne mal ihr weißes Gefieder mit Schlamm.






Etwas weiter kommen wir zu einem schönen Aussichtspunkt an der Abbruchkante des Hochufers. Hier kann man mal den Blick etwas über die flache Landschaft schweifen lassen.




Da die Seen alle vom Rufiji gespeist werden, ist deren Wasserstand ebenfalls sehr niedrig und sie weisen derzeit alle einen sehr breiten Uferstreifen aus getrocknetem Schlamm auf. Hier halten sich viele Tiere auf und man hat gute Beobachtungsmöglichkeiten. Wir sehen die erste Hyäne dieser Reise. Die ist aber zügig unterwegs und nicht bereit für ein Foto zu posieren.




Als es immer heißer wird, machen wir uns auf den Rückweg ins Camp und sind um 11:00Uhr zurück. Jetzt erst einmal ein schöner Brunch, dann Siesta und danach wird gepackt. Inzwischen haben wir schon Routine und es ist erstaunlich in welch kurzer Zeit unsere Gepäckmassen im Auto verschwinden. Inzwischen haben wir auch das ideale Packsystem gefunden, so dass nichts mehr klappert und scheppert. Außer ein Paar durchgescheuerte Bierdosen haben wir auch keine Verluste zu beklagen.



Um 14:00Uhr brechen wir auf. Entlang des Beho Beho River fahren wir zum Matambwe Gate. Hier hat es anscheinend schon ein wenig geregnet, denn erstes zartes Grün sprießt aus dem Boden. Es sind viele Gnus und Giraffen in der Gegend unterwegs.




Am Gate erfahren wir, dass die für morgen geplante Strecke über den Shortcut direkt zum Mikumi National Park nicht mehr zu befahren ist. Mehrere heftige Regenzeiten haben der ohnehin anspruchsvollen Strecke so sehr zugesetzt, dass sie jetzt unpassierbar ist. Gut, dass wir nachgefragt haben, denn am Abzweig des Shortcuts steht sogar ein Schild „ Mikumi 144km“, aber kein Hinweis, dass die Strecke nicht mehr passierbar ist. Das kann schnell mal böse enden, denn die Strecke ist extrem einsam und es gibt keinen Handyempfang.

Mein Fazit zum Selous Game Reserve ist sehr zwiegespalten. Einerseits ist die Landschaft eine der schönsten in ganz Tansania. Man begegnet kaum anderen Touristen. So ein Gefühl von Wildnis hat man nur noch in sehr wenigen Gegenden des Landes. Sehr ärgerlich sind dagegen die extrem hohen Preise und die große Scheu der Tiere. Insgesamt haben wir auch deutlich weniger Tiere gesehen als vor 4 Jahren. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, allerdings erst, wenn die Preise günstiger werden, oder das Problem der Wilderei gelöst wird. Letzteres wäre uns erheblich lieber, dann zahlen wir auch gerne die hohen Preise.

Wir errichten unsere Zelte im Selous Mbega Kisaki Annex Camp (was für ein Name). Hier waren wir schon vor 4 Jahren und die Duschen sind noch genauso gut, wie wir sie in Erinnerung haben. Ein Genuss nach 2 Tagen Hitze, Schweiß und Staub.



Hedda kocht und ich habe frei. Hedda und ich wechseln uns beim kochen ab. Kathrin und Hans sind für den Abwasch zuständig.
Letzte Änderung: 10 Mär 2017 16:32 von Topobär.
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14 Mär 2017 16:38 #467602
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10.Tag (Mo. 02.01.2017)
Kisaki – Mikumi
265km


Das wird ein Scheißtag. Das steht schon 30 Sekunden nach dem Aufwachen fest, als ich vergeblich meine Hose suche und den geöffneten seitlichen Reißverschluss am Zelt sehe. Nachts müssen sich Diebe ans Zelt geschlichen haben und während ich schlief den Reißverschluss geöffnet und die direkt darunter liegende Hose gegriffen haben. Mit der Hose ist mein Portemonnaie weg, d.h. ein viertel unserer Bargeldreserven, meine Visa und Maestro-Karte sowie Perso und Führerschein. Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können. Normalerweise war auch der Autoschlüssel in der Hose und nur weil gestern noch einer von uns kurz an den Wagen musste, nachdem ich schon im Zelt lag, war es diese Nacht anders. Der Dieb hätte zwar mit Sicherheit den Wagen nicht gestohlen und noch nicht einmal leise das Fahrzeug öffnen können, aber der Schlüssel wäre weg gewesen und wir hätten ein paar Tage hier festgesessen. Auch mein Smartphone ist noch da, da es zwischen uns lag. Unsere wichtigsten Dokumente (Reisepass und internationaler Führerschein) sind sowieso sicher separat gelagert. Am meisten ärgere ich mich über mich selbst. Selbstverständlich habe ich schon von dieser Art Diebstähle gehört und früher haben wir auch entsprechend Vorsorge getroffen. Über 20 Jahre Reisen in Afrika, ohne dass etwas passiert ist, haben uns aber sorglos werden lassen. Das wurde jetzt bestraft und wir deponieren jetzt auch unsere Wertsachen wieder unter den Isomatten, wo keiner ran kommt, wenn wir darauf schlafen.

Der Camp-Manager und der Askari machen einen rat- und hilflosen Eindruck. Angeblich ist so etwas hier bislang noch nie vorgekommen. Nach dem Frühstück begleiten uns die beiden zur Polizeistation des Dorfes. Die hätten wir ansonsten auch niemals gefunden. Es ist eine armselige Baracke in einer Seitenstraße. Einen Hinweis, dass es sich um eine Polizeistation handelt, sucht man vergeblich. Der Askari wird gleich in die Gemeinschaftszelle der Station gesperrt. Als deren Tür geöffnet wird, weht ein strenger Uringeruch durch die Wache. Nähere Details über die Zelle will man gar nicht wissen. Ob das Einsperren des Askaris nur Aktionismus uns gegenüber ist, oder ob die Massai, die in dieser Region eine Minderheit sind, unter Generalverdacht stehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Danach wird über eine Stunde lang eine Kladde nach der anderen mit unserer Anzeige und dem Sachverhalt gefüllt. Nachdem mehrere Seiten Papier handschriftlich gefüllt wurden, reißt der Polizist einen Fetzen braunes Packpapier von einem größeren Bogen ab, schreib eine Nummer darauf und versieht das ganze mit Stempel und Unterschrift. Das ist das Aktenzeichen, unter dem wir in einigen Tagen auf der Regionalwache in Morogoro eine Kopie des Berichts erhalten können. Man gut, dass die gestohlenen Sachen sowieso nicht über die Reisegepäckversicherung versichert sind, denn es wäre sicher ein Spaß geworden, wenn ich der Versicherung den Papierfetzen vorgelegt hätte.

Jetzt kann es endlich weiter gehen, allerdings nur für 20km. Dann höre ich veränderte Abrollgeräusche von hinten rechts und stelle fest, dass wir dort einen Platten bekommen. Reifenwechsel sind für mich Routine und so ist der Wagen schnell neu besohlt. Allerdings muss ich feststellen, dass beide Reservereifen einen viel zu niedrigen Luftdruck aufweisen. So geht es zunächst sehr vorsichtig weiter bis ins nächste Dorf. Dort stehen wie üblich die Piki Piki-Fahrer unter einem großen Baum und warten auf Kundschaft. Wir fragen, ob einer eine Luftpumpe hat und haben Glück. Der Besitzer der Pumpe lässt es sich nicht nehmen, persönlich zu Pumpen und langsam aber sicher nimmt der Reifen eine akzeptable Form an. Irgendwann ist dann die Pumpe überfordert und mit einem lauten Knall platzt der Schlauch der billigen Chinaware. Wir geben ihm 10US$ für seine Hilfe und eine neue Pumpe und er scheint damit zufrieden zu sein. So ist allen geholfen.

Die Piste verlässt langsam die Ebene und führt durch die Uluguru Mountains. Dabei verändert sich die Landschaft komplett. Die verdorrte Vegetation wird durch dichten grünen Bergwald ersetzt. Um die Dörfer herum sieht man bestellte Felder. Immer wieder ragen bizarre Felsen aus dem Dickicht. Schade, dass wir schon so unter Zeitverzug stehen und deshalb durchfahren müssen, anstatt Pausen zu machen, um zu schauen und zu fotografieren. Motive hätte es sicher reichlich gegeben. Die Straße ist teilweise asphaltiert, weist aber zahlreiche tiefe Schlaglöcher auf, so dass man nur langsam vorankommt. Bergauf kommt unser schwerer Wagen auch nicht sonderlich schnell voran.



In Morogoro hat uns dann die Zivilisation wieder. Wir können tanken, Luftdruck checken und Bargeld am ATM ziehen. Was uns nicht gelingt ist Lebensmittel einzukaufen. Es ist unglaublich, das eine Distrikthauptstadt an der wichtigsten Verkehrsachse des Landes und mit 250.000 Einwohnern noch nicht einmal einen kleinen Supermarkt aufweist.

Als Übernachtungsziel für den heutigen Tag haben wir uns für die Tan-Swiss Lodge in Mikumi entschieden. Bevor wir dort ankommen führt die Straße noch durch den Mikumi National Park. Auf der Transitstrecke muss man keinen Eintritt zahlen, darf aber auch nicht anhalten. So sehen wir zwar viele Tiere, verzichten aber auf das Fotografieren. An der Straße stehen Schilder mit Tarifen, was das Überfahren der verschiedenen Tierarten kostet. Bei einem Baboon kommt man mit 120US$ noch relativ günstig davon; ein Elefant reißt mit 15.000US$ schon ein größeres Loch in die Reisekasse.

Die Tan-Swiss Lodge ist super gemanagt. Da funktioniert alles reibungslos. Die Campsite liegt im hinteren Teil, so dass man von der Straße kaum etwas hört. Flammenbäume spenden Schatten. Mit Pools hab ich es nicht so, aber alle die Spaß am baden haben, kommen hier in der Lodge voll auf ihr Kosten.





Zum Abendessen geht’s ins Restaurant der Lodge. Ist nix dolles, aber der Service ist schnell und freundlich. Am wichtigsten ist aber, dass es kaltes Bier gibt.
Letzte Änderung: 14 Mär 2017 17:27 von Topobär.
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21 Mär 2017 16:54 #468480
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11.Tag (Di. 03.01.2017)
Mikumi – Iringa
202km


Während sich die anderen um den Abbau des Camps kümmern, fahre ich nach Mikumi zu einem Reifen-Fundi, der unseren kaputten Reifen flicken soll. Die Empfehlung habe ich in der Lodge bekommen, die dort auch die Reifen ihrer Fahrzeuge flicken lässt. Der Reifen ist schon so verschlissen, dass er sich nicht mehr flicken lässt, sondern ein Schlauch eingezogen werden muss.

Durch das Baobab Valley führt uns dann die sehr schöne Strecke entlang des Ruaha River. Nach dem Verlassen des Tals führt uns eine recht steile Paßstraße hinauf ins Hochland von Iringa. Die Paßstraße gilt als eine der gefährlichsten Strecken Tansanias und so kommen wir auch an einigen Wracks verunglückter LKWs vorbei.

Schon kurz vor Mittag erreichen wir das Rivervalley Camp welches einige Kilometer südlich von Iringa liegt. In manchen Reiseführern wird das Camp auch Little Ruaha Camp genannt. Es handelt sich dabei um ein und dasselbe Camp. Zu unserer großen Freude und Überraschung werden wir gleich von dem großen schwarzen Schmusehund begrüßt, der uns schon vor 4 Jahren Gesellschaft leistete. Er war damals schon nicht mehr der Jüngste und da Hunde in Afrika allgemein nicht so alt werden, hätten wir niemals vermutet, dass er noch lebt. Unsere Zelte schlagen wir auf einer schönen grünen Wiese unter großen Schattenbäumen auf.



Nach einem kurzen Mittagssnack machen wir uns auf den Weg nach Iringa. Wir haben uns auf der Campsite nach einem Fundi für Kühlschränke erkundigt und auch eine Empfehlung bekommen. Nur dank dieser Empfehlung finden wir den Fundi überhaupt, denn die Werkstatt liegt in einer Seitengasse und ist nicht beschildert. Einzig ein paar vor der Tür stehende Kühlschränke lassen erahnen, welchem Handwerk man hier nachgeht. Man nimmt sich sofort unseres Engel-Kühlschrankes an. Wir müssen zunächst einiges im Wagen umräumen, um den Kühlschrank auszubauen und dann machen sich die beiden Handwerker sofort an die Fehlersuche. Sie stellen fest, dass Kühlmittel fehlt und dass ein Kabel sich gelöst hatte. Das erklärt, weshalb der Kühlschrank erst schlecht und dann gar nicht mehr funktioniert hat. Nach einer Stunde ist unser Fahrzeug wieder mit einem funktionierenden Kühlschrank ausgestattet. Die Rechnung beläuft sich auf 60.000TSH. Jetzt können wir auf erfrischende Kaltgetränke im heißen Ruaha National Park hoffen.



Danach kümmern wir uns um einen Teil der Einkäufe für die Tage im Ruaha National Park. Hier in Iringa gibt es einen kleinen, aber gut sortierten Supermarkt, wo wir alles an Getränken und Lebensmitteln für die nächsten Tage einkaufen. Einzig Obst und Gemüse werden wir morgen früh auf dem Markt kaufen.

Den Nachmittag verdaddeln wir dann gemütlich auf der Campsite. Es fängt zwischenzeitlich leicht zu tröpfeln an und kühlt so weit ab, dass ich mir das erste Mal seit einer Woche eine dünne Jacke überziehe.

Abends gehen wir ins Restaurant der Camps. Wie beim letzten Mal gibt es Buffet. Es ist einfach, aber lecker. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.
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